Freitag, Oktober 31, 2008

Noch zwei (und noch zwei (und noch zwei)) Immo-Fonds dicht

Diesmal der P2 Value von Morgan Stanley und der Focus Nordic Cities von Catella.

Der P2 Value (ISIN: DE000A0F6G89) ist etwa 2 Milliarden Euro schwer, der Focus Nordic Value (ISIN: DE000A0MY559) etwa 400 Millionen.

Beim Nordic Value ist das schon etwas überraschend, denn der Fonds ist erst ein gutes Jahr alt. Normalerweise hat ein Immobilienfonds bei erfolgreichem Vertrieb Probleme, das Geld schnell genug anzulegen. Der Nordic Value aber scheinbar nicht. Er hat das Geld so schnell angelegt, dass er jetzt nicht mehr flüssig genug ist, um zurückzuzahlen. Also wird erstmal 3 Monate lang die Rücknahme eingestellt.

Von den von der FTD geschätzten 88 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds dürften damit inzwischen gut 20% gelockt sein.

FTD: Weitere Immobilienfonds geschlossen

Update (17:32):

Die FAZ hat noch zwei weitere Fonds, die dicht sind:

UBS EuroInvest (ISIN: DE0009772616) und UBS 3 Kontinente (ISIN: DE0009772681). Der erste ist gut 2,6 Mrd. Euro schwer, der andere etwa 600 Mio.

FAZ.NET: Schon acht Immobilienfonds vorläufig geschlossen

Update (17:55)

Die ARD ist noch fleissiger und hat schon 11 gesammelt:

Die zwei zusätzlichen:

Degi-Fonds (ISIN: DE0008007998, etwa 2,5 Mrd. Euro) und
Credit Suisse CS Euroreal (ISIN: DE0009805002, etwa 6,6 Mrd)

Boerse.ard.de: Elf Immo-Fonds schließen

Neue DAX-Regeln gegen Megaschwankungen wie bei VW

Hat eine Aktie eine Volatilität von mehr als 250 und das Indexgewicht steigt über 10%, kann (nicht muss) die Deutsche Börse die entsprechende Aktie aus dem Index entfernen.

Die Regel wird aller Voraussicht nach, NIE mehr greifen. Warum die Deutsche Börse nicht einfach die Marktkapitalisierung um die "veroptionierten" Aktien bereinigt, weiss ich nicht. Wäre IMHO die bessere Lösung gewesen.

FTD: Börse verabschiedet Lex VW

US-BIP und meine Kritik an Konjunkturprogrammen

Konjunkturprogramme sind ja gerade in Mode. Nachdem sie lange out waren. Sehr out.

OK, Moden gaben mir noch nie was. Und Konjunkturprogramme auch nicht.

Theoretisch kann ein Konjunkturprogramm etwas bewirken. Wenn es

a) richtig getimed wird und
b) wenn es richtig gestaltet wird und
c) wenn es groß genug ist und
d) wenn es schnell genug kommt und
e) schnell genug wirkt.

Und die vielen "unds" im Satz sind genau das Problem: Das schafft nämlich niemand. Allein das Timing ist schon schwierig. Extrem schwierig. Wer hat im vorletzten September (2007) eine Rezession vorhergesagt? Niemand. Niemand von Relevanz. Ein irrer Blogger hat darauf zwar eine Wette abgeschlosssen (und verloren) aber sonst?

Ich will aber nicht nur palavern (und auf meine geradezu hellseherischen Prognosefähigkeiten hinweisen ;-)), sondern einfach mal auf zwei (wie ich finde hochinteressante) Datenpunkte aus den US-BIP Zahlen hinweisen.

"Current-dollar personal income increased $31.0 billion (1.0 percent) in the third quarter,compared with an increase of $228.4 billion (7.9 percent) in the second. The deceleration primarily reflected a downturn in personal current transfer receipts due to the effects of the second-quarter rebates to individuals who pay no income taxes (or for whom the rebate exceeded the amount of taxes they pay) from the Economic Stimulus Act of 2008.

Personal current taxes increased $133.4 billion in the third quarter, in contrast to a decrease of $180.9 billion in the second. The sharp upturn reflected the second-quarter rebates to individuals with tax liabilities, which were treated as an offset to taxes.

Disposable personal income decreased $102.4 billion (3.7 percent) in the third quarter, in contrast to an increase of $409.3 billion (16.7 percent) in the second. Real disposable personal income decreased 8.7 percent, in contrast to an increase of 11.9 percent."
Pressemitteilung

1.) Im 2. Quartal sind also die Einkommen der US-Bürger um 7,9% gewachsen, im 3. nur um 1%. Das große Plus im 2. Quartal beruhte auf den Geldtransfers an Bürger, die keine Steuern zahlen.

2.) Im 2. Quartal gingen die Steuerzahlungen um 180 Mrd. zurück, im 3. stiegen sie um 133 Mrd. Das lag an den Steuerschecks, die der Staat seinen Bürgern gegeben hat (allen die Steuern zahlen und von 1) nicht getroffen wurden).

3.) Zusammengerechnet ergab das ein Plus bei den Einkommen nach Steuern von satten 11,9% im 2. Quartal und ein Minus von 8,7% im dritten Quartal.

Die Consumption Expenditures (Konsumausgaben) sind dadurch im 2. Quartal auch - trotz bereits kräftig gestiegener Arbeitslosigkeit - noch gestiegen.

Das 150 Mrd. Konjunkturpaket hat also seine Wirkung entfaltet und zwar schnell und massiv. Genau wie es die Befürworter von Konjunkturprogrammen immer fordern. Das schafft dann neue Arbeitsplätze und finanziert sich von selbst. Also alles in Butter, oder?

Im 3. Quartal haben wir nun einen Einbruch der Konsumausgaben um 3,1%. Und damit ist wohl festzuhalten, dass die Wirkung genau 1 Quartal lang gehalten hat und inzwischen komplett verpufft ist.

Und was war noch gleich die Hauptkritik an Konjunkturprogrammen? Dass sie nicht nachhaltig sind? Dass sie nur ein Strohfeuer entfachen?

Mir ist nicht ganz klar, warum jetzt alle wieder hoffen, dass man mit einem Konjunkturprogramm den Tanker herumreissen kann.

Wenn (unter anderem) Dieter Wermuth jetzt ein großes Konjunkturprogramm fordert und darauf hinweist, dass es genügend sinnvolle Bereiche zum Investieren gebe, klar, gibt es. Nur frage ich mich, wieso man diese Bereiche immer in einem Abschwung finden soll? Machen Investitionen in Schulen nur Sinn, wenn eine Rezession droht? Machen Investitionen in Straßen nur Sinn, wenn eine Rezession droht?

Nein, ich bleibe bei meiner Meinung: Es ist nicht wirklich wichtig, wann der Staat wieviel Geld ausgibt, sondern vor allem wofür.

Und bei Konjunkturprogrammen wird Geld erfahrungsgemäß (besonders) schwachsinnig ausgegeben, weil es ja schnell wirken soll. So wie in den USA, wo es einfach einen Scheck gab. Völlig ohne Ziel, völlig blind in den Konsum geschüttet. Oder so wie jetzt in Deutschland, wo es (fast noch dümmer) eine Steuerbefreiung für neue Autos gibt.

Nennt mich "unbeeindruckt".

Herdentrieb: Die Zeit für ein großes Konjunkturprogramm drängt

P.S.: Immerhin kann man es noch dümmer als die USA und Deutschland machen. Prozyklisch sparen (dafür bin ich auch nicht). Aber dann noch an einer Stelle, an der man nicht sparen darf: bei der Bildung. Berlusconi macht's trotzdem.

Spiegel: FUROR IN ITALIEN Ciao, Bildung, ciao

P.P.S. Glos ruft einen "Wettstreit der Ideen" aus. Dabei scheinen mir große Teile des Geldes schon verballert zu sein; das sieht ziemlich nach einer Pseudoveranstaltung aus.

Aber egal, hier meine Idee: Ganztagsgrundschulen bis zur 6. Klasse. Kostenloses Mittagessen für alle Kinder. Die Bauaufträge für den Ausbau der Schulen und der Mensen sollten ein paar Milliarden in die Bauwirtschaft pumpen. Wirkt schnell, ist arbeitsintensiv, bleibt im Lande und ist langfristig sinnvoll.

Auch eine Idee? Kommentar abgeben!

Update (12:35):

Noch ein kleiner satirischer Blick auf das Rettungspaket von Becker+Jünemann bei WDR2 Kabarett (mp3).

Japanische Notenbank senkt Zins

Geht scheinbar noch ;-) Auch wenn die Notenbank jetzt wirklich kein Pulver mehr hat.

Der Leitzins ging von 0,5 auf 0,3%. Der Markt wollte/erwartete aber 0,25% und sackte dann mal schnell um 5% nach unten. Wegen o,05% im Leitzins ...

Dann werde ich mal langsam wieder anfangen, ein paar Kredite in Yen aufzunehmen ...

FTD: Zinssenkung enttäuscht Anleger

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Dachs von Auto überfahren

Mit drei Schüssen musste in Bochum am Donnerstag, 30.10. 2008, in den frühen Morgenstunden ein Dachs getötet werden.

Das Tier war auf der Auffahrt Markstraße/Universitätsstraße in Querenburg vom Auto eines 26-jährigen Fahrers angefahren und schwerst verletzt worden. Mit drei Schüssen aus einer Polizeipistole wurde der Dachs dann von seinem Leiden befreit.

Das Auto war übrigens ein Porsche und der Fahrer war Wiedekings Sohn ;-) Die mögen DAXe nicht unbedingt ...

Porsche rächt sich bei der Deutschen Börse ...

Heute ist Weltspartag!

Kann das mal jemand dem US-Verbraucher sagen ;-)

(nur ein kleiner Witz, denn die US-Verbraucher sparen jetzt überraschenderweise doch wieder etwas ...)

Update (31.10.08):

Herrlicher Artikel:

Weltspartag 2008 - aus der Sicht eines Bankers

gefunden über yigg.de

US-BIP: 3.Q. 08: -0,3%

Wesentlich besser als erwartet. Aber es wird noch nach unten korrigiert, da bin ich mir sicher.

Leider ein Quartal zu spät für meine Rezessionswette aus dem Herbst 2007.

Short-Selling, VW und eine Investmentmöglichkeit

Zum Thema Verbot des Short-Selllings habe ich weniger geschrieben als ich eigentlich wollte. Etwa 50 Links gesammelt aber nie die Zeit gefunden, daraus mal einen umfassenden Artikel zu machen. Dass ich das Verbot für hirnrissig und potentiell marktverzerrend halte, sollte als kurze Zusammenfassung reichen (Die Krise ist vorbei - Der Schuldige erkannt ...)

Dass das Thema gerade wieder hochkommt, liegt an VW und dem gigantischen Short-Squeeze, den wir am Anfang der Woche beobachten konnten. Was in der Presse an allen Ecken und Enden als viel zu große spekulative Positionen von Hedgefonds dargestellt wurde, war in Wirklichkeit wohl was ganz anderes. Nämlich ein doofes Absicherungsgeschäft.

Und das geht so: Man kauft eine Wandelanleihe auf VW. Diese Wandelanleihe bietet dem Anleger einen Zins und die Möglichkeit am Ende der Laufzeit zu einem festgelegten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Man bekommt als die Sicherheit eine Anleihe mit einer Chance von steigenden Aktienkursen zu profitieren.

Der Markt der Wandelanleihen ist jedoch ziemlich klein. Es gibt relativ wenig Umsatz und manchmal komische Kursfeststellungen (das ist aber keine Manipulation, sondern einfach den dünnen Umsätzen geschuldet). Komische Kurse sind aber immer etwas nach dem Hedgefonds Ausschau halten. Diese versuchen dann von bestimmten unlogischen Abweichungen zu profitieren.

Konkreter; ein (völlig konstruiertes) Beispiel: Die VW Wandelanleihe notiert bei 100 und gibt 1,5% Zinsen. Der Wert des Wandelrechts ist durch den hohen VW-Kurs aber allein schon 40 Euro wert. Im Vergleich zu einer normalen Volkswagen Anleihe müsste die Wandelanleihe bei einem Zins von 1,5% 80 Euro kosten. Sie kostet unter Berücksichtigung des Wandelwerts aber eigentlich nur 60 (Kurs von 100 minus 40 Euro Wert des Wandelrechts). Das schreit geradezu nach einem Investment.

Der Hedgefonds will das Risiko eines sinkenden VW-Aktienkurses aber nicht (jaja, es gibt Hedgefonds, die durchaus konservativ sind, auch wenn in der Öffentlichkeit ein anderes Bild vorherrscht). Also geht dieser Fonds jetzt hin und verkauft die entsprechende Anzahl von VW-Aktien leer. Steigt der Aktienkurs von VW, steigt die Wandelanleihe und die Shortselling-Position fällt. Sinkt der VW-Aktienkurs, sinkt die Wandelanleihe, die leer verkauften VW-Aktien gewinnen aber. Kurz: Die Schwankungen der beiden Positionen heben sich gegenseitig auf. Der Hedgefonds hat also defakto eine normale VW-Anleihe gekauft.

Jetzt kommt aber irgendjemand supercleveres auf die Idee Short-Verkäufe zu verbieten. Was passsiert? Die Hedgefonds sitzen auf einmal auf Bergen von VW-Wandelanleihen, die sich nicht mehr absichern können. Dann bleibt dem Hedgefonds, will er nicht gegen seine eigenen Anlagerichtlinien verstoßen, nichts anderes übrig als die Wandelanleihen zu verkaufen.

Und genau da besteht jetzt mglw. die Investmentchance. Die Wandelanleihen sind aktuell stark unter Druck geraten. Natürlich zum großen Teil, weil der Wert durch das Wandelrecht in den letzten Monaten im Rahmen der Aktienbaisse zurückgegangen ist, zu einem nicht geringen Teil aber auch aus dem Grund, den ich oben genannt habe: Gewisse Großanleger müssen verkaufen und es stehen keine Käufer bereit.

Der Markt für Wandelanleihen ist übrigens für Privatanleger schwierig zu beackern. Eigentlich kann man nur über Fonds teilhaben. Ich kenne z.B. keinen einzigen Online-Rechner für Wandelanleihen, bei dem man die Bedingungen und Renditen vergleichen kann. Außerdem sind viele Wandelanleihen sehr grob gestückelt. Man kann also nur Anleihen mit einem Nennwert von 10.000, 50.000 oder 100.000 Euro kaufen. Und wer wissen will wie illiquide die Märkte sind: Die TUI Wandelanleihe wird mit 47 zu 58 gequotet. Da hat man nach dem Kauf direkt 20% Verlust.

Ich bin kein Fan von teuren Fonds, weil die im DAX o. Ä. Märkten keinen Mehrwert produzieren. Deshalb sollte man da einfach einen ETF kaufen. Im Markt der Wandelanleihen ist das aber anders. Hier braucht man den Profi und hier gibt es ausreichend Ineffizienzen, die der Fondsmanager nutzen kann.

Es gibt im deutschsprachigen Raum zwei Spezialisten:

Fisch Asset Management aus der Schweiz, die zwei Fonds im Angebot haben und
Salm-Salm & Partner, die 3 Fonds (konservativ, normal, spekulativ) im Angebot haben. Daneben gibt es auf jeden Fall was von der Deka und auch von DWS.

Empfehlen kann ich da nichts, aber ich schätze, dass der Markt der Wandelanleihen einer ist, der gute Chancen bieten kann. Aber nur für Hardcore-Antizykliker mit entsprechend starken Nerven.

FT Alphaville: Time to go convertible?

Übrigens will ich mit dem Beispiel oben nicht gesagt haben, dass das Verbot des Short-Sellings zum VW-Short-Squeeze geführt hat. VW gehört nicht zu den Aktien, bei den Shortselling verboten war/ist. Bei VW war das Shortselling nicht verboten, sondern wurde mit der Ankündigung des Porsche-Anteils sinnlos, weil keine Chance mehr bestand, die Shortposition wieder einzudecken.

Mir geht es mehr darum zu zeigen, welche Verzerrungen ein Verbot der Leerverkäufe bewirken kann. Es schmiert auf einmal an einer anderen Stelle ein Markt ab, der auf den ersten Blick mit Shortselling gar nichts zu tun.

SEB Immoinvest auch dicht

Und wie schnell das geht ...

Gestern befürchtet Barbara Knoflach, aus dem Vorstand der SEB Asset Management, laut Handelsblatt "dass im Zuge der Aussetzungen einiger Fonds auch alle anderen Fonds unter Abflüssen leiden werden".
Handelsblatt: Anleger flüchten in Scharen aus offenen Immobilienfonds

Und schon heute macht die SEB den ersten Immmobilienfonds zu. Und der Fonds ist auch der größte bis jetzt. Das Fondsvolumen betrug 6,4 Mrd Euro. Inzwischen ein paar 100 Millionen weniger. Die Regeln sind die gleichen: 3 Monate keine Rücknahme. Damit ist eine eventuelle Umschichtung vor Beginn der Abgeltungssteuer ausgeschlosssen.

Reuters: SEB Immoinvest nimmt keine Anteile mehr zurück

Britische Immobilienpreise im freien Fall

Mit einem Minus von 14,6% im Oktober sind die Hauspreise in Großbritannien jetzt im gleichen Zustand wie in den USA: Modus Freier Fall.

Dabei hat Großbritannien noch nicht den Punkt erreicht, an der die Fallgeschwindigkeit abnimmt. Das Minus von 1,4% im Oktober ist ziemlich genau so hoch wie in den letzten Monaten.

Marketwatch: British house prices in 14.6% annual fall

Update (11:27)

Besserer Artikel mit Charts:
Creditwritedowns: Nationwide: UK house prices down 14.6%

Und die Originalpressemitteilung:
Nationwide full report (PDF 50KB).

US-Banken im Rettungsschirm oder Pleite

Weil's keiner mehr sammelt ...

Neben den 9 großen Banken, die der Staat defakto dazu gezwungen hat beim Rettungspaket mitzumachen (USA kaufen für 250 Mrd.$ Bankanteile) , haben sich inzwischen viele andere "eingetragen":

Fifth Third Bancorp
International Bancshares Corp.
Marshall & Ilsley Corp.
Zions Bancorp.
Capital One Financial Corp.
City National Corp.
Comerica Inc.
First Niagara Financial Group Inc.
HF Financial Corp.
Huntington Bancshares Inc
KeyCorp
Northern Trust Corp.
Old National Bancorp.
Provident Bankshares Corp.
Regions Financial Corp.
State Street Corp.
SunTrust Banks Inc.
UCBH Holdings Inc.
Washington Federal Inc.
First Horizon National Corp.
PNC Financial Services Group
Valley National Bancorp

Obwohl die Namen den meisten hier nichts sagen dürften, geht es da durchaus schon mal um ein, zwei oder drei Mrd. Dollar und mehr.

Marketwatch: List of companies planning to participate in TARP

Von Zurückhaltung ist da nichts zu spüren. Vielleicht ein Erfolg von Paulson, der die großen Banken ja gezwungen hat und damit die Türe für alle anderen weit geöffnet hat.

Nette Anmerkung von Footnoted.org: Die Teilnahme am Programm wird von den Banken fast als selbstlose Stützungsmaßnahme für die schwache US-Konjunktur verkauft. So nach dem Motto "naja, wenn's dem Vaterland dient ....". Bin mal gespannt, ob der Spindoktor vom Ackermann das ähnlich verkaufen wird ...

Footnoted.org: How banks are spinning the rescue…

Für ein paar Banken kam die Rettung aber zu spät. Letztes Wochenende gab es die Bankenpleite Nummer 16: Alpha Bank. Diese ist mit etwa 350 Assets nicht sonderlich groß. Nach der Erhöhung der Ausfallversicherung auf 250.000 Dollar sind auch nur noch 3,1 Millionen Dollar unversichert.

Marketwatch: Alpha Bank closed, 16th failure this year

Am Wochenende davor gab es auch noch zwei Pleiten, die allerdings noch kleiner waren:

Meridian Bank und Main Street Bank.

Creditwritedowns: FDIC: Two Friday night special bankruptcies

ALLE drei ware übrigens auf der Todesliste Nr.2 mit der höchsten Wertung rot (nicht schlecht).

In der Todesliste Nr.1 müsst ihr selber nachschauen, wenn es Euch interessiert.

Mittwoch, Oktober 29, 2008

Porsche rächt sich bei der Deutschen Börse ...

Erinnert sich noch jemand daran, dass sich die Deutsche Börse und Porsche (Wiedeking) lange gestritten haben, ob Porsche in den DAX darf? Die Deutsche Börse verlangt dafür Quartalsberichte, Wiedeking lehnt diese ab (Hedgefonds wie Porsche sind halt verschwiegen ;-) ).

Am Ende kam Porsche nicht in den DAX.

Dass gerade Porsche mit dem DAX in den letzten Tagen JoJo gespielt hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der Imageschaden für die Deutsche Börse als DAX-Erfinder dürfte nicht unerheblich sein, ähnlich wie Porsche auch einen Schaden hatte, weil Porsche nicht im DAX war und DAX-orientierte Fonds damit keine Porsche Aktien kaufen mussten.

Ist meine Lieblingsverschwörungstheorie für heute Abend ...

SZ: Privatbanken wollen gemeinsam an den Rettungstopf

Dann ist das nicht so peinlich, wenn alle mitmachen. Vielleicht sollten sich die Chefs von Deutsche, Dresdner und Commerzbank vor dem Gang nach Berlin auch noch etwas Mut antrinken ;-)

Ist noch im Gerüchtstatus, aber das wird wohl wahr werden.

SZ: Privatbanken wollen sich doch retten lassen

Update (23:13)

Die FTD meldet es auch. Steinbrück wird mit der Aussage "In den nächsten vier bis fünf Tagen wird es eine ganze Reihe von Instituten geben, die die Hilfe in Anspruch nehmen werden." zitiert.
FTD: Privatbanken wollen sich retten lassen

US-Leitzins -0,5% auf 1%.

Viel Pulver hat die Fed jetzt nicht mehr ...

Der Dow dreht ins Minus. Wenn es so bleibt, sehe ich meine These, dass der gestrige Kursanstieg die Vorfreude auf die Leitzinssenkung war. Schau'n mer mal.

Marketwatch: Fed cut rates by half point to 1%, staying aggressive

Zwei weitere Immo-Fonds dicht

Diesmal trifft es AXA und TMW Pramerica.

Bei AXA trifft es den etwa 4 Milliarden Euro schweren "AXA Immoselect", bei TMW den Immobilien Weltfonds, der etwa 1 Milliarde schwer ist. AXA hat im Oktober gut 400 Millionen Euro Abflüsse verkraften müssen und liegt jetzt unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Minimum von 5% Liquidität.

Jaja, das mit dem Renditedreieck ist schon blöde ... Aus illiquiden Assets liquide zu machen, ist halt schwierig (in Normalzeiten) bis unmöglich (in Krisenzeiten).

Tagesschau: Zwei deutsche Immobilienfonds stoppen Auszahlungen
Reuters: Finanzkrise trifft weitere offene Immobilienfonds

Meine alten Nachrichten zum Thema:
Kan-Am macht nächsten Immo-Fonds dicht
Kan AM stellt Rücknahme des US-Immobilienfonds ein!

HypoRealEstate greift in den Rettungstopf

15 Milliarden bitte. Gut, immerhin nicht als Eigenkapital, sondern "nur" als Garantie für neue Anleihen.

Das Ganze ist nicht ein Ersatz für die 50 Milliarden Euro aus dem HRE-Spezialrettungspaket, sondern natürlich zusätzlich.

Damit sind wir also bei insgesamt 65 Mrd. Eigenkapital plus Garantien für die HRE. Und haben auch die erste Privatbank, die in den Topf greifen muss.

Hat hier gerade jemand "Fass ohne Boden" gesagt?


Hypo Real Estate braucht Geld aus Rettungsfonds

Update (13:19)

Weissgarnix.de: Schrieb da einer was von “noch viel mehr”?

Gute Zeiten für Bagel-Verkäufer ...

Interessantes Experiment von einem Ex-Ökonomen (Paul Feldman), der Bagel Verkäufer wurde. Er belieferte Firmen mit Bagels und stellte eine kleine Kasse daneben, in die jeder einen Dollar pro Bagel werfen sollte.

Das Ergebnis: Obwohl die Chance erwischt zu werden extrem niedrig war, war die Zahlungsmoral überraschend hoch. Sank diese unter 80%, wurde ein Warnhinweis aufgestellt.

Es lässt sich ein Zusammenhang zwischen Hierarchien und Zahlungsmoral feststellen, genau wie ein Zusammenhang zwischen Arbeitsklima und Zahlungsmoral.

Das an sich ist schon spannend, noch spannender aber, dass sich die Zahlungsmoral mit dem Wetter (gutes Wetter = mehr zahlen) und auch vor Feiertagen änderte (vor Weihnachten geringere Zahlungsmoral; Portmonee leer?).

Aber noch spannender ist es, dass der Mensch doch ein soziales Wesen ist. Nach dem 11. September stieg die Zahlungsmoral nämlich deutlich an. Vielleicht wegen des Bedarfs nach mehr "Zusammenhalt" (zu dem ja Ehrlichkeit gehört), vielleicht auch durch die Erkenntnis, dass es Wichtigeres im Leben gibt als für 1 Dollar einen Bagel zu klauen.

Magazin.ch: Das Bagel-Experiment gefunden über Yigg.de: Das Bagel Experiment

VW Gewicht im DAX wird gekappt - Aktie minus 45%

Die Deutsche Börse hat gestern Abend beschlossen, das Gewicht von VW bei 10% zu kappen und zwar bereits zum 3.November. Die Aktie verliert 45%.

Die Kappung auf 10% ist zwar normal im DAX, wird aber interessanterweise nicht täglich vorgenommen, sondern nur quartalsweise.

Bei VW war es durch den De-Fakto-Freefloat zu massiven Verwerfungen im DAX gekommen, weil die VW Aktie in weniger Tagen von 200 auf 1000 Euro gestiegen ist und nach standardmäßiger Berechnung ein Indexgewicht von mehr als 25% bekommen hätte.

Was auf den ersten Blick nur wie ein Ärgernis erscheint, ist für indexorientierte Investoren ein Desaster. Für diese war es in den letzten Tagen praktisch unmöglich, den DAX sauber abzubilden. Die ETFs haben sich aber nach meinen Recherchen ganz gut gehalten. Zwar gab es gestern einen leichten Unterschied (die ETFs waren schwächer), aber heute gibt der DAX fast 3% nach, die ETFs aber weniger. Heute Abend könnte der Unterschied also schon wieder aufgeholt sein.

Der DAX verliert heute übrigens 3%, der einzige Wert im Minus ist VW. Alles andere ist DICK im Plus. Ausnahmsweise mal ein Kurstafel an dieser Stelle, aber diese Entwicklung ist einfach ZU wahnsinnig, um sie nicht festzuhalten.


ADIDAS AG INHABER-AKTIEN O.N. 27,22 EUR +13,13%
ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN ... 55,15 EUR +14,42%
BASF SE INHABER-AKTIEN O.N. 23,86 EUR +15,66%
BAYER AG INHABER-AKTIEN O.N. 41,82 EUR +9,16%
BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG ST... 18,21 EUR +6,87%
COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN ... 7,25 EUR +10,61%
CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN ... 28,95 EUR +7,22%
DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N. 22,74 EUR +17,52%
DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN... 24,14 EUR +8,42%
DEUTSCHE BÖRSE AG NAMENS-AKTIE... 51,88 EUR +13,85%
DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAM... 9,97 EUR +5,73%
DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN... 7,72 EUR +7,52%
DEUTSCHE POSTBANK AG NAMENS-AK... 14,25 EUR +1,86%
DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKT... 11,16 EUR +9,52%
E.ON AG NAMENS-AKTIEN O.N. 27,67 EUR +15,05%
FRESENIUS MEDICAL CARE KGAA IN... 35,31 EUR +5,25%
HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-V... 21,33 EUR +10,52%
HYPO REAL ESTATE HOLDING AG IN... 5,43 EUR +11,27%
INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMEN... 2,29 EUR +11,98%
K+S AKTIENGESELLSCHAFT INHABER... 31,96 EUR +11,55%
LINDE AG INHABER-AKTIEN O.N. 58,69 EUR +9,93%
MAN AG STAMMAKTIEN O.N. 33,51 EUR +9,40%
MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N. 63,54 EUR +7,68%
METRO AG STAMMAKTIEN O.N. 19,70 EUR +11,49%
MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG ... 91,01 EUR +12,19%
RWE AG STAMMAKTIEN O.N. 59,70 EUR +12,51%
SAP AG INHABER-AKTIEN O.N. 26,55 EUR +13,22%
SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N. 42,65 EUR +20,07%
THYSSENKRUPP AG 13,65 EUR +8,33%
VOLKSWAGEN AG STAMMAKTIEN O.N. 517,20 EUR -45,27%


Update (12:15)

Es gibt noch eine zweite Nachricht: Porsche hat selber gewisse Optionsgeschäfte aufgelöst. Auch das dürfte zur Entspannung bei VW beitragen.
FTD: Porsche lockert Würgegriff um VW-Aktien

Update (12:36)

Noch ein Hinweis auf ein Posting bei Boersennotizbuch.de, aus dem ich die Details zur Indexberechnung habe:

Die Dax-Indexberechnung: Rechnerische Verzerrung durch den starken Anstieg der VW-Aktie


Und ein Hinweis auf das Posting von m106 von gestern:
DAX verfällt zur Lachnummer

Dienstag, Oktober 28, 2008

Kan-Am macht nächsten Immo-Fonds dicht

Diesmal geht's aber um eine etwas größere Nummer: Der KanAm Grundinvest ist 5 Milliarden Euro schwer.

Übrigens ist der Fonds (wie der von gestern) 3 Monate zu und damit erst wieder umschichtbar, wenn die Abgeltungssteuer gilt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

FAZ.NET: Stresstest für offene Immobilienfonds

Reuters: KanAm friert zweiten Immobilienfonds Grundinvest ein

Und die Nachricht von gestern:
Kan AM stellt Rücknahme des US-Immobilienfonds ein!

Case-Shiller-Immobilienpreisindex 16,6% im Minus

16,6% Minus im Jahresvergleich im August sind dabei nicht so erschreckend, weil wir im Juli schon etwas mehr hatten. Was aber klar enttäuscht ist das monatliche Minus von 1%. Da ist mein Optimismus bzgl. der abnehmenden Fallgeschwindigkeit ("Die Fallgeschwindigkeit nimmt aber langsam, aber deutlich sichtbar ab") vielleicht doch etwas voreilig gewesen US-Immobilienpreise fallen weiter: -17,5%). Die Prognose, dass vom Hoch aus ein Gesamtminus von weniger als 30% entstehen wird, bleibt natürlich bestehen.

Man muss bedenken, dass die richtige Zuspitzung der Krise nach der Lehman-Pleite in den Zahlen noch nicht drin ist. Es besteht angesichts der desaströsen Stimmungslage wenig Hoffnung, dass der September und der Oktober besser werden. Wenn da nochmal jeweils 1% Minus dazukommen, beträgt das Gesamtminus seit Juli 2006 schon fast 25%.

Die Prognose von Meridith Whitney, dass die Immobilienpreise 40 bis 45% sinken können, wird damit immer realistischer (Meridith Whitney (Oppenheimer): US-Immobilienpreise fallen 45%). Und ich befürchte, dass ein solches Minus von den Finanzmärkten immer noch nicht eingepreist ist. Damit drohen noch einige weitere negative Überraschungen ...

Marketwatch: Home prices fall record 16.6% in past year

Cartoon: OK, der Wirtschaft geht's schlecht, ...

... aber der Präsident hat einen Plan ...



Quelle: Slate

Mehr Spaß.

US Verbrauchervertrauen auf ALLZEIT-tief

38 nach (nach oben korrigierten) 61,4 im September. Erwartet wurde ein Stand von 52.

Das wird das schlechteste Weihnachtsgeschäft seit hmmm der Weltwirkschaftskrise.

Marketwatch: U.S. consumer confidence plunges on financial crisis

Wer bietet mehr?Teil IV: BoE 2,8 Billionen Verlust

8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.08, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden

28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust

Oder FAZ: Finanzkrise kostet fast drei Billionen Dollar

Island erhöht Zinsen um 6 auf 18 Prozent

Und meldet gleichzeitig nochmal einen Finanzbedarf von 4 Milliarden Dollar an. Die 2 Milliarden, die der IWF letzte Wochen freigegeben hat, reichen also nicht.

Heute morgen im Deutschlandfunk hat jemand gesagt, dass man Island problemlos in die EU und den Euro aufnehmen könne. Island sei ja nur so groß wie Wuppertal. Aber Wuppertal hat nicht 5 Milliarden Euro Schulden und auch nicht drei der Stadt gehörende Banken, deren Bilanzsumme das BIP um ein Vielfaches übersteigt ...

Island wird aber mit Sicht in den EU und dem Euroraum landen. Ich glaube, dass die kleinen Währungen gegen Exzesse, wie sie das isländische Finanzsystem gebastelt hat, keinen Schutz bieten können. Die Isländer wollen zwar eigentlich nur den Euro, aber den wird's ohne EU nicht geben.

Tagesschau: Island benötigt weitere vier Milliarden Dollar

Update (14:59)

FAZ.NET: Zick-Zack in der Geldpolitik

Börsenspam: Warm Front Inc. (WFI)

Hören denn die Spams nie auf? Gut, es gab jetzt eine wirkliche lange Pause (oder mein Spamfilter hat die besser wegsortiert), aber dass es immer noch jemand versucht, ist einigermaßen frustrierend ...

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BREAKING NEWS: WFI has just been listed on the Frankfurt and Xetra exchanges!
Company: Warm Front Inc.
Exchange: Frankfurt & XETRA
Trading Symbol (both exchanges): WFI
Current Bid/Ask: 0.50/0.55
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Zum Glück tut sich bei der Aktie (WKN: A0NHEH, ISIN: CA9343051038) nichts und die eiert immer noch umsatzlos bei 0,50 zu 0,55 rum. Wahrscheinlich fehlt dem Spam ein "Plus von 500% erwartet", "Kaufen, geile Aktie" oder Ähnliches, um ein paar Idioten anzusprechen, die dann auf sowas reinfallen ...

Kauft sowas bloß nicht!

Meine alten Postings zum Theman Börsenspam

DAX verfällt zur Lachnummer

27. Oktober 2008 17:45: Der DAX schließt mit einem leichten Plus, statt eines Verlustes von 9%, dank der Volkswagen Aktie, die zwischenzeitlich einen Plus von unglaublichen 200% hingelegt hat und mit immerhin einem Plus von 146% aus dem Handel ging, als einziger Gewinner versteht sich!

Da stellt sich allen natürlich die Frage, wie kann sowas passieren? Nun, es ist eigentlich ganz einfach: Durch die schrittweise Erhöhung der Porsche-Anteile an VW, kommt VW auf ein Indexgewicht von unglaublichen 17% und das obwohl nur höchstens 10% zulässig sind. Und was macht die Deutsche Börse als Betreiber des DAX? Sie schaut sich die ganze Sache seelenruhig an und lässt es zu, dass sich eines der wichtigsten Börsenbarometer der Welt sich zur Witzfigur macht, die keiner mehr ernst nehmen kann. "Es gibt keinerlei Überlegungen, VW aus dem DAX zu nehmen. Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse dann heute morgen und verwies dabei auf das Regelwerk der Deutschen Börse. Auch gebe es keine Hinweise auf Rechtsverstösse, die eine Herausnahme rechtfertigten. Eine Änderung der DAX-Regularien sei ebenfalls nicht geplant.

Ah ja, dann könnte man doch auch gleich alle anderen Firmen aus dem DAX30 schmeißen und den einfach in VWDAX umbenennen, damit die Sache noch ein wenig glaubwürdiger wird.

Auch heute morgen ging die Party auf dem Frankfurter Parkett feuchtfröhlich weiter: Der DAX war zeitweise 10% im Plus. Auf der Gewinnerseite gab es nur zwei Werte: Hypo Real Estate und Volkswagen. In der Spitze kostete die VW-Aktien heute dann 1.000 Euro.

Die Deutsche Börse will die Entwicklung weiterhin "beoachten", aber sieht kurzfristig keinen Handlungsbedarf und verweist auf die turnusgemäße Überprüfung der Gewichtungen der Aktien im DAX, die alle dreimonate stattfindet. Die nächste Überprüfung steht am 3. Dezember auf dem Kalendar und beweist damit aller Welt, wie unflexibel sie ist. Letztendlich schadet diese Haltung nicht nur dem Ansehen des DAX auf der ganzen Welt, sondern auch den restlichen 29 Unternehmen die darin gelistet sind.

Update von egghat (17:57):

Zwei interessante Links:

a) Wolfgang Gerke zu VW und dem DAX: "VW muss raus aus dem Dax"

Man beachte insbesondere folgende Grafik:

Porsches Kurs-Katalysator

die mir doch sehr "inspiriert" von der Grafik von FT Alphaville von letzter Woche zu sein scheint: FT Alphaville: Porsche LLC? - the VW fruit machine explained

Montag, Oktober 27, 2008

Kan AM stellt Rücknahme des US-Immobilienfonds ein!

wegen zu großem Erfolg! Ernsthaft. Obwohl irgendwie auch nicht.

Der KanAm US-Grundinvest-Fonds weist ein Plus von 40 auf aktuell etwa 55 Dollar in den letzten 4 Jahren aus. Dazu kommen noch die Kursgewinne, die der Dollar gegenüber dem Euro in den letzten 4 Monaten geschafft hat und die allein schon über 20% betragen.

Was machen die Anleger? Sie ziehen ihr Geld ab. Wer kann schon aktuell irgendwo aussteigen (vor allem aus dem US-Immobilienmarkt!) und sich noch über kräftige Gewinn freuen? Also mitnehmen, solange es noch geht.

KanAm stellt jetzt die Rücknahme des Fonds für 3 Monate ein, weil die Barreserven des Fonds von etwa 30% auf nahezu Null zusammengeschmolzen sind. KanAm möchte in der aktuellen Marktlage nicht zu Verkäufen gezwungen sein. Kan-Am betont, dass der Fonds wirtschaftlich völlig gesund sei und auch keinerlei Mietausfälle zu verzeichnen seien.

KanAm hat die Rücknahme bereits 2006 schon einmal eingestellt. Das ist immer das selbe grundlegende Problem und ich habe schon 2006 darüber geschrieben: Panik bei offenen Immobilienfonds (oder wie mache ich aus einem Dreieck eine Linie?). Das mit dem Renditedreieck ist schon eine Krux.

FAZ: Kan-Am setzt Anteilsrücknahme für amerikanischen Fonds aus

Postbank mit Verlust - Kapitalerhöhung ohne Staat

Dass die Postbank im letzten Quartal einen Verlust von 449 Millionen Euro abliefert, muss als faustdicke Überraschung gelten. Die Postbank galt allgemein als konservatives Institut und damit als am wenigsten krisengefährdet. Nicht zuletzt deswegen dürfte die Deutsche Bank dort eingestiegen sein.

Jetzt aber muss die Postbank allein auf Forderungen an Lehman 364 Millionen abschreiben. Im Anschluss folgt eine Kapitalerhöhung um etwa 1 Milliarde Euro, die der Großaktionär Post zur einen Hälfte selber übernimmt und zur anderen Hälfte garantiert. Da auch Neu-Großaktionär Deutsche Bank schon seine Zustimmung signalisiert hat, dürfte die erfolgreiche Durchführung der Kapitalerhöhung wohl so gut wie sicher sein.

Trotzdem interessant, dass die Postbank NICHT auf das staatliche Rettungspaket zurückgreift.

FTD: Post muss Postbank 1 Milliarde zuschießen

Die Aktie der Postbank verliert heute übrigens über 20% und auch die Mutter Post leidet mit einem Minus von fast 10%.

Update (13:50):

Die Deutsche Bank hat beim Einstieg übrigens 57,50 Euro pro Aktie gezahlt. Heute kostet die Aktie weniger als 15 Euro ... Autsch.

90% Plus bei VW - Heute bei 1000(!) Euro

Gab's das schonmal bei einem DAX-Wert?

Grund: Porsche hat angekündigt, auf 75% der Anteile aufzustocken.

Welt: Porsche hat jetzt schon 74 Prozent an VW sicher

Update (12:18)

Porsche hat die Ankündigung gemacht, um den Short Sellern die Möglichkeit zu geben ohne Hektik und Risiko ihre Positionen glatt zu stellen. Sagt Porsche zumindest offiziell, inoffiziell kann man sich wohl sicher sein, dass Porsche klar war, dass nach der Nachricht die Shorties ALLE rausmüssen. Schließlich sind knapp 75% der VW Aktien bei Porsche und 20% beim Land Niedersachsen und damit kaum noch freie Aktien am Markt.

FT Alphaville geht übrigens davon aus, dass das Vorgehen von Porsche im Endeffekt ein Corner war. Man hat den Markt immer enger gemacht und immer weiter von den steigenden Preisen profitiert. Nach britischen Gesetzen, so die Einschätzung von FT Alphaville, wäre das in Großbritannien nicht möglich sprich legal gewesen.

FT Alphaville: The disreputable market in Volkswagen

Update (28.10.08)

Das Plus betrug intraday sogar 2oo%(!), die VW Aktie war also über 600 Euro.

FTD: Porsche hält VW-Spekulanten zum Narren

Update (10:43)

VW war schon über 1000 Euro!!! VW ist damit wertvollste Firma der Welt.

Hedgefonds sollen mit 10 bis 15% der VW Aktien short gewesen sein. Was bei einem Freefloat von nur noch 6% eine ziemlich schwierige Nummer ist ...

Spiegel: Hedgefonds verzockten fast 15 Milliarden Euro mit VW-Aktien

Update (11:45)

Unglaubliche Geschichte:

Das GESAMTE Plus im DAX kommt ausschließlich aus der VW Aktie (OK, HypoRealEstate ist auch 9 Cent im Plus). Alle anderen Werte sind im Minus.
Trader's Quest: VW hält den DAX im Plus. Und wie!

Sonntag, Oktober 26, 2008

Zwei weitere Staatsbanken brauchen Geld

Nach der BayernLB sind jetzt die WestLB und die HSH Nordbank an der Reihe.

Die WestLB will den Gerüchten zufolge nicht nur eine Kapitalerhöhung aus dem Rettungspaket finanzieren (wie die HSH Nordbank oder die BayernLB), sondern dem Staat auch einen Teil des Giftmülls aus der Bilanz andrehen.

Nicht Genaues weiss man nicht, aber eines ist schon klar: Dass nämlich noch ziemlich unklar ist, zu welchem Kurs die Papiere vom Staat übernommen werden. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass man in Deutschland dazu schon ein Verfahren festgelegt hätte.

Zwei weitere Banken brauchen Staatshilfe

P.S.: Wo bleibt eigentlich die LBBW? (Nummer Zwei: LBBW?)

Samstag, Oktober 25, 2008

Die Banken sind rekapitalisiert. Alles wird gut. Oder?

Sehr spannende Grafik!

Infectious Greed: The Bank Capital Mirage

Darin sieht man die bisher aufgelaufenen Verluste und die bisher erfolgten Kapitalerhöhungen. Weil die Eigenkapitaldecken so dünn sind, muss jeder Verlust direkt mit einer Kapitalerhöhung wieder ausgeglichen werden.

Die Summe der insgesamt erfolgten Kapitalerhöhungen hinkt der Summe der Gesamtverluste zeitlich etwas hinterher. Wenn man sich jetzt die Höhe der Verluste anschaut und die Höhe der Kapitalerhöhungen, sieht man schnell, dass die 250 Mrd. Dollar neues Eigenkapital gerade ausreichen, um die bisher aufgelaufenen Verluste abzudecken.

Da eigentlich niemand davon ausgeht, dass die Verluste jetzt auf einmal abrupt aufhören, kann man auch direkt davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhungen ebenfalls noch nicht beendet sind. Paul Kredrosky kommt daher (zum wiederholten Mal) zum Ergebnis, dass der Staat (mindestens in den USA und Großbritannien) am Ende der Krise Mehrheitsaktionär des gesamten Finanzsystems sein wird.

gefunden über: FT Alphaville: Losing control mit noch zwei weiteren interessanten Charts, die ich jetzt aber nicht kommentiere.

(Posting vorgeschrieben am Donnerstag, es mag überholt sein)

Freitag, Oktober 24, 2008

AIG: Ein Fass ohne Boden

Erst vor zwei Wochen bekam die AIG einen weitere Kreditlinie über 38 Mrd. Dollar von der amerikanischen Notenbank FED zugesichert, doch selbst die wird der AIG wohl nicht reichen. Laut AIG Chief Executive Edward Liddy im Fernsehinterview, werden die 123 Milliarden möglicherweise nicht reichen.

So sollen bereits 72 Mrd. Dollar aus der ersten Kreditlinie im Umfang von 85 Mrd. Dollar verbraten worden sein und 18 Mrd. Dollar aus der zweiten Kreditlinie, dessen Umfang 38 Mrd. Dollar beträgt.

Reuters: AIG may need more cash due to restructuring

32 Karrikaturen zur Finanzkrise ...

... hat Cicero. Wie üblich für Click-Junkies auf 32 einzelne Seiten verteilt. Grrr.
Wer nix zu tun hat ... Ich fand eigentlich nur die erste richtig gut ...

Könnt ja Euro Favoriten in die Kommentare posten, damit sich nicht alle durch die ganze Strecke klicken müssen.

gefunden über:Yigg

DAX -10%

Nachdem der Dow Jones gestern noch kurz vor Handelsschluss in Plus gedreht ist, hätte ich heute eigentlich mit einem kleinen seitwärts Trend bzw. einem kleinen Plus gerechnet, allerdings ist der Nikkei heute morgen mit knapp -10% in die Knie gegangen.

Olaf von Tradersquest vermutet, dass nicht Angst vor der Rezession die Kurse purzeln lässt, sondern, dass es schlicht keine Kredite mehr gibt und bestehende Kredite zurück gefordert werden.

Tradersquest: Bye Bye Carry Trade

Unterdessen hält Nouriel Roubini es für möglich, dass die Börsen wegen den Panik schließen könnten.

Goldseiten: Nouriel Roubini - Panik an den Finanzmärkten könnte innerhalb von Tagen zu ...

Der teuerste Teenager Scherz aller Zeiten

4,8 Milliarden Dollar Wertverlust in der Apple Aktie nach der Meldung Steven Jobs haben eine Herzanfall gehabt.

Jetzt kennt man den Verursacher. Sollte nur ein Teenager Scherz sein.

Roughly Drafted: Teen reported Steve Jobs’ fake heart attack

Donnerstag, Oktober 23, 2008

Langes Wochenende!

Lasst es Euch gut gehen.

Zwei Postings für Freitag und Samstag habe ich vorbereitet, eines gibt es heute aber schon bei einem Bloggerkollegen. Das lässt sich nicht vermeiden.

Vielleicht schreibt auch m106 was für Euch. Ansonsten wird Euch aber bestimmt auch nicht langweilig ....

Russland mit 10% Plus! Ukraine mit 28% Plus!

Ein Artikel aus der Aktion verwirrend positive Überschrift ...

Denn ich meine nicht die Aktienmarkt, sondern den Zinsaufschlag, den russische Anleihen inzwischen bieten müssen, um die Kosten für die Kreditausfallversicherung (CDS) wieder hereinzuholen.

Die Dollar Anleihe von Russland mit Laufzeit bis 2030 (WKN 109370 / ISIN XS0114288789 ) ist in den letzten 4 Monaten von fast 115 auf heute 80 heute gefallen. Trotzdem errechnet sich bei einem Kupon von 7,5% eine Rendite von etwa 9%, was nicht zu dem Aufschlag von 10% passt, den der CDS andeutet.

Kommt mir eh irgendwie komisch vor, schließlich hat Russland Devisenreserven von mehr als 500 Milliarden Dollar. So schnell gehen die nicht Pleite, auch bei einem Ölpreis von 70 Dollar nicht.

Sauberer ist die Rechnung schon bei der Ukraine. Bei der Ukraine kosten die Kreditausfallversicherungen 2.800 Basispunkte, sprich 28%. Die Anleihe (z.B. WKN 875097 / XS0170177306; Laufzeit bis 2013) rentiert dann auch mit mehr als 30%. Für die Ukraine sieht's übel aus.

CDS report: European credit default swaps hit record wides

Die FAZ meldet übrigens einen Risikoaufschlag für Russland von 591 Basispunkten
FAZ: Der russische Rubel wirkt angezählt

S&P: Wir wussten nichts ...

... das haben wir inzwischen auch gemerkt ...

Aussage eines S&P Menschen heute bei der Anhörung, warum die Ratingagenturen alles falsch geratet haben:

"Virtually no one -- be they homeowners, financial institutions, rating agencies, regulators, or investors -- anticipated what is occurring. "

Wir haben nichts gewusst und alle anderen auch nicht. Cool! Dann können wir euch Ratingagenturen ja abschaffen, schließlich wisst ihr scheinbar auch nur so viel wie alle anderen. Also von Experten, die teuer bezahlt werden und alle mehr als 100K im Jahr verdienen, sollte man schon etwas mehr erwarten können.


Hmmm, nicht die Idee gehabt, dass die Preise ganz am Ende der roten Grafik etwas zu hoch gewesen sein könnten? Dieses Mal ist alles anders?

Schonmal nach Japan auf die Entwicklung der Immobilienpreise zwischen 1990 und 2005 geschaut?

Oder mal ein Papier des internationalen Währungsfonds (aus 2003) gelesen?

"The risk is that housing prices in many countries have increased by more than the threshold for a boom, and booms have been followed by busts about 40 percent of the time."
When Bubbles Burst: World Economic Outlook, International Monetary Fund, April 2003. (PDF)

Das ist von 2003 und da ist von 40% Rückgang die Rede! Das war schonmal da und ist nicht ungewöhnlich!

Wikipedia: Real estate bubble

Nee, haben wir alles nicht gewusst. Das konnte man gar nicht wissen. Immobilienpreise steigen doch immer nur, oder?

Zwei Angestellte hatten wohl ein dumpfes Gefühl:
S&P employee #1: By the way that deal is ridiculous
S&P employee #2: I know, right. That model definitely does not capture half the risk
S&P employee #1: We should not be rating it.
S&P employee #2: We rate every deal. It could be structured by cows and we would rate it.
S&P employee #1: but there’s a lot of risk associated with it - I personally don’t feel comfy signing off as a committee member
Dazu fällt mir dann nichts mehr ein ...

Dealbreaker: This Proves NOTHING
The Big Picture: S&P: We Knew Nothing! Nothing!

Marketwatch: Ratings agencies 'put system at risk,' CEO says

Update (14:44)

Es gibt noch einen weiteren Satz (oben ergänzt):

"Thursday, April 05, 2007 3:59:54 pm EDT Shah, Rahul Dilip (Structured Finance - New York): but there’s a lot of risk associated with it - I personally don’t feel comfy signing off as a committee member"

Die wussten definitiv, was sie tun.

Aber der Konkurrent Moody's war ebenfalls schlimm. In einer internen Präsentation hatte Moody's bereits erkannt, dass die Ratingqualität immer schlechter wurde, weil die Konkurrenten sich gegenseitig mit "kundenfreundlichen" Ratings überboten und damit in qualitativer Hinsicht unterboten haben.

Was war die Conclusion?
"Unchecked, competition on this basis can place the entire financial system at risk."
Das gesamte Finanzsystem! Die wussten es. Nicht nur im Kleinen (Rating), sondern auch im Großen (Gefahr für's Weltfinanzsystem).

Und es waren nicht nur die Ratingagenturen, die es wussten. Auch Investoren wie Pimco, Fortis oder Blackrock wussten, dass die Ratings Schrott sind. Pimco hat sogar auf höchster Ebene (Sachin Gupta) versucht, die Ratings von Moody's auch für Investoren brauchbar zu machen (sie dienten offenbar nur noch den Emittenten). Blackrock hat "verwirrende Trends" in der Ratingqualität schon 2005 bemerkt. Und eine Fondsmanagerin bei Fortis sagte "the only use in ratings is comparing b.s. relative to more b.s." und "If you cant figure out the loss ahead of the fact, whats the use of using your ratings?”.

Jetzt verstehe ich auch, warum sich die Allianz nicht auf externe Ratings verlassen hat. Pimco als Allianz-Tochter war wohl Grund für die Entscheidung. Die Allianz kann zu Recht stolz darauf sein, auf den Rating-Mist nie reingefallen zu sein (Ambac nicht herabgestuft).

FT Alphaville: Rating cows

Update (15:01)

A third reason given was that the RMBS group enjoyed the largest ratings market share among the three major rating agencies (often 92% or better), and improving the model would not add to S&P’s revenues.
S&P hat die Modelle für die Ratings nicht überarbeitet, weil man bereits 90% Marktanteil hatte. Unglaubliche Begründung.

Infectious Greed: More Excerpts from the Credit Rating Testimony

West LB hat ein Jahres-BIP an Derivaten

Ob die West LB oder die LBBW die zweite Bank wird, die in den (noch) prall gefüllten Rettungs-Topf greift, ist eigentlich egal. Weil es klar ist, dass beide reinfassen werden.

Denn die Zahlen der Landesbanken, die im wirtschaftquerschuss-Blog gerade aufbereitet werden, sind schier unglaublich. Über die LBBW, bei der die Risikopositionen etwa 75% des deutschen BIPs ausmachen, hatte ich gestern schon geschrieben (Nummer Zwei: LBBW). Im Kommentar bei wirtschaftsquerschuss habe ich geschrieben, dass sich die West-LB auch bedienen wird (zur West-LB habe ich Kontakte, auch wenn die nicht so hochreichen, dass ich das als Nachricht schreiben würde, aber der Flurfunk ist in solchen Extremphasen ziemlich zuverlässig).

Und naja, was ergibt die Bilanzanalyse der West-LB? Die Derivatepositionen machen nicht "nur" 75% des deutschen BIPs aus, sondern 105%. Die Derivatepositionen übersteigen die Wirtschaftsleistung, die ganz Deutschland in einem ganzen Jahr erwirtschaftet!

Wow!
Wow!
Wow!

Wenn sich also schonmal jemand gefragt hat, wer die CDS hält, deren Gesamtsumme die Summe aller BIPs der Welt übersteigt, bekommt langsam die Antwort.

Über solche Details wie einen Hebel von fast 55% muss man da gar nicht mehr reden ...

wirtschaftquerschuss: "WestLB - die Dritte"

Im Artikel gibt's auch noch ein paar schöne Aufrechnungen über die Summe der Derivatepositionen aller Landesbanken zusammen. Wobei "schön" nicht wirklich das richtige Wort ist ...

MacBook Nano, MacBook Touch oder iPhone Pro?

wär mir egal, würde ich trotzdem kaufen ;-)

Ich bin mir sicher, dass Apple irgendwas in der Richtung plant. Dazu sind Netbooks einfach zu nah an der Apple-Philosophie. Das sind im Kern kleine, schicke, sparsame und leise Geräte ohne Funktions-Overkill.

Das Gerücht ist nicht ganz neu, aber laut Gizmodo hat eine Suchmaschine verraten, dass sie in ihren Logdateien Zugriffe von einem Apple-Gerät hat, dass eine höhere Auflösung hat als das iPhone. Die Suchmaschine kennt den Namen, mit dem sich das Gerät identifiziert, auch schon, verrät den aber nicht.

Gizmodo: MacBook Nano or iPhone Slate Caught Online, Says NYT

Update (11:49)

Korrektur: Kleine Ungenauigkeit: Die Info der Suchmaschine gab es nicht gegenüber Gizmodo, sondern gegenüber der New York Times:

Read My Lips: Apple Is a Netbook Maker

Gazprom vor Zahlungsschwierigkeiten?

Die Krise schreibt Nachrichten ... Schalke Pleite?

Gazprom sitzt auf riesigen Gasfeldern und hat Probleme bei der Refinanzierung der Schulden?!? Also Gazprom hätte ich gaaaaanz weit hinten auf der Liste gehabt ...

FTD: Gazprom sucht frische Geldquellen

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Nummer Zwei: LBBW?

Noch ne Landesbank, die in den Rettungstopf greifen muss?

Der Hebel bei der LBBW beträgt satte 57,8. Allein die 9,3 Mrd Euro in CDOs dürften für einige weitere Milliarden an Abschreibungen gut sein.

Ich spar euch jetzt zu später Stunde die Summe der CDS und anderer Derivate. Und das klitzekleine Detail, dass das alles zuammen etwa drei Viertel des deutschen BIPs (der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands) ausmacht. Ist wirklich zu hart zu dieser späten Stunde ...

Sehr lesenswerter Artikel.

Wirtschaftsquerschuss: "LBBW - ein sicherer Kandidat"

Weil's gerade passt noch ein Hinweis auf einen schönen Artikel zur Nummer 1 Bayern LB bei Rebellmarkt:

Rebellmarkt: Was treibt der Bayer in Island?

US-Bank Wachovia mit 24 Mrd. Dollar Verlust

Wachovia ist die Bank, die erst an die Citigroup gehen sollte, dann aber überraschend von Wells Fargo gekauft wurde.

Der Verlust entstand zum überwiegenden Teil (knapp 19 Md) durch Abschreibungen auf wertlose Hypothekenkredite.

Wells Fargo zeigt sich trotzdem zufrieden mit dem Kauf. Immerhin ist Wells Fargo mit dem Kauf einer der vier großen Player in den USA neben der Citigroup, JP Morgan Chase und der Bank of America.

Ich kenne die Details des Deals zwischen Wells Fargo und Wachovia nicht, aber der Citigroup wurde ein Risiko von maximal 40 Milliarden Dollar zugesichert. Verluste darüber sollte/wollte der Staat übernehmen (siehe Citigroup kauft Wachovia).

Wenn Wells Fargo eine ähnliche Garantie ausgehandelt haben sollte, wäre es sehr nachvollziehbar, wenn Wells Fargo versuchen würde, schnell in Richtung der 40 Mrd. Abschreibungen zu kommen, denn dann wäre für jeden ersichtlich, dass das Risiko durch Hypotheken bei Wachovia bei Null liegt. Für Wells Fargo versteht sich, für den Steuerzahler sieht es anders aus ... (weiss jemand, ob Wells Fargo einen ähnlichen Deal hat?)

FTD: Wachovia fährt 24 Milliarden Verlust ein

Update (22:47)

Größter Quartalsverlust einer Bank aller Zeiten, meldet die FAZ

FAZ: Amerikanische Bank Wachovia mit Rekordverlust

Wie sehen 4 Milliarden Euro in Gold aus?

So:



Das Gold lagert bei der Bank of England und falls der Platzt nicht ausreichen sollte, wäre im Notfall auch in meinem Keller noch Platz ...

Daily Mail: The Big Picture: This vast vault of gold under the Bank of England should weather the credit crunch gefunden über Digg.com: What Does $5 Billion In Pure Gold Look Like?

Wusstet ihr übrigens, dass das Gold der deutschen Bundesbank angeblich in Fort Knox lagern soll? Ist aber nur inoffiziell. Einen offiziellen Lagerort gibt's nicht.

Update (17:07)

Leser horst_m weist auf einen Artikel im Focus hin, nachdem das Gold in den Kellern der Fed in Manhattan lagert. Der Focus sagt aber auch, dass die Bundesbank offiziell nichts dazu sagt.

Update (21:45)

Eine spannende Frage wäre jetzt, wie denn eigentlich ein 480 Mrd. Euro Rettungspaket in Gold aussieht ...

Geldmarkt stabilisiert sich - CDS nur eingeschränkt

Ich hatte das Thema schon mal (Geldmärkte leicht verbessert, aber angespannt) und möchte es heute nochmal aufgreifen.

Ich schaue gerne auf die Stimmung der Märkte und dabei vor allem auf Stimmungen, die man aus den Marktzahlen ablesen kann als auf irgendwelche Umfragen. An den Märkten kann man viel besser erkennen, ob die Teilnehmer Angst haben oder nicht. Denn da geht es nicht um Ankreuzen eines Feldes, sondern um den Einsatz von Geld.

Das Funktionieren der Kreditmärkte kann man gut an den Zinssätzen im Interbankenhandel ablesen. Die Angst an den Anleihemärkten gut an den Kosten für die CDS.

Fangen wir bei den Kreditmärkten an:

LIBOR 3 Monats-Dollar: 3,54 heute nach 3,83375 (Di) nach 4,05875% (Mo) nach 4,41875% (Fr).
LIBOR Übernacht-Dollar: 1.28125 (Di) nach 1,51250% (Mo) nach 1.66875% (Fr).

Am kurzen Ende ein extremer Rückgang, am "langen" Ende immerhin eine spürbare Entlastung.

FT: Short View: Is it safe to go back in the water?
Libor fixes: credit and phase transitions

Creditwritedowns: Credit markets are easing again

Interessant ist auch der sogenannte Ted-Spread. Das ist der Unterschied zwischen der Rendite einer Staatsanleihe und dem LIBOR. Dieser ist von 463 in der Spitze auf 261 gestern und 249 heute gefallen.
Alea: Libor-OIS

Egal welchen Parameter man betrachtet: Eine deutliche Entspannung ist deutlich zu erkennen. Die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen (vor allem die Garantie für die Bankschulden im Interbankenhandel) scheinen also nun endlich ihre Wirkung zu entfalten.

Zu den Anleihemärkten:

Die Entspannung im CDS-Markt (Kreditversicherungen) ist fast ausschließlich auf die Finanzbranche beschränkt. Hier gehen die Kosten für die Kreditversicherungen aufgrund der Staatsgarantie deutlich zurück. Der Rest des Markts, insbesondere die normalen Anleihen von Industrie und Handel, zeigen keine Entspannung an. Gerade bei den Schuldnern schlechter Qualität steigen die Kosten für Kreditausfallversicherungen weiter an.

Gestern erreichte der Markit-Index für Junkbond-Anleihen ein neues Hoch bei fast 800 Basispunkten. Die Absicherung kostet als fast 8% der Anlagesumme pro Jahr. Im Umkehrschluss muss die Anleihe 8% mehr Zinsen abwerfen als eine Staatsanleihe, damit sie die gleiche Rendite abwirft.
Wenn man den Zinsaufschlag in eine Ausfallwahrscheinlichkeit umrechnet, beträgt diese 5,6%, sprich 5,6% der Anleihen dürfen komplett ausfallen, ohne dass die Rendite unterhalb der sicheren Rendite von Staatsanleihen liegt. 5,6% Ausfallquote gab es aber seit der großen Rezession nicht mehr.

Grund ist natürlich die Angst vor einem tiefen, nachhaltigen und weltweiten Wirtschaftsabschwung. Das führt zu sinkenden Renditen und steigenden Ausfällen bei den Anleihen. Nur ist die Frage, wie schlimm der Abschwung wird. Denn die Hochpunkte aus der Vergangenheit sind schon lange überschritten. Wenn wir also einen halbwegs normalen Abschwung bekommen, sind diese Anleihen ein Investment wert ...

FT Alphaville: CDS report: “potentially the worst economic outlook we’ve had since the Depression”
FT Alphaville: CDS report: European credit derivatives at record wides

Interessanter langfristiger Chart dazu:
GlobalEconomicAnalysis: Armageddon in Corporate Bonds

Was ist die Interpretation beider Märkte?

Die Geldmärkte scheinen wieder zu funktionieren. Die Refinanzierung der Banken sollte also wieder in Gang kommen. Der kurzfristige Zusammenbruch des Finanzsystems wurde verhindert. Die
CDS spiegeln die Angst vor einer Rezession wieder. Und zwar nicht die Angst vor einer normalen, sondern vor einer außergewöhnlich langen und/oder tiefen.

"Private Altersvorsorge ist ein großer Fehler"

nee, sagt nicht Oskar L. (obwohl wer weiss?), sondern Amado Boudou, Kopf des argentinischen Sozialsicherungsprogramms. Und damit sicher ist, dass niemand mehr diesen Fehler macht, konfisziert der Staat mal eben alle Pensionsansprüche seiner Bürger. Das hat Sonja Cristina Kirchner, Präsidentin von Argentinien, gestern bekannt gegeben. Es geht um schlappe 25 Milliarden Euro.

So kann man einen Rettungsplan also auch machen. Man finanziert das Geld nicht über die Schulden, die die nächste Generation finanzieren muss, sondern man krallt sich das Geld sofort. Ist nur ein dumme Idee, denn stabilisiert wird so natürlich nichts. Die argentinischen Anleihen rentieren inzwischen mit 25% und mehr, Credit Default Swaps kosten 38% (also 3800 Basispunkte). Die Refinanzierung von Argentinien am Kapitalmarkt dürfte damit gegessen sein. Somit rettet Argentinien weder das Finanzsystem noch sich selbst. Auch wenn die Politiker ernsthaft versuchen, das als Rettungspaket zu verkaufen. Die anderen Staaten hätten ja auch sowas gemacht ...

Der Grund für die Verstaatlichung ist natürlich nicht irgendeine systematische Überlegung, sondern die schlichte Tatsache, dass Argentinien auf die zweite Staatspleite in diesem Jahrzehnt hinsteuert. Da tun die 25 Mrd. ganz gut und verzögern die Entwicklung um ein paar Monate.

Die nun enteigneten Pensionäre finden das natürlich total riesig und hätten jetzt wohl doch lieber ein paar Unzen Gold (oder Argentum) im Keller gehortet ...

Bloomberg:
Argentina Default Looms as Pension Funds Seizure Roils Markets

Update (00:12)

Deutsche Quelle:
FTD: Argentinien verstaatlicht private Renten

Dienstag, Oktober 21, 2008

Lehman CDS sind Geschichte

Auch wenn ich die CDS Geschäfte immer noch nicht wirklich blicke ... Heute war wohl der Tag, an dem die restlichen Lehman Credit Default Swaps abgewickelt wurden. Entgegen aller Angst, die vor zwei Wochen noch vor diesem Termin herrschte, passierte dann ungefähr nichts.

Auf dieser Baustelle kann schonmal (vorsichtig) Entwarnung gegeben werden.

Marketwatch: Lehman's massive debt swaps settle smoothly

Update (22.10)

Alea Blog: Official Non-Event of the Day: Lehman CDS Settlement

Und um die Verwirrung komplett zu machen, korrigiert Marketwatch die Nachricht und sagt jetzt, dass die CDS noch nicht endgültig abgewickelt seien.

"Corrects to clarify that the final settlement of Lehman Brothers' credit-default swaps is still pending."

?!?

NochnUpdate:

Aleablog: Success: DTCC Completes Credit Event Processing for Lehman Brothers

Ich bin abgewickelt.
Ich bin nicht abgewickelt.
Ich bin abgewickelt.
...

Die ersten 5,4 Mrd vom Staat gehen an ...

... den Staat, ähm ich meine an die Bayern LB. Damit hätten wir die erste deutsche Bank, die auf den Geldtopf des deutschen Rettungspakets zugreift. Und es werden definitiv noch weitere Landesbanken folgen. In einem Kommentar von gestern hat m106 schon darauf hingewiesen, dass die LBBW einen Hebel von 46 hat (wenn man das harte Eigenkapital als Basis nimmt).

Es ist natürlich für jemanden wie mich, der immer auf die extrem schwache Rolle des Staats während des Zusammenbrauens und in der Bewältigung der Krise hingewiesen hat, geradezu eine Genugtuung, dass jetzt eine staatliche Bank als erstes in den Topf greifen muss.

Aber auch daran ist wohl irgendwie der Ackermann Schuld ...

Zu den Details: 5,4 Mrd. Euro kommen aus dem Rettungsfonds, 1 Mrd steuern die bayrischen Sparkassen (300 Mio) und das Land Bayern (700 Mio) bei. Grund für den Kapitalbedarf sind Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt, die zu einem erwarteten Verlust von 3 Mrd. in diesem Jahr führen sollen.

Bronline: BayernLB braucht 5,4 Milliarden Euro
FAZ.NET: Bayern LB bittet mit 5,4 Milliarden den Bund zur Kasse

Update (23:13)

1,7 Mrd. der Probleme sollen übrigens aus Island kommen.

Focus: BayernLB: Nächstes Ungemach droht aus Island

Nur ein T-Shirt



:-)

gefunden bei Elementarteile: Freikaufen… via Yigg: Merkel T-Shirt (hier kann man auch yiggen)

Update (22.10)

In einem Kommentar bin ich darauf hingewiesen worden, dass die Original von hier kommt:

ZAF: Der Rettungsplan

Der Dollar wird immer doller

Vor allem beim Spiegel:

"Der Euro gegenüber dem Doller weiter an Wert:"


;-)

OK, der Tippfehler muss irgendwann passieren, aber ein Satz ohne Verb wenig Sinn ;-)

Spiegel: Euro rutscht auf 19-Monats-Tief

So langsam nähert sich der Dollar wieder seinem inneren Wert. Und es zeigt sich mal wieder, dass die Stimmung wichtiger ist als die Fakten. Der Dollar hatte in etwa einen Untergang der USA eingepreist. Alle rechneten mit weiter fallenden Kursen. Und dann geht Europa doch mit unter und der Dollar wirkt auf einmal gar nicht mehr so schlecht. Die Fakten sprechen natürlich weiter gegen den Dollar. Das Haushaltsdefizit ist allein in den ersten zwei Oktoberwochen um beeindruckende 200 Milliarden Dollar gestiegen ...

Montag, Oktober 20, 2008

Tut mir leid Microsoft, die Apple Spots waren/sind/bleiben besser ...

beide.





Ich würde mal sagen, bei jedem Betrachter dieser Spots waren die Microsoft Millionen zum Fenster herausgeworfenes Geld ...

via MacLife: MacLife: Get a Mac: Apple antwortet auf Microsoft & Seinfeld oder TUAW: New Get a Mac Ads: Bean Counter and V Word

Wen die alten Spots (auch die schlechten von Microsoft) interessieren: Hier lang

Update (21.10):

Der Spot ist ja noch lustiger als ich dachte. Denn Microsoft hat doch tatsächlich ein Patent auf das Wegbeepen von bösen Wörtern wie S***t, F**k, meeep oder Vista bekommen ...

Heise.de: Microsoft erhält Patent für automatischen Sprachzensor

Morgan Stanley kann sich selber kaufen ...

OK, stimmt nicht mehr, weil der Börsenkurs nach dem Einstieg der japanischen UFG wieder deutlich nach oben ging. Aber ich brauchte eine knackige Überschrift :-)

Ich möchte euch ein Informationsnugget aus einem interessanten Artikel bei Zeitenwende.ch geben:

In der vergangenen Woche war der Kurs von Morgan Stanley so weit abgestürzt, dass im Topf für die Managergehälter und Prämien mit 10,7 Milliarden Dollar genügend Geld war, um die Bank komplett zu kaufen.
Zeitenwende.ch: Es ist noch Suppe da

Die große Frage ist, wofür genau sich die Banker in diesem Jahr einen Bonus zahlen wollen? Auf die Aktienkursentwicklung? Auf die erfolgreichen Geschäfte? Oder auf den "weitreichenden und innovativen Ansatz" der Finanzierung?

Ziemlich unglaublich das Ganze ...

Bye bye!

Best resignation letter ever ... Von einem Hedgefonds-Manager, der genug hat. Genug vom Geschäft, aber auch genug Geld.

The Big Picture: Andrew Lahde: Goodbye!

Besonders schön finde ich den Abschnitt, in dem er sich bei der Aristokratie in den USA bedankt, die den (durchschnittlich begabten) Kindern reicher Eltern die bestmögliche Ausbildung in Harvard etc. ermöglicht. Schließlich muss ja jemand bei Lehman und Bear Stearns arbeiten, der die andere Seite seiner Trades übernimmt. Er nennt die schlicht "Idioten".

Ich wüsste mal gerne, wie der Typ aussieht. Immerhin erwähnt er am Ende Linux und Hanf. Ich dachte Hedgefondsmanager würden alle koksen ...

Update (21.10):

Heute hat die FTD die Story auch. Damit es nicht ganz so spät und doof aussieht, hat sie den Brief immerhin ins Deutsche übersetzt ;-)

FTD: Die Abrechnung

Sonntag, Oktober 19, 2008

ING nimmt sich 10 Mrd. aus dem Rettungspaket

Da waren die Gerüchte und Spekulationen vom Freitag wohl doch nicht so falsch, die die ING-Aktie um etwa ein Viertel nach unten trieben.

Heute hat die ING bekanntgegeben, dass sie sich einen 10 Milliarden Euro schweren Schluck aus dem Rettungspaket des niederländischen Staats genehmigen wird. Damit ist etwa die Hälfte des Pakets schon verbraucht. Der Staat kauft stimmrechtslose Vorzugsaktien von der ING.

Mit der ING kommt erstmals eine Bank in Bedrängnis, bei der auch deutsche Kunden richtig viele Einlagen haben. Die ING Diba ist die größte Direktbank in Deutschland und hat über 6 Millionen Kunden. Wenn die ins Wackeln gekommen wäre ...

Überraschend auch, dass gerade die ING als erste große Bank Kontinentaleuropas zur Hilfe des Staats greift. Immerhin kam die ING bisher relativ gut durch die Krise und stand auch in den Listen "Banken, bei denen mein Geld noch sicher ist" eigentlich auf den vorderen (sprich sicheren) Plätzen.

FTD: ING braucht 10 Mrd. Euro vom Staat


Update (23:07)

Obwohl: Ist die ING wirklich die erste Bank? Definitionssache: Immerhin hat die Bayern LB auch schon angekündigt, mehrere Milliarden zu benötigen ...
FTD: BayernLB braucht Staatsmilliarden

Update (20.10):

Wen das Thema interessiert, weil er Kunde der ING-Diba ist, hier ein Hinweis zu einem Artikel im Spiegel. Die Kurzversion ist aber einfach: Die ING Diba ist Mitglied im deutschen Einlagensicherungsfonds und damit ist das Geld dort genauso sicher oder unsicher wie bei allen anderen Banken auch, sollte der Fonds aktiv werden müssen.

Spiegel: Diba gibt Entwarnung für deutsche Sparer

Ich halte nicht viel vom Einlagensicherungsfonds, denn der ist wahrscheinlich schon wegen der Lehman Pleite (deren deutsche Tochter dort Mitglied war) leer. Und ich glaube, dass auch in Deutschland einige Banken auf das Rettungspaket zugreifen werden. Daran würde ich nicht allzu viel festmachen ...

Freitag, Oktober 17, 2008

Verkaufsempfehlungen ab sofort verboten ...

... Shortselling ist ja schon bei Finanzaktien (und allen, die ein Finanzierungsgeschäft abgeschlossen haben ;-) ) verboten. Genützt hat es nichts, aber auch gar nichts. Im Gegenteil: Die Abwärtsbewegung wurde sogar noch schneller. Denn der Grund waren nicht die Shortseller, sondern die Pleite von Lehman, die der Staat mit ein paar Milliarden hätte verhindern können. Jetzt muss er das Hundertfache anfassen. Danke.

Aber zurück zum Thema ... Nachdem die Shortseller jetzt weg sind, scheint man sich nun auf Verkaufsempfehlungen einzuschießen. Jetzt wird dem Bekloppten vom US-Börsenfernsehen Jim Cramer doch tatsächlich vorgeworfen, dass er kurz vor dem Tief zum Verkauf geraten hat.

Wie bitte? Wieso wirft Cramer niemand vor, dass er im Juli 2007 für Aktien getrommelt hat? Dass er ein paar Tage vor der Pleite von Bear Stearns noch alle für verrückt erkärt hat, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollten? Dass er auch die 6 Monate danach noch positiv war.

Aktien zum Kauf zu empfehlen, zu welchen Zeitpunkt und mit welchen schwachsinnigen Argumenten auch immer, ist scheinbar OK. Aktien zum Verkauf zu empfehlen, ist aber böse. Selbst wenn die Empfehlung nicht so falsch war, immerhin dürfte an den meisten, die am Montag nach Cramers Empfehlung verkauft haben, sogar etwas Verluste vorbeigegangen sein.

FAZ: Finanzguru in Panik

Zu Cramer hier bei mir:

Das ultimative Kaufsignal: Jim Cramer warnt vor Aktien

USA: Verbrauchervertrauen wieder im Keller

Da war (nicht wirklich unerwartet) der Hüpfer im September doch nicht der Beginn eines neuen Höhenflugs. Im Oktober geht es beim US-Verbrauchervertrauen wieder rekordverdächtig von 70,3 auf 57,5 nach unten ...

Dass war aber bei der Nachrichtenlage nicht anders zu erwarten. Wahrscheinlich würde schon das Ausbleiben weiterer schlechter Nachrichten ausreichen, um die Index im November wieder 10 Punkte nach oben zu hieven.

Eine schnelle Erholung der US-Konjunktur ist angesichts der hohen Bedeutung der US-Verbraucher an der US-Wirtschaftsleistung (>70% Anteil) völlig ausgeschlossen. Im Gegenteil: Die depressive Stimmung deutet auf ein extrem schwaches Weihnachtsgeschäft hin.

Marketwatch: Consumer sentiment drops in October

Update (23:10):

Eine deutsche Quelle:
FTD: Stimmung der US-Verbraucher kippt

Mc Cain mal lustig ...

Obama:






Und jetzt Mc Cain:





Ich muss ja zugeben, das Timing bei den Gags stimmt bei Mc Cain eindeutig besser ...

McCain at Alfred House Dinner

Donnerstag, Oktober 16, 2008

Wenn du keine Angst hast, bist du verrückt

"If You Are Not Fearful, You Are Crazy."

Bei diesem Zitat ist das Zitat an sich weniger spannender als wer es gesagt hat.

Es kommt nämlich von Jamie Dimon, dem Chef von JP Morgan Chase, die inzwischen größte Bank der USA ist und die Citigroup abgelöst hat.

Infectious Greed: Quote of the day: Jamie Dimon

Spiegel: JP Morgan Chase löst Citigroup als größte US-Bank ab

Nikkei verliert 11,5%

Und ich habe den Nikkei eigentlich für einen der Indizes gehalten, die am besten durch die Krise kommen. Japan liegt nah an den Ländern, die auch in den nächsten Monaten noch Wachstum produzieren werden (wenn auch schwächeres als in der Vergangenheit).
Auch dachte ich, dass die japanische Wirtschaft (vor allem das Finanzsystem) nach 15 Jahren Bereinigung in einem besseren Zustand sei als das amerikanische. Der Außenhandelsüberschuss ist immer noch hoch. Die KGVs in Japan sind im historischen Vergleich sehr niedrig. Eigentlich alles gute Voraussetzungen.

Davon ist aber wenig zu sehen. Der Nikkei in Punkten ist sogar schwächer als der DAX. In Euro dürfte die Aufwertung des Yen diesen Rückstand aber wieder wettmachen, wenn nicht sogar leicht überkompensieren. Von einer deutlich Überperformance ist aber nichts zu sehen.

So kann man sich irren ...

Rettungspakt: Schweiz wird auch aktiv

Jetzt geht es auch in der Schweiz rund.

Die UBS bekommt knapp 4 Milliarden Euro über die Ausgabe von Vorzugsaktien amerikanischer Art (die einer europäischen Wandelanleihe entsprechen).

Außerdem lagert die UBS probematische Assets in Höhe von 60 Milliarden Dollar in eine "Bad Bank" aus, für die Schweizer Nationalbank zu 90% haftet.

Die UBS, die noch vor einigen Monaten glaubte, "über dem Berg" zu sein, rennen nach der Verschärfung der Finanzkrise in den letzten Wochen die Kunden in Scharen davon. Aus dem Asset Management und der Vermögensverwaltung sind im dritten Quartal fast 55 Milliarden Euro abgeflossen. Die UBS verwaltet zwar 1,5 Mrd Billionen Euro, aber trotzdem ist der Betrag schon relevant, weil allein durch die Zinsen das verwaltete Vermögen wächst.

Die neu "gefundenen" schlechten Assets erklärt das aber nicht. Es beruhigt auch nicht wirklich, wenn die UBS, die ja schon wirklich große Abschreibungen getätigt hat, auf einmal nochmal 55 Milliarden Euro Giftmüll findet, der aus der Bilanz verschwinden muss.

"[Kurer] glaube daher nicht, dass das Institut eine weitere Kapitalerhöhung benötige"
Quelle: Manager Magazin: UBS verteilt Beruhigungspille

Die UBS betonte, dass sie "eine weitere Erschütterung der Märkte auffangen könne" und meldete Risikopositionen von 54,3 Mrd Dollar. Jetzt sind es auf einmal 60. Naja, wenn der Staat hilft, dann verkauft man ihm am besten direkt alles, was noch ein Risiko hat. Die Chance muss man doch nutzen.

Hab ich da gerade was von gierigen Bankern gehört?

FTD: Schweiz päppelt UBS mit sechs Milliarden
FAZ.NET: Auch die Schweiz stützt ihre Banken

Update (10:38)

Übrigens entspricht der Staatsanteil nach Ausübung der Wandelanleihe 9% am Kapital der UBS.

Update (17:44)

Mrd. durch Billionen ersetzt.

Update (17.10)

Bei Zeitwende.ch gibt's (wie erwartet, ist halt Schweizer) einen guten Artikel zur UBS:
Zeitenwende.ch: Die UBS im Tal der Tränen

Mittwoch, Oktober 15, 2008

Zertifikate sind sicher

sagen die Bankmitarbeiter ... Und damit das auch alle anderen glauben, stimmen die auch fleissig bei einer Handelsblattumfrage zum Thema Sicherheit von Zertifikaten ab ...

Dumm nur, wenn das dem Handelsblatt dann auffällt, weil die Firmen zu doof sind, den Mitarbeitern zu sagen, dass sie nicht von der Arbeit aus, sondern gefälligst von zu Hause aus voten sollen ...

Indiskretion Ehrensache: Wie Bankmitarbeiter versuchen, eine Handelsblatt-Umfrage zu manipulieren

Mehr zu Thema Zertifikate bei mir.

Update (16.10):

Die FTD hatte die Geschichte schon am 14. Hätte ich mir klemmen können ...
FTD:» Zertifizierte Sicherheit «

Teil 3 meiner Serie "warum die Welt Börsenblogger braucht"

Angela Merkel schwafelt in ihrer Regierungserklärung zur Finanzkrise von einer menschlichen Marktwirtschaft. Und weil sie nicht nur schwafeln, sondern auch handeln will, wird eine Kommission gegründet. Was auch immer das mit Handeln zu tun hat ... Aber egal, das soll nicht das Thema sein.

FTD: Merkel warnt vor harten Zeiten

Frank Luebberding schreibt darauf einen sehr direkten Artikel bei weissgarnix.de:


"Ansonsten ist er als Leiter dieser Kommission nicht zu akzeptieren - sondern als Interessenvertreter eines bankrotten Finanzsystems zu betrachten. Und wenn die Politik das nicht begreift, verliert sie das einzige Gut, was ihr noch bleibt: Vertrauen."


Weissgarnix.de: Hans Tietmeyer - eine Lösung oder ein Problem?

Und was passiert? Tietmeyer will nicht, aber verzichtet wohl nicht ganz freiwillig, denn aus der SPD gab es massiven Widerstand. Lesen die am Ende doch die richtigen Blogs ;-) ?

Tagesschau: Tietmeyer will nicht Merkels Chefexperte werden

CDS Prämien gehen deutlich zurück

Nachdem ich heute morgen noch zurückhaltend optimistisch war, zeigten sich die richtig positiven Auswirkungen des Rettungspakets heute am CDS Markt. Dort sind die Prämien deutlich zurückgegangen. Im folgenden Artikel ein schöner langfristiger Chart der Prämien für die Kreditausfallversicherung.

FT Alphaville: CDS update: Party like it’s 2007

(das habe ich schon gestern Abend geschrieben, aber irgendwie vergessen abzuschicken)

Heute setzt sich die positive Tendenz beeindruckend fort.

Die Kosten für die Credit Default Swaps im Finanzsektor sind massiv zurückgegangen.

Morgan Stanley: 385bps nach 1.420bps Ende letzter Woche
Goldman Sachs: 205bps nach 539bps
Citigroup: 145bps von 347bps.

FT: Funds put US banks back on track

Dienstag, Oktober 14, 2008

Die Evolution frisst ihre Kinder ...

... Apple Notebooks haben nicht mehr wie seit 20(?) Jahren eine Taste, sondern ab sofort ... keine einzige mehr.

Apple.de: Design

Heise.de: Apple renoviert Notebook-Linie

Update (15.10)

Es ist immer wieder faszinierend, wie Apple es schafft, Leute von Sachen zu begeistern, die vorher kein Schwein interessierten. Ob man Notebook aus gebogenem Aluminium besteht oder aus einem massiven Stück Aluminium rausgefräst wird: Who cares? Und trotzdem ist das Video (mal wieder) faszinierend:

Macbook Designvideo

Sarah Palin - Nur ein Monty Python Gag?

Schaut Euch mal folgendes Video an. Nicht ganz, sondern nur die ersten 5 Sekunden. Und dann sagt mir, ob ihr in 5 Sekunden schon etwas Gemeineres gehört habt. Das Lachen ist ja wohl vernichtend!



gefunden bei: BoingBoing: John Cleese on Sarah Palin: "Monty Python Could Have Written This."

Und weil's gerade passt:



gefunden bei: Boingboing: Palin Debate Prep Flowchart

Der Staat (auch in Deutschland) hat seinen Teil zur Krise beigetragen

Für meiner Leser stellt diese Erkenntnis keine Neuigkeit dar. Ich habe darüber schonmal abgerantet, immerhin so heftig, dass Robert von Heusinger selbst einen Kommentar hinterlassen hat (ich bin ein wenig stolz, merkt man, oder?).

Darin beschreibe ich, wie in den USA die Politiker und Finanzmarktaufsicht die Basis für die aktuellen Krise gelegt haben. Mit der Aufhebung der Mindestkapitalanforderungen für die Investmentbanken, mit der Förderung des Wohneigentums für Leute, denen eigentlich das Geld dafür fehlt, etc. pp.

Heli-Heusi fordert Banken in Staatsbesitz!

Heute bringt Weissgarnix einen wunderbaren Artikel, der diese Geschichte in Deutschland ebenfalls aufrollt. Denn auch hier hat der Staat die Genehmigung für Geschäfte gegeben, die es vorher so nicht gab: Verbriefung von allem und jedem. Wohl dem, der eine gute Lobby-Einrichtung hat.

Immer dran denken: Die, die jetzt die Rettung einstielen, sind die gleichen, die die Basis für das Desaster gelegt haben. Auch wenn sie das noch so sehr leugnen und alle Schuld auf die Wirtschaft schieben.

Weissgarnix.de:Die Elite rettet sich selbst

Geldmärkte leicht verbessert, aber angespannt.

Das Maßnahmenpaket vom Wochenende beeindruckte zwar die Aktienmärkte mit Rekordgewinnen (und auch heute geht es positiv weiter), aber richtig entspannen würde ich mich erst, wenn die Geldmärkte sich auch entspannen.

Danach sieht es aber (noch?) nicht aus. Die Sätze sind zwar leicht zurückgegangen, aber wirklich nur sehr leicht.

3-Monats-Dollar : 4,635% nach 4,7525%

Der Übernacht-Dollar ist gegenüber Freitag allerdings deutlich gesunken: 2,18125% nach 2,46875% am Freitag.

Die Euro-Märkte waren eh nie so angespanntwie der Dollar-Geldmarkt. Der Übernacht-Euro-Libor liegt genau auf Höhe des Leitzinses, das ist also sehr entspannt.

FT Alphaville: Libor fixes: costly

Update (15:03):

Da es in den Kommentaren angesprochen wurde:

a) Der Euro-Libor ist inzwischen irrelevant, weil der Marktführer der Euribor ist
b) Spannend zum Sentiment Messen sind auch die Kosten für CDS: Diese sind gefallen, aber immer noch hoch:

Für Investment Grade Bonds: "iTraxx Europe index fell 6.5 basis points to 121.5bp"
Für Junk: "663.5bp nach 750bp"

Kräftiger gingen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen für Finanzwerte zurück. Morgan Stanley als Spitzenreiter sank von fast 1000 Basispunkten auf 800.

CDS report: Ker-ching!

Update (15:10)

Es gibt eine Übersicht der Credit Default Swaps auch für alle Emittenten von Zertifikaten: CDS/Ausfallrisiko der Banken/Zertifikateemittenten im Überblick

Update (21:56):

Ein Bericht zum Thema auch in der FAZ: FAZ: Nur allmähliche Erholung am Geldmarkt

USA kaufen für 250 Mrd.$ Bankanteile

In einem Schritt, der am Anfang nicht wirklich Ziel des Paulson-Rettungsplan war, kauft die US-Regierung den Banken jetzt nicht den Schrott ab, sondern beteiligt sich direkt an den Banken. Damit stärkt die Regierung die richtige Bilanzseite.

Interessanterweise zwingt die US-Regierung die Banken scheinbar sogar dazu. Es müssen also auch Banken mitmachen, die überhaupt kein Problem haben. Welchen Sinn auch immer das haben soll. Die USA schaffen es irgendwie immer, die Ideen von anderen nachzumachen, aber gleichzeitig leicht zu modifizieren und dabei zu verschlechtern. Warum Steuergelder für die Banken ausgeben, die kein Geld brauchen? Eine effiziente Verwendung der Mittel sieht anders aus ... Die Begründung für dieses schwachsinnige Vorgehen ist eine angebliche Stigmatisierung der teilnehmenden Banken. Also zwingt man einfach alle in das Programm.

Ich will aber nicht zu viel meckern, denn dieser Rettungsplan ist eine Kopie des britischen Plans, der dann vom Rest Europas übernommen wurde. Und den habe ich von Anfang an gelobt (Großbritannien hilft Banken,Rettungsplan - Aber jetzt bitte richtig).

Die USA kaufen Vorzugsaktien von Bank of America (inkl. Merrill Lynch) (25 Mrd. $), J.P. Morgan Chase (25 Mrd. $), Citigroup (25 Mrd. $), Wells Fargo (20-25 Mrd), Goldman Sachs (10 Mrd), Morgan Stanley (10 Mrd), Bank of New York Mellon (3 Mrd) und State Street (2 Mrd). Die Vorzugsaktien sollen sich mit anfangs 5%, am Ende der Laufzeit von 5 Jahren mit 9% verzinsen.

Damit soll der Deal nicht enden; auch an vielen anderen kleinen Banken werden Beteiligungen geplant.

Außerdem soll es eine Staatsgarantie für Bankanleihen geben, die seit dem 30 Juni ausgegeben wurden, um die Refinanzierung der Banken wieder in Schwung zu bringen. Daneben wird die Versicherung von Girokonten von Privat- und Kleingewerbekunden.

WSJ: U.S. to Buy Stakes in Nation's Largest Banks

Update (11:02):

Noch eine deutschsprachige Quelle:

Telepolis: Ausweitung des US-Rettungsplanes: Washington kauft sich bei Banken ein

Update (22:15)

Wie üblich noch ein Link zum Original: Treasury Announces TARP Capital Purchase Program Description
U.S. Government Actions to Strengthen Market Stability

Montag, Oktober 13, 2008

Politikeraussagen im Rückblick ...

Diesmal Hank Paulson.

Ich bringe nur ein paar Ausschnitte, wer alles will, nehme direkt den Link:

12. Juli 2007: 'This is far and away the strongest global economy I've seen in my business lifetime.'

16. März 2008: 'We've got strong financial institutions . . .

7. Mai 2008: 'The worst is likely to be behind us.

10. August 2008: 'We have no plans to insert money into the Frannies'

8. Oktober 2008: 'We have no time to waste'

Tja, so kann man sich irren ...

The Big Picture: No Time to Waste . . .

936 Punkte Plus im Dow und ich bin long

Schalalala. (Kein Video, die waren echt zu grottig)

Die Auflistung ähnlich starker Tage macht aber wenig Mut. Bis auf 1987 fielen alle in übelste wirtschaftliche Zeiten ...

Trader's Quest: Der größte Tagesgewinn seit…

Russland verliert HEUTE 6% - Handel aussetzen nützt auch nichts

Die russische Börse hat letzte Woche beschlossen, die Börsen einfach zu schließen. Wohl in der vagen Hoffnung, dass die Kurse dann nicht fallen. Stimmt auch, aber irgendwann muss man ja wieder öffnen und dann holt die Börse normalerweise alles nach.

FTD:Leitindex für Tage vom Handel ausgesetzt

Heute hatte die russische Börse Einiges nachzuholen und das tat sie dann auch. Der RTS Index in Moskau war heute der einzige mir bekannte Index, der im Minus geschlossen hat.

Haben die Russen sich etwas Pakistan als Vorbild genommen? Da stürmten ja schon aufgebrachte Pakistani einfach den Börsensaal, weil die Kurse die Frechheit besaßen zu sinken (So löst man Investmentprobleme in Pakistan), kurz danach hat man an der Börse einfach fallende Kurse verboten (Echt!).

Die Story hat heute auch die FAZ (FAZ: Anleger erheben Anspruch auf steigende Kurse), zuerst habe ich das aber bei Infectious Greed gesehen.

Dieser wirft jetzt auch einen Rückblick auf den Erfolg der Maßnahmen: Der Index sinkt tatsächlich nicht mehr und steht wie festgemauert knapp über der 9000er-Marke. Das Problem: Es handelt niemand mehr und der Umsatz ist um mehr als 99% eingebrochen. Der Kurs an der Börse steht zwar auf dem Papier unverändert, ist in der Realität aber nichts mehr wert. So funktioniert Planwirtschaft. Die Börse denkt jetzt übrigens über eine Schließung nach. Aber nicht nur für ein paar Tage, sondern für immer.

Infectious Greed: Pakistan, The Land That Financial Bad News Forgot: Part II

Übrigens: War Pakistan nichts eines der Next Eleven Länder, bei denen man UNBEDINGT dabei sein muss? Bloß nicht den Zug verpassen wie damals bei den BRICs?

Naja, das war auch eher eine Diversifikations-Idee, die derbe in die Hose gegangen ist. Das Zertifikat (DE000DB0N115) hat knapp 50% verloren und dürfte so ziemlich Null Diversifikation geboten haben, sondern ist genau so gecrasht wie die Weltbörsen auch ...

Blogger bekommt Wirtschaftsnobelpreis

Im Nebenberuf ist er noch Professor an der Princeton University ;-)

Krugman ist einer der profiliertesten Kritiker von George W. Bush. Die Preisverleihung dürfte daher nicht zuletzt auch ein politisches Statement sein.

Seine immer sehr lesenswerte Kolumne in der New York Times gibt's hier:Krugman@NYT

Krugman findet übrigens (wie ich), dass der britische Rettungsplan für das Finanzsystem ein guter Ansatz ist. Zum Glück ist dieser Plan jetzt auch zur Blaupause für die Rettungsaktionen der anderen Länder geworden.

Um mal ein paar Einschätzungen von Krugman zu lesen: zum (gefloppten) Konjunkturprogramm von George W. Bush von letztem Winter:
FAZ: „Es ist ein ziemlich armseliges Programm“

Und zur Nachricht:

FAZ.NET: Paul Krugman erhält den Wirtschafts-Nobelpreis
FTD,Tagesschau,etc.

The Big Picture: Paul Krugman Wins Nobel Prize for Economics

Update (21:43)

Noch ein paar Meinungen und Portraits als Nachschlag:

FAZ: Ein politischer Nobelpreis
Und der Herausgeber der FAZ Frak Schirrmacher hat meine Überschrift abgeschrieben ;-) und weist darauf hin, dass Krugman der erste Blogger ist, der einen Nobelpreis bekommt.
FAZ: Was uns arm gemacht hat
FAZ: Die Vorurteile der Nationen

Von einem Kollegen: Econbrowser: The Nobel Prize in Economics to Paul Krugman
Freakonomics: Congratulations Paul Krugman!

Tagesschau.de: Amerikas linker Ökonom (der Titel greift natürlich etwas kurz, denn erstens ist Krugman vor allem für seine wissenschaftliche Arbeit geehrt worden, nicht für sein publizistisches Schaffen und zweitens hört sich das so an, als gäbe es nur einen linken Ökonomen in den USA).

Und ausschließlich auf diesen Aspekt konzentriert sich der schwache Telepolis Artikel:
Telepolis: Eine politische Wahl

So reicht.

Update (23:08)

OK, eine noch: FR: Wie die Faust aufs Auge

Update (14.10.08)

Und noch einen Artikel aus dem Spiegel, die ultimative Lobhudelei:Spiegel: Der größte Triumph des Katastrophen-Orakels

UK: Banken bekommen Geld und ein Chef fliegt

Großbritannien hat quasi die Blaupause für das Rettungspaket geliefert und hat damit den große Vorteil, schon fertig zu sein. Deshalb gehen dort auch schon die ersten Aktionen los.

Die Regierung kann dort sowohl eine Garantie für Kapitalerhöhungen abgeben als auch die Kapitalerhöhung selber zeichnen. Von beiden Maßnahmen wird Gebrauch gemacht.

Die Royal Bank of Scotland nimmt 5 Milliarden Pfund über eine Kapitalerhöhung durch Vorzugsaktien direkt ans Finanzministerium ein. Dazu kommen noch weitere 15 Milliarden Pfund über normale Aktien, für die das Finanzministerium garantiert. Die Anzahl der in der Kapitalerhöhung ausgegebenen Aktien übersteigt die aktuelle Anzahl der Aktien. Sollte der Staat alle Aktien übernehmen müssen, würde der Staat damit die Mehrheit an der RBoS besitzen. Der jetzige Chef Fred Goodwin tritt zurück.

HBOS und LLoyds TSB ändern die Konditionen ihres Zusammenschlusses nochmal. Jetzt gibt es nur noch 0,605 LLoyds Aktien für jede alte HBOS-Aktie. Im Rahmen des Zusammenschlusses besorgen sich beide Banken zusammen 17 Mrd. Pfund. In der FTD hört es sich so an, als wäre das Geld vom Staat, Marketwatch spricht von "in between them". Wenn ich die Details richtig verstanden habe, besorgen sich Lloyds 4,5 Milliarden und HBOS 8,5 Milliarden Pfund über normale Stammaktien mit Staatsgarantie plus 1 Mrd. bzw. 3 Mrd. Vorzugsaktien mit 12% Zins, die direkt das Finanzministerium kauft. Sollten keine Aktien an freie Aktionäre verkauft werden können, würde der Staat über 40% der neuformierten Bank halten.

Der Konkurrent Barclays plant ebenfalls eine Kapitalerhöhung, verzichtet dabei aber auf staatliche Unterstützung. Hier geht es um jeweils 3 Mrd. über Vorzugs- und Stammaktien. Barclays scheint es also noch gut zu gehen.

FTD: Barclays plant ohne Steuergelder
Spiegel: Britische Regierung steigt bei drei Großbanken ein (ausnahmsweise besser als der FTD Bericht)

Marketwatch: U.K. banks to get $73 billion capital boost

Das LLoyds/HBOS-Statement im Original:
Lloyds TSB announces revised terms for the acquisition of HBOS and the raising of £5.5 billion of new capital

Unlimitierte Liquiditätsspritze von den Notenbanken

Die europäischen Notenbanken ändern die Bedingungen für die Liquiditätstender. Es wird jetzt nicht mehr eine Summe festgeschrieben und dafür die Gebote in Form von Zinshöhen eingeholt, sondern die Notenbanken setzen jetzt einen Zinssatz fest und teilen zu diesem so viel Geld zu wie die Banken haben wollen. Diese Änderung bezieht sich scheinbar nur auf die Dollar-Geschäfte, nicht auf die Euro-Tender. (Update: Es gilt auch für den Euro-Tender und zwar schon seit Donnerstag).

Angesichts der Hektik, die bei der Refinanzierung der Geschäfte in den letzten Wochen herrscht, ist das sicherlich ein sinnvoller Schritt. Wir hatten schließlich schon einen Tag, an dem das erste Geschäft zu 11% Zinsen (also extrem teuer) abgeschlossen wurde, die Notenbank dann dachte, es sei wohl extrem hohe Nachfrage vorhanden und direkt ein zweites Geschäft hinterherschob und dieses zu 0,5% Zinsen (extrem billig) stattfand. Solche Verwerfungen machen wenig Sinn und in Zeiten, in denen die Notenbanken eigentlich sowieso permanent die Geldschleusen öffnen, kann man das auch direkt von vornherein ankündigen, dann können sich alle Seiten darauf einstellen.

WSJ: European Central Banks to Offer Unlimited Dollar Short-Term Funds

Update (14:20):
Da ich bekanntlich gerne Originalquellen verlinke, hier die Pressemitteilung der Bundesbank

Update (14:33)
Danke an den Kommentator. Das oben beschriebene Modell gilt auch für die Euro-Tender. Die Nachricht ist schon vom Donnerstag, in der Hektik aber an mir vorbeigegangen ....

Pressemitteilung zum Euro Tender

Sonntag, Oktober 12, 2008

Chrysler + GM = ???

Tja, was soll dabei rauskommen?

GM ist so gut wie Pleite, Chrysler eigentlich auch. So Pleite, dass der amerikanische Staat schon einen 25 Milliarden Kredit bereitstellen musste. Das ganze passierte ziemlich unbemerkt im Rahmen des großen Bailouts (CNN:House approves $630B spending bill).

Nein, ich kann mir für die US-Automobilbranche beim besten Willen keine gute Zukunft vorstellen. Zu schlecht sind die Autos, zu groß die Verspätung auf aktuelle Markttrends, zu hoch die Schulden und die Kosten. Die kann man mergen wie man will, daraus wird nix Gutes.

Am besten verstaatlichen, die USA sind ja eh auf dem Weg in den Sozialismus. Die US-Automobilbranche wäre dazu prädestiniert. Denn den Zustand, den eine Industrie normalerweise erst nach ein paar Jahrzehnten Planwirtschaft erreicht, bringt die Branche als Startkapital direkt mit ;-)

WSJ: GM Had Talks With Chrysler
Spiegel: US-Autoriesen sprechen über Fusion

Und mit Ford hat GM auch schon gesprochen, aber die Gespräche sind gescheitert.

WSJ: GM Approached Ford About Merger

Update (13.10.08)

Die FTD hat heute auch einen Artikel dazu:
FTD: US-Autobauer loten rettende Fusionen aus

D-Rettungspaket von 400 Mrd?

Es wird ein Gesamtvolumen von bis zu 400 Mrd Euro genannt.

50 bis 100 Mrd Euro sollen den Banken in Form von Eigenkapital zur Verfügung gestellt werden. Ich hoffe der Rest ist dann wie in Großbritannien für die Staatsgarantien für Bankenschulden da.

Die Details gibt es erst heute Abend. Ich hoffe so früh, dass ich noch was schreiben kann.

Aber es sieht im Moment stark danach aus, als wolle die deutsche Regierung das Programm der Briten kopieren. Und das ist auch so, denn ich halte den britischen Ansatz für den bisher besten. Ich hätte mir mit mehr Zeit, sprich bei zeitiger Reaktion noch bessere Lösungen vorstellen können (u.a. hätte auch Schuldner an der Rettung beteiligt werden müssen), aber für diese reicht die Zeit nicht mehr.
Jetzt geht es nur darum, eine Lösung zu entwickeln, die schnell wirkt und nicht ganz so schlimm ist wie der US-Rettungsplan (der sich aber auch zunehmend in die richtige Richtung bewegt). Siehe dazu auch meine Zusammenfassung der Rettungspläne: Rettungsplan - Aber jetzt bitte richtig.

FTD: Merkel plant Milliardenhilfe im Schnellgang

Update (22:05):

Es gibt jetzt neue Nachrichten. Die aber eigentlich nichts Neues sind. Alle oben angestellten Spekulationen konkretisieren sich immer weiter. Die Details bekommen aber morgen erst die Fraktionen und andere wichtige Leute vorgestellt. Und wir müssen weiter warten. Eine öffentliche Diskussion darüber wie man potenziell 400 Milliarden ausgibt, ist in einer Demokratie wie dieser wohl nicht erwünscht ...

FAZ: Euro-Staaten beschließen Rettungsplan für Banken
FTD: Euro-Gipfel spannt Schirm über gesamtes Banksystem

Samstag, Oktober 11, 2008

Der G7-Rettungsplan: Alle Details

Hier alle Details im Originalton:

  1. Take decisive action and use all available tools to support systemically important financial institutions and prevent their failure.
  2. Take all necessary steps to unfreeze credit and money markets and ensure that banks and other financial institutions have broad access to liquidity and funding.
  3. Ensure that our banks and other major financial intermediaries, as needed, can raise capital from public as well as private sources, in sufficient amounts to re-establish confidence and permit them to continue lending to households and businesses.
  4. Ensure that our respective national deposit insurance and guarantee programs are robust and consistent so that our retail depositors will continue to have confidence in the safety of their deposits.
  5. Take action, where appropriate, to restart the secondary markets for mortgages and other securitized assets. Accurate valuation and transparent disclosure of assets and consistent implementation of high quality accounting standards are necessary.
So, da waren alle Details.

Wie, auch keine Details gefunden? Ihr meint, der Test sei unverbindlich und komplett vage? Es stünden nur die Ziele drin, nicht aber der Weg, wie sie erreicht werden sollen?

Hmmm, ihr seid aber auch Permapessimisten ...

Infectious Greed: Full Text of G7 Statement: Vaguer Than Vague


Ein paar andere vernichtenden Kritiken finden sich hier:

Rivva.de

Hoffentlich wird die Endversion etwas konkreter ...

DAX wird ausgesetzt!

Endlich ist er frei!


Freitag, Oktober 10, 2008

Lehman CDS zu 9,75% (von 100) gepreist

Wird erst gegen 20:00 Uhr final (da bin ich aber Pizza essen ...).

Aber 9,75% heißt, dass die Credit Default Swaps einen Verlust von gut 90%(!) bei den Lehman Anleihen anzeigen.

Wow!

Ich hätte jetzt gerne nochmal die Schuldenstruktur von Lehman und müsste wissen, auf welche Anleihen genau die CDS liefen. Wenn es um die besicherten Anleihen gehen sollte, wäre das ja ein totales Desaster. Auch wenn es "nur" um die unbesicherten gehen würde, wäre das natürlich schon heftig. Das würde ja bedeuten, dass bei einem Anteil der unbesicherten Anleihen von 40% an den Gesamtschulden, die ganze Vermögensseite von Lehman fast 40%
Wertverlust hinnehmen musste. (Im anderen Fall wäre aber quasi die ganze Bilanz nur heiße Luft gewesen). Schluck.

Und wenn man das alles wüsste, könnte man aus der heutigen Zahl auch direkt die Quote für die Besitzer der Lehman-Zertifikate ableiten.

Oder verstehe ich die CDS falsch?

Update:

Eine Zahl habe ich vergessen und den Link auch ...

Das gesamte Volumen scheint nur knapp 5 Milliarden Dollar auszumachen. Wo sind denn die 400 bis 500 Mrd, die noch am Anfang der Woche herumgereicht wurden?!?

Und der Link:

WSJ: Lehman Bonds Priced Lower than Expected

DAX vs. Gold

Nur um den Gold-Skeptikern mal etwas Kontra zu liefern ...

Die Performance von Gold in Dollar, die überall in den Zeitungen steht, ist für uns Europäer eigentlich ziemlich irrelevant. Spannender ist der Preis in Euro. Und da sieht Gold besser aus als es der Dollar-Chart widerspiegelt, weil der Dollar gerade so stark ist.



Update (12.10.08):

Ich hätt's nicht so beschreien sollen.

Freitag: Gold -8%, Silber -15%

Wobei sich damit zumindest im DAX das Verhältnis ja nicht verschlechtert hat ...

Yamato Life pleite

Und wieder eine Versicherung pleite. Diesmal eine japanische.

Ich finde die Nachricht an sich nicht so spannend, sondern vor allem folgende Stelle aus dem Handelsblatt-Artikel:

Auch nach Ansicht der europäischen Versicherungsaufsicht Ceiops ist das europäische Versicherungssystem robust. Ein Zusammenbruch wie der des japanischen Versicherer Yamato Life sei nicht zu erwarten.

Händler: „Die Nachricht kam völlig überraschend“

Schön, wie die Aussage des japanischen Händlers die Beruhigungsfloskeln aus Deutschland und Europa komplett entwertet.

Und das ist auch das Problem, das wir aktuell haben. Wir sind inzwischen in einer Phase der Krise, in der auch Banken wie Fortis , die am Donnerstag noch als gesund gelten, am Montag halbverstaatlicht sind und in der gleichen Woche fast komplett verstaatlicht werden.

Und das ist anders als noch vor wenigen Wochen. Denn damals haben Fannie und Freddie, Countrywide, Northern Rock, Bear Stearns und Lehman Pleite gemacht. Weil die Bilanzen schlecht waren. Heute zerlegt es Banken "nur" wegen des Finanzierungsbedarfs. Profitables Geschäftsmodell? Gesunde Bilanz? Who cares? Und das muss sich ändern, ansonsten wird sich die Todesspirale immer schneller weiterdrehen.

FAZ.NET: Große japanische Versicherung geht unter

Rettungsplan - Aber jetzt bitte richtig

Ich habe in den letzten Wochen die Rettungspläne diversester Länder verfolgt und kommentiert.

Ich habe den irischen Rettungsplan gelobt (auch wenn er international begleitet werden muss, sonst ersticken die Iren in Geld). Er sorgt sofort für Vertrauen und er sichert die Banken an der Stelle, die aktuell kritisch ist, nämlich bei der Kapitalversorgung.

Ersteinschätzung: Irland gibt Staatsgarantie für ALLE Einlagen bei irischen Banken
Nochmal etwas mehr nachgedacht:Warum der irische Rettungsplan funktionieren wird ...

Ich habe den englischen Rettungsplan gelobt, weil er eine Sache noch besser macht als die Iren: Es wird nur für umgeschuldete (also verlängerte) Schulden garantiert. Die Banken können somit nicht einfach beliebig viele neue Schulden machen. Trotzdem ist die Refinanzierung der Banken gesichert und die Kosten für den Staat erreichen nicht sofort solche Wahnsinnssummen wie in Irland.

Großbritannien hilft Banken

Ich habe die amerikanischen Plan kritisiert, weil er vieles falsch macht. Er ist intransparent, wirkt zu langsam und setzt auf der falschen Seite der Bilanz an. Der Steuerzahler muss viel Geld locker machen und bekommt dafür ausschließlich den Schrott und das noch ohne Gegenleistung (wie eine Beteiligung an den Banken).

Kritik von m106: Warum der Bailout nichts bringen wird
Kritik von mir: Meine Meinung zum Rettungspaket: Gut, gut, richtig schlecht, totaler Mist
oder Warum Paulsons Plan schlecht ist ...
oder Hank Paulson == Gott? Rettungsplan == 10 Gebote?

Ich habe die deutsche Lösung kritisiert, weil sie eine Einzelfalllösung ist, keine Vision entwickelt und weil sie potenziell viel Geld kostet und dem Steuerzahler nichts dafür bietet.

Ich bin geradezu begeistert über den Artikel im WSJ, in dem geschrieben steht, dass auch in den USA die Bankeinlagen und mglw. sogar alle Bankschulden versichert werden sollen. Damit wäre nach dem ersten Schritt (USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.) auch der zweite Schritt getan.

Ich wiederhole hier nochmal meine Meinung, dass sich die Krise inzwischen so stark zugespitzt hat, dass es im Moment völlig egal ist, ob eine Bank überschuldet ist oder nicht. Es zählt ausschließlich, wie viel Refinanzierungsbedarf besteht. Braucht eine Bank aktuell Geld, bekommt sie es nicht. Und damit ist das Ende dieser Bank besiegelt. Banken gehen aktuell nicht Pleite, weil die Bilanz oder die Qualität der Assets nicht stimmen, sondern weil es einfach kein Geld mehr gibt (außer bei der Notenbank).

Deshalb ist die Garantie für die Einlagen gut (weil sie Geldabflüsse verhindert) und auch die Garantie für die verlängerten Schulden (weil dadurch die Verlängerung erst möglich wird). Übrigens sind beides *sofort* wirksame Maßnahmen.

Ich hoffe, dass der G7 Gipfel am Wochenende ENDLICH etwas auf die Reihe bekommt und einen Rahmen für die Lösung präsentiert, der sich an der britischen Lösung orientiert: Staatsgarantie für die (verlängerten) Bankschulden + Notreparatur der Bilanzstruktur über Eigenkapital.

WSJ: U.S. Weighs Backing Bank Debt

Und dann wäre die Kernschmelze verhindert. Danach muss man sich (in Ruhe) Gedanken machen, wie man den Finanzsektor wieder unter Kontrolle bekommt. Und sich bloß nicht wieder von der Branche und den alles verstehenden Finanzmathematikern beschwätzen lassen. In Anlehnung an einen Ingenieursspruch aus dem Motorbau: Eigenkapital ist durch nichts zu ersetzen außer durch Eigenkapital. Hartes Eigenkapital. Cash. Bitte. Und nicht wieder eine auf Ratings basierende risikogewichtete unverstehbare Konstruktion wie Basel II ...

Mein Wort zum Wochenende ;-)

Also mein Broker (S-Broker) ist nicht erreichbar ...

... wie sieht's bei Euch aus?

Update (16:06)

Fast noch geiler sind die Kursinfos bei Onvista. Die Kursfeeds der Emittenten und von Scoach hinken einmal etwas mehr, einmal etwas weniger als eine halbe Stunde hinterher. Und das ist jetzt noch schlimmer als heute morgen. Die Kurse gibt es übrigens. Die BNP liefert mir den Kurs. Von 3,67 bis 5,86 kann man sich den Kurs aussuchen ...


Donnerstag, Oktober 09, 2008

USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.

Man hat wohl bemerkt, dass man das Leverage der Banken am schnellsten verringert, wenn man nicht auf der Seite des Hebels mit dem langen Arm kauft, sondern auf der Seite mit dem kurzen Arm.

Angenommen eine Bank hat einen Hebel von 30. Wenn ich diesen auf 20 oder wie früher einmal üblich 10 reduzieren will, muss ich der Bank unglaubliche Summen auf der einen Seite abkaufen, während auf der anderen Seite der Bilanz nur eine vergleichsweise kleine Zufuhr von Eigenkapital notwendig ist.

Kleines Rechenbeispiel:

Eine Bank mit 50 Mrd. Eigenkapital hat bei einem Leverage (Hebel von 30) Vermögensgegenstände im Wert von 1500 Milliarden.
Soll der Hebel auf 20 reduziert werden, muss man der Bank für 500 Mrd. Vermögensgegenstände aus der Bilanz abkaufen. Soll der Hebel auf 10 muss man 1000 Mrd. in die Hand nehmen.
Wenn man auf der Eigenkapitalseite aktiv wird, reicht es beim Ziel Hebel von 20 aus, das Eigenkapital um 25 Mrd. auf 75 Mrd. zu erhöhen. Für einen Hebel von 10 braucht man weitere 75 Mrd., insgesamt aber nur ein Zehntel der Summe, die ich brauche, wenn ich auf der anderen Seite der Bilanz aktiv werden.

Das Auffüllen des Eigenkapitals ist viel cleverer als das Abkaufen des Schrotts. Erstens sind die Aktionäre so mit im Boot (und zahlen mit; somit hat man zumindest für die Aktionäre keinen Moral Hazard) und zweitens bekommt der Staat was Wertvolles dafür (Anteile an der Bank, die er u.U. nach dem Ende der Krise verkaufen kann; auf der anderen Seite der Bilanz kauft man genau den Schrott).

Das Modell erinnert an das britische Modell, auch wenn der wirklich wichtige Teil, nämlich die Kreditseite und die Refinanzierung im US-Modell überhaupt noch nicht angegangen werden. Und das ist IMHO der wichtigste Punkt. Man muss als Staat den Banken IMHO nicht vorranging Geld geben, sondern dafür sorgen, dass die (wie früher) wieder Geld bekommen (und nicht nur bei der Notenbank).

Aber immerhin nähert man sich langsam den Lösungen an, die ich schon seit Ewigkeiten propagiere (also seit ein paar Tagen; die Zeiten sind hektisch).

NYT: U.S. May Take Ownership Stake in Banks

Update (10.10.08):

Nouriel Roubini:


"Der vom Kongress abgesegnete Auffangfonds sollte den Banken nicht bloss toxische Anlagen abkaufen, sondern im Einzelfall direkte Eigenkapitalspritzen gewähren. Das wäre ein viel effizienterer Einsatz von Mitteln. Der Plan wurde konzipiert von Leuten, die keine Ahnung haben, wie einer Bankenkrise begegnet werden muss."

Gefunden bei zeitenwende: Die Macht der Lobbyisten

Nochn Update:

Eine deutsche Quelle:
FAZ.NET: Paulsons Ideen

Was man mit 700 Milliarden kaufen kann:

Also sinnvolle Vergleiche hatten wir ja schon in der Mainstreampresse (z.B. zweimal die gesamten Produkte von Dänemark kaufen oder die Entwicklungshilfe für Afrika für 10 Jahre verdoppeln).

Sehr schön aber die heutige Version von Bespoke Investment: Dafür kann man nämlich inzwischen etwa 60% des Finanzsektors des S&P 500 kaufen ... Als der Plan bekanntgegeben wurde, waren es noch unter 40%. Noch ein paar Wochen und Paulson kauft einfach alles ...

Bespoke Investment: $700 Billion and What it Can Buy

Ungarn: Island Nr.2?

Ungarn ist wie Island eines der Länder, in denen die außerwirtschaftlichen Parameter schon länger nicht mehr stimmen. Zu hohe Inflation, zu hohes Leistungsbilanzdefizit. Insbesondere das Leistungsbilanzdefizit ist ziemlich kritisch, da dieses Defizit über Schulden, sprich Kapitalimporte gedeckt werden muss. Versiegt der Kapitalstrom, wird es schnell kritisch.

Das ist alles schon länger bekannt. Gefährdet sind auch die baltischen Tiger Estland, Lettland und Litauen. Die FAZ hat schon im Mai darüber berichtet, als die Ratingagentur Moodies auf die Gefahr einer Herabstufung hingewiesen hat.

FAZ: Moody's-Rating von Ungarn, Lettland, Litauen bei Krise gefährdet

Heute ist der Handel mit ungarischen Forint-Anleihen (Ungarn ist noch nicht beim Euro dabei) komplett zum Erliegen gekommen. Die Anleihen rentieren inzwischen schon bei fast 11%.

Handelszeitung: BÖRSEN/Markt für Staatsanleihen in Ungarn kollabiert

Puuh.

Danke an den Hinweisgeber im Kommentar zum Kaupthing Artikel! Ich habe das noch nirgendwo gelesen (die Suche in meinem RSS-Feed zeigt keinen Treffer; musste extra die Google News Suche bemühen und auch die gab nur einen Treffer)

Schon wieder 7% minus im Dow :-(

Autsch ...

Damit haben wir aber immerhin die 36% Minus, die es im Schnitt in einer Baisse gibt, "geschafft". Mit 40% Minus sogar klar ...

An irgendwas muss man sich ja festhalten ...

Achso, da fällt mir noch was ein. Es ist gar nicht so schlimm ... GM hat heute nach fast 30% Minus den niedrigsten Stand seit 1950 erreicht. Wahrscheinlich wurde GM 1950 gegründet ;-)

Im Vergleich hält sich der Dow ja noch ganz gut ...

GM shares fall to lowest level since 1950


Und da ich ja nicht immer Tom Petty's Free Falling ... spielen kann, mal was anderes:



Olaf von Trader's Quest hat heute auch mal Musik. Mist, das Lied hatte ich auch schon vorbereitet ...

300 Mio. Euro Schaden durch Kaupthing Bank? Und wer hat gewarnt?

Suche nach Kaupthing auf egghat's Blog. Ein wenig Schulterklopfen sei erlaubt.

Aber 308 Mio Schaden sind übel. Ich gehe davon aus, dass der Schaden wesentlich geringer bleibt. Denn der isländische Staat wird wohl zumindest einen Teil dieser Schulden zurückzahlen können.

Übrigens hatte die Kaupthing Bank am Anfang der Woche noch 500 Mio. Euro Einlagen. Die Kunden haben also fast 200 Millionen in nur drei Tagen abgezogen.

Wer also durch das Lesen meiner Artikel sein Geld gerettet hat, kann mir gerne 10% der Summe als Finder-/Retterlohn auf mein Konto überweisen. Die Kontonummer gibt's per Mail.

FTD: Kaupthing-Kunden droht 308-Millionen-Schaden

Update (18:22)

Ein Zitat noch aus dem Artikel:

Und ob das isländische Sicherungssystem angesichts der massiven Finanzkrise des Landes trägt, bezweifeln zumindest deutsche Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Die isländische Staatsgarantie können Sie in der Pfeife rauchen", erklärte er gegenüber der "Taz".
Das würde ich (wie oben schon gesagt), nicht so skeptisch sehen. Die isländische Staat ist relativ wenig verschuldet (irgendwo in der Gegend von 30% des BIPs) und das BIP liegt irgendwo bei 10 bis 15 Mrd. Euro (je nachdem mit welchem Währungskurs man das berechnet). Der geplante 4 Mrd. Kredit ist also verkraftbar.
Bei den Einlagen kann man davon ausgehen, dass das Geld nicht in dunklen Kanälen versickert ist. Der Teil des Geldes, den die isländischen Banken von Euro in Kronen umgetauscht haben, ist problematisch, weil sich die Währungsrelationen so verschoben haben. Das Geld ist aber trotzdem nicht komplett wertlos, sondern "nur" weniger wert. Außerdem wird nicht das ganze im Ausland eingesammelte Geld in den Carry-Trade nach Island geflossen sein.

Wirklich abschätzen kann den Schaden aktuell wohl niemand. Aber so ganz in Schwarz malen würde ich nicht.

Update (21:40):

Zum Thema Ehre wem Ehre gebührt:
Die Stiftung Warentest hatte die Kaupthing Bank auch nie in den Toplisten drin. Die Begründung gibt's noch online:
Stiftung Warentest: Kaupthing-Edge-Bank - Spitzenzins mit Vorbehalt

Die Stiftung Warentest rät übrigens zu Besonnenheit. Aktuell machen kann man als Kunde eh nichts. Auch wenn es die Stiftung Warentest nicht so explizit sagt, ich würde intensiv davor warnen, bereits jetzt einen Rechtsanwalt einzuschalten. Wenn ich es richtig gesehen habe, werden zu dem Thema schon wieder Anzeigen geschaltet.

Süddeutsche.de: Stiftung Warentest rät beim Thema Kaupthing zu Besonnenheit

Und noch eine kleine Nachricht zum Thema. Die BaFin hat die deutsche Niederlassung der Kaupthing Bank geschlossen. Damit sind die Zahlungen der deutschen Niederlassungen in alle Richtungen vorerst blockiert, bzw. dürfen nur noch nach Genehmigung der BaFin durchgeführt werden.
FTD: BaFin schließt deutsche Kaupthing-Niederlassung

Heli-Heusi fordert Banken in Staatsbesitz!

Robert von Heusinger fordert die Verstaatlichung der Banken. Neuaufstellung des ganzen Systems. Und um etwas Zeit zu gewinnen, die Schließung der Märkte.

FR: Das Spiel ist aus

Ich kann die Argumente nachvollziehen, allerdings sehe ich eine Fixierung der Kritik auf das Finanzsystem. Politiker wollen damit natürlich von ihren eigenen Fehlern ablenken. Ich bin aber ganz simpel der Meinung, dass das Finanzsystem das macht, was es schon immer gemacht hat: Geld verdienen. Man darf sich da keinen Illusionen hingeben und so tun, als wäre das nicht immer schon so gewesen, daher kann *das* nicht der alleinige Auslöser dieser Krise gewesen. Der Auslöser der Krise war vor allem die Deregulierung der Finanzbranche. Und das zusammen mit einer staatlich gewollten, sprich geförderten Immobilienblase.

OK, man mag mich schnell als Staatshasser und Wirtschaftsgläubigen hinstellen, wenn ich das einfach so behaupte. Daher möchte ich das etwas belegen.

a)

"One other thing I've done, is I've called on private sector mortgage banks and banks to be more aggressive about lending money to first-time home buyers. And the response has been really good. There's a lot of people in this -- our communities around the country that deeply care about the issue of homeownership, and they've been responsive."- George W. Bush, U.S. President, March 26, 2004.
gefunden über
The Big Picture: Quote of the Day: Aggressive lending to 1st-time buyers

Bitte sage noch jemand, die Wall Street sei allein Schuld am Entstehen der Immobilienblase. Das waren alle und eben auch Politik und die Aufsichtsbehörden. Fannie und Freddie sind nur aus einem Grund (vom Staat) geschaffen worden: Wohnungseigentum für jedermann zu ermöglichen.

b) Bis 2004 musste eine Eigenkapitalquote von 8% als Minimum (bzw. ein Hebel von 12,5 als Maximum) erfüllt werden. 2004 kam aber die SEC auf die glorreiche Idee, diese Regel aufzuheben. Ich betone: aufzuheben! Also nicht die 12,5 auf 15 oder 20 zu erhöhen, sondern einfach abzuschaffen. Dem ging natürlich massives Lobbying voraus, das sei nicht verschwiegen.

Die Ausnahme galt übrigens für genau 5 Banken und die hießen - jetzt festhalten - Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch, Bear Stearn und Lehman.

The Big Picture: How SEC Regulatory Exemptions Helped Lead to Collapse

Ich weise an dieser Stelle auch gerne nochmal darauf hin, dass Ex-Notenbank-Chef, den ich mit seiner Politik des billigen Geldes eh für größtenteils verantwortlich an der Krise halte, auch ganz konkret zum Wahnsinn der letzten Jahre beigetragen hat. Er war nämlich ein Fan von variabel verzinsten Hypotheken: Alan Greenspan und seine Prognosen

So viel zum Rückblick auf die Wurzeln der aktuellen Krise. Zurück zur Diskussion über die Lösung.

IMHO ist es ziemlich wurscht, ob man jetzt eine komplette Verstaatlichung macht, ob man den Banken selber erlaubt, sich teilzuverstaatlichen (einen Pool für Eigenkapital schafft, auf den ntoleidende Banken zugreifen können) oder ob man einfach nur eine Garantie ausspricht (wie die Iren).

Viel entscheidender ist, was hinterher passiert. Wie man reguliert. Wie man überwacht.

Und auch wenn ich die Skepsis und den Ruf nach dem Staat nachvollziehen kann, was macht eigentlich alle so sicher, dass die Aufsichtsbehörden über ein Bankensystem in Staatshand besser wachen können als über eins, das in Privathand ist? Oder etwas zugespitzer: Wer hat denn bei der Kontrolle versagt? Wer? Und wieso sollte der auf einmal besser kontrollieren und was tut es zur Sache, wem der Bankensektor gehört?

Wer hat 2004 die Begrenzung des maximal 12,5 fachen Hebels einfach aufgehoben? Wer hat 2000 die Trennung von Versicherung und Bank nach 60 Jahren wieder aufgehoben? Wer hat den Immobilienboom mit billigen Krediten über Fannie und Freddie befeuert? Wer?

Wer hat uns ein äußerst stabiles Altersvorsorgesystem geschaffen, das zwar sicher sein soll, aber nur wenn man die beiden Faktoren "wann bekomme ich Rente" und "wie viel Rente bekomme ich" weglässt. Man bekommt Geld, das ist sicher, nur nicht wann und wie viel ...

Wer hat uns ein äußerst stabiles und kosteneffizientes Gesundheitssystem geschaffen?

Wer hat uns ein Bildungssystem gegeben, das alle zu guten Schulabschlüssen führt und die Unterschiede in der sozialen Herkunft ausbügelt?

Der Misthaufen namens Staat, der auf allen entscheidenden Feldern mehr oder weniger schlimm versagt hat, soll jetzt ein System retten. Ein System, das noch einmal um eine Größenordnung komplexer ist als die anderen, die er schon vor die Wand gefahren hat?

Und wenn man die Kosten berechnen würde, die die verzögerten Reformen der Rentenkasse dem heutigen Steuerzahler kosten und noch kosten werden und das mit den Kosten vergleicht, die für die Rettung der Finanzkrise anfallen werden, dürfte letzteres im Vergleich in die Kategorie "Witz" fallen.

Ich hoffe, es kommt in diesem Artikel rüber, dass mir die Vorgehensweise von Heusinger nicht unsympathisch ist. Ich möchte nur einen Kontrapunkt zur allgemein angesagten Staatsgläubigkeit setzen. Denn nicht zuletzt haben die Staaten bei der Bewältigung der jetzigen Krise versagt. Bis auf Irland (und etwas eingeschränkter Großbritannien) habe ich bisher nur schlechte Aktionen gesehen, die bis zum Himmel nach dem Chaos und der Panik riechen, unter der sie zusammengeschustert wurden. Der Mythos, dass der Staat alles besser machen kann und wird, ist genauso ein Mythos wie die Angst vor dem Shortseller. Nach dem Verbot des Shortsellings vor drei Wochen hat sich das Tempo der Krise noch beschleunigt ... Und das sollte doch auch eine Lösung sein, die uns viele kluge Köpfe empfohlen haben ...

Update (17:46)

Ein weiterer Kommentar zum Thema: Trader's Quest: Lasst die Spiele beginnen!

Mehr Reaktionen bei rivva.de: Leitartikel: Das Spiel ist aus

Update (10.10.08)

Noch ein Zitat von Alan Greenspan, in dem er Subprime Hypotheken lobt:

“With these advances in technology, lenders have taken advantage of credit-scoring models and other techniques for efficiently extending credit to a broader spectrum of consumers. The widespread adoption of these models has reduced the costs of evaluating the creditworthiness of borrowers, and in competitive markets, cost reductions tend to be passed through to borrowers. Where once more-marginal applicants would simply have been denied credit, lenders are now able to quite efficiently judge the risk posed by individual applicants and to price that risk appropriately. These improvements have led to rapid growth in subprime mortgage lending; indeed, today subprime mortgages account for roughly 10 percent of the number of all mortgages outstanding, up from just 1 or 2 percent in the early 1990s.”
Etwas ähnliches habe ich zwar im oben verlinkten Artikel über Greenspan gesagt, aber eine Wiederholung schadet nicht, weil es zeigt, dass er das wirklich geglaubt hat. Das Vertrauen in die Finanzmathematik war hoch. Zu hoch.

gefunden hier: Willem Buiter - Maverecon The origins of the crisis…

News News News

Es ist mal Eure Meinung gefragt. Ist so ein Newsüberblick sinnvoll?

via FAZ.NET am 09.10.08
egghat:




“Permabullen?!? Die optimistische Interpretation des DIW kann ich nicht teilen ...”




egghat:




“Das ist wohl wenig überraschend, vor allem wenn man bedenkt, dass das Wachstum in Q2 und Q3 und Q4 wohl zusammengenommen unter 0% landen wird ...”




Die Bundesregierung will ihre Wachstumserwartungen für das kommende Jahr drastisch senken. Die Tendenz gehe "in Richtung Null", hieß es in Regierungskreisen. Der Grund sei nicht allein die Finanzkrise.

Kooperation in der Krise: Bush gibt Rettungspaket zwei Wochen
egghat:




“Man muss sich allerdings fragen, ob ein Rettungsplan, der erst drei Wochen nach der Verabschiedung wirkt (und durch völlig wahnsinnige Bedingungen auch eine Woche vermeidbare Verzögerung bei der Abstimmung verursacht hat), eine wirklich clevere Konstruktion ist ...”




Optimistischer US-Präsident: George W. Bush geht davon aus, dass der US-Bankenrettungsplan in zweieinhalb Wochen erste Wirkungen zeigt. Um die Finanzkrise zu bewältigen, will er auch verstärkt mit Europa zusammenarbeiten - und eine Weltfinanzkonferenz abhalten.

Schwere Vorwürfe der Bafin: Finanzaufsicht greift Hypo Real-Vorstand an
egghat:




“Die BaFin hat aber auch keine Meisterleistung bei der Rettung produziert. Nicht einmal die Bilanz der HRE hat man gelesen und gemerkt, dass man mit 35 Mrd. nicht einmal bis zum Jahresende kommen wird. Der Liquiditätsbedarf von 136 Mrd. Euro in den nächsten 9 Monaten war dort für jeden zu sehen.”




Die Finanzaufsicht BaFin erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vorstand der angeschlagenen Hypothekenbank. In einem Bericht an das Bundesfinanzministerium vom 2. Oktober bezichtigen die Aufseher den HRE-Vorstand der Fehlinformation über die Lage der Tochter Depfa Bank.
egghat:




“Und die nächste Rettungsaktion für eine Hypothekenbank und einen der größten Pfandbriefemittenten Europas ..”




Nächtliche Rettungsaktion: Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs haben sich auf einen neuen Rettungsplan für die Hypothekenbank Dexia geeinigt. Belgien soll den Verwaltungsratsvorsitzenden stellen - und den größten Teil der Garantie.

Nach britischem Vorbild: Washington erwägt Einstieg bei Banken
egghat:




“Ist auch nicht die dümmste Idee, wenn der Staat für die Rettungsaktionen eine Gegenleistung bekommt ...”




Anlehnung an Großbritannien: Angesichts der dramatischen Lage im Finanzsektor denkt auch die US-Regierung über eine teilweise Verstaatlichung von Banken nach. Finanzminister Henry Paulson hält sich jedoch auch andere Optionen offen.

Mehr Geld von der Fed: 85 Mrd. Dollar sind AIG nicht genug
egghat:




“Da war mein Hinweis gestern, dass bereits über 60 Milliarden aufgebraucht sind, ja schon fast zu spät ...”




Die 85 Mrd. $ aus der ersten spektakulären Rettungsaktion hielten beim US-Versicherungskonzern nicht lange: Die Notenbank muss noch mehr Geld in das Unternehmen stecken.

Marktturbulenzen in Russland: Leitindex für Tage vom Handel ausgesetzt
egghat:




“Russland setzt Börsenhandel für die nächsten Tage aus .... Ob das hilft?” Wie wär's mal mit dem Verbot von Shortselling? Die Märkte laufen doch prima seit das verboten ist ...




Die Finanzkrise erschüttert die internationalen Börsen. Besonders hart trifft es Russland. Darum greift die Moskauer Hauptbörse erneut zu drastischen Mitteln und setzt den Aktienindex MICEX bis Freitag vom Handel aus. Das Ziel: Schlimmeres zu verhindern.

Neuer Milliardenkredit für AIG

Nachdem vor einpaar Tagen bekannt wurde, dass AIG schon 61 Mrd. Dollar des 85 Mrd. Dollar umfassenden Rettungspaket verbraten hat (AIG: Schon 61 Mrd. des 85 Mrd.-Kredits verbraten?), muss die FED nochmals knapp 38 Mrd. hinterher schießen, weil die 85 Mrd. jetzt wohl komplett verbraten wurden. Herzlichen Glückwunsch von mir an dieser Stelle!

Da bin ich aber mal gespannt wie der Ben das dem Volk erklären will, zu mal heute bekannt wurde, dass einpaar Manager kurz nach der Rettung erstmal für 440.000 Dollar einen Luxusurlaub gemacht haben, auf Kosten der Firma natürlich.

Noch eine Sache die mir einfällt: Wenn die FED für die 80% von AIG 85 Milliarden bezahlt, wären das pro Prozentpunkt 1,0625 Mrd. Dollar. Damit müssen der FED jetzt 120% von AIG gehören oder die AIG hat hat seinen Wert fast verdoppelt und die restlichen 20% kosten pro Prozentpunkt 1,9 Mrd. Dollar. Da ich mir letzteres nicht vorstellen kann, muss es ersteres sein :)

Kleiner Scherz am Rande. Die FED bekommt im Gegenzug für den Kredit festverzinsliche Anleihen. Der Zinssatz ist leider nicht bekannt, aber wenn die Zinsen so hoch sind wie beim ersten Kredit (LIBOR (~4%) + 8,5%), sind das große Belastungen für die AIG. Wenn ich den Zinsenrechner im Internet richtig bedient habe, werden im Jahr 15 Mrd. Dollar an Zinsen fällig.

Wie sollen die das bezahlen?

Market Watch: Fed to lend billions more to AIG

Mittwoch, Oktober 08, 2008

Mr. DAX: "70% Wahrscheinlichkeit, dass der Laden uns um die Ohren fliegt"

Sein Gesicht kennt wohl jeder, seinen Namen wohl die wenigsten. Sein Gesicht schaffte es auch schon in Südamerika auf die Titelseiten von Magazinen und Zeitungen. Oft wird er auch einfach als Mr. DAX genannt. Die Rede ist wohl vom bekanntesten Aktienhändler der Welt, Dirk Müller von der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank. Im Interview mit dem "Deutschen Anleger Fernsehen" sagte er: "70% Wahrscheinlichkeit, dass der Laden uns um die Ohren fliegt". Gemeint ist damit natürlich unser Finanzsystem.

Dirk Müller hatte schon im Sommer letzten Jahres von einer schweren Krise gewarnt und meinte auch mal in einem früheren Interview, dass er auch seit dem Frühsommer selbst aus dem Markt ausgestiegen ist!

Bei OnVista kann man das Interview nochmal sehen:
Markt-Desaster: 70% Wahrscheinlichkeit, dass der Laden uns um die Ohren fliegt" (Analyse von D. Müller, mwb fairtrade)

Kaupthing Bank sicher (echt sagen die!)

Im Laufe der vergangenen Jahre haben wir eine starke und gut diversifizierte Bank aufgebaut und entwickelt. Wir haben eine der stärksten Eigenkapitalquoten im europäischen Banken-Sektor (Kapitaladäquanz- Verhältnis von 11,2% und Tier 1-Ratio von 9,3%) und eine gute Liquiditätslage. Darüber hinaus ist unsere Asset- Qualität gut und unser Kreditportfolio sehr diversifiziert. Die Bank betreibt ca. 70% ihrer Geschäfte außerhalb Islands. Kaupthing hat bislang und wird auch weiterhin Ihre Geschäfte umsichtig und vertrauensvoll führen. Basierend auf unseren starken Fundamentaldaten, sind wir natürlich besorgt, wenn bösartige Gerüchte im Umlauf sind und aus Sensationsgier verantwortungslos über die Kaupthing Bank berichtet wird. Wir bitten die Menschen Ihren Blick auf die Tatsachen zu richten und sich nicht von Gerüchten und Anspielungen in die Irre führen zu lassen.

Stellungnahme der Kaupthing Bank

Wie passt das denn dazu?

N-TV: Notfallkredit für Kaupthing - Island hofft auf Russen

Die Kaupthing Bank bekommt Notkredit von gut 500 Mrd Euro von der schwedischen Zentralbank. Nachdem sie bereits gestern einen Kredit der isländischen Notenbank bekommen hat. Wozu bei einer "guten Liquiditätslage"?

Hmmm hmmm hmmm ...

Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie eine Bank nachhaltig über 6% Zinsen auf ein Euro-Geldmarktkonto zahlen kann, wenn der Notenbankzins bei 4% liegt. Das wäre ja ein Verlustgeschäft (das andere Banken nur als Lockvogel machen), also müssen die was anderes gemacht haben.

Das Geschäft war einfach: Die isländischen Banken haben sich Geld im Ausland und anderen Währungen besorgt und sich damit Kredite in Island finanziert. Also zu 6% im Euro-Raum leihen, zu 10% (oder mehr) in Island weiterverleihen.

Das ist ein Carry-Trade, wie es ihn auch im Yen sehr lange gab: Billig im Yen leihen, teuer im Dollar wieder anlegen. Das Geschäft geht so lange gut, wie die Währung stabil bleibt. Jetzt ist aber die isländische Krona zusammengebrochen. Und zwar so richtig.

Die Kredite, die die isländischen Banken im Inland vergeben haben, sind auf einmal (in Euro gerechnet) nur noch die Hälfte wert. Die Spareinlagen im Ausland aber genauso viel wie vorher. Eine Rückzahlung dieser Gelder erscheint dann ziemlich schwierig zu sein.

Die Anlagen bei der deutschen Tochter wären dann sicher, wenn das Geld in Deutschland (bzw. im Euroraum) geblieben wäre. Was auch zum Teil passiert sein mag, aber wie gesagt, wenn alles hier geblieben wäre, hätte Kaupthing die hohen Zinsen nicht zahlen können. Zumindest mit einem Teil der Spareinlagen muss Kaupthing den oben beschriebenen Carry-Trade gemacht haben. Und spätestens dann ist Sicherheit ein Wort, das ich nicht in den Mund nehmen würde.

Es ist auch auffällig, dass die Kaupthing Bank in ihrer Stellungnahme die Versicherung durch den isländischen Staat in Höhe von 20.887 Euro so stark betont. Ich bin mir hingegen sicher, dass die meisten Kunden eine Bank bevorzugen, die in sich sicher ist und nicht wacklig wie hulle und erst durch die Versicherung sicher wird.

Ich kann nicht beurteilen, wie viele Carry-Trades die Kaupthing Bank gemacht hat. Ich kann nicht beurteilen, wie viel dieser Geschäfte mglw. abgesichert wurden. Es kann daher auch gut sein, dass ich das falsch einschätze und die Kaupthing Bank das überlebt. Und vielleicht sogar problemlos und ohne verstaatlicht zu werden.

Aber das aktuellste Rating von Fitch aus dem September ist auch nur noch BBB mit einem negativen Ausblick. Und das (relativ gute) Rating A1 von Standard & Poors ist aus dem Februar und damit einfach viel zu alt, um noch wirklich Relevanz zu haben.

Update (9.8.08)

Das hat ja lange gedauert ;-) Hoffentlich bin ich nicht Schuld ... Das war unvermeidlich und die Stellungnahme der Kaupthing Bank von gestern mglw. nochmal von Interesse für die Behörden ... (ich hab die gespeichert, wer weiss, wofür es gut ist).

Reuters: Staat übernimmt auch die größte isländische Bank Kaupthing

Nochn Update:

"Sehr geehrte Kaupthing Edge Kunden,

die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der isländischen Bankenaufsicht gestellt.

Derzeit ist der Zugriff auf die Online Konten nicht möglich.

Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen."


Damit ist die Kaupthing Bank jetzt genau so sicher oder unsicher wie Island. Auf das Rating von Island habe ich hingewiesen. Dabei hatten die doch eine "gute Liquiditätslage". Wo ist die ganze Liquidität bloß hin?

Ich gehe davon aus, dass die Kunden irgendwann an ihr Geld kommen. Zumindest an den größten Teil der versicherten Summe (20.887 Euro). Wann und ob dabei ein Ausfall zu verkraften sein wird, wird man sehen. Was mit den Summen passiert, die größer als die gut 20000 Euro sind, ist definitiv unklarer.

Und nochn Update:
FTD: Kaupthing - Die Gier der kleinen Leute

Und noch eins:

Weissgarnix hat auch was dazu. Insbesondere das Schmankerl, dass die Kaupthing Bank mal Testsieger in der Börse Online war.

Weltweite Zinssenkungen um 0,5%

Fed runter auf 1,5%

Bank of England runter auf 4,25%

EZB runter auf 3,75%

und ein paar andere ebenfalls.

Marketwatch: Fed, BOE, ECB, others cut interest rates

Großbritannien hilft Banken

a) Es gibt neues Eigenkapital. 25 Mrd. Pfund sofort, 25 Mrd bei Bedarf später (also morgen ;-) )
b) Großbritannien garantiert neue Schulden der Banken, sprich aus Umschuldung entstandenes Geld in Höhe von maximal 250 Mrd. Euro (oder 200 Mrd. Pfund)

b) erinnert mich stark an meine Idee einer Staatsgarantie, vor allem, weil ich genau über diese Einschränkung (nur für neue Schulden) auch schon mal laut nachgedacht habe.

Vielleicht sollte mich mal jemand aus Berlin anrufen ;-)

Auch Deutschland wird eine solche Lösung bekommen (müssen). Alles Gejammer der politischen Kaste in Berlin über den irischen Rettungsplan nützt da nichts ... Hört auf mich und macht das nach: Warum der irische Rettungsplan funktionieren wird ...

Marketwatch: U.K. plans 50 billion pound bank rescue
WSJ:U.K. to Buy Into Large Banks in Bold Move

Tagesschau.de: 200 Milliarden Pfund für Banken


Update (17:09)

Ich verlinke ja gerne Originale, wenn ich diese finde, so here it goes:
FT Alpaville: HM Banks - the statement

Update (18:33)

Noch ein Kommentar dazu vom WSJ:

WSJ: Mostly Carrot, U.K. Bailout Needs More Stick


Update (10.10.08).

Willem Buiter teilt meine Meinung, dass der Schritt ein (überwiegend) guter war, weil er an den entscheidenden Stellen angreift (und nicht wie der US-Rettungsplan an der falschen, weil unwirksamen).

Willem Buiter: Nice one, Cyril

Wo versackt die ganze Liquidität?

Zur Erinnerung: Erst am Anfang der Woche hat die Fed dem Bankensystem satte 900 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt (900 Mrd. Liquidität von der Fed für die Banken). Trotzdem redet alles (auch ich) vom Credit Crunch, weil niemand das Geld weiterverleiht (was Banken ja eigentlich machen sollten, schließlich ist es deren ureigenstes Geschäft). Der Commercial Paper Markt zum Beispiel ist komplett ausgetrocknet, deshalb ist die Fed auch hier eingeschritten (Fed schafft neue Finanzierungsmöglichkeit: Wer hat noch nicht, wer will nochmal?)

Da muss man sich doch fragen, wo die ganzen Milliarden bleiben? Versickern die einfach? Ich habe bisher keine wirklich schlüssigen Erklärungen gelesen. Was sich aber heute geändert hat.

Das Bunkern von Cash bei den Banken, könnten die Vorbereitungen für die Credit Default Swaps sein, die die Banken in dieser Woche zu leisten haben. Diese CDS zahlen im Fall des Ausfalls eines Schuldner. Und zwar ein paar Wochen nach dem Eintritt des Ausfallereignisses.

Heute waren die Zahlungen für den Ausfall von Fannie Mae und Freddie Mac (oder Phoney and Fraudy ;-) ) fällig. Bei beiden waren wahnsinnige 500 Milliarden Dollar der insgesamt 1600 Mrd. Anleihen versichert. Wobei die 500 Mrd. nur geschätzt sind, die genaue Summe kennt niemand (Kopfschüttel). Fannie und Freddie wurden verstaatlicht und die Anleihen daher eigentlich gar nicht ausgefallen sind. Daher brachten die CDS auch nur Ausfälle, die maximal 8,5% des Nennwerts betrugen und das auch nur bei einem Bruchteil der Anleihen. Der große Teil ging fast verlustfrei über den Tisch. Der Schaden war also wesentlich geringer als befürchtet.

Spannender wird die Nummer bei Lehman. Hier sind die Anleihen wirklich ausgefallen. Bei Lehman sollen 400 bis 500 Mrd. Dollar offen sein (auch hier kennt wieder niemand eine genaue Summe). Und bei Lehman wird es deutliche Abschläge auf den Nennwert geben, denn Lehman wurde bekanntlich nicht gerettet. Erste Schätzungen direkt nach der Pleite erwarteten schon 20 bis 40% Verlust auf den Nennwert. Angesichts der Zuspitzung der Krise dürfte das in den letzten Wochen nicht besser geworden sein. Es wird der 21. Oktober als Termin für diese Versteigerung genannt. Das wird (mal wieder) spannend.

Man muss bedenken, dass der CDS-Markt im Volumen von 45.000 Milliarden Dollar noch nie wirklich getestet wurde. Ein paar kleinere Ausfälle waren schonmal da, ein größerer auch (der Autozulieferer Delphi), aber bei den letzten richtig großen Pleiten gab es den CDS Markt noch gar nicht so richtig. Lehman wird also der erste wirkliche Test für diesen Markt. Dass es ein Stresstest wird, ist angesichts der aktuellen Gesamtlage eigentlich sicher.

FT Alphaville: Banks prepare for CDS pay-outs

FT.com: Credit market to price $500bn in bad deals

Update (8.10.08)

Kleines Update:

In einem Artikel heute wird der nächste Freitag also der 10.10 als Abwicklungstermin für die Lehman-CDS genannt. Weiss das jemand genauer?

FT Alphaville: Statements politicians should not make

Dienstag, Oktober 07, 2008

945 1400 Mrd. Dollar Schaden

Neue Schätzung des IWF. Die 945 Milliarden Dollar waren damals im April ein Schock (Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar).

Heute scheint's niemanden mehr richtig zu jucken. Der Wert der Aktienmärkte hat sich in den letzten 2 Wochen eh schon stärker reduziert als die 1,4 Billionen Dollar, die der IWF jetzt errechnet hat.

FTD: IWF: Verluste bis zu 1400 Milliarden

Edelmetallhändler Pro Aurum macht wegen zu hoher Nachfrage vorrübergehend Dicht!

Ich zitiere mal die Webseite:


Nach den weltweiten Unruhen auf den Finanzmärkten erreichten uns heute unzählige Kaufaufträge für Edelmetalle aus der ganzen Republik. Die Anzahl der Orders übersteigt die Kapazität unseres Unternehmens in vielfacher Hinsicht.

1.) Unsere Webserver brechen unter der riesigen Anzahl an Aufrufen regelmäßig zusammen. Viele Bestellvorgänge mussten daher mehrmals wiederholt werden. Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung der Performance. Eine Milderung wird Anfang der kommenden Woche erwartet.
2.) Die Verfügbarkeit der Edelmetalle schränkt sich täglich ein. In der Folge steigen die Lieferzeiten für manche Artikel auf über 4 Wochen.
3.) Alle Abteilungen unseres Hauses (Handel, Abwicklung und Kasse) arbeiten seit mehreren Wochen unter Hochdruck im Zweischichtbetrieb. Dies ist nicht länger aufrecht zu erhalten.

Die Kombination aus diesen Fakten lässt für die Geschäftsleitung nur eine Entscheidung offen und zwingt uns dazu, unseren Webshop vorübergehend zu schließen. Zudem nehmen wir auch keine neuen Bestellungen per Fax oder Telefon an.



Pro Aurum: Ungewöhnliche Zeiten - ungewöhnliche Maßnahmen!

Krise kostete US-Pensionsfonds 2000 Milliarden Dollar...

...in den letzten 15 Monaten!

Das sagte heute der Leiter der Kongress-Rechnungsbehörde CBO, Peter Orszag, vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. Die Konsequenz daraus wird sein, dass viele Arbeitnehmer weniger ausgeben müssen um mehr zu sparen oder später in Rente zu gehen.

Den 700 Mrd. Fonds soll ein 35-Jähriger leiten

Hmmm, Erfahrung braucht man wohl für den Job nicht ... So ein wenig Beteiligung bei der Bewältigung der Savings & Loan Krise wäre IMHO schon hilfreich ...

Wobei Erfahrung mit einem 700 Mrd-Dollar-Bailout hat eh keiner, weil es sowas noch nie gab ...

FT Alphaville: Kashkari: What’s in a name, an age, an affiliation?

P.S. Kommt natürlich wie US-Finanzminister Hank Paulson von Goldman Sachs und es gibt garantiert keine Interessenskonflikte, wenn Kashkari den Junk von GS ersteigert. Garantiert nicht. Der Mann heisst schon Cash-Carry ...

Update (10.10.08)

Spiegel: Der Mann, der die Wall Street retten soll

Fed schafft neue Finanzierungsmöglichkeit: Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

... denn diesmal darf sich jeder Geld leihen!

Man muss "nur" ein Commercial Paper Programm haben und sich darüber Geld besorgen. Commercial Paper sind kurzfristige Anleihen mit Laufzeiten von bis zu 90 Tagen. Diese sind bei Firmen beliebt, weil man damit seinen kurzfristigen Finanzbedarf decken kann und dafür nur den kurzfristigen Zinssatz zahlen muss, der normalerweise unter dem langfristigen Zinssatz liegt.

Ein Problem gibt es dann, wenn man über kurzfristige Kredite ein langfristiger Geldbedarf gedeckt wird. Denn wenn die Commercial Papers auslaufen und man sofort neue auflegen muss, weil man weiterhin Geld braucht, muss man auch einen neuen Käufer finden. Ist der nicht da, hat man ein Problem. Wie die Hypo Real Estate, die hat nämlich genau das gemacht: Langfristige Kredite vergeben und zu einem (zu großen) Teil kurzfristig refinanziert.

Die Fed greift jetzt genau in diesen Markt ein und will dieses "Überrollen" (wie man den Umtausch der alten Commercial Papers in neue nennt) absichern. Damit dieser Markt wieder ans Laufen kommt. Wenn die Papiere besichert sind, erhält die Fed die Sicherheiten, wenn die Papiere unbesichert sind, muss der Emittent eine Versicherungsprämie an die Fed bezahlen. Unbesicherte Geschäfte hat die Fed bisher grundsätzlich nicht gemacht. Das ist ein Novum.

Ich kann übrigens im Programm keinerlei Einschränkung der Emittenten finden. Es scheint für alle zu gelten, nicht nur für den Finanzsektor. Also auch für Industrieunternehmen wie GE und GM. Auch das ist (IMHO) ein Novum.

Infectious Greed: Fed Launches Commercial Paper Purchase Program

(finde das noch nirgendwo auf Deutsch)

(Update: zeitenwende hat's auch und interessanterweise genau die zwei Firmen als Beispiel, die ich auch habe ... Zeitenwende.ch: Die Fed im Panikmodus)

Übrigens hat Bill Gross von Pimco das erst heute in seine Kolumne gefordert. Warum übernimmt der Gross nicht direkt den Job bei der Fed? Den Fannie/Freddie-Bailout hat er ja auch bekommen.

Bill Gross Investment Outlook October 2008:Nothing to Fear but McFear Itself

Update (17:07)

Alle Details direkt von der Fed:

Commercial Paper Funding Facility (CPFF): Terms and Conditions (PDF!)

VW Aktie 45% im Plus(!)

Wow wow wow! Was für ein Intraday-Chart. Fast 50% Plus bei einem DAX-Wert.
Der Großteil des Gewinns ist zwar schon wieder verdampft, aber trotzdem ...



Das toppt die Meldung von vor drei Wochen noch einmal.

VW mitten in der Krise von 200 auf 300 in drei Tagen

Die FTD spekuliert über Gründe, weiss aber genauso wenig wie alle anderen:

FTD: Erklärungsversuche für VW-Anstieg

Update (14:47):

Olaf weiss auch nichts.

Traders Quest: Chart des Tages: Volkswagen (VOW.ETR, DE0007664005)

Ich meine Ferdinand Piech und Porsche kloppen sich um die letzten Aktien. Piech will mit Niedersachsen (oder jemand anderem) zusammen eine Sperrminorität von 25% bekommen. Die restliche Familie Porsche will das unter allen Umständen verhindern.

Update (17:45)

Bloomberg meldet, dass Lehman der Grund sein soll. Lehman soll große Mengen von VW Aktien verliehen haben und (weil Lehman Pleite ist) jetzt die Aktien zurückfordern. Die Leute, die sich die VW Aktien von Lehman geliehen haben, müssen jetzt auf Teufel komm raus VW Aktien kaufen, um Lehman die Aktien wieder zurückgeben zu können.

Bloomberg: Volkswagen Can Thank Lehman, Hedge Funds for Gains (Update3)

gefunden über Zeitenwende.ch: Der Turbo von VW heisst Lehman

Auftragseingänge in Deutschland im Plus

Ich mach mal gute Stimmung ;-)

Nach 8 Monaten in Folge mit sinkenden Auftragseingängen gibt es für den August endlich mal wieder ein Plus bei den Auftragseingängen zu vermelden. Gegenüber dem Vormonat waren es 3,6%. Im Jahresvergleich sanken die Aufträge zwar um 1,3%, aber das sieht schon deutlich besser aus als die 8,2% Minus, die es noch im Juni gab.

Ich sehe kein Ende des Abwärtstrends. Aber immerhin etwas beruhigend ist es, dass die Industrie nicht so ungebremst in den Keller jagt wie die Aktienkurse gestern ...

Kaufen?

Ich gebe zu, es zuckt in meinen Fingern.

So albern es auch klingen mag, der Auftritt von Jim Cramer ist IMHO schon ein guter Indikator (Das ultimative Kaufsignal: Jim Cramer warnt vor Aktien). Man, ist der fertig!

Allerdings muss man sich auch faktenorientiert fragen, was an solchen Tagen wie gestern in der Geschichte passiert ist.

Mark Hulbert meint, dass das gestern KEIN finaler Sell Off war (s.u.). Ich bin da etwas optimistischer.

Gestern war ein Tag, an dem über die Hälfte der S&P 500 Werte in den USA auf neue 52-Wochentiefs gefallen sind. Seit 1965 gab es nur 6(!) Tage, an denen das der Fall war.

21, 25, and 26, Mai 1970
19, 20 Oktober 1987
29. August 1966

Der S&P 500 ist nach diesen Tagen innerhalb eines Jahres im Schnitt um 32% gestiegen. Dass es nur maximal drei Tage in Folge (1970) mit mehr als 50%-Aktien-auf-52-Wochentiefs gab, zeigt, dass der Indikator das Tief ziemlich gut trifft (wenn die Aktien weiter nach unten gingen, gäbe es ja weitere Tage mit neuen 52-Wochentiefs).

Allerdings sind 6 (wenn man zusammenfasst nur 3) Ereignisse in 43 Jahren aus statistischer Sicht nicht sehr belastungsfähig.

Trader Feed: A Look At Broad Weakness In The Stock Market

Aus dem selben Blog einer Untersuchung der Volatilität. Diese ist bekanntlich ein guter Kontraindikator. Wenn die Volatilität hoch ist, ist die Stimmung schlecht. Angst und Panik sind im Markt. Dummerweise kann die Volatilität auch immer noch steigen, sprich dass die Vola hoch ist, ist zwar ein Hinweis, aber was wirklich helfen würde wäre es zu wissen, dass man den Vola-Höhepunkt erreicht hat.

Trader Feed: Stock Market Volatility: A Historical Perspective

Und jetzt nochmal zurück zu Mark Hulbert. Mark Hulber betreibt einen Dienst, der die Stimmung der Börsenbriefe misst. Und nach seinen Messungen sind am Montag die kurzfristig orientierten Börsenbriefe sogar einen Tick optimistischer geworden. Auch sind die aktuellen Werte besser (=optimistischer) als im Juli. Zumindest an der Stelle war der Pessimismus schonmal ausgeprägter.

Marketwatch: Capitulation watch continues in vain

Russland rettet Island (oder auch nicht)

Als Update zu meinem Island-Artikel von gestern, kurz die Nachricht, dass Island einen 4 Milliarden Euro Kredit von Russland erhalten hat. Wurde dann aber von Russland , die Zusage wäre noch nicht fix.

Dramatische Zeiten ... (Auch wenn Island wahrscheinlich weniger kritisch für das Weltfinanzsystem ist als eine mittelgroße deutsche Bank).

FT Alphaville: Húrra! The Russians are coming
FTD: Island rutscht ins Chaos

Island will Verstaatlichung des ganzen Bankensystems

Update (14:11)

Übrigens ist das Bankensystem in Irland heute morgen komplett verstaatlicht worden. Also auch die Kaupthing Bank.

FTD: Island ruft IWF zu Hilfe

Updtae (14:22)

Interessant übrigens, dass die Rettung aus Russland kommen soll. Die haben zwar durch Öl- und Gas inzwischen ganz ansehliche Devisen- und Goldreserven im Wert von 556 Mrd. Euro. (Novosti: Russlands Gold- und Devisenreserven um 25,56 Mrd. Dollar geschrumpft), aber mit dem Kursminus im RTX von über 60% (allein gestern 18%, bevor der Handel (mal wieder) eingestellt wurde) dachte ich eher, die Russen würden sich erst mal um die eigene Wirtschaft kümmern (FAZ.NET: Die russische Börse wankt bedenklich)

Update (8.10)

M106 hat in den Kommentaren eine sehr gute Artikelempfehlung zum Thema Island hinterlassen, die ich hiermit mal nach vorne ziehen möchte
Spiegelfechter: Der Kanarienvogel in der Goldmine

Ich habe die Story auch mal bei Yigg eingetragen und ihr könnt das da promoten: Yigg: Island vor dem Staatsbankrott - Wie es dazu kam

AIG: Schon 61 Mrd. des 85 Mrd.-Kredits verbraten?

Ich habe die Rettungsaktion für die AIG ja begrüßt. Also nicht dass man sie gerettet hat (das ließ sich eh nicht vermeiden), sondern wie: 85 Mrd. Kredit mit hohem Zins gegen 80% Eigenkapital. Quasi ein Private Equity Deal, der auch den letzten Buffet Geschäften bei GE und Goldman Sachs ähnelt.

Interessanterweise jedoch reichen möglicherweise nicht einmal die 85 Milliarden Dollar, um die AIG nachhaltig zu stabilisieren. Eigentlich sollte das Geld dazu dienen, der AIG ausreichend Zeit für den Verkauf von Vermögensgegenständen zu geben, also zum Beispiel für den Verkauf einiger europäischer Aktivitäten, an denen u.a. die Allianz schon Interesse bekundet hat.

Aber nach nur zwei Wochen hat die AIG bereits 61 Milliarden der 85 Milliarden abgerufen. Und wie es heißt für den Geschäftsbetrieb einiger Töchter. Hmmm. Der Laden war scheinbar so klamm, dass zum Zeitpunkt der Rettungsaktion die Liquidität nicht drohte unter Null zu fallen, sondern bereits unter Null gefallen war.

Das macht natürlich wenig Mut für den Zustand der Bilanzen der Branche ...

Ganz anders sieht das der Hedgefondsmanager Bill Ackman, der sich einen Anteil an der AIG zusammengekauft hat. Er hofft darauf, dass die AIG schneller als erwartet Verkaufserlöse erzielen kann und mit den Erlösen zügig den Regierungskredit tilgen kann.

Meine optimistische Meinung zum Wert vieler Geschäftsbereiche der AIG teilt Ackman also auch. Ob die Wette allerdings aufgeht, weiss ich nicht. Die absolut desaströsen Refinanzierungsmärkte gefährden nicht nur die Liquidität der AIG, sondern erschweren auch das Geschäft der potenziellen Käufer.

Zur AIG:

NYT: A.I.G. Uses $61 Billion of Fed Loan oder
Calculated Risk: Fed: AIG Drawdown Rises to $61.3 Billion
gefunden über
Telepolis: Trotz 85 Milliarden Dollar staatlicher Unterstützung steht es nicht gut um den US-Versicherungskonzern AIG

Zu Ackman und den möglichen Verkäufen von Töchtern:

Marketwatch: Ackman bets on government leniency with AIG
FT Alphaville:Investor interest ’swamps’ AIG
Marketwatch: AIG puts many businesses up for sale to repay Fed

Montag, Oktober 06, 2008

Island will Verstaatlichung des ganzen Bankensystems

Als Update zu meinem Artikel über die Kaupthing-Bank, die die höchsten Zinsen unter den Geldmarktkonten in Deutschland zahlt (Habt ihr Geld bei der Kaupthing Bank?). Die isländische Regierung arbeitet jetzt an einer kompletten Verstaatlichung des Bankensektors, also auch der Kaupthing-Bank.

Normalerweise würde ich sagen: Damit ist das Geld sicher. Bei Island bin ich mir aber nicht ganz so sicher, weil erstens Island im Vergleich zum Bankensektor ziemlich klein ist und zweitens Island schon ziemlich angeschlagen in die Krise gekommen ist (hohe Inflation, hohe Währungsverluste).

Allein sprich ohne Staat hätte ich die isländischen Banken aber noch viel kritischer gesehen ...

FAZ.NET: Island bereitet Banken-Verstaatlichung vor

Update (7.10.08):

Bei Landesbanki ist die Verstaatlichung scheinbar durch. Nach dem 75% Einstieg bei Glitnir "fehlt" dann nur noch Kaupthing ...

FT Alphaville: Landsbanki reportedly in receivership

Und noch ein Update:

Island ist übrigens nur BBB geratet. Also so gerade noch Investmentqualität. Und das war vor der Verstaatlichung des Bankensektors ...

FT Alphaville: Unwinding Iceland

Und noch eine Korrektur:


BBB war NACH den Problemen von gestern. Vorher war das Rating A-.

Weitere Updates in einem weiteren Artikel:
Island will Verstaatlichung des ganzen Bankensystems

Das ultimative Kaufsignal: Jim Cramer warnt vor Aktien



Headtip: Weissgarnix.de: Ein “BUY”-Signal für alle Contrarians

Jim Cramer sagt, dass Aktien zu risikoreich sind.

Zum Vergleich Jim Cramer am 11.3.08 ein paar Tage vor der Bear Stearns Pleite:



Und im Fernsehen erzählen mir irgendwelche Leute, dass die wichtige 10000er-Marke im Dow unterschritten wurde und damit die Grenze zwischen Aufschwung und Abschwung überschritten wurde. Komisch, dass ich im Chart im Jahr 2004 mindestens sechs Stellen entdecke, in denen der Dow Jones durch diese Marke ging. Komisch nur, dass damals nichts Wichtiges passierte und der Dow nach diesem Seitwärtsjahr stramm nach oben marschierte. Was nützen mir diese Dummschwätzer?

Update (23:33)

Jetzt schreibt die FTD den Murks auch :-(
Dow unter 10.000 - ein Börsen-Alarmsignal

Der Chart:



Tschuldigung, aber die 10.000er-Marke ist Wurscht.

Update (7.10.08)

The Big Picture hat das natürlich auch (womöglich auch als erster, hab's aber gerade erst gesehen).

The Big Picture: Contrary Cramer Buy Call ?

HRE: Die Details des Rettungsplans 2.0 sind unklar

"Alle Beteiligten versichern, dass sich ihre Belastungen gegenüber der ersten Version nicht erhöht hätten."
Hmmm, es gibt 15 Mrd. Euro mehr und keiner muss bezahlen. Interessante Konstruktion.

(Da sollte doch für mich auch was drin sein und wenn das keinen was kostet, wer soll was dagegen haben?)

Übrigens ist das Paket noch nicht unterschrieben (Stand Montagabend).

FTD: Der Rettungsplan lässt Fragen offen

Steinbrück arbeitet an einem richtigen Plan und nicht an weiterem Kleinklein. Wirkliche Details sind noch nicht klar, aber ich hoffe auf eine Lösung, die klarer und pragmatischer ist als der HRE-Rettung ... Und nicht auf ein weiteres Desaster nur im größeren Stile ...

900 Mrd. Liquidität von der Fed für die Banken

Wow.

900 Mrd. Dollar im Tagestender. Doppelt so viel wie beim letzten Geschäft am Freitag.

FTD: Fed überschüttet Markt mit neuen Milliarden

Zertifikate Handel schon wieder kaputt?

Verkauf DE0008551052 gerade in Stuttgart --> passiert nichts auch nach 5 Minuten. Anzeige bei Onvista auf einmal "Keine Kursanzeige möglich".

Order gecancelt. Neu in Frankfurt aufgegeben mit Limit 85. Spanne 85,10 zu 86,xx. Auf einmal Spanne 85 zu 85 (schön nach unten gesetzt). Order auch nach 5 Minuten noch offen.

NIE MEHR ZERTIFIKATE!!!

(die beiden ETFs gingen problemlos ...)

Free Falling ...

Kam zwar schon mal, aber bei einem DAX beruhigt das ungemein ...



Mal was anderes gefällig?



Auch ein Klassiker. Nur hören, wenn man nicht mehr vor hat optimistisch zu werden ... Btw. Who killed the DAX?

Warum der irische Rettungsplan funktionieren wird ...

... weil das Vertrauen zurück kommt.

Weissgarnix ist gerade (bzw. war) auf einer Finanzmesse in Barcelona (leider dick erkältet, gute Besserung an dieser Stelle!). Und was kann er dort sehen?

"die Messestände der “Bank of Ireland” und der “Allied Irish Bank” waren rammelvoll, das vorherrschende Thema war “schliessen die Garantien auch kommerzielle Einlagen ein oder gelten sie nur für private?”. Und es ist absehbar, dass in den nächsten Wochen Milliardenbeträge nach Irland fliessen werden, wo man sie, nach allem was man liest und hört, nicht nur “sicher”, sondern auch zu Traumkonditionen kurzfristig parken kann."

Weissgarnix.de: Schnupfen und Sarkozy statt Nick Leeson


Tja und was heißt das? MITMACHEN! Und nicht zaudern. Die irischen Banken refinanzieren sich demnächst über Spareinlagen. Sie brauchen keine Kapitalerhöhungen, keine staatlichen Bürgschaften, keine Refinanzierungen über den Kapitalmarkt mehr.

Man mag den Schritt Irlands für egoistisch halten, man kann vom Komplett-Bailout sprechen, aber WIRKSAM ist die Aktion auf jeden Fall. Und zwar wirksamer als der US-Rettungspakt und auch die permanenten Rettungs-Triple-Schritte in Deutschland.

Außerdem muss man bei der Kritik bedenken, dass jede (ganz oder quasi) verstaatlichte Bank das gleiche Problem produziert. Die Briten haben das Problem schon: die verstaatlichte Northern Rock zieht seit der Verstaatlichung die Spargelder geradezu magisch an: FTD: Bank Run verkehrt. Und Deutschland hat man die kommunalen Haftung für das Sparkassensystem eh schon einen quasi staatliches Bankenteil (übrigens konnten Leute mit richtig Angst um ihr Geld im letzten Satz einen nicht wirklich gut versteckten Tipp finden, der sich mit der Garantie von Merkel für Privatkunden erledigt hat ...).

Dass die Kunden (privat und gewerblich) jetzt beginnen, die Gelder von sichereren zu unsicheren Banken zu schieben, kann man ihnen kaum verübeln. Die Profis machen schließlich das selbe. Und am Ende bekommen die unsicheren Banken kein Geld mehr, gehen Pleite und dann fängt sie der Staat auch auf. Haben wir dabei dann irgendwas gewonnen gegenüber einer staatlichen Komplettgarantie? Außer dass es länger dauert? IMHO nein.

Wir haben ohne Garantie nur die Chance vergeben, das Bankensystem schnell zu stabilisieren. Wir haben die Chance verspielt, den Banken zwei Jahre Zeit zu geben, sich zu restrukturieren und die schlechten Assets richtig zu bewerten. Wer nicht mitspielt, muss verstaatlicht werden.

Als einzige Alternative sehe ich nur eine (Fast-)Komplettverstaatlichung der Banken (siehe AIG oder die Frannies). Oder eine unbegrenzte Liquiditätsspritze der Notenbanken mit einem hohen Zins (wie bei der AIG). Norwegen hat übrigens das Bankensystem mal für ein paar Jahre verstaatlicht und das hat Norwegen nicht aus der Spur geworfen. Ich glaube aber, dass eine Staatsgarantie wirkungsvoller ist, wenn in der Zeit der Regulierungsdruck auf das Finanzsystem groß genug ist.

Man darf sich nur nicht auf Ideologen verlassen. Weder die von links präferierte "die Verantwortlichen muss man hängen und die Banken pleitegehen" hilft, noch das neoliberlae Geschwätz der Staat dürfe den Wettbewerb nicht verzerren (wir haben gerade keinen funktionierenden Wettbewerb, also kann man da auch nichts verzerren) und Verstaatlichung sei eh immer was Böses (welche andere Lösung gibt es am Ende, wenn eine Bank an der Klippe steht?). Mit solchen Plattitüden kommen wir keinen Schritt weiter.

Schritt 1 muss sein: Verstaatlichung oder Staatsgarantie oder die EZB als unbegrenzter Geldleiher (zu Risikozinssatz). Alles muss befristet sein und von

Schritt 2: massiver Regulierung begleitet werden. Die Banken müssen sich neues Eigenkapital besorgen. Nicht risikogewichtet nach Basel II oder noch komplizierter, sondern wirklich hartes Eigenkapital in Höhe von mir mindestens 4%. Wer das nicht bekommt, muss seine Risikopositionen reduzieren. Aber in Ruhe. Wer sich bei der Abwicklung als überschuldet herausstellt, wird entweder übernommen und konsolidiert oder verstaatlicht und abgewickelt.

Ich teile die Kritik, dass das irische Vorgehen nur dann wirklich hilfreich ist, wenn alle mitmachen. Ansonsten gibt es Verzerrungen und unter Umständen sogar massive (alle schieben ihr Geld nach Irland). Aber hätte Deutschland als AAA-Schuldner wirklich Probleme, da mitzumachen? OK, die USA vielleicht, aber auch die nicht wirklich. Ich halte das irische Vorgehen für eine gute Lösung und ich halte es auch für legitim vorzuspreschen. Die EU bekommt ohne diesen Druck sowieso nichts auf die Kette, die große Sarkozy Luftnummer vom letzten Wochenende war ein erster Beweis für diese Skepsis.

Der Refinanzierungsmarkt ist fast komplett ausgetrocknet. Wenn das so bleibt, wird eine Bank nach der anderen (und irgendwann der Rest der Wirtschaft auch) Refinanzierungsprobleme bekommen und gerettet werden müssen.

BNP Paribas kauft Fortis Belgien und Luxemburg

Die niederländische Landesgesellschaft von Fortis ging ja bereits am Freitag komplett an den holländischen Staat (Holland kauft Hollandgeschäft von Fortis ganz).

Der Deal ist relativ kompliziert. Nachdem Belgien Anfang letzter Woche 49% der Aktien (an Fortis Belgien) für 4,9 Mrd. Euro gekauft hat, kauft Belgien jetzt für weitere 4,7 Mrd. den Rest. Dann werden 75% an die BNP Paribas verkauft und zwar für 8,25 Mrd. Euro.

Der Deal wäre bis dahin für den belgischen Staat also sogar profitabel. Allerdings führt die BNP auch eine Kapitalerhöhung durch und nachher besitzt der belgische Staat 11,6% an der BNP. Auch wenn es im Artikel der FAZ nicht so drinsteht, müssen dafür nochmal Steuergelder fließen. Es wäre zwar theoretisch denkbar, dass das im Rahmen eines Tauschgeschäfts für einen Teil der Fortis Anteile passieren würde, aber dann müsste es explizit irgendwo stehen. (Update unten!)

FAZ:BNP zahlt für Fortis 14,5 Milliarden Euro

Die Nachricht vom letzten Wochenende:
Fortis gerettet!

Update (10:06):

Die Originalpressemitteilung der BNP Paribas. Leider ist mein Französisch nicht mehr so gut ...

Aber es sieht so aus, als wäre der Kauf und die Kapitalerhöhung EIN Geschäft. Die 14,5 Mrd. Euro Kaufpreis fließen zu 9 Mrd. in neuen Aktien (zu 68 Euro) der BNP Paribas und zu 4,5 Mrd. in Cash.

"· 10,4 milliards d'euros d'actifs les plus à risques du portefeuille de crédits structurés sont isolés ; BNP Paribas détient 10 % de la structure"

Gleichzeitig sieht es so aus, als würde ein Paket schlechter Kredite im Wert von 10,4 Mrd. aus der Bilanz von Fortis gekauft, an dem die BNP Paribas nur zu 10% beteiligt ist; sprich der Staat das Hauptrisiko trägt. Das habe ich in den deutschen News noch nirgendwo gelesen.

Update (10:10).

Ah, auch auf Englisch gefunden:

"BNP Paribas has reviewed Fortis' structured credit portfolio. €10.4bn of structured complex assets have been ring-fenced and put into a special purpose vehicle, in which 10% of any profits or losses will be for BNP Paribas."

Die Beschreibung oben sollte damit korrekt sein. Und mein Französisch doch nicht so schlecht wie befürchtet :)

BNP Paribas expands its pan-European footprint with the operations of Fortis in Belgium and Luxembourg

Update (10:13)

FT Alphaville hat mitbekommen, dass es um einen Aktiendeal geht. Allerdings reden die von einem "All-Share-Deal", was IMHO auch nicht richtig ist.

FT Alphaville: BNP to take control of Fortis

HRE gerettet. 15 Mrd. Aufstockung auf 50 Mrd.

Ich habe eigentlich nichts anderes erwartet ... Das IMHO nicht sonderlich clevere Rettungspaket für die HRE wurde nicht neu gestaltet (z.B. mit einer Verstaatlichung), sondern nur überarbeitet.

Dabei bleiben die Konditionen gleich. Es gibt erst eine Bürgschaft über 14 Milliarden, die wie zuvor zu 60% vom Finanzsektor und zu 40% vom Staat getragen werden. Danach kommen weitere 21 Milliarden Bürgschaft, bei der der Staat das Risiko alleine übernimmt.

Zusätzlich gibt es einen Liquiditätskredit des Finanzsektors über 15 Mrd. Euro, für den allerdings Sicherheiten hinterlegt werden müssen. Weitere Detaile reiche ich nach. Zum Beispiel wäre die Art der Besicherung ja spannend und nicht zuletzt auch die Höhe des Zinses.

Die Aktie der HRE explodiert fällt um 45% und ich überlege ernsthaft, die Aktie zu shorten. Zu schlecht ist dieses Rettungspaket, zu schlecht ist die Liquiditätslage der HRE.

FTD: Rettung in letzter Minute für Hypo Real
Spiegel: Krisengipfel einigt sich auf neues Rettungspaket für Hypo Real Estate

Update (10:16):

Dass die Verhandlungen nicht einmal die sofortige Ablösung des Chefs der HRE Funke zum Ergbnis hatten, ist schon peinlich. Nicht dass ich damit rechne, dass der sich noch lange im Amt halten kann (ich halte die Informationspolitik der HRE für strafrechtlich relevant), aber trotzdem wäre es ein wichtiges Signal gewesen.

Update (15:55)

Die Aktie FÄLLT natürlich. Ich habe wohl heute morgen noch eine Kursentwicklung vom Freitag gesehen. Mit (KO-)Puts kann man übrigens nichts machen. Alle mit einem sinnvollen Hebel sind ohne Briefkurs und der Rest hat so niedrige Hebel und eine so hohe implizite Vola, dass die HRE schnell gegen Null gehen muss, um damit Geld verdienen zu können. Bei einer Seitwärtsbewegung ist man schnell tief im Minus.

Sonntag, Oktober 05, 2008

Zwei Lesehinweise auf Blogs, die ich sehr schätze

Weissgarnix.de: Avanti Dilettanti!

Weissgarnix wundert sich zurecht, dass man in der deutschen Bankenlandschaft und der politischen Klasse in Berlin offenbar nicht fähig ist, einen Quartalsbericht zu lesen und zu verstehen. Nicht dass das das normale Tagesgeschäft sein sollte, aber bevor man ein 35 Mrd. Rettungspaket beschließt, sollte man doch mal schauen, ob die 35 Mrd. überhaupt reichen können. Und die Bank nicht eher 100 Mrd. braucht. Zu lesen war das Ergebnis dieser ziemlich offensichtlichen Analyse zuerst bei Weissgarnix.

Ich habe über die völlig verunglückte Rettungsaktion für die HRE schon abgelästert (jede andere Reaktion wäre auch unangemessen), aber dabei vergessen, auch die BaFin und die Bundesbank mit an den Pranger zu stellen. Gut, die BaFin war schon in der ganzen Börsenspam-Geschichte eine (wie so häufig) peinliche Nummer. Als Ermittlungen aufgenommen wurden, war der große Teil der Welle schon vorbei und an Ergebnissen ist mit bis heute nichts bekannt geworden. Aber die Bundesbank ist schon eine Enttäuschung. Die Pressemitteilungen grenzten an einen Witz. Die erste war drei Sätze lang, in denen fast alles fehlte, was man wissen wollte und das was drin stand, war noch falsch (Hypo Real Estate gerettet). Und die Klarstellung zwei Tage später klärte auch nichts: "Das Konzept für die Risikoabschirmung, das der deutsche Finanzsektor unter Moderation der BaFin und Deutsche Bundesbank am vergangenen Wochenende vereinbart hatte, zielt darauf ab, dass die HRE-Gruppe ihre Liquiditätsschwierigkeiten beseitigen und ihre Risikopositionen redimensionieren kann." Aha! Summe? Beteiligte? Bedingungen? Fehlanzeige.

Zur aktuellen Krise bei der HRE ebenfalls ein Hinweis auf einen sehr guten Artikel:

Zeitenwende.ch: HRE verstaatlichen und zwar sofort

Und drittens die Erkenntnis das "wir" Blogger doch nicht ganz machtlos sind, auch wenn die Entscheider Weissgarnix noch nicht lesen. Immerhin hat mein Pushen der Handelsblatt-Artikel-Löschaktion (ich nenn das jetzt mal nicht Zensur, dieses Wort ist scheinbar zu "geschmacksvolatil" ;-) ) dazu geführt, dass es viele andere Blogger aufgenommen haben und jetzt auch eine Stellungnahme des Handelsblatts vorliegt.

Pssst! Jede Bank kann ausfallen und das Geld ist dann weg

Die Ehre für das "Breaken" der Geschichte hat aber ein User namens Usul bei yigg.de.

HRE kämpft nicht ums Überleben!

Die Hypo Real Estate hat schon lange keine Chance mehr aus eigener Kraft zu überleben, dieser Zeitpunkt liegt schon lange hinter uns.

Verstehe diese Überschrift nicht, die alle bringen. Die HRE wird entweder gerettet oder ist Pleite. So sieht's aus.

Es gibt nur zwei Lösungen:

1.) Verstaatlicht den Laden wie bei Fannie oder Freddie oder
2.) gebt der HRE einen richtig teuren Kredit (10%) gegen richtig viel Eigenkapital (75% oder mehr) wie bei der AIG (Komplett Bailout für AIG).
(3. die umfassende Lösung wäre eine (befristete) Staatsgarantie für *alle* Schuldner des Finanzsystems).

Alles andere ist Murks.

Am allerschlimmsten wäre ein Fallenlassen wie bei Lehman. Denn diese Pleite hat zwei Tage später die AIG in den Abgrund gerissen und zum völligen Austrocknen des kurzfristigen Finanzierungsmarktes geführt. Das hat Fortis, Dexia und HRE an den Rande des Abgrunds geführt.

Die Refinanzierung der Banken beruht auf Vertrauen . Das Vertrauen ist seit der Lehman Pleite weg. Und zwar komplett, vollständig und nachhaltig. Das heißt, dass jetzt alle wieder kapiert haben, dass eine Bank Pleite gehen können. Das ist zwar 'ne tolle Lehrerfahrung, nur ziehen die Bänken die direkte Konsequenz daraus; sie leihen sich kein Geld mehr. Die Refinanzierung ist komplett zusammengebrochen. Eine Bank nach der auf anderen macht Pleite, weil sie kein Geld mehr bekommt. Dieses Risiko droht allen Banken! Ohne Vertrauen kommt die Refinanzierung nicht mehr in Schwung.

Der Rettungsplan in den USA ist schlecht, weil er zwar die Menge Schrott in den Bilanzen der Banken verringert, aber auch nachher weiss niemand, ob nicht doch noch zuviel Schrott in den Bilanzen bestimmter Banken steckt. Außerdem gefällt mir die Idee nicht, dass der Staat den Schrott übernimmt und die Banken das Gute behalten.

Deshalb halte ich eine Staatsgarantie à la Irland für die möglicherweise beste Lösung. Weil diese verhindert, dass immer und immer mehr Banken in den Strudel geraten und immer und immer mehr Kosten entstehen. Außerdem hätte man in der Frist die Möglichkeit, die Assets vernünftig zu bewerten.

Die HRE würde ich erstmal "konventionell" retten ... Und zum Irland-Paket nochmal ein paar clevere Leute fragen ...

Staatsgarantie für private Einlagen bei Banken

Deutschland gibt eine Staatsgarantie für alle *privaten* Einlagen bei deutschen Banken.

Das Paket umfasst 568 Milliarden Euro. Die Lösung greift damit viel kürzer als die Lösung in Irland, bei der alle Einlagen und Schulden versichert sind. Diese Lösung hätte in Deutschland ein Volumen von etwa 7 Billionen Euro gehabt.

Versichert sind jetzt also Spareinlagen (z.B. das altbewährte Sparbuch) und Geld auf dem Girokonto, Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto (bei den beiden letzteren bin ich mir 99,9% sicher; schreibt bitte was wenn das nicht stimmen sollte oder auch wenn das stimm). Nicht versichert sind Inhaberschuldverschreibungen, also quasi alles andere, was man bei einer Bank haben kann. Insbesondere Zertifikate u.ä. sind nicht versichert.

Gewerbliche Kunden sind von allem ausgenommen und stehen genauso im Risiko wie zuvor. Und das Hauptproblem wird nicht angegangen: Der völlig ausgetrocknete Refinanzierungsmarkt.

Es wird zwar ein Bankrun von Privatkunden verhindert aber mehr auch nicht. Aber daran sind auch Dexia, Fortis, Lehman, Bear Stearns, AIG, etc. NICHT gescheitert ...

Focus:UPDATE: Bundesregierung gibt Staatsgarantie für private Einlagen


Update (6.10.)

Die 568 Milliarden sind übrigens viel zu wenig. Laut Bundesbank betragen die privaten Spareinlagen insgesamt mehr als 1600 Milliarden. Eine genaue Summe gibt es aber noch nicht.

Samstag, Oktober 04, 2008

Hilfspaket für Hypo Real Estate gescheitert!

Wie HRE heute Abend mitteilte ist die Kreditzusage durch mehrere Finanzinstitute nicht mehr gültig. Zuvor kam durch ein Bericht von "WELT Online" ans Tageslicht, dass HRE die zugesagten 35 Milliarden gar nicht reichen. Die Deutsche Bank stellte bei einer Prüfung fest, dass allein bis Ende nächster Woche 20 Milliarden Euro gebraucht werden. Bis Ende 2009 werden sogar, im schlimmsten Fall, 70 - 100 Milliarden Euro benötigt. Das geplatzte Hilfspaket umfasste ein kurzfristige Kreditzusage über "nur" 15 Milliarden und langfristig sollten nochmal 20 Milliarden dazu kommen.

WELT Online: Rettungspaket für Hypo Real Estate gescheitert

Update (00:23):

(von egghat)

Bin echt gespannt, wie die Merkel aus der Nummer (keine Staatshilfen) rauskommt. Und ich hoffe inständigst, dass die pragmatisch genug ist, und den Laden rettet (VERSTAATLICHT!!!) und nicht ein zweites großes Experiment á la Lehman startet ... Das IMHO übrigens grandios gescheitert ist und der wirkliche Auslöser für das 700 Mrd. Rettungspaket ist ...

Update (11:39):

Treffender Kommentar dazu von Weissgarnix, der schon letzte Woche aus dem Geschäftsbericht der HRE den Finanzierungsbedarf errechnet hat. Und *davon* zeigen sich die Banker jetzt überrascht?!? Die HRE braucht Geld? Das war jetzt aber wirklich kein Geheimnis ...

(Und ich sage es nochmal: Wir sind jetzt an der Stelle der Krise angekommen, an der nicht mehr die Überschuldung das entscheidende Problem ist, sondern das komplette Versiegen der Finanzierungsströme. Das ist der Monster-Credit-Crunch. Und das Problem bekommt man nur weg, wenn man wieder für Vertrauen im Banksystem sorgt. Und das geht am schnellsten mit einer Staatsgarantie á la Irland (oder einer Verstaatlichung des ganzen Sektors). Ich weiss, dass die Lösung auch Probleme hat. Aber besser als nix machen (eh keine Alternative mehr), Stückwerk (wie in Deutschland) oder einen Rettungspakt wie in den USA finde ich das allemal.)

Weissgarnix.de: Avanti Dilettanti!

Warum der Bailout nichts bringen wird

Als am 19. September der „Paulson-Plan“ bekannt wurde, feierten die Börsianer die Meldung mit einem großen Kursfeuerwerk an der Wall Street. 3,86 % ging der Dow Jones damals nach oben. Nach den zuvor aufregenden Tagen, die den Zusammenbruch von Lehman Brothers und die Verstaatlichung von AIG beinhaltete, glaubten schon viele an die Kernschmelze des Finanzsystems.

Doch die Kritiker des Planes blieben nicht lange stumm. Allerdings kritisierten die Meisten nur Eckpunkte des Planes und nicht die Idee des Plans an sich: Den Banken diese giftigen Papiere abzukaufen und so die Bilanzen zu stärken. Auch ich hätte den Plan für richtig gehalten, wenn, ja wenn er ungefähr ein Jahr zuvor gekommen wäre.

Denn die Krise hat sich in einem Jahr verändert und sie ist längst keine Immobilienkrise mehr, sondern ist zu einer Vertrauenskrise mutiert. Die Zusammenbrüche dieser Woche sind nicht die Ergebnisse von unverantwortlichen Spekulationen, sondern Refinanzierungsschwierigkeiten und teilweise der Abzug von Einlagen der Kunden, weil keiner weiß, ob die Bank mit der man Geschäfte macht, am nächsten Tag noch existiert. Das ist mir spätestens diese Woche klar geworden. Die Tochter, die die Hypo Real Estate so in Schwierigkeiten gebracht hat, hatte eigentlich ein solides Geschäftsmodell, das hätte man zu mindestens noch vor der Vertrauenskrise behauptet. Sich kurzfristig Geld leihen und es dann langfristig weiterverleihen funktioniert heute nicht mehr. Der Interbankenmarkt ist fast ausgetrocknet. Die Banken horten das Geld oder parken das Geld lieber über Nacht bei der EZB für 3,25%, als es anderen Banken auszuleihen und dafür 5,25 % zu bekommen. Die Notenbanken versuchen dieses Problem zu lösen, in dem sie Milliarden in den Markt pumpen und trotzdem fließt kein Geld mehr von Bank zu Bank und die Notenbanker merken immer noch nicht, das einfach das Vertrauen fehlt und man erstmal dieses Problem lösen muss, sonst können sie noch Billionen in den Markt pumpen, ohne das es die gewünschte Wirkung zeigt.

Daher frage ich mich, was wohl passiert wäre, hätte die US-Regierung schon vor über einem Jahr die Garantien an den Markt gegeben, die die irische Regierung diese Woche gab: Eine Vollständige Garantie für alle ausstehenden Schulden und Einlagen irischer Banken und Versicherungen durch den Staat. Hätte sich diese Vertrauenskrise dann noch überhaupt entwickelt? Das Vertrauen eines anderen zu gewinnen, ist schwer. Das Vertrauen zu zerstören, ist umso leichter. Zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen, ist fast unmöglich!
Deshalb frage ich mich ernsthaft, ob das aufkaufen von faulen Papieren, die meiner Meinung nach sowieso schon größtenteils von den Banken abgeschrieben worden sind, wirklich hilft, das Vertrauen wiederherzustellen? Und ich frage mich auch, was günstiger für den amerikanischen Steuerzahler wäre. Eine Bürgschaft über 700 Milliarden oder faule Kredite für 700 Milliarden zu kaufen?

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Der Bailout wird (langfristig) nichts verbessern, weil das größere Problem im Moment nicht die faulen Kredite sind, sondern das fehlende Vertrauen. Wäre dieser Bailout Plan schon vor über einem Jahr gekommen, wäre es meiner Ansicht nach niemals zu dieser Vertrauenskrise in der Form gekommen!

Freitag, Oktober 03, 2008

Holland kauft Hollandgeschäft von Fortis ganz

Da bekommt diese Rettungsaktion vom letzten Wochenende ja nochmal eine überraschende Änderung.
Der niederländische Staat kauft für 16,8 Milliarden Euro das lokale Geschäft der Fortis Gruppe komplett. In der letzten Woche hatte sich die die Niederlande, Belgien und Luxemburg jeweils mit knapp der Hälfte an der jeweiligen Landestochter beteiligt (siehe Fortis gerettet!).

Jetzt verstaatlichen die Holländer das Hollandgeschäft also ganz. Der Erlös fließt der Holding zu und damit sollten die belgische und luxemburgische Tochter jetzt auch sicher sein.

Tagesschau: Niederlande übernehmen Teile von Fortis

US-Rettungsplan ist durch - Und die Wall Street sinkt ...

Ach, wäre die Börse langweilig, wenn sie sich so verhalten würde wie erwartet.

Heute stimmt auch der Kongress dem Rettungsplan (oder BaB, Bailout aller Bailouts) zu und was macht die Wall Street? Gibt in wenigen Minuten die 2,x % Kursplus (die sich angeblich aus Vorfreude auf den Rettungsplan aufgebaut haben) wieder ab und notiert aktuell so gut wie unverändert.

Tagesschau: 263 mal "Ja" für den 700-Milliarden-Dollar-Plan
Marketwatch: House approves historic bailout package

US-Arbeitsmarkt bricht endgültig ein

159.000 Arbeitsplätze weniger im September, der größte monatliche Verlust seit 5 Jahren.

In allen Monaten von 2008 ist nun die Anzahl der Arbeitsplätze zurückgegangen. Die Verluste summieren sich inzwischen auf 760.000 Arbeitsplätze.

Die Arbeitslosenquote blieb bei 6,1%. Die breitere Arbeitslosenquote, die auch von der Suche entnervte Arbeitslose enthält, stieg mit 11% auf den höchsten Stand seit 1994. Dass auch bei den Teilzeitjobs die Lage nicht besser ist, kann man an der durchschnittlichen Arbeitszeit erkennen, die auf 33,6 Stunden gefallen ist. Es gibt also mehr Teilzeit- und weniger Vollzeitjobs und auch weniger Überstunden. Die "average workweek" ist ein sehr netter Indikator, der oft mehr über die wahre Lage am Arbeitsmarkt verrät als die offizielle Arbeitslosenquote.

Marketwatch: Payrolls sink 159,000, worst job loss in 5 years

Ich würde mal tippen, dass spätestens nach den Zahlen von heute die Rezession nach NBER-Kriterien feststeht.

HRE Paket fertig geschnürt ... 8,5 Mrd. vom Finanzsystem

Es gibt zwar immer noch keine offiziellen Zahlen (wieso auch, bei den paar Milliarden hat der Steuerzahler doch kein Anrecht auf Informationen ...), aber es wird folgendes herumgereicht:

Privatbanken: 4,5 Mrd.
Landesbanken + Sparkassen: 1,6 Mrd.
Versicherungen: 1,4 Mrd.
Genossenschaftsbanken: 0,6 Mrd.
Förderbanken (KfW?): 0,4 Mrd.

Damit geht meine skeptische Prognose nicht auf, dass die Differenz zwischen den ursprünglich vereinbarten 3 Mrd. der Privatbanken und den 8,5 Mrd, die für's Finanzsystem angesetzt waren, am Ende doch der Steuerzahler tragen wird (wobei die Landesbanken, Sparkassen und Förderbanken ja irgendwo in der Mitte zwischen Staat und Wirtschaft stehen). Wenigstens etwas Positives zum Wochenende ...