Bitte bitte macht das und lasst den Steuerzahler außen vor. Ich befürchte aber, dass der Deal sooo nicht aussehen soll ... OK, er sieht nicht so aus. Solarworld möchte 1 Mrd. für Opel bezahlen, aber auch 40.000 Euro pro Arbeitsplatz vom Staat bekommen. Was dann 1 Mrd. Euro ergibt und damit einen Kaufpreis von Null.
FAZ: Solar-Konzern will Opel-Werke übernehmen
GM hat übrigens schon abgewunken: Spiegel: General Motors lässt Solarworld-Chef abblitzen
Ansonsten lasst den Laden einfach Pleite gehen, niemand wird Opel vermissen. Die Automobilindustrie hat weltweit (vor allem in Europa und den USA) Überkapazitäten. Irgendjemand muss da ein paar Werke schließen. Jeder Arbeitsplatz der heute mit Steuergeldern bei Opel gerettet wird, ist einer, der dann später bei VW, BMW, Daimler, Ford, etc. wegfällt.
Der deutschen Bauindustrie ging es auch lange schlecht. Gerhard! Gerhard! hat dann Holzmann gerettet und ein paar Jahre später waren die dann doch Pleite. Was hat das gebracht? Viele mittelständische Baufirmen sind Pleite gegangen. Und die mit ausreichend Kapital haben sich durch die Krise geschleppt, aber jahrelang kein Geld verdient. Als dann Holzmann endgültig Pleite war, kam die überfällige Marktbereinigung, die Branche konnte wieder Geld verdienen und in der Folge waren die Arbeitsplätze auch wieder sicher.
Ich möchte die Opel-Diskussion eigentlich gar nicht führen, das wird schließlich überall gemacht. Dabei gibt es kaum Überraschungen. Die üblichen Verdächtigen (FR, Bofinger, et al) sind für Hilfe bzw. Verstaatlichung, auf der anderen (neoliberalen) Seite (FAZ: Wettlauf um Staatshilfe) ist man sehr zurückhaltend mit der Hilfe und bringt die üblichen, viel zu abstrakten Argumente. Einige Kern-Neoliberale zeigen jedoch Sympathie für eine Rettung (FAZ: Hüther: „Mit Bauchschmerzen: Opel muss gerettet werden“). Wenig überraschend dagegen, dass aus der Heimat von BMW und Audi von der CSU Kritik an der Hilfe mit Steuergeldern für Opel kommt (FTD: Unionspolitiker meutern gegen Opel-Hilfen).
Den Merkelschen Aussagen, dass die Hilfe eine einmalige Sondersituation sei, glaube ich kein Wort. So wie sich die Politiker im Ausgeben von Steuergeldern ähm helfen von Opel überbieten, so werden sie das auch beim nächsten Mal machen. Die Bevölkerung denkt natürlich einfach: Wenn man den Bonzen von den Banken hilft (die zudem noch Schuld sind), dann muss man den armen Arbeitern bei Opel doch auch helfen. Zur Motivation der Politiker: Spiegel: Chefsache Firmenrettung
Ich würde nur gerne einen Kontrapunkt setzen und zwar zu dem Gerücht, dass Opel eine "gesunde" Firma sei, die nur von den bösen Amis ausgesaugt wurde.
"Das Eigenkapital sank im selben Zeitraum von 1.692Mio Euro in 2005, auf 976Mio Euro in 2006 und 914Mio Euro in 2007. Und besagte 914Mio kamen auch nur dadurch zustande, dass der General Motors-Konzern eine Schuldverschreibung (an sich selbst) in Höhe von 300 Mio Euro in die Kapitalrücklage der Opel GmbH einlegte"
Weissgarnix: Opel - Anspruch und Wirklichkeit (extrem lesenswerter Artikel!)
Eine vernünftige Bilanzanalyse einer Firma in einem Konzernverbund ist extrem schwierig, weil beide Firmen immer ausreichend Rädchen haben, an denen sie drehen können, um Gewinne da entstehen zu lassen, wo es steuerlich am günstigsten ist (oder wenn man Verluste vertuschen will). Aber eine Firma, deren Eigenkapital von 1692 Millionen auf 614 Millionen in nur 2 Jahren gesunken ist, ist alles andere als gesund. Das Argument "Opel hat kein eigenes Rating und kann sich daher kein Geld am Kapitalmarkt besorgen" ist Quark. Denn wenn die ein Rating hätten, wäre das bei der miserablen Eigenkapitalausstattung wahrscheinlich noch schlechter als das von GM.
Zu Opels verfehlter Modellpolitik:
Spiegel: Zick-Zack-Kurs am AbgrundOpel hat in den letzten 10 Jahren den Marktanteil in Deutschland mehr als halbiert:
FTD: Wie es um Opel stehtZum Thema GM saugt Opel aus?
Spiegel: General Motors pumpt Milliarden in OpelUnd noch ein paar harte Worte (lohnenswert allein schon wegen der Worte zu Glos):
Tagesschau.de "Staat darf nicht für hausgemachte Verluste geradestehen"Oder das hier: "Opel war jahrelang auf Hilfen angewiesen und steht derzeit fast ohne Liquidität da" aus
Spiegel: Wie Opel zu retten ist - und wie nicht.Nein, Opel ist keine gesunde Firma. Das traut sich nur keiner, der gewählt werden möchte, den Opelianern ins Gesicht zu sagen.
Auch zum Thema:
Weissgarnix.de: Wäre eine Opel-Pleite ein Fall für den Staatsanwalt?Wer jetzt aber meint, Opel würde GM verklagen, irrt. U.U. könnte nämlich Opel wegen Untreue verklagt werden, weil die ihrer Mutter noch einen Kredit gegeben haben, der aber mglw. nicht mehr einklagbar ist.
Die aktuellen Nachrichten:
FAZ: Opel beantragt 1,8 Milliarden Euro-BürgschaftTagesschau.de: Auto-Produktion wird gedrosselt - Opel hilft sich selbstIch gebe mich übrigens keine Sekunde der Idee hin, dass Opel nicht gerettet wird. Die Mechanismen sind zu eindeutig, die Weichen viel zu klar auf "staatliche Aktion" gestellt. Schließlich ist Wahlkampf in Hessen und Thüringen.
Berliner Morgenpost: Warum die Regierung Opel helfen wirdRichtig Bauchschmerzen habe ich mit der Tatsache, dass eigentlich niemandem klar ist, *wie* Opel überhaupt gerettet werden kann. Wenn Opel Geld bekommt, besteht immer die Gefahr, dass das Geld in den USA abfliesst. Beide Seiten geben sich gegenseitig Kredite, man kann das nicht wirklich verhindern (Siehe dazu den Weissgarnix Artikel mit dem Staatsanwalt). Spätestens wenn GM insolvent wird und unter Gläubigerschutz fällt, hat Opel *keine* Möglichkeit mehr, die an GM vergebenen Kredite von GM zurückzufordern. GM hingegen ist sogar gezwungen, die Kredite von Opel zurückzufordern, um die Gläubiger zu bedienen (deshalb folgen die Töchter meistens der Mutter in die Pleite).
Und Opel herauslösen aus GM? Opel baut einige Modelle mit asiatischen GM Töchtern (z.B Isuzu) zusammen. Einige Modelle von Opel werden weltweit verkauft. Es gibt neben dem Finanzaustausch auch Technologieaustausch. Nicht jede Tochter von GM baut jeden Motor. Opel baut meines Wissens keinen eigenen Dieselmotor mehr. Das wird ein äußerst komplexes , um nicht zu sagen unmögliches,Vorhaben.
Und: Ist Opel überhaupt groß genug, um allein zu überleben? Ich bezweifle das. Ein paar Überlegungen zu dem Thema finden sich hier:
DerWesten.de: Fährt Opel alleine besser?Und eine europäische Lösung? Opel+Saab+Fiat? *Das* hört sich zwar direkt an wie der Club der Fußkranken, aber könnte die nötige Größe bieten, technisch arbeitet man auch schon zusammen und auch regional könnte man sich aufteilen (Fiat macht Südamerika, Opel Nordamerika, etc). Aber ich bin mir sicher, dass die Politiker mit "europäischer Lösung" nicht viel mehr meinen, als noch mehr Geld auszugeben und dafür zu sorgen, dass man am besten das Geld der
Anderen für die Lösung der eigenen Probleme ausgibt ...
In den letzten Jahren sind schon wesentlich einfachere staatliche Rettungsaktionen danebengegangen. Ich wüsste keinen einzigen Grund, warum es diesmal besser klappen sollte ... So leid es mir für die Opelianer tut ...
* Holzmann: Rettung ohne Substanz
* Mobilcom: Vorübergehende Rettung
* Siemens/BenQ: Rettung ohne Perspektive
* Nokia: Abwanderung statt Rettung
* IKB und Hypo Real Estate: Rettung auf Probe
FTD: Wenn Politiker um Firmen kämpfenMeine Empfehlung an die deutsche Politik:
a) Verstaatlichen, Lösung mit Fiat anstreben, ansonsten abwickeln.
oder
b) nix tun.
Was meint ihr?