Sonntag, November 30, 2008

Zahl des Tages (30.11.08): 16,5

Um

16,5%

sollen laut einer Schätzung von Börse Online die Dividenden der DAX-Mitglieder im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr sinken.

Eigentlich ist diese Zahl aber gar nicht so spannend, denn wichtiger ist es, was die Dividenden für das nächste Jahr machen. 2008 war (bis auf den Finanzsektor) für die meisten Firmen noch ein überwiegend gutes Jahr. Sollte allerdings das ganze Jahr 2009 so schlecht werden wie das letzte Quartal 2008 es wohl ist, dürfte das Ausmaß der Dividendensenkung noch mal eine ganze Ecke größer werden als die 16,5% von diesem Jahr.

Samstag, November 29, 2008

Zahl des Tages (29.11.08): 2,92

2,92 %

beträgt die aktuelle Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe. Ende Oktober lag die Rendite noch bei knapp 4%. Die 2,92% sind auch im historischen Vergleich ziemlich niedrig. Wie auffällig niedrig die Rendite ist, sieht man auch im Vergleich zur Dividendenrendite im S&P 500. Diese liegt nämlich für die bereits gezahlten Dividenden der vergangenen 12 Monate bei 3,48% (Barrons: PE, Yield). Und dass die Dividenden höher waren als die Rendite von Anleihen, gab es seit 1958 nicht mehr.

Seit Barry Ritholtz das in seinem Blog gemeldet hat, gab es aber schon wieder den nächsten "Kreuzer". Jetzt ist nämlich auch die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe auf nur noch 3,44% und damit unter die Dividendenrendite gefallen. Wie lang es das nicht mehr gab, weiss ic leider nicht,

Ritholtz.com: S&P500 Dividend Yield vs 10 Year Treasury
Bloomberg: S&P 500 Payout Tops Bond Yield, a First Since ‘58: Chart of Day

Vor gut 16 Monaten schrieb ich noch: Staatsanleihen - Die einzige sinnvoll bewertete Assetklasse?. Es könnte sein, dass jetzt genau das Gegenteil erreicht ist ... Aber darauf würde ich mich nicht festlegen.

Freitag, November 28, 2008

Rettungsplan für BayernLB steht - Plötzlich sind's 30 Mrd.

21.10.2008: Die ersten 5,4 Mrd vom Staat gehen an ... die Bayern LB.
26.11.2008: Bayern LB braucht 10 Mrd. Euro?!?

29.11. (heute):

Die BayernLB bekommt über 30 Mrd Euro. Zu den 10 Mrd. neuem Eigenkapital (70% von Bayern, 30% vom Bund) kommen nochmal 6 Mrd. Garantien für kritische Papiere und "vorsorglich" nochmal 15 Mrd. aus dem Rettungsfonds.

Welt: 30 Milliarden Euro sollen BayernLB retten

Royal Bank of Scotland jetzt staatlich

Oh welch eine Überraschung! (Fast) Niemand hat die Kapitalerhöhung der Royal Bank of Scotland gezeichnet. Glücklicherweise war diese Kapitalerhöhung staatlich garantiert und alle neuen Aktien, die nicht verkauft werden konnten, gingen an den Staat. Scheinen ja nicht gaaanz so dolle Aktien zu einem nicht gaaaanz so dollen Preis gewesen zu sein ...

Weil es dabei um eine richtig große Kapitalerhöhung ging, hält der englische Staat jetzt die Mehrheit (58%) an der RBS. Der Staat will die Anteil nur vorübergehend halten. Schau'n mer mal, ob sich die Hoffnung erfüllt. Oder ob der Staat am Ende nicht noch mehr an der RBS hält, besser halten muss ...

FAZ.net: Britischer Staat wird Großaktionär

Und die Zertifikate von ABN Amro heißen immer noch ABN Amro. "Das ABN AMRO-Expertenteam ist jetzt unter dem Dach der Royal Bank of Scotland - das ist die perfekte Verbindung von Erfahrung und Vielfalt" heißt es in den aktuellen Anzeigen für die Zertifikate und Optionsscheine. Bevor man sich die Mühe macht, die Scheine in RBS umzubenennen, könnte man die ja vielleicht direkt in BoE (Bank of England) umbenennen ;-)

Mein Artikel bei der Ankündigung der RBS-Kapitalerhöhung:
UK: Banken bekommen Geld und ein Chef fliegt

Update (14:55)

Fast niemand bedeutet übrigens, dass nur 0,24% der Aktien verkauft werden konnten. An wen auch immer. 99,76% gingen an den Staat.
FT Alphaville: Worst rights flop ever?

Zahl des Tages (28.11.08): 1.560.000.000.000

1.560.000.000.000 (1,56 Billionen) Dollar

waren Ende Oktober in Hedgefonds investiert. Nach 40 Mrd. Dollar Abflüssen und einer desaströsen Performance sank die Gesamtsumme allein im Oktober um 155 Milliarden, also knapp 10%.

Marketwatch: Investors pull $40 billion from hedges in October

Update (29.11)

Drei Nullen ergänzt, die ich vergessen hatte ...

Donnerstag, November 27, 2008

Mal was zum Lachen ...

Interview mit Heiko Thieme: Was tun im derzeit schwierigen Börsenumfeld?

Nein, ich verlinke das nicht (Wer's wirklich will, kann's googeln). Denn erstens geht es auf eine Seite, die in den Kommentaren von Blogs rumspammt und von mir als "feindlich" betrachtet wird, zweitens möchte ich nicht, dass Euer Hirn von den Aussagen eines Fondsmanagers verwirrt wird, der a) *immer* optimistisch ist und b) einen seiner Fonds komplett vor die Wand gefahren hat und c) dieser Linie treu bleibt und noch Ende August AIG auf seiner Empfehlungsliste hatte. Autsch.

Man darf dem Thieme echt nicht zuhören. Das kann (wird?) bleibende Schäden verursachen.

Zu Heiko Thieme: Wikepedia: Heiko Thieme oder Capital: Der Schaumschläger

Darin wird er als "Wertvernichtungsmaschine" beschrieben. Womit der Gedanke naheliegt, dass der Thieme doch ein toller Vermögensverwalter für die KfW (Kreditanstalt für Wertvernichtung ;-) ) wäre ...

Zahl des Tages (27.11.08) : 2.988.000

2.988.000

Arbeitslose gab es im November in Deutschland.

Darüber können wir uns noch einmal freuen, aber es dürfte die letzte gute Zahl für die nächste Zeit gewesen sein.

Und wenn die Zahlen im nächsten Jahr doch nicht so stark steigen sollten wie ich befürchte, liegt es an einer klitzekleinen Manipulation der Arbeitslosenstatistik. A
lle Arbeitslosen, die durch private Träger betreut werden, sollen nicht mehr als arbeitslos gelten. Die Oktoberzahl lag laut FTD bei knapp 150.000. Wenn ich die Statistik richtig lesen, waren es im November 158.000.

FTD: Exklusiv Regierung frisiert Statistik für Arbeitslose

Die Zahlen direkt von der Quelle:
Bundesagentur für Arbeit: Ausführlicher Bericht über den Arbeitsmarkt in Deutschland.(PDF!)

UK: Immobilienpreise 0,4% /12,9% runter

0,4% im Monatsvergleich, 12,9% im Jahresvergleich im November laut Nationwide. Im Vormonat war das Jahresminus der Hauspreise noch bei 13,4%.

Die Zahl darf nicht überbewertet werden. Erstens macht eine Schwalbe noch keinen Sommer (vor allem im November ;-)) und zweitens gab es direkt zwei stützende Maßnahmen in Großbritannien: Der Leitzins sank um 1,5 Prozentpunkte und die Immobilienerwerbssteuer wurde gesenkt; (IIRC) für Immobilien unter 175.000 Pfund sogar auf Null.

FT Alphaville: UK house price collapse: moderating

Update (14:49)

Noch ein Link:

Creditwritedowns UK: House price fall moderates, prices still down 13.9% in year

Die US-Rettungspakete im grafischen Überblick

Weil es jetzt auch zweimal hintereinander Zahl des Tages war und manche aus der Gesamtsumme von 8,5 Billionen einfach 8,5 Millionen Kosten machen, ist etwas Klarstellung angesagt. Man muss nach direkten Kosten und Garantien unterscheiden. Wenn Garantien von 2 Billionen ausgesprochen werden, entstehen daraus normalerweise nicht 2 Billionen Kosten. Die Beseitigung der Savings & Loans Krise Ende der 80er Jahre hat auch "nur" 150 Milliarden Dollar gekostet. Die Gesamtsumme der Kredite und der ausgesprochenen Garantien war aber viel höher.

Um das etwas klarer zu machen, möchte ich auf eine tolle Grafik in der New York Times hinweisen.


gefunden über: Zeitenwende.ch: Wer hat wieviel bekommen?

Wirklich klar wird daraus auch nicht alles, aber man kann immerhin erkennen, was wirklich schon ausgegeben wurde und was nach offen ist. Die endgültigen Kosten kann man daraus immer noch nicht ableiten. Das wird wohl noch ein paar Jahre dauern und dann wahrscheinlich nur noch ein paar Insider interessieren.

Übrigens scheint die Mainstreampresse die Nachricht jetzt auch zur Kenntnis genommen haben. Guten Morgen!

Schön zu sehen, dass auch die Profis von der FTD Probleme haben, die Garantien richtig zusammenzurechnen. Bei Fannie und Freddie ist auch der FTD unklar, ob man da jetzt 200 Mrd. Garantien als Basis für die Berechnung nehmen soll oder die ganze Bilanzsumme. Oder ob beides falsch ist, denn im neuen 800-Mrd-Programm vom Dienstag sind ja auch 100 Mrd. Dollar für den Abkauf von schrottigen Anleihen aus den Bilanzen von Fannie und Freddie enthalten. Ich habe in meinem Posting am Dienstag (Und nochmal 600 Mrd. von der Fed ...) schon darauf hingewiesen, dass der Zug wirklich seltsam ist. Denn da kauft eine staatliche Institution einer anderen staatlichen Institution einen Haufen Anleihen ab. Das ist doch ein reiner Verschiebebahnhof und löst nicht ein einziges Problem. Sollte nicht Transparenz eine der Lösungen für die Krise sein? Aber damit meinen die Entscheider - egal ob in Wirtschaft oder Politik - immer die anderen ...

FTD: 700 Milliarden? Ha! Es sind 8500 Milliarden

Zahl des Tages (24.11.08): 7.700.000.000.000
Zahl des Tages (25.11.08): 8.500.000.000

Noch ein Update (16:50)

Die FAZ hat jetzt auch einen Artikel dazu. Darin eine schöne Grafik, in der man gut erkennen kann, dass bis her "erst" 3 Billionen wirklich investiert wurden (was auch noch nicht bedeutet, dass das zwangsweise zu einem Verlust wird) und dass die 8,5 Billionen nur zugesagt wurde.

FAZ.NET: Gigantisch im historischen Vergleich

Mittwoch, November 26, 2008

Bayern LB braucht 10 Mrd. Euro?!?

Das dürfte die Fusion zwischen BayernLB und LBBW zur SüdLB nicht einfacher machen. Und die Erklärungen der CSU werden es auch nicht.

Wie Reuters meldet, hat die Bayern LB jetzt einen Finanzierungsbedarf von 10 Milliarden Euro. Das sind 3,6 Mrd. mehr als beim letzten Mal angekündigt wurde. Schuld seien die Verwerfungen an den Finanzmärkten.

Naja, wenigstens sind es nicht direkt 10 Mrd. zusätzlich ...

Reuters: Kreise: BayernLB braucht 10 Mrd Euro frisches Kapital

Update (27.11.08)

Immer noch nichts Finales. Aber gegen die Langeweile noch ein Link zum Lesen ...

FTD: Bayern wird Bank

Tiere sind ja generell unterschätzt ...

... der Affe tradet ja bekanntlich auch besser als der Mensch.

Auch wenn im folgenden Fall etwas unklar ist, was einem die Fähigkeit nützt, den Kopf exakt stabil zu halten, selbst wenn einer permanent an einem rumfummelt.

Leider habe ich keine einbindbare Version des Videos gefunden, deshalb ein Link:

Wimp.com: Everything you didn't know about chickens.

Seeeehr seltsam.

Gefunden über Yigg.de: One thing you didn't know about chickens

Update (21:07)

gibt's doch bei Youtube (nicht gefunden, obwohl ich nach chicken und head gesucht habe):

USA: Neubauten-Verkauf nochmal kräftig runter

Im Oktober wurden nur noch 433.000 (auf's Jahr hochgerechnet) verkauft. Das ist der schlechteste Wert seit 1991 und stellt mehr als eine Drittelung gegenüber den Hochs dar.

WSJ: New-Home Sales Decline 5.3%

Weil wir auch schon drüber diskutiert haben: Die wichtigste Zahl ist IMHO der Lagerbestand in Monaten. Man schaut also wie viele Häuser unverkauft auf "Lager" sind und wie viele im letzten Monat verkauft wurden. Bei angenommenem konstanten Verkauf dauert es dann x Monate bis das Lager leer ist. Solange diese Zahl noch steigt, ist jede Hoffnung auf eine Stabilisierung des Immobilienmarkts verfrüht.

Diese Zahl ist im letzten Monat von 10,9 auf 11,1 Monate gestiegen. Es werden also weiterhin mehr neue Häuser gebaut als verkauft werden konnten. Und mein in der Diskussion geäußerter Optimismus war damit verfrüht.

Zahl der Tages (26.11.08): 3,82

3,82%

betrug die durchschnittliche tägliche Schwankungsbreite des S&P 500 in den letzten 50 Tagen. Alle Tage mit Schwankungen von weniger als 3,82% sind Tage mit unterdurchschnittlicher Volatilität. Das ist der höchste Wert seit 80 Jahren und damit auch größer als in der Weltwirtschaftskrise.

Bespoke Investment: The Most Volatile Market Ever gefunden über: Ritholtz.com: The Most Volatile Market Ever

Dienstag, November 25, 2008

Wie wir alle desinformiert werden ...

Nachricht: Reuters: White House says unaware of any Citigroup rescue talks
Zeitpunkt: Sun Nov 23, 2008 4:56pm EST

gefunden über Infectious Greed: Headline du Jour: Move Along -- No Rescue Talks Here

Weniger als 1,5 Stunden später hatte das WSJ Folgendes:

11/23/08 6:20pm Citigroup, U.S. government near bailout deal: WSJ - MarketWatch

Zahl des Tages (25.11.08): 8.500.000.000

Irgendwie doof, die gleiche Zahl wie gestern nochmal zu bringen, aber wenn es schon wieder 800.000.000.000 (800 Mrd) mehr sind als gestern verdeutlicht wohl keine andere Zahl den aktuellen Wahnsinn besser als diese ...

8.500.000.000.000 (8,5 Billionen) Dollar

hat die Kreditkrise dem US-Steuerzahler bisher an echten und potenziellen Kosten gebracht.

Gut, ein großer Teil der Maßnahmen wird nicht in 100% Verlusten enden (die Fed kauft ja nicht *nur* Schrott). Aber trotzdem: Allein die Tatsache, dass die Fed inzwischen auf 2,2 Billionen Papieren sitzt und die FDIC 1,2 Billionen Papiere versichert, ist schon hart. Denn beide haben eigentlich gaaaanz andere Aufgaben. Und beide sind darauf weder vorbereitet noch wurden die von irgendjemandem dafür legitimiert. Das Riesenpalawer um das 700 Mrd. Rettungspaket erscheint im Rückblick ja fast wie ein geplantes Ablenkungsmanöver, um die Öffentlichkeit von den wirklich großen Maßnahmen abzulenken.

Um die Summe mal in eine Relation zu stellen:

Die Summe ist größer als die Kosten für den Irakkrieg. Größer als die Kosten für die Lösung der Sparkassenkrise. Größer als die Summe für den New Plan in der 30er Jahren. Größer als der Marshallplan. Größer als die Kosten für den Irakkrieg.

(und jetzt festhalten): größer als alles ZUSAMMMEN!

Das einzige Ereignis, dass in eine ähnliche Größenordnung kommt, war der zweite Weltkrieg. Der kostete die USA inflationsbereinigt (wie die anderen Zahl übrigens auch) etwa 3,6 Billionen Dollar.

Ritholtz.com: Big Bailouts, Bigger Bucks

Barry Ritholtz kommt übrigens auf "nur" etwa 4,4 Billionen Dollar Kosten für die Finanzkrise bis jetzt. Werde nochmal schauen, ob ich seine Rechnung finde.

Die Nachricht von gestern:
Zahl des Tages (24.11.08): 7.700.000.000.000

Update (26.11.08)

Zeitenwende.ch bezieht sich auf diesen Artikel und macht eine sehr gute Anmerkung:

Der zweite Weltkrieg hat in den USA Arbeitsplätze geschaffen, während die aktuellen Rettungsprogramme nur helfen sollen, keine Arbeitsplätze zu vernichten.
( Ist die Rally schon wieder vorbei? )

Allein das ist schon ein klares Zeichen dafür, dass diese Krise keine normale ist ...

Und nochmal 600 Mrd. von der Fed ...

Hätte ich fast übersehen ... Neben den 200 Milliarden Dollar für die Kleinkredite (Und nochmal 200 Mrd. Dollar von der Fed) gibt die Fed auch noch 600 Milliarden für den Ankauf von Hypotheken. Damit soll den Hypothekenbanken die Möglichkeit gegeben werden, wieder Hypotheken zu verbriefen und dafür auch einen Käufer zu finden (und wenn's am Ende nur die Fed ist). Dadurch verspricht sich die Fed sinkende Zinsen für die Hauskäufer.

500 Mrd. gehen direkt in den Markt der Mortgage Backed Securities, 100 Mrd. sind für Fannie und Freddie reserviert. Gerade die letzten 100 Mrd. sind lustig, denn diese 100 Mrd. sind ja schon im Staatsbesitz, weil Fannie und Freddie verstaatlicht werden mussten. Selbst die sollen als Volkeigener Verbriefungsbetrieb keine Chance mehr haben, ihr Papiere zu platzieren?!? Die haben doch wie der Staat ein AAA-Rating. Außerdem ist das doch nur ein Verschieben der Position von einer Bilanz in eine andere.

Gerade in den 100 Milliarden kann ich keinen Sinn erkennen. Ihr etwa? Any ideas?

FAZ: Amerikanische Notenbank kauft im großen Stil Hypotheken

Case-Shiller-Hauspreis-Index: -17,4%

Das ist der höchste Jahresverlust seit es den Index gibt. Vom Hoch aus sind die Preise inzwischen um 22% gesunken. Alle 20 Regionen, die in den Index eingehen, lagen im Minus.

Erschreckend vor allem dass das Minus im September im Vergleich zum Vormonat fast 2% betrug. Damit stellt sich meine These von der abnehmenden Fallgeschwindigkeit als verfrüht heraus. Zwar liegt das aktuelle Monatsminus unter den Höchstwerten von November 2007 bis März 2008, als die Preise jeweils mehr als 2% pro Monat sanken, aber auch schon wieder deutlich über den Werten des zweiten Quartals, als das Minus nur etwa 0,6% betrug.

Angesichts der wieder zunehmenden Geschwindigkeit und des bereits errichten Minus von 22% besteht nur noch wenig Hoffnung, dass der Preisverfall bei 30% Minus stoppt. Ich gehe inzwischen eher von 35 bis 40% Gesamtminus aus als von 30-35%. Und Meridith Whitney von Oppenheimer geht schon seit längerem von 40-45% Gesamtminus aus (Meridith Whitney (Oppenheimer): US-Immobilienpreise fallen 45%).

Marketwatch: Home prices off record 17.4% in past year: Case-Shiller

Die heute gemeldeten Zahlen des Case-Shiller-Indexes passen nahtlos zu den schwachen Zahlen von letzter Woche. Danach sanken die Immobilienverkäufe auf 498.000 und damit zum ersten Mal unter die 500.000er-Marke. Der Median des Preises sank um 11,3% im Jahresvergleich. Der Lagerbestand beträgt weiterhin über 10 Monate.

Marketwatch: October sales of existing homes drop, data show

Ebenfalls stimmig ins Bild passt der Wert des Vertrauens der Häuslebauer. Bereits der vor wenigen Monaten erreichte Wert von 18 stellte ein Allzeittief dar. Was den Index aber nicht daran hinderte auf inzwischen nur noch 9 weiterzusinken.

Marketwatch: Home builders distraught over economic crisis

Man kann an diesem Markt hinschauen, wo man will: Es ist und bleibt ein Desaster.

Und nochmal 200 Mrd. Dollar von der Fed

Nachdem man bei der Fed inzwischen so ziemlich alles eintauschen kann, was die Finanzmärkte so erfunden haben, wendet sich die Fed heute einem der letzten verbliebenen weissen Flecken der Karte der Finanzprodukte zu: Kleinkredite wie Autokredite, Kreditkartenschulden, Ausbildungskredite, etc. pp.

Auch das wurde natürlich alles lustig verbrieft und an der Börse platziert (z.B. von Sallie Mae oder American Express). Und in all diesen Krediten steckt spätestens in einer Rezession jede Menge Risiko. Und damit genau das, was im Moment NIEMAND haben möchte.
Damit der Markt für Kleinkredite aber nicht komplett zusammenbricht, stützt die Fed jetzt auch diesen Markt. Für bis zu 200 Mrd. Dollar solcher Kredite spricht die Fed jetzt eine Garantie aus.

Name des Ganzen: Term Asset-Backed Securities Loan Facility (TALF).

Meine Meinung dazu: Nochmal 200 Milliarden mehr tun angesichts der Gesamtsumme der Fed-Bilanz von gut 2,2 Billionen auch nichts mehr zur Sache (Die US-Notenbank Fed - der größte Hedgefonds aller Zeiten). Ist das Fatalismus? Kann gut sein.

Marketwatch: Fed unveils $200 billion plan to buttress consumer lending

Update (16:15)

Dazu auch: Zeitenwende.ch: Ein neuer Tag, ein neuer Plan

Montag, November 24, 2008

Zahl des Tages (24.11.08): 7.700.000.000.000

Sagenhafte

7,7 Billionen Dollar

hat die Krise den US-Steuerzahler bereits gekostet. Das ist etwa die Hälfte des amerikanischen BIPs oder auch 24.000 Dollar pro Kopf

Dabei ist das VIEL diskutierte Rettungsprogramm mit 700 Mrd. Dollar nicht einmal der größte Brocken. Ich habe hier schon einige Male auf die Bilanz der Fed hingewiesen, in der bei meiner letzten Meldung bereits Papier der Banken für 2,1 Billionen Dollar lagen (Die US-Notenbank Fed - der größte Hedgefonds aller Zeiten). Das ist inzwischen noch mehr geworden, weil allein das Programm für die Commercial Papers schon 2,4 Billionen ausmacht. Dazu kommen dann als weiterer großer Batzen 1,4 Billionen Dollar, die der amerikanische Einlagensicherungsfonds FDIC im Interbankengeschäft garantiert.

Man muss relativieren, weil die vielen Billionen nicht den endgültigen Kosten entsprechen, da viele Sachen ja "nur" Garantien entsprechen und nicht unbedingt zu einer Zahlung führen müssen. Auch die Assets, die die Banken bei der Notenbank abgeladen haben, sind nicht in voller Höhe wertlos. Aber trotzdem ist die Summe natürlich seeeehr erschreckend ...

Bloomberg: U.S. Pledges Top $7.7 Trillion to Ease Frozen Credit (Update2)

Mega-Bail-Out für die Citigroup!

Nochmal 20 Milliarden Dollar Eigenkapital + Garantien für bis zu 306 Mrd. Schulden.

Die Kapitalerhöhung ist so wie üblich: Vorzugsaktien mit 8% Dividende. Es ist schon die zweite aus dem Rettungspaket TARP. Schon in der ersten Stufe gab es 25 Mrd. Bei einer Marktkapitalisierung von nur noch 20 Mrd. dürfte der Staat inzwischen eine Mehrheit an der Citigroup besitzen. Ich suche die genau Zahl aber noch heraus (falls die jemand liest, bitte einen Kommentar hinterlassen). Die FTD meldet übrigens auch 27 Mrd. Kapitalerhöhung, Marketwatch 20. Wird sich auch noch klären ...

Die Garantien sind ziemlich komplex: Die ersten 29 Milliarden Verluste übernimmt die Citigroup komplett. Von den weiteren Verlusten muss die Citigroup nur 10% tragen. Die restlichen 90% gehen gestaffelt für die ersten 5 Mrd. an das US-Finanzministerium, weitere 10 Mrd. an den US-Einlgensicherungsfonds FDIC und alles weitere an die Fed. Die Garantien laufen 5 bzw. 10 Jahre.

Dazu gibt es noch einige Details: Zum Beispiel müssen die Gehälter der Citigroup genehmigt werden. Das findet sich aber in den Artikeln unten.

FTD: US-Regierung stützt Citigroup
Marketwatch: U.S. agrees to bail out Citigroup

Update (10:01)

Die FAZ stellt es noch etwas anders dar: Danach kauft der Staat "normale" Aktien der Citigroup im Wert von 20 Mrd. und erhält dafür und für die Garantien Vorzusgaktien im Wert von 27 Mrd. . Das verstehe ich dann aber überhaupt nicht, denn für 20 Mrd. in normalen Aktien kann man ja die gesamte Citigroup kaufen. Hmmm, oder zahlt der Staat einen so hohen Aufpreis für die neuen Aktien?!?


FAZ: Amerika kauft sich bei der Citigroup ein


Update (12:09)

Wahre Weisheit findet man nur an der Quelle ;-)

Fed: Termsheet zum Citigroup Bailout

Danach wird es klar:

a) Es gibt für 20 Mrd. Dollar neue Vorzugsaktien, also Cash gegen Vorzugsaktien.
b) Es gibt die Garantie für bis 306 Milliarden Dollar der Citigroup Verbindlichkeiten
c) Der Preis für diese Garantie sind weitere Vorzugsaktien im Wert von 7 Mrd. Dollar. 4 Mrd davon gehen an das Finanzministerium, 3 Mrd. an die Fed.
d) Zusätzlich gibt es noch eine Kaufoption auf 10% der Gesamtsumme (also 2,7 Mrd), mit der die US-Regierung zu 10,61 Dollar (aktueller Kurs unter 4) die entsprechende Menge Citigroup Aktien kaufen kann.
e) Die Verzinsung der Vorzugsaktien kann auch in Aktien (also nicht nur in Cash) erfolgen.

IWF soll/muss Lettland retten

Und das nächste Land mit massiven Problemen ist ... Lettland.

Und was wurden vor nicht einmal 2 Wochen noch alle beruhigt, als die lettische Parex Bank vom lettischen Staat gerettet werden musste (Parex Bank: Kaupthing Nummer 2?).

Mein ganze grundlegende Skepsis findet sich schon im oben verlinkten Artikel. Bitte dort lesen, es hat sich an den Gründen nichts geändert.

Mein Fazit damals war: "Also ich könnte mit einem Konto bei der Parex-Bank nicht ruhig schlafen.". Jetzt könnte ich das erst recht nicht mehr ...

Marketwatch: Latvia turns to IMF, EU for financial support
FTD: Dossier Lettland muss Notkredit beantragen

Bin mal gespannt, ob die Kunden der Parex Bank jetzt auch wieder auf Hilfe des deutschen Steuerzahlers hoffen dürfen, wie die KaupthingEdge Kunden, die bis zur unbegrenzter Höhe vom Steuerzahler für den "Mut" belohnt werden, in Geldmarktkonten mit außergewöhnlich hohen Zinsen zu investieren ... (Kaupthing: Geld ist doch nicht weg ...)

Sonntag, November 23, 2008

Zahl der Tages (23.11.08): 42

Nein nicht die 42 vom Anhalter, sondern die

42

Stimmen Unterschied, die die französischen Sozialisten jetzt wohl komplett zerlegen werden ...

In Prozenten heisst das übrigens 50,02 zu 49,98 Prozent.

Kurier.at: Frankreich: 42 Stimmen spalten Sozialisten

Update (24.11.08 09:45)

Noch ein Link:

Spiegel: Zwei Frauen streiten um 42 Stimmen

Update (26.11.08)

Es sind nach der zweiten Auszählung übrigens 102 Stimmen geworden.
Spiegel: Frankreichs Sozialisten erklären Aubry zur Siegerin

Citigroup vor der Pleite?

Nicht mein erstes Posting zum Thema (Citigroup pleite? oder Citigroup immer noch von der Pleite bedroht?) ... Aber das Thema ist immer noch aktuell.

Nachdem sich die Citigroup in der letzten Woche selber zum Verkauf gestellt hat und auch den Verkauf von großen Assets nicht ausgeschlossen hat, kamen direkt Erinnerungen an den Fall von Lehman Brothers auf. Auch Lehman hat kurz vor dem Ende keine Option mehr ausgeschlossen. Nur waren das dann doch zu viele Optionen, um noch irgendeine davon umsetzen zu können (und zu viele Optionen hat der CEO von Lehman in den Monaten zuvor ausgeschlossen, weil sie Lehman nicht "fair" bewertet hätten).

Nun also die Citibank. Mit einem Aktienkurs von weniger als 4 Dollar (60 Prozent Minus in der letzten Woche) und einer Rest-Marktkapitalisierung von etwa 20 Mrd. (180 Mrd. vor einem Jahr). Hmmm - da bleiben nicht mehr viele Optionen. Von Kapitalerhöhungen wie an den saudische Prinzen Al Waleed zu Preisen jenseits der 30-Dollar-Marke darf man nur noch träumen.

Ich schätze, es läuft alles auf eine staatliche Rettungsaktion hinaus. Die Citigroup hat einfach zu viele Probleme und zu wenig realistische Optionen. Auch wenn cie Citigroup jetzt "alle" Optionen in Betracht zieht, heißt das ja noch lange nicht, dass man auch über mehr realistische Optionen verfügt.

Ich schätze übrigens, dass die Citigroup nicht wirklich pleite geht. Dafür ist die Bank zu groß und zu wichtig (to big too fail). Den Derivatemarkt zum Beispiel kann man vergessen, wenn der große Player Citigroup (geschätzte 35 Billionen Dollar) ausfallen würde. Aber zu viel Hoffnung sollte man sich nicht machen. Ich hätte auch nie gedacht, dass die Politik der Riesenfehler mit der Lehman-Pleite machen würde ... Ham'se aber trotzdem ...

Und was passieren würde, wenn die Citigroup doch Pleite geht, ist ebenfalls unklar. Für die Konten der Citibank dürfte das geringste Risiko bestehen (den dafür zu leerenden Rettungstopf wird der Staat schon auffüllen). Wer aber Zertifikate und Optionsscheine hat, dürfte dann den Weg von Lehman gehen ...

Das ist aber alles reine Spekulation und wahrscheinlich verfrüht ...

FTD: Citigroup kämpft ums Überleben

Marketwatch: As stock plummets, Citi on the brink
Creditwritedowns: Citigroup talks with US Government as bankruptcy looms

Und ein paar Überlegungen zur Abwicklung ...
Bronte Capital: A more sensible idea: A Citigroup pre-pack bankruptcy

Update (24.11.08; 00:08)

Die Spekulationen verdichten sich in Richtung einer Bad Bank, also einer Bank, in der die Citigroup ihre schlechten Assets (Hypothekenkredite, CDOs, Kreditkartenkredite, etc.) auslagert und für die der Staat dann das Eigenkapital bereitstellt.

WSJ: Citigroup, U.S. in Talks to Create 'Bad Bank'
FT Alphaville: Citi update - merger, asset sale, or good bank-bad bank?

Update (24.11:08, 9:40)

Der Bail-Out ist da! Es wurde allerdings keine Bad Bank gegründet, sondern es gab eine relativ konventionelle Rettung mit den zwei üblichen Komponenten Eigenkapitalzufuhr + Staatsgarantien. Details hier: Mega-Bail-Out für die Citigroup!

HSH Nordbank bekommt 30 Mrd. Bürgschaft

Nun die nächste Landesbank, die in den Rettungstopf greift: Die HSH Nordbank. Obwohl das schon länger klar war (HSH Nordbank und WestLB werden Rettungspaket in Anspruch nehmen,Zwei weitere Staatsbanken brauchen Geld). Neu ist eigentlich nur, dass man jetzt die Höhe bekannt gegeben hat: Es sind bis zu 30 Mrd. Euro, die sich die HSH Nordbank vom Rettungsfonds garantieren lassen möchte. Scheinbar bekommt auch die HSH Nordbank zu annehmbaren Konditionen kein Geld mehr am Kapitalmarkt.

FAZ: Rettungs-Bürgschaften auch für HSH Nordbank

HRE bekommt nochmal 5 (oder 20?) Mrd. Bürgschaften

(ist zwar schon etwas älter, ich will es aber hier stehen haben, weil ich das bestimmt nochmal zum Verlinken brauche ...)

Die Garantien für die HRE werden um 5 auf 20 Milliarden Euro erhöht. Mir ist allerdings unklar, ob die ursprünglichen 15 Mrd. in dem 50 Mrd. Rettungspaket drin waren oder ob das jetzt 20 Mrd. Euro zusätzlich zu den bereits gewährten 50 Mrd. sind. Sprich: Sind wir jetzt bei einem Rettungsvolumen von 55 oder 70 Mrd. Euro? Weiss das jemand, dann bitte Kommentar abgeben (habe die Ad-Hoc gelesen und 5 Quellen, bin aber immer noch nicht sicher, wie die Gesamtsumme jetzt lautet).

Wenn wir noch ein paar solcher Trippelschritte machen, haben wir irgendwann den gesamten Refinanzierungsbedarf der HRE für 2008 und 2009, der locker 100 Mrd. Euro beträgt, abgedeckt. Das wird nicht die letzte Meldung gewesen sein (Siehe meinen Einleitungssatz ...). Denn NIEMAND gibt dem Laden noch Geld, wenn der Staat nicht dafür garantiert. Also wird der Staat am Ende voraussichtlich den gesamten Refinanzierungsbedarf abdecken müssen.

FTD: Hypo Real Estate erhält Milliarden-Garantie

Samstag, November 22, 2008

Zahl des Tages (22.11.08)

Weil heute Samstag der 22. November ist, passt die Zahl so schön ... (außerdem ist 23:49)

22

Banken wurden von der amerikanischen Einlagensicherung FDIC in diesem Jahr geschlossen.

Dieses Wochenende traf es direkt drei Banken:

1.) Downey Savings and Loan Association, F.A., Newport Beach, Kalifornien, 12,8 Milliarden Dollar Assets,

2.) PFF Bank & Trust, Pomona, Kalifornien mit 3,8 Milliarden Dollar Assets

Beide Banken gehen an die U.S.Bank, die 1,6 Milliarden der Verluste übernimmt. Den Rest übernimmt die FDIC. Geschätzt wird der Schaden für die FDIC auf 2,1 Milliarden Dollar, damit ist es eine große Pleite.

Nummer drei ist die Community Bank mit 681 Millionen Dollar Assets. Auch diese Bank wurde bereits übernommen, der Schaden für die FDIC wird etwa 200 bis 240 Millionen betragen.

Die Todesliste Nr.2 hat dieses Mal nur einen Treffer: die PFF Bank.

Kaupthing: Geld ist doch nicht weg ...

Jetzt hat sich die deutsche Regierung doch noch geäußert und TaDaaa! die gleiche Lösung hinbekommen, die die niederländische Regierung und die englische auch hinbekommen haben. Und damit das gleiche erreicht, wie die Schweden vor 4 Wochen.

Der Deal ist einfach: Die jeweilige Landesregierung gibt einen Kredit an den isländischen Einlagensicherungsfonds in der Höhe, die die Anleger von dort bekommen. Mit diesem Geld werden dann die Anleger ausgezahlt. Und zwar in voller Höhe, also ohne die (eigentlich gültige) Grenze von 20.887 Euro.

Defakto ist das also der unbegrenzte Bail-Out für deutsche Geldmarktkunden. Schöner Präzedenzfall. Jetzt kann man sein Geld also auf Konten bei Bald-Pleite-Bank anlegen und darauf hoffen, dass der Staat einen schon rausreisst. Der Steuerzahler wird's schon richten ...

Naja, für die Kaupthing-Kunden ist das ja schön ...

FAZ: Deutsche Kaupthing-Kunden kriegen Geld zurück

Freitag, November 21, 2008

Zahl des Tages (21.11.08): 100.000

100.000

Feuerwerkskörper zur Eröffnung der "Palme" in Dubai.

Manche Feuerwerke überzeugen ja durch Choreografie, hier scheint es eher darum zu gehen, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel in die Luft zu jagen. Das ab 7:20 muss man sehen. Unglaublich.



Die Qualität des Videos ist so lala, wenn jemand was besseres hat, her damit (das muss doch jemand professionell mitgeschnitten haben).

Ein paar Bilder gibt's auch im Focus: Einweihung der Superlative

Update (14:21)

Besseren Link gefunden (obwohl die Musik nicht sein muss und man das Video nicht vergrößern kann): Insbesondere die Bilder ab Minute 10, in denen man sehen kann, dass die auf dem ganzen Geländer das Feuerwerk abschießen, sind DER WAHNSINN!

Atlantis the Palm: Grand Opening

Gold vs. S&P 500

Mal was für Saviano (und Olaf) ;-) aus aktuellem Anlass: Gestern war der S&P nur noch eine Unze Gold wert. Ich hab's mal schnell aufgeschrieben.



Und der Gold vs. S&P 500 Chart sieht aus meiner Sicht auch nicht so übel aus. Also für jemanden wie mich, der den Gold-Anteil im Depot immer verteidigen muss ...

Donnerstag, November 20, 2008

Zahl des Tages (20.11.08)

OK, eigentlich sollen in dieser Rubrik vor allem Zahlen kommen, die nicht überall stehen, aber

7.552,45

im Dow Jones und somit ein neues Jahrestief sind eine Ausnahme wert ...

Und schon wieder so ein Einbruch in den letzten Minuten ... seltsamer Markt ...

Bailout für Merckle!

Details gibt es keine. Höhe? Bedingungen? Dauer? Kosten?

Es ist mir auch alles egal, selbst wenn das nur einen Cent kosten sollte: Es ist falsch. Das Konstrukt von Merckle ist nicht systemkritisch. Und auch Ratiopharm oder Heidelcement droht nicht die Pleite, sondern nur der Holding darüber. Kurz: Es wird wenig passieren. Daher gibt es noch weniger Gründe für eine Rettungsaktion als im Fall Opel.

Aber das was da passiert ist genau der Grund dafür, warum man die Büchse der Pandora nicht öffnen sollte. Denn die Bittsteller stehen in Nullkommanichts Schlange. Erst Opel, dann die anderen Automobilfirmen, dann die Zulieferer, dann die Chemie, die den Automobilfirmen keinen Lack mehr verkaufen kann, dann die Stahlfirmen, die ihren Stahl nicht mehr loswerden, ..

DerWesten.de: Landesbank springt Milliardär nach Fehlspekulationen bei

Die Leitzinshalbierung: Wer hat's erfunden?

Nöh, nicht die Amis. Nicht die Briten. Nicht die Japaner (nur von 0,5 auf 0,3)

Natürlich die Schweizer:

NZZ: Unerwarteter Schritt der Nationalbank

Jetzt beträgt der Leitzins nur noch 1% nach 2.

Den Amerikanern traue ich eine Halbierung aber auch noch zu.

USA: Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe 542.000

Das ist zwar eine der wöchentlichen Zahlen, die man nicht überbewerten sollte, aber die Zahl von heute ist nicht nur ein neues zyklisches Hoch, sondern auch der höchste Wert seit 16 Jahren.
Außerdem ist die Tendenz so unglaublich eindeutig; die Zahlen der letzten 7 Wochen:

463.000
479.000
485.000
484.000
515.000
516.000
--> 542.000

Es geht ganz klar nach oben und zwar in einem erschreckendem Tempo.

Auch die Zahl der fortgeführten Anträge auf Arbeitslosengeld ist weiter gestiegen und durchbrach erstmals die 4 Millionen-Marke und ist damit auf die höchsten Stand seit 26 Jahren.

Creditwritedowns: Unemployment claims rise to a massive 542,000
Marketwatch: Jobless claims jump to 16-year high

Mittwoch, November 19, 2008

Zahl des Tages (19.11.08)

Rendite der 90-Tages-US-T-Bills: 0,06%

Kurz: Nichts. Da kann ich auch das Geld auch direkt unter das Kopfkissen legen, nach Transaktionskosten dürfte das sogar besser sein ...

Kaum eine Zahl spiegelt die Flucht in Qualität und die extreme Risikoscheu der Anleger besser wieder ...

CDS so teuer wie nie

Also die Entspannung war definitiv nur vorübergehend. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen von Hochzins-Anleihen sind heute zum ersten Mal über die 900 gestiegen.
Auch an diesem Markt hat die Warnung von BASF für Unruhe gesorgt. Die CDS auf BASF (und die Konkurrenten aus der Branche) sind dann auch kräftig gestiegen.

FT Alphaville: CDS update: Gloom

Auch S&P stuft Ambac herab

Nach Moody's stuft jetzt auch S&P den Kreditversicherer Ambac von AA auf A herab. Damit ist das Rating allerdings noch etwas besser als Moody's. Der Ausblick ist aber auch negativ.

Die Aktie ist inzwischen auch ein Penny-Stock, was aber übrigens nicht mehr so schlimm ist. Die Regel, dass Penny-Stocks nach 60 Tagen von der Börse fliegen, hat man mal eben ausgesetzt ...

Aber die Kreditversicherer gehen eh alle Pleite, außer der Staat rettet die. Ansonsten bleibt es die "angekündigste Pleite" des Jahres 2008, auch wenn ich mich möglicherweise um ein Jahr verschätzt habe (Der Kauf der Woche: 14% Rendite mit Triple A Sicherheit)

FT Alphaville: The death throes of the bond insurers

Wer die ganze Geschichte lesen will: Suche nach MBIA Aber Zeit mitbringen, an dem Thema bin ich schon länger dran ...


Solarworld will Opel Werke kaufen! Aber warum?

Bitte bitte macht das und lasst den Steuerzahler außen vor. Ich befürchte aber, dass der Deal sooo nicht aussehen soll ... OK, er sieht nicht so aus. Solarworld möchte 1 Mrd. für Opel bezahlen, aber auch 40.000 Euro pro Arbeitsplatz vom Staat bekommen. Was dann 1 Mrd. Euro ergibt und damit einen Kaufpreis von Null.

FAZ: Solar-Konzern will Opel-Werke übernehmen

GM hat übrigens schon abgewunken: Spiegel: General Motors lässt Solarworld-Chef abblitzen

Ansonsten lasst den Laden einfach Pleite gehen, niemand wird Opel vermissen. Die Automobilindustrie hat weltweit (vor allem in Europa und den USA) Überkapazitäten. Irgendjemand muss da ein paar Werke schließen. Jeder Arbeitsplatz der heute mit Steuergeldern bei Opel gerettet wird, ist einer, der dann später bei VW, BMW, Daimler, Ford, etc. wegfällt.

Der deutschen Bauindustrie ging es auch lange schlecht. Gerhard! Gerhard! hat dann Holzmann gerettet und ein paar Jahre später waren die dann doch Pleite. Was hat das gebracht? Viele mittelständische Baufirmen sind Pleite gegangen. Und die mit ausreichend Kapital haben sich durch die Krise geschleppt, aber jahrelang kein Geld verdient. Als dann Holzmann endgültig Pleite war, kam die überfällige Marktbereinigung, die Branche konnte wieder Geld verdienen und in der Folge waren die Arbeitsplätze auch wieder sicher.

Ich möchte die Opel-Diskussion eigentlich gar nicht führen, das wird schließlich überall gemacht. Dabei gibt es kaum Überraschungen. Die üblichen Verdächtigen (FR, Bofinger, et al) sind für Hilfe bzw. Verstaatlichung, auf der anderen (neoliberalen) Seite (FAZ: Wettlauf um Staatshilfe) ist man sehr zurückhaltend mit der Hilfe und bringt die üblichen, viel zu abstrakten Argumente. Einige Kern-Neoliberale zeigen jedoch Sympathie für eine Rettung (FAZ: Hüther: „Mit Bauchschmerzen: Opel muss gerettet werden“). Wenig überraschend dagegen, dass aus der Heimat von BMW und Audi von der CSU Kritik an der Hilfe mit Steuergeldern für Opel kommt (FTD: Unionspolitiker meutern gegen Opel-Hilfen).

Den Merkelschen Aussagen, dass die Hilfe eine einmalige Sondersituation sei, glaube ich kein Wort. So wie sich die Politiker im Ausgeben von Steuergeldern ähm helfen von Opel überbieten, so werden sie das auch beim nächsten Mal machen. Die Bevölkerung denkt natürlich einfach: Wenn man den Bonzen von den Banken hilft (die zudem noch Schuld sind), dann muss man den armen Arbeitern bei Opel doch auch helfen. Zur Motivation der Politiker: Spiegel: Chefsache Firmenrettung

Ich würde nur gerne einen Kontrapunkt setzen und zwar zu dem Gerücht, dass Opel eine "gesunde" Firma sei, die nur von den bösen Amis ausgesaugt wurde.

"Das Eigenkapital sank im selben Zeitraum von 1.692Mio Euro in 2005, auf 976Mio Euro in 2006 und 914Mio Euro in 2007. Und besagte 914Mio kamen auch nur dadurch zustande, dass der General Motors-Konzern eine Schuldverschreibung (an sich selbst) in Höhe von 300 Mio Euro in die Kapitalrücklage der Opel GmbH einlegte"
Weissgarnix: Opel - Anspruch und Wirklichkeit (extrem lesenswerter Artikel!)

Eine vernünftige Bilanzanalyse einer Firma in einem Konzernverbund ist extrem schwierig, weil beide Firmen immer ausreichend Rädchen haben, an denen sie drehen können, um Gewinne da entstehen zu lassen, wo es steuerlich am günstigsten ist (oder wenn man Verluste vertuschen will). Aber eine Firma, deren Eigenkapital von 1692 Millionen auf 614 Millionen in nur 2 Jahren gesunken ist, ist alles andere als gesund. Das Argument "Opel hat kein eigenes Rating und kann sich daher kein Geld am Kapitalmarkt besorgen" ist Quark. Denn wenn die ein Rating hätten, wäre das bei der miserablen Eigenkapitalausstattung wahrscheinlich noch schlechter als das von GM.

Zu Opels verfehlter Modellpolitik: Spiegel: Zick-Zack-Kurs am Abgrund
Opel hat in den letzten 10 Jahren den Marktanteil in Deutschland mehr als halbiert: FTD: Wie es um Opel steht
Zum Thema GM saugt Opel aus? Spiegel: General Motors pumpt Milliarden in Opel
Und noch ein paar harte Worte (lohnenswert allein schon wegen der Worte zu Glos): Tagesschau.de "Staat darf nicht für hausgemachte Verluste geradestehen"
Oder das hier: "Opel war jahrelang auf Hilfen angewiesen und steht derzeit fast ohne Liquidität da" aus Spiegel: Wie Opel zu retten ist - und wie nicht.

Nein, Opel ist keine gesunde Firma. Das traut sich nur keiner, der gewählt werden möchte, den Opelianern ins Gesicht zu sagen.

Auch zum Thema:

Weissgarnix.de: Wäre eine Opel-Pleite ein Fall für den Staatsanwalt?

Wer jetzt aber meint, Opel würde GM verklagen, irrt. U.U. könnte nämlich Opel wegen Untreue verklagt werden, weil die ihrer Mutter noch einen Kredit gegeben haben, der aber mglw. nicht mehr einklagbar ist.

Die aktuellen Nachrichten:

FAZ: Opel beantragt 1,8 Milliarden Euro-Bürgschaft
Tagesschau.de: Auto-Produktion wird gedrosselt - Opel hilft sich selbst

Ich gebe mich übrigens keine Sekunde der Idee hin, dass Opel nicht gerettet wird. Die Mechanismen sind zu eindeutig, die Weichen viel zu klar auf "staatliche Aktion" gestellt. Schließlich ist Wahlkampf in Hessen und Thüringen.

Berliner Morgenpost: Warum die Regierung Opel helfen wird

Richtig Bauchschmerzen habe ich mit der Tatsache, dass eigentlich niemandem klar ist, *wie* Opel überhaupt gerettet werden kann. Wenn Opel Geld bekommt, besteht immer die Gefahr, dass das Geld in den USA abfliesst. Beide Seiten geben sich gegenseitig Kredite, man kann das nicht wirklich verhindern (Siehe dazu den Weissgarnix Artikel mit dem Staatsanwalt). Spätestens wenn GM insolvent wird und unter Gläubigerschutz fällt, hat Opel *keine* Möglichkeit mehr, die an GM vergebenen Kredite von GM zurückzufordern. GM hingegen ist sogar gezwungen, die Kredite von Opel zurückzufordern, um die Gläubiger zu bedienen (deshalb folgen die Töchter meistens der Mutter in die Pleite).

Und Opel herauslösen aus GM? Opel baut einige Modelle mit asiatischen GM Töchtern (z.B Isuzu) zusammen. Einige Modelle von Opel werden weltweit verkauft. Es gibt neben dem Finanzaustausch auch Technologieaustausch. Nicht jede Tochter von GM baut jeden Motor. Opel baut meines Wissens keinen eigenen Dieselmotor mehr. Das wird ein äußerst komplexes , um nicht zu sagen unmögliches,Vorhaben.

Und: Ist Opel überhaupt groß genug, um allein zu überleben? Ich bezweifle das. Ein paar Überlegungen zu dem Thema finden sich hier: DerWesten.de: Fährt Opel alleine besser?

Und eine europäische Lösung? Opel+Saab+Fiat? *Das* hört sich zwar direkt an wie der Club der Fußkranken, aber könnte die nötige Größe bieten, technisch arbeitet man auch schon zusammen und auch regional könnte man sich aufteilen (Fiat macht Südamerika, Opel Nordamerika, etc). Aber ich bin mir sicher, dass die Politiker mit "europäischer Lösung" nicht viel mehr meinen, als noch mehr Geld auszugeben und dafür zu sorgen, dass man am besten das Geld der Anderen für die Lösung der eigenen Probleme ausgibt ...

In den letzten Jahren sind schon wesentlich einfachere staatliche Rettungsaktionen danebengegangen. Ich wüsste keinen einzigen Grund, warum es diesmal besser klappen sollte ... So leid es mir für die Opelianer tut ...

* Holzmann: Rettung ohne Substanz
* Mobilcom: Vorübergehende Rettung
* Siemens/BenQ: Rettung ohne Perspektive
* Nokia: Abwanderung statt Rettung
* IKB und Hypo Real Estate: Rettung auf Probe

FTD: Wenn Politiker um Firmen kämpfen

Meine Empfehlung an die deutsche Politik:

a) Verstaatlichen, Lösung mit Fiat anstreben, ansonsten abwickeln.

oder

b) nix tun.

Was meint ihr?

Ecuador zahlt seine Zinsen nicht mehr ...

Zahlungstermin war der 15.11. Eventuell wird noch gezahlt, aber das will die Regierung von Ecuador erst in den nächsten Tagen entscheiden.

Wer den Sozialisten in Ecuador vertraut, kann sich die Anleihe kaufen. Die gibt's zu weniger als 40% des Nennwerts. Bereits 2012 gäbe es Hundert zurück und zwischendrin noch einen Haufen Zinsen extra. Aber damit rechnen die meisten halt nicht mehr ...

Solche Hochrisikospekulationen können sich lohnen. Die Venezuela Bonds, die vor drei Wochen noch 75 kosteten, notieren inzwischen wieder bei über 90. 20% in drei Wochen sind für eine Anleihe nicht übel. Aber man hat halt auch immer ein Komplettausfallrisiko ...

FAZ: Anleihen stehen auf der Kippe

Die Hoffnung stirbt zuletzt ...

... aber jetzt ist sie gestorben!

Sagt zumindest Prof. Nouriel Roubini. Und bringt dann direkt 20 Gründe, warum die Lage so hoffnungslos ist. Wie Naked Capitalism anmerkt, sind zwar ein paar Doppler dabei und daher sind das eher ein Dutzend Gründe. Aber wir wollen mal nicht so pingelig sein, jetzt wo die Hoffnung gestorben ist und wir alle trauern ... Ist ja auch November ...

Naked Capitalism: Roubini's Latest "Why Things Are Hopeless" List Hits New Record, 20 Items!

Ich übersetze die 20 Gründe von Roubini mal ins Deutsche:

· Der US Verbraucher ist "shopped-out", weil er die letzten Jahr über seine Verhältnisse gelebt hat.

· Der US Verbraucher ist "spar-los" nachdem die bereits niedrige Sparquote vom Anfang des Jahrzehnts bis 2006 auf bzw. leicht unter Null gefallen ist. Die Sparrate muss wieder auf ein nachhaltigeres Niveau steigen.
· Der US Verbraucher ächzt unter seiner Schuldenlast, die von 70% des verfügbaren Einkommens Anfang der 90er auf 100% in 2000 und 140% in 2008 gestiegen ist.

· Nicht nur die absoluten Schuldenhöhe ist gestiegen, auch die monatliche Belastung ist von 11% auf 15% der verfügbaren Einkommen gestiegen, u.a. weil die Zinsen gestiegen sind.

· Der Wert des Immobilienvermögens ist beim aktuellen Minus der Hauspreise von 30% um 6 Billionen Dollar gefallen. In 2010 wird der Preisverfall wohl an die 40% betragen. Der Vermögenseffekt durch diesen Rückgang wird 12 bis 14% der Haushaltsvermögen ausmachen und damit deutlich mehr als die Rückgänge in der Vergangenheit die nur 5 bis 7% im Durchschnitt betrugen.

· Mortgage equity withdrawal (MEW=Erhöhung der Hypothek für Konsumzwecke) ist von 700 Milliarden Dollar im Jahr 2005 auf weniger als 20 Milliarden Dollar im 2. Quartal 2008 eingebrochen. Bei weiter sinkenden Immobilienpreisen fällt dieser Faktor aus.

· Der Wert der Aktienanlagen der US-Haushalte hat sich nahezu halbiert. Auch das wird den Konsum bremsen.

· Die Kreditklemme wird schlimmer, wie die "Flow of Funds"-Daten und die Bankenumfrage der Fed bestätigen. Die Kreditklemme begann bei Krediten niedrigster Qualität und frisst sich immer höher. Zuerst waren Risiko-Hypothekenkrediten betroffem, dann auch Hypotheken besserer Qualität und schlussendlich auch Kreditkarten-Kredite, Autofinanzierungen und Studentenkredite. Kredite werden knapper UND teurer.

· Das Verbrauchervertrauen ist auf Werte wie in den Rezessionen 1973-75 oder 1980-1982 gefallen.

· Die Reallöhne und -einkommen der breiten Bevölkerung stagnierten in den letzten Jahren. Zuwächse gab es nur bei den Besserverdienenden. Jetzt wo das BIP und die Realeinkommen fallen, wird der reale Verbrauch scharf zurückgehen.

· Die Fed wird die Nullgrenze bei den Leitzinsen erreichen, weil sich die Wirtschaft einer Deflation nähert. Darauf deuten die Gütermärkte, die Arbeitsmärkte und die Rohstoffmärkte hin. Deflation bedeutet, dass die Preise sinken und Verbraucher die Ausgaben in die Zukunft verschieben, weil alles immer billiger wird, weil die Zinsen höher als die (negative) Preissteigerung sind (sich sparen also lohnt) und weil der reale Wert der Schulden steigt.

· Die Beschäftigung ist die letzten 10 Monate in Folge gefallen und die Geschwindigkeit, mit der die Arbeitsplätze wegfallen, steigt. Im aktuellen Zyklus sind erst rund 1 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, die Bedingungen am Arbeitsmarkt haben sich aber laut allen verfügbaren Frühindikatoren massiv verschlechtert. Massive Arbeitsplatzverluste und die Angst davor werden die aktuellen und zukünftigen Lohnzuwächse dämpfen und den Verbrauch weiter senken.

· Die Steuergutscheine im Gesamtwert von mehr als 100 Milliarden Dollar vom Anfang des Jahres haben nichts genützt. Nur 25% davon wurden ausgegeben, weil die Verbraucher Angst vor dem Arbeitsplatzverlust hatten und das Geld lieber zur Schuldentilgung von Hypotheken und Kreditkartenschulden benutzt haben. Eine weitere Steuergutschrift würde genauso verpuffen wie die erste.

· Die Rezession 1990/91 und 2001 hatten kein weltweites Ausmaß. Dieses Mal erwartet der IWF aber genau das.

· Die Inflation, die sich erst in den letzten Monate beruhigt hat, hat die verfügbaren Einkommen der Wenigverdiener überproportional gesenkt, da diese einen prozentual größeren Teil ihres Einkommens für Benzin, Energie und Lebensmittel ausgeben. Der Preisverfall der letzten Monate wird diese Haushalte zwar um etwa 150 Mrd. Dollar entlasten, aber die Einkommensverluste und der sinkende Konsum werden viel größer und damit entscheidender sein.

· Der handelsgewichtete Außenwert des US-Dollars hat sich seit 2002 verschlechtert und so die Handelsbilanz verschlechtert und die Kaufkraft der US-Verbraucher für Importe geschmälert.

· Der Konsum sorgt für 71% der gesamten Wirtschaftsleistung der USA. Ein deutlicher und nachhaltiger Rückgang des Konsums bis (mindestens) zum vierten Quartal 2009 legt eine stärkere Rezession nahe als normal. Ein Rückgang der Konsumausgaben gab es in der Rezession 2001 gar nicht und man muss bis zur Rezession 1990/91 zurückschauen, um ein negatives Quartal zu finden.

· Geldpolitische Maßnahmen (sprich Leitzinssenkungen) werden den Kauf von langfristigen Konsumgütern und Häusern nicht beleben, weil diese Güter in Massen verfügbar sind und daher die Zinsen keine Rollen mehr spielen, sondern nur die deflationär sinkenden Preise. Zinssenkungen sind dann so wirksam wie der Versuch einen "Faden zu schieben". In der letzten Rezession senkte die Fed die Leitzinsen von 6,5% auf 1% und die langfristigen Zinsen sanken um 2 Prozentpunkte. Trotzdem sanken die Investitionen um eine Summe, die 4% des BIPs entspricht, weil es vorher eine Flut von Investitionen gab, die abgebaut werden mussten (kurz: Niemand investierte mehr, weil im Aufschwung vorher viel zu viel investiert wurde). Aktuell gibt es viel zu viele Immobilien, langlebige Verbrauchsgüter und Autos. Es wird Jahre dauern, bis diese Schwemme abgebaut ist.

· Auch wenn die Leitzinsen fallen, steigen die wirklichen Zinsen wegen der erhöhten Risikoaufschläge defakto eher. Zusammen mit der eingeschränkten Verfügbarkeit dämpft das nachhaltig die Fähigkeit der Haushalte Kredit aufzunehmen und zu konsumieren.

· Um die Sparrate der Haushalte zurück auf das Niveau des letzten Jahrzehnts zu bringen (6% des BIPs), muss der Konsum um fast eine Billionen Dollar sinken. Wenn dieser Rückgang innerhalb von 12 Monaten stattfinden sollte, würde das BIP allein durch direkte Effekte um 7% sinken. Mit den üblichen Zweiteffekten (weniger Umsätze, weniger Mitarbeiter im Einzelhandel, die dann wiederum weniger Geld haben), kann das BIP leicht um 10% sinken. Dieser Rückgang des BIPs durch erhöhte Sparquoten hat Keynes als "Spar-Paradox" bezeichnet. Würde diese Anpassung über zwei Jahre ablaufen, gäbe es zwei Jahre mit jeweils 5% Minus (Anmerkung: In der schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte 1957/58 sank das BIP nur um 3,7% vom Hoch). Man kann nur hoffen, dass diese Anpassung noch länger gestreckt wird. Bei einer Anpassung über 4 Jahre würde das BIP um 4 bis 5% sinken, würde damit aber immer noch die tiefste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg darstellen. In der Rezession 2001 gab es nur einen Gesamtrückgang um 0,4%, in der Rezession 1990/91 um 1,3%. Die jetzige Rezession könnte also gut dreimal so lang und dreimal so tief werden wie die letzten beiden Rezessionen und schlimmer als alle anderen Rezessionen seit dem 2. Weltkrieg.
Fast alle Punkte müssten Stammlesern ziemlich bekannt sein, einige wurden sogar schon explizit zu Roubini verlinkt. Einige Punkte sind aber eher ähm Füller. Das Dollar-Argument z. B. ist bei 1,25 nicht mehr sooo stichhaltig.

Was meint ihr? Hat Roubini was vergessen? Oder hat er in einem Punkt sogar Unrecht?

(ich finde übrigens, dass das ein yiggenswerter Artikel ist. Wink mit dem Zaunpfahl und so.)

LBBW will an den Rettungstopf (aber nicht wirklich)

Die LBBW füllt wie erwartet die zu dünne Eigenkapitaldecke (Tier 1: 7,3%)auf. Dabei wählt sie aber einen anderen Weg als die Konkurrenten.

Die LBBW will nämlich für die Kapitalerhöhung nur eine Bürgschaft beantragen. Das Geld (bis zu 6 Mrd. Euro) selber bringen die bisherigen Anteilseigner (Land Baden-Württemberg, Sparkassen u.a.) ein.

Der Grund für dieses interessante Vorgehen ist einfach: Es steht eine Neuordnung der Landesbanken an (eigentlich ist die schon lange überfällig) und die LBBW möchte als große Landesbank dabei eine aktive Rolle spielen. Und genau dafür wollen das Land und die Sparkassen die Zügel in der Hand behalten und sich nicht mit einem neuen Großaktionär namens Bund herumärgern müssen.

FTD: LBBW greift nach Staatsmilliarden


Dienstag, November 18, 2008

Buffet CDS teuer wie nie!

Kreditausfallversicherungen auf Warren Buffets Berkshire Hathaway sind so teuer wie nie. Die Kosten betragen 415 Basispunkte, was verdammt viel ist für eine Firma, die offiziell mit AAA das allerbeste Rating hat (z.B. besser als Italien). Vor 2 Monaten lag der Aufschlag noch bei 140 Basispunkten.

Der Grund für diesen Sprung im (gefühlten) Risiko bei Berkshire Hathaway ist unklar.
Es kann sein, dass der Markt für CDS einfach nur so dünn ist, dass die 415 Basispunkte nur ein total irrelevanter Ausreißer sind.
Es gibt allerdings auch Hinweise auf Swapgeschäfte. Da diese aber eine Laufzeit bis mindestens 2019 haben, besteht kurzfristig also überhaupt keine Gefahr. Außerdem entsteht das maximale Risiko von 37 Mrd. Dollar nur dann, wenn alle 4 Indizes auf die Geschäfte abgeschlossen wurden am Ende der Laufzeit auf NULL stehen. Und selbst dann hätte Berkshire Hathaway noch genügend Cash.

Die CDS Preise erscheinen extrem abstrus. Aber wahrscheinlich sind die Händler einfach nur verwirrt, dass Buffet, der die Derivate immer als Massenvernichtungswaffen beschrieben hat, selber in diesen Geschäften engagiert ist. In Zeiten wie diesen reicht das wohl für maximale Verwirrung aus.

FT Alphaville: Derivatives and the wisdom of the Sage

USA: Industrieproduktion 10/08 +1,3%

Deutliche Erholung im produzierenden Gewerbe in den USA. Das Plus von 1,3% war viel stärker als erwartet (+0,5%).

Leider muss die positive Überschrift relativiert werden, denn der September wurde von minus 2,7 auf minus 3,8% korrigiert. Damit war die Erholung im Oktober nur so stark, weil der September so weit nach unten korrigiert wurde.

Damit ist aber mit der Relativiererei noch nicht Schluss. Denn der September war durch den Tropensturm Ike und den Streik bei Boeing nach unten verfälscht, die Erholung im Oktober also nur eine Gegenbewegung. Die Statistiker haben sich daher die Mühe gemacht und beide Effekte herausgerechnet und kommen dann sowohl für September als auch Oktober auf ein Minus von jeweils 0,7%.

Marketwatch: Industrial output comes back part way from storms

Zahl des Tages (18.11.08): 139.000.000.000

Die Bilanz der US-Notenbank Fed ist allein in der vorletzten Woche um

139.000.000.000 (139 Milliarden) Dollar

länger geworden. Die Bilanzsumme am 12.11. 08 betrug 2,214 Billionen Dollar. Ich bin wirklich gespannt, wie die Banken das ganze Geld jemals zurückzahlen wollen ...

FT Alphaville: The parabolic Fed: divorcing monetary policy from money

siehe auch Die US-Notenbank Fed - der größte Hedgefonds aller Zeiten

Montag, November 17, 2008

USA: Weitere 21 Banken bekommen 33,6 Mrd. Dollar

Der Größe des Geldzuschusses nach sortiert:

U.S. Bancorp, Minneapolis, MN: 6,60 Mrd. Dollar
Capitol One Financial Corp, McLean, VA: 3,56 Mrd. Dollar
SunTrust Banks Inc, Atlanta, GA.: 3,5 Mrd. Dollar
Regions Financial Corp, Birmingham, AL: 3,50 Mrd. Dollar
BB&T Corp, Winston-Salem, NC: 3,13 Mrd. Dollar
KeyCorp, Cleveland, OH: 2,50 Mrd. Dollar
Comerica Inc, Dallas, TX: 2,25 Mrd. Dollar
Marshall & Ilsley Corp, Milwaukee, WI: 1,72 Mrd. Dollar
Northern Trust Corp, Chicago, IL: 1,58 Mrd. Dollar
Zions Bancorporation, Salt Lake City, UT: 1,40 Mrd. Dollar
Huntington Bancshares, Columbus, OH: 1,40 Mrd. Dollar

First Horizon National Corp, Memphis, TN: 866,5 Millionen
TCF Financial Corp, Wayzata, MN: 361,2 Millionen
Valley National Bancorp, Wayne, NJ: 300 Millionen
UCBN Holdings Inc, San Francisco, CA.: 298,7 Millionen
Umpqua Holdings Corp, Portland, OR: 214,2 Millionen
Washington Federal Inc, Seattle, WA: 200 Millionen
Provident Bancshares Corp, Baltimore, MD: 151,5 Millionen
Bank of Commerce Holdings, Redding CA: 17 Millionen
1st FS Corp, Hendersonville, NC: 16,4 Millionen
Broadway Financial Corp, Los Angeles, CA: 9 Millionen

Das waren alles Kapitalerhöhungen gegen Vorzugsaktien. Insgesamt sind jetzt 258 Mrd. Dollar aus dem Rettungstopf aufgebraucht.

Marketwatch: Treasury gives $33.6 billion to 21 banks

Von Zeit zu Zeit ...

... muss ich ein cooles Video zu Apple bringen. Alternativ kann es natürlich auch eine Microsoft Vera****e sein ;-) Am besten ist eigentlich, wenn sich MS selber vera****t, ohne es zu merken (Suche nach MS).

The Matrix runs on Windows:



Unfreeze. Unfreeze! UNFREEZE! Try Ctrl-Alt-Delete. Herrlich.

gefunden über: Basic Thinking: Matrix for Windows

Burger für 99 Cent gut?

Also den FAZ Gastrokritiker auf einen Hamburger von McDonalds loszulassen ist ungefähr so sinnvoll wie Marcel Reich-Ranicki zum Fernsehprogramm zu befragen.

Ich musste aber zugegebenermaßen lachen, als der Mann seinen Hamburger mit Messer und Gabel zu essen begann ...

FAZ: Pampiges Brot und sonst gar nichts

Wieso macht man das? Es macht doch keinen Sinn. Das ist doch wie Frauen im Fußballstadion ;-)

Das ist ein Zusammenprallen mit einer anderen, gänzlich fremden Welt. Im besten Fall ist es unterhaltsam, aber eine sinnvolle Diskussion entsteht dabei nicht.

Wer die ganze Geschichte nicht verfolgt hat: Ein Spitzenkoch (Molekularkoch Ferran Adrian) hat behauptet, dass auch die 10 besten Köche der Welt für 99 Cent nichts besseres kochen könnten als McDoof für 99 Cent als Hamburger verkauft. Ich finde, er hat damit völlig recht. Die Spitzenköche wissen zwar, wo man das beste Fleisch der Welt bekommt, aber nicht wo man Fleisch bekommt, das man in einer Hamburger-Bulette verbraten kann ohne die Budgetgrenze von 99 Cent zu reissen. Und wenn ich es streng rechne: Beim Stundenlohn eines 3-Sterne-Kochs dürfte bereits nach dem Aufschneiden des Brötchens das Budget aufgebraucht sein ...

FAZ: Der Starkoch Ferran Adrià schwärmt für die Hamburger von McDonald's
FAZ: Spitzenkoch Alexander Herrmann zum Burger-Streit

Citigroup entlässt 50.000 Mitarbeiter

Wieso rettet die eigentlich niemand? Warum redet alles nur über GM?

Marketwatch: Citigroup plans to cut about 50,000 jobs
Tagesschau:Citigroup streicht weitere 50.000 Stellen

Hoffnung für Kaupthing Geschädigte?

Die Financial Times meldet eine Einigung über die Guthaben auf den Icesave Konten, die als Bedingung für den IWF Kredit an Island galt.

Icesave war der Markenname für das Geldmarktkonto der Landsbanki, einer isländischen Bank, die genau wie Kaupthing verstaatlicht wurde. Es ist völlig unklar, ob diese Einigung auch für die Kaupthing Kunden gilt. Es wäre aber eigentlich logisch. Die Bundesregierung äußert sich nicht dazu.

Vielleicht zieht sie es vor zu schweigen, weil man selber bisher wenig Aktivität entwickelt hat (Wo steckt eigentlich Glos). Großbritannien hat den Zugriff auf isländische Vermögen eingefroren (Basis dafür waren Antiterrorgesetze, die Isländer zeigten sich not amused als Bin Ladendottirs angesehen zu werden), die schwedische Notenbank hat der schwedischen Tochter von Kaupthing über 600 Millionen Euro geliehen, damit diese die Kunden auszahlen konnte und auch die Niederlande haben die Einigung des internationalen Währungsfonds blockiert, solange sich die isländische Regierung weigerte, die 20.887 Euro pro Konto zu garantieren.
Für Summen oberhalb dieser 20.887 Euro sieht es aber wohl weiterhin schlecht aus.

FT.com: Iceland agrees deal on foreign bank deposits

Eine etwas ältere Meldung des Spiegels geht in die gleiche Richtung:
Spiegel: Deutsche Kaupthing-Kunden hoffen wieder

Ansonsten möchte ich die Gelegenheit nutzen, um auf ein Forum von KaupthingEdge Geschädigten hinzuweisen, in dem das Thema wohl besser betreut werden kann als hier:

http://kaupthing-edge.helft-uns.de/


Update (18.11.08):

Möglicherweise gibt es sogar noch mehr Geld, also auch über die knapp 21.000 Euro hinaus:

Spiegel: Deutsche Kaupthing-Kunden dürfen auf Geld hoffen

"Es gibt Hinweise" ...

Zahl des Tages (17.11.08)

Mal schauen, ob ich daraus eine regelmäßige tägliche Serie machen kann ... Eine unregelmäßige wird's auf jeden Fall.

Die bisherigen Vermögensverluste für den US-Verbraucher durch den Verfall der Preise für Immobilien, Aktien bis hin zu Bankeinlagen summieren sich auf

20.000.000.000.000 Dollar

(20 Billionen Dollar)

Quelle: The Big Picture: The Economy Gets a Margin Call

KfW mit 1,8 Mrd. Euro Verlust im 3. Quartal 08

Ich fordere die komplette Verstaatlichung aller Banken, damit die endlich so gut wirtschaften wie die KfW ;-)

FAZ: KfW macht fast 1,8 Milliarden Verlust

Damit das nicht zu einseitig wird: Die HypoRealEstate hat auch satte 3,1 Mrd. Euro Minus eingefahren ... (HRE mit 3,1 Mrd. Euro Minus).

Und braucht weitere staatliche Hilfen. Die bisher gewährte Liquiditätshilfe in Höhe von 50 Mrd. Euro reicht nicht aus. Hatte da nicht einmal ein einsamer Blogger :-) ausgerechnet, dass der Refinanzierungsbedarf der HRE für Q4/08 bis Q2/09 satte 138 Mrd. Euro beträgt (Weissgarnix.de: HRX - Da kömmt noch (viel) mehr!).

Wie? Was? Panik! Die 50 Mrd. reichen nicht aus? Sondern nur für wenige Monate?
Nur die Ruhe, ihr könnt das alles in der Bilanz nachlesen. Es ist für jeden ersichtlich. Aber wohl nicht für die, die den Überblick haben sollten.

Verstaatlicht den Laden und wickelt den ab. Mit 150 Mrd. Liquiditätsgarantie macht man sich am Ende nur lächerlich.

FAZ: Aufsichtsräte danken ab - weitere Hilfen nötig

Samstag, November 15, 2008

Alles nur geklaut

Der legendäre Monty Python Gag mit dem toten Papageien ist schon 1600 Jahre alt.

OK, damals ging es um einen Sklaven ...



In der Diskussion bei Slashdot geht es dann darum, ob die beiden Witze wirklich was miteinander zu tun haben. Ist mir aber auch egal, ich wollte eigentlich nur mal einen Monty Python Witz verlinken ...

Slashdot: Dead Parrot Sketch Is 1,600 Years Old

Freitag, November 14, 2008

Schnappte Porsche die VW-Beteiligung Daimler vor der Nase weg?

Spannende Geschichte in der FAZ: Wirtschaft als Krimi.

BaFin und Staatsanwaltschaft wurden von einem Ex-VW-Mitarbeiter detaillierte Unterlagen zur Verfügung gestellt, die auch der FAZ zur Verfügung stehen. Danach hat sich folgendes ereignet:

2005 planten VW und Daimler-Chrysler eine gegenseitige Beteiligung (Daimler soll bereits 4,8% an VW gekauft haben). VW sollte außerhalb Europas mit Chrysler kooperieren (gleiche Basisplattform, etc.). Außerdem sollte das Kleinlastergeschäft von Volkswagen mit dem LKW-Bereich von Daimler zusammengelegt werden. Dann aber trat Daimler-Chef Schrempp zurück. Genau in dieses Führungsvakuum ist Porsche gestoßen und hat im September 2005 den Aufbau einer 20%igen Beteiligung an VW angekündigt (Die Kooperation von Daimler und VW sollte am 1.10. bekanntgegeben werden). Porsche betonte zwar immer, dass es nicht um mehr als 20% gehe, kaufte sich aber schnell an die 30%-Marke heran. Porsche wollte damit die Kooperation mit VW absichern. Bekanntlich entwickelten und bauen beide den Tuareg/Cayenne gemeinsam.

Als wäre das nicht schon spannend genug, soll Porsche beim "Wegschnappen" auf Insiderinformationen zurückgegriffen haben. Dabei fällt der Name Ferdinand Piech. Und um das noch spannender zu machen: Der Tuareg von VW hat einen negativen Gewinnbeitrag, während Porsche pro Auto 20.000 bis 25.000 Euro verdienen soll. Sehr seltsame Verteilung von Kosten und Erlösen ...

Mein Artikel nur als Appetithäppchen. Die ganze Geschichte gibt es hier:
FAZ: VW intern

US-Einzelhandelsumsätze: Schlechter als alles seit 1980

Schlechter heißt in diesem Fall: Minus 2,8% gegenüber dem Vormonat. Auch der September wurde nach um 0,1% unten korrigiert und liegt jetzt bei minus 1,3%.

Man muss die Zahlen etwas relativieren, denn etwa die Hälfte des Minus geht auf die sinkenden Ölpreise zurück. Diese Ölpreise haben aber auch im ersten Halbjahr die Einzelhandelsumsätze besser aussehen lassen als sie in der Realität waren. Die Leute haben damals nicht mehr ausgegeben, weil sie wollten, sondern weil sie den Sprit brauchen, egal was der kostet.

Es lässt sich nicht mehr wegdiskutieren: Die USA stehen vor dem schwächsten Weihnachtsgeschäft seit langem.

WSJ: Retail Sales Decline 2.8% Amid Broad Weakness

Update (19:02)

Wer's mag, auf Deutsch:

Spiegel: US-Handel bricht im Oktober ein

Freddie Mac mit 25,3 Mrd. Verlust in Q3/08

Immerhin: Der direkte Konkurrent Fannie Mae hatte 29 Mrd. Dollar Verlust für das 3. Quartal zu vermelden (Fannie Mae mit 29 Mrd. USD Verlust). Da ist Freddie ja fast 4 Mrd. besser als seine Schwester Fannie. Ich würde da mal eine Party schmeissen ;-)


Freddie kündigt auch direkt eine "Kapitalerhöhung" (besser Kapitalinfusion) über 13,8 Mrd. Dollar (natürlich vom Staat) an, um die Bilanz wieder (notdürftig) aufzufüllen.

Marketwatch: Freddie Mac third-quarter loss tops $25 billion


Man wird das Gefühl nicht los, dass die Firmen erst dann die wirklichen Verluste melden, wenn sie sich unter ein sicheres Dach geflüchtet haben.

Fannie zu 100% staatlich meldet im ersten Quartal nach der Übernahme 29 Mrd. Dollar Minus.
Freddie zu 100% staatlich meldet im ersten Quartal nach der Übernahme gut 25 Mrd. Dollar Minus.
AIG zu 80% staatlich meldet im ersten Quartal nach der Übernahme fast 25 Mrd. Minus.

AIG Bailout Version 2.0: Jetzt über 150 Mrd. schwer

Solange die drei noch private Firmen waren, gab es die Verluste scheinbar nicht. Jetzt sind die "auf einmal" da. Man kann ja ruhig ausweisen, Ärger mit den Aktionären bzw. Probleme bei Kapitalerhöhungen gibt’s ja nicht mehr.

Wenn man jetzt den Umkehrschluss macht und sich fragt, wie denn wohl die Bilanzen der anderen börsennotierten Firmen aussehen, die noch nicht verstaatlicht sind, tja, dann hört man besser auf darüber nachzudenken ...

Mir schwant Übles ...

Burn-E ... Wall-E

Viel Spaß!

VOLKS - IMMOBILIEN - AKTIEN von Bild.de?!?

Was ist denn das? OK, es ist ziemlich offensichtlich Spam, aber unter der Kappe von Bild.de?!?

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BILD praesentiert: Stabil wie ein Fels - Die Volks-Aktie

Bild.de präsentiert

„Stabil wie ein Fels, die VOLKS - IMMOBILIEN - AKTIE DEUTSCHLAND“

Getreu dem Spruch der Superreichen

„SCHMEISST KAVIAR AUF DIE STRASSE DAMIT DER PÖBEL WAS ZU ESSEN HAT“

DIE AKTIE FÜR UNS ALLE - PASSEND ZUM WEIHNACHTSFEST

Offiziell kommt diese Aktie mit WKN – Notierung in Frankfurt an der Börse erst zum 01.01.2009 in den Handel

Für unsere treuen Leser und Kunden, zu denen wir auch Sie zählen, gibt es daher ein einmaliges

„VOLKS - IMMOBILIEN - AKTIEN – Special“

Aktueller Aktienstand: 18.40 EUR (Wertzuwachs dieses Jahr 6,9%)

Für Sie haben wir ein grosses Vorabpaket gekauft:

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Selbstverständlich erhalten Sie alle Daten bei Kontaktaufnahme inkl. WKN - Nummer offengelegt

Kein Mindestkauf – Ab 10 Aktien möglich

Die erworbenen Aktien werden auf Ihr Aktiendepot bei der Bank Ihrer Wahl übertragen, oder werden einfach bei einer Treuhandgesellschaft für Sie verwahrt!

Interesse? Dann klicken Sie jetzt und es oeffnet sich automatisch ein Emailfenster Ihrer Emailsoftware (In der Regel Outlook), sollte sich dieses Fenster nicht oeffnen, senden Sie uns bitte eine Mail an axelspringer2@web.de

ACHTUNG: Nur vollstaendig ausgefuellte Formulare werden bearbeitet!

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Das ist ja mal frech! Mit Abschicken des "Formulars" schickt man eine vorformulierte Mail an axelspringer2@web.de. Und dahinter sitzt dann höchstwahrscheinlich irgendein übler Abzocker, der einem so gut wie wertloses Aktien andreht (oder gar nichts und sich direkt mit dem Geld aus dem Staub macht).

ICH WARNE INTENSIVST!

(Mail an Axel Springer und web.de sind raus)

Update (15.11.08)

Es kam übrigens keine Antwort von web.de oder bild.de. Naja. Immerhin mag es sein, dass web.de die Adresse gesperrt hat. Wie ein Leser in den Kommentaren geschrieben hat, hat er die Mail bekommen, aber mit einem anderen Postfach als Empfänger.

Donnerstag, November 13, 2008

D: 20 Banken wollen an den Rettungstopf

Neben der HRE und der Commerzbank auf Privatbankenseite und fast allen Landesbank auf der staatlichen Seite, haben wohl auch einige andere Banken Bedarf bzw. Interesse angemeldet. Die Zurückhaltung haben die Banken scheinbar abgelegt.

Wer unter den 20 ist, verrät Walther Otremba, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium aber nicht.

Daraus könnte man ja einen lustigen Spekulationsthread machen. Was meint ihr, wer noch darauf zugreift? Die IKB? Die Hypovereinsbank? Am Ende doch noch der Ackermann?

FAZ: Rund 20 Banken haben Staatshilfen beantragt

516.000 neue Arbeitslose in den USA

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich die Zahlen im Rahmen meiner Rezessionswette beobachtet habe und darauf wartete, dass die Zahl endlich die magische Grenze von 350.000 überschritt. Jetzt sind es sogar über 500.000 Amerikaner, die einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe stellen mussten. Das ist der höchste Wert seit den Terroranschlägen von September 2001.

Auch damals habe ich schon darauf hingewiesen, dass die wöchentliche Zahl eigentlich unwichtig ist, weil sie viel zu stark schwankt. Ich bevorzuge daher den 4-Wochen-Durchschnitt. Wer jetzt aber hofft, dass der 4-Wochenschnitt besser aussieht, irrt. Hier ist der Wert von 481.000 zwar etwas niedriger, aber durch die Durchschnittsbildung wird auch das Wochenhoch aus dem September 2001 relativiert. Man muss schon bis 1991(!) zurückschauen, um einen höheren Wert für den 4-Wochen-Durchschnitt zu finden.

Für deutsche Augen üblicher ist allerdings die Zahl der Leute, die zum wiederholten Mal Arbeitslosenhilfe beantragen müssen. Denn damit zählt man nicht nur die Leute, die arbeitslos werden, sondern die, die arbeitslos bleiben. Auch hier nehme ich lieber einen 4-Wochen-Durchschnitt. Dieser liegt nun bei 3,79 Millionen und das ist sogar der höchste Wert seit 1983.

Marketwatch: Highest initial jobless claims since September 2001

D: BIP minus 0,5% (=Rezession) im 3. Quartal

Erwartet wurde übrigens nur ein Minus von 0,2%. Mit dem zweiten Quartal in Folge ist die weit verbreitete Definition für einen Rezession erfüllt

Tagesschau: Rezession in Deutschland ist amtlich

OK, das aktuelle Quartal haben die Ökonomen nicht richtig vorhergesagt, aber natürlich wissen die schon wieder Bescheid und können sagen, wie lange die Rezession dauern wird, die niemand vorhergesagt hat.

Spiegel: Rezession soll nur ein Jahr dauern

Und dass die Bundesregierung das Wort Rezession nicht in den Mund nimmt und die Lage so lange leugnet wie es eben geht, ist leider auch abzuheften unter "das Übliche".

FTD: Bundesregierung scheut das R-Wort

Konjunkturprogramme vs. Benzinpreis vs. Leitzinsen

Höh, was ist denn das für eine Gegenüberstellung im Titel?

Ich bin kein Fan von Konjunkturprogrammen, auch wenn ich damit komplett neben der aktuellen Denkmode liege (Ich habe es schon immer vorgezogen selber zu denken). Beim Lesen in den letzten Tagen habe ich zwei interessante Zahlen gefunden, die eines zeigen: Wie machtlos und unwichtig das ganze politische Getue um Konjunkturprogramme ist.

a) Die Zinssenkung der englischen Notenbank um 1,5 Prozentpunkte erhöht das verfügbare Einkommen der britischen Haushalte im 1%. Ich finde leider die Quelle nicht wieder. Die Rechnung ist aber relativ einfach: Man schaut sich das Gesamtvolumen der britischen Hypotheken an, nimmt den Anteil der variabel verzinsten Kredite und rechnet davon die 1,5% aus. Das Ganze gilt natürlich nur unter der Annahme, dass die Hypothekenbanken die Zinssenkung auch weitergeben. Da die Hypotheken aber überwiegend an den LIBOR gebunden sind, kommen die Banken daran nicht vorbei. Die Auswirkungen dieser Zinssenkung dürfte schon jetzt größer sein als die eines Konjunkturprogramms. Und die Zinssenkungen sind noch nicht am Ende angekommen. Es wird wohl mindestens nochmal um 1,5 Prozentpunkte nach unten gehen. Damit sind die britischen Haushalte im Schnitt schonmal 2 Prozent entlastet. Dass es eine Steuersenkung in dieser Höhe gibt, erscheint eher zweifelhaft.

Die Rechnung stammt aus dem Wall Sreet Journal: WSJ: Bold Lady of Threadneedle Street

b) Im Marktkommentar von Tiberius Asset Management wird eine weitere spannende Zahl genannt. Die Preissenkungen für Benzin, die durch den Ölpreisrückgang ausgelöst wurden, entlasten die US-Haushalte und Wirtschaft um 1,5 Billionen Dollar(!). Das ist das Doppelte des Volumens, das die US-Regierung für das Rettungspaket zur Verfügung gestellt hat. Und das Zehnfache des Volumens des (nebenbei gesagt völlig verpufften) Konjunkturpakets von Anfang 2008.

(Die USA verbrauchen laut IEA etwa 20,7 Millionen Barrel Öl pro Tag. Mit einem Preisrückgang von 90 Dollar vom Top * 365 Tage ergibt das nach meiner Rechnung eine Entlastung von gut 650 Milliarden Dollar. Ich nehme an, Tiberius hat auch noch Erdgas (und u.U. auch Kohle) als am Ölpreis hängendes Produkt mit in die Rechnung aufgenommen und ist so auf die 1,5 Billionen Dollar gekommen).

Wieso meint eigentlich jemand, dass man mit 150 Milliarden oder ähnlich lächerlichen Summen (über die albernen 10 bis 15 Mrd. Euro in Deutschland will ich erst gar nicht reden), irgendwas bewegen zu können? Die Zinsen und die Ölpreise sind VIEL wichtiger als alles, über das sich die Ökonomen und Politiker den Kopf zerbrechen und bei Will, Illner und Konsorten diskutieren.

Beim Konjunkturprogramm bleibe ich bei meiner flappsigen Meinung, dass es mir ziemlich egal ist, ob eines kommt, wie groß es sein muss, um zu wirken, etc. Es ist IMHO Wurscht. Mich interessiert nur eins: Wofür wird das Geld ausgegeben. Sollen sich die Politiker und Volkswirte (und die Blogosphäre) ruhig die Köpfe heissreden: Das Geld bewirkt eh nichts Entscheidendes. Dem Staat fehlen ausreichende Mittel dafür. Daher ist es mir nur wichtig, dass das Geld sinnvoll investiert wird: in Bildung (Schulen, Unis, berufliche Weiterbildung), in Infrastruktur (Straßen, Schienen, Stromnetz) oder Energiesparmaßnahmen (siehe auch US-BIP und meine Kritik an Konjunkturprogrammen). Und nicht für so einen Schwachsinn wie die Steuerentlastung für Automobile. Das ist nur ein Erfolg für die Autolobby ...

Update (13:42)

Link zum WSJ mit der Berechnung der Auswirkung der Leitzinssenkung ergänzt.

Mittwoch, November 12, 2008

IG Metall: 4,2% Plus

Erst gibt es einen Teil der Erhöhung, dann alles. Dazu dann eine Einmalzahlung und später nochmal eine.

Jede Wette, dass die Arbeitgeber daraus 3,x% und die IG Metall 5,x% für ihre Mitglieder ausrechnen?

Metaller bekommen in zwei Stufen 4,2 Prozent mehr

Update (13.11.08)

Ökonomen errechnen übrigens die erwarteten 3,x Prozent, genauer 3,1% annualisiert.

FT.com: German strikes averted as union eases pay demand

Börse Moskau (schon wieder) geschlossen

Gestern gingen die Aktienkurse in Moskau fast 15% nach unten. Dann hat man an der russischen Börse mal wieder vorzeitig Feierabend gemacht und ist direkt in einen Kurzurlaub gegangen.

Das wäre aber nicht unbedingt ein Posting wert, wenn es über die Lage in Russland nicht noch etwas mehr zu berichten gäbe. Gestern gab der Rubel etwa 1% nach. Was bei den Schwankungen, die man von den internationalen Devisenmärkten gewöhnt ist, nicht viel erscheint. Man muss aber bedenken, dass der Rubel keine frei schwankende Währung ist, sondern der Rubel nur in einem eng definierten Band schwanken darf. Droht ein Verlassen des Bandes, schreitet die russische Notenbank ein und stützt den Rubel, indem sie Rubel kauft und Dollar bzw. Euro verkauft.

Dafür hat die russische Notenbank allein gestern 7 Milliarden Dollar aufwenden müssen. Außerdem wurden der Leitzins von 11 auf 12% erhöht. Insgesamt hat Russland für die Stützung des Rubels schon 20% der Devisenreserven verbraten. Diese liegen aber immer noch bei knapp 500 Milliarden Dollar und sind damit ungefähr doppelt so hoch wie die Devisenreserven aller Euro-Länder zusammen.

Eigentlich doch ziemlich beruhigend, oder? Scheinbar nicht, denn die dreißigjährigen russischen Anleihen rentieren inzwischen mit einem Zins von fast 12%, also einem Aufschlag von etwa 8%. Die Credit Default Swaps liegen auch in dieser Höhe.

Bei einzelnen Firmen sieht es noch schlimmer aus. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Gazprom Anleihen liegen inzwischen bei 11,5%. Eine Firma, die noch vor Kurzem als quasi unverwundbare Gelddruckmaschine galt. Ich habe mich schon vor ein paar Wochen sehr verwundert darüber gezeigt, dass Gazprom überhaupt in solche Spekulationen verwickelt werden konnte ... (Gazprom vor Zahlungsschwierigkeiten?). Auch die Anleihen der größten russischen Bank Sberbank werfen inzwischen leckere 15% Rendite ab.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Russland irgendwie Probleme bekommt. Das Land müsste auch bei 40$ für's Barrel Öl noch Geld verdienen.

Für mutige Anleiheninvestoren bieten die oben genannten Rentenpapiere eine auf jeden Fall spannende und unter Umständen lukrative Investmentchance. Es kann natürlich auch schiefgehen. Der Ölpreis sinkt noch weiter. Die russische Notenbank hört auf den Rubel zu stützen. Der Rubel kommt unter Druck. Die Oligarchen ziehen ihr Geld aus Russland ab und schon beginnt sich eine Abwärtsspirale zu drehen und zwar immer schneller. Ganz hypothetisch ist das nicht, denn es wurden in den letzten 3 Monaten fast 150 Mrd. Dollar ins Ausland gebracht ...

FT Alphaville: Russia, asking for it
Bloomberg: Russia Debt Risk Jumps After `Clumsy' Ruble Widening, Rate Rise

HRE mit 3,1 Mrd. Euro Minus

das ist nochmal ein ganzes Stückchen schlechter als erwartet ...

Allein 2,5 Mrd. Euro gingen auf Abschreibungen bei der Depfa zurück, dass der Rest aber ebenfalls nicht profitabel ist, ist auch kein gutes Zeichen ...

Spiegel: Hypo Real Estate rutscht tiefer in die roten Zahlen als erwartet

Update (12:15)

Noch ne Quelle: FTD: Hypo-Real-Verlust schockt Börse

Dienstag, November 11, 2008

Die US-Notenbank Fed - der größte Hedgefonds aller Zeiten

Laut Alea Blog:

Eigenkapital: 41 Milliarden Dollar
Assets: 2076 Milliarden Dollar

Hebel 50.

Wow!

Bevor die Fed immer mehr und mehr Schrott in die Bilanzen genommen hat (und das ist noch nicht so lange her; genauer gesagt gerade 7 Wochen) hatte die Fed "nur" Assets im Wert von etwa 1 Billionen Dollar.

Alea: Deleverage This

Dazu passt die Nachricht, dass die Nachrichtenagentur Bloomberg die Fed auf Informationen zu den Assets verklagt hat. Wie ist die Qualität? Von wem stammen die Assets? All diese Details rückt die Fed nicht heraus.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und behauptet, dass die bei der Fed hinterlegten "Sicherheiten" den Namen schon lange nicht mehr verdienen ...

Komisch auch, dass in den Lippenbekenntnissen der Offiziellen immer Transparenz gefordert wird, die Fed und auch der Rettungsplan TARP allerdings alle ihre Aktionen mit einer großen Nebelmaschine bearbeiten ...

Bloomberg: Fed Defies Transparency Aim in Refusal to Disclose (Update2)

gefunden über Trader's Quest: Bloomberg verklagt die Fed: Wir brauchen Transparenz! oder Telepolis: Flucht in die Qualität prägt Finanzmärkte

Ich weise auch noch mal auf zwei ältere Postings von mir hin, in dem es um die stark abnehmende Qualität der Assets in der Fed-Bilanz ging:

a) Jetzt wird schon die Fed gestützt ...
Darin ein Link zu einer Grafik der Bilanzstruktur der Fed: FT Alphaville: Bailing out the Fed

b) Die Bilanz der Fed
Darin ebenfalls ein Link mit einer noch detaillierteren Zusammensetzung der Fed-Bilanz: Calculated Risk: Non-Borrowed Reserves and the Fed's Balance Sheet

Leider sind beide Grafiken auf dem Stand vom Mai und die ganzen neuen Programme (z.B. für den Ankauf von Commercial Papers) und die dadurch um mehr als 1,2 Billionen Dollar angeschwollende Bilanz der Fed konnten dort noch nicht berücksichtigt werden. Kennt jemand eine aktuellere Version? (Die Bilanz habe ich gefunden (eine Grafik wäre aber netter): Fed.gov: H.4.1 Factors Affecting Reserve Balances. Darin schlappe 531 Milliarden "other Assets", die es vor einem Jahr noch nicht gab ...)

American Express wird zur Bank

So ist das wohl, wenn man ein Rettungspaket für eine Branche schnürt. Alle wollen auf einmal dieser Branche angehören. GM ist ja auch schon eine Bank mit angeschlossener Autofabrikation ...

Das Kreditkartenunternehmen American Express ist jetzt offiziell zur Bank geworden und kann damit auf den Rettungstopf zugreifen. American Express dürfte das auch brauchen, denn die Kreditkartenschulden in den USA sind hoch und die Ausfallrate steigt und steigt.

Früher hat American Express die Kreditkartenschulden zu kleinen Päckchen verschnürt und diese Päckchen als Sicherheit für die eigenen Anleihen hinterlegt. Die steigenden Zahlungsausfälle sind aber weithin bekannt und von verschnürten Päckchen (egal was drin steckt) will im Moment niemand etwas wissen (außer zu Weihnachten und dann auch nur wenn sicher ist, dass da kein Finanzmathematiker seine Finger dran hatte). Der Markt für Anleihen, die mit Kreditkartenschulden hinterlegt sind, ist komplett zusammengebrochen. Neue Anleihen platziert niemand mehr. Die Zinsaufschläge für alte Anleihen legen bei knapp 500 Basispunkten auf den LIBOR, kurz sie sind damit Junk.

American Express muss die Kreditzusagen gegenüber den Kunden natürlich weiter gewähren, kann diese aber nicht einfach an den Markt weitergeben und muss die gezwungenermaßen in der eigenen Bilanz lassen. Um alle Risiken selber in der Bilanz zu halten, reicht aber das Eigenkapital aus.

Also macht man sich mal schnell zur Bank und darf damit auf die Refinanzierungslinien der Fed und möglicherweise auch noch auf mehr zugreifen.

Meine langfristige Einschätzung (schon im vorletzten Sommer) ist einfach: Es gibt zu viele Schulden auf allen Ebenen. Eben nicht nur Hypotheken, sondern auch Kreditkartenschulden, Firmenschulden, Staatsschulden, etc. pp. Und es rollt sich aktuell ein Problem nach dem anderen aus.
Das ist übrigens auch das Kritische an dieser Krise: 1929 hatten wir vor allem eine Aktienblase, aber einen Staat und Verbraucher, die nur niedrig verschuldet waren. Diesmal haben wir eine Blase, die in den Medien immer noch gerne allein auf den Immobilienmarkt beschränkt wird. Es ist aber eine Kreditblase, die eine viel breitere Basis hat und viel größer ist. Und das ist das Ergebnis von Alan Greenspans viel zu lascher Geldpolitik.

Zum Zusammenbruch des Kreditkarten-Schulden-Verbriefungsmarkt:
Creditwritedown.com: Writedown News: 5 Nov 2008
Telepolis: US-Kreditkarten ohne Finanzierung

Zu den Kreditkartenschulden allgemein:
Tagesschau: Folgt jetzt die Kreditkartenkrise?

Zur Umwandlung von Amex in eine Bank:
FTD: American Express sichert Staatshilfe mit einem Trick
FAZ: American Express wird zu einer normalen Bank
Marketwatch: American Express gets bank-holding company nod

Montag, November 10, 2008

Fannie Mae mit 29 Mrd. USD Verlust

Ist heute Finance Desaster Day?

Erst kommt die AIG mit 24,47 Milliarden Dollar Verlust (siehe AIG Bailout Version 2.0: Jetzt über 150 Mrd. schwer), dann folgt der bereits verstaatlichte Immobilienfinanzierer Fannie Mae mit 29 (!) Milliarden Verlust im letzten Quartal. Davon ist ein Teil natürlich nur einmalig, aber so vieles, das angeblich einmalig sein sollte, war es in der aktuellen Krise dann doch nicht. Gut, die steuerlichen Anpassungen könnten es tatsächlich sein, aber auch ohne diese Anpassungen in Höhe von 21 Mrd. Dollar wäre das Ergebnis noch stark negativ gewesen.

Nach dem Minus von 24 Mrd Dollar von Wachovia meldete die FAZ, dass es der größte Quartalsverlust eines Finanzunternehmens aller Zeiten sei (US-Bank Wachovia mit 24 Mrd. Dollar Verlust).

Das hätten wir dann heute direkt zweimal getoppt ...

Marketwatch: Fannie Mae sees $29 bln quarterly loss

Update (19:40)

Der Spiegel hat's auch: Spiegel: Fannie Mae macht Rekordverlust

Kursziel Null.

Sagt der Analyst egghat schon lange für MBIA und Ambac voraus ;-) ("angekündigste Pleite des Jahres"). Ich warte allerdings noch ...

Jetzt wagen sich auch Analysten der Deutschen Bank mit diesem äußerst seltenen Kursziel hervor, allerdings für eine andere Aktie: General Motors (wozu u.a. Opel gehört). Immerhin der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt knapp hinter Toyota.

Marketwatch: Deutsche Bank sees GM shares as likely worthless

FT Alphaville: GM is worthless

Die neue Analysteneinschätzung ist eine Reaktion auf die extrem schlechten Zahlen von General Motors, die letzte Woche kamen. GM hat allein im letzen Quartal 2,5 Milliarden Dollar verloren, ohne einen außerordentlichen Gewinn hätte das noch schlimmer ausgesehen.

FTD: Bei Ford und GM versickern Milliarden
Marketwatch: GM shares tumble as cash reserves dwindle

Wer nochmal ein Interview mit den Chefs von GM und Ford sehen möchte (solange es sie noch sind): Ritholtz.com: GM & Ford on Bloomberg Video. Darin gibt der CEO von GM zum ersten Mal zu, dass der aktuelle Bargeldbestand nicht bis zum Ende des aktuellen Geschäftsjahres (Juni 2009) ausreichen könnte.

Wirklich überraschend kommt das Desaster nicht: GM: Back to the Eighties oder hier: Suche nach GM

Update (22:07)

Ein Nachrichtenlink auf Deutsch: Spiegel: Deutsche-Bank-Analyse lässt Aktie von General Motors abstürzen

AIG Bailout Version 2.0: Jetzt über 150 Mrd. schwer

Als Update zu meinem Artikel von gestern Abend (US-Versicherer AIG vor Bailout Nummer 2 bis 3.).

Weitere (allerdings detaillierte) Gerüchte (Update: inzwischen bestätigt) zum neu strukturierten AIG-Bailout trudeln ein ... Es geht dabei auch nicht um die Frage, ob das jetzt der zweite oder dritte Schritt des Bailouts ist. Es werden vielmehr der erste Schritt (85 Mrd. gegen 80%) und der zweite (weitere 38 Mrd. Kredit) durch das neue Programm ersetzt. Quasi Version 2.0 des Bailouts.

Gesamtvolumen über 150 Milliarden. Aus dem 85 Milliarden Kredit wird ein 60 Milliarden Kredit, der allerdings verlängert und viel billiger wird: Statt 8,5% Zinsaufschlag auf den Libor sind es jetzt nur noch 3. Für den ungenutzten Teil des Kredits wird der Zinsaufschlag von 8,5% sogar auf 0,75% gesenkt. Die Laufzeit verlängert sich von 2 auf 5 Jahre. Dazu kommen noch 40 Milliarden aus dem Rettungspaket, die für eine Kapitalerhöhung im bekannten Stile genutzt werden: neue Vorzugsaktien mit 10% Dividende.

Aber damit noch nicht Ende des Programms. Es gibt noch zwei weitere Teile, mit denen Assets aus der Bilanz der AIG gekauft werden. Erstens investiert der Staat 30 Milliarden (plus 5 Mrd. von der AIG) und gründet eine neue Firma, in die 70 Milliarden Dollar an CDS (ich dachte, soviele gibt es gar nicht ;-)) ausgegliedert werden. Zweitens gibt der Staat 22,5 Milliarden Dollar (+1 Mrd. von der AIG) und gründet eine zweite Firma, in die Mortgage Backed Securities (hypothekenbesicherte Anleihen) ausgelagert werden.
Die vor zwei Wochen angekündigte zusätzliche Kreditlinie von 38 Mrd. Dollar (AIG: Ein Fass ohne Boden) wird hingegen wieder gestrichen.

FT Alphaville: AIG nears deal on revised state bail-out
FT.com: AIG receives new $150bn state bail-out

Willem Buiter fragt sich, ob man die AIG nicht besser ganz verstaatlichen bzw. unter staatliche Kontrolle (Receivership) stellen sollte. Irgendwie ist die modifizierte Lösung, die wieder auf 80% Staatsanteil hinausläuft, halbgar. Was sollen die 20% Aktien am freien Markt noch? Fannie und Freddie hat man auch komplett unter staatliche Kontrolle genommen. Mir scheint die Lage bei der AIG ähnlich komplex und unüberschaubar und die Auswirkungen ähnlich gravierend zu sein wie bei den Frannies.

Aber wahrscheinlich tritt bei der Komplettverstaatlichung ein Kreditereignis oder ein Eigentümerwechsel ein, der eine vorzeitige Kündigung der Verträge ermöglicht. Und genau das will man wohl vermeiden, weil dadurch a) möglicherweise eine unkontrollierte Abwicklung angestoßen wird und b) u. U. der Wert der verbleibenden Töchter reduziert wird.

Willem Buiters Maverecon: Time to pull the plug on AIG?

Update (12:01)

Eine deutschsprachige Quelle, die aber auch nicht mehr enthält als mein Artikel (vor allem keinen Link auf die Quelle, von der man abgeschrieben hat ...)
FTD: US-Regierung kauft sich bei AIG ein

Update (12:27)

Quartalsverlust von AIG ist raus: 24,47 Milliarden Dollar. Autsch. Etwa 15 Milliarden Abschreibungen plus etwa 9 Milliarden operativer Verlust.

Marketwatch: AIG reports third-quarter loss of $24.47 billion

Die Details zum neuen Rettungspaket für die AIG wurden inzwischen offiziell bestätigt:

Marketwatch: Fed, Treasury revamp AIG support

Update (12:43)

Eine sehr ausführlich Analyse bei, aber nicht von Ritholtz:

Ritholtz.com: AIG: The Looting Continues (Banana Republic Watch)

Ein Details übrigens, das ich im ersten Artikel vergessen habe, möchte ich noch nachreichen: Die Änderung des Plans ging von der AIG aus, die sich u.a. über den zu hohen Zinssatz beschwert hat. Die Banken hätten schließlich im Rettungsplan deutlich bessere Konditionen bekommen.

Nur Dank der Staatshilfe überhaupt noch am Leben, aber dann noch beschweren und Forderungen stellen. Ganz schön selbstbewusst!

Bankenpleite Nr. 19: Security Pacific Bank

Eigentlich ist es die 18, aber diese Pleite habe ich doch tatsächlich übersehen un dmöchte die Nummerierung nicht nachträglich ändern:

Security Pacific Bank, Los Angeles, Kalifornien. 561 Millionen Dollar Assets. Der Schaden für die US-Einlagensicherung wird etwa 210 Millionen Dollar betragen. Die Konten werden von Pacific Western übernommen.

Und für meine regelmäßigen Leser nicht verwunderlich ... auch diese Bank steht in "Warnstufe Rot" auf der sehr treffsicheren Todesliste Nr.2.

Originalpressemitteilung der FDIC:
Pacific Western Bank Acquires All the Deposits of Security Pacific Bank, Los Angeles, California

China mit MEGA Konjunkturprogramm

Es geht um 4 Billionen Yuan oder 570 Milliarden Dollar oder etwa 450 Milliarden Euro, die bis zum Ende 2010 in die chinesische Wirtschaft gepumpt werden sollen.

Nun mag man sagen, dass China auch ein großes Land ist und das vielleicht gar nicht so viel Geld sei. Das stimmt aber nicht, denn die Größe eines Konjunkturprogramms muss man eher an der Höhe der Wirtschaftsleitung messen. Und das BIP von China ist etwa genauso hoch wie das deutsche (Quelle: Wikipedia: Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt). 450 Milliarden Euro sind also etwa 20% des BIPs, sprich ganz schön viel. Zum Vergleich: In Deutschland reden wir über ein Konjunkturpaket, das 50 Milliarden Euro in Bewegung setzen soll. Der Staat gibt also nicht 50 Mrd. aus, sondern nur 10 oder 15 und möchte damit weitere Milliarden Investitionen in Gang setzen.

FT Alphaville: China’s huge stimulus package

Die offizielle Presseerklärung: China's 4 trillion yuan stimulus to boost economy, domestic demand

Update (9:56)

Entscheidend für die Wirksamkeit des Konjunkturprogramms ist, wieviel des Geldes zusätzlich ist also nicht schon vorher verplant war und jetzt nur einen neuen Aufkleber "Konjunkturprogramm" verpasst bekommt. Um Wirkung zu entfalten, muss das Geld logischerweise zusätzliches Geld sein.

Eine weitere spannende Frage: Wer finanziert denn jetzt das amerikanische Handelsbilanzdefizit? Das übernahm ja bisher vor allem China, das deswegen auf 1,7 Billionen Dollar sitzt. Wenn die Chinesen das Geld jetzt bei sich zu Hause investieren statt US-Staatsanleihen zu kaufen, können die USA schnell Probleme an einer Front bekommen, an der es trotz der ganzen Finanzkrise bisher ruhig geblieben ist. Und das Doppeldefizit war immer der Grund für den fallenden Dollar in den letzten Jahren (mit Ausnahme der letzten 4 Monate).

Nakes Shorts: Uh oh, there goes the bid in Treasuries

Update (12:02)

Tagesschau.de: Die Werkbank der Welt im Abwärtssog
FAZ: China-Milliarden beflügeln die Börsen
FAZ: Die China-Rally könnte kurzlebig sein

Die Chinesen betonen übrigens explizit, dass die Inflation jetzt kein Thema mehr sei, weil sie deutlich zurückgegangen sei. Jetzt gelte es das Wachstum zu stabilisieren. Alles unterhalb von 8% sei nicht akzeptabel.

Marketwatch: China's wholesale inflation falls to 6.6% in October

Update (22:28)

Robert von Heusinger von der Frankfurter Rundschau findet das chinesische Programm natürlich gut. Ich bin mir da nicht so sicher. Denn ich vermisse bei der Diskussion immer die Startbasis: Die Chinesen sitzen auf soviel Geld, dass sie nicht wissen wohin damit. Dann ist ein Konjunkturpaket, vor allem wenn es sich um langfristige Investitionen wie Infrastruktur handelt, sinnvoll. In Deutschland werden wir dank des Konjunkturabschwungs nächstes Jahr aber wieder einen ziemlich roten Haushalt produzieren (alles andere ist Zweckoptimismus). Deshalb muss man anders denken und kann nicht mal eben 450 Milliarden raushauen. Man erinnere sich, wie der letzte fast ausgeglichene Haushalt entstanden ist: Durch die größte Steuererhöhung in der Geschichte Deutschlands: Die Mehrwertsteuer ging von 16 auf 19% (in einem spannenden Kompromiss zwischen 16 und 18 kam die 19 raus). Und nicht durch Sparen. Wenn man *das* mal gemacht hätte, wäre jetzt vielleicht das Potenzial da, um 100 Mrd. in ein sinnvolles Konjunkturprogramm zu stecken.
Ich bleibe dabei: Ich will erstmal einen nachhaltig positiven Haushalt sehen. Dann kann man über ein Konjunkturprogramm nachdenken. (Ich befürchte sowieso, dass man sich als Politiker keine Gedanken über das Ausgeben von Geld machen muss. Die Gründe für bisher ungeplante Ausgaben werden die Finanzkrise (Empfänger Bank) und die steigende Arbeitslosigkeit (Empfänger Sozialkasse) in 2010 schon produzieren ...)

FR: Von China lernen

Sonntag, November 09, 2008

US-Versicherer AIG vor Bailout Nummer 2 bis 3.

Oder ist es bereits Nummer drei? Dass die 85 Milliarden Dollar in Rekordzeit aufgebraucht waren und dann noch einmal 38 Milliarden Dollar Kredit der Fed nachgeschoben wurden, hatte ich ja schon berichtet (AIG: Ein Fass ohne Boden).

Der Grund: der Verkauf der Assets fluppt wohl nicht wie geplant. Die potenziellen Käufer haben gerade selber genug Probleme (siehe Allianz mit 2 Milliarden Minus im 3. Quartal).

Die Geschäftsergebnisse der AIG im dritten Quartal, die am Montag bekannt gegeben werden sollen, sind wohl so schlecht, dass eine erneute Rettungsaktion ansteht. Vielleicht schon heute Nacht.

Marketwatch: AIG reportedly in talks over new bailout

FAZ: Verlust im Quartal: Allianz rückt von Jahresprognose ab

Update (23:52)

The Big Picture hat's auch: The Big Picture: AIG: We Need More Money

Parex Bank: Kaupthing Nummer 2?

Die Parex Bank kommt aus Lettland und ist auch in Deutschland bei Zinsjägern beliebt. Die Bank musste am Wochenende verstaatlicht werden, weil sie sonst Pleite gegangen wäre. Lettische Sparer haben in den vergangenen Wochen zu viel Geld von den Konten abgehoben. Der Kaufpreis für die 51-Prozent-Mehrheit betrug übrigens zwei Lat, umgerechnet 2,82 Euro.

Der große Unterschied zwischen der isländischen KaupthingEdge und der Parex-Bank ist die Tatsache, dass die Parex-Bank jetzt a) verstaatlicht ist und b) Mitglied im deutschen Einlagensicherungsfonds ist. Eigentlich sollte das Sicherheit verbreiten. Bei mir wirkt das aber nicht.

Lettland wird generell als ziemlich kritisch gesehen. Das BIP schrumpft nach extremen Wachstumsjahren nun, das Land steckt also tief in der Rezession. Das aktuellste Rating, das ich finden konnte, liegt bei BBB und damit nur auf der letzten Stufe, die noch als Investmentqualität zählt. Und dass man von Ratings nicht allzu viel halten soll, haben die letzten Monate gezeigt (Im unten verlinkten FAZ Artikel vom Mai überrascht die Ratingagentur Moody's mit der Erkenntnis, dass Island "im Falle einer starken Konjunkturabkühlung über eine für ihre Bonität 'hervorragende finanzielle Stabilität' verfüge". Nur eine halbes Jahr später ist Island defakto Pleite.

Und der Einlagensicherungsfonds dürfte nicht viel Sicherheit bieten. Die etwa 4,5 Milliarden Euro, über die der Fonds verfügt, dürften bei der Lehman Pleite (die auch Mitglied waren) bereits draufgegangen sein. Es ist noch völlig unklar, wie der Fonds auf eine weitere Pleite eines Mitglieds reagieren wird. Immerhin haben die anderen Mitglieder gerade selber andere Sorgen als den Fonds zu retten, in dem man selber Milliarden nachschießt. Noch dazu um eine Bank aus Lettland zu retten.

Also ich könnte mit einem Konto bei der Parex-Bank nicht ruhig schlafen.

Handelsblatt: Parex-Krise beunruhigt deutsche Sparer

FAZ: Moody's-Rating von Ungarn, Lettland, Litauen bei Krise gefährdet

DAX-Gewinne im Rückblick

Es ist immer hilfreich, zur Beurteilung der aktuellen Lage in die Vergangenheit zu schauen. Bei der Frage, ob die Aktien gerade preiswert oder teuer sind, muss man unter anderem die Gewinne in der Vergangenheit kennen.

In der aktuellen Börse Online von dieser Woche gibt es eine interessante Übersicht über die Gewinne im DAX, MDAX, SDAx und TecDAX. Die Gewinne für 2008 sind dabei noch geschätzt, die Ergebniswarnung der Allianz noch nicht drin.



2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
DAX 37,7 12,4 -5,3 18,5 36,4 54,1 64,4 74,5 50,2
MDAX 3,6 3,7 2,6 0,9 1,8 7,3 11,5 10,9 9,7
SDAX 0,0 -0,4 0,3 0,7 1,5 1,2 2,1 2,1 1,8
TecDAX 0,1 -0,2 -5,1 0,3 0,6 0,7 1,4 0,7 1,4


Das ist auf jeden Fall schonmal interessant (und ich wollte mir die Zahlen eh merken, warum nicht direkt in meinem Blog. Für irgendwas muss das ja auch gut sein ;-) ).

Spannend insbesondere wenn man zwei gute Jahre am Ende einer Aufschwungphase vergleicht: 2000 und 2007. Die Gewinne im DAX haben sich in etwa verdoppelt, die Gewinne im MDAX sogar in etwa verdreifacht. Das ist schon beeindruckend.

Was mich jetzt aber skeptisch macht: Die Gewinnschätzungen für 2009 im DAX liegen wieder bei 50 Euro etwa auf dem Niveau von 2008, im MDAX bei 10,5 und damit sogar höher als 2008. Wir stehen also vor einer wahrscheinlichen Weltrezession und die Gewinne der extrem exportabhängigen deutschen Wirtschaft für 2009 sollen sogar noch leicht nach oben zeigen? Und dabei wesentlich höher liegen als im Aufschwungjahr 2000? Das erscheint mir dann doch etwas arg optimistisch.

Die Reihe von Ergebniswarnungen, zuletzt sogar von Henkel, die eigentlich als ziemlich konjunkturunabhängig gelten, machen mir wenig Hoffnung auf ein gutes Jahr 2009. Ich befürchte, da drohen noch einige Enttäuschungen.

Sarah Palin ist soooo doof ...

OK, Sarah Palin als Vize ist der Welt erspart geblieben, aber das muss nochmal kurz kommen ...




Update (19.11.08)

Nur um es nachzutragen: Der Journalist bzw. Blogger, der angeblich diese internen Informationen der Republikaner ausgeplaudert hat, war ein kompletter Fake.

Samstag, November 08, 2008

US-Bankenpleite Nr. 18 - Franklin Bank

Und dieses Mal ist es eine große Bank mit 5,1 Milliarden Assets. Der Schaden für die US-Einlagensicherung wird auf 1,4 bis 1,6 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Konten und Filialen werden von der El Campo Bank aus Texas übernommen.

Der Kurs der Franklin-Aktie fiel nachbörslich von 20 auf 4 Cent.

Marketwatch: Franklin Bank closed, 18th failure this year

P.S. Auch diese Bank steht auf der Todesliste Nr.2 , auf die ich Anfang September hingewiesen habe (Und noch eine Todesliste für US-Banken), auf "rot", sprich der Stufe, die höchste Gefahr bedeutet. Es ist übrigens die letzte große Bank auf der Liste. Das war die gute Nachricht zum Wochenende.

Update (10.11.08)

Es gab noch eine weitere Bankenpleite am Wochenende, die ich hiermit nachreichen möchte. Ist aber eine kleinere Nummer, aber (mal wieder) auf der Todesliste (die ist echt nicht schlecht ...)

Bankenpleite Nr. 19: Security Pacific Bank

Freitag, November 07, 2008

Und ... MBIA auch Junk

Freitagabend, 22:50, zu spät noch was Richtiges zu schreiben ;-)

FT Alphaville: Moody’s cuts MBIA to Baa1

MBIA hat jetzt auch ein Junk-Rating. Es gilt das Gesagte von gestern:

Ambac ist Junk!

US-Arbeitslosenquote +0,4 auf 6,5%

Im Oktober 240.000 weniger Arbeitsplätze als im September 2008. Auch die Septemberzahl wurde von einem Minus von 159.000 auf ein Minus von 284.000 drastisch nach unten korrigiert. Ohne diese Korrektur war die Oktober-Zahl schon schlimmer als im Durchschnitt erwartet, nach der Korrektur übertrifft sie allerdings auch die schlimmsten Befürchtungen.

Die 6,5% sind übrigens ein 14-Jahreshoch.

Marketwatch: Unemployment rate leaps to 14-year high of 6.5%

Update (14:54)

Das Minus vom August wurde übrigens auch nochmal weitere 59.000 erhöht.

D: Industrieproduktion 09/2008 minus 3,6%

Im Vergleich zum August gab es im September ein Minus von 3,6%, im Vergleich zum Vorjahr minus 2,3%.

Der negative Wert im Jahresvergleich ist der erste seit 5 Jahren. In Kombination mit den extrem schwachen Auftragseingängen vom September (D: Auftragseingänge eingebrochen) macht das wenig Hoffnung für die aktuelle Wirtschaftslage. Vor allem weil die Stimmung erst im Oktober so richtig in den Keller ging ...

HSBC Trinkaus: Deutschland: Industrieproduktion, September 2008

LBBW und NordLB schnuppern am Rettungstopf

Aber selbstverständlich nur, weil die anderen schon vom Rettungstopf genascht haben und das ja scheinbar ganz lecker war. Hunger hat man natürlich keinen. Man hat sich genügend Eigenkapital angefuttert und auf der anderen Seite der Bilanz macht man gerade Diät. Aber wie gesagt, wenn die anderen doch naschen ...

Tagesschau: LBBW und NordLB prüfen Rettungspaket

Details gibt es noch keine, aber meine Prognose steht: Zumindest die LBBW wird zugreifen. (Nummer Zwei: LBBW?). Zwar nicht als Nummer 2, aber mein Timing war noch nie das Beste ...

Lacht! Solange es noch geht!

Der ist nicht mehr lange Präsident ...

Vor den Arbeitsmarktzahlen heute Nachmitttag noch etwas Unterhaltung. My Way von George W. Bush:

Stoibär: Schorsch singt “My way”



So was ähnliches gab es schonmal, habe ich aber verpasst (Sunday, Bloody Sunday von george W. Bush):

Stoibär: Sing mit Schorsch

Donnerstag, November 06, 2008

Kaupthing: Geld ist weg

Naja zumindest das Geld, das in normalen Anleihen von KaupthingEdge investiert war.

Zumindest ist das das Ergebnis, das das heutige Clearing der Anleihen ergeben hat. Ein Typ der Anleihen ergab eine Auszahlung der Kreditversicherung von 97,625%, der andere von 93,375%. Der Wert der Anleihen ist also auf 2,375 bzw. 6,625 pro 100 Nennwert gefallen.

Das ganze ist zu verstehen als eine Marktprognose auf die Gläubigerquote, die die Anleiheeigner am Ende der Abwicklung bekommen werden. Für normale Gläubiger von Kaupthing sieht's also (wie erwartet) übel aus.

Besitzer von Geldmarktkonten fallen aber in eine andere Gläubigerklasse. Erstens weil sie bis 20.887 Euro pro Kopf versichert sind und zweitens weil der Staat da wohl noch was unternehmen wird. Auch wenn die deutsche Regierung wieder einmal kein gutes Bild abgibt ... Im Gegensatz zu den Briten z.B.

Yahoo.uk: Auction sets Kaupthing sub CDS payout at 97.625%

US-Banken und der Griff in den Rettungstopf

Ich hatte die Liste der Banken aus den USA, die in den Rettungstopf gegriffen haben, schonmal gebracht (US-Banken im Rettungsschirm oder Pleite).

Wer das lieber schön interaktiv haben will, kann den folgenden Link nehmen:

Propublica: Bailout Bucks to Banks

gefunden über The Big Picture: Bailouts to Banks

Ich glaube aber auch nicht, dass die das weiterpflegen, wenn die Liste wirklich 1800 Banken lang werden wird (Die Liste aller US-Banken mit Staatshilfe).

IWF erwartet Weltrezession

Und ich habe nicht einmal meine zwei Quartale Rezession in den USA bekommen, die ich für meine Wette gebraucht habe...

Aber so ist das mit den Wetten an den Börsen und auf die Wirtschaft. Es muss nicht nur die Richtung stimmen, sondern auch das Timing. Der China-Put und der Yen-Call in 2007 waren gegenüber dem Kurs von heute auch saugute Ideen. "Nur" bei zu frühem Einstand fliegt man mittendrin raus ...

FTD: Währungsfonds erwartet Weltrezession

Deutschland ist übrigens mit -0,8% in 2009 "dabei".

D: Auftragseingänge eingebrochen

Die deutsche Industrie hat im September im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 8%, im Vergleich zum Vorjahr um 9% verzeichnen müssen. Das ist das größte Monatsminus seit 1991. Dabei sind die Aufträge aus dem Ausland noch dramatischer eingebrochen: Um 11,4 im Monats- und 13,6% im Jahresvergleich.

Keine guten Aussichten für die deutsche Industrie.

HSBC Trinkaus: Deutschland: Auftragseingänge, September 2008


Update (14:33)

Noch eine andere Quelle:
FAZ: Industrieaufträge brechen in großem Stil ein

EZB senkt Leitzins um 0,5 auf 3,25%

Nicht so ein großer Schritt wie in England ... Aber das konnte man eigentlich auch nicht erwarten; die EZB senkt eigentlich sowieso schon die ganze Zeit die Zinsen, obwohl sie vor allem der Geldwertstabilität verpflichtet ist (und die Inflation ist weiterhin viel höher als der EZB das Recht sein müsste).

EZB: Pressemitteilung

Update (14:31)

Noch was Deutsches hinterher: FAZ: EZB senkt Leitzins auf 3,25 Prozent

Die Schweiz hat übrigens auch von 2,5 auf 2,0% gesenkt.

Bank of England senkt Leitzins um 1,5(!)% auf 3,0%

Hört sich irgendwie an wie "all-in" beim Pokern ...

Gab es schonmal eine so starke Senkung um 1,5 Prozentpunkte in einem Schritt?

Marketwatch: Bank of England slashes key rate to 3%

Mal schau'n, was die EZB macht.

Update (14:35)

Noch was Deutsches hinterher: FAZ: Britische Notenbank senkt Leitzins drastisch

Und was Britisches: BBC: UK interest rates slashed to 3%

Update (15:23)

Olaf weist auf die merkwürdige Begründung zum Zinsentscheid hin. Die BoE hat den Zins gesenkt, damit die Inflation nicht unter den Zielkorridor sinkt. Der Zielkorridor liegt bei 1 bis 3% Preissteigerung. Die letzte Inflationszahl vom September lag bei bei 5,2%. Da macht sich die BoE tatsächlich Gedanken über den unteren Rand des Korridors während die Inflation um mehr als eine Korridorbreite über dem oberen Rand liegt?

Das sieht mir langsam alles nach "Panikmodus" aus ...

Trader's Quest: Bank of England: von 4,5% runter auf 3,0%

Ambac ist Junk!

Schreibe das schon lange, aber heute hat auch die erste Ratingagentur eingesehen, dass die beiden Kreditversicherer MBIA und Ambac dem Tode geweiht sind ("angekündigste Pleite des Jahres"). Gut, bei MBIA gibt es noch kein neues Rating, aber Ambac ist jetzt Junk.

Es ist zwar "nur" das Rating für unbesicherte Anleihen, aber der Rest folgt schon noch ...

Die Nachricht folgt auf den am Mittwoch angekündigten Quartalsverlust von 2,43 Milliarden Dollar, der die Aktie schon 40% nach unten trieb. Die Herabstufung von Moody's sorgte dann nachbörslich für weitere 18% Minus.

Yahoo: Moody's cuts Ambac Financial debt rating to junk oder FT Alphaville: Moody’s cuts Ambac to Baa1

KfW hat 288 Millionen in Island angelegt ...

... und die sind wohl (mindestens teilweise) weg. Aber es ist nicht alles weg; 20.887 Euro sind ja versichert (wer auch immer diese Versicherung bezahlt.

Kreditanstalt für Wertvernichtung ...

RP-Online: KfW verliert Millionen in Island

Gewinnwarnungen en masse

Allein diese Woche:

BMW, Daimler, Leoni, Rheinmetall, ArcelorMittal, ... Alles Zykliker und daher weniger überraschend.

Aber die von MLP, News Corp., Cisco gestern und heute zeigen, dass der Trend viel breiter ist als manche das vor wenigen Wochen noch vorhergesagt haben.

Für mich kommt das aber wenig überraschend. Nicht weil ich so schlau bin und alles besser weiss, sondern weil ich gerne in die Vergangenheit schaue. Ich habe schon 2007 gebetsmühlenartig wiederholt, dass die inverse Zinsstruktur DAS einzige wirklich gute Warnzeichen für einen Abschwung darstellt. Aber damals war alles anders. Was bekanntlich die teuersten Worte an der Börse sind ...

Also ein guter Anlass für etwas historischen Kontext und ein Blick in die Vergangenheit.

a) Die Summe aller Ergebnisse der S&P500 Aktien:



Man erkennt sofort, dass die Gewinne um einen langfristigen Trend schwanken. Trotz der gefühlten massiven Rückschläge waren die Gewinne im 3. Quartal noch deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Den Optimisten wird das beglücken, ich gehe aber eher davon aus, dass wir wie in jedem Abschwung noch unter den langfristigen Trend gehen. Wenn die Gewinne für den S&P 500 auf 40 Dollar fallen sollten, wäre das nicht überraschend. Das wäre ein Rückgang von etwa 50% vom Top und damit zwar mehr als normal, aber weniger als in richtig schlimmen Zeiten (in der Weltwirtschaftskrise gab es 75% Rückgang).

Dass die Gewinn zurückgehen, ist auch nicht überraschend. Die Gesamtrendite der US-Firmen lag 2007 bei etwa 8%. Das ist ziemlich genau die Gegend, wo die Renditen dann wieder nach unten wegkippen (ich finde die Grafik leider nicht wieder). Solange der Wettbewerb noch halbwegs funktioniert, steigen die Renditen nicht deutlich über 8%. Das hat die Analysten aber nicht davon abgehalten, die Gewinnprognosen für 2008 und 2009 um weitere 15 bzw. 10% zu erhöhen. Weil man irgendwie immer steigende Gewinne vorhersagt und sich die entscheidende Frage niemand stellt: Warum sollte die US-Wirtschaft eine Rendite erwirtschaften, die sie noch nie zuvor erreicht hat.



Gut, jetzt kann man vermuten, dass dieser Rückgang der Gewinne bereits durch die gesunkenen Aktienkurse eingepreist wird. Das sieht aber nicht so aus. Die KGVs sind immer noch überdurchschnittlich hoch. Das mag sich durch die niedrigen Leitzinsen relativieren (niedrige Zinsen = höheres KGV), aber so wirklich billig sind Aktien noch nicht.

Was mich allerdings optimistisch macht: Die Aktienkurse drehen zeitlich weit vor den Gewinnen nach oben. Mich würde daher interessieren, wie viel des Gewinnrückgangs schon in den Kursen steckt. Erwartet der Konsens für den S&P500 für 2009 noch 60 Dollar, 50 Dollar oder 40 Dollar Gewinn? Hat jemand diese Zahl? Als ich letztes Mal geschaut habe, lag die Gewinnschätzung für 2009 ÜBER der für 2008. Das war definitiv zu viel Optimismus.

Infectious Greed: S&P 500 EPS Over Time

Grafiken aus:
Crestmont Research: Stock PE Report

Mittwoch, November 05, 2008

Die USA werden frei und liberal und alles wird gut

Spiegel: Kalifornier stimmen für Verbot der Homo-Ehe

Der außenpolitische Berater von Obama ist Zbigniew Brzezinski und wer wissen will, wie der tickt, der lese den verlinkten Artikel oder das: Zeitenwende.ch: Der aussenpolitische Kampfhund Barack Obamas

Die tiefe Depression der Bush Ära ist vorbei, aber wie viel weniger dunkel die Obama-Epoche wird man abwarten müssen.

US-Arbeitsmarkt im freien Fall

Eine Zahl, die ich normalerweise nicht bringe, weil sie nur ein Frühindikator für einen weiteren Indikator ist: Die ADP-Zahlen. ADP ist eine Firma, die Lohnabrechnungen erstellt (ähnlich der deutschen DATEV). Einmal im Monat zählt die Firma, wie viele Abrechnungen sie erstellt hat und rechnet das über den eigenen Martkanteil auf die Gesamtwirtschaft hoch. Die Zahlen stimmen oft ganz gut mit den offiziellen Zahlen überein, die einen Tag später veröffentlicht werden. Manche mögen die Zahlen von ADP sogar sehr, weil dort statistisch wenig bearbeitet wird.

Im Oktober ging es um 157.000 nach unten, was auf sehr schwache offizielle Zahlen morgen hindeutet. Das kommt aber nicht überraschend, die Erwartung für die offiziellen Arbeitsmarktzahlen liegt bei Minus 210.000.

Marketwatch: Private sector job losses accelerate in Oct.: ADP

EZB unterstützt Börse für CDS. Ich will mehr.

Ich hatte bei meinen Überlegungen zu Schritt 2 der Rettung "Regulierung" schonmal ein paar Überlegungen in die Diskussion geworfen. (Schritt 1 war übrigens "Verhinderung der Kernschmelze"). Ich finde, dass Schritt 2 in der öffentlichen Diskussion viel zu kurz kommt. Aber es kostet halt keinen schlagzeilenträchtigen Milliarden und man kann sich nicht aufregen, sondern muss wenigstens ansatzweise Ahnung haben.

U.a. müsste es dabei um neue Eigenkapitalrichtlinien für die Banken gehen. Hätte man sich vor dem Rettungspaket darüber Gedanken gemacht und z.B. einfach 8% Cash in der Bilanz gefordert und den Banken 2 Jahre Zeit dafür gegeben, wäre die Diskussion über die Teilnahme der Banken am Rettungspakt müßig gewesen. Entweder hätten sich die Banken das Geld beim Staat besorgt oder beim Aktionär. Wer die 8% nicht schafft, wird abgewickelt. Das ist aber ein Thema für ein weiteres Posting.

Glücklicherweise findet die Diskussion aber trotzdem statt. Die EZB hat z.B. gestern beschlossen, eine zentrale Regulierungsstelle für Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) zu unterstützen. Unterstützen ist dabei eine ziemlich schwache Formulierung, wie wäre es mal mit "fordern"? Eine zentrale Abwicklungsstelle würde die Transparenz im Markt auf jeden Fall schonmal deutlich erhöhen. Sie gibt einen Ansatzpunkt für die staatliche Kontrolle. Besser als alles ausserbörslich zu handeln und abzuwickeln, ist das auf jeden Fall schonmal.

Ich habe meine Gedanken zum Thema schonmal formuliert und bin dabei noch etwas radikaler. Mir geht die Idee nicht weit genug. Ich fordere nicht nur eine zentrale Abwicklungsstelle, sondern auch eine zentrale Handelsstelle. Alles was nicht in einen standardisierten Kontrakt gepackt werden kann, wird verboten. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht weiterhin eine Kreditausfallversicherung auf die Deutsche Bank, GE, Spanien, etc. abschließen kann, weil die ein so hohes Anleihevolumen haben, dass darauf auch ein liquider Börsenhandel entstehen kann. Man kann sich danach nur nicht mehr gegen alle Risiken von allen Schuldner absichern, gegen die wichtigen aber schon.

Etwas länger aufgedröselt findet man diesen Gedanken nochmal hier: Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?

Warum mir die EZB-Idee nicht weit genug geht? Wegen solcher Aussagen:

"'Wir brauchen gute PR' sagte Tim Backshall, Stratege bei Credit Derivatives in Kalifornien. "
FTD: Die große PR-Aktion für Kreditderivate

Nein, es geht um mehr als "gute PR". Es geht um die Frage, ob man die Konstrukte überhaupt braucht und wenn ja in welchem Umfang und wie das konkret abgewickelt wird. Der Öffentlichkeit ist nicht entgangen (zumindest den Lesern hier), dass die Nettosummen der CDS viel niedriger sind als die Bruttosummen. Warum das so ist, verstehen aber weiterhin wenige und scheinbar haben selbst die Kontrolleure und Regulierer das nicht wirklich verstanden.

Selbst so simple, aber grundlegende Sachen wie die Definition des "Kreditausfalls" gibt es nicht. Zumindest bei der Pleite/Übernahme von Washington Mutual wussten selbst die Experten von Trinkaus & Burckhardt nicht, ob das jetzt ein Kreditausfallereignis war oder nicht: Der CDS Markt ist riesengroß, aber kein weiss was los ist.

Und damit sich diese mangelnde Transparenz und das daraus entstehende Unverständnis legt, braucht man nicht nur PR, sondern vor allem Produktstandardisierung und öffentlichen Handel.

Ich bin keiner, der permanent nach dem Staat schreit, aber bei den CDS ist angesichts des Volumens, der Intransparenz und des völligen Fehlens eines regulatorischen Rahmens die Lage klar: Hier muss der Staat eingreifen und die Leitplanken aufstellen.

FT.COM:ECB supports central clearance for CDS

EZB-Konferenz zur Einrichtung zentraler Kontrahenten für Kreditausfallswaps (PDF!)

Update (13:22)

Die FAZ hat auch einen Artikel. Darin die gestern zum ersten Mal veröffentlichten Daten der größten Clearingstelle in den USA:
FAZ: Handel mit Kreditrisiken wird transparenter

Vorher hatte aber schon Paul Kedrosky die Daten: Top 20 CDS by Net Exposure: Italy/Spain Rule. Die Daten soll es jetzt jede Woche geben.

Dienstag, November 04, 2008

US Auftragseingänge wieder schwach

Auch im September haben die US-Fabriken wieder weniger Aufträge bekommen. Im Vergleich zum August ging es im September weitere 2,5% nach unten (erwartet minus 0,2%) nach einem Minus von 4,3% im Monat zuvor. Beides sind kräftige Rückgänge. Der Oktober dürfte kaum besser werden und das 3-Monatsminus dürfte dann (wieder einmal) ein neues Rekordminus seit Annotobak werden.

Marketwatch: U.S. Sept. factory orders down sharply for second month

IMeem= Musik + Soziales Netz

Da packt man auf sein Blog einmal einen Popmusik-Sampler und schon bekommt man von cleveren Marketings-Leuten folgende Einladung:

"Friend Request from Christina Aguilera

Christina Aguilera would like to be your friend on imeem. By accepting this request, you'll join Christina Aguilera's network of friends on imeem and discover new playlists, music, video, photos, blogs and more.

Christina Aguilera says:
Add Christina as a friend on imeem and check out the new video Keeps Gettin' Better from her Greatest Hit release available now. Leave a comment and let us know what you think of the video!

Click to accept:
http://www.imeem.com/messages/requests/"

Uhoh, Christina, tut mir leid, aber ich war gestern Abend schon mit Madonna zum Sushi-Essen und heute Abend kommt Fußball, da hab ich wirklich keine Zeit ...

Eigentlich roch die Nachricht ja nach einem Fishing-Versuch, aber die war real. Dieses Web2.0 Zeuchs kann man für Marketing echt nett gebrauchen ...

Rettungsplan hoch 2 vor der Tür?

Ich hatte mich gestern schon gefragt, ob denn die 750 Mrd. Dollar für den Rettungsplan wohl ausreichen werden, nachdem 1800(!) Banken über eine Teilnahme am Plan nachdenken (Die Liste aller US-Banken mit Staatshilfe).

Heute wird die Nachricht aber noch eine Nummer schärfer. Dem Wall Street Journal zufolge denkt das Finanzministerium darüber nach, das Rettungsprogramm deutlich auszudehnen. Nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen, Spezialfinanzierer (Autobanken wie GMAC von GM oder Leasing bei GE) und auch Kreditversicherer dürften dann auf den Rettungspool zugreifen. Insbesondere die Kreditversicherer MBIA und Ambac haben ohne staatliche Hilfe eh keine Überlebenschance angesichts der drastisch sinkenden Kreditqualität der Schuldner.

Wie die inzwischen mehr als 100 Mrd Staatshilfen für die AIG zeigen, dürfte man in diesem Fall mit den 250 Mrd. Dollar nicht weit kommen. Nimmt man dafür den Rest der 700 Mrd. Dollar, bleibt für den ursprünglich geplanten Kauf des Giftmülls aus den Bilanzen kein Geld mehr.

Nicht falsch verstehen: Die Stärkung des Eigenkapital ist viel sinnvoller als auf der anderen Seite der Bilanz den Schrott abzukaufen (siehe: USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.).

Damit wird ein weiteres Programm für den Giftmüll fällig. Und wenn das beschlossen ist, braucht man auch noch irgendwas, um insbesondere den Immobilienmarkt wieder in Schwung zu bringen. Wenn dort die Preise nochmal 20% sinken, wird das einen Haufen zusätzlicher Abschreibungen nach sich ziehen und damit Bedarf für einen Rettungsplan 2.0 schaffen.

IMHO haben die bisherigen Maßnahmen "nur" die Kernschmelze des gesamten Finanzsystems verhindert. Die Geschwindigkeit des Sinkflugs hat so immerhin nicht zugenommen, ein Sinkflug ist das aber weiterhin. Und bei diesem Sinkflug ist die Gefahr einer Abwärtsspirale nicht ausgeschlossen.

Reuters Zusammenfassung: US weighs purchasing stakes in more financial firms- WSJ

WSJ: U.S. Weighs Purchasing Stakes in More Firms (nur für Abonnenten)

Let the vote begin

Anleitung:

1.) Richtig wählen
2.) Richtig zählen

Schau'n mer mal.

Telepolis: Warum in den USA Wahlen eine Zitterpartie sind

Montag, November 03, 2008

Die Liste aller US-Banken mit Staatshilfe

kann ich demnächst nicht nochmal posten. Eine Version bis zur letzten Woche hatte ich ja gepostet: US-Banken im Rettungsschirm oder Pleite

Heute geht aber die Nachricht herum, dass bis zu 1800 (!) Banken den Zugriff auf die Staatsmilliarden prüfen. Also *das* werde ich nicht alles sammeln ...

Man muss bedenken, dass von den 250 Mrd, die für die Banken vorgesehen sind, 125 Mrd. schon für die ersten 9 Banken ausgegeben wurden. Für die anderen 1800 stehen also "nur noch" 125 Mrd. zur Verfügung. Das ist dann pro Bank nicht mehr allzu viel. Gut, viele der 1800 Banken werden Klitschen sein. Trotzdem muss man sich fragen, ob das Geld für das Rettungspaket reichen wird.

FAZ: Amerikas Banken reißen sich um Rettungskapital
Zeit: Finanzkrise: US-Banken reißen sich um Staatsgeld

GM verkauft 45% weniger Autos

Absatz fast halbiert, das liest man auch nicht so häufig.

OK, der US-Automarkt war im Oktober ein einziges Desaster. Selbst Toyota verkaufte ein Viertel Autos weniger als im Vorjahr. Gewinnen konnte unter der größeren Herstellern nur Audi (+0,3%) und die Marke Mini von BMW (+54,6%; BMW-Gesamt minus 5%). Daimler verkaufte auch ein Viertel weniger, profitierte dabei aber vom Smart, der erst seit kurzem in den USA verkauft wird. Mercedes allein lag über 37% im Minus. Porsche halbierte sich sogar.

Desaströse Zahlen.

Spiegel: Autobauer verbuchen dramatische Absatzeinbrüche

Update (4.11.08)

Ein Linkhinweis von DonDahlmann aus den Kommentaren:

Autoblog


Und noch ein Update:

Die Lage in Spanien ist ähnlich dramatisch. Dort gibt es ein Gesamtmarktminus von 40%. Dem Automarkt in Frankreich geht es mit einem Minus von gut 7% noch vergleichsweise gut.
BBC: Spanish and French car sales dive

Und noch eins:

Auch in Deutschland ging der Absatz um 8,2% zurück:

Tagesschau: Kein Geld mehr für das Traumauto

HSH Nordbank und WestLB werden Rettungspaket in Anspruch nehmen

Die HSH Nordbank will sich bis zu 30 Mrd Euro neuer Anleihen vom Staat garantieren lassen. Eine Kapitalerhöhung mit Hilfe des Staats sind vorerst nicht geplant. Die HSH Nordbank will dies erst bei den eigenen Gesellschaftern probieren.

NDR.de: HSH Nordbank nimmt Staatshilfe an

Auch die WestLB will das Rettungspaket in Anspruch nehmen. Das hat der Aufsichtsrat heute Abend beschlossen. Der Umfang und die Konditionen sind noch unklar. Bei der WestLB muss man bedenken, dass das Land Nordrhein-Westfalen bereits für ein paar Milliarden Schulden der WestLB garantiert.

WDR.de: Auch WestLB nutzt Rettungspaket

USA: ISM Manufacturing Index noch weiter runter

Nachdem ich den Einbruch im September noch relativiert habe ("Nicht überbewerten", siehe ISM Index bricht ein), ging es im Oktober noch weiter abwärts. Nach 43,5 im September steht der Wert jetzt bei nur noch 38,9. Damit ist das Pendeln um die 50er-Marke, die die Grenze zwischen Rezession und Wachstum anzeigt, endgültig beendet und der Indikator ist eindeutig im rezessiven Bereich angekommen.
Der Rückgang war übrigens auch stärker als erwartet. Die negative Stimmung mag angesichts der Börsenturbulenzen übertrieben sein, aber auch die rein objektiven Zahlen sehen derzeit dunkelgrau bis schwarz aus. Das BIP mit einem Minus von (nur) 0,3% muss fast als positive Überraschung gewertet werden

Marketwatch: U.S. ISM factory index plunges again in October

Update (17:22)

Detail vergessen ... Nachdem die Septemberzahl ein neues Tief seit 2001 darstellte, liegt die Oktoberzahl auch darunter und stellt jetzt ein neues Tief seit 1982 dar.

FTD: Industrie in der tiefsten Krise seit 1982

Update (6.11.08)

Bei Econbrowser gibt es einen schönen Blick in die Vergangenheit. ISM-Werte unter 40 gingen
bisher immer mit einer Rezession einher:

Econbrowser: Manufacturers report more bad news

Commerzbank holt sich über 23 Mrd aus dem Rettungsfonds

8,2 Mrd kommen dabei über eine Kapitalerhöhung. Zusätzlich garantiert der Staat bis 2012 für 15 Milliarden Schuldverschreibungen der Commerzbank.

Auslöser ist die Finanzkrise. Die Pleite Lehman Brothers hat 357 Mio. Schaden verursacht, der Fast-Ausfall von Island 232 Mio. Euro und auf US-Hypotheken mussten weitere 144 Mio. Euro abgeschrieben werden.

Die Kapitalerhöhung wird in Form einer stillen Einlage durchgeführt. Da heisst auf jeden Fall, dass der Staat keine Stimmrechte hat. Ob die stille Einlage das Aktionärskapital verwässert und wie sich der Staat irgendwann wieder aus der Commerzbank zurückziehen kann, ist mir aber unklar. Nach der stillen Einlage beträgt die Kernkapitalquote der Commerzbank fast 12% nach knapp 8 vorher.

Die Commerzbank wird erst einmal keine Dividende an die Aktionäre und keine Boni an die Mitarbeiter zahlen, weil der Rettungspakt das so verlangt.

Wenn damit nun der Bann gebrochen sein sollte, dürften noch weitere Banken folgen ...

Tagesschau: Commerzbank nimmt Rettungspaket in Anspruch
FTD: Commerzbank schlüpft unter den Schirm

Sonntag, November 02, 2008

Die Witznummer (mit) Sarah Palin

Uh oh. Das hätte man doch etwas eher merken müssen. Spätestens bei "ich mochte die Verfilmung ihres Lebens, Nailin' Paylin" Nailin' Paylin ist ein cleveres Wortspiel, aber am Ende nur ein Porno!).

Nein, bitte nicht als (Vize-)präsidentin ...

TalkingPointsMemo: Palin Gets Pranked by Canadian Duo, Thinks She's Talking to French President Sarkozy (with audio and transcript)

Ist übrigens weniger lustig als erwartet. Ich find's eher schockierend ...

Samstag, November 01, 2008

US-Bankenpleite Nr. 17: Freedom Bank

Diesmal trifft es die Freedom Bank auf Florida. Der US-Einlagensicherungsfonds übernimmt die Garantie für die Konten, was diesen 80 bis 104 Millionen Dollar kostet. Das laufende Geschäft geht an die Fifth Third Bank, so dass sich für die Kunden wenig ändert.

Übrigens stand auch diese Bank in der Todesliste Nr.2 , auf die ich Anfang September hingewiesen habe (Und noch eine Todesliste für US-Banken), auf "rot", sprich der Stufe, die höchste Gefahr bedeutet.
Angesichts der unglaublich guten Trefferquote dieser Liste kann man fast vorschlagen, einfach prophylaktisch alle "roten" Banken dichtzumachen. Es sind übrigens 70 Banken, von denen 12 bereits abgewickelt wurden.

Marketwatch: Freedom Bank taken over in 17th failure this year

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