Donnerstag, April 30, 2009

Langes Wochenende - Langes Video

Damit Euch nicht langweilig wird an diesem langen Wochenende ...

Radiohead, volles Konzert aus dem letzten Herbst in Japan, 1:28 lang

15 Step
Just
There There
All I Need
Weird Fishes/Arpeggi
The Gloaming
Optimistic
Jigsaw Falling Into Place
Idioteque
Fake Plastic Trees
Bodysnatchers
Videotape
Paranoid Android
Reckoner
Everything In Its Right Place
My Iron Lung
How To Disappear Completely

Zahl des Tages (30.04.09): +17%

So, ich finde vor einem langen Wochenende muss mal was Positives an diese Stelle :-) Auch wenn es eine etwas langweilige, profane Zahl ist.

Der April war nicht nur wettermäßig hervorragend, sondern auch börsentechnisch. Der beste Monat seit 6 Jahren brachte ein Plus von knapp

17%.

Das ist doch mal was ...

Handelsblatt: Dax: bester Monat seit sechs Jahren

UK Immobilienpreise 04/09: -0,4% Vm (-15,0%)

Nach einem kleinen Hüpfer im März (UK-Immobilienpreise 03/09: +1,7% Vm ,-15,9% Vj) gingen die Preise von Einfamilienhäusern in Großbritannien im April wieder nach unten.

Gegenüber dem Vormonat sanken die Preis um 0,4%, gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,0%. Berechnet hat die Zahlen die Hypothekenbank Nationwide.

Marketwatch: British home prices fall 0.4% in April
Oder direkt von der Quelle: Nationwide: April 2009 report (PDF).

Im Creditwritedowns-Artikel sind nette Grafiken enthalten (im PDF oben allerdings auch). Daran kann man schön sehen, dass die Fallgeschwindigkeit abnimmt, was wahrscheinlich darauf zurückgeht, dass die Immobilienpreise wieder auf dem langfristigen Durchschnitt angekommen ist.

Creditwritedowns: Nationwide: U.K. house prices resume their descent


Update (16:01)

Ha, zu lange gezögert. Das Handelsblatt war schneller:

Handelsblatt: Britischer Immobilienmarkt wieder auf Talfahrt

Chrysler (nicht/doch) insolvent/gerettet

Bis gerade eben wurde die Insolvenz immer konkreter ...

WSJ: Chrysler Chapter 11 Is Imminent

Daran könnte man dann auch ablesen, ob meine Spekulation auf eine GM Pleite wegen der CDS aufgeht oder nicht ...

Gleichzeitig meldet die WSJ (bis zur Sekunde ohne Artikel, nur Newsflash):

"Breaking News: Administration says Chrysler reorganization has "full support" of key stakeholders, largest creditors."

Dann vielleicht doch nicht Pleite.

Hmmm. Vielleicht waren auch einfach die meisten Gläubiger nicht über CDS abgesichert.

Übrigens wurden den Gläubigern (wohl) 30% des Nennwerts angeboten. So richtig doll ist das nicht.

Update (15:23)

Oder ist das ganze gar kein Entweder-Oder?

Restrukturierung UND Insolvenz geht ja auch ...

FAZ: Chrysler meldet Insolvenz an

Update (21:00)

So jetzt ist klar.

Einige Gläubiger haben nicht zugestimmt. Wahrscheinlich die, die sich per CDS abgesichert haben. Daraufhin platzte die Einigung. Als letztes Gebot lagen 2,25 Mrd. Dollar für die 6,9 Mrd. Dollar Schulden auf dem Tisch (also eine Quote von etwa 32%). Chrysler wird jetzt Insolvenz anmelden, dann gibt's nochmal Geld vom Staat und danach gibt es die Kooperation mit Fiat. Erst bekommt Fiat 20%, später 35% und zwar geschenkt. Dafür erhält Chrysler Zugriff auf die Technologie von Fiat.

Ich schätze, damit ist die Opel-Fiat-Geschichte hinfällig ... Fiat hat ja eigentlich nicht einmal genügend Geld, um für Chrysler was zu bezahlen.

Aber wer weiss. Vielleicht ist das alles auch ein perfides Spiel von Fiat. Denn die Lehre aus der Bankenkrise war ja: Werde so groß, dass du nicht mehr umfallen darfst. Fiat + Opel +Chrysler hätte auf jeden Fall eine Größe, die bei einer Krise jeden Politiker in Europa und Amerika sofort das Portmonee zücken ließen.

Tagesschau: Fiat soll Chrysler retten
Handelsblatt: Fiat steigt bei Chrysler ein

FAZ: Kommentar: Chrysler beim Chirurgen

Und zum Schluss ein paar praktisch Tipps für die drei Leute, die sich einen Chrysler haben und sich jetzt fragen, was denn da wohl mit der Garantie und den Reparaturen ist

Der Westen: Was die Chrysler-Insolvenz für Autobesitzer bedeutet

Mittwoch, April 29, 2009

Zahl des Tages (29.04.09): -6,1%

Selten, aber immerhin manchmal kann man sich ja aus den kommenden Zahlen schon eine vormerken, in der Gewissheit, dass diese interessant genug für die Zahl des Tages sein wird.

Heute gab es die erste Schätzung (genauer gesagt die Vorabschätzung) für das Wirtschafts"wachstum" in den USA im ersten Quartal 2009. Dafür wurde im Schnitt bereits ein Minus von 4,6% bis 5,1% erwartet, es kam aber noch schlimmer. Um

6,1%

ist die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Dabei handelt es sich wie in den USA üblich um eine annualisierte Zahl, sprich das Quartalsminus wird mit 4 multipliziert und somit auf ein ganzes Jahr hochgerechnet.

Damit ist das erste Quartal etwa genauso mies wie das vierte Quartal 2008, das am Ende mit -6,3% kam. Diese zwei Quartale zusammengerechnet ergeben das schlechteste Halbsjahr seit 19471957(!). Nimmt man die beiden Quartale davor auch noch dazu, ist das das schlechteste Jahr seit 1982.

Aber nicht alles muss in Tiefschwarz gemalt werden. Die "verfügbaren Einkommen" sind überraschend um 6,2% gestiegen (da bohre ich nochmal nach, die Zahl ist eigentlich zuuu gut). Eine zweite positiv zu wertende Zahl sind die Lagerbestände, die kräftig reduziert wurden. Allein dieser Effekt hat zu 2,8 Prozentpunkten Minus im BIP geführt, das heisst, dass fast die Hälfte des BIP-Minus auf die Änderung im Lagerbestand zurückgeht. Da solche Lagerbestandsänderungen nie besonders nachhaltig sind, darf man das als kurzfristigen Effekt werten. Anders ausgedrückt: Lange können die Lagerbestände in diesem Tempo nicht sinken ... Und dann wäre das BIP-Minus gar nicht so schlimm gewesen wie es auf den ersten Blick aussieht.

Marketwatch: GDP falls 6.1% in first quarter on record drop in investment
Zum Original: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2009 (ADVANCE)

Update (21:00)

Noch ein paar Highlights aus den BIP-Zahlen:

The Big Picture: GDP Falls 6.1%

Bankenbilanz Fake Nr. 4: Die Deutsche Bank

Die Empörung war groß. Ackermann hat - mitten in der Krise - sein Viertele erreicht: 25% Eigenkapitalrendite (NB: Wobei 80% der Leute, die sich darüber aufregen, gar nicht wissen, was eine Eigenkapitalrendite ist und diese hohe Eigenkapitalrendite viel mehr darauf zurück geht, dass die Deutsche Bank viel zu wenig Eigenkapital hat als dass die Rendite viel zu hoch wäre ...)

Aber (wie nicht wirklich anders zu erwarten war) beruhen auch die guten Zahlen der Deutschen Bank auf "Bilanzoptimierungen".

Die Deutsche Bank hat gut 31 Milliarden Assets vom Umlaufvermögen (muss zu Marktpreisen bewertet werden; Mark-to-Market) ins Anlagevermögen (kann mit dem wahren Wert bilanziert werden; Mark-to-Value) umgebucht. Dadurch "sparte" sich die Deutsche Bank Abschreibungen in Höhe von mehr als 1 Milliarde Euro.

Und was lesen/hören/sehen wir in großen Teilen der Medien? Ackermann macht tolle Gewinne. Und was erzählen uns die Politiker? Dass die Gewinn unverschämt ist.
Und was erzählt uns Ackermann? Dass er die Dankbarkeit der Öffentlichkeit wegen des tollen Ergebnisses vermisst.

Alles ziemlich am Thema vorbei ...

Focus: Rendite dank Bilanztricks
Zeitenwende.ch: Pimp up my profit

Einen anderen Aspekt gibt es noch hier:
Weissgarnix: Dank des Vaterlandes#

Update (12:29)

Einen Artikel zur Deutsche Bank Bilanz und dem angeblichen Hebel von 25, der sich aus einer Bilanzsumme von über 2 Billionen bei einem Eigenkapital von etwa 34 Mrd. errechnet (ergibt natürlich eigentlich eher 60):

FTD: 1121 Mrd. Euro und nichts dahinter

Update (12:37)

Eine ziemlich detaillierte Analyse der Bilanz, die den oben genannten Punkt aber nicht herausarbeitet ...

FAZ: Die Aktie bleibt heiß

BofA: Wir brauchen (viel!) mehr Geld!

Schätzt zumindest der Analyst Paul Miller.
Miller geht von bis zu 70 Mrd. zusätzlichem Eigenkapital für die Bank of America aus, sollte die Arbeitslosigkeit auf 12% (wie im negativen Szenario des Stresstest angenommen) steigen.

Hmmm.

Zerohedge: FBR: Bank Of America Needs $70 Billion (Dank an mash für den Hinweis!)

BofA und Citi: Wir brauchen mehr Geld!

Dass auf der heutigen Hauptversammlung mit einem Aufstand der Aktionäre gerechnet wird, ist da sicherlich nicht ganz überraschend ... Wobei Aufstände auf HVs in den USA richtig selten sind. Die meisten HVs finden (defakto, nicht erzwungen) unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Handelsblatt: Genug ist genug

Dienstag, April 28, 2009

Zahl des Tages (28.04.09): 17

So nach und nach sickern die Gerüchte/Nachrichten zu den Stresstests in den USA nach draußen. Die Ergebnisse für die 19 großen Banken habe ich ja schon heute morgen gebracht (BofA und Citi: Wir brauchen mehr Geld!). Am Abend gab es dann auch noch weitere Gerüchtezahlen von den größten 30 Regionalbanken (Bilanzsumme größer 100 Milliarden), die sich ebenfalls dem Stresstest unterziehen mussten.

Davon brauchen (gerüchtehalber)

17

neues Kapital.

Wie viel Kapital weiss niemand. Ob die 17 stimmt, auch nicht. Aber allein, dass fast die Hälfte der Banken als problematisch betrachtet wird, finde ich schon ziemlich erschreckend ... Denn das ist am Ende auch der Beweis dafür, dass nicht nur die Banken an der Wall Street völlig durchgeknallt waren, sondern die Banken "auf dem platten Land" ebenfalls ... (wobei sich das auch schon durch die FDIC-Nachrichten an fast jedem Wochenende ablesen liess).

Marketwatch: Seventeen regional banks may need to raise capital

Ein Sponsor, der unsichtbar bleiben möchte ...

Normalerweise will ein Sponsor einer Sportveranstaltung genau das Gegenteil erreichen: Sichtbarkeit ...

Ein Sponsor, der sich versteckt. Was es nicht alles gibt ...

Mehr hier:
FAZ: Finanzkrise auf dem Grün

Case-Shiller US-Hauspreisindex 02/09: -2,2% Vm (-18,6% Vj)

Der Preisverfall geht weiter. Im Februar 2009 zwar "nur" noch mit 2,2% gegenüber dem Vormonat und nicht wie im Vormonat mit 2,8%, aber allein dass das in dem Tempo weitergeht, ist erschreckend genug. 2,2% * 12 wären immer noch deutlich über 25% 8Update: genau 23,5%, siehe Kommentar)und deutlich mehr als die meisten Marktteilnehmer erwarten bzw. befürchten.

Gegenüber dem Vorjahr liegt das Minus bei 18,6% (19,0% im Januar). Auch das zeigt, dass die 2,2% Minus wenig beruhigend sind, denn das ist ein Rückgang der größer ist als der durchschnittliche monatliche Rückgang im letzten Jahr. Und der war ja schon schlimm genug ...

Edward Harrison hat noch ein paar nette Datenpunkte herausgepickt:

Phoenix, Arizona ist die erste Region, in der sich die Preise halbiert haben. Detroit ist auf den Stand von 1996 zurückgefallen. Mehr in seinem Blog Creditwritedowns.

S&P/Case-Shiller Home Price Indices - February 2009

Creditwritedowns: Case-Shiller: green shoots, yes but pretty grim nonetheless

Marketwatch: Pace of home-price declines slows: Case-Shiller

Update (17:06)

Immer gut, weil die Preisentwicklung grafisch drin ist:
The Big Picture: Case-Shiller Home Prices Index Down 31.6% from Peak

CDS werden GM vernichten

Ich hatte gestern über den Umstrukturierungsplan von General Motors berichtet. Danach müssen die Anleiheeigner ihre Schulden in neue Aktien umtauschen und würden bei kompletter Annahme des Angebots nachher etwa 10% an der neuen Firma halten. Die Details gibt's hier: Zahl des Tages (27.04.09): 1%.

Das ist ein ziemlich klassischer Debt-To-Equity-Swap, der im Fall von Überschuldungen relativ häufig gemacht wird. In den letzten Jahren hat sich jedoch eines geändert und das macht solche Sanierungen möglicherweise komplett unmöglich: Es gibt jetzt CDS. Mit diesen Credit Default Swaps schließt man eine Kreditausfallversicherung ab. Das heißt im Fall einer Pleite zahlt mir die Versicherung den Ausfall. Das läuft technisch etwas komplexer ab, aber diese Details sind jetzt nicht so wichtig.

Wichtig ist nur: Jeder, der einen CDS auf die GM-Bonds abgeschlossen hat, ist es bei einem Kurs von 100% egal, ob die Anleihe ausfällt oder nicht. Liegt der Kurs allerdings unter 100% und ist das Umtauschangebot auch auf diesem niedrigen Niveau kalkuliert, hat er kein Interesse, die Firma zu retten. Im Gegenteil: Für den per CDS-abgesicherten GM-Anleiheeigner ist die Insolvenz sogar interessanter, weil er dann nahezu sofort 100% bekommt. Ohne langes Warten, ohne weiteres Risiko.

Man kann das vergleichen mit einer Vollkasko-Autoversicherung, die keinen Schadensfreiheitsrabatt kennt und immer den Neuwert eines Autos auszahlt. Gäbe es eine solche Versicherung, würden auch alle ihr Auto alle paar Jahre frontal vor die Wand fahren. Und sich dann mit dem Geld ein neues Auto kaufen.

Genau das ist ein CDS: Die Insolvenz abzuwarten, ist weder Betrug noch zieht sie irgendwelche Konsequenzen nach sich (also eine höhere Prämie für die nächste Versicherung).

Im Fall der Auto-Vollkasko-Rundum-Glücklich-Police von oben wird jedem schnell klar wird, dass eine Versicherung so nicht funktionieren kann,. Diese Erkenntnis ist den hochbezahlten Experten an der Wall Street, die die CDS konstruiert haben, aber scheinbar noch nicht gekommen ...

Wenn man jetzt wüsste, wie viel Prozent der GM-Bonds mit CDS abgesichert wurden, könnte man auch direkt die Wahrscheinlichkeit für das Scheitern des Angebots ableiten (es reichen ja 10% Ablehnung). Denn die CDS-Käufer werden das Umtauschangebot nicht annehmen. Sie wäre ja auch blöd. Erst für den CDS Geld bezahlen und dann am Ende die versprochene Leistung nicht in Anspruch nehmen ...

Gefunden habe ich den Hinweis auf die CDS im Barrons:

Barrons: Pontiac Goes From GTO To KOed In GM’s Latest Restructuring Plan


Update (15:45):

(habe ich auch schon unter den GM-Artikel von gestern ergänzt, passt aber hier besser hin)

Wie erwartet sind die "Freien" Gläubiger wenig begeistert, da sie nur 10%, der Staat jedoch 50% bekommt, obwohl beide Schulden in ungefähr der gleichen Höhe einbringen. GM Chef Henderson sagt, dafür könne er nichts, der Staat hätte die Bedingungen diktiert.

Riecht ein wenig nach Absicht der Regierung. Erst den freien Gläubigern ein inakzeptables Angebot unterbreiten, diese lehnen dann ab und dann bekommt die Regierung doch noch das scheinbar angestrebte Ziel: Die Insolvenz. Der Unterschied zur direkten Insolvenz: Man hat einen Schuldigen: Die freien Gläubiger ...

FAZ: GM-Gläubiger weisen Sanierungsplan zurück
FTD: GM-Gläubiger schimpfen auf Rettungsplan

Update (13.05.09)

Ein anonymer Kommentator hat eine interessante Zahl nachgereicht. Angeblich (man kann das mangels öffentlicher Datenquellen nicht nachprüfen, übrigens eines der grundsätzlichen Probleme bei CDS) stehen nur etwa 2 bis 2,5 Mrd. Dollar an CDS auf GM Anleihen aus. Da nicht alle Halter der CDS auch Anleihen besitzen, könnte der Teil noch geringer sein.

Aber auch wenn die CDS-Halter allein nicht die 10% erreichen, die zur Ablehnung führen würden, könnte die CDS-Besitzer immer noch die größte Gruppe der Widerständler stellen.

BofA und Citi: Wir brauchen mehr Geld! (Udpate!)

OK, ausnahmsweise sagen die Banken das nicht selber, sondern die Fed sagt's. Das scheint eines der ersten Ergebnisse des Stresstests zu sein. Von diesem kennen wir Normalsterblichen ja gerade einmal die Annahmen. Warum sollte man auch die Öffentlichkeit davon informieren, in welches Loch die Abermilliarden gekippt werden ...

Laut Wall Street Journal braucht allein die Bank of America weitere Milliarden. Bei der Citigroup gibt es noch keine Gerüchte über die Größe des Lochs in der Bilanz. Einige Banken wie Wells Fargo (die bisher relativ gut durch die Krise gekommen sind), bekommen jetzt zunehmend Probleme mit den Hypotheken für Gewerbeimmobilien (siehe auch hier: Zahl des Tages (19.04.09): 27.300.000.000). Auch bei diesen Banken wird über neuen Eigenkapitalbedarf spekuliert.

Bis auf Goldman Sachs, die sich als erstes ein schönes Ergebnis zusammengelogen haben (1,7 Mrd. Gewinn-Fake bei Goldman Sachs) und danach schnell in die positive Stimmung eine Kapitalerhöhung platziert haben, dürften die anderen Banken keine realistische Chance auf eine erfolgreiche Kapitalerhöhung haben (der Trick funktioniert nicht mehr). Es sei denn, der Käufer ist der Staat ...
Und darauf läuft's wohl wieder hinaus: Kapitalerhöhungen zu unrealistisch hohen Kursen, gezeichnet durch den Steuerzahler. :-(

WSJ:Fed Pushes Citi, BofA to Increase Capital

Marketwatch: WSJ: Fed says Citi, Bank of America need more capital: WSJ

Update (10:44)

Handelsblatt: Ein paar Dollar mehr für Citi und Bofa

Update (11:31)

Creditwritedowns.com: Stress tests reveal Citi and BofA need more capital, but you knew that already

Update (16:39)

Noch ein interessanter Link:

FT Alphaville: And the results of the US bank stress test are…

Update (29.04.09)

Übrigens ist das Eigenkapital bei 6 der 19 Großbanken scheinbar so knapp, dass die Fed nicht einmal das Worst-Case-Szenario durchrechnen muss, um auf neuen Kapitalbedarf zu kommen ...

Bloomberg: Fed Is Said to Seek Capital for at Least Six Banks (Update1)

Montag, April 27, 2009

Zahl des Tages (27.04.09): 1%

Endlich liegt das Angebot von GM vor. General Motors droht ja bekanntlich unter der enormen Schuldenlast zusammenzubrechen. Daher *muss* General Motors die Schulden umstrukturieren. Eine der Möglichkeiten, die diskutiert wurde, war die Insolvenz. Eine andere war eine komplette Neuverteilung der Lasten zwischen Aktionären, Gläubigern und Mitarbeitern. Und diesen zweiten Weg geht man jetzt, bzw. möchte den gehen, denn es ist ja mit Stand heute nur ein Vorschlag von GM.

Das Verfahren heisst Debt-To-Equity-Deal. Man bietet den Gläubigern den Umtausch der Anleihen (sprich Schulden) in Aktien an. Das kann für die Gläubiger ein sinnvolles Geschäft sein, denn u.U. ist nach der erfolgreichen Umstrukturierung der Anteil an der Firma mehr wert als die Rückzahlung der Anleihen ohne Umstrukturierung ergeben hätte.

Wie sieht der Deal aus? GM bietet an, 1000 Dollar Anleihen in 225 neue Aktien umzutauschen. Daraus errechnet sich ein theoretischer Wert der GM-Aktien von 4,44 Dollar. Das ist natürlich viel mehr als der aktuelle Kurs (heute 2,20 nach +30% zum Vortag), wobei die Anzahl der Aktien kräftig steigt. Allerdings kosten die Anleihen von GM auch nicht einmal ansatzweise die 1000 Dollar Nennwert (eher 100 bis 250 Dollar je 1000 Dollar Nennwert). Der Wert der neuen Aktien mag gerechtfertigt sein, denn die Firma hat nachher auch viel weniger Schulden. Um genau zu sein, 27 Milliarden Dollar weniger.

Daraus kann man jetzt eine weitere Zahl ausrechnen: Wenn das Volumen 27 Mrd. Dollar beträgt und für jeweils 1.000 Dollar 225 neue Aktien ausgegeben werden, gibt es knapp 6,1 Milliarden neue Aktien. GM hat akuell etwa 600 Millionen ausstehende Aktien. Der Anteil der Altaktionäre sinkt also auf weniger als 10% (600 Millionen von 6,7 Mrd. insgesamt).

Da allerdings auch der Pensions- und Gesundheitsfonds für die GM Mitarbeiter in das Programm mit einbezogen werden sollen (Details stehen scheinbar noch nicht fest), sinkt der Anteil der Altaktionäre nach Berechnungen des Wall Street Journals auf magere

1%.

Das ist nicht wirklich weit von einer Komplettenteignung entfernt ... Man könnte auch von Chapter 11 ohne Chapter 11 sprechen ...

(Zumindest hat das WSJ die 1% im E-Mail-Alert angekündigt, leider kann ich die Zahlen online nicht finden und gebe das mit der gebotenen Zurückhaltung weiter, denn auch das WSJ irrt sich manchmal, wen auch nur selten. Sollte ich noch eine Quelle finden, reiche ich da nach. Wenn ihr eine findet, bitte einen Kommentar hinterlassen!).

Da der US-Staat GM inzwischen richtig viel Schulden von GM hält, wäre nach einem Umtausch dieser Anleihen zu ähnlichen Bedingungen der Staat größter Aktionär bei GM: GM = Government Motors (weitere Vorschläge zur Bedeutung von GM: The big Picture: Top 10 Things the Letters “GM” Stands For. Gut gefällt mir auch Giant Mess oder Great Mistake ;-) )

Übrigens droht GM auch direkt mit Insolvenz zum 1. Juni, sollten nicht mindestens 90% der Anleger das Angebot annehmen. Einen Monat hat man Zeit sich das zu überlegen.

Weitere Details: Die Marke Pontiac wird aufgegeben. Die Anzahl der Arbeitsplätze soll um 21.000 auf 40.000, die Anzahl der Fabriken um 16 auf 31 . Das Händlernetz soll um gut 40% eingedampft werden.

Marketwatch: GM offers creditors $27 billion in stock-for-debt deal
Handelsblatt: General Motors filetiert sich selbst
WSJ: GM Press Release on Updated Viability Plan

Das Umtauschangebot im Original:

GM: Form S4 - 26.04.09

Update (28.04.09)

Die FTD hat ein paar Details mehr:

Die Einigung mit der Gewerkschaft sichert dieser 40% an der "neuen" GM. Der Staat erhält für die etwa 30 Mrd. Dollar Unterstützung etwa 50%, die oben beschriebenen freien Anleihenkäufer etwa 10%.
Der Unterschied zwischen Staat und freien Anleihenkäufer ist relativ heftig, denn in beiden Fällen werden ungefähr 30 Mrd. in Aktien umgetauscht. Die freien erhalten dafür aber nur 10%, der Staat das Fünffache, nämlich 50% an der neuen GM.

Ich schätze, das gibt Ärger!

FTD: Wie sich General Motors retten will

Update (28.04.):

Wie erwartet sind die "Freien" Gläubiger wenig begeistert, dass sie nur 10%, der Staat jedoch 50% bekommt, obwohl beide Schulden in ungefähr der gleichen Höhe einbringen. GM Chef Henderson sagt, dafür könne er nichts, der Staat hätte die Bedingungen diktiert.

Riecht ein wenig nach Absicht. Erst den freien Gläubigern ein inakzeptables Angebot unterbreiten, diese lehnen dann ab und dann bekommt die Regierung doch noch das scheinbar angestrebte Ziel: Die Insolvenz. Der Unterschied zur direkten Insolvenz: Man hat einen Schuldigen: Die freien Gläubiger ...

FAZ: GM-Gläubiger weisen Sanierungsplan zurück
FTD: GM-Gläubiger schimpfen auf Rettungsplan

BofA vs. Merrill Lynch: Wer lügt?

Über die Vorwürfe von Ken Lewis, CEO der Bank of America, gegenüber dem Finanzministerium (et al) habe ich ja berichtet (Pssssst!). Darin ging es kurz darum, dass er die Übernahme von Merrill Lynch wieder abblasen wollte, als ihm die Risiken in den Büchern von Merrill Lynch bewusst wurden. Daraufhin habe man ihm mit Verlust des Jobs gedroht.

US-Finanzminster Timothy Geithner hat die Vorwürfe schnell dementiert. Und am Wochenende gab es die Anhörung von John Thain, Ex-Chef von Merrill Lynch, der ebenfalls dementierte.

Jetzt könnte man schnell zum Schluss kommen, dass Ken Lewis nur gelogen hat, um seinen Kopf zu retten. Ob er tatsächlich gelogen hat (oder die beiden anderen), weiss ich natürlich auch nicht. Aber immerhin ist Ken Lewis unter Eid verhört worden, während Thain nicht vereidigt wurde und Geithner überhaupt noch nicht verhört wurde. Auch wenn jetzt zwei sagen, dass die Version von Lewis falsch ist, kann trotzdem noch der eine die Wahrheit gesagt haben ...

Beide Versionen lassen sich auf jeden Fall nicht unter einen Hut bekommen ...

The Big Picture: The Prisoners Dilemma: John Thain vs Ken Lewis

Update (15:32)

Ein weiterer, etwas anderer Blick auf die Dinge:
Creditwritedown.com: BofA saga continues as John Thain calls Lewis a liar

Update (16:09)

Direkt zur Quelle:

WSJ: Thain Fires Back at Bank of America

Schweinegrippe Infoporn

Die Karte soll angeblich gepflegt werden. Schau'n mer mal


View H1N1 Swine Flu in a larger map

Wenn man auf die Einträge in der Leiste links klickt, scrollt die Karte nach Amerika (oder hier H1N1 Swine Flu - Amerika)

Gefunden über The Big Picture, der Artikel scheint aber nicht mehr online zu sein ...

Übrigens: Lasst Euch bloß nicht in Panik versetzen. Die Anzahl der Toten dieser Grippe ist NICHT wichtig. Zur Beurteilung der Gefährlichkeit muss man die Anzahl der Erkrankten kennen.

In Deutschland sind über 10.000 Grippetote pro Winter durchaus normal (FAZ: Ganz Deutschland ist vergrippt). Und das juckt auch niemanden wirklich.
Auch in Mexiko scheinen die meisten ziemlich problemlos die ach so gefährliche Grippe zu überstehen; zwei Drittel der Verdachtsfälle sind schon wieder gesund zu Hause: Reuters: Most suspected flu patients in Mexico now healthy

So: Don't panic!

Update (13:16)

Übrigens ist der Vergleich mit der spanischen Grippe 1918 VÖLLIG neben der Spur. Damals gab es noch KEIN Penicillin, das erste wirksame Antibiotikum, das auch in ausreichender Menge produziert werden konnte. Penicillin wurde erst 1928 entdeckt, dann interessanterweise 10 Jahre lang völlig vergessen (und das obwohl Penicillin als *die* eine Entdeckung gilt, die die Lebenswerwartung der Menschen am meisten verlängert hat). Erst durch neue Forschungsgelder der Briten im zweiten Weltkrieg wurde aus den Forschungsergebnissen ein Medikament (spannende Geschichte übrigens, siehe Wikipedia: Penicillin).
Man stirbt nämlich (im Normallfall) nicht an der Grippe selber, sondern an Folgeerkrankungen, vor allem an Lungenentzündungen (siehe Wikipedia: Influenza). Und alle diese Folgeerkrankungen kann man mit Antibiotika ziemlich gut behandeln.

Die Presse wird das womöglich im Kleingedruckten bringen (na gut, nicht alle), trotzdem wird die Bevölkerung mit weiteren Headlines a la "Jetzt schon xxx Tote in Mexiko", "xxx Tote auch in den USA", "Erster Fall in Deutschland", etc. pp. alamiert werden. Denn nichts bringt so viele Zuschauer wie eine kleine Panik ...

Update (13:41)
Telepolis: Schweinische Panik?

Update (14:29)

Wichtige Informationen hat auch die Titanic zusammengestellt:

Titanic: Fragen und Antworten zur Schweinegrippe

Update (14:35)

Marketwatch und das Handelsblatt halten die Schweinegrippe (im Gegensatz zu mir) offenbar für eine genauso große Bedrohung für die Weltwirtschaft wie 4 Billionen Verluste aus Toxic Assets ...

Marketwatch: Swine flu outbreak is new stress test for global economy

Handelsblatt: Schweinegrippe hat uns gerade noch gefehlt

Update (15:10):

Für alle die meinen, dass meine Betrachtung der Schweinegrippe menschenverachtend wäre, ein Hinweis: Mir geht es nur darum, dass es gut sein kann, dass die Finanzkrise deutlich mehr Menschen umbringen wird als die Schweinegrippe. Der IWF rechnet mit zusätzlich 90 Millionen Hungernden und wer weiss, was Hunger in vielen Teilen der Welt bedeutet, kann sich leicht vorstellen, wie viel Millionen Tote das bringen wird :-(

FTD: Warnung vor Hungerkatastrophe

Update (15:42)

Sonntag, April 26, 2009

Zahl des Tages (26.04.09): 51

Das Wochenende liefert doch immer zuverlässig eine Zahl des Tages ;-)

Wieder vier weitere Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Dabei auch mal wieder eine größere (1,5 Milliarden Assets) und vor allem eine, für die sich kein Käufer gefunden hat.

Spannend auch, dass sich der Schaden der FDIC prozentual zu erhöhen scheint. Die FDIC übernimmt inzwischen regelmäßig etwa ein Drittel der Anlagen übernehmen. Jetzt kann man mal einfach annehmen, dass die großen Banken genauso schlechte Bilanzen haben und das dann mal durchrechnen ... Gute Nacht!

US-Bankenpleite Nr. 48:

Name: American Southern Bank,
Sitz: Kennesaw, Georgia,
Assets: 112 Millionen Dollar,
Käufer: Bank of North Georgia,
Schaden für die FDIC: 42 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 55) (die Bank steht zwar mit einem anderen Sitz in der Liste, aber die anderen Werte passen).

FDIC: Bank of North Georgia, Alpharetta, Georgia, Assumes All of The Deposits of American Southern Bank, Kennesaw, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 49:

Name: Michigan Heritage Bank,
Sitz: Farmington Hills, Michigan,
Assets: 186 Millionen Dollar,
Käufer: Level One Bank
Schaden für die FDIC: 71 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 71).

FDIC: Level One Bank, Farmington Hills, Michigan, Assumes All of the Deposits of Michigan Heritage Bank, Farmington Hills

US-Bankenpleite Nr. 50:

Name: First Bank of Beverly Hills,
Sitz: Calabas, Kalifornien,
Assets: 1.500 Millionen Dollar,
Käufer: KEINER
Schaden für die FDIC: Unbekannt.

FDIC: FDIC Approves the Payout of the Insured Deposits of First Bank of Beverly Hills, Calabasas, California

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

US-Bankenpleite Nr. 51:

Name: First Bank of Idaho,
Sitz: Ketchum, Idaho,
Assets: 489 Millionen Dollar,
Käufer: U.S. Bank
Schaden für die FDIC: 192 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

FDIC: U.S. Bank, Minneapolis, Minnesota, Assumes All of the Deposits of First Bank of Idaho, Fsb, Ketchum, Idaho

Samstag, April 25, 2009

Zahl des Tages (25.04.09): 816.000.000.000

Das kam komischerweise in den 5-Minuten-Nachrichten auf WDR2 nicht, was mich echt wundert. Denn die Zahl ist ein Hammer.

Der BAFin ist das Ergebnis der Umfrage unter den deutschen Banken bezüglich der vorhandenen Toxic Assets "abhanden" gekommen ...

Und die Sueddeutsche Zeitung hat Zugriff darauf bekommen. Danach schlummern in den Bankbilanzen noch Toxic Assets im Gesamtwert von

816.000.000.000 (816 Milliarden) Euro.

Schluck. Kein weiterer Kommentar. Ich geh jetzt Grillen, obwohl es juckt, noch mehr zu schreiben ...

OK, eines schreibe ich noch: 816 Mrd. Toxic Assets bedeuten NICHT, dass auch 816 Milliarden abgeschrieben werden müssen. Etwas Gutes bedeutet die Zahl aber auch nicht ...

Sueddeutsche.de: Bilanz des Schreckens

Update (17:17)

Handelsblatt: BaFin-Liste: Veröffentlichung „nicht witzig“
FAZ: Bafin-Liste zu Bankrisiken sorgt für Aufregung
FTD: Aufregung um 800-Milliarden-Liste der Bafin

Update (26.4.09)

DonAlphonso weisst auch nochmal darauf hin, dass wir bereits vor ein paar Wochen von einem Papier hören durften, dass den Gesamtbestand des Giftmülls in Europa auf 18 Billionen geschätzt hat. Der Bericht verschwand dann dummerweise ziemlich schnell ...

Rebellmarkt: Wie gut, dass es England gibt

Freitag, April 24, 2009

Chinas Goldreserven +75%!

China ist damit der fünftgrößte Besitzer von Gold weltweit. Ende 2002 waren es 600 Tonnen, nach 454 Tonnen Zukauf sind es jetzt 1.054 Tonnen.

Das oftmals beschworene Ende des Dollars (auch von den Chinesen selber, siehe z.B. hier: Spekulantenblog: Chinas Unzufriedenheit mit dem Dollar als Leitwährung wird deutlicher), könnte ich hier jetzt beschreien, aber das gibt's nichts so schnell ... Und es ist falsch.

Creditwritedowns: Breaking news: China has been secretly stocking up on gold
Marketwatch: China's gold reserves jump, making nation No. 5 holder
FT.com: China reveals huge rise in gold reserves

Dazu drei Fakten als Basis
a) Das Plus bezieht sich auf den Vergleich von Anfang 2003 mit (steht nirgendwo genau, aber ich nehme an Ende) 2008, umfasst also 6 Jahre.
b) Chinas Devisenreserven betrugen Ende 2002 286 Mrd. Dollar (Quelle: Chinas Devisenreserven).
c) Ende 2008 waren es über 1900 Milliarden. (Zahl des Tages (12.04.09): 1.953.700.000.000)

Der Anstieg der Devisenreserven betrug also etwa 600%.

Wenn man jetzt die Zahl der Unzen Gold (+75%) in Beziehung mit den Devisenreserven (+600%) setzt, ist der Anteil des Goldes sogar GESUNKEN.

Ganz korrekt ist auch diese Betrachtung nicht, denn man muss ja den Wert des Goldes als Maßstab nehmen. Gold kostete Ende 2002 gut 350 Dollar, Ende 2008 gut 850 Dollar (Quelle: Kitco.com). Daraus ergibt sich, dass der Wert der Goldreserven nur gut vervierfacht hat (1,75*850/1*350), während sich die Devisenreserven versiebenfacht haben.

Also würde ich mal sagen: Fehlalarm! Von Umschichtungen keine Spur!

(Zum Grundsätzlichen: Die Abhängigkeit der Chinesen von den Amerikaner ist genauso hoch wie umgekehrt. Ich habe keine Ahnung, wie die Chinesen aus der Dollarfalle nochmal herauskommen sollen. Die Geschichten vom Tod des Dollar sind weit übertrieben ...).

wat was het een feest

Musik zum Wochenende:

The Whitest Boy Alive - Gravity - Live



Auch das ganze Album ist empfehlenswert, wobei sich bei der Downloadversion
noch einmal 6 Euro sparen lassen.

(Und ich Depp habe tatsächlich nicht mitbekommen, dass die auf Tour sind).

Vorbei. Schade.

Ralf Königs „Archetyp” - Folge 63

Danke liebe FAZ dafür!

Wer's verpasst hat, kann es aber alles nachholen:

Ralf Königs „Archetyp” - Übersicht

Freude: Mein Mac Mini funktioniert nicht an meinem Fernseher

Wieso ich mich über meinen gescheiterten Versuch freue, meinen alten Mac Mini an meinen alten 16:9-Röhrenfernseher anzuschließen?

Weil ich das hier verpasst habe:

Spiegel: Opel Corsa für alle!

Ursula Engelen-Kefer. Schüttel.

Aber den Begriff "Sozialsirene" muss ich mir merken. Obwohl ich insgeheim hoffe, dass ich mir in diesem Zusammenhang nix mehr merken muss und die Frau endlich anfängt, ihre zig Pensionen zu genießen und dem Wirtschaftswachstum zuzuführen.

Zahl des Tages (24.04.09): 1,28%

Hmmm, das ist ja eine einigermaßen überraschende Zahl. Die freien Aktionäre der Hyporealestate haben dem Staat im Rahmen der Übernahmeangebots (siehe Zahl des Tages (09.04.09): 1,39) erst

1,28%

der Aktien angedient. Der Staat hat neben dem Anteil aus der letzten Kapitalerhöhung jetzt knapp 10% zusammen. Es fehlen also noch 40% zur Mehrheit.

Hmmm. Halten die freien Aktionäre (und nicht nur Großaktionär JC Flowers) das Angebot tatsächlich für zu niedrig? Warten die einfach ab (die First läuft noch bis zum 4.5.09)?

Ich hätte angedient (allerdings die Aktie auch vorher nie gekauft). Denn ich schätze den inneren Wert der Aktie auf ziemlich genau Null ...

Handelsblatt: HRE-Aktionäre verschmähen Bund-Angebot

Update (13:28)

Wie im Kommentar angemerkt wird, droht ja auch die Enteignung mit Kursziel Null ...

Donnerstag, April 23, 2009

Zahl des Tages (23.04.09): 900.000

Mal wieder ein Blick über den Kanal.

Hier hört sich vieles soooo bekannt an ... So als würde man nicht über den Kanal, sondern den großen Teich schauen ...

Ich hatte die Zahl schonmal gebracht, es ist etwas her und finde sie aber nicht wieder ... Auf jeden Fall war sie damals nicht so hoch.

In Großbritannien haben inzwischen

900.000

Hausbesitzer Hypotheken, die den Wert der beliehenen Immobilie übersteigen. Grund sind natürlich die gesunkenen Immobilienpreise.

Jetzt weiss ich nicht, ob die Rechtslage in Großbritannien genau so ist wie in den USA, wo nur das Haus "haftet" und nicht der Immobilienbesitzer selber. In den USA verlassen die Leute einfach ihr Haus, geben den Schlüssel bei der Bank an und aus (gaaanz so einfach ist es natürlich nicht). In Großbritannien haftet aber wie in Deutschland wahrscheinlich der Immobilienbesitzer. Dieser wird deshalb alles tun, um die Hypothek zu bedienen und das Haus zu halten.

Erstmal ist das also nicht schlimm. Kritisch wird es erst dann, wenn die Hypothek nicht mehr bedient werden kann, z.B. wegen Arbeitslosigkeit. Dann fällt das Haus an die Bank und die sitzt auf einer Immobilie, die den Wert des Darlehens nicht mehr abdeckt und muss einen Verlust schreiben. Kritisch wird das natürlich auch dann, wenn die Bank kalte Füße bekomm und mit noch weiter fallenden Preisen rechnet und die Immobilie lieber heute als morgen haben (und direkt wieder verkaufen) möchte.

Auf jeden Fall sind das keine schönen Zahlen aus Großbritannien ... (und ich habe noch ein paar, die spare ich mir aber für's Wochenende auf)

Times: Tumble in house prices pushes 900,000 borrowers into negative equity

Pssssst!

Als einer der Hauptgründe für die Finanzkrise wird die mangelnde Transparenz der verkauften Papiere angesehen. Keiner wusste genau, was er da eigentlich kaufte, was aber egal war, denn es wurde 1% mehr Rendite versprochen und die Ratingagentur hatte ein AAA-Rating auf die Blackbox geklebt.

Genauso wie die Intransparenz ein Grund für die Krise war, ist Transparenz eine der Voraussetzungen für die Lösung der Krise. Ist? Besser ist scheinbar "wäre" ...

Dass die Bilanzen der Banken voller Giftmüll stecken, ist bekannt. Die Optimisten sagen, dass das bereits bekannt ist und durch die Abschreibungen von inzwischen etwa 1 Billionen Dollar berücksichtigt ist. Die Pessimisten (z.B. der IWF) meint dagegen, dass erst etwa ein Drittel der Abschreibungen vorgenommen wurden.

Nach der pessimistischen Beurteilung würden in den Bilanzen der US-Banken noch Papiere liegen, die etwa 2 Billionen zu hoch bewertet sind. Und niemand gibt zu, dass man selber welche davon hat.

Kritisch wird es, wenn Aktionäre dabei bluten müssen. Nicht weil es für die Aktionäre so unglaublich schlimm ist, sondern weil die Aktionäre in den USA relativ fundierte Klagerechte haben, die relativ häufig zu Schadensersatzansprüchen führen.

Genau das könnte jetzt bei der Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America drohen. In der Bilanz von Merrill Lynch steckten nämlich genau diese Schrottpapiere und zwar viel zu optimistisch bewertet. Nur ging es Merrill Lynch schlecht und zwar so schlecht, dass die Firma ohne Übernahme wohl nicht überlebt hätte. Also hob man den Teppich hoch, kehrte die Schrottpapiere darunter und schwor sich, keinem was zu sagen. Dem Chef der Bank of America wurde wohl auch ziemlich offen mit dem Verlust des Jobs gedroht, sollte er was verraten und die Übernahme von Merrill Lynch platzen.

Im Teppichkehr-Orden mit Schweigegelübde befanden sich illustre Personen: BofA Chef Lewis, der damalige Finanzminister Henry Paulson und ... Ben Bernanke.

Das Problem an der Aktion: Die Probleme waren schon bekannt, die Aktionäre der Bank of America mussten aber der Übernahme noch zustimmen. Da die Bilanz von Merrill scheinbar OK aussah, der Kaufpreis günstig erschien und der Staat die Übernahme mit Hilfen förderte, stimmten sie dann auch zu.

Wenn die Aktionäre der Bank of America gewusst hätten, dass bereits wenige Wochen später knapp 16 Milliarden Dollar Sonderabschreibungen unter dem Teppich gefunden werden, wäre diese Abstimmung wohl anders gelaufen.

Wieso hat der Staat nicht einfach selber Merrill Lynch gerettet? Wieso hat der Staat die Aktionäre der Bank of America mit ins Boot gelockt? Haben die Verantwortlichen in den USA wirklich geglaubt, dass man mit der Nummer durchkommt?

Vertrauen und Transparenz schafft diese lügende, äh leitende Klasse so auf jeden Fall nicht ...

WSJ: Lewis Testifies U.S. Urged Silence on Deal

Upate (21:40)


Eine Einschätzung:

Marketwatch: Bernanke and Paulson look foolish if Lewis is right

Update (21:42)

FJ meint, dass das alles ein wenig nach CoBa-DreBa rieche. Könnte durchaus sein ...

Auch Moody's stuft Lettland und Litauen herab

Litauen von A2 auf A3 (A- bei S&P; also weiterhin Investmentqualität)
Lettland von Baa1 auf Baa3 (BBB+ bei S&P; letzte Stufe mit "Noch-Investmentmentqualität)

Estland hingegen blieb stabil bei A1 (=A+ bei S&P), allerdings wurde der Ausblick auf negativ gesenkt.

Der Konkurrenz-Ratingagentur Fitch ist da schon einen Schritt weiter und hat Lettland bereits seit Anfang des Monats auf Junk. Auch Estland sieht Fitch deutlich negativer: Zahl des Tages (08.04.09): 4


FT Alphaville: Moody’s downgrades Lithuania, Latvia

Fiat will Opel kaufen

Da sag mal einer, der egghat hätte keinen Plan ...

Ich zu Opel im letzten November:


"Und eine europäische Lösung? Opel+Saab+Fiat? *Das* hört sich zwar direkt an wie der Club der Fußkranken, aber könnte die nötige Größe bieten, technisch arbeitet man auch schon zusammen und auch regional könnte man sich aufteilen (Fiat macht Südamerika, Opel Nordamerika, etc). "

"Meine Empfehlung an die deutsche Politik:

a) Verstaatlichen, Lösung mit Fiat anstreben, ansonsten abwickeln.

oder

b) nix tun."
Quelle: Solarworld will Opel Werke kaufen! Aber warum?

Jetzt wird doch tatsächlich scheinbar etwas aus der von mir favorisierten Lösung. (favorisiert allerdings durch durch die Erkenntnis, dass die Politik in einem Wahljahr eh irgendwas macht und niemand den Mut hat, Opel Pleitegehen zu lassen; es also nur darum geht, komplett schwachsinnige Lösungen zu verhindern).

Spiegel: Fiat will Mehrheit an Opel übernehmen

Wenn jetzt noch jemand in Berlin die Idee mit der Bad Bank fallen lässt, mach ich mir ein Bier auf ;-)

Update (14:40):

DerWesten.de: Opel-Betriebsrat lehnt Fiat-Einstieg ab

Hmm, ich wäre darüber froh, dass überhaupt jemand kaufen will! Oder hat der Betriebsrat darauf gehofft, dass der Laden zu VEB Automobile gemacht wird und alle Mitarbeiter sofort verbeamtet werden? Dass es bei *tiefe* Einschnitte geben wird, ist doch unumstritten, oder?

Update (15:05)

Ein anderer Interessent soll der Automobilzulieferer Magna sein, der wohl von der russischen Sberbank unterstützt wird.

FAZ: Fiat greift angeblich nach Opel
Handelsblatt: Fiat greift nach Opel
FTD: Fiat will Opel übernehmen

Ich gebe allerdings zu, dass die Kritik von Franz nicht so falsch ist. Die beiden letzten Anbandlungsversuche von Fiat (erst Chrysler, jetzt Opel) riechen mehr nach "Ich will an den Rettungstopf" als nach einer wirklichen Strategie für die Zukunft.
Allerdings ist für mich auch klar, dass ohne *dicke* finanzielle Unterstützung durch den Staat niemand Opel kaufen wird. Eventuell ein Käufer aus Asien, der wird aber in 10 Jahren keine einzige Fabrik mehr in Deutschland betreiben ... Die interessieren sich nur für Know-How, Marke und Vertriebsnetz.

Update (18:33)

Und noch ein paar weitere Spekulationen:

a) Verhandelt Fiat nur mit Opel, um Druck auf Chrysler zu machen?
b) Angeblich spricht Fiat auch mit Renault.

Wir werden sehen ...

Update (21:48)

Die FR meint, dass es Fiat vor allem um sich selber gehen würde ...

FR: Fiat will sich selbst retten

Die Russen haben dementiert:

Handelsblatt: Russen sagen Njet zu Opel

FAZ: Betriebsrat fürchtet Stellenabbau

Dazu nur ein Wort: Stellenabbau wird es auf jeden Fall geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Und nochmal ein Faktenüberblick zu Opel/Fiat von der FTD:

Was eine Fusion Fiat-Opel bedeutet

Update (22:24)

ntv hat auch einige Stimmen gesammelt:
"Dem Tode geweihte Ehe" - Opel und Fiat

VW will Porsche kaufen?!?

Häh?

Die Stammaktien von Porsche sind doch gar nicht frei notiert. Wie also an die Stammaktien kommen? Ist da einer so klamm, dass er verkaufen muss? Hat sich Porsche so verhoben, dass droht, dass Porsche zu Schaeffler Reloaded wird?

Auf jeden Fall wäre das eine der überraschendsten Wendungen, die es in der deutschen Wirtschaftsgeschichte gab.

Ebenfalls interessant: VW Aufsichtsratvorsitzender und Ex-Chef Ferdinand Piech hat den Kampf um die Macht bei Porsche verloren (die Stimmrechte bei Porsche liegen im Wesentlichen bei zwei Familien(clans) und Ferdinand Piech gehört zu einem der beiden großen, allerdings dem kleineren Anteilseigner).
Piech wurde damals auf die Niederlage angesprochen (finde den Artikel leider nicht wieder) warauf er angekündigte, dass man schon bald was von ihm hören würde. Ich schätze, "schon bald" ist heute ... Alter Stratege, der Piech.

FTD: VW spielt Porsche-Kauf durch

Update (15:15)

Die FAZ berichtet von Gerüchten, dass im Teilhaberkreis von Porsche die Rückendeckung für Porsche-Chef Wiedeking schwächer werden soll.

FAZ: Porsche dementiert Verkauf an Volkswagen

Wenn die ganzen Gerüchte nicht einmal alle gezielt gestreut wurden .... Von dem Mann mit dem "ë" im Namen.

Update (18:36)

Eine interessante Meinung dazu von Zeitenwende.ch:
Zerbricht Porsche am Ego Wiedekings?

Update (21:35)

Noch ein paar Meinungen:
FTD: Dossier: Porsche-Familien ringen um Macht
Handelsblatt: VW-Rettungskauf von Porsche könnte der Preis für Frieden sein

Update (24.04.09)

Noch ein letzter Link:

FTD: Das Kapital: Porsche entgleitet sein Börsenspiel

Mittwoch, April 22, 2009

Zahl des Tages (22.04.09): -6%

Gut, die Zahl ist diesmal richtig unspannend, weil die wirklich überall kam (es war bestimmt die erste Nachricht in der Tagesschau, oder?). Allerdings ist sie dann doch so wichtig, dass auch ich die nochmal bringen möchte.

Heute gab es zwei neue Schätzungen zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Der IWF hat seine Schätzung für das BIP 2009 auf minus 5,6% gesenkt; die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sogar auf

-6% (minus 6 Prozent).

Auch 2010 soll es noch (leicht) weiter nach unten gehen (IWF -1% bzw. -0,5%). Dafür dürften schon allein die nachlaufenden Effekte (Arbeitslosigkeit --> Konsumrückgang) sorgen.

Die wirkliche Sensation aber: Die Zahlen sind endlich in Berlin bis zu "Denen ganz oben" durchgedrungen. Peer Steinbrück spricht heute zum ersten Mal von einem Minus von 5,x%.

Vor nicht einmal zwei Monaten wurde der Chefvolkswirt von der Deutschen Bank Prof. Walter noch für seine -5,x% von den Politikern (und Teilen der Presse) als unverantwortlicher Schwarzmaler kritisiert (Zahl des Tages (24.02.09): 5 (oder noch mehr)). Und in nur 8 Wochen ist das auf einmal Konsens ...

Gut, verstanden oder gar verarbeitet hat man die Zahlen in Berlin noch nicht, denn ansonsten hätte man nicht wie ein Mantra "kein drittes Konjunkturpaket", "kein drittes Konjunkturpaket", "kein drittes Konjunkturpaket" in die Kameras gebrabbelt ...

Spiegel: Deutschland stürzt in tiefe Rezession

Tagesschau.de: Tiefste Rezession seit den 30er-Jahren

Boah.


  • Immobilienblasen: the blog title means property bubble in German. I have aways considered Immobilienblasen a good bilingual effort that does a good job of bridging the German and Anglo-American world. It has been around since well before the econblog space got noticed.
  • Zeitenwende: this is a Swiss blog in German and has been a very good source of information fr me on the goings on at UBS, Credit Suisse, Glencore and other Swiss companies. It went on a brief hiatus earlier this year, but I am happy to report that it is back.
  • egghat’s blog: Egghat is another German blogger who has been around for quite some time (since before the econblogging space became noticed after Lehman’s demise). Although, he writes completely in German, egghat does have a lot of good information on the U.S. financial crisis as well.
  • Blick Log: this is the most recent German-language blog I have been turned on to. Very, very good detail on the German situation specifically. If you want to know what is happening at HSH Nordbank, WestLB or Deutsche Bank, this should be on your list.


Creditwritedown: The German econblogger space is just fine

Am 1. Juni ist alles vorbei

Aschermittwoch für GM?

Am 1. Juni muss ein Kredit über 1 Milliarde Dollar zurück gezahlt werden. Dass das klappt, bezweifelt jetzt sogar schon GM ...

Marketwatch: GM reportedly to miss $1 bln debt payment due June 1

Update (23:25)

Handelsblatt: GM räumt Rückzahlungsschwierigkeiten ein

Freddie Mac CFO Kellerman begeht Selbstmord

Private Probleme? Ist anzunehmen, denn er ist erst seit letztem Herbst CFO und damit an dem Desaster, das sich in den Jahren zuvor zusammengebraut hat, nicht verantwortlich. Zumindest nicht in erster Linie, in zweiter vielleicht doch, wenn er war 16 Jahre bei Freddie Mac (angesichts seines jungen Alters von 41 also quasi sein ganzes berufliches Leben).

FT Alphaville: Freddie CFO commits suicide

Update (18:02)

Marketwatch: Freddie Mac acting CFO found dead in apparent suicide
Spiegel: Freddie-Mac-Manager tot aufgefunden - Aktie bricht ein

Update (23.04.09)

Für den Spiegel ist die Story natürlich ein gefundenes Fressen:
Spiegel: Tod des Schattenmanns
Auch wenn der Journalist darauf beharrt, dass sich Kellerman mit zwei N zu schreiben hat ..

Ein ♥ für Blogs

So, dann mach ich da auch mal mit bei der Stylespion-Aktion

Ein ♥ für Blogs - Ein Herz für Blogs ...

Meine 5 Lieblingsblogs aus deutschsprachigen Landen:


  • WEISSGARNIX (viele lesenswerte Artikel, fast schon zu viel! Mit Querlesen und ohne Nachdenken kommt man da nicht weit)

  • Zeitenwende-Blog (gut, dass das wieder lebt!)

  • Rebellmarkt (so würde ich gerne formulieren können)

  • Kopfzeiler (Pflicht, auch weil dort nur relativ selten was zu lesen ist)

  • Spiegelfechter (gute Reflektionen Themen, die ich zwar spannend finde, die aber trotzdem in meinem Blog zu kurz kommen)

Ich habe mich extra bemüht, nicht ausschließlich Finanz/Wirtschaftsblogs zu bringen, aber genau genommen habe ich das gerade einmal um das Aspekt Politik/Gesellschaft erweitert.

Wenn ich nur Finanz/Wirtschaftsblogs genommen hätte, wären auch die folgenden in der engeren Auswahl gewesen:

  • Herdentrieb (Zu wenig Blogcharakter, aber exzellenter Content)

  • Trader`s Quest (manchmal finde ich dort absolute Gems)

  • Börsennotizbuch (immer ein guter Anlaufpunkt für die "heißen" Themen)

  • Blicklog (ich mag besonders die Linkübersichten, vor allem, wenn ich da drin bin ;-))

Ansonsten vielleicht noch Indiskretion Ehrensache oder ganz profan: MyDealz

Dienstag, April 21, 2009

Zahl des Tages (21.04.09): 1.200.000.000.000

"Der IWF erwartet 4 Billionen Schaden durch die Finanzkrise" schreiben heute alle.

Marketwatch: Credit losses could hit $4 trillion, IMF says
FAZ: IWF schätzt Verluste auf 4 Billionen Dollar
IWF: Krise kostet über vier Billionen Dollar

Aber hatten wir das nicht schon?

Zahl des Tages (06.04.09): 4.000.000.000.000

?!?

Ok, ich sehe. Am 6. April war es nur eine Vorabmeldung der Times, heute ist es offiziell:

IMF.gov: Further Action Needed to Reinforce Signs of Market Recovery: IMF

Ein paar Details haben sich noch leicht geändert. Es sind jetzt genau 4,054 Billionen Verluste. Etwa 2,7 Billionen Abschreibungen gibt es auf Papiere aus den USA, 1,2 Billionen auf europäische und 0,149 Billionen auf japanische Papiere.

Der Löwenanteil des Anstiegs gegenüber der letzten Schätzung (damals noch 2,2 Billionen) geht auf die beiden zuletzt genannten Zahlen zurück. Die europäischen und japanischen Papiere waren in die ersten Berechnungen schlichtweg nicht drin.

Von den Verlusten landen etwa 60% bei den Banken, der Rest bei den Versicherungen und Pensionsfonds.

Abgeschrieben sind bisher erst etwa ein Drittel der gesamten Verluste. Zwei Drittel haben wir also noch vor uns. Juchhu!

Und was noch schlimmer ist (so langsam nähern wir uns der Zahl des Tages):

Um die Banken am Leben zu halten (Eigenkapitalquote von 4%), brauchen die Banken in den USA 275 Mrd, die Banken in Europa 600 Mrd. Dollar neues Eigenkapital.

Wenn das Ziel nicht nur das reine Überleben, sondern eine ausreichende Eigenkapitalquote wie Mitte der 90er-Jahre sein sollte (also etwa 6%), ergeben sich folgende Zahlen:

Die US-Banken benötigen insgesamt 500 Milliarden Dollar.

Und die europäischen Banken brauchen satte

1.200.000.000.000 (1,2 Billionen) Dollar.

Schreck lass nach.

725 Mrd. Dollar brauchen die Euroland-Banken, 250 Mrd die britischen und 225 Mrd. die Banken in "Resteuropa". Die Zahlen finden sich übrigens nicht in der Pressemitteilung, sondern in der Executive Summary der Langversion.

Der IWF sieht große Probleme in Osteuropa, ich verweise dazu auch gerne nochmal auf die österreichischen Banken: Nix mehr Felix Austria?

Die Langversion (240 Seiten) habe ich dann aber auch nicht gelesen. Obwohl da bestimmt noch 'ne Menge spannender Sachen drin stehen.

Über Kapitalerhöhungen kann das Loch realistisch nicht finanziert werden. Soviel ist der Sektor nicht wert und zwar schon lange nicht mehr und auch nicht einmal annähernd. Der IWF spricht daher auch explizit von (temporären) Verstaatlichungen.
Das bleibt auch weiterhin mein bevorzugtes Szenario. Nur den Schrott beim Steuerzahler in der Bad Bank abzulagern, ist irgendwie unfair. Da müssen Aktionäre UND Anleiheeigner mit ins Boot und mitbluten

Die Geschichte der Schätzungen:
8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.2008, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden
28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust
21.1.2009: Nouriel Roubini: 3,6 Billionen Dollar
28.1.2009: IWF: 2,2 Billionen Schaden
6.4.2009: IWF: 4 Billionen Dollar Schaden

Update (18:16)

zu sowas: Steinbrück: Die „giftigen Papiere“ werden die Steuerzahler nicht belasten fällt mir dann nur noch ein Wort ein: Vera****e. Sorry Peer. Die Verluste werden sich nicht in Luft auflösen. Da hilft das politikertypische Beten nicht. Aussitzen auch nicht. Nichts. Das Einzige was hilft, ist das irgendwo zu verstecken und in 10 Jahren nicht mehr im Amt zu sein. Ach sehe gerade ... darum geht's. Nach mir die Sintflut. Na dann Amen.

Update (22.04.09)

Noch eine interessante Einschätzung aus den Kommentaren:

---
Bezogen auf das Bruttosozialprodukt sieht es in UK aber schlimmer aus als in der übrigen EU.

BSP UK: 2.2 Billionen US$ (2005)
BSP Rest-EU: 11 Billionen US$ (2005)

In UK brauchen die Banken also ca. 10% des BSP, in der übrigen EU ca. 7%.

---

Der IWF hatte übrigens in der Berechnung einen Fehler. Der ist inzwischen aber korrigiert worden. Der Schaden für den britischen Steuerzahler wird 6 bis 13% des BIPs geschätzt (mit 9,1% im mittleren Szenario). Der deutsche Wert liegt übrigens nur bei 3,1%.

FT Alphaville: IMF and Table 1.8 gate

Mal wieder was Lustiges ...

Auf den Hinweis eines (leider anonymen) Kommentators hin mal wieder ein Witz:




Also mein Englisch versagte dabei. Das ist ziemlich übel genuschelt. Aber der Freund Google spuckte bei der Wahl ein paar clevere Suchbegriffe eine Mitschrift des Gags aus:

---
This is a story about a man. His wife has told him that if he ever comes home drunk she will leave him.

Nonetheless he goes out. He drinks a lot and throws up all over himself. He turns to his friend and asks what he can do. His friend is helpful.

“Go home,” he says. “Tell your wife someone threw up on you. And put a twenty pound note inside your jacket pocket. Show her the money and tell her the other man gave it to you for the dry cleaning bill.”

So this he does. His wife is at first angry. But he explains. He tells her about the drunk man who threw up on him. He shows her the twenty pounds.

She looks. “But why have you got two £20 notes?” she asks.

“Oh,” he says. “The other one is from the man who shat in my pants.”
---

Gibberisch: Best gag ever, by Clement Freud

Christiansen ist wieder da. Arggggghhh :-(

Und die gaaaanz alten Leser werden sich nicht wundern, wenn ich sage, dass ich das natürlich NICHT geschaut habe (Suche nach Christiansen).

Gut,es hätte sein können, dass sich während des Zuschauens irgendein Erkenntnisgewinn einstellt.
Es hätte sein können, dass man irgendwas Neues erfährt.
Es hätte sein können, dass Christiansen intelligente Fragen stellt.
Es hätte sein können, dass es intelligente Antworten und nicht nur die übliche Phrasendrescherei gibt.

Hätte, wennse, aber.

Ich zitiere nur vier Meinungen:

a) Handelsblatt:

"Die Talkerin versteht es immer noch, mit ihren Fragen haarscharf am Ziel vorbeizuschießen."

"[...] der krisengestählte, um die Zukunft des Landes quälend besorgte Blick – Christiansen hat es immer noch drauf"
(wie ich den Blick hasse)
"Christiansen gelingt es, die Antworten rechtzeitig abzuschneiden, bevor sich ein zusammenhängendes Gespräch entspinnen kann. Ein Markenzeichen von Christiansen, schon in ihrer Zeit bei der ARD."


Handelsblatt: „Haben wir den Bodensatz erreicht?“

b) FAZ:

"[Christiansen] kaum über die Rolle der Stichwortgeberin hinauskommend"

"Das alles ließe sich durchaus rechtfertigen, wenn dafür ein besonders konstruktives Gespräch entstünde, wenn neue Ideen diskutiert und die spannenden Themen in einer fürs Fernsehen gewagten Tiefe besprochen würden. Doch dazu kam es in den 60 Minuten nicht, dafür wurde zu vieles angeschnitten, was dann nur oberflächlich abgehakt werden konnte."


FAZ: Die Rückkehr der Sabine Christiansen

Der Artikel ist leider ziemlich zurückhaltend. Ich hoffe, es kommt noch was im Fernsehblog.


c) Spiegel:

"[...] so war allenfalls interessant, in welchem Ausmaß Sabine Christiansen zur Karikatur ihrer selbst geworden ist. Und wirklich, sie ist ein großes Stück vorangekommen. Man kann nur hoffen, dass sich die wunderbaren Kollegen von "Switch reloaded" auf Pro Sieben der Sache annehmen werden. "


Spiegel: Gruppenbild mit Domina

d) Welt:

"Das Kratzen an der Oberfläche wiederholte sich permanent. An Stellen, an denen es gerade interessant zu werden versprach, pflegte die Gastgeberin eine Marotte, die schon in den 447 Folgen ihrer ARD-Sonntagabendshow zu besichtigen war, nämlich ansatzlos das Thema zu wechseln."

Welt: Christiansens Comeback als Gesprächsverhinderin

Kurz: Das gleiche Desaster, das uns zum Glück zwei Jahre lang erspart blieb.

Hat noch jemand gute Verrisse in der Blogosphäre oder woanders entdeckt? Ich verlinke das gerne :-)

Update (12:54):

Das ist doch ein gutes Zeichen:

Talk-Duell: Strunz vor Christiansen

Obwohl die Sendung vorzeitig lief. Mit etwas längerer Ankündigung hat die Frau wahrscheinlich wieder vernünftige Einschaltquoten.

Koreanischer Wirtschaftsblogger frei gesprochen

Nur ein kurzes Update, weil es hier mal Thema war (Ich muss aufpassen, was ich schreibe ...). Der koreanische Wirtschaftsblogger, der wegen seiner koreakritischen Beiträge verhaftet wurde, ist gestern frei gesprochen worden.

Ausnahmsweise mal eine Geschichte mit einem guten Ende.

Heise.de: Südkorea: Gericht spricht Wirtschaftsblogger frei

Auf den zweiten Blick ...

... sehen manche Sachen ganz anders aus als auf den ersten ...

So wie das hier: Bank of Amerika mit 4,2 Mrd. Fake Gewinn oder das Citigroup mit 1,6 Mrd. Fake Gewinn oder das 1,7 Mrd. Gewinn-Fake bei Goldman Sachs oder das: Youtube (hier klicken und wenigstens 1 Minute anschauen. Man kann das leider nicht embedden).

Incredible! (nicht meine Art von Musik, aber trotzdem!)

Egghat's blog. Euer Blog für den zweiten Blick.

Montag, April 20, 2009

Zahl des Tages (20.04.09): 16

So. Die Ergebnisse der Stresstests für die US-Banken sind da. Oder auch nicht. Alles nicht offiziell. Alles nur in einem (mir unbekannten) Blog geleakt. Es kann seeeehr gut sein, dass das alles Fake ist. Und es kann seeeehr gut sein, dass wir nie erfahren, ob das wahr ist, selbst wenn es wahr sein sollte.

Wenn die Ergebnisse stimmen sollten, kommt auf Obama eine größere Rettungsaktion zu. Und die Prognosen von Roubini (The US-Banking System as a whole is insolvent") würden eintreffen. Da ich über alles berichtet habe, dürfte das zumindest hier niemanden wirklich schocken.

Aber genug der Einleitung. Turner Radio Networks meldet in seinem Blog, dass es die Ergebnisse des Stresstests kennt. Danach sind

16

der 19 untersuchten US-Großbanken insolvent.

Schluck.

Die Details im Posting unten. Noch ein paar Schocks gefällig?

  • 5 der Banken sollen Kreditverpflichtungen allein aus Derivate-Geschäften haben, die das Eigenkapital übersteigen.
  • Die Liste der "notleidenden Banken" soll inzwischen 252 Einträge lang sein. Diese Banken haben Assets im Wert von insgesamt 159 Milliarden Dollar.
  • Daneben gibt es noch 1,816 gefährdete Banken mit Assets im Gesamtwert von 4,67 Billionen Dollar.
  • Goldman Sachs hat ein gesamtes Kredit Exposure von 1.056% des Eigenkapitals, also mehr als zehn Mal so viel!

(Ihr merkt, ich habe mir Mühe gegeben, nicht wieder eine große Zahl zur Zahl des Tages zu machen ...)

Danke an für den Tipp an Olaf von Traders Quest.

Turner Radio Network: LEAKED! Bank Stress Test Reults

FTD: Börsianer rätseln über Stresstest-Meldung

Update (21.04.09)

FT Alphaville hat versucht, die Glaubwürdigkeit der Quelle etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die ist scheinbar nicht sonderlich hoch. Das US-Finanzministerium hat auch dementiert, was aber wenig überrascht.

FT Alphaville: Stress testing the stress test reports

Glaubwürdig würde die Sache IMHO dann, wenn auf Wikileaks was auftauchen würde, wie bei den Barclays-Steueroptimierungen (Barclays will Geld vom Staat - aber wollte nie Steuern zahlen.).

Außerdem ist dieser Hal Turner ein Rassist und damit gilt er für mich eh als verwirrt.

Update 2 (21.04.09)

Hal Turner sagt jetzt, dass er einen Anruf von der SEC bekommen habe und diese mehr oder weniger freundlich um Herausgabe der Daten (die es lt. Finanzministerium ja gar nicht gibt) gebeten habe.

Diese Story bleibt obskur und verwirrend.

FT Alphaville: More stress test stress

Kleine Hirnwäsche

Ich kann's nicht lassen.



Insbesondere der dritte mit dem kleinen Legal Disclaimer ist cool ;-)

Und MS macht Werbung mit "ich bin nicht cool genug für einen Mac" und "uh oh I'm cheap". Welcher Werbemensch denen das empfohlen hat, möchte ich mal gerne wissen. Selbst im Geiz-ist-geil-Land Deutschland macht ein Discounter wie Lidl seine Werbung nicht allein über den Preis. Strange. Normalerweise versucht man sein Produkt über Werbung wertiger zu machen. Und stellt sich nicht in die Billigecke.

Strange strange strange. Microsoft scheint immer noch nicht damit klarzukommen, dass MS jetzt Premium (zumindest beim Preis) ist und keine Märkte mehr über Dumping erobern kann. Wie zuvor bei DOS vs AppleII oder CP/M, wie bei NT vs. Netware, wie bei Word vs Wordperfect, wie bei Excel vs. Lotus 123, wie bei IE vs. Netscape). Die Werbung machen sie aber immer noch wie damals.

Update (23:52)

Den Text für die Legal Disclaimer findet man übrigens bei Macjournals.

Update (21.4.09)

Das wird ja alles noch lustiger ...

Microsoft will nicht, dass Open Source den Wettbewerb über den Preis führt. Na klar, da hat Microsoft ja auch keine Chance, wenn man Geld haben will. Gleichzeitig fährt MS aber eine Kampagne gegen Apple über den Preis.

Ich sag ja: MS hat noch nicht verstanden, welche Rolle die jetzt im Markt spielen. Man muss anders vorgehen, wenn man die Märkte besitzt, die man in den 80er und 90er Jahren Märkte über den Preis erobert hat. MS ist nicht mehr der Herausforderer, sondern der Herausgeforderte.

Microsoft to open source: Please don't compete on price!

Bank of Amerika mit 4,2 Mrd. Fake Gewinn

Und Teil Drei in der Serie "Fake Gewinne von US-Banken im ersten Quartal 2009".

Heute: Bank of Amerika.

Gemeldeter Gewinn: 4,2 Milliarden Dollar.

Problem:

1,9 Milliarden Dollar kommen aus dem Verkauf der Anteile an der China Construction Bank und sind damit einmalig und
2,2 Milliarden Dollar kommen aus der neuen Bewertung der Merrill Lynch-Anleihen.

(siehe unbedingt das Update unten!)

Wahrscheinlich sind die 2,2 Milliarden genau das Gleiche wie bei der Citigroup. Ich verweise für die Details auf Teil 2 der Serie: Citigroup mit 1,6 Mrd. Fake Gewinn

"the results include a $1.9 billion pretax gain on the sale of China Construction Bank shares, and $2.2 billion in gains related to mark-to-market adjustments on certain Merrill Lynch structured notes. "

Von 4,2 Milliarden Gewinn bleiben nach Abzug der 1,9 und 2,2 Mrd. nicht mehr allzuviel übrig. Und es würde mich nicht wundern, wenn neben diesen beiden Posten bei genauerer Bilanzanalyse noch ein paar andere, nicht ganz so offensichtliche "Optimierungen" zu finden wären ...

FTD: Bank of America fährt Milliardengewinn ein

Handelsblatt: Bank of America verbucht Milliardengewinn

Update (21.4.09)

Der Gewinn aus der Wertminderung der eigenen Schulden ist noch extremer als oben dargestellt. Oben stehen nur die 2,2 Mrd., die aus der Wertminderung der Schulden der Tochter Merrill Lynch stammen. Die Bank of Amerika hat diesen Trick aber auch für die eigenen Schulden gezogen. Vor Steuern kommen so für beide 3,9 Milliarden Dollar zusammen. Und wer jetzt meint, ich hätte gepennt ... Das hat die BoA erst in der Telefonkonferenz auf Nachfrage eingeräumt! Die hätten's glatt komplett unter der Teppich gekehrt! Unglaublich.

Als Sahnehäubchen oben drauf kommt noch ein weiterer einmaliger Gewinn, der mir gestern entgangen ist und zwar 1,5 Mrd. aus dem Verkauf eines Hypothekenportfolios im Gesamtvolumen von gut 50 Mrd. Dollar.

Wenn man das jetzt alles zusammenrechnet, stammen etwa 80% des Gewinns aus einmaligen Erlösen und fast 100% aus Buchhaltungsoptimierungen, die auf die eigene sinkende Kreditwürdigkeit zurückgeht. Kurz: Nachhaltig gerechnet hatte BoA eher 4 Milliarden Verlust als Gewinn.

So sollen wir Vertrauen in die Bankbilanzen bekommen ...

Handelsblatt: Der Bankchef in der Schwebe

AIG bekommt nochmal 30 Mrd. Dollar

Hmmm, das ist mein erstes Posting, das exakt die gleiche Überschrift bekommt. Aber was kann ich dafür, wenn sich bei der AIG immer alles wiederholt ...

Die AIG bekommt nochmal 30 Milliarden Dollar Cash von der Fed im Tausch gegen bestimmte Vorzugsaktien bzw. Wandelanleihen. Weitere Details habe ich noch nicht. Liefere diese nach, wenn ich die bekomme (und nichts Spannenderes kommt bzw. es nicht alle schon gebracht haben)

Marketwatch: Treasury to provide nearly $30 billion in funds to AIG

Nix mehr Felix Austria?

Ist Österreich am Ende der Glückssträhne angekommen?

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman weist auf eine (eigentlich schon länger bekannte) Zahl hin, nämlich die Kredite an Osteuropa gemessen in Prozent des BIPs. Da liegt Österreich weit an der Spitze.
Genau das Faktum, das vor zwei Jahren noch das große Plus Österreichs war, nämlich das Engagement in Osteuropa, ist inzwischen zu einem Bumerang geworden. Wer fast 70% (manche kommen gar auf 98, siehe den Spiegel-Artikel unten) seiner Kredite in eine inzwischen kriselnde Region vergeben hat, muss sich nicht beschweren, wenn er in Sippenhaft genommen wird. Die CDS auf Österreich, die im Top bei mehr als 250 Basispunkten lagen, sprechen eine deutliche Sprache und waren auch schon Thema hier.

Dabei ist das, was Krugman sagt, eigentlich gar nicht sooo negativ ("Is Austria doomed? Of course not!"). Er weist nur darauf hin, dass die Sache Österreich viel Geld kosten wird und die Finanzen dieses eigentlich gesunden Landes nachhaltig belasten wird. Damit sieht er Österreich auf Platz drei hinter Island und Irland. Und wenn man sich nur den Bankensektor anschaut, hat Krugman wohl auch Recht. Die Probleme anderer Staaten (Baltikum, Ungarn, etc.) stammen nicht vorwiegend aus dem Bankensektor, sondern durch hohe Staatsdefizite und Handelsbilanzdefizite. *Ich* würde zum Beispiel das Baltikum deutlich vor Österreich einsortieren.

Krugman: Austria (Blogeintrag)

The Return of Depression Economics? (eine Rede, nach Austria suchen, um den Kommentar zu finden)

Telepolis: Pleitekandidat Österreich?
FTD: Krugman erzürnt Österreich mit Pleitethese
Handelsblatt: Österreich schießt scharf gegen Krugman
Spiegel: Österreich wehrt sich gegen Bankrott-Warnung

Die Österreicher sind aber trotzdem stinksauer und reden von Wirtschaftskrieg, etc.

Die Presse.at: Krugman kontert Kritikern: "Sage nur, was jeder weiß"
Kurier.at: Strauss-Kahn: "Keine Sorgen um Österreich"

Besonders lustig wird es dann, wenn Politiker dem Wirtschaftsnobelpreisträger vorwerfen, er habe keine Ahnung. Aber so sind Politiker halt: Können nix, wissen alles ...

Pröll: Staatspleite "absurdes Szenario"

Mich erinnert die Lage irgendwie an Irland. Niedrige Steuern, das Bankensystem hat einen großen Anteil am BIP, etc. pp. All das machte das Land zu einem Vorzeigebeispiel der Neoliberalen. Aber jetzt wird klar, dass man nur mit Banken und niedrigen Steuersätzen auch nicht über die Runden kommt ...

Während DonAlphonso immer so schön über Irland abrantet, hält er sich bei Österreich auffallend zurück. Und ich kann nicht so gut schreiben ... Aber wahrscheinlich hat DonAlphonso einfach nur Angst um Lotharingien und hält sich deshalb zurück ...

Sonntag, April 19, 2009

Zahl des Tages (19.04.09): 27.300.000.000

Riesenpleite am US-Immobilienmarkt!

General Growth Properties, ein Besitzer von über 200 Einkaufszentren in den USA, ist insolvent.

Zusammengebrochen ist General Growth (Die Essenz des Wachstumswahnsinns in einem Namen!) unter der Last von

27.300.000.000 (27,3 Milliarden) Dollar

Schulden.

Auf der anderen Seite der Bilanz stehen über 29 Milliarden Immobilienwerte und damit wäre die Firma eigentlich fein raus. General Growth muss die Schulden aber neu refinanzieren und da haben sich die Banken quer gestellt. Diese glauben scheinbar nicht, dass die Immobilien noch so viel wert sind oder haben zumindest Angst davor, dass die Preise in Zukunft sinken.

Betroffen sind in Deutschland die Commerzbank und die Deutsche Bank, beide haben aber "nur" besicherte Kredite, werden also nicht leer ausgehen. Für die unbesicherten Kreditnehmer könnte es aber schlecht aussehen, auch wenn der Großaktionär Ackman sogar eine Insolvenz befürwortet hat, weil er die Firma nicht überschuldet sieht.

In Deutschland wäre vor allem die Commerzbank Tochter Eurohypo betroffen, die knapp 2,6 Milliarden Dollar an General Growth verliehen haben soll und zwar unbesichert. Die Eurohypo sagt aber, dass die Zahlen nicht stimmen und man nur etwa ein Zehntel der Summe in den eigenen Büchern habe. Für den Rest habe man nur als Konsortialführer verhandelt.

Aber egal und weg von diesen Details: Spannender ist der größere Blick auf die Lage bei den CMBS (Commercial Mortgage Backed Securities). Das ist eine Subklasse der Asset Backed Securities, in der gewerbliche Immobilienkredite verbrieft sind. Diese galten lange als unkritisch und vom Platzen der Immobilienblase bei den privaten Immobilien nicht betroffen.
Doch jetzt wird auch den letzten Optimisten klar, dass eine erhöhte Sparquote der US-Verbraucher nicht gleichzeitig mit sicheren Renditen im Einzelhandel und dass steigende Arbeitslosenzahlen nicht mit stabiler Nachfrage und Preisenbei Büroflächen einhergeht. Manchmal haben so Analysten auch richtig schwierige Nüsse zu knacken, wenn sie so komplizierte Zusammenhänge erkennen müssen ...

Ich empfehle zur Analyse der Lage auch den Artikel bei Rebellmarkt, der sich an die vielen deutschen Anleger wendet, die in den vergangenen Jahren am US-Gewerbeimmobilienmarkt investiert haben. Ich kann mich wie donalphonso noch gut daran erinnern, wie noch vor Kurzem solche Fonds lanciert wurden und Stein und Bein geschworen wurde, dass die Krise bei den Häusern NIX ABER AUCH GAR NIX mit den Gewerbeimmobilien zu tun habe ...

Reuters: General Growth files historic real estate bankruptcy
FT Alphaville: General Growth files for Chapter 11

Handelsblatt: US-Pleite trifft Commerzbank

Rebellmarkt: Man muss es relativ sehen

Update (23.04.09)

S&P Puts $96.6B In CMBS On Watch For Possible Downgrade

Scary

Hairless Chimpanzee

Wie einfach unsere Sehgewohnheiten doch zu überlisten sind. Keine Haare und schon sieht ein armer Schimpanse fast wie ein Monster aus ...

Update (23:26)

Übrigens sind die Muskelpakete an den Beinen beeindruckend!

gefunden übrigens hier:
boingboing: Xeni, I Think We're Going to Need a Bigger Unicorn

Die 10 besten Plätze zum Leben in Europa

meinen zumindest die Immobilienexperten von Forbes.

10.) Deia, Mallorca
9.) Rom (wär mir zu laut und zu nah am Papst)
8.) Sibiu, Rumänien (früher mal Hermannstadt)
7.) Budapest (auf Bildern sehr schön, aber dort leben?)
6.) Burford, England (Touristeninformation) (Kate Moss soll da wohnen)
5.) Ljubeljana, Slowenien (Google macht direkt Laibach daraus :-/)
4.) Kefalonia, Griechenland
3.) Kopenhagen (war ich schon, kann ich bestätigen, obwohl die Immobilienpreise dort gerade auch den Bach runtergehen)
2.) Saint-Rémy-de-Provence, Frankreich, ach ja Provence, was richtig Hässliches gibt es dort nicht
1.) Gaiole (Chianti), ach ja Chianti, was richtig Hässliches gibt es dort nicht

Also ich hätte ja mindestens irgendwas in der Schweiz und/oder in Südtirol hinzugefügt. Das hier z.B. oder das hier oder auch das.

Forbes: Europe's Most Idyllic Places To Live

Oder direkt zu Slideshow: Slideshow

Samstag, April 18, 2009

Zahl des Tages (18.04.09): 47

Wieder zwei weitere Bankpleiten dieses Wochenende:

US-Bankenpleite Nr. 47:

Name: Great Basin Bank of Nevada,
Sitz: Elko, Nevada,
Assets: 271 Millionen Dollar,
Käufer: Nevadas State Bank, aber nur teilweise
Schaden für die FDIC: 42 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 65).

Marketwatch: Missouri's American Sterling Bank shuttered
FDIC: Nevada State Bank, Las Vegas, Nevada, Assumes All of the Deposits of Great Basin Bank of Nevada, Elko, Nevada

US-Bankenpleite Nr. 46:

Name: American Sterling Bank,
Sitz: Sugar Creek, Missouri,
Assets: 181 Millionen Dollar,
Käufer: Mektcalf Ban, aber nur teilweise
Schaden für die FDIC: 41 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 30).

FDIC: Metcalf Bank, Lee's Summit, Missouri, Assumes All of the Deposits of American Sterling Bank, Sugar Creek, Missouri

Und nachgetragen die zwei vom letzten Wochenende:

US-Bankenpleite Nr. 45:

Name: New Frontier Bank,
Sitz: Greeley, Colorado,
Assets: 2.000 Millionen Dollar,
Käufer: DINB, aber nur teilweise
Schaden für die FDIC: 670 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Kein Treffer.

FDIC: FDIC Creates a Deposit Insurance National Bank to Facilitate the Resolution of New Frontier Bank, Greeley, Colorado

US-Bankenpleite Nr. 44:

Name: Cape Fear Bank,
Sitz: Wilmington, North Carolina,
Assets: 468 Millionen Dollar,
Käufer: First Federal Savings and Loan Association of Charleston South Carolina
Schaden für die FDIC: 121 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Kein Treffer.

FDIC: First Federal Savings and Loan Association of Charleston, Charleston, South Carolina, Acquires All of the Deposits of Cape Fear Bank, Wilmington, North Carolina

Fiat will Opel?

Hmm, da scheint sich ja doch noch der einzige sinnvolle Partner für Opel Gedanken zu machen ... OK, einzige stimmt nicht, denn Renault/Nissan könnte u.U. auch noch Sinn ergeben.

Ich bleibe dabei: Opel alleine ist zu klein. Man muss heute mindestens auf drei Kontinenten aktiv sein.

Handelsblatt: Allianz mit Opel: Fiat ziert sich

Meine älteren Artikel zu Opel:

Solarworld will Opel Werke kaufen! Aber warum?
egghat's blog: Schulterklopf Nr. 2

Citigroup mit 1,6 Mrd. Fake Gewinn

Ich hatte mir schon gedacht, dass das Citigroup Ergebnis zu gut war um wahr zu sein. Gestern fehlte mir die Zeit, das wirklich im Detail nachzulesen, aber die Mühe haben sich andere zum Glück gemacht.

Die Citigroup hat einen Trick genutzt, den einige andere Banken schon vor ein paar Quartalen gezogen haben (siehe u.a. hier:Lehman Brothers: Lug? Trug? Schein?). Man hat die Kursverluste der *eigenen* Anleihen als Grund genommen, um seine eigenen Schulden (buchhalterisch) zu reduzieren. Und für alle, die jetzt gerade HÄH? gedacht (oder gesagt) haben, erkläre ich das nochmal ganz langsam:

Wenn die Börsianer die Kreditwürdigkeit einer Firma schlechter einschätzen, wollen sie von dieser Firma höhere Zinsen als Gegenleistung für das höhere Risiko sehen. Höhere Zinsen bedeuten an Anleihemärkten niedrigere Kurse. Genau das ist bei der Citigroup passiert.

Nur mal beispielhaft ein Chart eines Bonds der Citigroup:



Nun hätte die Citigroup (theoretisch) die Möglichkeit, diese Anleihe vorzeitig zurückzukaufen. Sagen wir im Beispiel von oben für 70. Auf dieses Angebot würden sicherlich ein paar der Anleger eingehen, die vorher bei 50 oder 55 gekauft haben, denn diese hätten (von 50 aus gerechnet) satte 40% in ein paar Monaten gemacht. Eine tolle Rendite. Die Citigroup hingegen spart die Rückzahlung zu 100%, also gegenüber dem Kauf zu 70 nette 30%.

Genau diese Überlegung steckt hinter der Senkung der Schulden. Mit einem theoretischen Rückkauf der Schulden könnte die Citigroup die eigenen Schulden deutlich senken. Und diese theoretische Möglichkeit bucht man einfach mal lustig und ganz praktisch in die eigene Bilanz ein.

Warum beschreibe ich das so lange?

Weil die Citigroup damit im letzten Quartal

2.500.000.0000 (2,5 Milliarden) Dollar

Sondergewinn gezogen hat.

Wir erinnern uns an die Schlagzeilen? 1,6 Milliarden Gewinn bei der Citigroup? Mich dünkt, es wären eher 900 Millionen Miese gewesen ...

Irishtimes: Citigroup reports $1.6bn profit

Gefunden über Don, unseren Mann am See:
Rebellmarkt: Citi macht Gewinne mit Verlusten

Interessanterweise ist das sonst extrem aufmerksamen Beobachtern bei FT Alphaville entgangen. Die haben die Ergebnisse zwar ziemlich auseinandergedröselt, die 2,5 Mrd. aber nicht gefunden:
FT Alphaville: Citigroup sort of in happy bank club

Update (19.4.09)

Auch im Handelsblatt findet sich ein sehr skeptischer Artikel zum Citigroup "Gewinn". Dort ist sogar die Rede von 2,9 Milliarden Dollar Sondergewinn aus der Bilanzierungsänderung der eigenen Schulden.

Handelsblatt: Citigroup: Mehr Sein als Schein

It all makes sense now

Dells Vice President of Computer Design, Ed Boyd:



Wer wirklich hart drauf ist, kann sich auch noch das ziemlich tranige Video anschauen:

Gizmode: Words Can Explain Dell Design Only So Well

Computer für echte Männer schätze ich ;-)

Ich nehme liebe Frauencomputer. Auch wenn das Design mir wahrscheinlich nur deshalb so gut gefällt, weil das alles stark von Braun inspiriert ist, man schaue sich z.B. mal das an:

Gizmodo: Is that a Braun ET44 in Your iPhone?
Gizmodo: 1960s Braun Products Hold the Secrets to Apple's Future

Freitag, April 17, 2009

Volkswagen (doch nicht) größter Automobilproduzent der Welt!

OK, das ist noch nicht ganz sicher, aber scheinbar hat Volkswagen (besser gesagt die Volkswagen-Gruppe inkl. Audi, Skoda und Seat) Toyota als größten Hersteller von PKWs abgelöst.

Auslöser dürfte die Abwrackprämie in diversen europäischen Ländern gewesen sein, die vor allem VW und Skoda mächtig geholfen hat. Daneben gab es laut Handelsblatt auch noch Prämien in China und Brasilien, zwei weiteren Märkten, in denen VW hohe Marktanteile hat. Die VW-Gruppe insgesamt hat zwar auch eingebüßt (-11%), aber halt nicht so viel wie Toyota.

Vor einem Jahr lag Toyota mit 2,4 Millionen PKWs noch weit vor VW (1,6 Mio.) (im ersten Quartal und Zahlen NUR für VW, nicht die VW-Gruppe)!). Das zeigt auch schon, dass Verzerrungen im Markt vorliegen, denn so schnell ändern sich die Marktanteile normalerweise nicht.

Die Spitzenposition von VW dürfte leider nur temporär sein. Das Überholen von GM als zweitgrößtem Autoproduzenten dagegen dürfte nachhaltig sein. Und das ist doch auch schonmal was ...

Handelsblatt: Volkswagen überholt Toyota

Update (23.04.09)

Heute kamen die Zahlen von Toyota und danach ist Toyota doch noch vorne. Toyota hat 1,53 Millionen Autos im 1. Quartal 2009 verkauft.

Handelsblatt: Toyota-Absatz bricht um 27 Prozent ein

Zahl des Tages (17.04.09): 900.000.000

Lehman hat die Finanzwelt ins Chaos gestürzt. Auch wenn damals einige die Pleite geradezu bejubelt haben. Ich hatte damals schon Angst und wenig Lust auf dieses Experiment, weil Lehman zu den Banken gehörte, die die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) als systemkritisch oder Too Big To Fail bezeichnet hat (Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...).

Nun ja, inzwischen haben die meisten wohl eingesehen, dass die Entscheidung Lehman Pleitegehen zu lassen keine gute Idee war. Jetzt hat das sogar das erste Mitglied der Fed eingesehen. Immerhin! FTD: US-Notenbankerin verurteilt Lehman-Pleite

Aber Anlass für dieses Posting ist ein anderer ... So übel die Bankenpleite war, so toll ist das Geschäft für die Insolvenzverwalter, bzw. -anwälte. Diese haben bzw. werden noch bei der Pleite von Lehman satte

900.000.000 (900 Millionen) Dollar

verdienen.

So die Schätzung von Lynn LoPucki, Rechtsprofessor an der University of California, Los Angeles, der eine Datenbank mit Insolvenzabwicklungskosten pflegt. Damit würden die 783 Millionen Kosten für die Abwicklung von Enron noch übertroffen.

Die federführende Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges hat für die Arbeit bis Ende Januar eine Rechnung über 55 Millionen Dollar eingereicht. Von anderen Anwaltskanzleien sind weitere Rechnungen über 27 Millionen bekannt. Dazu kommen noch Berater, Finanzspezialisten, etc. Am Ende soll sich die Summe auf 900 Millionen belaufen.

Man sollte die Summe aber nicht einfach unter "Abzocke" abheften. Auch wenn die oben genannten Personen im amerikanischen Recht vor allen anderen Gläubigern Geld aus der Insolvenzmasse erhalten. 900 Millionen sind nicht so viel, immerhin war Lehman eine Bank mit einer Bilanzsumme von (ganz grob aus dem Kopf) 800 Milliarden Dollar. Und etwa ein Promille der Bilanzsumme als Kosten für die Abwicklung einer so komplexen Bank gehen am Ende wahrscheinlich sogar in Ordnung.

WSJ: Lawyers Set to Profit on Lehman
Handelsblatt: 55 Millionen für Lehmans Insolvenzanwälte

Donnerstag, April 16, 2009

AIG verkauft Autoversicherungstochter an Zurich ...

... und bekommt auch für diese Tochter kaum Geld. In diesem Fall sind es 1,9 Milliarden Dollar und die Autoversicherung ist eher eine größere Tochter der AIG.

Wie bei solchen Erlösen die 150 Mrd. Dollar Staatsknete wieder reinkommen sollen, ist weiterhin unklar ...

Da wird wohl für den US-Steuerzahler am Ende der AIG Abwicklung (auf das die ganzen Verkäufe wohl hinauslaufen) nichts außer einem großen schwarzen Loch übrig bleiben ...

Handelsblatt: ZFS übernimmt AIG-Autoversicherungsgeschäft

Update (17.04.09):

Die Börse findet den Preis relativ hoch (oder das Risiko?). Zurich Financial Services sinkt auf jeden Fall heute und die AIG hat gestern in den USA leicht zugelegt.

Marketwatch: Zurich Financial slips after AIG deal

Update 2 (17.4.09)

Das Geschäft hatte AIG für 2,1 Milliarden gekauft und jetzt für 1,9 Milliarden verkauft. Der Preis ist also weder besonders hoch, noch besonders niedrig.

Entscheidend für den Restwert der AIG werden eh die Abwicklungen der ganzen Versicherungsgeschäften sein. Gerüchterhalber sollen davon bereits ein Viertel aufgelöst sein. Das könnte auch ein Grund für die ziemlich hohen Geldflüsse an Goldman Sachs und Deutsche Bank etc. sein. Die AIG wird (mehr oder weniger hemmungslos) abgewickelt.

Bronte Capital: Welcome to the 21st Century

Zahl des Tages (16.4.09): 114.000.000.000

Die abnehmende Kreditqualität der Firmen und damit einhergehend die schlechteren Bilanzstrukturen war hier schon einige Mal ein Thema. Heute schon wieder, denn es kommen in diesem Zusammenhang wieder mal ein paar interessante Zahlen.

Im März 2009 sind 19 Firmen von Investmentqualität auf Junk herabgestuft worden. Das ist in etwa das Dreifache des normalen Niveaus. Im ganzen ersten Quartal waren es insgesamt 34 Firmen. Und zwar nicht ausschließlich unbedeutende Klitschen, denn insgesamt haben diese 34 Jetzt-Junk-Firmen ausstehende Anleihen im Gesamtwert von

114.000.000.000 (114 Milliarden) Dollar

emittiert.

FT Alphaville: Any angels left in heaven?

Dass die Qualität durch die Bank sinkt, zeigte sich schon an den Zahlen, die das Jahr 2006 mit 1980 vergleichen :

AAA und AA : Von 17% auf 2%
A: Von 33% auf 9%
BBB: konstant bei 18%
BB: von 22% auf 25%
B: von 7% auf 42%(!!!)
CCC: von 3% auf 4%.



Das dürfte sich in der aktuellen Krise nochmal deutlich verschlechtert haben. Hat da zufällig jemand aktuellere Zahlen?

Meine alten Artikel zur immer weiter abnehmenden Schuldnerqualität:

Zahl des Tages (13.4.09): 6
Zahl des Tages (12.03.09): 5
Die Kreditprobleme in der USA werden immer schlimmer (17.2.07!)

Die schlechteren Bilanzstrukturen sind übrigens auch ein Grund, warum ich Aktien für die nächsten Jahre nicht mehr die unglaubliche Überperformance zutraue wie 1982 bis 2000. Vor gut 25 Jahren sahen die Bilanzstrukturen viel besser, sprich konservativer aus. Darüberhinaus steckten in den Bilanzen noch jede Menge versteckter Werte, die man in der Krise aktivieren konnte.
Ein Beispiel: Früher waren Entwicklungskosten für ein neues Produkt schlicht und einfach Kosten. Heute kann eine Firma die Kosten aktivieren, weil daraus ja ein Produkt wird, das in der Zukunft was wert ist. Über die Laufzeit des Produkts werden die Entwicklungskosten dann zwar wieder abgeschrieben. Das glättet dann den Ergebnisverlauf z.B. von Autofirmen, die Milliarden in neue Modelle stecken. Es bleibt aber dabei: In der Entwicklungsphase werden Kosten zu Vermögen gemacht. Konservativ und vorsichtig ist eine solche Buchführung IMHO nicht ...

Mittwoch, April 15, 2009

Zahl des Tages (15.04.09): -0,4%

Im März sind in den USA die Verbraucherpreise um

0,4%

im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Das ist das erste Mal seit 1955(!), dass die Preise in den USA im Jahresvergleich gesunken sind.

Dass die Medien daraus direkt eine Deflationsgefahr konstruieren, finde ich einigermaßen seltsam. Man muss sich zur Beurteilung der Preisentwicklung immer wieder 2008 in Erinnerung rufen. Die Energiepreise gingen grandios durch die Decke (150 Dollar/Barrel), um danach genauso dramatisch einzubrechen. Dadurch wurden und werden die Preise 2008 wie auch 2009 massiv verzerrt.

Sollte der Ölpreis in etwa in der aktuellen Ecke bleiben, wird der Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr im Sommer noch kräftiger werden. Und das nur, weil wir im Sommer 2008 den Peak in den Energiepreisen hatten. Commerzbank Volkswirt Krämer kann sich ein paar Monaten sogar ein Jahresminus von 2% vorstellen. Spätestens im Winter wird sich das aber wieder beruhigen, denn da lag der Ölpreis des Vorjahres schon wieder unter 50 Dollar. Alles nur ein Basiseffekt.

Die USA stecken also noch nicht in einer Deflation. Auch die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) zeigt das an: Sie liegt weiterhin klar im Plus (1,8% gegenüber dem Vorjahr).

Zwar wird auch diese Kernrate sinken, weil größere Lohnsteigerungen (= der größte potenzielle Inflationstreiber) bei fast verdoppelter Arbeitslosigkeit nicht vorstellbar erscheinen. Aber die Kernrate sinkt langsam, allein weil die berühmten kalkulatorischen Mieten (die waren vor einem Jahr auch ein großes Thema in diesem kleinen Blog) etwa ein Drittel der Preise ausmachen. Und diese schwanken irgendwie kaum, auch wenn ich das bis heute nicht verstehe.

Die FTD ist übrigens ähnlich verwirrt. Da blickt das auch keiner mehr durch die US-Statistik und die Inflationsberechnung durch. Die FTD schließt mit einem fatalistischen "die USA dürften ihre Preisstatistiken auch nach Beginn der erwünschten Inflation weiter so zusammenbasteln, wie es ihnen beliebt." Damit wird netterweise noch die Warnung vor inflationsgeschützten Anleihen verknüpft, deren Rendite ja immerhin auf diesen manipulierten Statistiken beruht.

Aber über Inflation müssen wir uns (IMHO) kurzfristig keine Gedanken machen. Die Entscheidung zwischen Inflation oder Deflation ist noch nicht gefallen. Da bleibt noch Zeit, bis die Würfel gefallen sind. Ich tippe aber mittelfristig auf Inflation. Und zwar eine der übleren Art ...

Tagesschau: In den USA wächst die Angst vor der Deflation

Handelsblatt: US-Preise fallen erstmals seit 1955

FTD: So wird das nix mit der US-Deflation

Lehman Brothers lebt wieder und ist schuldenfrei!

Wie haben die das denn gemacht? Ganz einfach, Lehman hat den Schuldnern mit dem Bau der Atombombe gedroht und dann haben die eingelenkt.

Häh? Was schreibt der egghat denn jetzt für'n wirres Zeuch?

Das war natürlich alles kompletter Unfug. Die wirkliche Story ist, dass Lehman so viel Rohstoffgeschäfte abgeschlossen hat, dass die tatsächlich auf einer halben Millionen Pfund Uran sitzen. Und darin steckt genügend waffenfähiges Material, um eine Atombombe zu bauen ...

Die Schulden signifikant senken lassen sich durch den Verkauf übrigens nicht. Einem Erlös, der irgendwo bei 20 Millionen liegt, stehen 200 Milliarden Schulden gegenüber. Das deckt also gerade einmal 1 0,1 Promille der offenen Schulden.

FTD: Lehman Brothers und die Atombombe

Ok, ich höre jetzt auf mit den reisserischen Überschriften ...

UBS = XXX

Die UBS hat für ihre Website eine Presseerklärung vorbereitet, die einen Link auf den Geschäftsbericht enthielt. Die Adresse stand noch nicht fest. Also schrieb der Webmaster XXX als Platzhalter rein. Dummerweise hat er vergessen, die endgültige Adresse vor der Veröffentlichung zu ändern (oder es hat jemand anders gemacht). Dann ging der Text mit XXX online. Dummerweise ergänzen Browser die ungültige Webadresse XXX zu www.XXX.com und das gibt's dann auch und ist eine Pornosite ...

Dumm gelaufen.

FTD: UBS "nur für Erwachsene"

Ich befürchte, nach der Aktion muss sich die UBS nur noch über die Entlassung von 8.699 Angestellten Gedanken machen ...

Dabei hat er es ja vielleicht auch nur gut gemeint. Auf 1,32 Milliarden Euro Verlust und 8.700 Arbeitsplätze weniger möchte man ja nicht wirklich verlinken ...

Tagesschau: UBS will 8700 Stellen streichen
Handelsblatt: UBS blickt der Wahrheit ins Auge
Welt:Der Schweizer Bank UBS laufen reiche Kunden weg

Abwrackprämie ist ökologisch!

Das sagt zumindest das (angeblich) renommierte ifeu Institut aus Heidelberg.

Danach lohnt es sich aus ökologischer Sicht bereits ab 10.000 km Laufleistung ein altes Auto zu ersetzen, sofern das neue Auto zwei Schadstoffklassen höher geratet ist und 1 Liter Benzin weniger auf 100 Kilometer verbraucht.

Das verwundert mich aber sehr. Ich fahre selber einen Audi A2 mit Aluminium-Karosserie. Das Auto ist dadurch etwa 150 Kilo leichter als ein Golf und verbraucht dadurch auch weniger Sprit. Ob das über den gesamten Lebenszyklus etwas bringt, war aber schon länger umstritten, weil der Energieaufwand für die Erzeugung von Aluminium wesentlich höher ist als für Stahl.

Durch diese Überlegung wird schnell deutlich, dass ein ganz großer Teil des Energieverbrauchs eines Autos schon stattgefunden hat, wenn auf dem Kilometerzähler noch 0,0 KM stehen.

In der Rechnung des ifeu-Instituts ergibt die Spritersparnis bei 10.000 km und 1 Liter weniger Verbrauch magere 100 Liter. NIE IM LEBEN kann man damit ein neues Auto bauen.

In der c't gab es man ähnliche Rechnungen für Computer. Soll man (aus ökologischer Sicht) seinen 150 Watt Computer durch einen 25 Watt iMac ersetzen? Ja, aber nur, wenn's der alte Computer nicht mehr tut. (Einen Mac zu kaufen ist natürlich trotzdem eine gute Idee :-) ). Denn der Energieaufwand für die Produktion eines neuen Computers ist wesentlich höher als der Energieverbrauch im Betrieb (zumindest dann, wenn die Rechner nicht 24 Stunden laufen).


"Die Herstellung eines Pkws kostet so viel Energie, dass man ihn damit durchschnittlich zehn Jahre fahren könnte."

Quelle: Wikipedia: Automobil

Ohne Quelle natürlich ebenfalls anzweifelbar, aber deutlich näher an dem was ich kenne ...

Mich würde wirklich interessieren, wie das ifeu Institut zu diesem Ergebnis gekommen ist ...

RP-Online: "Abwrackprämie ist ökologisch"

gefunden über: Yigg

Dienstag, April 14, 2009

Zahl des Tages (14.04.09): 12

Mal etwas, das nicht direkt mit der Finanzkrise zu tun hat, sondern mit einem Thema, das hier in der Vergangenheit eine Rolle spielte: Der Komplex Musik, Musikindustrie, Internet und Geldverdienen.

Normalerweise ist die allgemein anerkannte Rollenverteilung ja einfach: Die Musikindustrie ist böse, Musik soll im Internet überall verfügbar sein und wie die Musiker damit Geldverdienen ist mir doch egal. Gut, ich überspitze, aber so ähnlich ist die Stimmungslage bei vielen. Zumindest wenn man die Kommentare in den einschlägigen Foren als Maßstab nimmt.

Die Rechnung mit dem Plattenpreis und den Einnahmen, die beim Künstler überbleiben, war hier auch schonmal verlinkt und soll hier auch noch mal verlinkt werden, denn die Kritik an der Musikindustrie ist ja nicht ganz unberechtigt. Die Rechnung dazu von Steve Albini. Kurzversion: Für den Künstler bleibt nur ein Bruchteil übrig. Rechtsanwalt, Produzent und natürlich die Musikindustrie verdienen wesentlich mehr.

Insbesondere im Internet stellt sich die Frage neu, wie man denn Dienste wie last.fm oder die Musikvideos bei Youtube sinnvoll refinanzieren kann. Und das ist scheinbar nicht so einfach ...

Pete Waterman, einer der drei Produzenten, die in den 80er Jahren Monsterhits am Fließband für Rick Astley und Kylie Minogue produzierten (die man heute nur noch vom Rickrolling und Singstar kennt; was auch besser ist), hat 2008 von Google äußerst magere

12 Euro

Werbebeteiligung bekommen. Und das bei einem Video, das über 150 Millionen Abrufe hatte.

Da mach ich ja mit diesem Blog quasi ein Vermögen ... Also 12 Euro im Monat ...

Aber wenn man mit Musikvideos soooo wenig Geld verdienen kann, ist die Verzweiflung der Künstler und der Musikindustrie nachvollziehbar. Das sind 0,000008 Cent pro Abruf. Oder andersherum: Es sind 125.000 Abrufe nötig, um einen 1 Cent Einnahmen zu erzielen!

Da sollte auch Youtube (also dem Eigner Google) klar sein, dass das keine Basis für ein Geschäftsmodell sein kann. Man fragt sich überhaupt, wie Youtube (Google) mit den Videos Geld verdienen kann. Wenn Google 50% der Werbeeinnahmen behalten sollte, bleiben da ja auch nur ein paar Cent auf 100.000 Videoabrufe übrig (man muss auf der Waterman-Seite beachten, dass er ja nur einer der Royalty-Empfänger ist). In dieser Kette verdient ja NIEMAND Geld. Was die übliche Diskussion gutes Internet vs. böse Musikindustrie (s.o.) auf ziemlich wackligen Beinen stehen lässt.

Eine gute Idee habe ich aber auch nicht. Ihr?

Telegraph: Pete Waterman: 'I was exploited by Google'

gefunden über:
Gizmodo: "Never Gonna Give You Up" Songwriter Paid Only $16 by Youtube

Update (15.04.09)

Vevo.com soll die Lösung für mangelhafte Monetarisierung lauten. Dahinter steckt eine Idee von Bono (U2), der Youtube und das Plattenlabel Universal Music zur Zusammenarbeit gebracht hat. Wollen wir mal hoffen, dass da

a) mehr Geld für die Musiker bei rauskommt und
b) das Angebot auch für uns Nutzer brauchbar ist (und nicht vor jedem Spot 30 Sekunden Werbung nerven).

Zu sehen ist da aktuell leider noch nichts ... Und dass die Plattform auch Nicht-Universal-Musikern offen steht (den letzten Punkt bezweifle ich aber irgendwie, wenn man sich die Geschichte dr Musikindustrie anschaut ...)

Handelsblatt: Bonos Idee soll Videos zu Geld machen

Was ist denn hier los?

Michael Mross ein Nazi? Das hat's immerhin zweimal auf rivva.de geschafft ...

Die Anschuldigung: LizasWelt: Börsenexperte mit Doppelleben

Die Antwort:
EF Online: „Anti-“ Faschisten: Menschen in ihrer Existenz vernichten!

Nochmal LizasWelt:
LizasWelt: Die verfolgte Unschuld

Irgendwie SEHR strange. Da versucht ein offenbar ziemlich Linker aus Michael Mross einen Nazi sprich Judenhasser zu machen. Drei Beweise dafür gebe es:

a) Mross nutzt den Begriff "Hochfinanz", der von den Nazis für das durchjudete Finanzwesen benutzt wurde.
b) Mross redet vom Ende des kredit- und zinsbasierten Wirtschaftssystems.
c) Es gibt Kommentare, die auf rechte Gesinnung schließen lassen. Satte 2.

Mist, dann bin ich wohl auch Nazi.

Zu a) Ich habe bestimmt schon viele Begriffe benutzt, die die Nazis auch benutzt haben, u.a. Hochfinanz. Mir war auch gar nicht bewusst, dass das ein Begriff der Nazis war. Für mich stand Hochfinanz für die da oben, die Abgehobenen, die mit dem Millionen Boni, die mit ohne Rücksicht auf Verluste ;-) . Außerdem benutze ich auch Begriffe wie Geld, Zinsen, etc. und die haben die Nazis auch benutzt. Was tun? Auf Kyrillisch schreiben?

Zu b) Darüber schreiben auch andere Leute. Und zwar vor allem Linke. Die Nazis und die ganz Linken haben dummerweise ein paar Ideen, die durchaus ähnlich sind (und dummerweise immer in die Unfreiheit führen und (viele) Menschenleben kosten). Auch ich glaube nicht an den langfristigen Bestand des papiergedeckten Geldsystem. Weissgarnix hält das aktuelle Geld- und Wirtschaftssystem für einen kreditären Kettenbrief. Und viele andere gibt es, die zwischen produktivem und rein spekulativem Kapital unterscheiden. Dass das die Nazis auch gemacht haben, ist zwar ganz informativ, aber ist das deshalb falsch? Der Tisch war auch damals ein Tisch und der Stuhl ein Stuhl. Was soll ich jetzt machen? Die Begriffe nicht mehr verwenden, weil die Nazis die auch verwendet haben?

Zu c) Meinungsfreiheit geht mir über alles (Uppps). Deshalb stehen auch bei mir Kommentare, die mir eigentlich nicht lieb sind, vor allem hier: Die alltägliche, latente Ausländerfeindlichkeit ... Deshalb steht auch noch dieser Mist da. Ich glaube, dass es besser ist, den Mist mit einer passenden Replik dort stehen zu lassen als es einfach zu löschen.

Also klare Diagnose: Ich bin ein Nazi!

Übrigens: d) Ich bin Fußballfan. Verdächtig. Und gehe sogar ab und zu ins Stadion. Gaaanz verdächtig. Und das Stadion ist nicht an der Reeperbahn, was als einziges nicht Nazistadion durchgeht ...

Aber was regen wir uns auf. Lizas Welt ist bei Rivva.de auf Platz 250. Das ist ja noch hinter mir, sprich komplett irrelevant ;-)

1,7 Mrd. Gewinn-Fake bei Goldman Sachs

Reisserische Überschrift. Ich gestehe. Aber die Story ist auch hart und soll gelesen werden ...

Da die Börse auf jede scheinbar positive Nachricht so euphorisch reagiert, habe ich das Gefühl, ich müsste mal einen Kontrapunkt setzen ... Auch wenn das Thema Level 3-Assets hier schon mehrfach Thema war ...

Mir ist auch etwas schleierhaft, warum die Diskussion über Mark-To-Market und Mark-to-ValueFantasy gerade so hochkocht. Bei Mark-To-Market orientiert sich der Wert in der Bilanz an den Marktpreisen (das ist quasi Level 1), bei Mark-To-Value am "wahren Wert" (das ist level 3). Dass der "wahre Wert" auf genau den selben (falschen) Bewertungsmodellen basiert, die für die Krise mitverantwortlich sind, ignorieren wir mal kurz ... Und ebenfalls nicht erwähnen möchte ich, dass die Bilanzen der Banken durch Mark-to-Value noch intransparenter werden als sie es eh schon waren.

Die unterschiedlichen Bilanzierungsmöglichkeiten werden schon länger aktiv ausgenutzt. Unter anderem von Goldman Sachs, was beim Klick auf die Suche nach Level-3-Assets schnell deutlich wird.

Schön zu sehen allerdings, dass diese Bilanztricks nicht nur von ein paar obskuren Bloggern kommentiert werden, sondern zunehmend der Weg in die Mainstreammedien finden.

Heute fragt sich die Boersenredaktion der ARD, inwieweit der überraschend hohe Gewinn von Goldman Sachs auf die Änderungen in den Bilanzierungsrichtlinien zurückgeht. Nun habe ich gedacht, dass Goldman Sachs bestimmt das gemacht hat, was ich oben versucht habe: Assets von Mark-to-Market auf Mark-to-Value (bzw. Level 1 oder 2 auf Level 3) umzubuchen.

Aber Noppes!

Die sind noch viel dreister!

Goldman Sachs hat einfach das Quartal geändert. Mit der Änderung von einer Investmentbank zu einer "normalen" Geschäftsbank hat man auch die Geschäftsquartale geändert. Statt von Dezember bis Februar lief das Quartal jetzt von Januar bis März (wie bei den meisten Firmen üblich).
Und was ist dann mit dem Dezember? Der verschwindet im Kleingedruckten. Und da das keiner liest, liegt es nahe, darin die Verluste zu verstecken. Und wer jetzt nicht glaubt, dass die Vera****ung so offensichtlich sein kann ... Na ja, der muss halt vom Glauben abfallen.

Denn Goldman Sachs hat ein klitzekleines

1.000.000.000 (1 Milliärdchen) Dollar

Verlust in den Dezember geschoben.

Ich finde das schlicht unglaublich! Noch unglaublicher der Jubel der Börsianer über diese Nachricht ... Deutsche Bank plus 6%, Commerzbank +11%. Weil die Bankenkrise vorbei sei. Ich lach mich schlapp!

Boerse.ard.de: Hoher Goldman-Gewinn nur fiktiv?

Jubelperserheadlines (es steht im Text allerdings drin):
Spiegel: Goldman Sachs verbucht Milliardengewinn
Besser:
Handelsblatt: Goldman Sachs steht vor Befreiungsschlag
Noch besser:
FAZ: Goldman Sachs plant Kapitalerhöhung

Denn die FAZ schreibt, worum es Goldman Sachs gehen dürfte: Um alles in der Welt gute Zahlen ausweisen und damit gute Stimmung für die geplante Kapitalerhöhung zu machen. Dann mit den Einnahmen schnell die teuren Staatshilfen zurückzuzahlen. Damit ist der Staatseinfluss beendet. Und man kann sich dann wieder satte Boni zahlen. OK, das Letzte war jetzt böse ... Aber wahrscheinlich nicht ganz falsch ...

Update (14:59)

FT Alphaville hat ein paar interessante Meinungen gesammelt:

FT Alphaville: Goldman’s blow out Q1 figures - reaction

Was mir eben wieder eingefallen ist: Goldman Sachs hat auch noch geschätzte 25 Milliarden Dollar durch den "Um-Die-Ecke-Bailout" von der AIG bekommen. Wenn man das berücksichtigt, sind die angeblich so tollen Zahlen noch weniger toll ...

The Big Picture: Backdoor Bailouts for Goldman Sachs?
oder
Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000

Update (15:10)

Ich wusste, dass Barry Ritholtz dazu was schreibt:
The Big Picture: How to Puff Up Earnings, Goldman Sachs Style

Es waren übrigens 780 Millionen Dollar Verlust nach Steuern und 1,3 Milliarden Verlust vor Steuern.

Update (15:36)

Die FTD hat eine Analyse, die leider auf 4 Seiten klickhurig verteilt wurde und den 1 Mrd. Fake zu kurz kommen lässt, aber ansonsten die Zahlen ganz gut aufdröselt:
FTD: Wie Goldman wieder Milliarden verdient

Update (15:42)

Und es sei auch noch erlaubt, auf den 5-Mrd-Kredit von Warren Buffet hinzuweisen. Der Mann hat's schon irgendwie drauf:

Zum Buffet Einstieg bei Goldman Sachs: Junk-Zinsen!

Jetzt sind wir einen Schritt weiter ...

... und gestern standen wir noch vor dem Abgrund ... Jaja, den Spruch kennt wohl jeder, auch wenn beide Satzteile normalerweie andersherum geschrieben werden.

In der scheinbar unendlichen Saga der Kreditversicherer, ging es gestern für einen der Hauptbeteiligten wieder eine Stufe runter. Nachdem MBIA von S&P auf "fast Junk" herabgestuft wurde (S&P: MBIA (fast) Junk), trifft es jetzt auch den anderen Kandidaten auf meiner Liste der angekündigsten Pleiten: Moody's hat gestern Ambac herabgestuft. Und im Gegensatz zu MBIA und S&P nicht nur fast auf Junk, sondern richtig auf Junk. Das neue Rating von Ambac lautet jetzt Ba1 (das ist in ein BB+ bei S&P, also eine Stufe unterhalb der letzten Stufe, die noch Investmentqualität entspricht; siehe Ratingcodes bei Wikipedia).

Das Rating ist wie üblich etwas differenziert, weil MBIA und Ambac eine ziemlich komplizierte Firmenstruktur haben. Das Kreditversicherungsgeschäft hängt zum Beispiel in einer Tochter und theoretisch muss ein sinkendes Rating der Tochter nicht zwangsläufig ein sinkendes Rating der Mutter bedeuten. Das Ba1-Rating bezieht sich aber auf die Kreditversicherungstochter Ambac Inc. also genau dem Teil, dem ich keine Chance gegeben habe und auch weiterhin nicht gebe.

Der Pleite der Kreditversicherungstocher muss nicht zwangsläufig das Ende der gesamten Versicherung folgen. Ambac scheint genau darauf zu hoffen. Genau wie MBIA plant Ambac die Gründung einer neuen Tochter, die nur Anleihen von öffentlichen Schuldner versichern soll. Diese Tochter soll mit genügend Kapital ausgestattet werden und dann wieder genau das machen, was Ambac Inc. machte, bevor die Manager größenwahnisnnig wurden und meinten mit einer mageren Eigenkapitalquote von 1% alles Mögliche gegen Kreditausfall versichern zu müssen (zum Beispiel Hypotheken). Mir hat aber bis heute niemand gesagt, woher das Geld für diese neue "Good Ambac" kommen soll. Und die alte "Bad Ambac" rettet das auch nicht.

Marketwatch: Ambac unit downgraded to junk on loss estimates

Rezepte für die große Depression

Und ich meine nicht Rezepte, wie man die Depression vermeidet oder wieder aus ihr herauskommt, sondern wie man kocht :-) Preiswert und doch lecker. Mein Tipp: Spaghettini aglio olio e peperoncino (geht auch problemlos mit normalen Spaghetti, ohne Parmesan ist es aber nicht vorstellbar. Und solange es uns noch gut geht: Scampis/Garnelen mit rein).

Lebenserfahrung ist schon was wert. Das relativiert Vieles in der aktuellen Aufgeregtheit. Frage von CBS: "Are we all whiners?". Antwort der Urgroßmutter: "Yes". Nette Randerscheinung im Video: Der Werbespot kam von GM. Wie passend!

Das Blog:
Great Depression Cooking with Clara
Die Website:
Greatdepressingcoooking.com

gefunden über: boingboing: Great Depression Cooking show

Montag, April 13, 2009

Zahl des Tages (13.4.09): 6

Ich hatte das Thema zugegeben schon zweimal, davon einmal als Zahl des Tages: Einmal als es 6 waren, dann als Zahl des Tages, als es nur noch 5 waren. Dabei war das Universum, aus dem ausgewählt wurde, aber nur der S&P 500 Index. Was mir aber nicht klar war: Das war's dann im Wesentlichen schon ...

Aber worüber schreibe ich eigentlich? Über die Anzahl der Firmen, die noch das bestmögliche Rating AAA besitzen. Und davon gibt es tatsächlich nur noch 6. Und zwar weltweit. Ich kann das ehrlich gesagt nicht ganz glauben und wundere mich, dass es in China oder Japan oder Deutschland kein einziges Unternehmen geben soll, das ein Triple-A-Rating hat. Gut, Toyota hat es vor Kurzem verloren. Berkshire Hathaway hat es vor Kurzem verloren. GE ebenfalls. Da kann es schon so, dass selbst Cash Cows in China kein AAA haben (vielleicht wird dort auch einfach noch nicht(s) geratet).

Die einzige Firma, die außerhalb der USA sitzt und ein Triple-A hat, ist die Rabobank aus den Niederlanden.

Damit lautet die (nun weltweite) Liste so:

Microsoft,
Pfizer,
Johnson & Johnson,
Exxon Mobil,
Automatic Data Processing und
Rabobank.

Mit Pfizer muss man direkt noch ein Mitglied als Wackelkandidaten sehen: Pfizer ist wegen der Wyeth-Übernahme schon auf "Ausblick negativ" gestuft, sprich die Abstufung droht. Der Ratingkonkurrent Moody's hat Pfizer schon vor über einem Jahr herabgestuft (Pfizer nur noch AA, MBIA weiterhin AAA)

Und die Rabobank zahlt immerhin schon 1,5% mehr Zinsen als eine deutsche Staatsanleihe. Der Markt vertraut dem Triple-A also auch in diesem Fall nicht. Oder das ist eine gute Investmentchance.

Die letzten deutsche Firma mit AAA war übrigens Siemens (und nicht die Allianz oder die Deutsche Bank, wie man vielleicht glauben könnte).

Ich könnte jetzt ganz in Moll gehen und anfangen, die Länder zu zählen, die noch AAA sind. Das werden ja auch andauernd weniger ...

FAZ; Die stabilsten Unternehmen der Welt

Meine alten Artikel zur immer weiter abnehmenden Schuldnerqualität:
Zahl des Tages (12.03.09): 5
Die Kreditprobleme in der USA werden immer schlimmer (17.2.07!)

Sonntag, April 12, 2009

Zahl des Tages (12.04.09): 1.953.700.000.000

China hat die größten Devisenreserven aller Länder der Welt. Dank permanenter Exportüberschüsse ersticken die Chinesen förmlich in Dollars. Das Wachstum hat aber bedingt durch die Weltwirtschaftskrise II massiv abgenommen. Nach gut 40 Milliarden Zuwachs im 4. Quartal 2008, kamen im ersten Quartal 2009 aber nur noch knapp 8 Milliarden hinzu. Die in der Vergangenheit gesammelten Milliarden sind aber immer noch sehr beeindruckend. Satte

1.953.700.000.000 (1,953 Billionen) Dollar

haben die Chinesen in den letzten Jahren gesammelt.

So beruhigend die Summe für die Chinesen auch ist (und ihnen auch ermöglicht, problemlos Konjunkturprogramme in Höhe von 100 Milliarden oder mehr zu finanzieren), ist sie doch auch ein Grund für die Krise. Denn ohne die Finanzierung durch die Chinesen hätten die Amerikaner ihre kreditfinazierte Blase niemals so weit aufblasen können. Die Zinsen wären früher gestiegen, die Wirtschaft wäre früher auf die Bremse gestiegen. Die Tiefe der aktuellen Krise hängt vorwiegend von der Größe der Blase zuvor ab.

Ganz nebenbei haben die Chinesen ein Problem damit, wenn sie ihre fast ausschließlich in Dollar gehaltenen Devisenreserven einsetzen wollen. Denn sobald die Chinesen größere Mengen der Dollaranlagen verkaufen, gerät der Dollar unter Druck. Die Verluste, die die Chinesen dann bei den restlichen Dollaranlagen verkraften müssten, würden einen Großteil der Erlöse auffressen.
Die USA und die Chinesen hängen hier wechselseitig so stark voneinander ab, dass eigentlich keine Änderung der Großwetterlage vorstellbar scheint: Die Chinesen werden also wohl auch in Zukunft große Teile des US-Defizits finanzieren müssen ...

Spiegel: China steigert seine Devisenreserven

Marketwatch: China's forex reserves rise, but growth slows

Ein Dilbert zum Thema Hedgefonds

:-)

Dilbert.com

Ostereier und die Abwrackprämie ...

Wie kann man Ostern noch was über VWL lernen? Ganz einfach: Indem man ein Satiremagazin liest. Die Welt muss verrückt sein, wenn man aus Satiremagazinen etwas lernen kann ...

Schandmaennchen: Vom Eise befreit…

Zahl des Tages (11.04.09): 956.800.000.000

Große Zahl ... Muss sich um die USA handeln ...

Das Bugetdefizit der USA beträgt für das Haushaltsjahr 2008/2009

956.800.000.000 (956,8 Milliarden) Dollar.

Der Clou: Das Haushaltsjahr ist gerade einmal 6 Monate alt ... Fast 1 Billionen Minus nach der ersten Hälfte sind schon ein Wort. Für das Gesamtjahr wird ein Minus von 1,75 Billionen erwartet, dieses Minus liegt also - auch wenn es unglaublich erscheint - mehr oder weniger im Plan.

In die Klemme kommt der Haushalt von beiden Seiten: Die Ausgaben steigen (+33%), die Steuereinnahmen sinken (-14%). Im März sind die Zahlen sogar noch schlechter. Die Ausgaben gingen um 41% nach oben, die Einnahmen sanken um 28%. Wie üblich sanken die Steuereinnahmen noch kräftiger, weil diese fast auschließlich auf Gewinne erhoben werden. Im ersten Halbjahr sanken sie um 57%, im März sogar um 90%. Gewinne scheinen sich zunehmend zu einer Art Phantom zu entwickeln ...



Marketwatch: Budget deficit triples to $957 billion for year

Freitag, April 10, 2009

Zahl des Tages (10.04.09): 84,5%

Diese Krise liefert Zahlen, die einfach unglaublich sind. Unglaublich schlecht. Unglaublich schlimm.

Gestern gab es wieder mal eine aus dem Land, das dank seiner Exportabhängigkeit und der Branchenstruktur (Maschinen, Autos) durchaus gut mit Deutschland vergleichbar ist.

In Japan sind im März die Aufträge der Maschinenbaufirmen im Vergleich zum Vorjahr um

84,5%

gesunken. Noch ein paar solche Monate und die Japaner müssen eine ganze Branche auf einen Schlag zumachen ...

Marketwatch: Japan machine tool orders fall record 85% in March

Donnerstag, April 09, 2009

Zahl des Tages (09.04.09): 1,39

So jetzt ist es raus:

1,39 Euro

pro Hyporealestate-Aktie bietet der Bund den freien Aktionären. Das ist immerhin deutlich mehr als die geschätzten 0,00 Euro, die die HRE noch wert sein dürfte. Das Volumen beträgt übrigens 290 Millionen Euro.

Der gesetzliche Mindestpreis wäre übrigens 1,26 gewesen. Eigentlich berechnet sich dieser Mindestkurs aus dem Durchschnittskurs der letzten 90 Tage, in diesem Fall aber scheinbar aus dem Durchschnittskurs zwischen dem 1. und 15.2.09. Ist zwar nicht wirklich wichtig, aber weiss jemand warum?

Der Staat will schnellstmöglich 100% übernehmen, der Großaktionär JC Flowers will hingegen seinen Anteil behalten und meint, dass dem Staat auch 75% für eine vollständige Kontrolle genügen.

Tagesschau: Bund bietet 1,39 Euro pro Aktie
DerWesten.de: Bund bietet 1,39 Euro pro Aktie der Hypo Real Estate
Handelsblatt: Bund lockt HRE-Aktionäre mit hohem Angebot
FAZ: Übernahmeangebot für HRE-Aktionäre

Eine FAQ zum HRE-Enteignung/Abfindung hat die FAZ:
FAZ: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Meine Meinung zum Thema: Endlich. Die HRE hätte schon lange verstaatlicht werden sollen. Es ist die Bank, die man am einfachsten verstaatlichen und auch abwickeln kann. Für mehr Sicherheit hat das ganze Gehampel über Monate hinweg auf jeden Fall nicht gesorgt. Mit der drohenden Enteignung (gestern hat Bundespräsident Köhler als letzte Instanz zugestimmt) und dem drohenden Kurs von Null, dürfte das Verkaufsinteresse ziemlich groß sein. Ich schätze am Ende wird auch JC Flowers nachgeben. Spätestens bei 75% Staatsanteil kann der Staat mit der Abwicklung der Hyporealestate beginnen. Und bei der Aktion dürfte sich leicht ein Kurs von 0,01 erreichen lassen ...

Mittwoch, April 08, 2009

Zahl des Tages (08.04.09): 4

Das Posting schreibe ich jetzt zum zweiten Mal und daher wird das jetzt kein normales Posting mehr, sondern direkt als Zahl des Tages verbraten. Die Zahl des Tages ist

4

und ich meine nicht den (noch aktuellen) Torzähler des FC Barcelona ...

Direkt 4 europäische Staaten auf einen Schlag hat Fitch heute herabgestuft.

Irland hat dabei (wie vorher schon bei S&P, siehe IrelAAnd) sein AAA verloren und ist jetzt nur noch AA+. Fitch erwartet inzwischen ein Minus von 8% im BIP und eine Verdreifachung der Staatsverschuldung von 25% in 2007 auf 80% in 2011.

Zur negativen Bewertung (übrigens bleibt auch der Ausblick negativ) hat auch die irische Bad Bank Plan beigetragen, in dessen Rahmen der Staat den 10 größten irischen Banken 80 bis 90 Mrd. schlechter Assets abkauft. Das entspricht etwa 50% des BIPs von Irland.

FT Alphaville: Fitch cuts Ireland to AA+, outlook negative
FT: Ireland pushes bank recovery plan

Daneben hat es die Baltenstaaten erwischt und zwar (wer Rechnen kann, kommt schnell darauf) zwar alle drei. Lettland ist jetzt nur noch BB+ und damit Junk. So ganz eben noch Investmentqualität haben Estland (BBB+) und Litauen (BBB). Davon zeigten sich einige Beobachter positiv überrascht. Fitch erwartet nun 12%-Bip-Minus für Lettland und jeweils 10% für Litauen und Estland. Auch hier bleibt für alle drei Länder der Ausblick auf negativ.

Marketwatch: Fitch cuts credit ratings of Estonia, Latvia, Lithuania

Update (09.03.09)

Bei Creditwritedowns gibt es einen schönen Artikel mit einer großen Tabelle, in der die Wirtschaftsdaten fast aller Emerging Markets gesammelt sind:
Creditwritedowns.com: Baltics: Fitch downgrade and more downgrades to come

Arcandor will an den Rettungstopf

Und ich bin mir sicher, dass uns demnächst Irgendjemand erklären wird, warum Arcandor für Deutschland überlebenswichtig ist.

Das Ganze wird zunehmend lächerlich :-(

Arcandor ist wie Opel schon lange eine Pleitekandidat für die nächste Krise wie Opel.

FTD: Exklusiv Arcandor sondiert Staatshilfe

Update (21:50)

Die FAZ ahnte heute nachmittag noch nichts von dieser Finanzierungsidee ...

FAZ:Arcandor sucht schon wieder nach Geld für Karstadt

Update (13.4.09)

Die FAZ mit einem Kommentar zu Arcandor und der unglaublichen Wichtigkeit ;-) dieser Firma ...

FAZ: Dicke Hunde, arme Hunde

G20-Proteste: Polizei am Tod des Demonstranten doch (mit)schuldig?

Gut, dass heute jeder eine Kamera/ein Handy hat. Und dass jeder die Möglichkeit hat, das Material auch veröffentlichen zu können. So gehen solche Geschichten nicht mehr unter und wir müssen den Mächtigen nicht mehr blind vertrauen.

Das Tragische an der Geschichte: Der Mann hat nicht einmal demonstriert ...

Guardian: Video reveals G20 police assault on man who died
gefunden über:
Boingboing: London cop's unprovoked attack on G20 protestor BYSTANDER who then has fatal heart attack

Update (13:15)

Die FAZ hat die Story auch:

FAZ: Toter bei G-20-Protest bringt Polizei in Bedrängnis

Update (18.04.09)

Die BBC meldet, dass der Tod auf innere Blutungen zurückgeht. Alles was oben steht, kann also als bestätigt gelten. Der Tod geht auf die Polizeiattacke zurück.

BBC: G20 death was not heart attack
Oder auf Deutsch:
Spiegel: Londoner G-20-Opfer starb an inneren Blutungen

Greg Newton von Naked Shorts verstorben

Großer Verlust für die Finanzblogosphäre. In seinem Blog Naked Shorts hat er immer wieder spannende Geschichten ausgegraben und kommentiert. Als er noch für ein HedgeFonds Magazin geschrieben hat, lautete einer seiner Artikel "Madoff tops charts, Skeptics ask how" (If it sounds too good to be true...). Und das war 2001(!).

Infectious Greed: Sad News: Greg Newton Has Died
Bronte Capital: Farewell Greg Newton
Felix Salmon: The great Greg Newton
Farewell Greg Newton
FT Alphaville: No more Naked Shorts

Rest in peace. You will be missed.

Dienstag, April 07, 2009

PUMA oder wie sichere ich mir ein paar Milliarden?

Das Thema umweltverträglicher Nahverkehr der Zukunft war schon in Zeiten, in denen ich nur 3 Leser hatte, ein Thema. Heute habe ich nach langer Zeit wieder etwas Interessantes zum Thema gefunden, auch wenn ich befürchte, dass die eigentliche Motivation dahinter eine andere ist ...

Wahrscheinlich hat Segway schon lange an diesem PUMA gearbeitet. Ich spare mir die Beschreibung, schaut einfach das Video an:



Die Rahmenparameter sind übrigens relativ einfach: 35 Meilen pro Stunde Höchstgeschwindigkeit, Reichweite 35 Meilen, Stromkosten für eine Batterieladung: 35 Cent (also in Deutschland etwa 50 Km/h, 50 Km Reichweite und knapp 1 Euro Stromkosten pro Ladung).

Nun hat GM ein paar Probleme, nämlich kein Geld und zweitens ein grauenhaftes Dinosaurier-Image: Zu große Autos, zu hoher Spritverbrauch, keine Innovation, etc. Was lag da näher als mal bei Segway anzurufen um herauszufinden, ob man da nicht eine kleine Kooperation machen könnte. General Motors zahlt ein paar Millionen, dafür muss GM mal für einen Tag Zugriff auf den neuen zweisitzigen Segway bekommen. Keine weiteren Fragen, keine weiteren Verpflichtungen.

Und taataa: GM wirkt auf einmal innovativ, öko und ein guter Partner für die Zukunft, in dem ein paar Miliarden Steuergelder gut angelegt sind (Psst, nicht verraten, dass man das auch mit ein paar Millionen an Segway das Teil auf den Markt bekommen könnte ...). So zumindest die Idee, die GM gerne transportiert hätte. Darauf fall ich aber nicht rein ;-)

Das zweite Video ist noch eindeutiger, da taucht eigentlich nur Segway auf ...



Das Teil ist übrigens trotzdem cool, auch wenn es keinen Preis und keine Verfügbarkeit gibt. Aber darum ging es ja auch nicht ...

Crunchgear: Test Drive: Project PUMA [Update]

Heise: Straßen-Aerobic: Ein Segway for Two

AIG will Vermögensverwaltung verkaufen ...

AIG hat ja schon mehrfach versucht, über Verkäufe von Töchtern Geld in die leeren Kassen zu holen. Nur waren die Verkaufserlöse überwiegend mager, teilweise sogar so mager, dass man den Verkauf abgeblasen hat.

Aktuell geht es um die Vermögensverwaltung, die sich um immerhin 100 Milliarden Dollar kümmert. Wenn das Handelsblatt schreibt, dass es bis zu 12 Interessenten gebe, hört sich das noch ganz positiv an. Wenn man allerdings die Preisvorstellungen sieht, die nur zwischen 400 und 800 Millionen Dollar liegen sollen, zerschlagen sich die Hoffnungen auf eine signifikante Einnahme schnell. Normalerweise sind für Vermögensverwaltungen Kaufpreise in Höhe von mindestens einem Prozent des verwalteten Vermögens üblich. Die Gebote sind also klare Abstauberpreise. Die Käufer haben Angst, dass die Anlagen, die die AIG gekauft hat, nicht das Wert sind, was (noch?) in den Büchern steht.

Selbst wenn es 800 Millionen werden sollten, ist der Erlös nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. So wird die AIG die Milliardenschulden, die sie beim Staat hat, nie mehr los.

Handelsblatt: AIG hat Interessenten für Vermögensverwaltung

WSJ: Buyers Arise for AIG Unit as Some Bids Scrape Floor (Abo only)

Zahl des Tages (06.04.09): 4.000.000.000.000

Mal wieder eine Schätzung, dieses Mal vom IWF für die Summe der wertlosen Papiere, in denen alle möglichen Kredite in den letzten Jahren verbrieft wurden.

Der Gesamtumfang dieser wertlosen Papiere beträgt laut IWF

4.000.000.000.000 (4 Billionen) Dollar.

3,1 Billionen davon sollen in den USA liegen, die restlichen 900 Milliarden in Europa und Asien.

Damit hat der IWF seine Prognose vom Januar noch einmal fast verdoppelt (Neue IWF Prognose: 2,2 Billionen Schaden).

Was ich mich schon länger frage:Wieso freut sich die Börse immer über jede Änderung (=Aufweichung) der Bilanzierungsregeln? Wenn das Zeuch wertlos ist, ist das Zeuch wertlos. Punkt. Diese Verluste zu verstecken, macht wenig Sinn. Wenn jeder weiss, dass 4 Billionen Verlust drohen und jeder sehen kann, dass erst 1 Billionen davon abgeschrieben wurde, ist die Bilanz nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt wird.

Bei 3,1 Billionen Abschreibungsbedarf, von denen erst etwa 1 Billionen erfolgt sein dürfte, ist das US-Finanzsystem Pleite. Da muss man nicht lange diskutieren ...

Die Verluste werden übrigens immer höher, weil erst nach und nach die Auswirkungen der Rezession in den Schätzungen berücksichtigt werden. Ein Teil der Papiere war nie werthaltig, nicht einmal, als die Wirtschaftslage noch rosig war. Aber jetzt kommen noch die Papiere hinzu, die durch die fallenden Immobilienpreise wertlos werden; die Kreditkartenkredite, die durch Arbeitslosigkeit des Schuldners wertlos werden; die Autokredite, die durch den zusammenbrechenden Automarkt wertlos werden, etc. pp.

Man sollte die Dynamik einer Rezession nicht unterschätzen. Diese sorgt bereits in jeder "normalen" Rezession für spürbare Probleme. Der Unterschied ist dieses Mal nur, dass der Berg der Probleme, der mit in die Krise genommen wurde, wesentlich höher als normal ist ...

Spiegel: IWF erwartet Abschreibungsbedarf von vier Billionen
FAZ: Bankbilanzen angeblich vergifteter als gedacht
FT Alphaville: Toxic debts could reach $4 trillion, IMF to warn

oder direkt zur Originalstory:

Times: Toxic debts could reach $4 trillion, IMF to warn

Die Geschichte der Schätzungen:
8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.2008, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden
28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust
21.1.2009: Nouriel Roubini: 3,6 Billionen Dollar
28.1.2009: IWF: 2,2 Billionen Schaden
6.4.2009: IWF: 4 Billionen Dollar Schaden

Montag, April 06, 2009

Zahl des Tages (05.04.09): 6,3%

Eigentlich wollte ich etwas mehr zum Thema schreiben, aber da ich noch keine Zahl des Tages habe, packe ich den Text etwas gekünstelt in diese Rubrik.

Die Ratingagentur Scope Analysis hat errechnet, dass sich im 4. Quartal 2008 Zertifikate um

6,3%

besser entwickelt haben als der jeweilige Basiswert.

Tolle Werbung für die Zertifikateindustrie!

Wenn das Ganze nicht nur eine Nachricht aus der Rubrik "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" wäre ...

Denn wenn die Börse nach unten geht und wenn die Zertifikatewelt zum großen Teil aus Discount- und Garantiezertifikaten besteht. Discount-Zertifikate zeichnen sich dadurch aus, dass man auf den aktuellen Börsenkurs einen Discount gibt, für den man im Gegenzug ab einer bestimmten Schwelle auf Kursgewinne verzichten muss. Bei fallenden Kursen ist das logischerweise gut (übrigens egal wie weit der Kurs fällt), bei steigenden Kursen ist das logischerweise schlecht. Bei Garantiezertifikaten verhält es sich ähnlich.

Kurz: Wenn ich die Zertifkate so gewichte wie in der Studie, wird bei fallenden Kursen immer eine Überperformance der Zertifikate herauskommen. Und wenn die Kurse (stark) steigen, wird die Studie immer eine Underperformance der Zertifikate als Ergebnis haben. Der Nährwert der Studie geht also gegen Null.

Ihr könnt Euch aber sicher sein, dass die Studie dann anders aussieht. Entweder ändert man die Verteilung der Basiswerte oder man veröffentlicht ein andere zusammenfassende Zahl als Ergebnis (z.B. x% aller Zertifikate waren im Plus).

FAZ: Zertifikate schlagen Basiswerte

Nochmal was zur HSH Nordbank

HRR vom glücklicherweise wieder aktivem Zeitenwende-Blog weist heute auf ein Interview im Spiegel mit dem zurückgetretenen Wirtschaftsminister von Schleswig Holstein, der wegen der Löcher der HSH-Bank zurückgetreten ist, hin.

Ich bin mir sicher, dass ich damals einen Artikel geschrieben habe, der allerdings nicht online gegangen zu sein scheint. Aus welchem Grund auch immer. Marnette hatte seine Sorgen auch schon direkt nach dem Rücktritt in der FAZ geäussert.

Das Spiegel-Interview geht aber noch tiefer in die Details. Und es lohnt sich, da tun sich neue Tiefststände auf der nach unten offenen Unfähigkeitsskala auf :-(

Spiegel: "Das ist ein Wahnsystem"


gefunden über:
Zeitenwende.ch: Verwantwortungsvolles Handeln - made in Norddeutschland

Sonntag, April 05, 2009

Zahl des Tages (05.04.09): 15

Vor 15 Jahren hat sich Kurt Cobain umgebracht. Hat mich damals ziemlich mitgenommen. Deshalb ausnahmsweise mal zwei Musikvideos an einem Wochenende:





Außerdem wollte ich die Gelegenheit mal nutzen, um damit zu prahlen, dass ich dieses Konzert in Köln in echt gesehen habe ... Jaja, so alt bin ich. Hat aber auch Vorteile :-) Und sei es nur der, Nirvana mal live gesehen zu haben ...

Im zweiten Video wirft der Cobain übrigens die Gitarre auf die Bühne (sieht man im Video) und springt mit vollem Anlauf darauf und "surft" von der Bühne (leider nicht im Video). Habe ich auch nicht noch einmal gesehen ... Gitarrensurfen.

Nirvana kannte damals noch kein Schwein (naja etwas übertrieben), und die sollten eigentlich als erste oder zweite Band spielen. Ging aber nicht (Drogenmangel?) und dann kamen die als drittletztes (oder so). Nach dem Konzert war aber klar, dass das keine durchschnittliche Band war.
Smells like Teen Spirit war gerade erst draussen und wurde erst dank MTV-Dauerrotation sehr langsam zum Welthit. In Deutschland erst irgendwann Anfang 1992. Damals nutzte konnte das Fernsehen noch Künstler zum Star machen und nicht nur gecastete Schwachmaten ...

Samstag, April 04, 2009

Zahl des Tages (04.04.09): 500.000.000.000

Ich hatte am Mittwoch bereits auf die deutlichen Verluste der amerikanischen Pensionskassen hingewiesen (Zahl des Tages (01.04.09): -17%). Ich fragte mich damals, was das denn wohl konkret bedeutet. Insbesondere war meine Frage, ob nach den Kursverlusten die Unterdeckung der Pensionskassen noch weiter gestiegen ist.
Ich konnte die Zahl zur Unterdeckung, die ich im Kopf hatte, leider nicht wiederfinden, aber netterweise hat mir mein Leser Tobias einen Link auf einen Artikel in den Kommentaren hinterlassen, der die Zahl enthält (bzw. eine Zahl enthält, denn die Berechnung dafür dürfte nicht ganz trivial sein).
Errechnet hat die Zahl ein Professor, der die Idee von George W. Bush die Aktienquoten in den Pensionskassen zu erhöhen, nicht gut fand und im Gegenteil ausschließlich auf Bonds setzen wollte. Durch die Kursrückgänge haben die US-Pensionskassen jetzt ein geschätztes Loch von

500.000.000.000 (500 Mrd.) Dollar.

Die Größe des Lochs schwankt natürlich kräftig und ist wahrscheinlich in den sehr guten letzten 4 Wochen schon wieder geschrumpft. Völlig verschwunden ist das Loch aber bestimmt noch nicht, denn dafür müssten die Aktienkurse wohl noch ein paar Jahre weiter steigen. Und das ist ja alles andere als sicher ...

Ob die Amerikaner allerdings so doof sind wie die Deutschen, die 2003 die Versicherungen zur Reduzierung der Aktienquoten gezwungen haben und damit den eh schon sinkenden Aktienkursen den finalen Kick nach unten gegeben haben, wage ich zu bezweifeln. Denn wenn die Amerikaner etwas verstanden haben, ist es das: Zwinge bloß niemand zum Verkauf, wenn die Märkte schon fallen. In den USA wird dann eher über Stabilisierungsmaßnahmen nachgedacht. Dass die USA gerade jetzt die Aktienquoten der Pensionskassen senken, ist also sehr unwahrscheinlich.

Boston.com: Pension insurer shifted to stocks

Freitag, April 03, 2009

Zahl des Tages (03.04.09): 40.000.000.000

Ich wollte eigentlich schon lange wieder einen Blick nach Spanien werfen, weil das eines der Länder war, das am klarsten alle Symptome einer Immobilienblase aufwies. Ziemlich verblüffend war es, dass sich die spanischen Banken wie Santander bisher eher als Profiteur der Krise hervortaten und billig Konkurrenzbanken schlucken konnten, weil es sonst keine liquiden Käufer gab. (Ob diese Käufe in ein paar Jahren noch so positiv bewertet werden, wird man sehen. Aber immerhin ist Santander die einzige Bank, die bei der Zerschlagung der ABN-Amro einen soliden Teil gekauft hat und das noch relativ günstig).

Aber bei den spanischen Banken muss man wohl differenzieren, denn die Lage bei internationalen Banken wie Santander unterscheidet sich wohl deutlich von den regionalen Banken, die nur innerhalb Spaniens tätig sind. Auch wenn die Richtlinien für die Hypothekenvergabe und vor allem die Bilanzierungsrichtlinien in Spanien als vergleichsweise streng gelten, hinterlassen die Preisrückgänge jetzt doch spürbare Löcher in den Bilanzen.

In der letzten Woche musste die spanische Notenbank die Caja Castilla-La Mancha retten (wenn da Casa gestanden hätte, hätte ich direkt wieder Durst bekommen ;-) ). Für die Caja wurde ein Zwangsverwalter eingesetzt und es wurden Garantien in Höhe von 9 Milliarden Euro ausgesprochen. Teile der Probleme gehen zwar auch auf eine Übernahme zurück, aber der Immobilienmarkt spielt sicherlich auch eine Rolle.

Der FAZ-Artikel lohnt sich auch, weil dort zwei interessante Grafiken enthalten sind. Die erste zur Immobilienpreisentwicklung (und sowas bekommt man aus Spanien gar nicht so einfach). Danach ist das Minus inzwischen auf 3,2% gestiegen und es geht weiter nach unten. Die beiden Metropolen Madrid (5,1%) und Barcelona (8,5%) fallen schon deutlich kräftiger.

Die zweite Grafik enthält eines der Maßstäbe der Bezahlbarkeit von Immobilien: Den Multiplikator von Immobilienpreisen zu Jahreseinkommen. Dort sieht man schön, dass die USA schon fast wieder auf einem Niveau angekommen sind, wie es vor dem Aufblähen der Immobilienblase üblich war. Spanien hingegen liegt noch deutlich höher. Schlimmer: 1999 reichten noch etwa 4 Jahreseinkommen, um eine Immobilie zu erwerben, am Preishoch brauchte man fast 8. Der aktuelle Wert liegt noch über 7. Das Ausrechnen des Abwärtspotenzials überlasse ich besser Euch ...

FAZ: Bankenrettung verdeutlicht die Krise

Puh, und immer noch nicht die Zahl des Tages? Kein Angst kommt jetzt, ich habe nur noch 15 Minuten (während ich übrigens Mehmet Scholls 2. Sendung höre (Ach so: Musiktipp Nr.2), wieder toll!).

Die Cajas sind am ehesten vergleichbar mit den deutschen Sparkassen, weil sie den Regionen (bzw. Städten gehören). Diese Cajas waren eine der Hauptquellen für Immobilienkredite. Nun werden die Ausfälle auf diese Hypotheken immer höher. Die Überdeckung der Kredite (Rückstellungen vs. Ausfälle) ist in der Branche von 200 Prozent auf nur noch 56 Prozent gefallen.

Um die Kapitalquoten stabil zu halten, brauchen nach den Berechnungen der Credit Suisse allein die Cajas neues Kapital in Höhe von

40.000.000.000 (40 Milliarden) Euro.

Die Story ist noch nicht zu Ende, befürchte ich ...

Telegraph: Spain’s savings banks could face €40bn hole in capital
gefunden über:
Creditwritedowns: Spain’s savings banks may have 40 billion in writedowns

Update (00:08)

Spaniens Finanzminister hält das übrigens für einen Einzelfall. Aber so hat das in den anderen Ländern auch angefangen ...
Tagesschau: Spanien rettet erste Bank vor der Pleite

Übrigens ist Spanien das erste Land in Europa, in dem die Preise sinken:
Handelsblatt: Teuerungsrate in Spanien sinkt unter null

Damit ist offiziell irgendwie Deflation. Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das bei einem Ölpreis von inzwischen wieder 50 Dollar lange so bleibt. Spätestens im Herbst greift der Basiseffekt wieder und dann verzerren die irren Ölpreise des Vorjahres die Statistik nicht mehr so. Die Kernrate in der Inflation ist ja immer noch deutlich positiv. Aber wir werden sehen ...

Update (4.4.09):

Wenn man etwas über Spanien schriebt, muss man eigentlich auch immer auf die extrem hohe Arbeitslosigkeit hinweisen. 15,5% sind schon heftig:

FT Alphaville: Unemployment, Spanish edition

Musik zum Wochenende: Radiohead

Hach, mal wieder Radiohead.

Ich hab's aber heute echt viel gehört und das geht überraschend gut mit der Vogelmusik (Frühling. Herrlich!) zusammen.

Becker-Jünemann erklären Monetarismus und Keynesanismus

Lange nix mehr verlinkt aus der Ecke. Und heute lohnt es sich mal wieder richtig für alle Leser dieses Wirtschaftsblog. Wer sich schon immer mal fragte, was Keynesianismus und Monetarismus ist und wie die sich unterschieden (wisse mer natürlisch all), hier die Erklärung.

WDR2 Kabarett: Becker Jünemann

Kurz ist Monetarismus wie Dormagen und Keynesianismus so, als gäbe man sich selber ein Bier aus, aber dadurch die Kneipe aufbleibt ;-) Besser selber anhören. Der Witz am Ende, der garantiert ein Karnevalswitz ist, ist auch einer der Besseren.

Seriösere Erklärungen gibt es hier:

Wikipedia: Monetarismus
Wikipedia: Keynesianismus

US-Arbeitsmarkt: 663.000 Jobs weniger, Quote von 8,1 auf 8,5%

Im März gingen in den USA erneut Jobs verloren und zwar 663.000. Das kam in etwa wie erwartet. Nach den sehr schwachen Zahlen von ADP mag es für manchen Beobachter sogar eher ein positive Überraschung gewesen sein.

Das stimmt aber (wie so häufig in letzter Zeit) nur auf den ersten Blick. Denn es gab wieder eine Abwärtskorrektur für die Vormonate und zwar wurde der Januar von -655.000 auf -741.000 gesenkt. Das sind satte 86.000 Arbeitsplätze weniger als ursprünglich errechnet. Korrekterweise müsste man diese zu den 663.000 addieren und dann wäre die Zahl eher unter den Erwartungen gekommen.

Der Januar ist übrigens nach der Korrektur der schlechteste Monat seit 1949, wobei man einschränken muss, dass die Zahl der Einwohner in den USA auch deutlich gestiegen ist. Nach einer Bereinigung der Zahlen um die gestiegene Bevölkerungszahl, könnte es durchaus sein, dass es schon Monate gab, in denen die bereinigte Zahl schon schlimmer war.

Seit dem Hochpunkt am Arbeitsmarkt sind übrigens nun bereits über 5 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen.

Auch einige weitere Zahlen im Report unterstreichen die breite angelegte Schwäche. Die Stundenlöhne steigen nur ganz leicht weiter, die Zahl der gearbeiteten Stunden und der Überstunden sinkt leicht. Die Anzahl der Leute, die sich frustriert vom Arbeitsmarkt abgewendet haben oder nur noch Teilzeit arbeiten können, obwohl sie Vollzeit arbeiten möchten, ist ebenfalls weiter gestiegen.

BLS: THE EMPLOYMENT SITUATION: MARCH 2009

Marketwatch: Job losses breach 5 million mark

Update (5.4.09):

Schöne Grafik inside inkl. der breiteren Arbeitslosigkeit (U6) (nicht freiwillige Teilzeitarbeiter siehe oben):

The Big Picture: Broader Unemployment Measure Hits 15.6%

UK-Immobilienpreise 03/09: +1,7% Vm ,-15,9% Vj

Gestern gab es ein leichtes Zeichen der Hoffnung für den Immobilienmarkt in Großbritannien. Die Hypothekenbank Nationwide gab ihren neuen Preisindikator bekannt. Danach sind die Preise im März überraschenderweise gestiegen und zwar direkt um 1,7%.

Man muss aber den Optimismus dämpfen, denn im ersten Quartal sind die Preise über 4% gesunken und damit fast genauso viel wie im Vorquartal.

FT Alphaville: Rejoice! - UK house prices rise
oder direkt von der Quelle:
Nationwide: ationwide house price survey - March 2009.

Der Quartalsvergleich (oder sogar Jahresvergleich) ist wesentlich aussagekräftiger, weil er die starken Schwankungen im Index dämpft. Wie stark die Preise manchmal schwanken, zeigt auch der Preisindex von der Konkurrenzbank Halifax, der auch für den März ein Minus ausweist: 1,9% im Monatsvergleich, 2,7% im ersten Quartal, 17,5% im Jahresvergleich.

FT Alphaville: Despair! UK house prices fall, or the battle of mortgage data providers

Ich bleibe bei der bevorzugten Verwendung des Nationwide-Indexes, der allgemein als breiter und umfassender angesehen wird.

Schmidt-Ballack vs. Pocher-Poldi

Angeblicher ("Bild war dabei") Dialog vor/während der Backpfeifen-Szene im Länderspiel Wales-Deutschland:

Ballack zu Podolski: „Konzentrier dich endlich mal, beweg' dich, denk an die Laufwege, reiß dich zusammen und spiel nicht so schlecht.“

Podolski: „Lauf doch selber, Du Arsch“

Erinnert irgendwie an Schmidt-Pocher. Schmidt-Ballack bekommt mehrere Sätze hin, Pocher-Poldi bleibt blöd, einsilbig, ordinär.

Die Sendung gestern erinnerte auch irgendwie an einen Pflicht-Kampf-Sieg. Irgendwie gewonnen, bzw. Sendezeit voll bekommen, aber wirklich Spaß gemacht hat's nicht.

FAZ: „Lauf doch selber, Du A...“

Ich bleibe bei Colbert-Stewart. Und hoffe, dass Schmidt wenigstens ein Stückchen auf dem Weg vorankommt und im Herbst bei Schmidt Reloaded eine deutsche Version von John Stewart wird (was er angeblich vor hat).

Spiegel: Mit Hitlers Schergen in den Sendeschluss

Frühling. Herrlich!

Und wer gerade in einem dunklen Bunker sitzen muss, dem gebe ich wenigstens etwas akustische Unterstützung. Beruhigt ungemein (finde ich).

Powered by Birdsong Radio

(eigentlich sollte hier ein Player auftauchen, geht aber scheinbar nicht, probiere mal den:)





Ah geht (zumindest bei mir)

Weitere Links für iTunes, Winamo (bäh), Real (bäh), etc. gibt's hier:

Birdsong Radio - A peaceful Dawn Chorus broadcast live over the internet.

gefunden über boingboing: Birdsong Radio

Donnerstag, April 02, 2009

Zahl des Tages (02.04.09): 41

Joh,

41

bin ich heut geworden. Prost!

:-)

Mittwoch, April 01, 2009

Zahl des Tages (01.04.09): -17%

Ich habe schon mal erschreckende Zahlen über die Unterdeckung der Pensionskassen in den USA gelesen. Ich konnte diese aber nie aus einer zweiten Quelle verifizieren. Also kam die dann nie hier.

Heute hat das Handelsblatt aber Zahlen von den Pensionskassen der DAX-Unternehmen gebracht. Dessen Vermögen ist 2008 um

17%

gesunken. Damit hat die schwache Börsenlage auch dort ihre Spuren hinterlassen.

Die Pensionen sind jetzt nur noch zu gut zwei Drittel hinterlegt. Das andere Drittel muss erst in den kommenden Jahren erwirtschaftet werden, damit die Pensionäre auch weiterhin ihre Rente erhalten. OK, 2009 dürfte in der Hinsicht nicht sonderlich erfolgreich werden ...

Handelsblatt: Pensionsvermögen von Dax-Unternehmen sinken deutlich

John Cage Stück im iTunes Store GRATIS

Endlich kann ich mir mal was von John Cage gönnen. OK, ziemlich Avantgarde, wie dieses Stück in einer Kirche, das 643 Jahre dauern soll und in dem sich manchmal nur einmal im Jahr der Klang ändert (Tagesspiegel: Längstes Musikstück der Welt erlebt Klangwechsel)

Gut, dass Gratis-Stück im iTunes-Store ist jetzt noch ein Stück obskurer, denn darin passiert einfach nichts. Garnix. Totale Stille. Von daher hat Apple den einzig passenden Preis gewählt ;-) Coole Idee auf jeden Fall.

Live gibt's das natürlich bei Youtube, wobei die Frage ist, warum der GEMA-Streit das nicht getroffen hat ... (Spiegel: YouTube sperrt Musikvideos in Deutschland)



Hat eigentlich jemand einen GUTEN Aprilscherz gefunden? Bis jetzt ist mir nichts untergekommen. Der BBC Gag vom letzten Jahr wird wahrscheinlich eh ungeschlagen bleiben:



Wer was ähnlich Gutes gefunden hat (iMac und iPhone shuffle zählen nicht als gut, weil sie alt sind), Kommentar hinterlassen, bitte!


Update (2.4.09)

So richtig Gute waren IMHO nicht dabei dieses Jahr ...

Meine Favoriten (aus den Kommentaren):

BGE für alle

Squeez Bacon

Die Think Geek Homepage war gestern eh ganz gut. Die Eispickel-form zum perfekten Mord (Ultimate Assassins Weapon Ice Mold), das Buzzword - The Shocking Speech-Recognition Wristband oder der USB Pet Rock waren ziemlich cool.

Ansonsten war von den Mainstream-Gags die Story, dass der Guardian die Printausgabe einstellt und auf Twitter umstellt, irgendwie der beste Aprilscherz.

Update (3.4.09)

Einen guten habe ich noch gefunden. Eine BMW-Anzeige:

BMW Magnetic Tow Technology

Friedhelm Busch vs. Raimund Brichta: Round Two

Für alle die Teil 1 noch nicht kennen: Video des Monats: Friedhelm Busch vs Raimund Brichta.

Nun gibt es eine Fortsetzung, dieses mal lautet das Streitthema "Währungsreform":

Telebörse: Das Streitgespräch

Der beste Hedgefonds der Welt: 6,8 Mrd. Gewinn

Wow!

Noch beeindruckender: Der Chef ist sogar ein ziemlich bescheidener Mensch geblieben und streicht "nur" etwa 100 Millionen Euro Gehalt ein. Bescheiden im Vergleich zu seinen Kollegen wie Soros, Simons oder Paulson :

1.) James Simons von Renaissance Technologies: 2008: 2,5 Mrd. $ (2,8 Mrd. 2007)
2.) John Paulson von Paulson & Company: 2008: 2,0 Mrd. $ (3,7 Mrd. 2007)
3.) John D. Arnold von Centaurus Energy: 2008: 1,5 Mrd. $ (0,48 Mrd. 2007)
4.) George Soros von Soros Fund Management: 2008: 1,1 Mrd. $ (2,9 Mrd. in 2007)
5.) Ray Dalio von Bridgewater Associates: 2008: 0,78 Mrd. $ (0,4 Mrd. Dollar in 2007)

Im Schnitt ging's in den Top 10 um 48% nach unten.

Die ganze Liste bis Platz 10 gibt's hier:

The Big Picture: Top Hedge Fund Earners
Marketwatch: Top managers' pay dropped 48% last year

Aber wer davon war jetzt der beste Hedgefonds? Keiner. Der beste Hedgefonds der Welt sitzt nämlich in Zuffenhausen und der "Chefhändler" heisst Wendelin Wiedeking. Bekannt ist der Hedgefonds unter dem Namen Porsche.

Alea: The World’s Best Trading Desk

(Ich weiss übrigens nicht sicher, ob es nicht doch einen Hedgefonds gab, der mehr verdient hat. Gewinnzahlen für die Hedgefonds sind kaum frei erhältlich. Ich bezweifle aber, dass einer der großen Fonds eine so gute Rendite erwirtschaftet, dass er über die 6,8 Mrd. Euro von Porsche gekommen ist. Die meisten Hedgefonds haben nicht einmal Volumen von 6,8 Mrd. Euro ...)

TARP schon fast leer?

Von den 700 Mrd. Dollar, die mit viel Brimborium genehmigt wurden, sind wohl schon fast aufgebraucht. Nur noch 109 Mrd. Dollar sollen im Topf sein.

Ich unkte ja schon gestern, dass die 12.800 Mrd. nicht ausreichen werden (Zahl des Tages (31.03.09): 12.800.000.000.000). Wenn jetzt der TARP schon fast wieder leer ist, steht die nächste Aufstockung wohl unmittelbar bevor.

Handelsblatt: US-Rettungspaket größtenteils ausgeschöpft

Update (10:15)

Auf jeden Fall die knackigere Überschrift:
FTD: Washington geht Geld für Finanzhilfen aus

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