Dienstag, März 31, 2009

Zahl des Tages (31.03.09): 12.800.000.000.000

Schluss mit den Prozentzahlen, zurück zu den RICHTIG großen Zahlen. Und heute mal nicht eine einzelne Zahl, sondern alles mal zusammengerechnet. OK, nicht wirklich alles, sondern alle staatlichen Ausgaben, die
i) die Fed und
ii) der Staat
entweder
a) ausgegeben,
b) verliehen oder
c) garantiert haben.

Und dann landet man bei

12.800.000.000.000
(12,8 Billionen) Dollar.

Das entspricht etwa 90% der jährlichen Wirtschaftleistung der USA eines Jahres (dem BIP). Anders gerechnet über 40.000 Dollar auf jeden Einwohner der USA inkl. aller Babies und Renter. Und wir sind bestimmt noch nicht am Ende ...

Da will man doch mal besser hoffen, dass die Verleihungen auch zurückgezahlt werden und die Garantien nicht gezogen werden müssen.

FT Alphaville: Trillion fatigue

US-Immobilienpreise 01/09: -2,8% Vm (-19% Vj)

Nachdem ein paar Indikatoren vorsichtig auf eine Stabilisierung der US-Immobilienpreise hindeuteten und u.a. die Experten von Trinkaus & Burkhardt eine leicht abnehmende Fallgeschwindigkeit für den heute veröffentlichten Case-Shiller-Immobilienpreisindex erwarteten, muss die veröffentlichte Zahl als dicke Enttäuschung gewertet werden. Denn ganz entgegen der Erwartungen ist das Minus im Januar 2009 sogar das größte bisher in der Abwärtsbewegung geworden.

Im Vergleich zum Dezember 2008 ging um 2,8% nach unten, im Jahresvergleich wuchs das Minus auf 19%. Vom Hoch aus gerechnet ist das Minus nun 29% groß. Es sinken alle 20 erfassten Regionen und auch alle mit mehr als einem Prozent im Monatsvergleich. Positive Aspekte sind nicht sichtbar.

Damit wird die Prognose von Meridith Whitney, dass die Immobilienpreise 40 bis 45% sinken werden, immer realistischer und langsam Mainstream. Letzten Herbst war das noch eine absolute Einzelmeinung und galt damals als Horrorprognose ... (Meridith Whitney (Oppenheimer): US-Immobilienpreise fallen 45%). Inzwischen erwarten Roubini und Shiller sogar eine noch negativere Entwicklung und können sich eine Preishalbierung oder mehr vorstellen.

Marketwatch: Home values sink at record pace in January

Update (16:27)

Noch ein Link mit Grafik inside

Credit Writedowns: Case-Shiller offers up another depressing spectacle in U.S. housing

Update (16:40)

Oder eine lame Zusammenfassung im Handelsblatt:

Handelsblatt: US-Immobilienpreise sinken weiter

OECD-Prognose: Deutschland BIP -5,3% in 2009

Deutschland -5,3%, Industrieländer: -4,3%, Welt: -2,7%, Welthandel -13%. Alles von der OECD, alles für 2009.

2010 stabilisiert sich die Entwicklung. Deutschland wird mit einem minimalen Plus gesehen, was aber im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern (-0,2%) etwas besser ist. Die Arbeitslosigkeit hingegen wird auch 2010 noch weiter steigen und erschreckende 11,8%, also über 5 Millionen Arbeitslose, erreichen.

Nur eine Prognose, allerdings, wie zu befürchten war, eine ziemlich miese ...

Welt: Deutsche Wirtschaftsleistung sinkt um 5,3 Prozent

Update (12:46)

Von der Weltbank gibt es auch neue Prognosen, die nicht ganz so düster sind. Danach schrumpft der Welthandel "nur" um 6%, das Welt-BIP um 1,7%. Auch die Prognosen für 2010 sind deutlich positiver. Für Europa werden 0,9% Plus erwartet, für die USA schon wieder 2%.

Allein die Unterschiede zwischen der OECD- und der Weltbank-Prognose zeigen, wie schwierig dieses Geschäft ist. Und dass man die Prognosen nicht überbewerten sollte ...

Handelsblatt: Wirtschaftsleistung bricht weltweit ein

Update (16:20)

Wer den Spiegel bevorzugt:
Spiegel: OECD warnt vor drastischem Wirtschaftseinbruch in Deutschland

Darüber lacht der Bundestrainer ...

Will den Witz nicht einfach klauen:

Titanic: Darüber lacht der Bundestrainer

Marktkapitalisierungen der Banken im Überblick

Das Nette an der Grafik: Sie ist interaktiv und man kann die Entwicklung von 1999 bis heute ansehen. Dass die drei nach Marktkapitalisierung größten Banken alle aus China kommen, wird den ein oder anderen sicherlich überraschen ...

Man kann in der Grafik auch eine Bank auswählen und dann sieht man die direkt gehighlighted im nächsten Jahr. Wählt mal die UBS oder die Citigroup oder Lloyds aus und zieht dann den Zeitslider nach rechts ...

FT: The decade for global banks

gefunden über: The Big Picture: Financial Institutions, Market Cap, 1999-2009

Update (10:24)

Beachtlich auch die totale Dominanz der US-Banken in 2003/2004.

Montag, März 30, 2009

G20-Gipfel: Neue Weltwährung mit Golddeckung?

Bin totmüde, aber den Linktipp bringe ich noch:

China und Russland präferieren angeblich eine neue, zumindest teilweise goldgedeckte Währung.

Viel Chancen gebe ich dieser Idee nicht. Vor allem, wenn sie von zwei Ländern kommt, denen die Vormachtstellung des Dollars schon lange auf den Keks geht. Wobei die Chinesen auch dazu beigetragen haben, denn ohne die 1,7 Billionen Dollar, die die Chinesen den Amis an Staatsanleihen abgekauft haben, hätte die US-Kreditblase nie so groß werden können.

Telegraph: Russia backs return to Gold Standard to solve financial crisis

Zahl des Tages (30.03.09): 8,7%

So, da haben wir endlich den ersten Schritt zur Verstaatlichung der Hyporealestate.

Mit 60 Millionen Euro hat sich der deutsche Rettungsfonds SoFFin an der HRE beteiligt. Dafür gab es 20 Millionen (neue) Aktien, sprich

8,7%.

Interessant dabei: Der Preis je Aktie betrug 3 Euro. Das ist deutlich höher als der aktuelle Kurs der HRE-Aktie, der bei knapp 1,50 liegt (und heute morgen bei etwa 1,10; die Börse spekulierte natürlich direkt auf 3 Euro für jeden). Die Tagesschau schreibt, dass das gesetzliche vorgeschriebene Mindestpreis sei. Weiss jemand, woher der kommt?
(Ich dachte ein Mindestpreis wäre mit der Abschaffung der echten Nennwerte der Aktien abgeschafft worden. Früher musste für eine Aktie immer den Nennwert von normalerweise 50 Mark bezahlt werden. Sank der Kurs darunter, musste man vor der Kapitalerhöhung einen Kapitalschnitt machen, damit der Kurs wieder über 50 kam. Aber ist der Nennwert nicht abgeschafft? Oder kann der nur abgeschafft werden, ist es aber nicht immer?).

Noch interessanter: Der Staat hat bereits knapp 20 Mrd. Euro in die Bank gesteckt (neben den Garantien, die nochmals weit über 100 Mrd. betragen). Wenn man den heutigen Kurs als Maßstab nimmt, hätte der Staat dafür 6,7 Mrd. Aktien kaufen können. Bei 230 Millionen Aktien, die die HRE jetzt hat, wäre damit der Anteil der Altaktionäre auf nur noch ca. 3% gesunken.

Tagesschau: Bund startet Übernahme der HRE

Warum in diesem Zusammenhang immer von Enteignung gesprochen wird, ist mir ziemlich schleierhaft. Die Anteile und der Wert für die Altaktionäre sind doch eh weg. Da sollen die bloß mal aufhören, sich was in die Tasche zu lügen.

Ich hätte die HRE vom ersten Tag an nur gegen Aktien gestützt. Dann wäre die Diskussion hinfällig. Politisch hätte ich dafür gesorgt, dass die Pfandbriefe an eine andere Bank übergehen und dann hätte die HRE im Zweifelsfall auch vor die Wand fahren können. Aber unsere Politiker haben ohne Gegenleistung (sprich Stimmrechte) Milliarden in die Bank gesteckt und dann scheinbar nur noch feste die Daumen gedrückt. Irgendwie wird's schon gut gehen. Bis die nächste Geldspritze kam.

Übrigens bleibt das nicht die letzte Kapitalzufuhr. Die HRE hat schon weiteren Kapitalbedarf angemeldet.

Tagesschau: 100 Milliarden sind nicht genug

BBBiroschka tanzt nicht mehr ...

Das mit den Überschriften wird jetzt albern. Aber ich bin gerade in der Stimmung dazu und wenn man nicht für die FAZ arbeitet, kann man sich sowas erlauben ...

Neben Irland ist heute auch Ungarn herabgestuft worden. Von BBB ging es auf BBB-, der letzten Stufe, die noch als Investmentqualität gilt. Der ungarische Forint verlor über 2 Prozent, die ungarische Börse noch etwas mehr (was im Vergleich zum DAX allerdings gut war).

Standard & Poors erwartet ein BIP-Minus von 6%. Das Budgetdefizit dürfte damit deutlich über die geplanten minus 3% hinausgehen.

Generell frage ich mich, ob ein Land, das schon Hilfen des internationalen Währungsfonds oder der EU in Anspruch nehmen musste, überhaupt noch Investmentqualität haben darf. Ich schätze eher nicht ...

Marketwatch: Forint tumbles as S&P cuts Hungary's credit rating

IrelAAnd

Ich gebe zu, diese Überschrift wird immer weniger originell (wenn sie es überhaupt mal war). Aber da meine Stammleser schon wissen, was diese großen "A"s in der Überschrift bedeuten, bleibe ich dabei. Auch wenn das in der Google Suche niemand mehr findet ...

Die CDS auf Irland waren schon mehrfach ein Thema. Die Ratingherabstufungen anderer Länder (Portugal, Griechenland, Spanien etc.) ebenfalls. Heute hat es dann ein Land erwischt, dass laut den Preisen für die CDS eigentlich als eines der ersten an der Reihe gewesen wäre ...

Mit Irland wurde heute ein weiteres Mitglied der Eurozone von Standard & Poors um eine Stufe von AAA auf AA+ herabgestuft.

Das ist zwar immer noch ein sehr gutes Rating, der Ausblick bleibt aber negativ. Die Steuereinnahmen in Irland brechen ein, die Bilanzsummen der irischen Banken im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes sind sehr hoch und viele der vergebenenen Kredite gingen wie in den USA oder Großbritannien in den völlig überhitzten Immobilienmarkt. Und dort sinken jetzt die Preise ...

Und was darin überhaupt noch nicht enthalten ist: Die Gefahr der Pleite einer der drei großen irischen Banken, für die der Staat schon im vollen Umfang haftet.

Da wird man besser schnell zum Alkoholiker. SlAAinte ;-)

FT Alphaville: S&P strips Ireland of its triple-A rating

Samstag, März 28, 2009

Zahl des Tages (28.03.09): 43

So, Samstag. Zahl des Tages werden wie so häufig die Bankenpleiten. Auch dieses Wochenende gab es wieder eine weitere in den USA. 21 sind es bis jetzt dieses Jahr, und wenn ich richtig gezählt habe

43

insgesamt seit Ausbruch der Krise.

US-Bankenpleite Nr. 43:

Name: Omni National Bank,
Sitz: Atlanta, Georgia,
Assets: 956 Millionen Dollar,
Käufer: SunTrust, aber nur teilweise
Schaden für die FDIC: 290 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 29).

Marketwatch: FDIC seizes Atlanta's Omni National Bank

FDIC: SunTrust Bank, Atlanta, Georgia, Receives the Insured Deposits of Omni National Bank, Atlanta, Georgia

Gute Gelegenheit, die 3 Pleiten des letzten Wochenendes nachzutragen. Here we go:

US-Bankenpleite Nr. 40:

Name: FirstCity Bank,
Sitz: Stockbridge, Georgia,
Assets: 297 Millionen Dollar,
Käufer: niemand, die FDIC zahlt die Guthaben aus,
Schaden für die FDIC: ca. 100 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 14).

FDIC: FDIC Approves the Payout of Insured Deposits of FirstCity Bank, Stockbridge, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 41:

Name: Colorado NationalBank,
Sitz: Colorado Springs, Colorado,
Assets: 123 Millionen Dollar,
Käufer: Herring Bank,
Schaden für die FDIC: 9 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: ausnahmsweise kein Treffer.
FDIC: Herring Bank, Amarillo, Texas, Assumes All of the Deposits of Colorado National Bank, Colorado Springs, Colorado

US-Bankenpleite Nr. 42:

Name: Teambank,
Sitz: Paola, Kansas,
Assets: 670 Millionen Dollar,
Käufer: Great Southern Bank,
Schaden für die FDIC: ca. 98 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: auch kein Treffer.

FDIC: Great Southern Bank, Springfield, Missouri, Assumes All of the Deposits of Teambank, National Association, Paola, Kansas

Freitag, März 27, 2009

Zahl des Tages (27.03.09): 58.000.000

Ich weiss, irgendwie ist die Zahl langweilig und ich bemühe auch mich, nicht permanent Zahlen zu bringen von Leuten, die sich fette Millionen-Boni auf die Tasche tun, obwohl die Firma Milliarden-Verluste erwirtschaftet hat. Aber ich komme da echt nicht drüber weg. Sorry.

58.000.000 (58 Millionen) Euro

Gehalt, Abfindungen und Boni haben sich die Vorstände und Ex-Vortsände der Dresdner Bank genehmigt.

Das ist an und für sich schon ein heftiges Sümmchen, aber in einem Jahr mit einem Minus von 6,3 Milliarden Euro einfach nicht nachvollziehbar. Für niemanden.

Auch wenn knapp die Hälfte der Summe (24 Mio.) für Abfindungen gezahlt wurde, schränkt das sie Unverschämtheit nicht wirklich ein. Denn auch diese Leute, die inzwischen nicht mehr dabei sind, sind für die 6,3 Mrd. Minus mitverantwortlich.

Tagesschau: Millionengehälter trotz Milliardenverlust

Versprochen: Morgen kommt was anderes. Es ist schon eine Bank in den USA Pleite, die 21 habe ich schonmal in der Hinterhand ;-)

Musik zum Wochenende: Pet Shop Boys

Mochte die Band schon immer, aber so richtig große Favorites von mir waren das eigentlich nie. Gut, dass es bei Saturn eine Menge altes Zeuch für 5 Euro zum Download gab. Da habe ich mir mal ein paar alte Sachen von den Jungs gegönnt. Es bestätigte sich aber eher mein alter Eindruck: Eine tolle Single-Band. Das soll jetzt nicht zu negativ klingen, denn die meisten Bands schaffen ja nicht einmal zwei gute Singles pro Album. Um nicht zu sagen, zwei gute Lieder in ihrer ganzen Karriere. Außerdem bestätigten die anderen Alben von anderen Interpreten diesen Eindruck. Bin ich froh, dass man bei iTunes einzelne Lieder kaufen kann.

Das neue Album von den Pet Shop Boys wird ziemlich überall ziemlich gelobt. Altermäßig scheinen die aber aus der Rotation zu sein. Ich habe die neue Single noch nie im Radio gehört. Strange, denn eigentlich ein guter und eingängiger Song:

Was haben KfW, HRE und IKB gemeinsam?

Viel Verlust ist zwar richtig, zählt aber nicht. Die richtige Antwort ist:

Ex-Vorstände, die richtig viel Geld verdient haben (weil sie ja so toll sind und so einen risikoreichen Job machen) und ihre Bank mehr oder weniger mit Höchstgeschwindigkeit vor die Wand gefahren haben. Was dann am Ende zur wenig bedauernswerten Arbeitslosigkeit der Herren geführt hat.

Aber auch das war nicht die Gemeinsamkeit, auf die ich hinaus wollte. Die wirklich spannende Gemeinsamkeit ist, dass alle Ex-Vorstände meinen, nach der fristlosen Kündigung ihr Gehalt und/oder ihre Boni einklagen zu müssen.

Herrn Funke von der HRE habe ich ja schon mit einigen Beiträgen gewürdigt, deshalb sind heute mal Detlef Leinberger und Peter Fleischer von der KfW dran (es gibt wohl noch weitere Klagen, aber da sind noch keine Namen raus). Neben 6,3 Mrd. Verlust in 2007 lieferten sie 2,7 Mrd. Verlust in 20072008 und die äußerst peinliche 300-Millionen Überweisung an die bereits Pleite gegangene Lehman Brothers ab. Na, da hat man sich das Gehalt doch wohl verdient, oder?

Auch die IKB, die nach cleveren Offbalance-Geschäften 10 Milliarden vom Staat brauchte, hat damals tragischerweise ihren Vorstandsvorsitzenden Stefan Ortseifen verloren. Der hat aber natürlich nix aber auch garnix falsch gemacht. Und seine 1,6 Mio. Jahresgehalt und knapp 378.000 Euro lebenslange Pension hätte der Mann halt doch ganz gerne.

FTD: Ex-KfW-Vorstände klagen Gehalt ein

Irgendwie in das Bild passt die Nachricht von vorgestern, dass der neue Hauptaktionär der IKB die Sonderprüfung zur Ursachenforschung der (Fast-)Pleite geheim halten will. Man habe Angst vor Klagen des Anleiheversicherers FGIC, der eh schon gegen die IKB geklagt hat, weil diese den zu versichernden Schrott dem Versicherer als sichere Anleihen angepriesen hat.

FTD: IKB verschleiert Prüfungsergebnisse

Noby Noby Boy für's iPhone

Yeah. Nach Katamari das nächste richtig lustige und schräge Spiel für's iPhone. Wobei rolando auch echt gut ist.

Noby Noby Boy ist vom Erfinder von Katamari Keita Takahashi und das gab es bisher nur für die PS3 als Download. Aber für ein Spiel eine PS3 zu kaufen, ist eine Nummer zu hart, vor allem weil ich der klassische Casual Gamer bin.

1up: GDC 2009: Noby Noby Boy Coming to iPhone

Wer einen Ausblick haben will:



Wobei den beiden auch nicht wirklich klar ist, worum es geht und was das soll ... Was bei Takahashi Spielen kein schlechtes Zeichen ist ...

Bailout? Oder was?

In einer Zeit ohne Colbert und Stewart muss South Park herhalten, um uns zu erklären, die die Krise funktioniert:


South ParkWed 10pm / 9c
Bailout!
comedycentral.com
Joke of the DayStand-Up ComedyFree Online Games


Update (28.03.09):

Die ganze Folge gibt's hier:

South Park - Margaritaville

(kann man leider nicht embedden)

Donnerstag, März 26, 2009

Zahl des Tages (26.03.09): -6,3%

Ok, etwas langweilig, aber weil die BIP-Entwicklung hier nicht nur wegen meiner legendären Rezessionswette (wer noch nicht so lange liest, soll das mal ruhig anklicken und schauen, wann der egghat auf eine US-Rezession gewettet hat. Damals, als niemand eine vorhergesagt hat und auch zu dem Zeitpunkt, an dem alle Experten behaupten, dass man das nicht vorhersehen konnte) immer unter Beboachtung ist, muss auch die endgültige Zahl zum US-BIP im 4. Quartal kommen.

Nach -3,8% (US-BIP Q4/08: -3,8%) bei der ersten Schätzung und -6,2% bei der zweiten Veröffentlichung (Zahl des Tages (27.02.09): -6,2%) wurde die endgültige Zahl heute bei

-6,3%

fest gestellt. Also noch einen Tick schlechter. Aber wenig dramatisch. Lust in die Details zu kriechen, habe ich heute nicht. Gehe heute mal vor 24:00 Uhr ins Bett. Wenn ich morgen was spannendes zu den Details lese, liefer ich das nach.

Tagesschau: US-Wirtschaft schrumpft um 6,3 Prozent
Handelsblatt: US-Wirtschaft um 6,3 Prozent geschrumpft

Marketwatch: GDP revision shows 6.3% decline in fourth quarter

Oder direkt von der Quelle:
Bea.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FOURTH QUARTER 2008 (Final)

Der NASDAQ Index ist im Plus ...

... aber nicht nur für heute, sondern auch für das Jahr.

Der ganze Einbruch der ersten zwei Monate ist schon wieder aufgeholt. Und mit dem Plus von 21% gegenüber dem Tief befindet sich auch der Dow Jones wieder (nach einer der gängigeren Definitionen) in einem Bullenmarkt.

Ist doch mal was ...

Dutzende Schmerzbehandlungstudien gefälscht

Hmmm, dutzende Studien gefälscht, die teilweise entscheidenden Einfluss auf die moderne Schmerzbehandlung haben. So weit, so schlimm.

Der wirtschaftliche Aspekt an der Sache: Die Finanzierung des Übeltäters ist "dubios". Hat sich hier ein Pharmaunternehmen passende Ergebnisse gekauft? Ergebnisse, die das Medikament der Konkurrenz schlecht machen und den Wirkstoff des eigenen, patentgeschützten Medikaments gut?

Ich kann die medizinischen Auswirkungen nicht beurteilen, aber bei allem Gejammer über die Wirtschaftskrise ist das Verzocken von Geld immer noch eine Nummer harmloser als das Zocken mit dem Leben von Menschen, das es unter Umständen gegeben hat ...

ORF: US-Mediziner fälschte Dutzende Studien

Jon Stewart macht den Cramer ...

Jon Stewart gibt Anlagetipps. OK, gab. Und zwar 2000. Eigentlich vor dem Cramer, denn 2000 gab es Mad Money noch nicht, oder?

Jon Stewart Gives Prophetic Financial Advice in 2000

The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Words of Advice
comedycentral.com
Daily Show Full EpisodesEconomic CrisisPolitical Humor


Muss ich verlinken, allein schon wegen der Empfehlung :-)

Mittwoch, März 25, 2009

Zahl des Tages (25.03.09): 5

Dass es kaum noch Firmen in den USA gibt, die ein Triple-A-Rating haben, war ja schonmal Thema an dieser Stelle, u.a. hier Zahl des Tages (12.03.09): 5. Dass es aber auch kaum noch Länder gibt, die Triple-A sind, überrascht dann doch. OK, so aussagekräftig ist das AAA nicht, denn MBIA hatte das auch viel zu lange und Bear Stearns noch kurz vor der Pleite. Die CDS haben den Vor- allerdings auch Nachteil, dass sie viel schneller und kräftiger reagieren.

Daher kann es spannend sein, wenn man aus den Kosten für die Credit Default Swaps die Ausfallwahrscheinlickeit und darüber das implizite Rating zurückrechnet. Das ist zulässig, weil die Ausfallwahrscheinlichkeit auch der Parameter ist, über den die Ratingagenturen ihre Ratingklassen vergeben.

Die Ergebnisse sind von Markit, die auch einen großen Teil der CDS berechnen/handeln:

Norwegen: 3,9% --> AAA (die profitieren vom Öl)
Finnland: 4,9% --> AAA (Haushaltsüberschüsse bis (mind.) 2007, Staatsdefizitverschuldung bei nur 33%)
Deutschland: 4,9% --> AAA (naja, wir sind halt gut ;-))
Frankreich: 5,1% --> AAA (die Franzosen auch ;-) und die haben eine Atombombe ;-) )
USA: 5,4% --> AAA (hmm, das kann nur die Atombombe sein ;-) )

(Land: Ausfallwahrscheinlichkeit --> daraus abgeleites Rating)

Und dann ist auch schon Schluss ... Es sind also nur noch

5

Länder, die nach den Preisen für CDS ein AAA-Rating verdienen würden. Es folgen mit impliziten AA+-Rating

Holland: 7,4%
Dänemark: 7,7%
Belgien: 7,8%
Portugal: 7,8%
Japan: 8,2%

Es haben allerdings nicht alle Länder ein Triple-A. Belgien und Portugal haben (IRRC) kein Triple-A, Japan schon. Bei Holland und Dänemark kenne ich das Rating nicht.

Spannend wären auch die Zahlen für Großbritannien, Irland und Italien gewesen. Großbritannien und Irland sind ja noch Triple-A, aber über die Zurückrechnung über die CDS dürfte das was anderes rauskommen. Bei Irland auf jeden Fall.

Man sollte die CDS und damit auch diese Zurückrechnung nicht überbewerten, interessant ist das aber trotzdem, vor allem bei Ländern wie Japan, wo die Zurückrechnung und das offizielle Rating unterschiedlich sind.

Alea: The World’s Safest Sovereign Debt

Generell sind die CDS-Prämien in den letzten Wochen *deutlich* zurückgegangen. Deutschland ist von über 90 auf 54 gesunken. Der zweite Wert ist das Minus der letzten 28 Tage.

USA 62 -35
Japan 89 -7
Deutschland 54 -37
Großbritannien 111 -54
Frankreich 59 -37
Italien 143 -49

aus Markit: Daily Commentary (23.03.09)

Übrigens heißt das auch, dass Deutschland vor 4 Wochen auch nicht mehr AAA gewesen sein dürfte ... Wie wahrscheinlich alle anderen auch ... So viel zum Thema "nicht überbewerten".

P.S. Hat übrigens jemand eine Liste aller Triple-A-Länder?

US-Neubauverkäufe rauf - Lagerbestand runter

Die US-Neubauverkäufe sind im Februar gestiegen. So weit eine relativ unspannende Zahl wie Barry Ritholtz sicherlich anmerken wird. Denn im Februar sind die Verkäufe immer höher als im Januar. Und im März noch höher und dann erst im April gefolgt vom Mai, der ohoh, von einem noch besseren Juni gefolgt wird. Das ist aber jedes Jahr so und die normale Saisonalität und daher die Schlagzeile nicht wert.

Spannender ist es hingegen, den Lagerbestand zu beobachten. Dieser ist (ich wiederhole mich und langweile daher bestimmt schon, aber so lange die anderen Medien in Deutschland die Zahl noch ignorieren, bleibe ich stur) die entscheidende Zahl, die ein mögliches Ende des Preisverfalls frühzeitig anzeigen wird.

Dieser Lagerbestand gemessen in Monatsumsätzen ist im Februar auf 12,2 Monate gefallen. Das ist ein deutliches Minus gegenüber dem Januar, als der Wert noch 13,3 betrug (US-Immobilienverkäufe: Kein Silberstreif am Horizont!). Dies liegt zum Teil natürlich auch an den gestiegenen Umsätzen, zum anderen (und das ist wichtiger) an der gesunkenen Zahl von Häusern, die zum Verkauf stehen (330.000 nach 342.000 im Januar).

So langsam schlägt also der komplett zusammengebrochene (Neu-)Bausektor auf das Angebot durch. Das ist wichtig, auch wenn die Jubelperser die steigende Anzahl von Neubaubeginnen, die vor wenigen Tagen gemeldet wurde, als positives Zeichen gewertet haben. Das ist es aber nicht. Denn auf Lager produzieren, schafft keinen Wert. Und der US-Immobilienmarkt kann im Moment alles mögliche gebrauchen, aber definitiv kein steigendes Angebot.

Der zweite wichtige Einflussfaktor dürften die gefallenen Zinsen sein, auch wenn bei The Big Picture gestern was anderes zu lesen stand (The Big Picture: It’s not the cost of money, stupid). Die Zinsen für eine 30-jährige Hypothek liegen inzwischen bei nur noch 4,63%. Vor einem Jahr betrug die Zins noch 5,74% (USA Today: Mortgage applications jump as rates hit record low).

Ein kleines Rechenbeispiel zeigt, dass das durchaus relevant ist. Wenn ich eine Immobilie im Wert von 200.000 Dollar/Pfund/Euro finanzieren will, kostete das damals 1.177 Dollar/Pfund/Euro, heute hingegen nur noch 1.038. Ich spare also knapp 140 Dollar/Pfunde/Euro.
Oder andersherum gerechnet, könnte ich heute bei gleichbleibender Belastung von 1.177 Dollar/Pfund/Euro heute dank der gefallenen Zinsen gut 25.000 Währungseinheiten mehr für das Haus ausgeben.
Wenn ich jetzt noch den Preisverfall der letzten 12 Monate berücksichtige, gibt es also jetzt bei gleicher monatlicher Belastung von 1.177 Währungseinheiten die gleiche Immobilie wie vor einem Jahr, nur 75.000 Währungseinheiten billiger. Zwei Drittel gehen auf den Preisverfall zurück, ein Drittel auf die sinkenden Zinsen. Das zeigt schön, dass der Zinsrückgang zwar wichtig ist, aber auch, dass es nicht der entscheidende Faktor ist.

Der sinkende Lagerbestand ist im Moment nicht mehr als die berühmte Schwalbe, die noch keinen Sommer macht. Erst wenn der Drei-Monats-Durchschnitt deutlich sinken sollte, darf man sich Hoffnung auf ein Ende des Preisverfalls machen. Stay tuned!

Marketwatch: New-home sales rebound after record low in Jan.

Update (26.03.09)

Noch ein Link auf den Artikel bei The Big Picture, der daras hinweist, dass die Monatsänderungen mit sehr großem Fehler behaftet sind (+/- 18,7%), während der Jahresvergleich nur einen viel kleineren Fehler hat. Und der Jahresvergleich ist eindeutig: Die Zahl der verkauften Neubauten ist um mehr als 40% gesunken.

The Big Picture: New Home Sales Fell 41% in February 2009

Bin ich eigentlich der Einzige, der das lustig findet?

Ralf König erzählt die Geschichte mit Noah und der Arche neu. Jeden Tag in der FAZ.

Heute mal wieder glorreich:

„Archetyp“: 44. Folge - Was für seltsame Tiere sind das, Herr?

Ich muss gestehen, dass ich den Luz vermisse. Hoffentlich kommt der bald wieder ...

„Archetyp“: 23. Folge - Hältst du mich wirklich für so eindimensional?

Alle Folgen hier:

Ralf Königs „Archetyp”

Ich verlinke den aktuellsten Teil immer rechts in den Empfehlungen, die ja auf vielfachen Wunsch nicht einmal pro Tag in ein Posting umgewandelt werden.

Zahl des Tages (24.03.09): 9.300.000.000.000

Also ich habe mich schon erschrocken, als ich den Entwurf für den US-Haushalt 2009 gesehen habe (Zahl des Tages (26.02.09): 1.750.000.000.000) , aber die Planung für die nächsten 10 Jahre sieht kaum besser aus (um das mal positiv auszudrücken ...).

Satte

9.300.000.000.000 (9,3 Billionen) Dollar

soll das Haushaltsdefizit der nächsten 10 Jahre (2010 - 2019) betragen. Das Defizit für 2009/2010 ist also keine Ausnahme, auch wenn es ein Ausreisser nach unten ist.

Leider finde ich die genue Zahl nicht wieder, aber der Schuldenstand 2019 würde damit etwa 80% des BIPs betragen. Die Republikaner weisen natürlich darauf hin, dass das Defizit von Obama damit etwa viermal so hoch wäre wie beim ach so unsoliden Bush und sprechen von Staatspleite. Ich weise jedoch darauf hin, dass Schweden schon höhere Schulden überlebt und wieder (teilweise) abgebaut hat. Auch die USA lagen nach dem zweiten Weltkrieg deutlich höher und haben (trotz Goldbindung der Währung) die Schulden wieder reduzieren können. Also den Ball flachhalten, aber genauestens beobachten.

News.yahoo.com: Obama budget could bring $9.3 trillion in deficits

Dienstag, März 24, 2009

Sydbank Börsenspam - schon wieder?

Ich habe schon beim ersten Mal nicht verstanden, warum jemand für eine Aktie in der Größenordnung Werbung per Spam macht. Den Kurs per Spam nach oben zu treiben, sollte eigentlich fast unmöglich sein. Bei den letzten Spams haben selbst extrem marktenge Werte kaum noch reagiert ...

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Lieber Leser, liebe Leserin!

die Sydbank feiert 2009 ein neues Comeback, denn die Anleger sind unruhig
geworden und investieren wieder vermehrt. Wir haben das richtige Invest
gefunden, der alle Ansprueche erfuellen wird.

Das Ziel von Sydbank A/S ist es, den Firmenwert zum Vorteil der Aktionaere
zu maximieren. Moeglich wird dies durch den Bau einer Filiale in Flensburg.
Die Sydbank ist sich seiner hohen sozialen und ethischen Verantwortung
bewusst und misst dem Umweltschutz grosse Bedeutung bei.

Wir geben Ihnen diesen Tipp bevor diese Aktie ihren 52 Wochen Hoch Stand
bekommt:

Sydbank AS

Anfangskurs: 9,66 Euro
6-Monate-Ziel: 16,30 Euro

52 Wochen Hoch: 27,40 Euro

W.K.N: A0D9FT
lSIN: DK0010311471

Bleiben Sie nicht aussen vor, lassen Sie sich diese einzigartige
Investitionsgelegenheit nicht entgehen.

Und noch ein Tipp von mir persoenlich: Analysieren Sie diese Aktie selber
und schauen sie sich den Chart an.

Herzlichst, Ihr

Dr. F. H. Ernst
Chefredakteur
Insider-Trades AG

Die Agentur haelt keine Aktien an dem empfohlenen Unternehmen. Die
Empfehlung ist nach bestem Gewissen ausgearbeitet worden. Ihr Beraterteam
erhaelt keinerlei Provision. Die Agentur distanziert sich von sogenannten
Pennystocks und analysiert ausschliesslich Aktien, die einen realen Umsatz
haben.

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Das Ganze kommt auch nicht zum ersten Mal (Der komischste Börsenspam der Jahres 2008 ...), vielleicht wird auch diesmal eine zweite Promotion für einen obskuren Pusherwert hinterhergeschoben. Dann wäre klar, was das soll: Erst promotet man was Seriöses und mit diesem scheinbar seriösen Image schiebt man einen glasklaren Pusher-Promoter-Spam hinterher.

Wir werden sehen ...

GE: AAA ist weg

Nach Fitch und Standard & Poors in der letzten Wochen, hat gestern auch die dritte Ratingagentur Moody's der Eletronikfirma mit angeschlossenem Hedgefonds namens General Electric das AAA-Rating entzogen.

Die Probleme von GE kommen vor allem aus dem Finanzarm. Hier hat GE auf vielen kritischen Gebieten mitgemischt, allerdings einige dieser Bereiche noch vor Ausbruch der Krise verkauft. Um das Rating zu halten, kam dieser Schachzug zu spät, falsch war es aber trotzdem nicht. Eine GE mit all diesen Finanzfirmen hätte mglw. die Krise nicht (ohne Staatshilfe) überlebt.

Marketwatch: GE's credit loses triple-A rating at Moody's
FT Alphaville: Moody’s downgrades GE and GE Capital to Aa2

Montag, März 23, 2009

Zahl des Tages (23.03.09): Zweimal die 7

Hmmm, bin ich heute optimistisch oder pessimistisch? Ich überlasse es Euch.

De Commerzbank hat heute ihre Schätzung für das Wirtschaftswachstum Deutschlands in 2009 auf ein erstaunliches Minus von

7%

gesenkt.

FTD: Commerzbank als Ober-Pessimist
Telepolis: Commerzbank-Studie sagt massiven Einbruch der deutschen Wirtschaft voraus
Spiegel: Ökonomen sagen Wirtschaftsminus von bis zu sieben Prozent voraus
Handelsblatt: Deutsche Wirtschaft steuert auf Desaster zu

Da muss sich der Chefvolkswirt Professor Walter von der Deutschen Bank ja richtig anstrengen, um sich nach der Minus-5%-Prognose vom Steinbrück einen neuen Rüffel einzufangen.

Zahl des Tages (24.02.09): 5 (oder noch mehr)

Die anderen Institue haben ebenfalls die Erwartungen nach unten gesenkt. Das ifo-Institut hält -5% inzwischen für "das optimistischte", das DIW ist inzwischen bei -4 bis -5% angekommen und das RWI bie minus 4,3%.
Mal schauen, wie lange der gute Peer bei seiner zunehmend peinlichen Prognose von minus 2,25% bleiben wird ...

FTD: Tiefschwarzes Szenario für Deutschland

Jetzt kommt der Teil für die Optimisten:

Der S&P 500 hat heute satte

7%

zugelegt. Die Wall Street bewertet den Geithner-Plan offensichtlich sehr positiv. Auch wenn er gegenüber dem alten TARP-Plan von Paulson defakto nicht eine einzige gute neue Idee enthält ... (TARP Details bekanntgegeben)

US-Immobilienverkäufe leicht rauf (inkl. Grafik)

Heute kamen die Februar-Zahlen für die Verkäufe von gebrauchten Immobilien in den USA. Die absolute Zahl und die Preise sind gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen, gegenüber dem Vorjahr liegt die Anzahl leicht, die Preise kräftig im Minus - wie gehabt sozusagen.
Auch bei der entscheidenden Zahl, dem Angebot an zum Verkauf stehenden Immobilien gerechnet in Monatsumsätzen, ist keine Veränderung zum Vormonat sichtbar. Der Wert steht wie gehabt bei 9,7 Monaten. Dass hier keine Verbesserung, allerdings auch keine Verschlechterung feststellbar ist, sieht man am besten mit einem kurzen Blick auf den Chart:



Grafik aus: Northern Trust: Daily Global Commentray - 25.2.2009

Interessantes Detail: Fast die Hälfte (45%) der Verkäufe waren Zwangsverkäufe. Zu den aktuellen Preisen verkauft also kaum jemand noch seine Immobilie. Das kann auf einen nachlassenden Verkaufsdruck hinweisen. Nutzen würde es aber natürlich nur dann, wenn die Zwangsverkäufe nicht immer weiter zunehmen würden.
Am Ende deckt das auch meine These, dass die amerikanischen Stabilisierungsversuche an dieser entscheidenden Stelle - dem Immobilienmarkt - noch nicht angesetzt und nichts bewirkt haben: Neue Käufer für Immobilien zu finden und/oder alte davon abzuhalten, ihre Immobilien verkaufen zu müssen. Im Moment kümmert sich die Regierung immer noch fast ausschließlich um das Finanzsystem. Das verstehe ich weiterhin nicht.

Die Nachricht:

Calculated Risk: Existing Home Sales Increase Slightly in February

oder direkt von der Quelle:

NAR: Existing-Home Sales Rise In February

Update (22:53)

Noch ne Meinung:

The Big Picture: Existing Home Sales Fall 4.6%

TARP Details bekanntgegeben (Updates inside)

US-Finanzminister Timothy Geithner hat die Details des Troubled Assets Relief Programm bekannt gegeben. Beim Programm geht es darum, dass die Banken die illiquiden und mglw. wertlosen Papiere und Hypotheken aus den Büchern bekommen. Da für diese Papiere kein Markt mehr existiert, muss der Staat helfen, dafür einen Markt zu schaffen und unterstützt die Käufer mit Garantien. Das war im Prinzip schon klar, neu sind jetzt die Details. Es stehen übrigens 75 bis 100 Mrd. Dollar für den Ankauf von Hypotheken und angeblich bis zu 1 Billionen für Anleihen zur Verfügung.

Das Ganze läuft dann in etwa wie folgt ab:

Die Banken melden die Hypotheken bei der FDIC (der amerikanische Einlagensicherungsfonds, der die Versteigerung durchführt). Die FDIC gibt dann ihr OK (oder unter Umständen auch nicht, z.B. wenn das Paket *nur* wertlosen Schrott enthalten sollte). Sie FDIC erteilt dann für 6/7 der Summe eine Garantie. Das restliche Siebtel muss als Eigenkapital bereitgestellt werden. Aber auch hierbei hilft die Fed noch und übernimmt die Hälfte der Summe. Um Schrottanleihen im Wert (nicht NENNwert) von 100 Dollar zu kaufen, muss der Investor also nur gut 7 Dollar haben. Die Verwaltung und Abwicklung der Papiere obliegt dem privaten Partner.

Daraus folgt ein ziemlich schiefes Risikoprofil. Da der Investor nur gut 7% Eigenkapital bereitstellen muss, trägt er auch nur dieses Maximalrisiko. Der Staat übernimmt den Rest. Die ersten 7% über das Eigenkapital, die restlichen knapp 84% über die Garantie der FDIC. Da das Kapital je zur Hälfte beim dem privaten Partner und der Fed liegt, sind die Gewinnchancen gleich verteilt.

Diese Bedingungen sind natürlich absichtlich so gut gemacht, weil ansonsten kein privater Investor das Risiko übernehmen würde. Ganz wahnsinnig einfach auf Verluste einlassen, werden sich die Investoren aber trotzdem nicht, denn es droht immerhin noch ein kompletter Verlust des Eigenkapitals.

Das Programm für den Ankauf der Wertpapiere sieht etwas anders aus, insbesondere ist hier der Hebel niedriger. Der Käufer bekommt für jeden Dollar, den er investieren möchte, einen weiteren (cash!) der FDIC dazu. Dazu kommt noch ein Standardkredit von einem weiteren Dollar plus eines weiteren Dollars Kredit auf Antrag. Der Hebel beträgt also nur zwei bis 3.

Spannend wird jetzt vor allem die Frage, ob der Preisbildungsprozess auch wirklich in Gang kommt, sprich auch mehrere, finanzkräftige Investoren bieten. Denn nur so kann ein realistischer Preis erreicht werden. Angesichts des Sterben der Hedgefonds und quasi jeglicher Risikoneigung fällt es nicht wirklich leicht, hierfür optimistisch zu werden. Schließlich ist der Markt genau durch den Käuferstreik zusammengebrochen. Dass die Käufer jetzt eine Chance bekommen, ihr Geld bei 100% Verlustpotenzial in etwa zu versiebenfachen, mag helfen. Das Gewinnpotenzial hängt aber massiv vom Kurs ab. Je niedriger er ist, desto höher wird (logisch!) das Gewinnpotenzial. *Das* war aber auch vorher schon so. Ich finde es leider nicht wieder, obwohl ich darüber gebloggt habe, aber bereits vor Monaten hat eine Investmentbank Schrottanleihen deutlich unter 30% Nennwert verkauft. Da war für den Käufer auch schon eine Verdreifachungschance vorhanden, trotzdem fand sich kaum ein Käufer für weitere Geschäfte.

Die Originalpressemitteilung hier:
Treasury Department Releases Details on Public Private Partnership Investment Program.

Zwei brauchbare Zusammenfassungen hier:
Alea: The Plan: As Expected

FT Alphaville: The Geithner plan is out….

Update (15:20)

The Big Picture meldet, dass das Programm 500 Mrd. bis 1 Billionen schwer werden kann. Das habe ich anders verstanden, oder Barry Ritholtz meint die Summe *nach* dem Einfluss des Hebels.

The Big Picture: Public-Private Investment Program

Paul Krugman bloggt auch schnell mal was über die Asymmetrie der Gewinn- und Verlustverteilung:

Krugman: Geithner plan arithmetic

Update (15:32)

Die FAZ schreibt, dass das Geld aus dem Programm TALF kommt und nicht aus dem TARP. Außerdem solle der TALF um 800 Mrd. auf 1 Billionen aufgestockt werden. Das habe ich noch nicht gelesen. Kann aber gut sein, auch wenn der TALF nicht für Hypotheken, sondern eigentlich für andere Sachen gedacht war. Ich schaue nochmal oder weiss jemand von Euch mehr?

FAZ: Washington kauft im großen Stil Schrottpapiere

Update (15:40)

Die Originaldokumente gibt übrigesn hier: http://financialstability.gov/

Das Geld kommt teilweise aus dem TARP (für die Hypotheken) und teilweise aus dem TALF (für die Asset Backed Securities). Die Aufstockung auf 1 Billionen habe ich aber noch nicht gefunden.

Update (16:20)

Noch zwei Stimmen, die meine Skepsis teilen, dass auch dieses Programm den Markt nicht zum Leben erwecken kann. Allerdings aus einem etwas anderem Grund: Die Bedingungen sind für die Privatinvestoren noch nicht gut genug, weil sie immer noch das gesamte Eigenkapital verlieren können.

Alea: Geithner’s Plan: Good in Theory

Naked Capitalism: Investor on Private Public Partnership: "One would have to be a criminal to participate in this"

Update (23:31)

Noch ein paar Meinungen ...

a) In der Presseschau des Handelsblatts:

Handelsblatt: „Geithners Zombie-Ideen haben gesiegt“

b) Paul Krugman bleibt sehr negativ.

Krugman: More on the bank plan

c) Interessante Einschätzung von Sheila Bair, Chairman der FDIC. Sie meint, dass die Gebühren, die die Investoren für die Versicherung der Anleihen zahlen müssen, die Bialnz der FDIC sogar verbessern. Das klingt irgendwie nach Münchhausen: Am eigene Schopfe aus dem Sumpf ziehen. Sieht die denn überhaupt kein Risiko nach unten? Ich meine mal ganz ernsthaft: Weiss die jetzt schon, wie die Versteigerung ausgeht? Vorher kann man das doch gar nicht beurteilen ...

Reuters: UPDATE 2-US bad-asset plan won't limit pay at nonTARP banks

Creditwritedowns: FDIC Chairman Sheila C. Bair Statement on the Legacy Loans Program

d) Das Handelsblatt zum Thema:

Handelsblatt: Geithner-Plan: Wirklich eine Strategie?

e) Mark Zandi: 1 Billionen sind nicht genug:

Marketwatch: Toxic asset mountain looms over Treasury plan

f) Thomas Hartmann-Wendels im Tagesschau Interview verweist nochmal auf die Probleme, die schon bei der ersten Vorstellung von Ex-Finanzminister Hank Paulson diskutiert (und nicht gelöst) wurden:

Tagesschau.de: "Geithners Plan bringt keine Lösung"

g) Infectious Greed: Is Geithner a Fool With a Plan?

h) FT Alphaville geht nochmal auf das Problem der Abschreibungen ein. Was passiert, wenn nur niedrige Preise bei der Versteigerungen entstehen und alle anderen Banken ihre vergleichbaren Assets auf diese Werte abschreiben müssen?

FT Alphaville: The Geithner plan - it’s all about liquidity

i) Das Handelsblatt übersieht diese Gefahr:

Handelsblatt: Bankenrettungsplan: Den Müll verwerten

j) Marketwatch mit einem Kommentar:

There's risk, but is there reward in toxic assets?

Und wem das alles zu negativ war, der kann zum Abschluss mal eine richtig positive Einschätzung der Idee lesen. Von Geithner selber ;-)

WSJ: My Plan for Bad Bank Assets

So das reicht jetzt aber wirklich ;-) An Meinungen ;-)

Wer noch ein paar Details nachlesen will:

FTD: Wie Geithner die Märkte entgiften will

Sonntag, März 22, 2009

In Dubai stehen die Kräne still

Nur ein kurzer Lesehinweis auf einen langen Artikel im Guardian über die aktuelle Lage in Dubai.

Die Bauwirtschaft scheint fast komplett zum Stillstand gekommen sein, die Immobilienpreise auf der Palmeninsel sind um 60% gefallen, die Jobs fallen massnhaft weg und den Gastarbeitern werden einfach die Visa weggenommen.

Guardian: Dubai's six-year building boom grinds to halt as financial crisis takes hold

Dubai ist in Bezug auf das Auf und Ab fast noch extremer als die Wall Street.

Und noch ein Link zum Thema:
http://www.thingsmagazine.net/2009/02/architectural-dead-pool.htm

Zahl des Tages (22.03.09): 53.000.000

OK, direkt zum zweiten Mal in Folge ein Update der Zahl des Tages, aber wenn es sich um solch schlagzeilenträchtige Zahlen handelt, die sich so deutlich in die "falsche" Richtung verschieben, sei das erlaubt.

Die ursprüngliche Zahl des Tages war Zahl des Tages (17.03.09): 165.000.000. 165 Millionen Dollar Boni an die Mitarbeiter, die so unglaublich fähig waren und den Laden in Windeseile zu einer Firma in Staatsbesitz machten und sich seitdem als Fass ohne Boden herausstellt.

Nun ist Richard Blumenthal, der Generalstaatsanwalt von Connecticut, zum Ergebnis gekommen, dass die Boni möglicherweise noch deutlich höher waren. Es soll jetzt bereits um 218 Millionen Dollar gehen, was einer Erhöhung von

53.000.000 (53 Millionen) Dollar

entspricht.

Man wundert sich ja über gar nichts mehr ... Aber woher diese verschwiegenen Zahlungen kommen, wüsste ich dann doch allzugerne ...

Marketwatch: Conn. official says AIG understated bonus pool
Handelsblatt: Noch höhere AIG-Bonuszahlungen
Spiegel: AIG-Millionenboni höher als bisher bekannt
FAZ: AIG-Boni deutlich höher als bisher bekannt

Samstag, März 21, 2009

Zahl des Tages (21.03.09): -2%

Hmmm, eigentlich wäre heute fast meine Serie von Zahlen des Tages gerissen, aber da unseree Freunde mangels Babysitter früher nach Hause mussten als geplant und ich für Nachbarn als Babysitter dienen muss, kann ich dann - obwohl totmüde - noch eine Zahl des Tages schreiben.

Es war bereits gestern Teil der Zahl des Tages Zahl des Tages (20.03.09): 6,5%., nämlich die Tatsache, dass die Experten schätzen, dass 2009 das erste Jahr seit dem zweiten Weltkrieg wird, in dem die Weltwirtschaft schrumpft. Es war eigentlich gestern schon eine Zahl des Tages, aber da die Zahl nochmal schlechter werden wird als gestern berichtet, kann ich die ruhig nochmal nach vorne holen und allein auf den Thron setzen.

Der Chef der Weltbank hat eine neue Schätzung für das Wirtschaftswachstum angekündigt, in der das Wachstum der Weltwirtschaft auf minus 1 bis

minus 2 Prozent

geschätzt werden wird.

Minus 2% sind schon eine Hausnummer, denn eigentlich hielten viele Experten ein Schrumpfen der Weltwirtschaft für fast ausgeschlossen. Zu stark seien die Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft, die aus China und Indien kommen.

Tja, aber was haben die Experten nicht alles vor 9 Monaten für unvorstellbar erklärt ...

Handelsblatt: Weltbank: Wirtschaft schrumpft um zwei Prozent

Freitag, März 20, 2009

WWH: Hugo

Ach da isser wieder ... Hugo Chavez ...

Ich schreibe ja schon seit Längerem (meistens bei Telepolis, weil da genügend Leute rumhängen, die meinen, dass Chavez gut sei, weil er es anders macht und die USA hasst - als wenn das ausreichend gute Gründe wären), dass der Erfolg und das Überleben von Hugo Chavez allein am Ölpreis hängen. Wenn der bei 30 Dollar je Barrel bleiben würde, kann der Chavez in zwei Jahren dicht machen, bei 80 oder 100 fließen aber so viel Geld in die Kassen, dass man auch mit einem Haufen Misswirtschaft das Geld nicht los werden kann ...

Aber dass es so schnell geht und die staatliche Ölgesellschaft schon knapp 8 Mrd. offener Rechnungen hat, finde ich dann doch überraschend ...

FTD: Venezuela wackelt

Zahl des Tages (20.03.09): 6,5%

Es gibt ja Sachen, die ändern sich in der aktuellen Krise schneller als man denken kann, es gibt aber auch Sachen, die bleiben wie gehabt. Und manche Sachen ändern sich und bleiben doch wie gehabt ...

Die Weltbank hat die Schätzung für das Wirtschaftswachstum in China für 2009 auf

6,5%

korrigiert. Wohlgemerkt auf plus 6,5%.

Den Chinesen mag das wie in unglaublicher Einbruch vorkommen, der Rest der Welt schaut aber weiterhin neidisch auf die chinesischen Wachstumsraten. Die chinesische Regierung erwartet übrigens (noch?) 8% Plus, während die deutsche Regierung sich verzweifelt wehrt, die Prognose von -2,2% noch weiter zu senken (obwohl es dazu kommen wird).

Die Frage für mich bleibt, ob die Zahl nicht noch (viel) zu positiv ist. Denn in China geht der Stromverbrauch zum ersten Mal seit langem zurück. Und der Stromverbrauch war bisher ein ziemlich guter Indikator für das Wirtschaftswachstum. Es erscheint kaum vorstellbar, dass China mit mehr als 6% wächst und gleichzeitig der Stromverbrauch sinkt. So stark bzw schnell kann eine Volkswirtschaft die Energieeffizienz gar nicht erhöhen. Außerdem sind die chinesischen Exporte um fast 25% eingebrochen und auch aus dieser Richtung gibt es keinerlei Wachstumsphantasie.

Marketwatch: World Bank cuts China GDP estimate again, to 6.5%
Spiegel: Weltbank senkt Wachstumsprognose für China

Spannend ist auch noch eine andere Zahl. Die geradezu täglichen Senkungen der Prognosen haben inzwischen dazu geführt, dass die Wachstumserwartung für die Weltwirtschaft ins Minus gerutscht ist - zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg. Übrigens erwarten IWF, Weltbank und OECD inzwischen allesamt ein Minus.

Spiegel: OECD schreibt 2009 ab
FAZ: Weltwirtschaft schrumpft erstmals seit 60 Jahren

Tja, die Idee mit dem Decoupling der Weltwirtschaft, also der These, dass China und Indien die Weltwirtschaft vor der Krise bewahren, ist damit wohl auch geplatzt ...

FTD: Volkswirte zweifeln am Weltmotor China

Mir war eh immer etwas unklar, wieso gerade das exportabhängige China unbeeinträchtigt von einer Krise des größten Abnehmers USA bleiben sollte ...

Frühjahrsputz!

Was nicht so alles passiert, wenn man seine Bücher mal so richtig auf Hochglanz bringt ...

Da fällt dem 639 Millionen Dollar schwerem Hedgefonds Weavering Capital doch tatsächlich eine Position auf, die man vorher gar nicht bemerkt hat. Eine solche Qualität in der Buchführung hätte man vor ein paar Monaten schon für einen Skandal gehalten, inzwischen ist man etwas abgebrühter. Aber da die Geschichte noch nicht zu Ende ist, wird sie dann doch noch zu einem Artikel hier verwurschtet:

Die Position ist nämlich

a) bescheidene 637(!) Millionen (man vergleich mit der Zahl oben!) schwer und

b) die Gegenseite ist Magnus Peterson, der Managing Director des Hedgefonds.

Wenn dann noch die Performance außergewöhnlich gut und stabil ist, riecht das ein klein wenig nach Madoff und Stanford ...

Dem Wirtschaftsprüfer PWC ist das jetzt aufgefallen, wobei man sich fragen muss warum erst jetzt. Der Fonds wird jetzt abgewickelt.

FT Alphaville: Wavering Weavering

Verlierer des Jahres 2008 oder armes Opfer?

Also manche Menschen scheinen auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit genauso schlecht zu sein wie als Manager. Wenn ich der Funke wäre und die Bank, die ich vor Kurzem noch geleitet habe, hätte eine dreistellige Milliardensumme vom Staat bekommen, würde ich erstens nicht versuchen, meinen Lohn einzuklagen aber zweitens erst Recht nicht anfangen rumzujammern.

Aber das macht er jetzt scheinbar ...

Ihm tut die Entwicklung leid (immerhin), er habe schließlich auch zwei Millionen Euro mit Hyporealestate-Aktien verloren. Schuld habe er natürlich keine. Komisches Bild irgendwie ... Erstens sagt er zwar, dass er mit den anderen Aktionären im selben Boot sitzt, gleichzeitig hat er als Kapitän aber natürlich keine Verantwortung ...

Und die leicht ketzerische Frage bleibt, ob es Funke auch leid tun würde, wenn er selber kein Geld verloren hätte ... Oder ob ihm das angerichtete Desaster nicht doch so egal ist, wie er es beim Einklagen seines Lohns gezeigt hat (Verlierer des Jahres 2008 will Knete). Diese Aktion hatte mir "leidtun" oder "Demut" verdammt wenig zu tun ...

Sueddeutsche.de: "Mir tut die Entwicklung leid"
gefunden über (natürlich darin nicht verlinkt)
Spiegel: Ex-HRE-Chef Funke klagt über Kursverluste

Probleme mit dem Feed?

Den RSS Feed gibt es zweimal, eigentlich sogar dreimal.

Einmal den Originalfeed unter egghat.blogspot.com. Dann der Feedburner-Feed (der bald abgeschaltet wird, aber von Google weitergeleitet wird) und dann den nach Google umgezogenen Feedburner Feed (feedburner.google.com). Ich habe zur Kontrolle nur den Originalfeed abonniert und mglw. nicht mitbekommen, dass die beiden anderen Feeds Probleme machen. Der aktuell auf der Seite verlinkte (rechts in der Leiste) zeigt mir im Google-Reader den Artikel Zahl des Tages (18.3.09): 5.000.000.000.000 erst heute Abend um 21.16, also mit mehr als einem Tag Verspätung an.

Wann habt ihr denn den Artikel bekommen und welchen Feed benutzt ihr?

(Irgendwie kauft Google wie bescheuert Angebote, lässt die dann erst Monate lang unverändert und dann wird gearbeitet und das Zeuch kaputt gemacht. Ich sehe in Google Analytics so ziemlich alles, nur nicht mehr auf Link z.B. in den Nachrichtenübersichten rechts geklickt wird. Argggh. Und wenn jetzt das Feedmanagement auch noch kaputt ist ...)

Donnerstag, März 19, 2009

Zahl des Tages (19.03.09): 1.150.000.000.000

Eigentlich habe ich heute auch eine Reihe Zahlen gefunden, die nicht so im Blickpunkt standen, aber die Zahl ist so wichtig, dass sie eigentlich gestern schon hätte kommen müssen, aber da war ich in einem Theaterstück ...

Die Fed hat eine massive Aufstockung ihrer Stabilisierungspakete beschlossen. Neu sind die Ankäufe von Staatsanleihen (Volumen: 300 Mrd. Dollar). Dazu kommen noch zwei Erhöhungen alter Programme: Das Programm für den Ankauf von Mortgage Backed Securities wurde um 750 Milliarden aufgestockt, das Programm für den Ankauf der Papiere von Fannie und Freddie ebenfall um 100 Mrd. Das macht dann zusammen die Zahl des Tages von heute:

1.150.000.000.000 (1,15 Billionen) Dollar

Und als wäre das nicht genug, kann sich die Fed auch vorstellen, das Programm TALF ebenfalls aufzustocken bzw. inhaltlich so zu modifizieren, dass es auch richtig in Anspruch genommen werden kann (Fed closes first round of TALF as Citi prices deal).

Wie sich die Höhe und die Struktur der Bilanz der Fed dadurch verändern wird, zeigt folgende Grafik:



aus: FT Alpahville: Analysts react: Dollar dead, Fed credibility shot

Der letzte Balken ist etwas missverständlich, weil darin eine vollständige Inanspruchnahme unterstellt wird. Ob das tatsächlich so kommen wird, ist aber aktuell noch nicht absehbar. Die Bilanz der Fed wird hier (wie bisher) auf jeden Fall weiter in Thema bleiben.

Wer das oben alles nicht versteht: Es bedeutet einfach, dass die Druckerpresse läuft und zwar immer schneller.

Die Reaktion der Börse war eindeutig. Aktien hoch. Dollar runter (1,31 auf 1,34), Gold rauf (60 Dollar je Unze) und am extremsten natürlich die Reaktion der US-Staatsanleihen. Der Rückgang der Rendite war der größte aller Zeiten an einem Tag: Die Rendite sank um mehr etwa 0,5 Prozentpunkte von etwa 3,0% auf ca. 2,5%.




aus: FT Alphaville: QE in motion, pictorial edition

Meine Meinung bleibt unentschieden. Für mich hängt alles an der Dosierung. Die Fed pumpt über viele Maßnahmen Geld in die Wirtschaft und das Finanzsystem. Das wird sicherlich irgendwann wirken. Die Frage ist nur wann und wie nachhaltig und wie. Es kann sein, dass das Geld nicht ausreicht. Es kann sein, dass die Wirtschaft in Schwung kommt. Es kann aber auch sein, dass die Wirkung direkt in Hyperinflation mündet. Und als wären das nicht schon genügend Möglichkeiten, kann es auch noch wie in Japan kommen: Da gab es ja auch immer Programme, daran anschließend Zwischenerholungen, alle freuten sich und dann war es nach ein paar Monaten oder auch mal 2 Jahren wieder vorbei.

Die Geldmenge steigt in den USA schon seit einiger Zeit deutlich zweistellig. Daran hat auch die Krise nichts geändert. Aber die Geldmenge hat auch an der Krise nichts geändert. Wann das dreht? Vielleicht ist die Einschätzung von weissgarnix (s.u.) die richigste ...

Zum Abschluss noch ein paar Meinungen dazu:

Handelsblatt: Die Politik der US-Notenbank ist hochriskant
FT.com: Federal Reserve plan stuns investors

Weissgarnix bleibt cool, hält das alles für wenig überraschend und meint sowieso, dass der Erfolg nur davon abhängt, ob sich das Sentiment der Verbraucher und Investoren ändert.

Weissgarnix.de: Bernankes “Shock and awe”

Eine ganz schöne Übersicht von Reaktionen aus der Blogosphäre:

FT Alphaville: Early reactions to the Fed’s ’shock and awe’ plan

Und zum Abschluss noch eine Einschätzung, die zwar von einer Spaßseite kommt, aber die hier auch schon oft zu lesen war:

"Eine Krise, die dadurch ausgelöst wurde, dass Geld, das eigentlich niemals da war, verloren ging, bekämpft man natürlich am Besten, indem man Geld ausgibt, das eigentlich auch nicht da ist. "

Schandmännchen: Angekommen

Ich glaube, daran hakt es eigentlich am meisten. Die Weltwirtschaft bräuchte eine richtige Aufräumaktion und nicht den Abbau der Schulden bei Haushalten und im Finanzsystem, der durch einen Aufbau der Schulden beim Staat (und der Fed) abgefangen werden soll. Am Ende haben wir wie vorher Schulden und zwar zu viele.

Update (20.03.09)

Noch ein Link zu den Originalpressemitteilungen:
Fed: Statement zum FOMC-Meeting
Fed: Statement zur Änderung des TALF

Jon Stewart und andere "sich über die AIG Aufreger"

Jon Stewart ist natürlich gesetzt, wenn er sich zu AIG äussert:



Naja und Colbert auch ;-) :



Wobei mir Colbert heute besser gefällt als Stewart.

Und zur AIG Geschichte:

Der Chef der AIG hat scheinbar noch nicht mitbekommen, dass er sich mit einem 80%igen Staatsanteil nicht mehr wie ein "normaler" Unternehmer verhalten kann, der von Politik und normaler Bevölkerung unabhängig ist.

Handelsblatt: AIG-Chef Liddy: Falsches Rollenverständnis

Der Lernprozess war allerdings sichtbar schwierig ...

Gestern Nachmittag:

Spiegel: AIG-Chef verteidigt Bonuszahlungen

Die Aufregung wurde aber immer größer, Obama drohte mit komplettem Verbot der Boni und vereinzelt gab es gar Morddrohungen gegen die AIG Manager.

Tagesschau.de: Obama will Kontrolle über AIG und Co ausweiten

Marketwatch: AIG CEO, some staff get death threats over bonuses

Und da dämmerte selbst den Unfehlbaren, dass sie wohl doch eine Schwelle überschritten haben:

FTD: AIG-Manager geben Boni zurück

Wobei die Überschrift in die Irre leitet, denn es geben bei weitem nicht alle ihre Boni zurück und selbst bei den Einsichtigen geht es in vielen Fällen nur um eine Teilrückzahlung. Auch der Chef hat nur eine teilweise Zurückzahlung empfohlen.

Ein zweiter Aspekt an der Geschichte ist ebenfalls spannend, nämlich wie sich solche Skandale manchmal entfalten. Die ursprüngliche Nachricht kam bereits am Sonntag:

Marketwatch: AIG plans bonuses to financial-products employees

Und ich habe mich schon am Dienstag fast geschämt, daraus meine Zahl des Tages zu machen, weil es mir wie alter Kaffee erschien. Aber nichts. Die Rückkopplungsschleife aus Medien und Politik hat dafür gesorgt, dass der Skandal (bzw. die Aufmerksamkeit dafür) immer größer wurde und auch heute noch (teilweise zum ersten Mal) darüber gerne berichtet wird.

Ich hege den leisen Verdacht, dass die Zuspitzung durch die Politiker auch ein wenig damit zu tun hat, dass sie davon ablenken wollen, dass sie ins Rettungspaket für die AIG ausdrücklich reingeschrieben haben, dass bereits genehmigte Boni *nicht* geändert werden sollen.
Öffentlich gespielte Aufregung hat halt oft auch nur die Funktion der sprichwörtlichen Nebelkerze ... Siehe dazu auch meine Updates zum Originalartikel: Zahl des Tages (17.03.09): 165.000.000

Update (14:47)

Und wieder zu früh abgeschickt ...

Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um auf einen Fall aus Deutschland hinzuweisen. Der Middelhoff von ehemals Karstadt-Quelle heute Arcandor kann auch stolz auf 4 Jahre fallender Aktienkurse zurückblicken und genehmigt sich dafür zum Abschied eine dicke Sonderzahlung:

FTD: Dicke Abschiedsprämie für Middelhoff

Kurs beim Antritt am 12.5.05: etwa 9 Euro

Stern: Middelhoff springt als neuer Chef ein

Middelhoff wollte den Kurs auf 40 heben. Ergebnis am 27.2.08, dem Tag des Abschieds: 1,36. Autsch. Auch wenn der DAX ebenfalls gefallen ist, bleibt doch eine extrem deutliche Underperformance:



Update (22:22)

Der Kongress hat heute die Strafsteuer auf die AIG Boni beschlossen. Am Anfang waren 60% Steuersatz im Gespräch, heute sind es 90% geworden. Der Senat muss aber noch zustimmen ...

FTD: 90-Prozent-Steuer auf dem Weg

Mittwoch, März 18, 2009

Zwei Updates zu den AIG Boni

finden sich im Originalartikel von gestern:

Zahl des Tages (17.03.09): 165.000.000

Findet ihr eigentlich, dass es eine gute Idee ist, die Updates in den Artikel zu bauen oder gehen die dort unter?

Zahl des Tages (18.3.09): 5.000.000.000.000

Ich glaube, ich bin auch schon in den Kommentaren darauf angesprochen worden. Meredith Whitney, die ehemalige Analystin von Oppenheimer - jetzt selbstständig-, die schon mit der negativen Hauspreisprognose - sie erwartet ein Minus von 45% - aufgefallen ist, richtet jetzt ihre Blicke auf die Kreditkartenlinien der Amerikaner.

Diese sind zwar nur etwa halb so hoch wie die Hypotheken und mögen daher schnell übersehen werden, aber allein die Summe von

5.000.000.000.000 (5 Billionen) Dollar

macht schnell klar, dass man sich um dieses Problem durchaus kümmern sollte. Von den 5 Billionen sind zwar "nur" 800 Milliarden wirklich in Anspruch genommen, aber trotzdem handelt es sich noch um ein hübsches Sümmchen.

Die US-Regierung hat das auch irgendwie schon gesehen und ein Sicherungspaket für Kreditkartenschulden geschnürt, damit dieser Markt nicht genauso zusammenbricht wie der Markt der mit Hypotheken besicherten Anleihen (MBS). Denn die Kreditkartenschulden bleiben (genau wie die Hypotheken) in den USA selbstverständlich nicht in den Büchern der Vermittler, sondern landen verbrieft in Anleihen an der Börse.

Da der Markt der mitirgendwas-besicherten Anleihen 2008 in den USA komplett zusammengebrochen ist (dazu vielleicht morgen mehr), können die Vermittler auch keine neuen Kredite mehr vergeben. Whitney schätzt, dass allein im vierten Quartal 2008 die Kreditkartenlinien um 500 Milliarden Dollar gesunken sind. Whitney erwartet, dass die Kürzungen noch weiter gehen und gut 2 Billionen oder mehr erreichen könnten. Und das Geld fehlt dann für den Aufschwung.

Am Ende drehen sich viele Sachen um das gleiche Problem: Es gibt zu viele Schulden. Diese müssen runter. Aber ohne neue Schulden gibt es keinen Aufschwung. Im Moment sehen wir den Schuldenabbau bei den Verbrauchern und den Banken, dafür jagt der Staat die Schulden nach oben. Der Staat pump zwar viel Geld in die Wirtschaft, aber ob das auch ankommt und das nicht durch das Sparen der Verbraucher wieder "aufgefressen" wird, weiss ich immer noch nicht. In meiner Entscheidung, ob wir Deflation oder Inflation als das beherrschende Thema für die nächsten drei Jahre bekommen werden, bin ich noch keinen Zentimeter weiter. Leider.

Was meint ihr?

WSJ: Credit Cards Are the Next Credit Crunch

Dienstag, März 17, 2009

Zahl des Tages (17.03.09): 165.000.000

Ok, doppelt doof ... Erstens schon wieder die AIG und zweitens schon wieder eine Zahl, die sich (gefühlt) minütlich ändert. Habe aber nichts besseres gefunden ... (die spannendste Story heute war eh die Barclays-Sache)

Etwa

165.000.000 (165 Millionen) Dollar

hat die AIG (ja die AIG) an ihre Top-Leute ;-) an Boni ausgeschüttet. Profitiert haben davon besonders die 73 Mitarbeiter, die mehr als 1 Mio. bekommen haben. Interessanterweise sind dabei sogar Leute, die gar nicht mehr für die AIG arbeiten.

170 Milliarden Dollar Staatsgelder zum Überleben zu benötigen und zu knapp 80% dem Staat zu gehören, scheint offenbar als Hinweis auf die eigenen hervorragenden Managerqualitäten interpretiert zu werden.

Die US-Regierung ist ziemlich sauer und macht jetzt extra ein neues Gesetz und besteuert Boni, die höher als 10.000 Dollar sind und von Firmen im mehrheitlichen Staatsbesitz ausgeschüttet werden, mit einem extra hohen Steuersatz. Damit kann zumindest bei der AIG, Fannie Mae und Freddie Mac nichts bzw. nicht mehr viel anbrennen.

NYT: Cuomo Details Million-Dollar Bonuses at A.I.G.
Marketwatch: 73 AIG employees got at least $1 million, Cuomo says
Infectious Greed: Fun with AIG Bonuses

Spiegel: US-Regierung will AIG-Millionenboni zurückholen
FTD: Senator empfiehlt AIG-Chefs Selbstmord

Update (23:01)

Pandit von der Citigroup hat sich übrigens auch über 10 Millionen Gehalt inkl. Boni genehmigt. Nicht schlecht für eine Bank, die inzwischen zu 40% dem Staat gehört und ein mehr als Milliarden Dollar schweres Sicherheitsnetz vom Staat bekommen hat ...
FT Alphaville: Citi chief awarded $10.82m

Update (18.3.09)

Die Angestellten, die die Boni bekommen haben, sitzen zumindest teilweise in London. Da greifen die US-Gesetze natürlich ins Leere ...

Creditwritedowns: Has anyone figured out the AIG employees are in London?

Update 2 (18.3.09)

Interessantes Detail: Im endgültigen Rettungsvertrag für die AIG steht eine Klausel, die alle Boni für rechtmäßig erklärt, die vor der Rettung gewährt wurden. Danach sind die Boni natürlich in Ordnung und für die jetzige Aufregung fehlt eigentlich die Basis. OK, ich darf mich noch aufregen, aber die Senatoren, die das beschlossen haben, nicht.

Spannendes Detail: Diese Klausel wurde *nach* den Beratungen im Senat eingefügt oder besser gesagt eingeschmuggelt. Von wem ist (noch?) unklar. Das heißt, es ist richtig betrogen worden und es hat (mal wieder) niemand der Herren Senatoren durchgelesen, was er da eigentlich beschließen soll.

Econbrowser: AIG outrage

Barclays will Geld vom Staat - aber wollte nie Steuern zahlen.

OK, Steuern zahlen will kaum jemand, aber eine eigene Abteilung für "Steueroptimierung" haben die wenigsten. Bei Barclays waren 110 hochbezahlte Experten damit beschäftigt, Gewinne wenn möglich gar nicht anfallen zu lassen und wenn es sich nicht vermeiden ließ, in Länder zu "packen", in denen die Steuersätze möglichst niedrig waren.

Bei Barclays ging es in *einem einzigen* Jahr um 11,4 Milliarden britische Pfund, etwa 12,3 Mrd. Euro, die "steueroptimiert" werden sollten.

Dem Guardian wurde dieser Skandal von einem Insider zugetragen. Der Guardian hat daraus einen Artikel gemacht und diesen inkl. der Beweise, sprich der internen Dokumente, veröffentlicht. Diese musste der Guardian inzwischen alle wieder entfernen, aber immerhin macht der Guardian das offen und transparent und ändert nicht einfach heimlich den Artikel, wie es der Telegraph vor Kurzem gemacht hat (Zahl des Tages (11.02.09): 16.200.000.000.000)

Guardian: Revenue investigates Barclays tax mole claims
Guardian: Barclays gags Guardian over tax

Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht Webserver gäbe, die genau für solches Material gedacht sind. Das Material, das die vierte Säule der Demokratie (der Presse) nicht veröffentlicht, sei es, weil sie sich nicht traut oder weil es ihr untersagt wird. Also ein kurzer Check bei Wikileaks und Peng! da isses:

Wikileaks: Barclays Bank gags Guardian over leaked memos detailing offshore tax scam, 16 Mar 2009

Viel Spaß beim Lesen!

gefunden habe ich die Geschichte hier: Rebellmarkt: Menschen mit Waffen

Eigentlich sollten alle ihr Geld von solchen Banken fern halten, also quasi mit den Füßen abstimmen. Aber zumindest den Briten fehlt ja eine wirkliche Alternative. Und außerdem will ich hier besser nicht zum Bankrun aufrufen, ansonsten komme ich noch in den Knast. Obwohl mit DonAlfonso in einer Zelle ... Die ist bestimmt sehr stilvoll eingerichtet und wenn es dort Internet gibt ;-)

Update (16:21)

Noch drei kleine Links:
FT Alphaville: Barclays probed on tax issues
FT Alphaville: Barclays reaches for its lawyers…
FT Alphaville: A slow motion implosion at Barclays


Update (18.3.09):

Barclays findet das selbstverständlich alles in Ordnung:

FT Alphaville: Barclays defends its tax structuring

Unterm Strich zähl ich!




Das Original hatte ich irgendwie anders in Erinnerung ;-)

gefunden in Titanic: Die neue Anzeigenkampagne der Postbank ist da!

Cooles Zubehör für PCs

Den Link kann ich mir als Apple-Fan natürlich nicht verkneifen:

Gizmodo: Ctrl+Alt+Del Tool For a One-Handed Reboot

Montag, März 16, 2009

WWH: BBV

Wer wackelt heute? Die Antwort: die bayrische Beamtenversicherung BBV.

Damit haben wir nun auch in Deutschland die erste Versicherung, die in Probleme gerät (oder habe ich eine vergessen?). Das Problem der BBV: Ihr gehören knapp 9% der Aareal Bank, jener unsäglichen Tochter der Hyporealestate, die für einen großen Teil der Probleme der HRE verantwortlich ist. Diese ist nun dummerweise so gut wie nichts mehr wert. Scheinbar reicht das aus, um deutliche Löcher in der Bilanz der BBV zu hinterlassen.

Die BAFin soll (unbestätigt) die BBV zu einem Zusammenschluss mit einem (kapitalstärkeren) Konkurrenten drängen. Die HUK Coburg steht wegen der ähnlichen Konstruktion (VVaG) ganz weit oben auf der Liste.

FTD: Exklusiv: Bayerische Beamtenversicherung in Not

Auch wenn die BBV keine wirklich große Nummer ist, erschreckt mich die Tatsache, dass eine einzige Beteiligung, die Versicherung (fast) in den Abgrund reisst. Hat man dort von Risikostreuung und Diversifikation noch nie was gehört? Unglaublich ...

Update (17.03.09):

Korrektur: Ich habe die Aareal und die Depfa verwechselt. Sorry. Ist oben durchgestrichen. Danke für den Hinweis an den anonymen Kommentator.

Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000

Die Zahl wurde schon in den Kommentaren auf meinem Blog angesprochen ...

Die Deutsche Bank hat

12.000.000.000 (12 Milliarden) Dollar

von der AIG erhalten.

FAZ: Deutsche Bank erhält 12 Milliarden Dollar
The Big Picture: AIG Counter-Party Details
oder direkt von der Quelle: AIG Discloses Counterparties to CDS, GIA and Securities Lending Transactions

Nun ist die AIG ja bekanntlich mit einem netten dreistelligen Milliardenbetrag vom US-Steuerzahler vor der Pleite gerettet worden. In den USA ist das Palaver jetzt groß und es wird die simple Rechnung aufgemacht, dass jetzt mit US-Steuergeldern die Deutsche Bank und andere aus dem Ausland gerettet wurden. Größter Empfänger der insgesamt 105 Mrd. Dollar ist aber Goldman Sachs.

The Big Picture: Bailing Out AIG’s Counterparties
The Big Picture: AIG: $105 Billion to Counterparties

Ich bin darüber direkt zwei Mal erstaunt.
Erstens ist die Tatsache, dass die AIG um eine Ecke ein Bailout für das gesamten Finanzsystem ist, nicht wirklich neu. Das Wall Street Journal hatte die Geschichte schon vor etwa 10 Tagen und sie kam in den relevanten Teilen der Blogosphäre *überall* (siehe die Linksammlung unten unter alt:).
Zweitens ist das Risiko und das Geschäft der AIG doch bekannt. Wenn die AIG die Versicherungssummen nicht mehr auszahlen kann, zerfleddert das auf der anderen Seite der Geschäfte (bei den Counterparties) die Bücher. Das ist doch genau der Grund, warum die AIG gerettet wurde! Und jetzt regt man sich auf, dass das Geld auf die andere Seite fließt?

Sorry, aber das komme ich nicht mit. Das Handelsblatt auch nicht ...

Handelsblatt: Europäische Banken müssen sich bei AIG nicht entschuldigen

Übrigens gibt es in der Diskussion auch eine schöne Verschwörungstheorie hinterlassen in den Kommentaren von alex_k: Man reisst jetzt nach Möglichkeit alle großen und bevorzugt amerikanischen Counterparties raus und lässt die AIG dann doch Pleite gehen. Die Zahlen von heute decken die These aber nicht.

Und jetzt noch die Links zum Beweise, das die ganze Diskussion alt ist:

Reuters: Who got AIG's bailout billions?

The Big Picture: iBanks Grabbed $50 Billion in AIG Bailout Cash (7.3.09)

The Big Picture: Backdoor Bailouts for Goldman Sachs? (5.3.2009)

Creditwritedowns: The Fed offers banks an outrageous subsidy via AIG

Maverecon: The Fed’s moral hazard maximising strategy

Update (17.3.09)

Noch eine Meinung dazu nachgetragen:

FAZ: Pulverfass Milliardenüberweisungen

Ziemlich untergegangener Skandal bei der DekaBank

Die Deka, die Fondstochter der Sparkassen, hat laut Spiegel 1,5 Mrd. Euro Abschreibungen zu verkraften. Nur durch eine Änderung der Buchhaltung sei der Verlust in etwa halbiert worden. Allerdings sollen die Ursache nicht zu viel Risiko im Fondsmanagement gewesen sein, sondern "nur" ein paar durchgedrehte Händler, die von der unzureichenden Risikokontrolle nicht entdeckt wurden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, welche der beiden Alternativen jetzt besser ist. Zwei Händler sind jetzt auf jeden Fall arbeitslos.

Was die ganze Geschichte jetzt etwas komisch macht ... In der FTD Version liest sich das ziemlich anders ... Dort ist von einem Bewertungsverlust von 100 Millionen die Rede.

FTD: Deka-Chef Waas suspendiert Händler

Spiegel: Vernichtender Prüfbericht zur Deka
Spiegel: DekaBank prüft interne Abläufe

Hat zufällig jemand den Handelsblatt-Artikel gelesen und weiss, welche der beiden Darstellungen richtiger ist?

Sonntag, März 15, 2009

Zahl des Tages (15.03.09): 190.000

Ich gebe die Zahl mit gebotener Vorsicht weiter, denn sie ist IMHO zu hoch.

Trotzdem ...

DK Matei, Chairman der ACTA, will ausgerechnet haben, dass das Nominalvolumen aller Derivate auf der Welt umgerechnet auf die Weltbevölkerung

190.000 Dollar

pro Kopf beträgt. Also auch bei jedem Reisbauern in Vietman oder Schafhirten in Tunesien.

Die Summe muss man natürlich sofort relativieren, denn der große Teil der Geschäfte sind ja Nullsummenspiele. Eine Position auf der einen Seite hebt sich mit der Position der Gegenseite auf. Das Problem daran ist, dass diese Gleichung nur gilt, wenn die Gegenseite auch bezahlt, bzw. bezahlen kann ... Und das ist der Grund, warum keine Bank mehr Pleite machen darf.

Aber auch im Detail kann ich die Zahlen nicht ganz nachvollziehen. Ich habe eine Summe von etwa 600 Billionen für alle Derivate im Kopf, nach Nachschauen bei der BIS (Bank für interantionalen Zahlungsausgleich) beträgt der letzte gemeldete Wert 683 Billionen. Matei kommt jetzt aber auf über 1,1 Billiarden. Mir scheint, als habe er Teilsummen (also 600 Billionen, davon 60 Billionen auf Devisen, 60 Billionen auf Zinsen, etc einfach zusammenaddiert). Allerdings kommt man auch so etwa 100.000 Dollar Derivate pro Kopf.

Weiss jemand zufällig mehr, wie man die Zahlen intrepretieren muss?

Siliconalleywatcher: The Size of Derivatives Bubble = $190K Per Person on Planet

BIS.org: Table 19: Amounts outstanding of over-the-counter (OTC) derivatives

Samstag, März 14, 2009

Zahl des Tages (14.03.09): -25% (oder mehr)

Es geht um einen "Geldmarktfonds", der in den letzten 12 Monaten

25%

Kursverlust eingefahren hat.

Ich habe den Fonds herausgepickt, weil der Fonds mit minus 25% in den letzten 12 Monaten der drittschlechteste Fonds in der Klasse "Geldmarkt-Fonds EUR" war und mit einem (heutigen) Volumen von einer knappen halben Milliarde Euro auch relevant ist:

SEB MONEYMARKET (ISIN: DE0009769158,WKN: 976915)

Dass der Fonds zurecht in diese an sich sehr sichere und liquide Klasse gekommen ist, zeigen ein paar Ausschnitte aus dem Kurzprospekt (2 Seiten):

"Anlageziel : Ziel der Anlagepolitik ist die Erwirtschaftung eines geldmarktnahen und stetigen Ertrages bei hoher Wertstabilität."

"Profil des typischen Anlegers, für den das Sondervermögen beziehungsweise der Teilfonds konzipiert ist: Die Anlage in den SEB MoneyMarket ist für Anleger geeignet, die noch keine Erfahrungen mit Finanzmärkten gewonnen haben. Die Anteile unterliegen nur sehr geringen Wertschwankungen, die ggf. dazu führen können, dass die Anteilwerte kurzfristig unter die Einstandspreise sinken."

Autsch. Autsch. Autsch.

Ich befürchte, dass sich die Fondsgesellschaften aus der Nummer ohne Schaden rausziehen. Im ausführlichen Prospekt stand schließlich drin, dass u.U. eben alles sinken könne; man kenne das schließlich mit den Pferden und der Apotheke und so. Dieser Disclaimer nützt aber nichts, wenn der in *allen* Prospekten drin ist. Wie soll ich denn als Anleger beurteilen können, ob man hier über ein völlig unrealistisches Risiko redet oder wie bei einem Aktienfonds über etwas, was alle 10 Jahre halt mal passiert? Bei Aktienfonds erwarte ich 10% Rendite als Gegenleistung für das Risiko, das ich eingehe. Bei einem Geldmarktfonds will ich aber nur mein Geld liquide und halbwegs rentabel parken. Und gehe NIE im Leben von 20, 30 oder gar 50% Minus aus ...

Handelsblatt: Selbst Geldmarktfonds machen Verluste

Das Handelsblatt hat in der Kategorie "Euro-Geldmarktfonds niedriges Risiko 1)" 136 Fonds. Da ist der oben erwähnte auf Platz drei (von unten). Bei Onvista ist der Fonds in die Kategorie "Geldmarkt-Fonds EUR" einsortiert und auf Platz 13 von 298. Da ist sogar ein Fonds dabei, der sich halbiert hat ... (Link). Da war der Euro dann doch wieder nur eine Mark wert ...

Schuld ist am Ende sowieso der Anleger, der das gekauft hat ...

Freitag, März 13, 2009

Zahl des Tages (13.3.09): 55

Lange kein Posting mehr zu Großbritannien gehabt ...

Großbritannien ist (neben Spanien) das Land in Europa, das am meisten Luft in der Immobilienblase hat. Obwohl die Preise schon um 20% gesunken sind, könnten die Preise noch weitere

55%

sinken. Das ist laut einer Analyse von Numis Securities durchaus vorstellbar.

Auf den ersten Blick erscheint das seeeehr pessimistisch zu sein, aber ich muss an eine alte Grafik erinnern. Diese stammt zwar aus den USA, gilt aber ziemlich analog für Großbritannien. Sie ist von Robert Shiller, der auch schon vor der Internetblase warnte: Shilller: US-Immobilienpreise könnten sich halbieren. Darin bezieht sich Shiller vor allem auf das Verhältnis von Mieten zu Kaufpreisen und weist darauf hin, dass die Kaufpreise explodiert sind, die Mieten aber nur leicht gestiegen sind. Kommen die Hauspreise auf das historische Normalniveau zurück, müssen sich die Preise halbieren. Das ganze stammt übrigens von 2007 und damals wollte es niemand hören.

Im Fall Großbritannien fließt in die extrem negative Prognose aber nicht nur eine Rückkehr auf den Durchschnitt ein, sondern auch die Erfahrung, dass solche großen Bewegungen häufig deutlich über den Durchschnitt hinausschießen (wie Anfang der 90er) - sowohl nach oben wie nach unten. Das macht etwa die Hälfte des Abwärtspotenzials aus.

Telegraph: House prices 'could fall by further 55 per cent'

Etwas positiver ist eine andere Analyse des britischen Immobilienfinanzierers Nationwide, der glaubt, dass die Preise schon wieder etwa auf dem langfristigen Durchschnitt angekommen sind. Danach wäre das Abwärtspotenzial deutlich geringer, über nochmal 20% Minus würden sich die britischen Banken wohl trotzdem kaum freuen; siehe: Zahl des Tages (09.01.09): -15,9

Geile Werbeidee für ein Fitnessstudio

steht in Rotterdam:



gefunden über:
Gizmodo: Bus Ad Shames You Into Joining a Gym by Showing Everyone Your Weight

P.S.: 79,8kg, -9,2kg seit dem Hoch im letzten Sommer. Mein Gewicht korreliert mit der Wall Street ;-)

Jon Stewart vs. CNBC (Jim Cramer): Showdown, unzensiert

Oh wie wunderbar, dass mal jemand diesen Aufschneidern/Betrügern die Meinung sagt. Insbesondere die Ausschnitte aus einem alten Interview, in dem Cramer mit seinen Manipulationen geradezu angibt, sollten eigentlich jedem die Augen öffnen ...






Wenn das hier nicht gehen sollte, geht zur Quelle. Es lohnt sich in voller Länge ...

Comedy Central: Jon Stewart and Jim Cramer: The Extended Daily Show Interview

oder alternativ hier:
Crooks and Liars: Jon Stewart creams Jim Cramer on the Daily Show

Irgendwie schon komisch, dass das auf Comedy Central kommt und nicht bei Foxnews oder sonst wo. Das ist schließlich keine Comedy, sondern bitterer Ernst.

Man, bin ich froh, dass ich meine Informationen nicht mehr (vorrangig) von n.tv, n24, CNBC oder ähnlichen beziehe. Sondern von Barry Ritholtz, Paul Kedrosky, John Hempton und vielen anderen Bloggern.

Das was Cramer macht, geht auch in Deutschland und nervt mich schon lange. Frick, Focus Money, Graumarkt, Medienrauschen: Harald Schmidt kommt als Jon Stewart zurück. Im September.) Die Messlatte liegt aber spätestens jetzt verdammt hoch.

Update (16:03)

Übrigens gibt es Teile des "Interviews" (das war je her eine Anklage) bei FT Alphaville zum Nachlesen: FT Alphaville: Cramer capitulates

Update (16:41)

Wer übrigens die Vorgeschichte nicht mitbekommen hat (ein Video gab's ja auch hier: Jon Stewart vs. CNBC),bekommt bei The Big Picture nochmal alle Videos:

The Big Picture: Let’s Get Ready to Rumble !

WAAArren Buffet is no more

WAArren lebt aber noch, keine Angst, nur ein A hat er verloren ...

Die Ratingagentur Fitch hat Berkshire Hathaway von AAA auf AA+ herabgestuft.

Die CDS haben einen solchen Schritt schon länger angekündigt. Die CDS auf Berkshire Hathaway kosten schon seit einigen Monaten über 400 Basispunkte. (Einen aktuellen Wert habe ich leider nicht, aber der letzte was so deutlich über 400, dass mich ein Wert unter 400 stark überraschen würde ...)

Auslöser für Fitch waren wohl die Zahlen von letzter Woche, die Buffet als "schlechtestes Jahr der Firmengeschichte" charakterisierte. Den Brief gibt's hier: Warren Buffet annual letter to the shareholders of Berkshire Hathaway oder gleich hier:

berkshireletter 2009



Eine kürzere Version hier: The Big Picture: Buffett: Our Worst Year Ever oder hier Marketwatch: Buffett cops to mistakes, likes longer-term horizon

Zur Herabstufung:

FT Alphaville: Rating cut for Buffett’s Berkshire

Update (15:57)

Das Statement von Fitch in voller Länge: creditwritedowns: Fitch statement on downgrading Berkshire to AA

Ich hab da mal 'ne Frage zu Madoff ...

... Wo sind eigentlich die 67 Mrd. Dollar (so hoch ist die Schadensumme inzwischen von den ursprünglich 50 Mrd. gestiegen) geblieben?!?

Der Madoff kann doch unmöglich die ganze Asche ausgegeben haben. Also ein paar Häuser, eine Yacht, etc.pp. 10 Mio. pro Jahr verballern, etc. Aber dann fehlen immer noch ca. 66,7 Mrd. ...

Hat zu dem Thema schonmal jemand was gelesen? Links?

Donnerstag, März 12, 2009

US-Privatvermögen um 18% gesunken ...

Noch 5 solcher Jahre und die sind pleite ;-)

Um die beeindruckende Summe von 11,2 Billionen Dollar bzw. 18% sind die Vermögen der Haushalte in den USA gesunken. Aktuell beträgt es noch 51,5 Billionen. Dabei handelt es sich um das Nettovermögen; einem Bruttovermögen von 65,7 Billionen (-15%) stehen 14,2 MBillionen Schulden (-1%) gegenüber. Der Rückgang von 18% ist rekordverdächtig und der erste seit 2002. Das Vermögen ist jetzt wieder so hoch wie 2004, kurz: 4 Jahre für nichts gearbeitet.

Die direkten (Aktien) und indirekten (Fonds) Vermögen, die die US-Haushalte in Aktien halten, sanken von 20,6 auf 12,1 Billionen. Das ist zum großen Teil auf die Kursrückgänge zurückzuführen, zum Teil aber auch auf abgezogene Gelder.

Die Hypotheken sind um 10,5 Billionen Dollar gesunken, der erste Rückgang seit 1950. Das liegt natürlich an der Zahl der Leute, die heute keine Hypothek mehr haben, allerdings haben die auch kein Haus mehr ... Eine Zahl, die auf den ersten Blick etwas verwirrt: Sind die Schulden nicht fast unverändert gewesen? Sollen die Amerikaner ihre anderen Schulden um über 10 Billionen erhöht haben? Nein, die Erklärung ist einfacher: Die Hypotheken sind wohl direkt mit dem Immobilienvermögen verrechnet worden.

Der Nettowert der Immobilien ist übrigens von 49% auf 43% gesunken, die durchschnittliche amerikanische Immobilie ist also in Höhe von 57% des Immobilienwerts mit Hypotheken belastet. Diese Zahl bezieht sich laut Wall Street Journal nur auf die Haushalt mit Immobilien, die ordnungsgemäß getilgt werden. Da habe ich allerdings schon wesentlich höhere Zahlen gelesen und frage mich jetzt, welche der Zahlen falsch ist.

Aber davon unabhängig zeigt das Vermögen natürlich auch, dass auch Ausgabenprogramme von 1 Billionen im Vergleich zum Vermögen nicht soooo groß sind (Merke: Fluss- und Bestandsgrößen lassen sich kaum sinnvoll vergleichen).

WSJ: Household Net Worth Tumbled Last Year

Wäre übrigens auch eine tolle Zahl des Tages gewesen, eigentlich sind das sogar direkt mehrere ...

Zahl des Tages (12.03.09): 5

Ich gebe ja zu, dass dieses Posting (teilweise) vorbereitet war und ich nur auf den Tag gewartet habe, an dem ich es veröffentlichen konnte ;-)

Über die sinkende Qualität der Schuldner habe ich schon einige Male geschrieben. Die Häufigkeit von AAA (Nichtfinanz-)Firmen 1980 und heute bzw. 2007 spricht einfach Bände:

AAA und AA : Von 17% auf 2%
A: Von 33% auf 9%
BBB: konstant bei 18%
BB: von 22% auf 25%
B: von 7% auf 42%(!!!)
CCC: von 3% auf 4%.

Quelle: Die Kreditprobleme in der USA werden immer schlimmer (17.2.07!)

1980 gab es über 60 Nichtfinanzfirmen, die ein AAA-Rating hatten, seit heute sind es nur noch

5.

Das Durchschnittsrating ist von A auf BBB+ gefallen.

Verloren hat das allerbeste Rating heute General Electric, die amerikanische Siemens mit angeschlossenem Hedgefonds.
GE könnte diese Herabstufung ziemlich weh tun, denn der Finanzarm lebt natürlich zum Teil davon, dass er die Finanzierungsgeschäfte (u.a. Leasing) aufgrund des guten Ratings preiswerter als die Konkurrenten refinanziert bekommt.
Man muss aber anmerken, dass GE seine Geschäfte im Finanzbereich massiv verringert hat, siehe u.a. hier: Bronte Capital: Good behaviour and General Electric . Zum Beispiel wurde der Kreditversicherer FGIC verkauft, große Teile der Kreditkartenschulden, ... GE ist daher durch diese Ratingherabstufung deutlich weniger gefährdet als es GE noch vor zwei Jahren gewesen wäre. GE hat mit dem Zeitpunkt der Verkäufe gutes Timing bewiesen. Ob allerdings ausreichend reduziert wurde, wird sich noch zeigen.

In der immer kleiner werdenden AAA-Liga verbleiben nun noch

  1. ADP,
  2. Exxon Mobil,
  3. Johnson & Johnson,
  4. Microsoft und
  5. Pfizer.
Pfizer ist allerdings wegen der Wyeth-Übernahme schon auf "Ausblick negativ" gestuft, sprich die Abstufung droht. Der Ratingkonkurrent Moody's hat Pfizer schon vor über einem Jahr herabgestuft (Pfizer nur noch AA, MBIA weiterhin AAA)

FT: Triple A companies

Die Vorwarnung zur Abwertung gab es u.a. hier:
WSJ: GE Rating Poised to Fall

Und zum Schluss noch zwei interessante Analysen zu GE, die ich empfehlen kann:

The Big Picture: What Do AIG, FNM, FRE (and GE) Have in Common?

Bronte Capital: Memo to Jeffrey Immelt – if you are going to lie you have to do it more convincingly than this

Freddie Mac braucht mal wieder Geld

Natürlich braucht der inzwischen verstaatlichte US-Immobilienfinazierer nicht nur 'nen Euro, sondern ein paar Milliarden ...

Genau geht es um eine weitere Kapitalzufuhr in Höhe von 30,8 Milliarden Dollar. Grund ist ein erneuter Verlust im 4. Quartal von knapp 24 Milliarden. Interessanterweise kommt mehr als die Hälfte des Verlusts aus Verlusten mit Derivaten und nur etwa ein Viertel aus dem eigentlichen Immobiliengeschäft. Wobei die anderen drei Viertel durchaus Auswirkungen der sinkenden Preise sein können.

Eigentlich sollte man sich als verantwortungsbewusster Chef einer Firma mit Derivaten gegen die Einflüsse absichern, die ansonsten die Firma gefährden können. Im Fall von Freddie Mac also gegen sinkende Immobilienpreise. Bei Freddie Mac fallen allerdings auch die Derivate, wenn die Immobilienpreise sinken. Freddie Mac hat sich also nicht abgesichert, sondern das Risiko durch sinkende Immobilienpreise sogar noch erhöht.

Es wird übrigens auch nicht der letzte Verlust sein, denn die Immobilienpreise sinken ja immer noch. Da Freddie Mac scheinbar erst dann abschreibt, wenn es gar nicht mehr anders geht, werden die noch kommenden Immobilienpreisrückgänge auch weitere Abschreibungen nach sich ziehen.

Es ist schon erschreckend, wie viele Firmen in den USA meinten, neben dem eigentlich soliden, altererwürdigem Geschäftsteil einen Hedgefonds gründen zu müssen. Mir fallen sofort Freddie, Fannie, GE, AIG, Ambac, MBIA, ... ein. Und es gibt bestimmt nur mehr und es werden wohl auch noch mehr werden ...

FAZ: Freddie Mac mit 23,9 Milliarden Dollar Verlust
FT Alphaville: Freddie needs $31bn injection
Marketwatch: Freddie asks Treasury for $30.8 bln after big loss

Die ganze Geschichte von Freddie Mac in diesem Blog: Suche nach Freddie

Das Krümelmonster ist arbeitslos!

Sagt FT Alphaville:

FT Alphaville: Bad news on Sesame Street

Kleiner Spaß zum Tagesbeginn ...

Mittwoch, März 11, 2009

Zahl des Tages (11.03.09): +0,12%

Es ist mal wieder Zeit, einen Kontrapunkt zu setzen ;-)

Trotz eines Minus von 0,78% im Februar haben die Hedgefonds in den ersten 2 Monaten 2009 ein Plus von

0,12%

erwirtschaftet. Das hat die Hennessee Group errechnet.

Im Vergleich zu den Aktienindizes ist das natürlich ein ziemlich gutes Ergebnis; der S&P 500 hat fast 20% im gleichen Zeitraum verloren.

Marketwatch: Hedge funds avoid big losses in February

Wenn ich Robert Basic wäre, wäre das Posting jetzt zu Ende. Weil das dann sicher einen Kommentar geben würde; der Inhalt: Die Statistiken sind eh alle gefälscht.

Da mir das aber nicht entgangen ist ;-) kommt hier direkt der passende Link:

Harold Bradley: Hedge fund lies, darned lies and statistics...

Die Manipulationen in einem der untersuchenden Indizes von HFR (Hedge Fund Research) sind noch simpler als man sich das vorstellen kann: Die Fonds können nämlich einfach aufhören, ihre Zahlen zu melden. Im zweiten Halbjahr 2008 ist die Zahl der Fonds, die melden, von 1.560 auf 1.066 gesunken. Auch wenn sicherlich ein paar Fonds unfreiwillig aufhören mussten, ihre Ergebnisse zu melden, weil sie schlicht Pleite gegangen sind, dürfte doch der größte Teil seine schlechte Performance freiwillig verschwiegen haben.

Jetzt kann man versuchen, eine Gesamtperformance zu schätzen. Dazu nimmt man einfach an, dass die ausgeschiedenen Fonds die gleiche schlechte Performance erwirtschaftet haben wie die schlechtesten 5%, die gemeldet haben: -45,2%. Das ist wahrscheinlich noch eine positive Annahme, weil die Nichtmelder-Fonds wahrscheinlich noch schlechter waren. Aber egal. Auch mit dieser (wahrscheinlich zu positiven) Annahme verschlechtert sich die Durchschnittsrendite von den offiziell gemeldeten -20,4% auf -27,0%.

Und was sagt uns das jetzt alles? Keine Ahnung. Vielleicht ist die Zahl der Tages heute nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt steht (ihr druckt doch jeden Artikel aus und archiviert den, oder ;-) ?)

Update (12.03.09):

Datum auf 11.3.09 korrigiert, das war ja von gestern ...

Dubye

(Superwortspiel ...)

Ich finde, dass an der jetzigen Krise vor allem eines faszinierend ist: Die wahnsinnige Geschwindigkeit, mit der sie sich seit der Lehman-Pleite im September durch die ganze Welt frisst.

Oder konnte sich vor 9 Monaten *irgendjemand* diese Schlagzeilen vorstellen?

1.) Handelsblatt: Dubai lässt Rechnungen platzen

Dubai kann oder will die Rechnungen von der Bauindustrie, die ja noch immer baut wie verrückt (wenn auch nicht mehr wie wahnsinnig), bezahlen. Einige Firmen sitzen schon auf offenen Rechnungen mit hohen zweistelligen Millionensummen.

2.) FTD: In Dubai geht das Zittern weiter

Und das alles, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate dem Nachbarn Dubai erst vor zwei Wochen unter die Arme gegriffen haben. Etwa die Hälfte einer 20 Mrd. Dollar schweren Anleiheemission ging an die VAE, weil sich kein anderer Käufer finden ließ.

Unglaubliche Nachrichten aus einem Land, das noch vor einem dreiviertel Jahr in Öldollars zu ertrinken schien und unglaubliche - um nicht zu sagen größenwahnsinnige - Projekte im Sekundentakt plante.

Und jetzt: Bye bye Dubai?

Immerhin scheint sich der Ölpreis jetzt bei etwa 45 Dollar erst mal zu stabilisieren. Ob Dubai der Ölpreis ausreicht, wird sich zeigen ...

Update (22:06)

Aus "Summen" "Millionensummen" gemacht ...

Was ändert sich eigentlich, wenn eine Bank verstaatlicht wird?

Die Formulare werden länger und vor dem Kundengespräch muss man eine Nummer ziehen ;-)



gefunden über:
Boingboing: Welcome to nationalized Citibank

Ok Ok, wer das nicht lustig fand ... Wie wär's zur Abwechslung mit etwas Colbert (und dieses Mal nenne ich ihn nicht Stewart ...)?



Colbert Nation: Doom Bunker

Colbert ist besser, oder?

Shadowstats.com: US-Arbeitslosigkeit auf 1933er Niveau

Leider hat Shadowstats.com (das vielen Lesern ja bekannt sein dürfte) direkt keine Information dazu, so dass ich mich auf die Reporter von Reuters verlassen muss.

Danach hat Shadowstats.com die Arbeitslosenquote nach den Richtlinien berechnet, die in der Weltwirtschaftskrise galten. Und natürlich (was nicht wirklich verwundert) ist das Ergebnis viel höher als die 8,1%, die in den Schlagzeilen vermeldet werden und erreicht bereits wieder fast die 20%, die 1933 am Hoch erreicht wurden.

Dass die 8,1% nicht die volle Wahrheit sind, kann man ja selbst an den offiziellen Zahlen sehen. Die am breitesten gefasste Arbeitslosenzahl U-6, die auch die unfreiwillig nur Teilzeit Arbeitenden enthält, liegt schon bei 14,8%, ohne Saisonbereinigung sogar bei 16% (BLS.gov: Employment Situation News Release Feb. 2009).

Vielleicht sollte ich demnächst anfangen, die Weltwirtschaftskrise 1933 explizit 1. Weltwirtschaftskrise zu nennen ...

Reuters: Statician says US joblessness near Depression highs

Dienstag, März 10, 2009

Madoff vor 150 Jahren Knast?

Madoff will sich schuldig bekennen ... Ihm bleibt angesichts der Fakten auch wenig anderes übrig ...

Marketwatch: Madoff to plead guilty, lawyer tells court

Mal schauen, wer sonst noch bestraft wird. Alles allein gemacht haben wird der Madoff die Nummer ja wohl kaum ...

Marketwatch: Score 11 for the prosecution

EU Mitglied Nr. 3 wackelt ...

Wobei die "3" eigentlich nicht stimmt, denn neben Lettland und Ungarn wackelt ja auch Irland. Irland hat aber im Gegensatz zu den beiden anderen noch keine Hilfe der EU oder des IWF in Anspruch genommen und zählt deshalb (noch?) nicht.

Rumänien hingegen schon. Im EU-Rettungsfonds sind 25 Mrd. Euro vorgesehen, etwa 10 davon sind schon weg. Rumänien soll jetzt ebenfalls Geld bekommen, allerdings ist fraglich, ob die restlichen 15 Mrd. ausreichen. Experten schätzen den Bedarf auf bis zu 20 Mrd. Und das ist der aktuelle Bedarf und wie wir wissen, erhöht sich dieser im Moment immer ...

Handelsblatt: Rumänien fordert Not-Kredit an

Wenn ich mich nicht irre und es sich bei diesem Programm doch nicht um das Selbe handelt, ist das der Ende Februar verabschiedete EU-Rettungsfonds. Und der ist schon wieder leer - in nicht einmal zwei Wochen!

Dass Merkel eine Aufstockung ablehnt, ist klar. Ihr scheinbar untrüglicher Sinn für das aktuell notwendige Krisenmanagement sagt ihr immer, was sie nicht machen wird, um es zwei Wochen später dann doch zu machen ...

FTD: 25 Milliarden Euro für Osteuropa

Update (23:10)

Noch eine Nachricht zum "Nein" für die Aufstockung des Fonds:
FT Alphaville: EU to CEE: ‘Non’

Und eine interessante Einschätzung:

Voxeu: Crisis in Eastern Europe: Manageable – but needs to be managed

Die Überschrift sagt schon vieles: Es müsste mal jemand managen. Aber die EU (und die einzelnen Regierungen (und übrigens auch die Firmen)) reagieren nur und agieren nicht. Es wird nicht vorgeplant, sondern nur 2 Tage vor dem Zusammenbruch hektisch reagiert.

Man schaue sich nur Opel an: Die Diskussion ist jetzt auch schon drei Monate alt und es gibt NICHTS Substanzielles, was eine mögliche Rettung angeht. NICHTS.

Tschuldigung ... Terranovas Traumtor

Der ein oder andere wird schon befürchtet haben, dass das hier kommt. Und jetzt habt ihr's hinter Euch ;-)

Lupfer aus 35 Meter mit dem Rücken zum Tor. Das soll erstmal einer nachmachen ...



Wählen bitte: Tor der Woche. Danke. Und bloß nicht die 4 wählen. Das war gar nichts. Und wir haben auch nicht verloren. Grrr. Da war viel mehr drin.

Der Citigroup geht's gut!

Ist das Realsatire?

Citigroup Chef Pandit wendet sich per E-Mail an seine Mitarbeiter und verkündet, dass das erste Quartal 2009 bisher das beste seit dem 3. Quartal 2007 war.

Häh?

27.2.2009 (also erstes Quartal 2009): Citi-State-Group ... muss 9,6 Milliarden Dollar abschreiben. Der Staat muss seine Beteiligung erhöhen, weil es sonst keinen Käufer für das Eigenkapital gibt. Und nur 2 Wochen später bejubelt Pandit zwei angeblich superprofitable Monate, in denen man 19 Mrd. Dollar verdient hat? Danach kann die Citigroup überhaupt keinen Kapitalbedarf gehabt haben, selbst wenn die 9,6 Mrd. Dollar Abschreibung dazwischen kommen.

Ich komme da nicht mit ... Trotzdem 4% Plus bei den großen Aktienindizes und 25% Kursplus bei der Citigroup.

FTD: Anleger bejubeln Pandits E-Mail

Die Mail von Pandit im Original:
Marketwatch: Text of Citigroup memo sent by CEO Pandit

Update (16:23)

Das ist ja noch schlimmer als ich dachte ... Die USA bereiten angeblich bereits ein 4. Rettungspaket für die Citigroup vor. Rein prophylaktisch natürlich ...

WSJ: U.S. Weighs Further Steps for Citi

Zahl des Tages (10.03.09): 1.600.000.000.000

Bevor ich mir diese große Zahl wieder wie gestern wegschnappen lasse, werde ich die schnell als Zahl des Tages verbraten, auch wenn die Gefahr besteht, dass heute Nachmittag noch was Spannenderes kommt ...

Am besten erstmal setzen. Denn bei den

1.600.000.000.000 (1,6 Billionen) Dollar

handelt es sich nicht um das BIP von Deutschland o. Ä., sondern den Nennwert der Derivatepositionen der AIG. Das geht aus einer (geheimen) Präsentation hervor, die offenbar zur Folgenabschätzung einer AIG-Pleite dienen soll (Kurzversion ist: Bloß nicht Pleite gehen lassen. Die AIG ist quasi wie ein Fußball unter der Decke der Halle für Domino Day: Bloß nicht fallen lassen ...).

Dass hinter vielen CDOs, CDS, Rohstoffderivaten, etc. pp. die AIG als Versicherung steckt, war ja schon bekannt. Spätestens mit der Aussetzung einiger ETCs (börsengehandelte Rohstoffe) bei der ersten Fast-Pleite der AIG wurde das auch Privatanlegern deutlich (AIG beeinfusst auch Rohstoff-ETFs - Handel eingestellt). Auch viele der Cross-Border-Leasing Geschäfte wurden über die AIG abgeschlossen. Wobei ich aber schätze, dass das "normales" Versicherungsgeschäft ist und damit nicht in die Derivatepositionen läuft.

So langsam wird zunehmend deutlicher, warum der Staat die AIG nun schon dreimal gestützt hat. Inzwischen mit mehr als 150 Mrd. Dollar (AIG bekommt nochmal 30 Mrd. Dollar - Verlust 61,6 Mrd.). Die AIG ist zu einem Teil eine relativ normale Versicherung (was an sich schon ein hochkomplexe Sache ist), aber zum anderen Teil nichts anderes als ein Mega-Hedgefonds. Die Aufspaltung der AIG ist daher unvermeidbar und hat ja inzwischen auch begonnen. Lieber wäre mir aber ehrlich gesagt eine (natürlich kontrollierte) Abwicklung des Hedgefonds-Teils.

Scribd: Aig Systemic 090309

Übrigens: Sollte jemand Informationen haben, dass das verlinkte Papier NICHT echt ist, bitte um einen Hinweis in den Kommentaren.

Welcome to China, Mr. Deflation

Die Verbraucherpreise in China sind im Jahresvergleich um 1,6% gefallen. Hauptgrund dafür sind natürlich die gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunkenen Energiepreise. Leider scheinen die Chinesen keine Kernrate (also ohne Energie- und Lebensmittelpreise) zu berechnen und man kann daher nicht erkennen, wie stark der Einfluss der Energiepreise ist. Das könnte bei der Beantwortung der Frage helfen, ob das jetzt nur ein temporärer Effekt ist, der sich im Herbst wieder legt, wenn die dann wieder niedrigen Energiepreise des Vorjahres als Basis dienen, oder ob dahinter möglicherweise etwas Tiefgreifenderes verbirgt.

FT Alphaville sieht nämlich genau das: Riesige Überkapazitäten, die für 10% Wachstum geplant wurden, aber jetzt auf eine möglicherweise längere Stagnation prallen. Und diese Überkapazitäten beziehen sich nicht nur auf Fabriken, sondern auch auf Büros, Wohnhäuser, Infrastruktur, ... Die Lage in China heute wird von FT Alphaville schon mit der in den USA 1929 verglichen. Denn die USA hatten damals einen deutlichen Exportüberschuss und eine hohe Sparquote, genau wie China heute.

Ich bleibe eher bei einer (vergleichsweise) positiven Interpretation der Lage in China. Der chinesische Finanzsektor ist stabil und die Konjunkturprogramme sind so groß, dass sie eigentlich greifen müssen. Außerdem sind die Devisenreserven Chinas so groß, dass sie die Konjunkturprogramme auch nochmal verdoppeln oder verdreifachen können.

FT Alphaville: A deflationary dragon with excess capacity

Xinhua: China CPI falls to minus 1.6% in Feb., 1st negative growth in 6 yrs

Update (11:58)

Noch ein Link und eine Zahl, die ein wenig darauf hindeutet, dass eine längere Deflation durchaus drin sein könnte: Die Produzentenpreise in China sind deutlich stärker als die Verbraucherpreise gesunken, nämlich im Februar um 4,6%.

Marketwatch: China February CPI falls 1.6%, stokes deflation fear

Montag, März 09, 2009

Zahl des Tages (09.03.09): 50.000.000.000.000

Ok, ok, die Zahl kam wirklich an jeder Ecke und ich hab's heute morgen verpennt, die als Erster abzuschreiben äh zu bringen ;-)

Die asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB) schätzt, dass die aktuelle Krise bereits Vermögenswerte in Höhe von

50.000.000.000.000 (50 Billionen) Dollar

vernichtet hat.

Diese Zahl ist auf den ersten Blick ziemlich unglaublich. Für alle, die sich aber etwas mit der Materie beschäftigen, kommt das nicht so überraschend. Ich habe schonmal darauf hingewiesen, dass die Verluste der US-Bürger durch die sinkenden Immobilienpreise höher sind als durch die Aktienverluste z.B. in der Krise 2001/2003. Einfach weil die US-Haushalte viel mehr Vermögen in der eigenen Immobilie haben als in Aktien. Selbst in der eigentlich aktienfreundlichen USA.

Auch wenn man die Zahlen der Geldvermögen kennt, ist die Zahl nicht so überraschend: In den USA gibt es etwa 30 Billionen Euro, im Euro-Raum etwa 14 Bill. EUR) und in Japan 10,7 Bill. EUR. Die Zahlen sind etwas älter, aber zeigen, dass die Vermögen schon da sind. Die Geldvermögen sind ja nur ein Teil der Gesamtvermögen. Und diese Vermögen machen ein Vielfaches der BIPs aus.

Eigentlich sollte man solche Zahlen auch immer mit der richtigen Größe zum Beispiel dem Vermögen als Bestandsgröße und nicht mit dem BIP als Flussgröße vergleichen. Übrigens sind die 50 Billionen etwa 75% des Welt-BIPs eines Jahres.

Tagesschau: Krise vernichtet 50 Billionen US-Dollar
Handelsblatt: Finanzkrise vernichtet 50 Billionen Dollar

Update (11.03.09)

Heute hat die FTD die Story ...
FTD: Wie AIG die US-Regierung unter Druck setzte

Achtung: Quatsch inside ...

Coverversion von MGMTs Kids auf iPhone und iPod Touch:



gefunden über

A VC: iBand

Sonntag, März 08, 2009

Zahl des Tages (08.03.09): 95%

Woran man die aktuelle Krise so alles ablesen kann ... Um

95%

sind die Umsätze in Goldmünzen bei Ebay gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Man ist ja auch quasi gezwungen, das Zeug gebraucht zu kaufen, denn offiziell bekommt man ja kaum noch was. Bei Westgold steht immer noch ziemlich häufig "Ausverkauft" in der Preisliste.

Schade (aus Sicht von Goldbesitzern), dass Gold nicht soooo lebenswichtig ist. Angesichts der aktuellen Angebot-Nachfrage-Situation wäre der Preis jedes anderen lebenswichtigen Rohstoffs bereits durch die Decke gegangen. So wie Öl jetztes Jahr.

AERS: Gold price hits $1,000 USD/oz in the market

gefunden über Infectious Greed: Ebay's Booming Bullion Market

Wieder eine Bankpleite in den USA (und zwei alte)

Erstmal zwei vom letzten Wochenende, die ich irgendwie nie online gestellt habe

US-Bankenpleite Nr. 40:

Name: Heritage Community Bank,
Sitz: Glenwood, Illinois,
Assets: 233 Millionen Dollar,
Käufer: MB Financial Bank, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 41,6 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 44).

PR-31-2009 MB Financial Bank, N.A., Chicago, Illinois, Assumes All of the Deposits of Heritage Community Bank, Glenwood, Illinois

US-Bankenpleite Nr. 41:

Name: Security Savings Bank,
Sitz: Henderson, Nevada,
Assets: 238 Millionen Dollar,
Käufer: Bank of Nevada, Las Vegas, Nevada
Schaden für die FDIC: 59,1 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 39).

PR-32-2009 Bank of Nevada, Las Vegas, Nevada Assumes All of the Deposits of Security Savings Bank, Henderson, Nevada

US-Bankenpleite Nr. 42:

Name: Freedom Bank of Georgia,
Sitz: Commerca, Georgia,
Assets: 173 Millionen Dollar,
Käufer: Northeast Georgia Bank,
Schaden für die FDIC: 36 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer (Platz 37).

PR-37-2009 Northeast Georgia Bank, Lavonia, Georgia, Acquires All of the Deposits of Freedom Bank of Georgia, Commerce, Georgia

3 Treffer für Todesliste. Nicht schlecht.

Die Karte ist allerdings noch nicht aktualisiert worden: TheStreet.com: Interactive Bank Failure Map

Nochmal Steven Colbert mit Jim Cramer

Ich pack das jetzt schon in die Überschrift, damit sich niemand beschweren kann, dass ich zu viel von dem Mann bringe. Aaaaber wenn doch Jim Cramer kommt ... Ja, DER Jim Cramer.




Wunderbar, wie das ganze Interview durch die Einspieler im Hintergrund völlig ins Lächerliche gezogen wird. Ich muss aber zugeben, dass die Welpen definitiv Sympathie funktionieren. Da ich aber eher auf Katzen stehe:



Süßer Blog, nicht wahr? Das habt ihr doch jetzt alle gaaanz besonders lieb und kauft nur noch über den Amazon Link rechts ein, oder?

Genug Spaß. Wer mal was Ernsthaftes über Cramer und seine Aktienkursmanipulationen lesen will:

Daily Kos: Jim Cramer Uses CNBC to Manipulate Stocks

Auch nix anderes als das was Frick und Konsorten in Deutschland machen. Auch wenn die aktuell alle weg sind ... Der nächste Aufschwung, wann auch immer er kommen mag, wird die nächste Welle Rattenfänger bringen ...

Samstag, März 07, 2009

Schulterklopf Nr. 2

Ab sofort halte ich mich zurück mit Eigenlob, sonst wird es ja schon peinlich. Aber nach dem 2. Glas Wein Weinzeche: Domaine de Fondrèche - Mas Fondrèche "O´Sud" - Côtes du Ventoux habe ich mich nicht mehr im Griff ;-)

"Meine Empfehlung an die deutsche Politik:

a) Verstaatlichen, Lösung mit Fiat anstreben, ansonsten abwickeln.

oder

b) nix tun.

Was meint ihr? "

aus Solarworld will Opel Werke kaufen! Aber warum?

und was lese ich da heute in der altehrwürdigen FAZ?

FAZ: Für Opel wäre Fiat der passende Partner

Geht doch ;-)

Update (16:40)

Damit niemand denkt, dass ich am helllichten Tag schon zwei Gläser Wein intus habe: Der Artikel ist von gestern Abend. Warum der erst heute veröffentlicht wurde, weiss ich auch nicht ...

LLoyds wird verstaatlicht!

Der britische Staat stockt seinen Anteil an Lloyds von 43% auf 65% auf. Inklusive nicht stimmrechtberchtigter Aktien beträgt der Anteil sogar 77%. Dafür muss der Staat im Gegenzug Garantien in Höhe von 260 Mrd. Pfund (etwa 290 Mrd. Euro) für Assets von Lloyds abgeben. Lloyds verpflichtet sich im Gegenzug, mindestens 28 Mrd. neuer Kredite bereitzustellen.

FTD: Lloyds wird verstaatlicht

Ich halte diese ganze Versicherungsidee für ziemlich doof. Der einzige wirkliche Vorteil dieser Maßnahme ist, dass der Staat im Moment kein Geld in die Hand nehmen muss. Im Gegenteil: Er kann sogar die Versicherungsprämie kassieren. Ansonsten ist eine komplette Verstaatlichung oder die Neugründung einer Good Bank und die Abwicklung der Altbank die sinnvollere Lösung.

Das hat in einer von mir nicht zu übertreffenden Brillianz Willem Buiter schon formuliert. Zwar vor knapp 2 Wochen zur RBS-Rettung, aber das war die Blaupause für die Lloyds-Rettung und gilt daher immer noch und sei empfohlen:

Maverecon: A tax payer rip-off of surprising boldness

Update (21:15)

Und von FT Alphaville (ausnahmsweise am Wochenende) ein Statement:
FT Alphaville: A deceitful deal for Lloyds Banking Group

Schöne Rechnung, die versucht herauszufinden, ob der Deal nur auf den ersten Blick so schlecht aussieht oder ob er es wirklich ist. Kurzversion: Er ist es. Der britische Staat bekommt einen etwas höheren Anteil an einer Bank, die eigentlich Pleite (und wertlos) ist und muss im Gegenzug für 290 Mrd. Euro haften.

Zahl des Tages (07.03.09): 4,52

Man vergleiche:

  • Deutsche Bundesanleihe, Laufzeit bis 2019, 2,93% Rendite
  • Italienische Staatsanleihe, Laufzeit bis 2019, 4,52% Rendite
Der CDS geht hart auf die 200 Basispunkte zu (am Donnerstag 193 Basispunkte), aber bei aller Kritik an den CDS spiegeln auch die realen Renditen den Anstieg durchaus ähnlich wieder. Immerhin sind es dort auch 159 Basispunkte.

Ciao Ciao Euro?

FT Alphaville: Quo vadis S&P/MIB?

Freitag, März 06, 2009

Ach so: Musiktipp Nr.2

OK, zu spät, weil's schon läuft ...

Trotzdem sei's empfohlen:

"Mehmets Schollplatten" auf Bayern 2 - Die Nummer 7 legt auf

Musik zum Wochenende: Puuuuurer Pop.

I know I should play sth intelligent, but-I-can't

Ein Stück Konzert von Fabchannel, ein Angebot, das leider nur noch ein paar Tage lebt und dann mangels Werbeeineinnahmen zu macht.



Oder akustisch:



Oder eine schöne Coverversion:

Zahl des Tages (06.03.09): 5.400.000.000

Ich glaube heute kommt nichts mehr an Zahlen, was ich nicht schon verbraten habe. Daher etwas, das ich schon gestern Abend beim Lesen, ähm Recherchieren, über den Zustand des US-Immobilienmarkts gefunden habe.

Bei 12% der US-Hypotheken, was 5,4 Millionen US-Haushalten entspricht, sind die letzten Raten nicht mehr pünktlich (7,9%) oder gar nicht mehr (3,3%) bezahlt worden. Die Zahl vom Ende letzten Jahres stand bei 8%. (Dass die beiden Teilzahlen oben addiert nicht 12 ergeben liegt daran, dass die beiden Teilzahlen saisonbereinigt sind und die Gesamtzahl nicht).

In der Veröffentlichung der Mortgage Banking Association kann man auch schön die Ausfallraten der unterschiedliche Hypothekenarten sehen. Kein Wunder, dass die besonders bescheuerten Konstruktionen (Subprime, Option-ARM, etc.) besonders häufig ausfallen. Dazu verweise ich gerne auf ein altes Posting von mir: Die US-Hypotheken und die kommenden Anpassungen, welches in Bezug auf die Option-ARM-Hypotheken wenig Hoffnung macht. Da wird noch Einiges fällig ...

MBAA: Delinquencies Continue to Climb in Latest MBA National Delinquency Survey

The Big Picture: 12% in Foreclosure or Delinquent

Übrigens habe ich bei der Suche einen alten Artikel gefunden und muss mal wieder Schulterklopfen und zwar mir selbst ;-)

14.3.07: Das Problem ist nicht der Subprime-Sektor

USA: Arbeitslosenquote rauf auf 8,1% (+0,5)

Die Arbeitslosenquote hat damit ein neues 25-Jahreshoch erreicht.

Im Februar gingen 651.000 Arbeitsplätze verloren. In den letzten 4 Monaten sind etwa 2,5 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen.

Das große Bild bleibt also klar auf Desaster stehen.

Interessanter Datenpunkt am Rande: Die NILF (not in labor force) Zahl ist diesen Monat ausnahmsweise mal gesunken. Es scheinen also Leute auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren, die sich vorher nicht drum gekümert haben. Das *könnten* natürlich Partner sein, die sich jetzt wieder um einen Job bemühen, nachdem der andere Teil der Familie den Job verloren hat.

Marketwatch: Payrolls sink 651,000, jobless rate soars to 8.1%

oder direkt von der Quelle:

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION: FEBRUARY 2009

Update (15:05)

Beim ersten Scannen nicht gefunden, beim genaueren Lesen aber doch gefunden: die üblichen Abwärtskorrekturen. Und die sind diesen Monat außergewöhnlich heftig:

Der Dezemeber wurden von -577.000 auf -681.000 reduziert, der Januar von
-598.000 auf -655.000. Das sind also nochmal 161.000 mehr, die in der Schlagzeile und dem üblichen Konsensvergleich nicht auftauchen. Der Konsensvergleich war übrigens "in etwas wie erwartet".

Bin gleich wieder da.

Nach den offenen Immobilienfonds (Zahl des Tages (03.02.09): (12-02=) 10) leiden jetzt auch die Genussscheinfonds unter Mittelabflüssen und dem Problem, dass sie im völlig illiquiden Markt die Genussscheine nicht zu "vernünftigen" Preise verkaufen können und deshalb nicht die notwendige Liquidität beschaffen können, um die Anleger auszuzahlen. Wenn dann die bösen Anleger trotzdem ihr Geld abziehen wollen, muss man den Fonds halt schließen.

Getroffen hat es jetzt den cominvest Genussscheinfonds P (WKN: 978691, ISIN: DE0009786913). Ein zweiter Genussscheinfonds der cominvest (cominvest Genussscheinfonds I; WKN: A0HGZ7, ISIN: DE000A0HGZ75) bleibt offen, genau wie der Genussscheinfonds der DWS.

Der geschlossene Genussscheinfonds ist mit etwa 115 Millionen Anlagevolumen aber ein Leichtgewicht. Insgesamt sind in Genussscheinfonds weniger als 1 Mrd Euro investiert. Es ist also nicht soooo das Erdbeben, wie die Schließung der offenen Investmentfonds. Den Tod für diese Nische könnte die Schließung trotzdem bedeuten ...

Aber wie war das noch gleich mit dem Renditedreieck aus Sicherheit, Rendite und Liquidität? Man kann nie alles drei gleichzeitig bekommen. Um mehr Rendite zu bekommen, muss ich immer weniger Sicherheit und/oder Liquidität in Kauf nehmen. Um mehr Sicherheit zu bekommen, muss ich auf Liquidität und/oder Rendite verzichten. Der offene Fonds ist im Prinzip der Versuch, illiquiden Anlagen (Immobilien oder jetzt Genusscheine) den Nachteil der Illiquidität zu nehmen. Und das scheitert gerade. Nicht zum ersten Mal.

FAZ: Genussscheinfonds geraten in Bedrängnis

Ist der Ruf erst ruiniert, ...

... lebt's sich gänzlich ungeniert.

Mein Verlierer des Jahres 2008 legt jetzt richtig los. Nachdem er im ersten Schritt die ehemals von ihm vor der Wand gefahrene Bank HypoRealEstate auf etwa 150.000 Euro Gehaltsnachzahlung verklagt hat (Verlierer des Jahres 2008 will Knete), scheint er jetzt alle Skrupel verloren zu haben ...

Laut Bild lässt Georg Funke jetzt prüfen, ob seine Kündigung nicht vielleicht rechtswidrig war und er noch bis 2013 Anspruch auf sein Gehalt in Höhe von 800.000 Euro pro Jahr hat. Seine Pension in Höhe von 560.000 Euro ab 2013 bis zum Ende seines Lebens möchte er selbstverständlich auch noch haben.

Bild.de: Pleite-Banker will noch 4 Jahre Gehalt kassieren
Spiegel: Ex-HRE-Chef Funke will auf Millionensalär klagen

10:28 und ich habe schon wieder schlechte Laune ...


Update (15:11)

Auch die FAZ regt sich auf.

FAZ: Gierige Manager, schämt euch!

Und so kurz vor dem Wochenende muss ich mich ja mal loben und feststellen, dass ich mit meinem Verlierer des Jahres ein echt gutes Näschen hatte. Und wenn der Funke so weitermacht, muss ich mir über den Verlierer 2009 keine Gedanken machen ...

Update (15:49)

Und die FTD nimmt Funke in Schutz:

HRE: Funkes Klage - rechtlich einwandfrei

Der völlig bescheuerte Schlusssatz daraus:

"Funke [muss] auch künftig jeden Morgen beim Zähneputzen in den Spiegel schauen. Was ihm dabei durch den Kopf geht, weiß nur er alleine."

Offensichtlich nichts, zumindest nichts, was auf Demut oder Schuldbewusstsein hindeutet. Leute, die das haben, würden sich anders verhalten.

Donnerstag, März 05, 2009

Zahl des Tages (05.03.09): 8.300.000.000

8,3 Millionen Hypotheken sind "underwater", sprich der Wert des Hauses ist niedriger als die Hypothek, die darauf abgeschlossen wurde. Hauspreise können sich in Luft auflösen, die Hypothek darauf tut's nicht ...

Für meine alten Leser nicht ganz neu die Tatsache, dass in Amerika das Haftungsrecht für die Hypotheken anders ist: Für die Hypotheken haftet nicht der Inhaber, sondern nur die Immobilie. Wenn man befürchtet, dass das eigene Haus weniger wert ist als die Hypothek, geht man zur Bank, gibt die Schlüssel ab und ist raus aus der Nummer. Ob die Häuser, die schon verlassen wurden, mitgezählt werden, wüsste ich gerne mal ...

Marketwatch: 20% of home mortgages were underwater in December: report

Unglaublich!

Ich möchte niemandem wegen seiner religiösen Gefühle auf die Füße treten, aber das hier ist für mich nicht nachvollziehbar. Neee kann ich nicht.

Spiegel: Katholische Kirche exkommuniziert vergewaltigte Neunjährige

Update (6.3.09)

Ein (leider) anonymer Kommentator hat mich darauf hingewiesen, dass der Spiegel Artikel korrigiert wurde:

"Anmerkung der Redaktion: Wegen eines Übersetzungsfehlers im deutschsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur AP stand in einer früheren Version dieses Artikels, die Kirche habe das neunjährige Mädchen exkommuniziert. Tatsächlich richtete sich die Strafe dem englischen Dienst und der Agentur AFP zufolge gegen die Mutter und das Ärzteteam. SPIEGEL ONLINE hat die Darstellung berichtigt und bittet, den Fehler zu entschuldigen."

Ich kann mich dem Kommentator aber auch nur anschließen: Viel besser ist das nicht.

Die Citigroup ist ein Pennystock



Unglaublich, wie tief und wie schnell die ehemals größte Bank der Welt gesunken ist ... Der Kurs lag noch im Juli 2007 bei über 50 Dollar. Im Langfristchart, der bei Yahoo bis 1977 zurückgeht, ist kein Kurs unter 1 zu erkennen. Es ist also mindestens ein 30 Jahrestief.

Die Marktkapitalisierung beträgt auch nur gut 5 Mrd. Dollar (Yahoo Finance: C). Ich stelle das jetzt besser mal nicht in Relation zu den Mengen Geld, die der Staat bereits in die Citibank gesteckt hat. Ich verweise dazu auf einen ältereren Artikel von mir: Citi-State-Group ...
oder den: Mega-Bail-Out für die Citigroup! oder den: Citigroup vor der Pleite? oder den ganzen Mist: Suche nach Cititgroup

Update (22:00)

Unter 1 Dollar ist übrigens Allzeittief (habe ich gerade irgendwo gelesen).

Schlusskurs übrigens 1,02.

Jon Stewart vs. CNBC

Es gibt Leute, mit denen sollte man sich nicht anlegen. In Deutschland gehörte dazu mal Harald Schmidt, der aber gelassen der Irrelevanz entgegen segelt. In den USA gibt es aber noch Jon Stewart und Steven Colbert. Die waren ja schon einige Male hier verlinkt, aber dieses Mal ist es eigentlich noch besser, weil auch noch ein paar andere All-Time-Favorites dabei sind ...

Es sollte Rick Santelli (einer von den Börsenhansels von CNBC) Gast bei Jon Stewart sein. Es ist der Hansel, der auf dem Börsenparkett die (rhetorische) Frage rumschreit, ob jemand möchte, dass die "Loser" Hypotheken Besitzer gerettet werden sollten. Erstens ist es frech die Leute als Loser zu bezeichnen. Zweitens noch frecher, das als Mitglied der Branche zu äußern, in die gerade Billionen geschüttet werden.

Der Typ hat dann aber in letzter Minute abgesagt. Aber Jon Stewart wäre nicht Jon Stewart, wenn er die 8 Minuten nicht exzellent gefüllt hätte. 8 Minuten Dauerbackpfeifen für die Berichterstattung auf CNBC. Da könntet ihr jetzt gerne euren bevorzugt gehassten Nachrichtenkanal aus Deutschland einsetzen. Ich kann mir darüber kein Urteil mehr erlauben. Ich schau's nicht mehr ...

Freut Euch u.a. auf Jim Cramer, Maria Bartoromo, Mark Thain und (Tusch) Sir Allen Stanfieldford:



gefunden über Daily Show vs CNBC

UK Leitzins -0,5 auf 0,5%, Euro -0,5 auf 1,5%

Heute gibt's die nächste Runde im Zinssenkungszyklus in Richtung Nullzins.

Die Bank of England meldete um 13:00 die Senkung von 1% auf 0,5%. Das wurde erwartet. Der Leitzins ist der niedrigste aller Zeiten.

Spiegel: Bank of England senkt Leitzins auf Rekordtief

Marketwatch: Bank of England embarks on quantitative easing

oder direkt von der Quelle:
BoE: Bank of England Reduces Bank Rate by 0.5 Percentage Points to 0.5% and Announces £75 Billion Asset Purchase Programme

Das war wenig überraschend. Spannender schon die Bekanntgabe einer neuen 75 Milliarden Pfund (84 Mrd. Euro) schweren Sonderfazilität, mit der Assets angekauft werden sollen. Damit ist jetzt auch die Bank of England beim "Quantitative Easing" angekommen. Hauptsächlich sollen Staatanleihen zurück gekauft werden, damit auch bei langen Laufzeiten die Zinsen sinken.

Das ist IMHO ziemlich unspannend und ich sehe dort nicht wirklich das Problem.

Die EZB meldete um 13:45 die Senkung des Leitzinses von 2,0% auf 1,5%. Erwartet wurde eine Senkung um 0,5%.

ECB: 5 March 2009 - Monetary policy decisions

Update (22:46)

Auch Willem Buiter fragt sich, was der Kauf der Gilts der BoE bringen soll:

Two yawns for the Bank of England today

Mittwoch, März 04, 2009

Zahl des Tages (04.03.09): 5.178.835.253

Wer heute einen neuen Grund für die aktuelle Krise kennen lernen möchte ... Hier ist einer:

Der Finanzsektor in den USA hat zwischen 1998 und 2008

5.178.835.253(5,128 Mrd) Dollar

für Wahlkampfhilfen und Lobbying ausgegeben.

Kein Zufall, dass in dieser Zeit

  • die Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken einerseits und Banken und Versicherungen andererseits aufgehoben wurden,
  • Off-Balance-Geschäfte erlaubt wurden,
  • die SEC in ihrer Personalausstattung und ihren Kompetenzen beschnitten wurden,
  • Regulierungen für Derivate gestrichen wurden,
  • Fannie und Freddie immer größer wurden und immer spekulativere Kredite vergaben,
  • die Eigenkapitalanforderungen auf Risikogewichtung umgestellt wurden und damit in die Hände von Finanzmathematikern fielen,
  • Ratingagenturen strukturierte Anleihen im Auftrag des Kunden schnüren UND bewerten konnten
  • die Eigenkapitalanforderungen für Investmentbanken komplett abgeschafft wurden
  • und vielleicht am Wichtigsten: Die Monopolbehörde die Zusammenschlüsse nicht untersagte, die am Ende dazu führten, dass mehr und mehr Firmen "too big to fail" wurden.
Alles kein Zufall ...

Pressemitteilung:
Wallstreetwatch.org: $5 BILLION IN POLITICAL CONTRIBUTIONS BOUGHT WALL STREET FREEDOM FROM REGULATION, RESTRAINT, REPORT FINDS

oder die vollständige Version:

Sold Out: How Wall Street and Washington Betrayed America (PDF!)

Das sind etwa 100 Seiten Text und 150 Seiten Auflistung der finanziellen Details.

Ich als unseriöser Blogger habe natürlich nur die Zusammenfassung gelesen. Die Profijournalisten werden Euch morgen nach der Lektüre der 250 Seiten mit einer detaillierten Analyse beglücken. Vielleicht aber kommt die Story auch nirgendwo ;-)

Update (22:53)

Übrigens ist die Liste auch noch mal eine schöne Sammlung für die These, dass der Staat es wahrscheinlich auch nicht besser machen würde als die freie Wirtschaft. Die Politiker waren an den grundlegenden Fehlentscheidungen, die die Basis für die Krise legten, mitbeteiligt.

Update (5.3.09)

Kurzzahl (5,12 Mrd. korrigiert auf 5,18 Mrd)

Update (06.03.09)

Kleiner Nachtrag, damit an einem Beispiel klar wird, wer zu den Spendern gehörte:

Fox News: Madoff Made Hefty Political Contributions to Top Officials

Zweitschlimmste Baisse aller Zeiten

Habe ich vielleicht übersehen, aber hat das wirklich niemand geschrieben?

Der Dow Jones Industrial Average hat sich vom Allzeithoch bei über 14.000 Punkten inzwischen mehr als halbiert. Damit ist (wenn die Übersicht der Bärenmärkte aus Wikipedia stimmt) die aktuelle Bewegung erst die zweite in der Geschichte des Dow Jones Industrial Average (und den gibt es schon lange), in der sich die Kurse mehr als halbiert haben.

Schlimmer war bisher nur die Baisse 1930-32 in der Weltwirtschaftskrise, in der es unvorstellbare 84% 86% Minus gab ...

Dienstag, März 03, 2009

Zahl des Tages (03.03.09): 294.000.000.000

Dem deutschen Rettungsfonds SoFFin liegen aktuell (neben 20 Voranfragen) konkrete Anträge in Höhe von

294.000.000.000 (294 Mrd.) Euro

vor. Davon stammen 31 Milliarden Euro aus dem Februar.

197 Milliarden Euro davon wurden bereits genehmigt. Allerdings ist (wie geplant) nur der kleinere Teil (19 Mrd.) wirklich hartes Geld, das als Eigenkapital oder stille Einlage in die Bank gelaufen ist. Die 19 Mrd. sind im Wesentlichen die Hilfen für die Commerzbank, die 8+8,2 Mrd. stiller Einlagen + 1,8 Mrd. Eigenkapital bekommen hat). Der Rest sind "nur" Garantien, von denen deutlich über die Hälfte an die HypoRealEstate gingen.

Spiegel: Deutsche Banken beantragen 294 Milliarden Euro Staatshilfe

Wer sich also gefragt hat, warum die Risikoaufschläge auch für den soliden Schuldner Deutschland gestiegen sind (Zahl des Tages (01.03.09): 90) findet hierin den Grund ...
294 Mrd. zusätzlicher Haftung (und kein Ende absehbar) machen die Schuldner scheinbar schon etwas nervös ...

US-Automobilverkäufe Februar 09: minus minus minus und ein Plus

Ein nicht enden wollendes Desaster:

GM -53%
Ford -48%
Toyota -40%
Volkswagen -17%
Nissan -37%
Daimler (inkl. Smart) -21% (Smart allerdings +29%)
BMW (inkl. Mini) -24%, ohne Mini -35%

Spiegel: US-Autoabsatz bricht dramatisch ein

Charttechnisches Desaster voraus? Kursziel Null!

Der Markt Heute (3.3.09) bringt heute morgen einen wirklich langfristigen Chart des S&P 500 ab 1930. Dass die Bodenbildung, auf die man vor 10 Tagen im Dow noch hoffen konnte, erfolglos abgebrochen wurde, dürfte sich herumgesprochen haben. Der Dow ist allerdings ein ziemlich doofer Index (mathematisch zu schlecht, mit 30 Werten viel zu schmal), spannender ist der S&P 500. Dieser hat aber spätestens seit dem Minus von gestern ebenfalls seinen alten Boden kassiert. Damit haben wir jetzt ein charttechnisch sehr sauberes, sehr langfristiges Doppelhoch:



Nach dem Lehrbuch der Charttechnik bedeutet das jetzt, dass der Index noch einmal die gleiche Wegstrecke vor sich hat, die zwischen dem Hoch und dem Zwischentief liegt. Das sind von gut 1500 bis ca. 800 Punkte etwa 700 Zähler. Da wir gestern bei 700 Punkten lagen, ergibt das ein Kursziel von Null. (OK,ok, manche messen diese Bewegungen nicht absolut in Punkten, sondern prozentual, aber auch das gibt nochmal ein Minus von etwa 50%).

Merkt man, dass ich von Charttechnik nicht so wahnsinnig viel halte? Ich glaube schon. Die Experten von HSBC Trinkaus sind auch optimistischer und diskutieren "nur" über einen Test das langfristigen Aufwärtstrends seit 1932(!). Dieser liegt bei etwa 536 Zählern. Das ist aber immerhin nochmal ein Minuspotenzial von etwa einem Viertel.

Man sollte das Ganze nicht überbewerten, aber immerhin hat die Charttechnik mit dem Doppelhoch-Verdacht nach dem Verlassen des Aufwärtstrends ein glasklares Verkaufssignal geliefert. Eines, das die meisten im Nachhinein wohl gerne befolgt hätten ...

Übrigens: Der DAX hat das Doppeltop noch nicht vollendet und sieht in dieser Hinsicht besser aus. Das aber nur, weil im DAX der Einbruch 2000-2003 noch dramatischer war und daher noch Luft bis zum Tief von 2003 ist. Das nützt dann aber auch nicht mehr viel, denn die Aktien haben im DAX auch ohne abgeschlossene Doppeltopformation noch 40% Luft nach unten ...

Dafür-zahl-ich-nicht

Habe ich schon gestern vorbereitet, aber der Hinweis bietet sich nach dem Betrachten der Beckmann Sendung von gestern (Gestern bei Beckmann ...) einfach an:

www.dafuer-zahl-ich-nicht.de

gefunden über: Telepolis: Dafür zahl' ich nicht

Aber man kann die Diskussion über das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch anders als über die Qualität führen. Komisch, dass das Thema so relativ wenig Aufsehen erregt:

Tagesspiegel: ZDF beteiligte sich an Kosten für Becks Geburtstagsfeier

Krassestes Zitat in diesem Zusammenhang:

"Es ist klug, wenn man gemeinsam einlädt und so spart.", Martin Stadelmaier, Kurt Becks Staatskanzleichef.

Und richtig schlecht wird mir, wenn man sich das Gehampel um den nächsten ZDF Chefredakteur anschaut.

Spiegel: "Das ZDF gehört nicht der CDU"

Auch darin ein Stelle mit einem schönen Zitat von Kurt Beck:

Er [Kurt Beck] rief die "nicht so eng gebundenen Mitglieder" im ZDF-Verwaltungsrat dazu auf, in der Debatte über Brenders Vertragsverlängerung dem Sender nicht mit parteipolitischen Machtspielen zu schaden.
Was genau war noch mal der Grund dafür, das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht (wie es am einfachsten wäre) über Steuern zu finanzieren, sondern über die GEZ Gebühr? Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien von der Politik? Von der Politik, die bis in die Besetzung des Chefredakteursposten mitbestimmen will? Unabhängigkeit, obwohl die Kontrollgremien scheinbar überwiegend mit "eng gebundenen Mitgliedern" besetzt sind, die vorwiegend Parteiinteressen vertreten?

Man könnte sich angesichts dieses Skandals auch direkt Gedanken über das öffentlich-rechtliche Fernsehen an sich machen. Auf die verfassungsgemäße Grundlage der "Staatsferne" deuten die Vorgänge oben nicht wirklich hin.

Ich finde trotzdem nicht, dass man das öffentlich-rechtliche Fernsehen abschaffen sollte. Aber das System mit der GEZ ist komplett überflüssig und kostet nur Geld (und macht den Bürgern überflüssig Arbeit). Und das ÖR-Fernsehen würde ich gerne besser machen und nicht blockieren. Daher finde ich die Aktion oben erwähnenswert ...

Spiegel: "Der ZDF-Chefredakteur ist angezündelt"

Spiegel: Wie Koch das ZDF schlechtmacht

Übrigens ist das eine schöne Geschichte, die zeigt, warum damals Roland Koch abgewählt wurde. Wegen solcher Geschichten. Nur dumm, dass die Herausfordererin sich mit einem Wortbruch sofort auf die gleiche moralische Ebene begeben hat ...

(Update: Datum auf heute gesetzt)

Update (5.3.09)

Kreymeier, der Macher hinter fernsehkritik.tv und www.dafuer-zahl-ich-nicht.de ist jetzt scheinbar seinen Job beim NDR los:

Der NDR dazu:

Herrn Kreymeier wurde lediglich mitgeteilt, dass - vor dem Hintergrund seiner Initiative 'Dafür zahl' ich nicht' - eine Fortsetzung der Zusammenarbeit überprüft werden müsse.


So geht man mit Leuten um, die das Fernsehen besser machen wollen ... Da freut man sich doch jedes Mal ein wenig mehr, wenn das Geld abgebucht wird.

Spiegel: Herr Heidenreich vom NDR

Telepolis: Dafür zahlen wir nicht

Gestern bei Beckmann ...

Normalerweise schau ich mir den Schmuh nicht an (Zeitverschwendung), aber gestern kündigten sich Steinbrück, Blessing (Commerzbank-Chef) und ein Mann mit Asperger-Syndrom, einer relativ leichten Form des Autismus, an.

Die Kritik muss eigentlich in Richtung Beckmann gehen. Was die ersten beiden Gäste anging, verstand es Beckmann leider nicht, irgendwie zum Verständnis oder zur Analyse der Krise beizutragen. Seine Fragen sind für mich genau der Grund, warum ich solche Sendungen normalerweise nicht schaue: Jedes Thema einmal kurz anreissen und sich dann von den vorgefertigten Antworten abspeisen zu lassen. Schlimmer noch: Das dauernde Stellen von unbeantwortbaren Fragen: Wie weit wird es noch nach unten gehen? Reichen die Hilfen aus? Es reicht wirklich, wenn man die Frage *ein*mal stellt und dann vielleicht nochmal nachfragt, warum das niemand beantworten kann. Das hätte vielleicht was erklärt. Dreimal die gleiche Frage zu stellen lohnt aber nicht.

Bemerkenswertester Moment IMHO: Blessing auf die Frage, ob die Commerzbank ohne Staatshilfe Pleite wäre:
"Nein".
Da wäre ich mir aber nicht so sicher. Dass die CoBa wirklich Pleite wäre, kann man schlecht beweisen. Aber die DreBa Übernahme ohne Staatshilfe kann ich mir nicht vorstellen. Und dass die Commerzbank während der Übernahme nicht mindestens die Mindestkapitalanforderungen des BaFin gerissen hätte, kann ich mir auch nicht vorstellen. Damit wäre sie zumindest unter Zwangsverwaltung gefallen.

Ansonsten gab die Sendung nicht so viel her, oder was meint ihr?

Beckmann wurde besser, als er sich mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten seines "Asperger-Gastes" beschäftigen durfte. Diese hatte (kaum nachprüfbar) sein (gutes) Deutsch in nur einer Woche gelernt. Schon beeindruckend.

Wobei mich das hier noch mehr aus der Latschen haut:



Eine andere Meinung zur Sendung gibt's (u.a.) im Handelsblatt:

Handelsblatt: Martin Blessing, oder: Betroffen bei Beckmann

Die Sendung gibt's noch nicht online, dafür muss man wahrscheinlich die Wiederholungen abwarten:

Wiederholung der Sendung vom 2. März 2009:

Montag, 2. März, 1.15 Uhr (NDR)
Dienstag, 3. März, 9.35 Uhr (MDR)
Dienstag, 3. März, 0.35 Uhr (RBB)
Dienstag, 3. März, 1.00 Uhr (hr-fernsehen)
Freitag, 6. März, 10.15 Uhr (3sat)

Ich empfehle die Sendung aber nicht wirklich.

Montag, März 02, 2009

Zahl des Tages (02.03.09): 74

OK, die Zahl ändert sich täglich, aber ab und zu kann man sie mal als Punkt festzurren ...

115 Mrd. Dollar hat der Marshallplan (inflationsbereinigt) gekostet. Die Zusagen der US-Regierung umfassen im Moment 8,5 Billionen Dollar.

Das Rettungspaket ist damit

74

mal so groß wie der Marshall-Plan. Die Rettung der US-Finanzbranche kostet also ein Mehrfaches von dem, was der Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg gekostet hat.

Vielleicht sollte man Amerika einfach aufgeben und das Geld in Nigeria oder so stecken. Und in 20 Jahren floriert da alles und wir wandern dahin aus ;-)

Alea: U.S. Bailout = 74 Marshall Plans ( and counting… )

Bild kaputt ...

Also früher haben sich Fußballspieler noch verletzt und sind nicht kaputt gegangen ...

Man, was 'ne schlechte Überschrift ...

Vander kaputt! Muss ein Nobody ins Werder-Tor?

Zahl des Tages (01.03.09): 5%

Ich gebe zu, direkt das nächste monatliche Update einer Zahl wieder als Zahl des Tages zu bringen, ist irgendwie langweilig. Wer aber mein Blog schon vor zwei Jahren gelesen hat, weiss, wie sehr ich davon überzeugt war, dass die US-Verbraucher nicht einfach weiter machen können und permanent mehr Geld ausgeben können, als sie verdienen und die Lücke über steigende Hypotheken zu decken. Daher ist die Wiederentdeckung des Sparens durch den US-Verbraucher so beeindruckend, dass ich die Zahl doch noch mal bringen. Auch weil der Umschwung so kräftig ist.

Im Januar stiegen die verfügbaren Einkommen um 1,5%, die Ausgaben nur um 0,4%. Zwar mag das überraschend starke Einkommenswachstum auf einen Einmaleffekt bei der Auszahlung der Gehälter der öffentlichen Angestellten zurückzuführen sein, aber das ist nur ein Grund mehr, sich diese Zahlen auch im nächsten Monat wieder anzuschauen ;-) Beide Zahlen haben natürlich auch von der fallenden Inflation profitiert, die auf 0,7% (bzw. 1,6% in der Kernrate) gesunken ist.

Aus all diesen Faktoren errechnet sich eine Sparrate der amerikanischen Privathaushalte von

5,0%

für den Januar 2009. Wohl gemerkt plus 5,0%;-). Damit ist die Sparrate auf einem Niveau, das ich als "ausreichend", wenn auch nicht superkomfortabel bezeichnen würde.

Jetzt ist die Sparrate so hoch wie zuletzt vor 14 Jahren. Das zeigt aber auch, dass die Krise nicht so schnell vorbei sein wird. Die Phase des "Überkonsums" war lang, viel zu lang. Und die Aufräumarbeiten dafür können nicht in ein paar Monaten geleistet werden.

Marketwatch: Savings rate rises to 14-year high in January
oder direkt von der Quelle: Bea.gov: PERSONAL INCOME AND OUTLAYS - January 2009

Und dummerweise jetzt, wenn die US-Wirtschaft Ausgaben und Konsum benötigt, sparen die Verbraucher. Aber das habe ich alles schon letzten Monat gesagt:
Zahl des Tages (02.02.2009): +3,6%

Update (21:22)

Ich hab noch einen schönen Chart der Savings Rate gefunden:



gefunden über Infectious Greed: U.S. Savings Over Time, the Interactive Edition

AIG bekommt nochmal 30 Mrd. Dollar - Verlust 61,6 Mrd.

So löst man die (technischen) Probleme mit dem Staatseinstieg bei der AIG. Da der Staat nicht mehr als 79,9% an der AIG(-holding) übernehmen darf, gibt es jetzt wohl einen direkten Staatseinstieg bei den Tochtergesellschaften. Interessant sind vor allem die beiden Lebensversicherungstöchter AIA und Alico. An diesen beteiligt sich der Staat jetzt direkt, in welcher prozentualen Höhe habe ich aber noch nicht herausgefunden (UPDATE: Der Anteil steht noch nicht fest, es muss erst noch bewertet werden). Außerdem wird das "normale" Versicherungsgeschäft in eine neue Gesellschaft namens AIU Holdings ausgegliedert. Das soll den Einstieg von Investoren (oder am Ende doch nur des Staats?) erleichtern. Auf jeden Fall ist die AIG damit defakto zerschlagen.

Die neuen 30 Mrd. Dollar kommen aus dem Rettungspaket TARP. Die Hilfen aus dem TARP summieren sich inzwischen auf 70 Mrd. und machen damit ein Zehntel des gesamten Rettungspakets aus. Insgesamt hat der Staat die AIG mit etwa 150 Mrd. Dollar unterstützt. Diese Summe erhöht sich aber nur wenig, weil die AIG auch einige direkt gewährte Kredite im Gegenzug zu den 30 Mrd. neuer Hilfen zurückzahlen will.

FTD: Regierung stützt AIG mit 30 Milliarden
FAZ: 30 Milliarden Dollar weitere Hilfe für AIG
Marketwatch: Treasury, Fed in pact to give AIG new $30 billion injection

Update (12:38)

Der Verlust ist jetzt raus:

AIG reports fourth-quarter loss of over $61 billion
oder direkt von der Quelle: AIG: AIG REPORTS FOURTH QUARTER AND FULL YEAR 2008 LOSS

Zur Ausgliederung der beiden Lebensversicherungstöchter:

AIG: AMERICAN INTERNATIONAL ASSURANCE COMPANY TO BE PLACED IN SPECIAL PURPOSE VEHICLE

AIG: AIG TO FORM AIU HOLDINGS, INC., A GLOBAL PROPERTY CASUALTY HOLDING COMPANY FOR ITS GENERAL INSURANCE BUSINESSES

Update (13:07)

Das Wall Street Journal hat noch mehr Details, u.a. zu der von mir bisher unterschlagenen Neustrukturierung des 80%igen Staatsanteils, der leicht auf 77,9% sinkt. Die Vorzugsaktien werden in neue Vorzugsaktien umgetauscht, die näher an normalen Stammaktien sind, aber vor allem keine Zinsszahlung mehr beinhalten. Die AIG musste immerhin 10% Dividende auf die Vorzugsaktien im Wert von 40 Milliarden Dollar zahlen (also 4 Milliarden pro Jahr).

Auch die "normale" Kreditlinie soll von 60 auf 20 bis 25 Milliarden Dollar sinken.

Dass die Bedingungen für die Umtauschaktionen für den US-Steuerzahler günstig sind, ist stark zu bezweifeln. Nachrechnen kann man das aufgrund der komplexen Konstruktion und der noch ausstehenden Bewertung der Lebensversicherungstöchter sowieso nicht. Am Ende ist das IMHO eh nur das Eingeständnis, dass die AIG bei marktgerechten (also nicht staatlich subventionierten) Finanzierungskosten nicht überlebensfähig ist.

WSJ: U.S. Extends AIG Bailout by up to $30 Billion

Update (13:44)

Noch eine andere gute Quelle:

Federal Reserve: U.S. Treasury and Federal Reserve Board Announce Participation in AIG Restructuring Plan

Update (13:50)

Und noch was Deutschsprachiges:

FTD: USA warnen schon vor neuen AIG-Hilfen

Update (13:53)

Die 61,7 Mrd. Dollar sind übrigens der höchste Quartalsverlust aller Zeiten.

HSBC mit 14 Mrd. Kapitalerhöhung

Etwa 12,5 Milliarden Pfund Kapitalerhöhung für die vor kurzem noch wertvollste Bank, die bisher scheinbar gut durch die Krise gekommen ist. Die HSBC gehört mit JPMorgan Chase und Santander zu den Banken, die sich vergleichsweise gut gehalten haben, was aber in diesen Zeiten auch etwa einer Werthalbierung entspricht (siehe dazu auch: Große Blasen - Kleine Blasen).

Jetzt muss auch die HSBC ihr Kapital erhöhen und zwar deutlich um 12,5 Mrd. Pfund (etwa 14 Mrd. Euro). Für 12 alte Aktien kann man 5 neue zu einem Preis von 254 Pence zeichnen. Der aktuelle Börsenkurs liegt nach einem Minus von etwa 15% heute immer noch über 400 Pence. Die Verwässerung der Altaktionäre liegt bei etwa über 40%.

Der Gewinn ist eingebrochen (-70%), die Dividende wird gekürzt (-64%). Aber immerhin macht die HSBC noch Gewinn, was vor allem am starken Asiengeschäft liegt. Die Hongkong and Shanghai Banking Corporation ist dort (wie der volle Name der HSBC schon andeutet) historisch sehr stark.

Gleichzeitig soll das US-Geschäft massiv zurückgefahren werden. Praktisch das gesamte Privatkundengeschäft soll aufgegeben werden. Fast alle der aktuell 800 Filialen werden geschlossen. *Das* sind allerdings Entscheidungen, die vor 2 Jahren richtig gut gewesen wären ...

Immerhin muss man der HSBC zugestehen, dass sie eine der Banken ist, die mit einer Kapitalerhöhung noch Geld einnehmen kann. Davon träumen die meisten Konkurrenten, denn diese haben beim aktuellen Börsenkurs keine Chance mehr auf eine signifikante Menge Geld per Kapitalerhöhung. Da hilft wie bei der Citigroup nur noch eine Kapitalerhöhung zu völlig überhöhten Kursen, die am Ende der Staat zeichnen muss (siehe Citi-State-Group ...)

Marketwatch: HSBC to shutter U.S. operations, raise $17.7 billion
Marketwatch: The good news, and bad, is it could've been worse
FT.com: HSBC plans £12bn-plus share issue
FTD: HSBC mit Rekord-Kapitalerhöhung

Woah! 35-MeterEinwürfe ...

Auch wenn ich es kaum schaffe, ich schreibe zwar was über Fußball, aber nix über RWO (auch wenn wir auf dem besten Wege sind, des Wunders zweiter Teil zu schaffen ...). Etwas, was ich gerade über den Spiegel gefunden habe:



Spiegel: Der Einwurf-König von England

So einen Einwerfer müsstest du in der 2. Liga haben! Der würde in jedem Spiel ein Tor vorbereiten oder gar machen ... Aber selbst in der Premier League ist der immer für ein Tor gut, weil die Abwehrreihen darauf nicht wirklich vorbereitet sind. Es gibt beim Einwurf kein Abseits, was die ganze Abwehrarbeit anders macht ...

Sonntag, März 01, 2009

Zahl des Tages (01.03.09): 90

Es gibt gerade in Deutschland eine gewisse Neigung mit Häme auf die Probleme der USA zu schauen. Gerade bei den CDS lässt sich ein vor einem Jahr nicht vorstellbares Länderrisiko bei den Staatsanleihen der USA ablesen. Die Höhe, die die Kosten für die Kreditversicherung für US-Staatsanleihen erreicht hat, ist zwar immer noch erschreckend, nur sieht die Situation für Deutschland kaum besser aus.

Inzwischen kosten die USA und Frankreich 94 Basispunkte, Japan 97 und Deutschland

90

Basispunkte.

Die Unterschiede zwischen den vier großen Ländern aus der G7 Gruppe sind wieder deutlich geschrumpft. Der Abstand zu Großbritannien (164) und Italien (190) bleibt aber groß. Österreich kostet übrigens 264, Lettland fast 1000 :-(

Übrigens kostet auch Berkshire Hathaway fast 450 Basispunkte. Das ist kein wirklich gutes Zeichen für die, ich nenne sie mal, "letzte Bastion des konservativen Investments" ...

Here comes the Wall Street Meltdown - Redux

Früher wurde sowas immer dankbar bei Zeitenwende.ch aufgenommen, aber das Blog ist ja leider leider nicht mehr. Daher kümmer ich mich jetzt um so was ...



The Big Picture: Wall Street Meltdown - Redux

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