Dienstag, September 30, 2008

Wie viel ist durch den Einlagensicherungsfonds sicher?

Nur ein schneller Hinweis zum Einlagensicherungsfonds:

Die FAZ hat die Liste: FAZ: Wie viel gibt es im Ernstfall?

Wer sich schon immer gefragt hat, bei welcher Bank wieviel Geld auf dem Konto versichert ist, kann das in der Grafik im Artikel nachlesen. (Wenn jemand nicht schlafen kann, kann er es gerne abtippen und im Kommentar hinterlassen. Ich packe das dann morgen in diesen Artikel, damit arme Sparer das "ergoogeln" können. Die Abfrage der Daten kann man beim Bundesverband Deutscher Banken nämlich nur gegen Abgabe der E-Mail-Adresse machen. Das scheint irgendwie ziemlich geheim zu sein ...

Die Summen sind bei den deutschen Banken aberwitzig hoch. Bei der Volkswagen Bank würden vier Kunden, die an die Maximalgrenze (1,1 Mrd. Euro) stoßen, ausreichen, um den Sicherungsfonds komplett zu leeren (4,6 Mrd. Volumen). Wenn er nicht durch die Pleite der deutschen Lehman Tochter (die Mitglied war) eh schon leer ist ... (Lehman Pleite schwappt nach Deutschland - 14 Mrd. Schaden?).

Wer sich einbildet, dass diese Summen auch nur irgendwas zu sagen haben, irrt sich gewaltig. Es ist ausgeschlossen, dass der Einlagensicherungsfonds auch nur eine mittlere Bank auffangen kann. Über eine Commerzbank oder ähnliche Kaliber braucht man erst gar nicht anfangen nachzudenken. Da ist jedes "Ihr Geld ist sicher, weil es ist versichert" wie im FAZ-Artikel mehr Volksverdummung als Information. Die Summen sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

Das ist genauso ein Schmarrn wie die Kreditausfallversicherung auf US-Staatsanleihen. Ich halte es für fast ausgeschlossen, dass es bei einem Ausfall der USA noch eine Versicherung gibt, die die Versicherungssumme auszahlen kann. Zumindest ziemlich sicher niemand aus der westlichen Hemisphäre ...

Update (00:39)

Und noch ein Artikel der FTD dazu:
FTD: Einlagen in Deutschland am sichersten

Jaja, die 1,1 Milliarden sind sicher ...

HRE Rettung: Klar ist nur, dass nichts klar ist

Ich habe mich schon über den dreizeiligen offiziellen Text zur Rettung der Hypo Real Estate am Montagmorgen gewundert und geunkt, dass der wahrscheinlich so kurz ist, weil noch niemand weiss, was los ist ...

Und das ist noch wahrer als ich es gedacht hätte. Schlimm genug, dass in der offiziellen Textmeldung von einem Konsortialkredit des Finanzsystem geredet wurde und erst nachher herauskam, dass es nicht nur das Finanzsystem ist, sondern auch der Staat. Dann sickerten die Summen durch und dann auch, dass es eine zweite Stufe der Rettung gibt, für die alleine der Steuerzahler gerade stehen muss.

Ich habe meine negative Meinung zum HRE-Rettungspakt schon gepostet (35 Milliarden Unterstützung für HRE? Und 3/4 davon vom Staat!). Und damals kannte ich noch nicht die ganze Wahrheit. Und jetzt auch noch nicht, weil sich die Beteiligten nicht einigen können, was denn mit der Hypo Real Estate passieren soll. Steinbrück geht davon aus, dass sie abgewickelt wird. Die HRE selber, die BaFin und die Bundesbank wollen "eine geordnete und Substanz schonende Neustrukturierung". Hmmm. Das hört sich jetzt nicht direkt nach Abwicklung an ...

Aber es wird noch schlimmer. Die gestern genannten Summen scheinen auch nicht zu stimmen. Am Anfang hörte es sich ja nach einem Rettungspaket allein durch das Finanzsystem an. Dann wurde eine Staatsbeteiligung von 40% in ersten Welle und inklusive der zweiten von etwa 75% bekannt. Jetzt heisst es, dass die Banken nur 3 Milliarden Euro zugesagt haben und man für die restlichen 5,5 Mrd. scheinbar die Versicherungen "anschnorrt". Und wenn die sich querstellen, dann springt wahrscheinlich auch dafür noch der Steuerzahler ein ...

Ich werde das Gefühl nicht los, dass selbst die dreizeilige Pressemitteilung schon zu detailliert war. Vielleicht sollte beim nächsten Mal einfach verstaatlicht werden. Das passt in einen Satz und es ist sofort klar, wer die Zeche bezahlen muss ...

FTD: HRE droht Zerlegung und Abwicklung

Und nach eine Randnotiz, die zeigt, dass eine Verstaatlichung der HRE die richtigere (wenn auch möglicherweise nicht die beste) Lösung gewesen wäre. Allein um diesen Idioten in der Geschäftsführung rauszuwerfen ...

"Die neue Kreditlinie verwirklicht einen weitreichenden und innovativen Ansatz, mit dem wir unsere Finanzierungsstruktur so anpassen können, dass sie den derzeitigen Fehlfunktionen an den internationalen Geldmärkten gerecht wird."
Georg Funke, Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate.

Der Staatskredit ist also ein "innovativer Ansatz". Ich fass es nicht! Sorry, aber der merkt scheinbar nix mehr. Die japanischen Manager springen aus dem Fenster oder setzen sich zumindest heulend in eine Pressekonferenz und entschuldigen sich, wenn die so viel Mist gebaut haben.

Zum Schluss fragt sich die FTD noch, wann genau es eigentlich die Fehlfunktionen gegeben hat. Heute, wenn die HRE kein Geld mehr bekommt oder früher, als solche Häuser noch unreflektiert finanziert wurden ...

Lesenswerter Artikel: FTD: Hypo Real hält mit

Update (1.10.08):

Klare Ansage der FTD:
FTD: HRE - Lasst Köpfe rollen

US-Immobilienpreise fallen weiter: -17,5%

Die 17,5% gelten im Jahresvergleich von Juli 2007 zu Juli 2008. Datenquelle ist das heutige Update des Case-Shiller-Hauspreisindexes.

Vom Höhepunkt der Immobilienpreise aus beträgt das Minus nun schon fast 22%.

Die Fallgeschwindigkeit nimmt aber langsam, aber deutlich sichtbar ab. Im Februar sanken die Preisen im 6-Monatsvergleich um 12% (dem höchsten Wert), im Juli nur noch um 6%.

Damit liegt der Punkt der höchsten Fallgeschwindigkeit irgendwo um die Jahreswende. Der Höhepunkt der Preise lag damals etwa 1,5 Jahre zurück und das Minus bei den Preisen betrug etwa 15%. Wenn meine Theorie stimmt, dass die Abwärtsbewegung eine Art Sinuskurve ist, dauert das Auspendeln ab dem Höhepunkt der Fallgeschwindigkeit genauso lange und ist genau so groß wie der erste Teil der Bewegung (also 1,5 Jahre und nochmal 15%). Damit haben wir also noch gut 1 Jahr Preisverfall vor uns und müssen mit einen Preisverfall von nochmal knapp 10% rechnen.

Es besteht natürlich die Gefahr, dass die sich abschwächende Wirtschaft und die steigende Arbeitslosenzahl noch mehr Druck auf die Immobilienmärkte ausübt. Aber es gibt natürlich auch die Hoffnung auf ein staatliches Unterstützungsprogramm für den Immobilienmarkt. Aber angesichts bereits "passierter" 22%-Preisrückgang ist ein Spekulieren auf einen Gesamtrückgang von weniger als 30% nur was für Berufsoptimisten.

Die wirklich spannende Frage ist natürlich, wie viel des Preisrückgangs schon eingepreist sind und wie viel noch nicht. Aber das weiss niemand. Sicher ist nur, dass 40% oder mehr definitiv noch nicht in den Preisen stecken. Aber so schlimm kommt es hoffentlich auch nicht ...

The Big Picture: Case Shiller Index Falls 17.5% in July

Irland gibt Staatsgarantie für ALLE Einlagen bei irischen Banken

Ich meckere viel. Aber es gibt auch viele dämliche "Lösungen" in dieser Krise. Der US-Rettungspakt war dämlich und die Rettungsaktion für die HRE ebenfalls (wobei die HRE Aktion eigentlich sogar extra dämlich war; mit einer Bürgschaft Risiko zu übernehmen ohne Eigenkapital dafür zu bekommen, ist idiotisch).

Aber es gibt auch clevere Lösungen. Die AIG Rettung war eine (80% Eigenkapitalanteil gegen einen hochverzinsten Risikokredit, siehe hier: Komplett Bailout für AIG), die Staatsgarantie für die irischen Banken ist eine zweite:

Marketwatch: Ireland takes steps to safeguard its banking system

Vollständige Garantie für alle ausstehenden Schulden (und Einlagen) irischer Banken und Versicherungen durch den Staat. Die ultimative, allumfassende Bürgschaft!

Ich halte das für einen mutigen Schritt, der aber was bewirken kann. Mehr auf jeden Fall als die Staatsgarantie immer nur implizit zu ziehen, wenn eine Bank fällt. Denn so kommt Vertrauen ins System zurück. Die Banken leihen sich wieder gegenseitig Geld.

Unter der Annahme, dass die Banken nicht komplett überschuldet sind, kann eine solche Staatsgarantie dafür sorgen, dass die Banken abgesichert werden und das Vertrauen wieder da ist. Vor allem wirkt das SOFORT. Und nicht erst, wenn die Bank insolvent wird. Endlich ein Ende der Unsicherheit und schrittweisen Rettungsaktionen. Implizit wird ja doch im Fall der Fälle gerettet.

Die irische Garantie gilt zeitlich befristet für 2 Jahre. Alles andere wäre auch ein zu starker Eingriff ins System.

Die Staatsgarantie hat natürlich auch Nachteile:

a) Sie kann im Prinzip unbegrenzt teuer werden.
b) Es gibt keine "Erfolgsbeteiligung" für den Staat. Der Staat übernimmt zwar das volle Risiko, aber bekommt nichts dafür zurück (wie z.B. bei der AIG).
c) Sie ist Moral Hazard, weil alle Banken, auch die schlechten, gleich profitieren. Keiner zahlt die Strafe, weder das Management, noch die Schuldner oder Aktionäre. Ich habe aber eine andere Meinung zu Bailouts:Der Marshallplan war auch ein Bailout!
d) Sie kann den Markt deutlich verzerren (alle Banken leihen sich jetzt Geld zum niedrigst möglichen Zins, als wären sie erstklassiger Schuldner).
e) Es könnte jetzt sein, dass die Zinsen für irische Staatsanleihen steigen, weil es davon defakto mehr gibt (die Bankanleihen sind ja jetzt genau so sicher wie irische Staatsanleihen und mehr Angebot bedeutet sinkende Preise bedeutet steigende Zinsen).
f) Es könnte sein, dass durch die Staatsgarantie jetzt Unmengen an Geld in die irischen Banken strömt und dadurch der irischen Wirtschaft viel zu viel Geld zur Verfügung steht und das verzögert eine Inflation auslöst.

Die Punkte e) und f) sehe ich aber durch die zeitliche Beschränkung der Aktion als beherrschbar. Außerdem ist das Problem im Moment zu wenig Geld und nicht zu viel.

Aber die Vorteile sind immens:

a) Wenn die Banken nicht überschuldet sind, kostet die Bürgschaft keinen Cent.
b) Die Maßnahme wirkt SOFORT. Schneller als jeder Abkauf von Schrott, weil danach immer noch Schrott in den Bilanzen bleibt (wie beim Rettungspakt wie in den USA)
c) Die Maßnahme wirkt umfassend und nicht nur für einige wenige Auserwählte.
d) Die Maßnahme setzt da an, wo es jetzt die wirklichen Probleme gibt: Bei der Refinanzierung des Finanzsystems. Dazu noch ein Link auf einen Artikel, in dem genau dieses Problem identifiziert wird und eine Staatsgarantie als Lösung vorgeschlagen wird: Bronte Capital: The end-goal of any bailout or government takeover.

Ich bin der Auffassung, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem nicht mehr nur die schlechten Banken Probleme bekommen, sondern so langsam auch die Banken mittlerer und guter Qualität. Und das ist dann wirklich bedrohlich.

Ich halte der irischen Vorschlag für das Beste, was eine Regierung bisher im Kampf gegen die Krise unternommen hat. Ich schließe aber nicht aus, dass ich mich irre. Womöglich ist eine temporäre Verstaatlichung noch besser. Aber das Stückwerk, das Deutschland produziert, ist auf jeden Fall schlechter!

(ihr dürft das gerne yiggen, wenn ihr die Idee auch gut findet)

FTD: Irland springt für Einlagen der Banken ein

FR: Irland bürgt für seine Banken

Update (1.10.08):

Eine wichtige Information: Die Versicherung des irischen Staates ist NICHT kostenlos. Wie hoch die ist, weiss man aber auch noch nicht. Sollte die Versicherung so teuer sein, wie die aktuellen Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherung), würde das mehr als den gesamten Gewinn der Banken auffressen. Das kann es also nicht sein.

Und noch ein paar Zahlennuggets:

Die Garantie ist fast 92.000 Euro pro Iren wert, beträgt mehr als das Zweifache des BIPs und das 7,5-fache des irischen Staatshaushalts.

FT Alphaville: Ireland’s gamble

Die Wurzeln der US-Immobilienkrise liegen hier: in 1999

1999 hat Fannie Mae unter politischem Druck (Clinton!) die Kreditvergaberegeln aufgeweicht und Hypotheken auch an Familien vergeben, die sich damals eigentlich schon kein Haus hätten leisten können. Und erst Recht nicht zu den explodierenden Preisen nachher.

Und es gab schon damals warnende Stimmen. Nicht nur das Risiko wurde gesehen

Fannie Mae is taking on significantly more risk [...] (and) may run into trouble in an economic downturn, [...]
sondern auch das Ende. Peter Wallison:
"If they [Fannie und Freddie] fail, the government will have to step up and bail them out the way it stepped up and bailed out the thrift industry."
Schlimmer wurde das Ganze noch, als Greenspan die Zinsen nach 9/11 und dem Platzen der Internetblase auf 1% senkte und damit noch mehr Leute Zugang zu noch billigeren Krediten bekamen. Und sich dann immer größere und teurere Häuser gekauft haben, die sie sich erst recht nicht leisten konnten.

Ich bin froh, dass ich den Artikel gerade gefunden habe, weil ich nun endlich belegen kann, dass die Immobilienblase maßgeblich durch die Politik verursacht wurde. Die Verbriefung, die No-Doc-Loans, etc.pp. (sprich die Wall Street) haben die Krise schlimmer gemacht, aber ohne durch die politisch gewollte gewollte Aufweichung der Kreditvergaberegeln wäre die Blase womöglich nie entstanden.

NYT: Fannie Mae Eases Credit To Aid Mortgage Lending (vom 30.09.1999)

gefunden über: Techcrunch: How The U.S. Government Engineered The Current Economic Crisis

Und zum Thema passt natürlich auch Greenspans (damals Fed-Chef) Meinung, dass variabel verzinste Hypotheken eine tolle Erfindung seien. Details in einem älteren Artikel von mir: Alan Greenspan und seine Prognosen (immer noch schön: Seine Prognose aus dem Oktober 2006 , dass die US-Immobilienpreise am Boden angekommen seien ...)

"Gold ist für Optimisten, Realisten kaufen Konserven."

OK, den Artikel gab es schonmal:

"Gold ist für Optimisten, Realisten kaufen Konserven."

Aber der muss nochmal kommen. Denn die einzige Aktie im S&P 500, die gestern im Plus geschlossen hat, war ...

Campbell Soup


Zufall?

FT Alphaville: Buy tinned food

Lust auf mehr Sprüche? Klassische Sprüche zur Börse ...

Der CDS Markt ist riesengroß, aber kein weiss was los ist

Ich zitiere mal aus dem heutigen "Märkte am Morgen" (PDF!) von Trinkaus & Burckhardt:

Die gestrige Finanzmarktkatastrophe brachte glücklicherweise für Gläubiger von
Covered Bonds mehr gute als schlechte Nachrichten. Bereits als Erfolgsmeldung
muss gewertet werden, dass die Zinskupons von Washington Mutual Covered Bonds
(die für die 2011 und 2016 fällige Anleihe bezahlt werden mussten) ausbezahlt wur-
den. Nicht ganz auszuschließen war am Freitag ein „technischer Default“ durch eine
verspätete Kuponzahlung. JP Morgan Chase hat nun Verantwortung für das Covered
Bond Programm übernommen. Da aber u. E. trotzdem das Ereignis eines „Mortgage
Bond Issuer Default“ eintrat (da die FDIC als „Receiver“ bestellt wurde), steht JP
Morgan u. E. nun die Option offen, die Anleihen auch vorzeitig auszubezahlen. Wir
vermuten, dass kein Investor dagegen Einspruch einlegen würde. Eine Ausübung
der Option durch JP Morgan ist in unseren Augen aber unwahrscheinlich. Die Ver-
staatlichung von Bradford & Bingley verhieß zunächst am Morgen (Quelle: FSA),
dass die Covered Bonds durch den Staat, ähnlich wie bei Northern Rock, nicht ga-
rantiert sind. Der Eigner von Bradford & Bingley wird der Staat, der an Abbey National die Einlagen in Höhe von 14 Mrd. GBP abtritt. Hierfür werden 4 Mrd. GBP sofort bezahlt, zudem sollen aus dem Verkauf der Assets 10 Mrd. GBP erlöst werden, auf deren Summe Abbey National einen Anspruch hat. Am Abend änderte HM Treasury das Statement der FSA vom Morgen in einem nicht unwesentlichen Punkt: Neben den unbesicherten Anleihen sind auch die Positionen in Covered Bonds vom 28.09.2008 garantiert. Wir interpretieren aber die Übernahme von Bradford & Bingley in einem Punkt anders als bei der von Northern Rock: Gemäß Punkt 8 des FSA-Statements verfehlte Bradford & Bingley aufsichtsrechtliche Anforderungen und wurde deshalb verstaatlicht, was durchaus ein „Credit-Event“ für CDS bedeuten kann.

Da gibt es einen Markt für Kreditausfallversicherungen und direkt bei zwei der Fälle der letzten Tage (Bradford & Bingley und Washington Mutual) weiss keiner so wirklich, ob der Versicherungsfall nun eingetreten ist oder nicht. Klar, es wird immer Grauzonen geben. Aber ein Markt, der mit 54 Billionen Dollar größer ist als die BIPs aller Länder der Welt zusammen, sollte doch wohl etwas klarer geregelt sein ...

(siehe auch: Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?))

Belgische Dexia gerettet. Mit 6,5 Mrd Euro

Ich bleibe bei meinen positivistischen Überschriften. In der Tradition der Mainstreampresse behaupte ich heute Nachmittag wahrscheinlich sogar noch, dass der Einlagensicherungsfonds Sicherheit bietet ...

Dexia wurde gestern angeschossen (zwischendrin ging es um ein Drittel runter). Das ist eigentlich eine Bank, die noch am Donnerstag als stocksolide durchgegangen wäre:

Tier 1 Eigenkapitalquote: 11,4%
Rating: Aa1, AA, AA+ (sprich sehr gut)

Das Problem: Dexia finanziert sich ziemlich kurzfristig. Wie die HRE auch, bei der 90% der Kredite, die von Banken kommen, nur 1 Jahr oder kürzer laufen. Und der Markt für kurzfristige Finanzierungen war schon lange ausgetrocknet (so Saharamäßig mit einigen Oasen), seit der Lehman Pleite ist es aber eine Namib oder eine Atacama. Pulvertrocken.

Die Spekulanten machen jetzt nur noch eins: Man suche sich eine Bank, die möglichst kurzfristig finanziert ist und dann weg weg weg mit den Aktien. Yes, that's called Panic.

Übrigens war die Dexia auch vor ein paar Monaten schonmal kurz im Rampenlicht als alle über die Pleite der Kreditversicherer diskutierten (die als obskure Randnotiz der Krise immer noch ausgeblieben ist). Die Dexia hat nämlich auch eine Kreditversicherungstochter namens FSA. Die Nachricht damals:

Jetzt auch in Europa: Kreditversicherer wackelt

FT Alphaville: Dexia rescued

Update (11:35):

Noch eine deutschsprachige Quelle:

FTD: Regierungen pumpen Milliarden in Dexia
FAZ: Dexia-Bank erhält Milliarden-Finanzspritze

Lehman Vermögensverwaltungstochter verschenkt

Naja, nicht ganz. Für nur 2,15 Milliarden geht die Lehman Vermögensverwaltungstochter Neuberger Berman an zwei Private Equity Fonds von Bain Capital und Hellman & Friedman.

Ja, das ist die Tochter, die vor wenigen Wochen noch auf einen Wert von mindestens 7 Mrd. geschätzt wurde (For Lehman Brothers, It's Time to Put Up). Die Schätzungen gingen auch bis auf 10 Mrd. hoch. Erst im August hat Lehman einen Verkauf für 7 Mrd. abgelehnt. Der Preis wäre zu niedrig.

Ich will jetzt nicht unken, aber wenn die Vermögensgegenstände in den Bilanzen der anderen Banken genausoviel wert sind, wie bei Lehman (also auf 7 Mrd. in wenigen Wochen 2 ,1 werden, dann mal Gute Nacht).

Marketwatch: Neuberger Berman sold to private equity

Marketwatch: Three firms in race for Lehman business: report

Update (14:39)

Noch eine Quelle zu den BEwertungen von Neuberger Berman, nur damit niemand denkt, ich hätte mir die ausgedacht ...

Neuberger Berman, based on comparisons with other asset management firms, is valued at $6.5 billion by Standard & Poor's equity research and $13 billion by Ladenburg Thalmann & Co. The business is worth $8 billion according to Fox-Pitt Kelton Cochran Caronia Waller. Hintz, a former chief financial officer at Lehman who rates Lehman shares “market perform,” estimates the unit’s value at $7 billion.

Naked Shorts: Shamans of the Day

Montag, September 29, 2008

Morgan Stanley verkauft 21% an Mitsubishi UFJ

So, die Diskussion ist auch (vorerst) beendet.

Mitsubishi UFJ steigt mit 21% bei einer der beiden 2 verbleibenden Investmentbanken Morgan Stanley ein (die aber eigentlich keine mehr ist).

Mitsubishi UFJ kauft für 3 Mrd. Dollar Stammaktien (Kaufpreis 25,25, Kurs heute etwa 20) und für 6 Mrd. Dollar Vorzugsaktien. Letztere verzinsen sich mit 10% und können zu 31,25 in Stammaktien umgetauscht werden Das ist natürlich wie beim Buffet Einstieg bei Goldman Sachs ein Zins, der einer Junkanleihe entspricht.

FTD: Japaner stützen Morgan Stanley
Marketwatch: Mitsubishi UFJ continues U.S. buying spree

Die Welt ertrinkt in Geld ...

... und trotzdem hat keiner was ...

Die Fed schiebt 330 Mrd. Dollar zusätzlich in den Markt (620 nach 290 Mrd.) , die EZB 120 Mrd. Euro zusätzlich (240 nach 120), die englischen Notenbank, die australische ... Es werden sogar neue Möglichkeiten geschaffen, mit denen sich Banken Geld leihen können.

Und was macht der Spread zwischen "offiziellen" Geld und dem Geld, das sich die Banken untereinander leihen? Er wird immer größer und erreicht heute mit fast 400 Basispunkten ein neues Allzeithoch. Bargeld ist und bleibt also absolut rar ...

FTD: Notenbanken fluten Markt

Ich bleibe bei meiner Meinung, dass das alles Spätfolgen der Lehman Pleite sind. Seitdem ist jedem klar, dass Banken im Zweifelsfall Pleite gehen können. Und diese Angst schwebt jetzt über allen Geschäften ... (Das Vertrauen ist komplett weg ... Selbst bei Geldmarktfonds)

Bailout abgeblasen!!! Dow minus 500 Punkte! Dax -8%

US-Abgeordnetenhaus lehnt den Rettungsplan ab!

Wow!

Wow!

Wow!

Und es waren im Dow schon 700 Punkte.

Hank, wohl zu hoch gepokert.

Es lagen 1000 Vorschläge für eine SINNVOLLEN, FAIREN und DEMOKRATISCH LEGITIMIERTEN Rettungsplan auf dem Tisch. Wenn du versuchst, Gott zu werden, kann man auch scheitern ...

Ich habe den Tag in weiser Voraussicht mit Mr. Doom angefangen, jetzt wissen wir, was er meinte ...

Marketwatch: U.S. stocks hammered with doubts over rescue

Update (21:06)

Hab ich eigentlich schon gesagt, dass ich von der ganzen Bush-Administration auch auf diesem Gebiet nicht mehr und nicht weniger erwartet habe, als diese KOMPLETTE UNFÄHIGKEIT gepaart mit GRENZENLOSER ARROGANZ? Gut, dann habe ich es getan. Lag mich echt am Herzen ...

Update (21:12)

205 zu 228 Stimmen.

Wer lieber alles aus der Mainstreampresse erfahren will:
FAZ: Repräsentantenhaus lässt Rettungsplan platzen
FTD: US-Rettungsplan für Banken gescheitert

Update (21:45)

S&P 500: -8%
DAX: -9,2%

Habt ihr Geld bei der Kaupthing Bank?

Seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?

Die Kaupthing Bank war lange Zeit auf Platz 1 in der Rangliste der höchsten Zinsen auf Tagesgeldkonten.

Der Credit Default Swap sagt, dass der Markt das Kreditausfallrisiko fast genau so hoch sieht wie bei der heute von Island geretteten (= verstaatlichten) Glitnir Bank. Der Risikoaufschlag liegt bei unglaublichen 15%. Wer denen also Geld gibt für 0,5% mehr Zinsen, macht ein ziemlich schlechtes Geschäft ...

Ich kenne die Versicherungshöhe bei der Kaupthing Bank nicht, aber an die Höhe einer deutschen Bank oder Sparkasse kommt das definitiv nicht ran.

Ich wäre extrem vorsichtig!

FT Alphaville: Another nationalisation…

Update (16:20):

Bei der Kaupthing Bank sind 20.887,00 Euro zu 100% versichert. Darüber könnte es mglw. kritisch werden.

Fantasie-Accounting wieder erlaubt?!?

Der Hammer:

SEC. 132. AUTHORITY TO SUSPEND MARK-TO-MARKET ACCOUNTING.

(a) AUTHORITY.—The Securities and Exchange Commission shall have the authority under the securities laws (as such term is defined in section 3(a)(47) of the Securities Exchange Act of 1934 (15 U.S.C. 78c(a)(47)) to suspend, by rule, regulation, or order, the application of Statement Number 157 of the Financial Accounting Standards Board for any issuer (as such term is defined in section 3(a)(8) of such Act) or with respect to any class or category of transaction if the Commission determines that is necessary or appropriate in the public interest and is consistent with the protection of investors.*

Ist das jetzt wahr? Also haben die nur das Recht, dass Ansetzen des Werts zu Marktpreisen zu beenden oder ist das jetzt schon umgesetzt?

Zum Hintergrund: Man muss in seiner Bilanz den Wert jedes Vermögensgegenstandes korrekt abbilden. Dabei gibt es zwei Methoden:
a) Man orientiert sich am "fairen" Wert (wie auch immer man diesen berechnet)
b) Man orientiert sich an den Marktpreisen (wenn es denn einen gibt).

Wie oben schon angedeutet, überschneiden sich die beiden teilweise, denn wenn es keine Marktpreise gibt, kann man auch nichts davon ableiten. Trotzdem wird mit dem heutigen Ansatz versucht, wo immer möglich, die Marktpreise heranzuziehen (Mark-To-Market). Das kann direkt und indirekt geschehen (man nennt das Level 1 (direkt, es gibt einen Marktpreis) und Level 2 Securities (es gibt ähnliche Produkte mit einem Marktpreis)). Die Level 3 Securities sind dann die, für die ich einen Wert generell nur errechnen bzw. schätzen kann.

Bei Level 1 und Level 2 Securities hat man immer das Problem, dass ein Markt illiquide sein kann. Wie aktuell der Markt für fast alle verbrieften Papiere (z.B. Hypotheken). Dann verkauft eine Bank auf Teufel komm raus ihr Hypothekenpaket zum Schleuderpreis, z.B. um sich für einen Verkauf schön zu machen. Dann sind nach Mark-to-Market auch alle anderen Banken gezwungen, vergleichbare Hypotheken im Wert zu reduzieren. Auch wenn alle der Meinung sind, dass die Hypotheken eigentlich mehr wert sind.

Jetzt wird wohl darüber nachgedacht, die Level 2 Securities auch ähnlich zu bewerten wie die Level 3 Securities. Womöglich gilt das sogar für Level 1 Securities, wenn irgendwelche Rahmenbedingungen stimmen (zum Beispiel wenn der Markt zu illiquide ist). Der Wert darf also geschätzt werden. Skeptiker nennen das auch Mark-To-Fantasy.

Man muss jetzt kein richtiger Pessimist sein, um zu befürchten, dass diese Schätzungen viel zu positiv sein werden. Die Banken rechnen sich also reicher als sie es eigentlich sind. Weil die Verluste am Ende der Laufzeit trotzdem anfallen, verschiebt man Verluste von heute in die Zukunft. Die Japaner haben ihre Krise so "gelöst". Wobei gelöst in Anführungsstrichen stehen muss, denn das dauerte etwa 15 Jahre. Das macht die Krise aber nur länger ...

Ich bin jetzt etwas überrascht, dass die Verantwortlichen in den USA offenbar versuchen, die Krise an allen Stellen gleichzeitig zu stoppen. Mit Mark-To-Fantasy ermöglicht man den Banken eigentlich im großen Stile Verluste zu verstecken und erst in die Zukunft zu deklarieren. Das ist eigentlich schon ein ziemliches Allheilmittel, weil es jede Menge Luft zum Überleben gibt. Darauf packt man noch ein 700 Mrd. Rettungspaket. Ein Rettungspaket für die Autobauer kommt dazu und ein Konjunkturpaket nach der Wahl ebenfalls. Jetzt noch die Notenpresse anwerfen und dann haben wir den perfekten Nährboden für die Inflation ab 2011 ...

Außerdem muss ich meine Meinung korrigieren, dass die USA cleverer an die Krise herangehen als Japan. So uneingeschränkt gilt das nicht mehr, denn zumindest teilweise begehen die USA jetzt die gleichen Fehler ...

Scheinbar sind in den USA jetzt alle im Panik-Modus. Auch die Geschichte von Paulsons Kniefall deutet in diese Richtung ... Panik war aber bisher selten ein guter Ratgeber ...

The Big Picture: Fed & Treasury Needs to Stop Targeting Asset Prices
FT Alphaville: Paulson’s magic marker

Update (17:20)

Zum Accounting noch ein interessanter Artikel im Economist:

Economist: All’s fair

Citigroup kauft Wachovia

natürlich nicht ganz, sondern nur die guten Teile ...

Alles unter der Kontrolle der US-Einlagensicherung FDIC. Der Deal ist wie bei Washington Mutual. Kunden und Konten gehen über an die Citigroup, Verluste für die Kunden oder ein Eintreten des Versicherungsfalls für die FDIC gibt es nicht. Die Citigroup übernimmt auch die anderen Schulden von Wachovia, die Aktionäre gehen scheinbar leer aus (Es steht dort nichts Gegenteiliges (negative Nachrichten werden eh immer weggelassen), also wird es wohl so sein).

Ganz ohne kommt die FDIC aber nicht durch. Die Citigroup haftet für die erste 42 Mrd. Dollar Verluste, darüber hinaus tritt die FDIC ein. Als Risikoausgleich bekommt die FDIC Preferred Shares der Citigroup im Wert von 12 Milliarden Dollar. Und das ist der Teil, der mir bei der HRE Rettung fehlt.

Tolles Zitat der Offiziellen darin:

On the whole, the commercial banking system in the United States remains well capitalized.
Kopfschüttel ...

FT Alphaville: Citi to acquire Wachovia

Update (14:49)

Meine Zweifel in der letzten Woche, als Wachovia noch als möglicher Käufer für Morgan Stanley galt, waren wohl mehr als angebracht ... ("Wachovia, die ich auch nicht unbedingt als stabilstes Institut im Kopf habe")

Morgan Stanley kurz vor Übernahme durch Wachovia

Update: (5.10.08):

Und noch ein Update:

Überraschung: Wachovia geht doch nicht an die Citigroup...

35 Milliarden Unterstützung für HRE? Und 3/4 davon vom Staat!

Jetzt verstehe ich langsam, warum Merkel und Steinbrück nicht beim US-Rettungspakt mitmachen wollen: Die brauchen das Geld für ihren eigenen Rettungspakt.

Der wird zwar nicht auf einmal geschnürt, sondern nur bei Bedarf (erst 10 Mrd in kleinen Häppchen, nicht nummeriert und in kleinen Scheinen ;-) ) für die IKB, dann ein paar Mal ein paar Milliärdchen für diverse Landesbanken und jetzt lt. Financial Times Deutschland bis zu 35 Milliarden für die Hypo Real Estate.

Die erste Stufe des Rettungspakets umfasst 14 Mrd, von denen 8,4 Mrd. von den Banken und 5,6 Mrd. vom Staat kommen. Die zweite Stufe umfasst (vorerst) keine direkten Geldflüsse, sondern ist "nur" eine Bürgschaft, und zwar eine 21 Milliarden Euro schwere.

Juhuuh!

Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass hier mglw. 26 Milliarden Steuergelder OHNE Gegenleistung zum Fenster herausgeworfen werden oder darüber, dass unsere Politiker sich erst letzte Woche so weit aus dem Fenster hängen und die USA angreifen, um dann am Wochenende panisch vor der eigenen Türe kehren zu müssen.

Aussagen wie "man sei sich nicht sicher, dass der amerikanische Rettungsplan klug sei" sind nach dieser Rettungsaktion völlig peinlich. Denn was am jetzigen Paket clever sein soll, ist mir unklar. Die Bevölkerung wird wie in den USA völlig im Unklaren gelassen, die Pressemitteilungen zum Thema waren ein Witz (keine Summe, Beteiligung des Staates nicht erwähnt, etc. pp. (siehe Hypo Real Estate gerettet). Und wo ist die Beteiligung des Staats an den geretteten Firma? Wie profitiert der Steuerzahler davon, wenn die Probleme der HRE mglw. nur ein temporäres Liquiditätsproblem ist? Mit der Bürgschaft geht man voll ins Risiko, aber der beste Ausgang ist neutral; es kostet dann nichts.

Der Staat ist der "lender of last resort", der Kreditgeber der letzten Instanz. Er gibt Geld, wenn niemand sonst noch Geld geben möchte. Dafür kann man aber eine vernünftige Rendite erwarten. Aber unsere cleveren Politiker holen aus solchen Deals immer eine negative Rendite heraus. Sie übernehmen das Risiko, vergessen aber vom positiven Fall irgendwie zu profitieren.

Geld nur gegen Eigenkapital.

Und warum fliegt der Vorstand nicht sofort raus? Unfassbar!

Zur aktuellen Entwicklung:
FTD: Bundesetat muss für HRE bluten

Zu Merkels und Steinbrücks flotten Sprüchen letzte Woche:
Spiegel: Merkel gibt US-Regierung Mitschuld an Finanzkrise

(ich habe mir echt Mühe gegeben, die Nachrichten heute positiv darzustellen. Aber jetzt geht's echt nicht mehr ...)

Update (14:11)

Und weil Schadenfreude zwar nicht immer die schönste Freude ist, aber in Momenten wie diesen oft die einzige, noch Zeit für eine wichtige Durchsage der Commerzbank:

Handelsblatt: Commerzbank senkt Hypo Real Estate (HRE) von „Buy“ auf „Reduce“

Timing ist an der Börse bekanntlich nicht ganz unwichtig ...

Übrigens melden vereinzelte Quellen, dass die HRE abgewickelt werden soll.

Update (14:28)

Die FTD hat ein paar Zitate zusammengestellt, die die Depfa (die die HRE jetzt in den Abgrund gezogen hat) vor 4 Wochen von sich gegeben hat. Sehr lesenswerter Artikel.

Darunter echte Höhepunkte wie

"Wir machen nur Geschäft, das auch entsprechend refinanziert werden kann".
oder
"Wir profitieren weiterhin von der ausgeprägten Präferenz für Qualität und Sicherheit".
Autsch.

Aber die Ratingagenturen haben auch wieder ein erstklassiges Komplettversagen hingelegt: Die Depfa plc hatte mit AA+ ein sehr gutes Rating. (Ich finde das in der offiziellen Rating-Liste von der HRE zwar nicht, aber dort steht ein AA- und das steht ebenfalls noch für exzellente Kreditqualität).

FTD: Das Schweigen der Depfa

Update (16:55):

Es verdichten sich die Nachrichten, dass die HRE abgewickelt werden soll. Für die Aktionäre kann das aus meiner Sicht nur "Kursziel Null" bedeuten. Allerdings verdichtet sich auch die Eindruck, dass eigentlich noch keiner weiss, was man letzte Nacht (angeblich) beschlossen hat ...

FTD: Chaos um HRE-Rettung

Update (17:38)

Weissgarnix weiss wie so oft doch was ;-) und hat einige Stellen im letzten Geschäftsbericht (Q2/2008) gefunden, die eine sehr gute Basis für eine Klage gegen die HRE und den Wirtschaftsprüfer KPMG bilden dürften. Die eindeutigste IMHO:
Selbst unter einem worst case Szenario ist dadurch sichergestellt, dass die Hypo Real Estate Gruppe sowie ihre Tochtergesellschaften jederzeit uneingeschränkt zahlungsfähig sind.
Das ist eine eindeutige Aussage, die mit den Ereignissen von heute (bzw. vom Wochenende) eindeutig falsch ist.
Mehr hier: Weissgarnix.de: Lesestoff für klagefreudige HRE-Aktionäre

Update (22:44)

"Deshalb wird die Rettung mit Staatshilfe von allen Seiten gutgeheißen."
Aus der Einleitung eines FAZ-Artikels zum Thema ...

Nein, ein kleines Dorf in der äußerst westlichen Blogosphäre wehrt sich noch ;-)

Die HRE Rettung ist natürlich nicht zu vermeiden, aber für 8,5 Milliarden Unterstützung von außen (sprich den Banken) 26 Milliarden Staatsbeteiligung einzubringen OHNE weitere Gegenleistung, ist einfach nur doof. Dafür hätte der Staat mindestens 50% an der Bank bekommen müssen, wenn nicht sogar 100%.

FAZ; „Es sind längst keine normalen Zeiten mehr“

Update (23:15)

Nochmal eine Timeline, die erklärt, warum sich Steinbrück noch am Donnerstag vor den Bundestag gestellt hat und über die doofen Amis gelästert hat. Der Notruf aus München kam nämlich erst am Freitag morgen. Schlechtes Timing Peer.
FTD: Stütze vom Staat

Und noch ein kleiner Spaß: Zeitenwende.ch: Käptn Peer auf Kurs

Und noch ein ernstgemeinter Kommentar von "Heli-Heusi":
FR: Verstaatlicht alle Banken!

Fortis gerettet!

Nummer drei in der Reihe "wer wurde gestern und heute gerettet" ... Als Nummer 4 bieten sich noch Morgan Stanley und vor allem Wachovia an ... Schau'n mer mal.

Fortis wird über drei Kapitalerhöhungen durch den belgischen, niederländischen und luxemburgischen Staat gerettet bei den jeweiligen Niederlassungen gestützt. Danach gehören dem Staat jeweils 49% an der Landesgesellschaft von Fortis. Fortis fließen in diesem Rahmen insgesamt gut 11 Milliarden Euro zu.

N-TV: Fortis verstaatlicht
FTD: Belgien springt Fortis zur Seite

Bradford & Bingley gerettet

Letzter möglicher Käufer ist der Staat. Da sonst keiner wollte.

Das Geschäft mit den Spareinlagen geht an die die Banco Santander.

Das restliche Geschäft (der Großteil) mit den Hypotheken geht an den neuen stolzen Besitzer: Großbritannien. Damit ist der britische Steuerzahler nun schon im Besitz der zweiten Hypothekenbank nach Northern Rock.

Das ist doch toll. Dem durchschnittlichen Steuerzahler gehört jetzt die Bank, an die er seine Hypothekenzinsen zahlt. Er zahlt jetzt also quasi Zinsen an sich selbst ;-)

FTD: Hypothekenbank B&B wird verstaatlicht

(Merkt ihr, dass ich meine Überschriften heute bewusst positiv formuliere? Wer weiss, wofür es gut ist).

Hypo Real Estate gerettet

Das ist die gesamte Erklärung der Bundesbank.


"Gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Bundesbank und der BaFin

Die durch die Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten ausgelösten Probleme der Hypo Real Estate Gruppe wurden durch eine Konsortial-Finanzierung des deutschen Finanzsektors gelöst. Danach wird der Hypo Real Estate Gruppe eine Liquidität in ausreichender Höhe für kurz- wie auch mittelfristige Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Bundesbank und die BaFin gehen davon aus, daß die Marktfähigkeit der Hypo Real Estate Gruppe dadurch gesichert ist."

Keine Summe (1 Mrd., 5 Mrd., 10 Mrd?), keine Konditionen, kein Grund für die Probleme. Kommt das Geld nur von den Banken oder auch vom Staat? Oder garantiert der Staat für irgendwas?

Sooo schafft man definitiv kein Vertrauen ...

Presseerklärung der Bundesbank


Die Aktie verliert aktuell knapp 60% auf knapp 6 Euro, lag aber schon deutlich tiefer im Minus. Das Tagestief lag bei nur 3,30 Euro.

700 Mrd? Wie wär's mit 5000 Mrd.

So, dieser Morgen beginnt mit DOOOOM! Mr. Doom himself: Marc Faber.

Angesichts der Nachrichten, die gestern abend eintrudelten, glaube ich, dass ich den Artikel mit ruhigem Gewissen schonmal vorschreiben und um 7:05 schedulen kann.

Marc Faber kann sich leicht 5 Billionen Dollar Kosten für den Rettungsfonds vorstellen. Er verweist u.a. darauf, dass

1.) der Rückgang der Hauspreise mit bisher 20% noch relativ moderat sei und trotzdem schon riesige Probleme verursacht habe und
2.) die USA in einem viel schlechteren Zustand sind als Japan Anfang der 90er.

Er hat mit beiden Aussagen recht, vor allem mit der letzten (Japan hat eine weiterhin exzellente Exportwirtschaft (Elektronik, Autos, Maschinen) und eine hohe Sparquote. Die USA haben, tja was, Software.

Aber beim ersten Punkt bin ich mir nicht so sicher, denn ich schätze, dass die Finanzmärkte bereits mehr einpreisen als die 20%. Und das ist anders als in Japan. In Japan wurden die Probleme unter den Teppich gekehrt, in den USA kann man sie ablesen. Auch wenn das noch nicht in vollem Umfang in den Bilanzen auftaucht, dann doch in den Preisen für Hypothekenpakete.
Außerdem steuert die Notenbank gegen. Wäre das nicht so, müssten die USA in eine Krise rutschen, die noch viel tiefer wäre als die in Japan. Aber angesichts der raschen Reaktion (man schaue sich an, wann die Japaner angefangen haben, Bank (zwangs)zufusionieren (nach Jahren) und wenn das in den USA begann (nach Monaten).) gibt es noch Hoffnung, dass die USA mit einer kürzeren Krise davonkommen. Aber ohne? Ausgeschlossen! Ich halte es auch für ausgeschlossen, dass die Krise mild wird. Um das zu erreichen bräuchten die USA noch ein 700 Mrd. Rettungspaket und zwar für den Immobilienmarkt (und nicht nur für die Banken). Als Minimum.


Credit Writedowns: $700 Billion? Try $5 Trilion - So says Marc Faber

Sonntag, September 28, 2008

Für Nachteulen: Der Rettungspakt Text ist draussen

... meldet Marketwatch. Leider ohne Link zum Text selber, aber wer ihn findet, kann gerne einen Kommentar hinterlassen ...

Marketwatch: House releases text of economic rescue bill draft

Update (10:24)

Danke an den anonymen Tippgeber:

Der Entwurf findet sich hier:

LA Times:

Es gibt eine Pflanze, die heisst "Horny goat weed"

Und das ist doch tatsächlich das gleiche (PDE 5) drin, was auch in Viagra steckt. Den Namen, man muss das als "Geile Ziegen Kraut" übersetzen obwohl es auf deutsch nur "Ziegenkraut" heißt, haben Hirten dem Zeuch gegeben, weil die Ziegen nach dem Essen so öhm aktiv wurden.

Ich musste schmunzeln, als ich den Namen gelesen habe und was zum Schmunzeln kann angesichts der aktuellen Nachrichten nicht schaden ...

Wobei ich mich jetzt etwas frage: In der Natur ist doch scheinbar gegen alles ein Kraut gewachsen. Gibt es dort auch was gegen Bankenkrisen? Gegen Liquiditätslücken? So eine Art Greedy Horde Weed?

New Scientist: Horny goat weed could be better than Viagra

FTD: Hypo Real Estate droht Kollaps

Wow!

Der erste DAX-Wert, der wackelt. Und gerade die, die in der ersten Welle schon unter Durck gerieten, weil allein der Namensbestandteil "Real Estate" dafür schon ausreichte ... Dann konnte aber ein neuer Großaktionär zu 25 Euro pro Aktie gefunden werden. Der dürfte sich jetzt aber ganz schön ärgern.

Auslöser soll die irische Tochter Depfa gewesen sein.

FTD: Exklusiv Hypo Real Estate droht Kollaps

Und in Belgien/Holland dorht mit Fortis direkt das nächste Erdbeben. Und Fortis ist eine Nummer größer als HRE ... Über 80.000 Mitarbeiter. Fortis wird wohl die viel zu teure Übernahme von Teilen der ABN Amro zum Verhängnis (die anderen gingen an die Banco Santander und die RBS, darunter das Zertifikate-Geschäft, bei ABN-Amro-Zertifikate sind von den Fortis Probleme als nicht (direkt) betroffen). Erst verkündete man monatelang, dass man keine Kapitalerhöhung benötige und führte am Ende doch eine durch. Das kostete den Vorstand den Job, aber auch dem Nachfolger vertraut man wohl immer noch nicht ...

FAZ: Finanzkonzern Fortis in schwerer Existenzkrise

Montag wird spannend! In einem solchen Wechselbad zwischen jetzt beschlossenem Rettungspaket in den USA und zwei möglichen dicken Brocken direkt in Deutschland bzw. nebenan war die Börse schon lange nicht mehr ...

FAZ: Durchbruch für das Rettungspaket

Und jetzt werden wir mal sehen, wieviel Merkels und Steinbrücks große Worte (kein Rettungspaket niemals, die Amis sind selbst Schuld) noch wert sind. Ich schätze soviel, wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Also etwa dem Heizwert. Übrigens ist das der Wert, dem sich der Wert von Geld (= bedrucktes Papier) langfristig auch immer annähert. Im Endeffekt ist Geld auch nichts anderes als ein Versprechen der Politiker, dass man dafür auch in Zukunft was kaufen kann. Und bei Versprechen von Politikern wissen alle, was die wert sind ...

Und noch eine Anmerkung: Wenn über die Hypo Real Estate wirklich schon seit längerem hinter den Kulissen in Berlin verhandelt wird und das jetzt erst "zufällig" genau ein paar Stunden nach der Wahl in Bayern heraussickert, riecht das doch arg nach "Zurückhalten bis nach der Wahl". Die HRE sitzt in München und nach den Skandalen um die Bayern LB hätte die CSU wohl keine weiteren Probleme am Bankenstandort München gebrauchen können. Allerdings spricht eines gegen die These: Wenn schon verhandelt wurde UND Steinbrück und Merkel davon wussten und beide sich dann so weit aus dem Fenster hängen, dann wäre das schon ziemlich dämlich. Und so doof kann man doch nicht sein. Oder etwa doch?

Smells like greed spirit



gefunden über

boingboing: MAD on the bailout: Smells Like Greed Spirit


700 Milliarden Dollar ... Nevermind ...

(weiss nicht, ob ich noch dazu komme, was sinnvolles zu posten ...)

Freitag, September 26, 2008

Mr. Mac Donald schlägt Onkel Sam.

Die Credit Default Swaps sind heute weiter gestiegen und erreichen neue Rekordstände.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass ein halbverstaatlichtes Bankenwesen in den USA für etwas Sicherheit sorgt. Aber der noch nicht verabschiedete Rettungsplan und die Pleite von Washington Mutual (die wenig überraschend kam) sorgen für Nervösität in einem nicht gekanntem Ausmaß.
Die CDS sind durchweg teurer geworden und es gibt bemerkenswerte Verwerfungen. Ich hatte in meinen Artikel USAAA schon darauf hingewiesen, dass zum ersten Mal die CDS für US-Staatsanleihen spürbar teurer sind als für deutsche. Das hat sich weiter fortgesetzt und inzwischen hat der Bulettenbrater McDonalds nach Ansicht der CDS Händler eine bessere Bonität als good old Uncle Sam! Ein CDS auf McDonalds kostet 28 Basispunkte, der CDS auf die USA 30.
FT Alphaville: CDS report: Big Mac and fried in the US

Unter Druck heute besonders die belgische Fortis. Die CDS sind deutlich teurer geworden und Fortis ist scheinbar gezwungen, Assets zu verkaufen.
FT Alphaville: Is Fortis trying to create a run on itself
FTD: Fortis sendet Hilfeschrei aus

Die Notenbanken geben weiter massiv Liquidität in den Markt, die Banken leihen sich trotzdem nichts untereinander und wollen nur Sicherheit. Die permanenten Liquiditätsspritzen verpuffen völlig. Schlimmer: Mglw. sind sie sogar kontraproduktiv, weil die Banken die Liquidität als Kredit nicht weiterverleihen, sondern einfach Staatsanleihen kaufen ...
FT Alphaville: Tilting at windmills, central bank edition

Die Risikoaufschläge der Kredite im Interbanken Handel (3-Monats-LIBOR) im Vergleich zu 3-Monats-US-Treasuries sind höher als bei der Lehman-Pleite. Der Unterschied beträgt satte 333 Basispunkte. Nur zum Vergleich: Im Frühling 2007 war dieser Spread bei einem Zehntel der heutigen Werte.
FT Alphaville: Strains intensify in money markets

Aufregende Zeiten. Aus jedem der Links oben könnte man einen eigenen Artikel machen.

Washington Mutual Pleite: Neue Nummer 1 in der Top-Ten der größten Pleiten

Die größte Sparkasse der USA, Washington Mutual ist Pleite. Die Nachricht dürfte aber niemandem entgangen sein. Die Kunden haben über 16 Milliarden in den letzten 10 Tagen abgezogen und damit war WaMu illiquide.

Der Ablauf war ganz interessant. WaMu wurde von der OTS, der Kontrollbehörde für die Sparkassen, übernommen und der große Teil des Geschäfts direkt weiter an JP Morgan verkauft. JP Morgan zahlt dafür die ziemlich lächerliche Summe von 1,9 Milliarden Dollar.

Ich schätze, dass der Ablauf zur Folge hat, dass die kompletten Risiken bei der OTS bzw. der FDIC hängen bleiben, während die Kundenbeziehungen jetzt bei JP Morgan liegen. JP Morgan hat damit quasi kein neues Risiko in den Bilanzen (die haben mit Bear Stearns wohl auch schon genug davon ...). Dieser Abschnitt aber unter Vorbehalt, ich muss dazu noch weiter lesen. Update: JPM hat auch das Hypothekenportfolio von WaMu übernommen und damit auch das Risiko, das darin steckt. U.U. haben die einen Spezialdeal und können den Schrott darin im Rahmen des BaBs verkaufen, auch wenn der streng genommen erst nach dem Stichtag übernommen wurde. Das ist aber das einzige Risiko, das JPM jetzt zusätzlich hat. Der Rest hängt wohl wirklich in der OTS bzw. bei der FDIC.
Update 2: Aus der Erklärung der FDIC geht hervor, dass das als Merger zwischen zwei Banken abgewickelt wird, also der Versicherungsfall für die Konten NICHT eintritt. Die FDIC zahlt also keinen Cent. Und von den Konten fehlt auch kein Cent, weil das Geld jetzt von JPM bereitgestellt wird.

Für die Kunden von Washington Mutual ändert sich nichts. Die Aktionäre und die Anleihehalter gehen allerdings leer aus. Das schreibt zumindest die FAZ, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Anleihebesitzer wirklich komplett leer ausgehen, so überschuldet kann auch WaMu nicht gewesen sein. Oder ist die Insolvenz eine Sparkasse anders geregelt?

Außerdem ändert sich IMHO doch was für die Kunden, weil durch die kurzzeitige Verstaatlichung und Insolvenz der Versicherungsfall eingetreten ist. Daher müsste die FDIC die Kontenversicherung übernommen haben und damit wären auch nur 100.000 Dollar pro Kunde versichert. Für Kunden, die mehr als 100.000 Dollar bei WaMu auf dem Konto hatten, hätte sich damit sehr wohl was geändert: Alles über 100.000 wäre weg! (falsch, siehe Update 2 oben) (Weiss übrigens zufällig jemand, ob das Geld einfach weg ist oder ob das wie das Geld der anderen Gläubiger behandelt wird? Also bei einem Gläubigerquote von 60% auch 60% des Geldes über 100.000 Dollar zurück an den Kunden geht?)

Washington Mutual hatte eine Bilanzsumme von etwa 330 Milliarden Dollar, ist nach dieser Messgröße also "nur" halb so groß wie Lehman. Die Einlagen der Kunden sind aber höher als bei Lehman und aus dieser Sicht stimmt die Bezeichnung "größte Pleite". In meiner Liste nach Bilanzsumme würde aber "nur" Platz 2 erreicht.

Interessante Details:

1.) Es dürfte sich jetzt zeigen, was die FDIC wirklich taugt. Von den etwa 45 Milliarden, die die noch hatten, dürfte jetzt ein spürbarer Teil weg sein. Es ist auf jeden Fall der größte Fall, den die FDIC jemals zu verkraften hatte. (siehe Update 2 oben)
2.) Auch wenn das Kundengeschäft der WaMa übernommen wurde, ist die WaMu doch pleite. Sprich der Fall, der in den Kreditausfallversicherungen definiert ist, ist eingetreten. Mal schau'n, wie der CDS Markt damit klar kommt. Spätestens, wenn die WaMu selber so Geschäfte abgeschlossen hat, dürfte das spürbare Verwerfungen produzieren.

FTD: Washington Mutual bricht zusammen
FAZ: Größte Bankenpleite in der Geschichte Amerikas
Marketwatch: WaMu goes under, sold to J.P. Morgan Chase
Creditwritedowns: JP Morgan Chase buys WaMu out

Update (12:51):

Laut Telepolis hätte die Pleite die FDIC 145 Milliarden Dollar gekostet (also gut 100 Mrd. mehr als vorhanden sind), wenn die FDIC denn hätte zahlen müssen.

Telepolis: US-Aufsichtsbehörde OTS schließt Pleitebank Washington Mutual


Update (14:35)

Wer eine Übersicht über die geschädigten Firmen sucht, kann sie hier finden. Es ist einer dabei, der 1,5 Milliarden Anleihen von WaMu im Depot hat. Allerdings ist wohl immer noch unklar, was jetzt ausfällt und was u.U. durch JP Morgan weiter läuft ...

FT Alphaville: The WaMu wipeout: who gets hit?

Auf jeden Fall getroffen wird die "Heuschrecke" Texas Pacific Group (Schadenfreude!), die erst im Frühling 7 Mrd. Dollar in Washington Mutual gesteckt hat. Wobei nicht ganz klar ist, wie viel Geld von TPG selber und wie viel von Kunden kam. Trotzdem ist ein solch großes Investment, das ein halbes Jahr später Null wert ist, kein Ruhmesblatt ...

WaMu: The Worst Deal in Private Equity History?

Update (29.9.08):

Es kamen übrigens nur 1,35 Mrd. Dollar von TPG selber, der Rest wurde bei Investoren eingesammelt.

WSJ: WaMu Offers Private Equity a Harsh Lesson

Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?

Die Debatte über die zukünftige Regulierung der Finanzmärkte ist in vollem Gange und wird demnächst wohl noch an Tempo aufnehmen.

Ich bin kein wirklicher Freund von mehr Staat und mehr Regulierung, aber ich bin auch kein ideologisch verbrämter Gegner jeder Art von Regulierung. Ich habe z.B. (wie Buffet) früh auf die Gefahren des unregulierten Derivategeschäfts hingewiesen. Allerdings weise ich auch immer wieder die Rolle der Politik hin, die die US-Immobilienblase erst zur endgültigen Größe aufgeblasen hat, um das politische Ziel "Wohneigentum für alle" zu ermöglichen. Ich möchte mit diesen Extremen nur verdeutlichen, dass die Antwort nicht einfach ist. Zu viel Regulierung ist genauso schlecht wie zu wenig. Soviel sollte inzwischen jedem klar sein. Die Frage ist nur noch was genau "zu wenig" und "zu viel" ist ...

Ich möchte am Anfang einen gaaaaanz simplen Vorschlag in die Diskussion werfen und freue mich über Eure Meinung dazu.

Ich brauche nur eine einzelne Regel:

Optionen und Derivate müssen börsennotiert werden. Nur solche Papiere dürfen gehandelt werden. Alle anderen Optionen, Derivate und Absicherungsgeschäfte werden verboten. Ende.

Ist das jetzt radikal oder nicht? (Radikal einfach ist es auf jeden Fall, was einen gewissen Charme hat). Die Antwort ist gar nicht so klar, weil so zwar ein großer Teil des gesamten Derivate-Marktes austrocknet, genauer gesagt der gesamte OTC-Markt. Allerdings wird ein beachtlicher Teil davon aus dem OTC-Handel an eine Börse wandern. Ein Teil wird allerdings nicht überleben.

Aber der Reihe nach:

Ein börsennotierter Handel ist irgendwie natürlich eine gute Voraussetzung für eine Regulierung und Kontrolle. Man muss ja irgendwo ansetzen können. Von daher ist das Ziel ausschließlich börsennotierten Handel zu haben, leicht nachvollziehbar.

Bestimmte Geschäfte wird man in der Zukunft nicht mehr machen können. Weil es keine genügend hohe Standardisierung gibt und daher kein Umsatz in den Absicherungskontrakten entstehen würde. Das schließt aber Absicherungsgeschäfte in Standardprodukten nicht aus. Man wird sich auch in Zukunft gegen Kursverluste bei Aktien, Rohstoffen, Staatsanleihen und selbst hypothekenbesicherten Anleihen (Pfandbriefe) absichern können. Das Produkt muss nur gängig und standardisiert genug sein. (Es geht ja nicht um den Komplettverbot von Verbriefung, weil man IMHO leicht sehen kann, dass der Pfandbrief in Europa funktioniert und die Spezial-MBS in den USA nicht)

Was passiert nun mit den Spezialkontrakten, die nur Partner A mit Partner B genau einmal abschließt? Tja, auf die verzichte ich einfach, weil die Teile nicht an der Börse notiert werden können, weil es nur ein einziges Mal einen Kurs gibt und daher ein Börsenhandel keinen Sinn macht.

Jetzt wird das Argument pro Absicherung lauten, dass man damit ja Risiken absichern kann und das schließlich sinnvoll sei. Stimmt im Prinzip, allerdings würde ich entgegnen, dass bei allen Kontrakten, in denen kein Umsatz (und damit keine Börsennotiz) entsteht, das Volumen dahinter nicht so wahnsinnig groß sein, dass es die Volkswirtschaft gefährdet oder dass es in großem Stil zu Preiserhöhungen führen wird, weil der Unternehmer das Risiko (das er jetzt nicht mehr weiterschieben kann) auf die Preis aufschlägt.

Und: Muss man sich wirklich gegen jedes Teilrisiko individuell und speziell versichern? Diese Versicherei hat doch nur eine Pseudosicherheit vorgetäuscht. Weil man glaubte, Rundumsicherheit eingekauft zu haben. Dabei aber vergessen hat, dass a) die Gegenseite ausfallen kann und b) das Geschäft nicht mehr aufgelöst werden kann, weil es komplett illiquide ist. Ich möchte ein Beispiel wiederholen, das ich letzte Tage schonmal gebracht habe: Es gibt eine Kreditausfallversicherung gegen den Ausfall der USA. Ich frage mich immer noch, wer einen solchen Kontrakt kauft. Wer soll denn die Gegenseite sein, die im Fall der Pleite der USA das Geschäft noch glattstellen kann? Das ist wie eine Versicherung gegen den Weltuntergang ... Kompletter Schwachsinn!

Ganz nebenbei konnte man in den letzten Monaten lernen, dass Risiko einfach weiterzuschieben nicht die Lösung für alles, sondern sogar kontraproduktiv sein kann. Das führt nur dazu, dass man bei der Kreditvergabe das Risiko nicht mehr richtig analysiert. Das ist aber eine der entscheidenden (auch volkswirtschaftlichen) Aufgaben, die eine Bank leisten muss: Kredite vergeben, aber nur, wenn auch die Zurückzahlung erwartet werden kann.

Zusammenfassung:

Derivate nur noch börsennotiert. Liquide Kontrakte werden wie bisher weitergehandelt, illiquide und ausserbörsliche fallen zum großen Teil weg.

Die richtig großen Risiken (Aktien, Rohstoffpreise, Anleihen, vor mir aus auch Wetter, Immobilienpreise, etc.) können weiterhin über Derivate an den Börsen abgesichert werden.

Der ganze Rest kann nicht mehr abgesichert werden und das zieht ein paar negative Effekte (z.B. Preisaufschläge) nach sich. Diese halte ich für begrenzt, weil das Volumen hinter diesen Geschäften und das versicherte Risiko und damit auch die negativen Auswirkungen nicht so groß sein dürften. Außerdem sorgt Risiko, das man nicht mehr weiterschieben kann, auch für einen positiven Effekt: Die Kreditgeber untersucht das Risiko genauer als bisher.

Was meint ihr zu der Idee? Also sicher ist, dass ich den einfachsten Vorschlag gemacht habe ...

Ein Nachtrag: Das Volumen des CDS-Markts ist im letzten Jahr drastisch gesunken (etwa 20%), es ist aber immer noch mehr wert als alle BIPs aller Länder der Welt zusammen, etwa 54.000 Mrd.: FTD: Derivatemarkt schrumpft drastisch

Meinungen zur Regulierung:

FAZ: Dünne Tünche

FAZ: Ökonomen kritisieren Steinbrück: „Regulierung mit dem Holzhammer wenig sinnvoll“
FR: Die Welt nach der Krise (von Robert von Heusinger)

Donnerstag, September 25, 2008

Der Bailout ist durch ... 250 Mrd. sofort.

... was offizielles gibt es zwar noch nicht und erst recht keine Details.

Aber alle signalisieren, dass der Plan durchkommt. Gerüchtehalber sollen 250 Mrd. sofort zur Verfügung gestellt werden und der Rest erst später.

Man sieht also mal wieder, wie Politik gemacht wird. Man macht erst einen völlig unverschämten Vorschlag, über den dann total hart verhandelt wird. Der Vorschlag wird öffentlich verrissen und am Ende stimmt man auf einmal unter minimalsten Veränderungen zu. Wenn die Politiker sich Mühe geben, wird durch die Veränderungen der Plan sogar noch schlechter ...

Man macht einfach Druck, Druck, Druck und redet vom Untergang des Abendlandes. Dann hat jeder Angst, am Ende der Doofe zu sein, auf den alle mit dem Finger zeigen: Wer war Schuld. Schlimmster Vorwurf in den USA: unpatriotisch zu sein. Das Totschlag"argument" in jeder Diskussion.

Der Druck ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen.

Fannie und Freddie sind verstaatlicht und haben Zugriff auf Kreditlinien direkt beim Staat. Wenn man unbedingt Schrott ankaufen will, kann man das über Fannie und Freddie machen.
Die AIG konnte gerettet werden, ohne dass da irgendjemand zustimmen musste. Man hat einfach einen 85 Milliarden Kredit aufgelegt. Das war zwar ohne irgendeine rechtliche Grundlage, aber das hätte man auch nochmal machen können.
Die Fed hat inzwischen für Jeden (außer für mich) eine spezielle Kreditlinie eingeführt. Da kann eigentlich jeder zu einem extrem niedrigen Zins Geld bekommen.

Aber ich diskutiere hier wahrscheinlich viel zu sachlich. Möglicherweise sind die Bilanzen nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Und die sind alle so Pleite wie Lehman, die ja auch das Wunder vollbracht haben, den Wert in wenigen Stunden um 100 Milliarden oder mehr zu senken. Die Vermögensgegenstände von Lehman waren noch am Freitag 640 Mrd. Dollar wert und nach dem Insolvenzantrag am Montag ergaben die Schätzungen auf einmal nur eine Gläubigerquote von 60 bis 80%. Aus einer Firma, die am Freitag noch 27 Mrd wert war, wurde über's Wochenende eine, die minus 100 bis 220 Mrd. wert war (Reuters: Lehman debt may get 60 cts/dlr in bankruptcy-report). Wenn dieser zweite Wertansatz jetzt richtiger ist als der offizielle und man annehmen kann, dass das bei den anderen Banken ähnlich aussieht, kann ich die Panik von Paulson nachvollziehen.

Trotzdem komme ich nicht darüber weg, dass man so gnadenlos die Anleihehalter, die Aktionäre und das Management rettet und allein der Steuerzahler blechen muss. Der Steuerzahler kann absolut nichts für das ganze Desaster und muss einen Blankoscheck an unbekannt absegnen. Die Verantwortlichen, die Anteilseigner und Schuldner hingegen steuern keinen Cent zur Rettung bei. Unfairer geht's nicht.

Und dabei wurde mit dem AIG Bailout ein echt gutes Beispiel gegeben, wie man eine Rettungsaktion clever hinbekommt (Komplett Bailout für AIG). Kredit gegen Beteiligung. Damit hält man die Firma am Leben und der Steuerzahler hat eine Möglichkeit, vom profitablen Kerngeschäft zu profitieren und seinen Einsatz u.U. komplett zurückzubekommen. Aber ich wiederhole mich ...

Tagesschau.de: US-Parteispitzen einigen sich auf Rettungspaket

Aber was reg ich mich auf. Vor 25 Jahren wäre die Welt fast durch einen Atomkrieg vernichtet worden, was nur Dank eines russischen Offiziers namens Petrow verhindert wurde ... Seine Kontrollschirme meldeten zwar den Abschuss amerikanischer Atomraketen, aber nur einiger weniger. Das machte nach dem Gedanken von Petrow keinen Sinn, denn wenn schon, dann müsse die USA viele Raketen auf einmal abschießen. Also vermutete er einen Computerfehler und unterließ den Gegenschlag ... Das war knapp ...
Den Mut, selber zu denken, hätte ich auch dem amerikanischen Kongress und Senat gewünscht. Naja, nicht immer liegt die Macht in den Händen von Leuten, die selber denken können ...

Der Westen: Als der Kalte Krieg ganz heiß wurde

Update (23:15)

Hervorragende Zusammenfassung der beiden Nachrichten von gestern und heute:

Wie kann es eigentlich sein, dass Warren Buffet einen hervorragenden Deal beim Einstieg bei der am besten geführten US-Bank bekommt und der Staat einen ganz ganz schlechten Einstieg bei den schlechtesten US-Banken?

Frei übersetzt von:
The “Oracle” Speaks: Listen Up, Hank gefunden über Bronte Capital: Jeff Matthews on Buffett and Paulson

Zur Verschuldung der USA

Interessanter Artikel in der FT, der mich auf das PDF in meinem anderen Artikel von heute morgen (Warum Paulsons Plan schlecht ist ...) gebracht hat.

Ich möchte aber auf Teil zum Bailout nicht unbedingt eingehen, auch wenn der Artikel lesenswert und richtig ist, sondern nur auf ein Detail des Artikels:
Die Verschuldungslage der USA.

Hier steckt für mich auch was Neues im Artikel. Ich nenne die USA gerne an allen Ecken bis zur Halskrause verschuldet: Der Staat, die Unternehmen, die Haushalte. Das stimmt bei kurzfristiger Betrachtung auch, bei langfristiger aber nur etwas eingeschränkter.

Die Staatsverschuldung der USA ist z.B. gegenüber den 70er Jahren gar nicht dramatisch angestiegen.

Die Verschuldung der Privathaushalte stieg etwa auf das Zweieinhalbfache: von 40% des BIPs auf 100%. Da stimmt meine Aussage uneingeschränkt.

Auch der Anstieg der Schulden im Unternehmenssektor ist anders als ich gedacht habe. Die Verschuldung der Unternehmen ist zwar gestiegen (so weit ist das richtig), der Anstieg geht aber fast ausschließlich auf den Anstieg der Verschuldung bei den Finanzunternehmen zurück. Die Verschuldung der Industrieunternehmen stieg von etwa 60 auf etwa 80% des BIPs, das ist also wenig dramatisch. Die Verschuldung der Finanzbranche hingegen explodierte von 20 auf 120% des BIPs.

Das ist natürlich eine irre hohe Zahl. Die Höhe zeigt aber auch, und damit sind wir wieder bei der aktuellen Krise, wie dramatisch die Lage ist. Und sie zeigt, wie bitter und langwierig die Bereinigung werden wird.

Und zeigt auch, warum so viele Angst vor einem Credit Crunch haben. Würden die Banken ihre Schuldenvergabe auf das Niveau von 1974 zurückführen, sänke die Kreditvergabe um mehr als 80%, was dem BIP eines ganzen Jahres entsprechen würde. Wenn die Banken ihren Hebel (ihr Leverage) "nur" auf die Hälfte reduzieren würden, sänke die Kreditvergabe ebenfalls um die Hälfte. Dann kann die Wirtschaft aber einpacken ...

Es gibt nur eine Lösung für das Problem: Der Hebel und damit das Risiko für die Finanzbranche muss gesenkt werden. Da die USA ihre Schulden nicht runterfahren können, ohne in eine richtig üble Deflation zu geraten, brauchen die Banken neues Geld auf der anderen Seite der Bilanz: Beim Eigenkapital. Deshalb wird der RTC 2.0 jetzt wohl auch genau dazu dienen: Nicht nur den Schrott aus der einen Seite der Bilanz tilgen (offizielle Darstellung), sondern auch für Geld auf der anderen Seite der Bilanz sorgen. Dann sinkt der Hebel und erstmal ist die Lage bereinigt. (Übrigens ist auch das einer der Faktoren, die mir im Rettungsplan fehlen: Wo bleibt eine Maßnahme, die für neues Eigenkapital sorgt und zwr welches, das nicht vom Steuerzahler kommt).

Mittelfristig aber müssen die USA und die US-Finanzbranche von ihren Schulden runter. *Das* ist das Problem, das unter allem liegt. Und nicht zu wenig Regulierung, nicht zu seltsame Verbriefung, nicht zu hohe Hebel, nicht zu hohe Immobilienpreise, oder oder oder. Das sind alles nur sekundäre Probleme, die ohne die zu hohe Verschuldung erst gar nicht hätten entstehen können.

FT:Paulson’s plan was not a true solution to the crisis gefunden über Infectious Greed: Graphic du Jour: Financials are Hazardous

Warum Paulsons Plan schlecht ist ...

Ein sehr spannendes Papier von Luigi Zingales, Professor an der Universiät Chicago: Why Paulson is Wrong

Darin zwei Gedanken, die ich bisher in der Diskussion noch nicht gesehen habe.

Das jetzige Rettungspaket wird (auch von mir) gerne als Resolution Trust Company RTC 2.0 bezeichnet. Damit ist eine Wiederauflage des RTC zur Rettung der Saving & Loans Banken gemeint.

a) Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Die Spareinlagen der damals pleitegehenden Sparkassen waren sowieso durch den Staat (bzw. einen staatlichen Sicherungsfonds) versichert. Der Staat war also in der Haftung und hätte sowieso zahlen müssen. Der Staat hat "nur" einen Ausfallfonds für die Spareinlagen durch eine Abwicklungseinheit für die Sparkassen ersetzt.

Heute hingegen werden die Aktionäre und vor allem die Schuldner der Finanzbranche gerettet. Man rettet also nicht nur die Spareinlagen der Kleinsparer, sondern auch die Anleihebesitzer und (wenn man einen zu hohen Preis für den Giftmüll bezahlt) auch die Aktionäre. Der Staat haftet aber nicht für Anleihen- oder Aktienbesitzer!

Das ist eine andere Nummer!

Und man erzeugt hier einen Moral Hazard. Dieses moralische Dilemma wird viel zu oft ausschließlich auf das Management beschränkt. Genauso mitverantwortlich sind aber auch die Aktionäre und auch die Käufer der Anleihen der Banken. Beide haben den Firmen immerhin Geld geliehen und somit das Geschäft am Laufen gehalten.

b) Wenn man sich jetzt die Lastenverteilung zwischen diesen Gruppen anschaut, sieht man schnell, dass die Aktionäre bereits richtig viel Geld gezahlt haben ((Fast-)Totalverlust bei Lehman, Fannie, Freddie, AIG, ...). Die Halter der Anleihen bei den entsprechenden Firmen sind aber (bis auf Lehman) komplett ungeschoren durch die Krise gekommen. So gut wäre es für die Anleihenkäufer aber nicht gelaufen, wenn der Staat nicht eingeschritten wäre. Das zeigt sich auch an den Verlusten, die die Besitzer von Lehman Anleihen verkraften müssen.

Zusammenfassung:

a) RTC 2.0 rettet Leute, die beim RTC 1.0 NICHT gerettet wurden. Zu diesen Leuten gehören die Schuldner und die Aktionäre der geretteten Firmen.
b) Die bisherige Verteilung bei den geretteten Firmen geht klar zu Lasten der Aktionäre. Diese sind zum oft (fast) komplett enteignet worden, während die Anleiheeigner oft (fast) völlig ungeschoren davon gekommen sind. Der RTC 2.0 setzt die Tendenz in fataler Weise fort.

Die Lösung:

Daher ist die Forderung (den Gedanken hatte ich früher schonmal gebracht) ein Debt-To-Equity-Swap. Damit müssen auch die Anleihebesitzer zur Sanierung beitragen, indem sie einen Teil der Schulden in Eigenkapital umtauschen.
Das ist übrigens bei der Sanierung von Firmen ein sehr übliches Modell! Denn wenn eine Firma überschuldet ist, aber über ein gesundes, sprich profitables Kerngeschäft verfügt, kann es für den Schuldner sinnvoller sein, einen Teil (oder alles) seiner Schulden gegen Anteile an der Firma zu tauschen. Dann hat er einen Anteil an einer profitablen Firma, die Dividende zahlen kann. Diese Zahlungen können gut höher sein als das, was bei einer Pleite der Firma noch zu holen gewesen wäre.

Am Ende ist die Frage ganz einfach: Wieso soll der Steuerzahler einschreiten, bevor der Anleiheeigner einen Beitrag geleistet hat?

Aber vielleicht ist der Grund dahinter ein einfacher: Die Schulden der USA und der US-Finanzbranche liegen im Ausland. Die USA sind abhängig von diesem Geld. Und deshalb wollen die USA keinen Ärger und man stopft die Löcher lieber mit Steuerzahlergeldern. Nicht weil man das für eine tolle, gerechte und faire Lösung hält, sondern weil man keine andere mehr sieht ... Mit dem Rücken zur Wand ...

Mittwoch, September 24, 2008

Zum Buffet Einstieg bei Goldman Sachs: Junk-Zinsen!

Cheerleading gibt es überall, daher hier lieber ein Hinweis auf das Kleingedruckte:

Buffet kauft keine Aktien, sondern Preferred Shares, also Vorzugsaktien. Diese sind anders konstruiert als deutsche Vorzugsaktien. Es gibt eine *feste* Dividende, das Kapital ist nachrangig (im Fall der Pleite bekommt man nur Geld, wenn alle anderen Gläubiger ausgezahlt werden konnten) und zu den Aktien gibt es noch Optionsscheine dazu. Das ist also eher eine nachrangige Optionsanleihe als eine Vorzugsaktie wie bei Porsche.

Wie sehen jetzt die Konditionen aus?

Kaufsumme: 5 Milliarden Dollar
Zins für den Vorzugsaktie: 10%(!) ---> 500 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr.
Laufzeit: 5 Jahre (bin mir nicht ganz sicher, ob für Anleihe und Optionen gleich) .
Bezugspreis für die Optionen: 115.
Beim aktuellen Preis von GS von 135 Dollar sind diese Optionsscheine also werthaltig. Der Wert der Optionsscheine dürfte irgendwo zwischen 1,5 und 2 Mrd. liegen. Die FTD kommt auf 1,2 Milliarden.

Damit hat Buffet effektiv nur 3 bis 3,5 Milliarden investiert und erhält dafür 500 Millionen Zinsen pro Jahr. Das ist ein Zins von 14 bis 17%(!).

Ich sage mal vorsichtig, dass eine solche Zinshöhe alles ist, aber eines auf jeden Fall nicht: Ein Zeichen für Vertrauen ...

The Big Picture: Berkshire to GS: "I Got $5 Billion, but Its Gonna Cost Ya"

Die FTD rechnet etwas anders und kommt zu einem etwas niedrigeren Wert der Optionen. Ein Zins von deutlich über 10% bleibt aber allemal.

FTD: Buffett und das Goldman-Schnäppchen

ifo Index weiter runter: 92,9 nach 94,8: Euro Rezession ante portas

Wieder schlechter als erwartet ... Erwartet wurde ein leichter Rückgang auf 94,1.

FTD: Wirtschaft bläst weiter Trübsal

Der Stimmungsindex der europäischen Einkaufsmanager von gestern war auch schon schlecht: 47,0 im September nach 48,2 im August. Damit notiert der Gesamtindex inzwischen deutlich unter der 50er-Marke, die die Grenze zwischen Rezession und Wachstum kennzeichnen soll. Einige Teilindizes sind sogar schon wieder auf Stände zurückgefallen, wie sie kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September erreicht wurden.

FTD: Euro-Zone rutscht in die Rezession
Aber unsere Politiker werden die Lage weiter schön reden (genau wie die Ökonomen die Lage zu lange schön gemalt haben und erst seit Kurzem die Wolken am Konjunkturhimmel richtig wahrnehmen). Oft wird auf den stabilen Arbeitsmarkt verweisen. Der Arbeitsmarkt ist aber ein nachlaufender Indikator, er reagiert erst sehr spät im Wirtschaftszyklus. Und wenn die Arbeitslosenzahl dann steigt, wird auch erst ignoriert, bis es nicht mehr geht und erst dann wird was gemacht. In seltenen Fällen sogar was Sinnvolles, wenn auch 2 Jahre zu spät ...

Hank Paulson == Gott? Rettungsplan == 10 Gebote?

Ein schönes Zitat aus einem Focus Artikel über die Verhandlungen zum Bankenrettungsplan BaB.


Kein Wunder, findet die demokratische Kongresspräsidentin Nancy Pelosi: „Die Wall Street hatte ihre Party. Die Party ist vorbei, und jetzt sollen die Bürger die Rechnung bezahlen.“

Finanzminister Paulson zuckt da nur mit den Schultern: „Sie machen sich Sorgen, dass die Steuerzahler am Haken hängen könnten?“, meint er zur Katerstimmung im Land und schiebt trocken nach: „Ach wissen Sie, die hängen doch schon längst am Haken.“
(Quelle: Focus: US-Finanzkrise„Der Steuerzahler hängt längst am Haken“)

Ist das jetzt Fatalismus? Oder einfach nur unglaubliche Arroganz?

Man wird das Gefühl nicht los, dass US- Finanzminister Henry Paulson genervt ist, wenn man ihm kritische Fragen stellt. Dass Paulson es als Frechheit empfindet, wenn demokratisch gewählte Volksvertreter nachfragen, wieso er auf der Basis von 3 Seiten Papier die Vollmacht über 700 Mrd. Dollar bekommen möchte und bei Transparenz und Kontrolle exakt NIX als Gegenleistung anbietet.

Ich habe meine Meinung zum Rettungsplan ja schonmal aufgeschrieben, allerdings in einem Artikel, der durch mehrfache Erweiterungen und intensive Verlinkung ziemlich chaotisch wurde. Daher vielleicht nochmal etwas übersichtlicher.

a) Die USA brauchen irgendwie sowas. Nur notleidende Banken auffangen, kann irgendwie nicht das Mittel sein. Allerdings frage ich mich auch, ob diese schlechte Möglichkeit u.U. nicht sogar besser ist als dieser Rettungsplan.
b) Das Volumen ist tendenziell zu niedrig. Vor allem wenn in der Verhandlungen mit dem Senat und dem Kongress die Anwendbarkeit von Hypotheken (und verbrieften Produkten darauf) auch auf Autokredite, Kreditkartenschulden, etc. ausgedehnt wird. Dann sind die 700 Mrd. wahrscheinlich zu wenig, auch wenn man berücksichtigen muss, dass es ja nicht darum gehen kann, alle faulen Schulden aus den Bilanzen herauszukaufen. Zahlungsausfälle sind ein natürlicher Teil des Bankengeschäfts.
Vor allem fehlen mir Stützungsmaßnahmen des Immobiliensektors. Denn da hat die Krise begonnen und auch nur da wird sie enden!
c) Die Transparenz des Rettungspakets ist absolut mangelhaft. Außer eines (nicht weiter definierten) Reports alle 6 Monate gibt es gar nichts. Das Programm ist so eine Frechheit.
d) Die Kontrolle des Rettungspakets über Gerichte wird ausgeschlossen. Auch das ist natürlich eine Frechheit. Das ist schlimmer als Guantanamo, da gibt es immerhin noch ein Gericht ....
e) Das Paket ist Moral Hazard im Quadrat. Bei einer Pleite einer Bank fliegt der Verantwortliche im Normalfall immerhin raus. Können die Verantwortlichen die Schrottanleihen und -hypotheken einfach verkaufen und der Bank geht's nachher wieder gut, passiert ihnen voraussichtlich nichts.
f) Es gibt keinen Besserungsschein für den Steuerzahler. Wenn die Banken die Papiere heute zu teuer an den Rettungsfonds verkaufen (sprich der Steuerzahler dafür zu viel zahlt), muss die Bank dafür nicht haften, Geld nachschießen oder Ähnliches. Das kann nicht sein. Der Verkäufer müssen für (einen Teil) der Verluste geradestehen.
Der Vorschlag, einen Debt-to-Equity Deal für diese Nachbesserung zumachen, ist ein sehr guter. Danach werden die Verluste, die die Papiere am Ende der Laufzeit haben, gegen Eigenkapital der Bank getauscht. Der Staat bekommt also Aktien als Ausgleich für den Verlust. Die neuen Aktien belasten die Bilanz der Banken nicht, sie verwässern nur das Eigenkapital der Altaktionäre. Die Altaktionäre werden aber genügend Druck auf den Vorstand ausüben, damit die Verwässerung so gering wie möglich bleibt. Was man durch möglichst realistische Preise beim Verkauf erreichen kann.

Wenn ich mir das zusammenfassend anschaue, ist das einzige positive an dem Plan, dass es einen gibt und dass das Volumen nicht von vornherein lächerlich klein ist. Alles andere ist aber ein Skandal und eine absolute Frechheit.

SO NICHT!

Wer sich übrigens richtig intensiv für das Thema interessiert, dem sei folgender Artikel bei Bronte Capital wärmstens ans Herz gelegt (und auch der Artikel über die japanische Bankenkrise und das PDF über die norwegische Bankenkrise):

Bronte Capital: The Norwegian bank collapse – a fixed currency model with a current account deficit

Da stecken intelligente Ideen drin. Das PDF ist aber weit über 200 Seiten dick und ich bezweifle, dass Paulson und Konsorten den Inhalt kennen ...

Dienstag, September 23, 2008

Warum die Welt Börsenblogs braucht ...

... damit man irgendwo noch die Worte "Meltdown", "Kernschmelze","Armagedon","freier Fall", etc lesen kann, wenn die Märkte gerade einen freien Fall hinlegen.

(ganz nebenbei kann man dann auch bereits im Juni 2007, als die Mainstreammedien noch in eitel Sonnenschein machten, schon die Warnungen lesen. z.B. Und mal wieder ein Update zur US-Immobilienkrise oder Anatomie einer Immobilienkrise oder Ist der erste Hedge-Fonds, der fällt, eine Bank? und auch lustige Fehleinschätzungen der Investmentbanker Goldman Sachs erwartet KEINE Zinssenkung mehr in den USA. Ganz nebenbei geht egghat short in China, hat demächst keine Probleme mehr mit dem Handy und freut sich über die Freilassung von Paris Hilton und lacht über den französischen Präsidenten Sarprosit. Schon lustig, in seinem eigenen Blog zurückzublättern. Aber ich schweife ab.).

Offensichtlich zensieren sich die US-Medien und selbst die angesehene "Times" selber. Bei Industrieunternehmen spricht man von Problemen mit Schulden, bei Banken aber nicht mehr.

Das Wall Street Journal will sich von Wörtern wie "Apokalypse", "Panik", usw. fernhalten. CNN will mit "Meltdown" und "Free Fall" sehr vorsichtig umgehen, etc.

Totschweigen ist also auch eine Lösung. Ich glaube, ich schreibe die Wörter ab sofort immer fett ...

NYT: Amid Market Turmoil, Some Journalists Try to Tone Down Emotion gefunden über
Gawker:Press Coddles Banks With Pulled Punches

Und wer nicht über meine Website kommt, sondern "nur" den RSS-Feed liest (und damit z.B. die häufigen Updates meiner Artikel und meine empfohlenen Artikel und meine Lieblingsblogs verpasst), bekommt hiermit mal die Liste meiner Lieblingsblogs im Bereich Wirtschaft:


Update (13:14):

The Big Picture hat die Story auch: The Big Picture: Have the Media Been Too Easy on the Finacials?

Update (30.9.08)
Marketwatch: Media shouldn't shy away from explosive language

KfW Money Waste 0.7 Beta

Die letzten Schritte vor der Lehman Überweisung von der KfW (Kreditanstalt für Wertvernichtung)

Dialogbox 1:

Wollen Sie wirklich 300 Millionen an den Lehman Bank überweisen?

[Ja] [Nein]

Dialogbox 2:

ACHTUNG!

Routineüberprüfung hat ergeben, dass Lehman-Bank Pleite ist. Dennoch überweisen?

[Ja] [Nein]

Dialogbox 3:

Sind Sie wirklich ganz sicher?

[Ja] [Nein]

Dialogbox 4:

Geben Sie bitte das Wort "VOLLIDIOT" zur Bestätigung ein.

----------------------

[OK] [Cancel]

Angeblich stammt's von einem Banker in London. Sooo lustig ist's aber nicht, dass man sich dafür durch 4 Seiten klicken muss. Deshalb hier auf einer :-)

FTD: KfW Money Waste 0.7 BETA

auch lustig: Spam aus Amigeria oder das hier: Zeitenwende.ch:Oekonomen warnen vor Kollaps
auch wichtig: Lone Star kann die IKB Assets jetzt für 10 Mrd. im Rettungsprogramm unterbringen?

Spam aus Amerigeria

Ein Brief aus Amerigeria:

Dear American:

I need to ask you to support an urgent secret business relationship with a transfer of funds of great magnitude.

I am Ministry of the Treasury of the Republic of America. My country has had crisis that has caused the need for large transfer of funds of 800 billion dollars US. If you would assist me in this transfer, it would be most profitable to you.

I am working with Mr. Phil Gram, lobbyist for UBS, who will be my replacement as Ministry of the Treasury in January. As a Senator, you may know him as the leader of the American banking deregulation movement in the 1990s. This transaction is 100% safe.

This is a matter of great urgency. We need a blank check. We need the funds as quickly as possible. We cannot directly transfer these funds in the names of our close friends because we are constantly under surveillance. My family lawyer advised me that I should look for a reliable and trustworthy person who will act as a next of kin so the funds can be transferred.

Please reply with all of your bank account, IRA and college fund account numbers and those of your children and grandchildren to wallstreetbailout@treasury.gov so that we may transfer your commission for this transaction. After I receive that information, I will respond with detailed information about safeguards that will be used to protect the funds.

Yours Faithfully Minister of Treasury Paulson

gefunden hier:

The Nation: Bailout Satire über Boingboing: Hank Paulson's bailout 419 letter

lustig auch das hier:
Zeitenwende.ch:Oekonomen warnen vor Kollaps oder meine Artikel mit dem Tag fun.

Montag, September 22, 2008

Lone Star kann die IKB Assets jetzt für 10 Mrd. im Rettungsprogramm unterbringen?

Sag mir bitte jemand, dass das nicht wahr ist ...

Lone Star, die die Forderungen der IKB für 0,115 Mrd Euro gekauft hat, könnte jetzt den Schrott für 10-12 Mrd Euro an den US-Steuerzahler verkaufen.

Goldhotline Marktbericht Martin Siegel 22.9.08: Banken kassieren Zinsen für die Kredite zur eigenen Rettung

Ich kann das nicht verifizieren, aber die Rahmenbedingungen passen natürlich. IKB hatte den Schrott in den Bilanzen, der jetzt per Bailout alles Bailouts (BaB) vom US-Finanzministerium gekauft wird. Lone Star hat den Sitz in den USA und müsste die Anleihen schon in der Bilanz haben. Zeitlich passt es also auch.

Definitiv nicht stimmt, dass Lone Star dafür 10 Mrd. bekommt. Denn der Schrott wird ja versteigert und dabei zahlt garantiert keiner den Nennwert. Aber selbst wenn Lone Star 30% des Nennwerts erzielen könnte, wären das immerhin 3 Milliarden. Bei einem Kaufpreis von etwas mehr als 100 Millionen eine schöne Rendite.

Ich kann die Story nicht verifizieren, weil ich nicht weiss, ob die Anleihen wirklich passen, ob die wirklich schon in den USA liegen und ob da wirklich 30% des Nennwerts erzielt werden können.

Wenn es aber so sein sollte, können wir Steuerzahler sicher sein, dass wir keinen Cent davon sehen. Denn auf so eine clevere Idee wie einen Verkauf gegen Besserungsschein kommen unsere Politiker oder gar die Kreditanstalt für Wertvernichtung nicht. Garantiert nicht!

Öl heute plus 25(!!!) % auf 130 Dollar

Was ist denn da los?!?

Erzähl mir jetzt nochmal jemand, dass an diesen Märkten nicht manipuliert wird ... Oder muss Morgan Stanley gerade ein paar Millionen Barrel Shorts glattstellen?

Aber so eine Bewegung habe ich noch nicht gesehen. Unglaublich.

Die Bewegung von unter 90 auf fast 110 in den letzten drei Handelstagen letzte Woche war ja schon nicht schlecht. Aber jetzt innerhalb eines Tages 25 %. Wow!

Am "längeren" Ende, also bei den Kontrakten mit Lieferung im Oktober oder November tut sich deutlich weniger, der unglaubliche Spike entsteht nur bei sofortiger Lieferung. Aber trotzdem ...

Schnell nochmal tanken. Diesel war heute morgen noch bei 1,29 ...

Spiegel: Ölpreis steigt in wenigen Stunden um 25 Dollar

Update (24.9.08):

Noch zwei Nachschläge zu der Ölpreisspitze. Es war (wie in den Kommentaren auch schon angemerkt wurde) eine Spitze in einem äusserst dünnen Handel am letzten Handelstag des alten Kontrakts. Also nicht so ungeheuer bedeutsam ...

WSJ: Treasury Strikes a Gusher
Bronte Capital: The oil price spike

Meine Meinung zum Rettungspaket: Gut, gut, richtig schlecht, totaler Mist

a) Gut, weil man einen Befreiungsschlag braucht. Der Staat hat das Heft des Handels jetzt wieder in der Hand.

b) Gut, weil das Volumen ausreichen kann, wenn man sich gleichzeitig Gedanken über die Stabilisierung des Immobilienmarktes macht. Der Preisverfall am Immobilienmarkt wurde ja nicht durch die Finanzkrise ausgelöst, sondern es war anders herum. Deshalb sorgt ein (mögliches) Ende der Finanzkrise auch nicht für ein Ende der Immobilienkrise. Sollte aber wieder nur ein 150 Mrd. Steuerscheck-Verschwendungs-Programm aufgelegt werden (dass die FTD dann wie üblich wieder loben wird, arggg), wird das 700 Mrd. Programm deutlich entwertet. Siehe auch mein Überlegungen von gestern: Retten die 700 Mrd. das US-Finanzsystem?

c) Schlecht und zwar richtig schlecht: Moral Hazard at its best (besser eigentlich at its worst). Die Verantwortlichen werden rausgerissen. Sie sind nicht haftbar, sie behalten weiter ihren Job und beim Rauswurf gilt ihr (oft millionenschwerer) Goldener Fallschirm weiter. Ich halte das für einen großen Fehler. Wahrscheinlich wäre eine komplette Verstaatlichung (ich fand den "Public Equity"-Deal bei der AIG eine sehr interessante Basis für sowas (Komplett Bailout für AIG)) unter diesem Gesichtspunkt spannender gewesen. Übrigens ist die Verstaatlichung die einzige Möglichkeit; Pleitegehen lassen, geht nicht. Zum Moral Hazard eine sehr negative Meinung: Bronte Capital: Paulson stops thinking, starts acting

d) Schlecht, weil jede Rettungssaktion ohne Flankierung durch eine weitere Rettungsaktion für den Immobilienmarkt wohl verpuffen wird. Und von den anderen Krediten (Auto, Kreditkarte, etc.) will ich erst gar nicht reden. Und von den Schulden der Unternehmen auch nicht. Oder den 600 Billionen OTC-Derivaten ...

Ich möchte auch nochmal betonen, dass ich glaube, dass es IMHO vor ein paar Monaten auch noch möglich gewesen wäre, die Krise über eine Stabilisierung des Immobilienmarkts abzufangen. Das hätte die massiven Wertverluste abgemildert und weniger Abschreibungen bei den Banken verursacht. Aber dazu hätten sich die Entscheidungsträger schon damals die Schwere der Krise eingestehen müssen. Aber das Politiker keine Fehler machen, können die auch keine zugeben und keine beheben. Es sei denn, auch der Blindeste sieht das Problem.

Übrigens klären sich inzwischen ein paar Details zum RTC 2.0. Zum Beispiel was mit ausländischen Banken passieren soll. Wenn diese einen Sitz in den USA haben, gilt das Rückkauf wohl auch für diese (das klang am Anfang anders). Nichtsdestotrotz drängt die US-Regierung das Ausland, ähnliche Rettungspakete zu schnüren. Das ist zwar Moral Hazard zum Quadrat, (man reisst nicht nur die Verantwortlichen raus, sondern auch noch welche, für die man nicht verantwortlich ist, weil man sie nicht kontrollieren konnte), aber es wird trotzdem passieren. Die US-Banken haben nach dem Rettungspaket ja einen riesigen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Banken im Ausland: Eine halbwegs vernünftige Bilanz.

Wir sind in Europa nicht aus dem Schneider. Ich rechne fest damit, dass auch in Europa Banken Probleme bekommen werden. Entweder werden die sichtbar und dann wird das Rettungspaket à la Amerika geschnürt oder man macht das vorher und dann werden die Problem-Assets (wahrscheinlich unter fast völligem Ausschluss der Öffentlichkeit) an den Sicherungsfonds verkauft. Zur Einschätzung Europas siehe auch Nouriel Roubini: The shadow banking system is unravelling.

Das Thema bleibt spannend, abonniert mein Blog ;-)

Zum Beispiel ist mir noch unklar, ob die 700 Mrd. Dollar jetzt komplett zusätzlich sind, oder ob davon auch die Institutionen profitieren können, die bisher schon gerettet (oder nicht gerettet) wurden. Können also z.B. Fannie Mae und Freddie Mac ihren Schrott an die RTC verkaufen? Die AIG? Oder sogar Lehman? Und bekommen die Aktionäre von Lehman dadurch vielleicht doch noch Geld? Weiss das jemand? Ist das jetzt ein (ausschließlich) zusätzliches Paket oder enthält das die bisherigen Rettungspakete und ersetzt diese quasi? Man könnte Fannie und Freddie ja nur über das Abkaufen des Schrotts retten. Und nicht vergessen: Die Fed hat ja bereits jede Menge Schrott als Sicherheit für die Kreditvergabe akzeptiert und in die eigene Bilanz genommen (mehr als 400 Milliarden Dollar); siehe hier: Jetzt wird schon die Fed gestützt ...

Spiegel: US-Regierung drängt ausländische Staaten zu Bankenhilfe

Update (13:08):

Es gibt noch einen weiteren (wichtigen) Kritikpunkt, den ich vergessen habe: Den Gott-Status, den sich Hank Paulson in dieser Rettung genehmigt hat.


"Decisions by the Secretary pursuant to the authority of this Act are non-reviewable and committed to agency discretion, and may not be reviewed by any court of law or any administrative agency."

Geht's noch? Die dürfen 700 Mrd. Dollar ausgeben und unterwerfen sich KEINERLEI KONTROLLE?!? Siehe auch Traders Quest: Henry “Hank” “I am God” Paulson (unten dazu noch mehr)

Und noch ein paar Meinungen, von Leuten, die ich schätze:

1.) Calculated Risk: Some Thoughts on the Bailout

Die interessante Idee darin: Die Assets werden an die RTC übertragen. Als Basis dafür nimmt man einen Mittelwert aus dem Buchwert, mit dem die Anleihen jetzt in den Büchern der Bank stehen und dem Wert, den man mit ein paar Testauktionen ermittelt. Wenn die Assets sich entwickeln, wie von der Bank geplant, passiert nichts. Sollten aber weitere Verluste auflaufen, werden diese Verluste in Eigenkapital der Bank umgetauscht. Je unrealistischer der Wertansatz der Bank ist, desto höher die Verwässerung der Eigenkapitals. Und desto größer der Ärger bei den Aktionären (und umso schneller wird der Vorstand abgesägt).

Auf jeden Fall ein sehr guter Ansatz, um die Bewertungsproblematik in den Griff zu bekommen. Und der Teil mit dem Debt-Equity-Swap ähnelt der Idee von Willem Buiter, die ich gestern schon verlinkt hatte (Willem Buiter: More and different, including a debt-for-equity swap for the financial sector). Vor allem verhindert man so, dass der Steuerzahler zu vielfür die Anleihen bezahlt. Aber darum geht's gar nicht, siehe weiter unter bei Punkt 3).

2.) Paul Krugman: NYT: Thinking the bailout through

Auch Krugman bezweifelt, dass der Plan weit genug geht und befürchtet, dass es daher verpufft.

3.) Naked Capitalism: Why You Should Hate the Treasury Bailout Proposal

Der Titel sagt schon, wie negativ das dort gesehen wird.

Auch dort wird der völlige Ausschluss jeder Art von Kontrolle der RTC heftig kritisiert.

Und ein weiteres Detail, das fast allen (u.a. auch mir) entgangen ist: Die 700 Mrd. Dollar sind nicht die maximale Summe Geld, die die RTC 2.0 halten darf, sondern die maximale BILANZSUMME. Wenn die RTC 2.0 Assets verkauft hat (oder diese fällig wurden und es eine Rückzahlung gab), kann die RTC also erneut Assets kaufen. Und all das zu geheimen Preisen und ohne jede Kontrolle irgendeiner Institution. Das ganze ist aus dieser Sicht ein KLARER SKANDAL. Das ist nicht nur undemokratisch (der Kongress wird massiv unter Druck gesetzt; eine demokratische Meinungsbildung sieht wohl anders aus), sondern man schließt auch direkt die zweite Säule des Staats, die Judikative, aus. In dieser Hinsicht das Guantanamo des Finanzwesen.

Als einer der Gründe für die aktuelle Krise wird oft mangelnde Transparenz genannt. Und die Lösung soll durch eine Institution kommen, die nicht nur so schwer (700 Mrd.) wird wie nie zuvor, sondern auch so intransparent und geheim wie der KGB?

Im Artikel wird auch aus der Sicht eines Insiders das Pricing der eingekauften Assets beschrieben: Es geht nicht (wie es öffentlich dargestellt wird) um eine faire Bewertung, sondern darum, den Banken mehr Geld zu geben als das Zeuch wert ist. Es wird hier (wenig überraschend) nicht mit offenen Karten gespielt. Ex-Goldman Paulson schiebt seinen Ex-Kollegen die Milliarden Steuergelder scheinbar in den Allerwertesten.

Und zum Schluss und als Zusammenfassung der ganze Situation in den USA, die bösen Worte:
We have said more than once that the the US in the same position as Thailand and Indonesia, circa 1996, except we have the reserve currency and nukes. It looks like we will have the opportunity to see how those two assets influence the end game.
Tja, die USA haben die Weltreserve-Währung und Atomwaffen. Das wird den Ausgang der Krise womöglich anders machen als in Thailand oder Indonesien 1996 (wo die Asienkrise begann).

WENN IHR NUR EINEN ARTIKEL LESEN WOLLT, LEST DIESEN!

Und wenn ihr das geschafft habt, dann dürft ihr als Belohnung noch das lesen ;-)

ZUM SCHREIEN KOMISCH.

Die Telefonhotline der Fed:

"Hello! You've reached the United States Treasury's automated bailout hotline. Please listen carefully, because our options have recently changed. If you're too big to fail, press or say 'one.' If not, hang up and dial 1-800-FOR-FEMA.' "

"One."

"Great! You've selected Option One. If you're a bank, press or say 'one.' If you're a brokerage firm, press or say 'two.' If you're an insurance company, press or say 'three.' "

"Three."

"You've selected Option Three, which means you're an insurance firm. Did I get that right?"

"Yes."

[...] weiter hier: Washington Post: For a Bailout, Press 'One' . . .

Update (15:15)

Wer wissen will, wie sich die Banken alle gesundstoßen können und der Staat nur einen Bruchteil der 700 Mrd. einsetzen muss, lese nach bei Weissgarnix.de:

Weissgarnix: Wirkungen und (un)erwünschte Nebenwirkungen

Die Banken sprechen sich einfach alle ab und bieten für ein Paket des Konkurrenten einfach mehr als es wert ist, jedoch weniger als man in der eigenen Bilanz angesetzt hat. Passende Kombinationen von Verkäufern, Paketen und Käufern sollten sich in einem informellen Gespräch bei ein paar Kaffees und Zigarren finden lassen. Dann haben alle Banken Marktpreise, die höher sind als die eigenen Bilanzansätze. Niemand muss mehr abschreiben. Alle können zuschreiben. Und der Staat muss kaum Geld anfassen.

Das Problem löst man so natürlich nicht, denn die Papiere müssen ja irgendwann ausgebucht werden und dann wahrscheinlich mit Verlust. Nur streckt man so die Abschreibungen zeitlich und macht das für die Banken viel leichter verkraftbar. Im Endeffekt ändert man so die Bilanzierungsregeln von "Mark-to-market" auf "held-to-maturity" ändert. Man schreibt also nicht permanent zu und ab, sondern hält die Papiere einfach durch und realisiert und
verbucht den Verlust (oder den Gewinn) erst am Ende. Die Japaner haben das übrigens ähnlich gemacht, um die Verluste nach dem Platzen der Immobilienblase Anfang der 90er zu verkraften ...

R.I.P. Investmentbanken

5 große Investmentbanken ... waren alle nicht mehr ...

Zwei von 5 gab es ja noch. Morgan Stanley wurde dieses Wochenende nicht übernommen, gerettet oder ist Pleite gegangen. Goldman Sachs gilt als relativ sicher. Aber so richtig hat das der Fed nicht gefallen und aus den beiden Investmentbanken wieder normale Banken gemacht, die unter der direkten Kontrolle der Fed stehen. Sie bekommen damit Zugriff auf die normalen Finanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken bei der Fed. Dafür gelten für beide aber die strengeren Eigenkapitalrichtlinien der normalen Geschäftsbanken. Das hat zwar Krisen in diesem Bereich nicht komplett verhindert, aber immerhin sind dort noch keine großen Spieler Pleite gegangen. Und einige normale Geschäftsbanken haben eine Bilanz, die stark genug ist, um mal schnell eine Investmentbank aufzusaugen.

Das ganze ist natürlich die komplette Kapitulation des Geschäftsmodells "Investmentbank". Schon spannend, wenn man berücksichtigt, dass der Chef der Deutschen Bank, Ackermann, gelernter Investmentbanker ist und auch die deutsche Bank einen großen Teil ihres Gewinns aus diesem Bereich generiert. Irgendwo hat auch mal einen Bankenchef geäussert, dass das Investmentbanking für ihn nie profitabel war, weil der große Teil des Gewinns aus der Sparte Investmentbanking für die (unverschämten) Boni der Investmentbanker drauf gegangen sei.

Das ist ein historischer Umschwung und ein absoluter Sieg des Universalbankensystems, wie es in Europa üblich ist. Hier vergeben die Banken Kredite, Hypotheken, beteiligen sich an Unternehmen, machen Investmentbanking, betreiben Konten und Kreditkarten, sind Broker, kümmern sich um die Altersvorsorge, etc. pp. Teilweise gehören die Banken in Europa sogar zu Allfinanzkonzernen und mischen zusätzlich im Versicherungsgeschäft mit. Der Streit zwischen den Experten war lang und intensiv, ob das Trennbankensystem wie es in Amerika war besser ist oder das Universalbankensystem in Europa. Ich glaube, die Antwort wurde jetzt gegeben und ist eindeutig ...

Historisch interessant: Das amerikanische Trennbankensystem wurde als Antwort auf die zu mächtigen Banken (in denen es gewisse Interessenskonflikte gibt) in der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren eingeführt. In der jetzigen Krise (die manche schon für eine Weltwirtschaftskrise 2 halten), wird als Reaktion das Universalbankensystem wieder eingeführt. Hmmm.

Übrigens wurde das Trennbankensystem in den USA auch schon aufgeweicht; früher wäre der Zusammenschluss einer Geschäftsbank und eines Brokers schlicht verboten gewesen. (Das passierte übrigens nach intensivem Lobbying der damaligen Citicorp, die sich mit der Versicherung Travelers Group zusammenschließen wollte und am Ende auch durfte).

Wen's interessiert: Wikipedia: Bankensystem

Die (ehemaligen) Investmentbanken begrüßen den Schritt; die Initiative soll sogar von ihnen ausgegangen sein. Wahrscheinlich war der Zugriff auf die Finanzierungsmöglichkeiten wichtiger als die stärkere Kontrolle (die man wahrscheinlich sowieso bekommen ätte). Ich habe es nicht genau im Kopf, aber mir schwant, dass die beiden Investmentbanken die Eigenkapitalrichtlinien, die für Banken gelten, nicht so einfach erfüllen können. Da wird es wohl noch ordentlich Deleveraging geben müssen (oder die beiden schließen sich doch noch mit einer "normalen Bank" zusammen).

Übrigens hat die Fed auch die Kreditlinien erneut verlängert, damit die beiden auch noch genügend Luft zum Überleben haben.

Marketwatch: Goldman, Morgan to become holding companies
FT: Alphaville: : The end of investment banking, as we know it
FAZ.NET:Ende der Investmentbanken an Wall Street

Update (15:12)

Weil ich es noch nicht geschrieben habe (deshalb habe ich es wohl auch vergessen zu schreiben), diese Entwicklung ist eindeutig positiv. Auch wenn sich dadurch nicht viel ändern wird.

Update (23:22):

Noch eine Info zusätzlich: Mit dem Status einer normalen Geschäftsbank müssten die beiden verbleibenden Investmentbanken übrigens auch unter den US-Einlagensicherungsfonds fallen. Wobei der eine Pleite der beiden nie im Leben auffangen kann ...

Sonntag, September 21, 2008

Felix Zulauf: Das Deleveraging wird dauern und es wird schmerzhaft

Kurzzusammenfassung der Interviews:

Die Krise wird lange dauern und sie wird sehr weg tun.

Deleveraging is a very painful process, and will run longer and deeper than anybody can imagine.
Und es ist ein globales Problem.
It started out in the U.S., but it is a global event
Die Regierungen weren Konjunkturprogramm nach Konjunkturprogramm auflegen und die Staatsverschuldung exorbitant steigern. Ein massiver Zinsanstieg wird folgen.
Government debt is going to rise dramatically over the next five to 10 years. [...] That will lead to rising long-term interest rates
Genug Doom. Der BaB könnte die Basis für einen mittelfristigen Boden an den Aktienmärkten sein.
This is probably the beginning of a medium-term bottom.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen in Europa werden tendenziell etwas größer sein, weil die Notenbanken zu spät reagieren. Langfristig wird sich Europa aber besser halten, weil Europa kaum im Ausland verschuldet ist und auch die europäischen Verbraucher nicht bis zur Halskrause verschuldet sind.
The U.S. economy goes flat for several year
Geldpolitik ist wirkungslos.
When you have a balance-sheet recession and everybody is deleveraging, monetary policy cannot do the trick.
Und jetzt wieder Doom:
I'm not interested in any longs in equities.
Gar keine Aktien? Da muss der Mensch von Barrons nochmal nachfragen, bis sich Zulauf ein paar konservative Aktien zum Kaufen vorstellen kann ... Von der Sorte Procter & Gamble Johnson & Johnson, etc.

Barron's: The Pain of Deleveraging Will Be Deep and Wide

Retten die 700 Mrd. das US-Finanzsystem?

Ich denke, dass das eine der entscheidenden Fragen bei der Beurteilung des BaBs.

Bei der Rettung geht es vor allem um den US-Immobilienmarkt und dabei vor allem um die Hypotheken. Es wird ja nicht der Immobilienbesitzer gerettet, sondern die Bank, die die Hypothek vergeben hat. Wenn der Hausbesitzer die Hypothek nicht bedienen kann, wird die Immobilie genauso gepfändet wie bisher auch. Der Teil des wirtschaftlichen Schadens, der beim (ehemaligen) Immobilienbesitzer anfällt, entsteht also weiterhin. Aber das nur am Rande.

Um zu entscheiden, ob die 700 Milliarden Dollar ausreichen, um das Finanzsystem zu stabilisieren, muss man erst einmal überlegen, wie hoch der Schaden bei den Hypotheken denn werden wird. Und das hängt natürlich ganz massiv von der Entwicklung der Immobilienpreise ab.

Nouriel Roubini schätzt, dass bei einem Preisrückgang der Immobilien um 20% etwa 20% der Hypotheken "unter Wasser" sein werden, also der Wert der Immobilie nicht mehr die volle Höhe der Hypothek absichert. Er schätzt das relativ linear weiter und erwartet bei 40% Preisverfall, dass etwa 40% der Hypotheken unter Wasser sind.

Bei einem Gesamtvolumen von gut 10 Billionen Dollar an Hypotheken entspricht das Rettungsvolumen von 700 Mrd. etwa 7%. Reichen diese 7% aus, um den Markt zu stabilisieren? Womöglich ja ...

Wenn man die "Unter-Wasser"-Linie linear fortführt, kommt man bei 10% Preisverlust auf 10% der Hypotheken, die unter Wasser sind. Die ungedeckte Summe beträgt dann im Durchschnitt 5%. 10% der Hypotheken entsprechen 1000 Mrd., 5% davon sind 50 Milliarden. Sinken jetzt die Preise weiter, sind die ersten 10% von oben nochmal 10% weniger wert, also 1000 Milliarden mal 10% macht 100 Mrd. Dazu kommen die 50 Mrd. aus dem ersten Schritt. Und ausserdem die durchschnittlichen 5% aus der zweiten Tranche, also nochmal 50 Mrd. Insgesamt also 50 + 100 + 50 = 200 Mrd. Dollar. Das kann man so weiterrechnen und man kommt dann bei 30% Wertverlust auf 450 Mrd., bei 40% Wertverlust auf 800 Mrd. Da ist jetzt keine finanzmathematisch korrekte Rechnung, als Überschlag ist das aber OK.

Bei 700 Mrd. Dollar Rettungsvolumen ist man also für einen Preisverfall von gut 35% gewappnet.

Meridith Whitney rechnet aber mit einem Preisverfall von 40 oder 45%: Meridith Whitney (Oppenheimer): US-Immobilienpreise fallen 45%.
Damit wäre man aber bereits in einer Größenordnung von etwa 1 Billionen angelangt, bei 50% Preisverfall würde sogar eine Deckungslücke von 1,2 Billionen Dollar entstehen.

Ich halte die 700 Mrd. Dollar also zwar für großzügig, kann mir aber auch ohne die Einnahme halluzogener Mittelchen vorstellen, dass selbst diese Summe nicht reicht.

Aber entscheidender dürfte sein, dass sich das Programm von Paulson auschließlich auf Hypotheken beschränkt.

Der US-Verbraucher (und auch die Wirtschaft und der Staat) sind bis zur Halskrause verschuldet. Zu den Hypothekenschulden kommen noch normale Verbraucherkredite, Autokredite und Kreditkartenschulden.

Willem Buiter schätzt, dass der Bailout für diese gesamten Schulden noch einmal so groß wird wie der jetzige Hypothekenbailout. Und auch nach einem solchen Bailout wären die Banken noch nicht gerettet, denn die Qualität der Vermögensgegenstände hätte sich zwar deutlich verbessert, das grundlegende Problem, der extrem hohe Hebel der Banken, wäre aber immer noch vorhanden. Daher schlägt Buiter eine Refinanzierung über den Tausch von Schulden gegen Eigenkapital vor. Erst danach hat das Finanzsystem wieder das, was man als die wzei wesentliche Voraussetzungen für Stabilität nennen muss: Einen vertretbaren Hebel und werthaltige Assets.

Willem Buiter: More and different, including a debt-for-equity swap for the financial sector

Morgan Stanley kurz vor Übernahme durch Wachovia

oder auch nicht ... Lehman war auch oft genug kurz vor der Übernahme durch alle möglichen (Schlagzeile im Effectenspiegel 5 Tage vor der Pleite: "Lehman begehrt". So kann man sich irren).

Der Deal mit Wachovia, die ich auch nicht unbedingt als stabilstes Institut im Kopf habe, soll so gehen: Wachovia verkauft im Rahmen des BaBs so viel Giftmüll wie möglich aus der Bilanz und kauft dann Morgan Stanley. Gleichzeitig soll auch der chinesische Staatsfonds CIC, der im Rahmen der Krise schon mit 9,9% bei Morgan Stanley eingestiegen ist, seinen Anteil deutlich erhöhen.

So zumindest das Gerücht, das Reuters bringt. Reuters bezieht sich dabei auf das Wall Street Journal. Dort kann ich die Nachricht aber nicht finden, von daher ist es halt nur ein Gerücht.

Zeitung: Treffen von Morgan-Stanley-Führung zu Wachovia-Fusion

Samstag, September 20, 2008

Der BaB (Bailout aller Bailouts) ist 700 Mrd Dollar schwer ...

Wie von mir schon vermutet, ist die "Neuordnung des Finanzsystems" nicht mehr als eine Neuauflage des Resolution Trust Corporation (RTC), den man schon aufgelegt hat als es galt, den Schrott in den Bilanzen zu tilgen, der damals zur Savings & Loan Krise Ende der achtziger Jahre führte.

Es geht um 700 Mrd. Dollar. So wahnsinnig viel neues ist nicht drin, deshalb verweise ich auf meinen Artikel von gestern.

Jetzt kommt der Bailouts aller Bailouts (Updates inside)

Ganz nebenbei wird die maximale Höhe der Schulden der USA mal wieder erhöht. Beim letzten Mal (ist noch nicht wirklich lange her) ging es von 9,8 auf 10,6 Billionen Dollar (Fannie-Freddie-Bailout abgesegnet) und dieses Mal geht es weiter auf 11,315 Billionen.

Wer den Text lesen will: Infectious Greed: Text of Paulson Plan (die 3 Billionen Erhöhung der Schuldengrenze stimmen IMHO nicht, da hat Kedrosky wohl ein paar zwischenzeitliche Erhöhungen verpasst. Kein Vorwurf, das wurde auch immer gut versteckt ...)

Die News:

FAZ: 700 Milliarden Dollar für Rettungsplan
FTD: Bush peilt höhere Schuldengrenze an
Marketwatch: Rescue plan takes shape on Capitol Hill

Ein paar Einschätzungen:

Weissgarnix.de: Paulsons Mortgage-Plan ist fertig
... (es werden noch mehr Einschätzungen hier eingefügt)

Meine Meinung (auch wenn ich noch keine wirkliche habe):

a) Auffällig, dass nur Institute mit Sitz in Amerika gerettet werden. Gut, das ist nachvollziehbar, aber was ist, wenn ein deutsches oder britisches Institut Pleite geht und über das Counterparty Risk ein amerikanisches mit in den Abgrund zieht? Oder gehen die USA davon aus, mit dem Gestzesentwurf eine Blaupause für alle anderen Länder mitgeliefert zu haben? So dass die anderen das Ami-Programm kopieren und den US-Giftmüll auch rauskaufen?
b) Bei Thema Counterparty Risk fallen mir auch direkt wieder die 600 Billionen OTC Derivate ein, die ja noch immer weiter ticken. Die 600 Billionen Dollar, die Warren Buffet mal "finanzielle Massenvernichtsungswaffen" genannt hat. Ich will nicht unken, aber das Verbot des Short Sellings hat diesen Markt ziemlich sicher nicht stabilisiert ...
c) Immerhin wird eine Zustimmung vom Kongress eingeholt ... Wenn auch nur proforma, denn was soll der schon machen ausser zustimmen?

Fällt euch sonst noch was auf? Ansonsten bis morgen ...

Update (21.9.08):

Zu Punkt a) Weissgarnix teilt meine Meinung, dass die USA mit dem BaB die Blaupause für alle anderen Länder geliefert haben. Er geht sogar noch weiter und vermutet, dass der BaB im Internationalen Währungsfonds aufgehängt wird. Könnte gut so kommen.
Weissgarnix: Müllhalde goes global

Zu Punkt b) Das Verbot des Shortsellings ist natürlich ein Desaster für die Hedgefonds. Und ich bleibe bei meiner Meinung, dass der Schuss gut nach hinten losgehen könnte. Wenn nämlich jetzt die Hedgefonds sich nicht mehr hedgen können, verlieren die natürlich zum Teil ihre Existenzberechtigung. Aber schlimmer: U.U. zerlegt die es einfach, weil die ihre hochkomplexen Produkte nicht mehr glattstellen können.
Zeitenwende.ch: Waterloo für die Hedge-Fonds-Industrie

Ein Nachtrag zum Lehman Verkauf

a) Der Erlös wird noch geringer als ursprünglich geplant. Es geht jetzt nur noch um 1,35 Mrd Dollar für das Kerngeschäft von Lehman. Das könnte das Schnäppchen des Lebens für Barclays gewesen sein.

b) Lehman wird laut SIPC endgültig abgewickelt. Auch wenn das nicht so überraschend kommt, klar war das bisher noch nicht.

The Big Picture: SIPC: Lehman To Be Liquidated

Sind die ganzen US-Rettungsaktionen illegal?

Ich habe es schon einmal flappsig in einem Nebensatz angemerkt, aber ich bin der einzige, der das Gefühl hat, dass der Kongress und der Senat in der ganzen Finanzkrise überhaupt nichts mehr zu melden haben? Es wird doch immer alles zwischen Paulson, Bernanke (Fed) und SEC ausgehandelt. Und die Hälfte der Leute, die dort an den Tischen sitzen, kommen von Goldman Sachs. Wer hat das Geld für die Rettungsaktionen im Haushalt überhaupt bereitgestellt? Soll das noch Demokratie sein?

Und nicht nur im Hinblick auf eine demokratische Legitimierung sind die Aktionen sehr umstritten (wobei "umstritten" eigentlich nicht stimmt, denn die Medien berichten über das Thema so gut wie gar nicht). Auch die Gesetze erlauben einige der Aktionen schlicht nicht. Im Rahmen der Rettungsaktion von Fannie und Freddie kamen schon Fragen auf, ob die Fed überhaupt Anteile an den Firmen übernehmen darf. Und die Frage stellt sich bei der AIG natürlich erneut. Die Antwort ist leider ziemlich eindeutig: Die Fed darf es nicht. Es ist nicht ihr Job und es gibt auch kein Regelwerk für solche Rettungen.

Die Erklärung ist natürlich einfach: Man will den Zusammenbruch verhindern. Es gibt kein Zeitfenster für demokratische Entscheidungsfindung. Man hat keine Zeit für solche Gedanken. Aber für solche Zeiten, in denen bestimmte langwierige Prozesse außer Kraft gesetzt werden müssen, hat man früher den nationalen Notstand ausgerufen. Dann durfte die Armee im Inneren helfen, man durfte lustig rasterfahnden, abhören, etc.

OK, wenn man die aktuelle Lage mit dem Notstand aus den 70er vergleicht, haben wir heute eh einen permanenten Al-Kaida-Notstand. Und den Mumm, den nationalen Notstand auszurufen, hat man natürlich nicht. Weder in Hinsicht auf den Terrorismus noch auf die Finanzkrise ... Spätestens bei der Finanzkrise wäre das auch die öffentliche Bankrotterklärung. Und das kann sich die von Auslandsgeldern so abhängige USA nicht erlauben ...

Paulson: Congress Has No Authority Here

Update (22.9.08):

Ich habe noch ein Update zum Rettungsplan, nachdem ich über das Wochenende die Details zusammengesucht habe. Das ganze ist noch abgebrühter und noch undemokratischer als befürchtet ... Es wird explizit die Überprüfung durch Gerichte ausgeschlossen. Das ist wie Guantanamo in der Finanzbranche! Nur dass es nicht einmal eine "Sondergerichtsbarkeit" gibt.

Meine Meinung zum Rettungspaket: Gut, gut, richtig schlecht, totaler Mist

US-Bankenpleite Nr. 12: Ameribank

Ich wollte schon sagen ... Ist denn gar nichts los dieses Wochenende? OK, die Fed hatte ja ein ruhiges und sonniges Herbstwochenende garantiert, aber ein wenig langweilig ist das schon. Dabei hat uns Hank doch die die Neuordnung des Finanzsystems angekündigt.

Pleite Nr. 12 im Jahr 2008 ist eigentlich langweilig, vor allem wenn es so eine Klitsche ist ...

Name: Ameribank
Sitz: Welch, West Virginia
Assets: 115 Mio. Dollar (also ziemlich klein)

In der Todesliste Nr.1 finde ich die Bank nicht, in der Todesliste Nr. steht die Bank aber direkt auf Platz 2 ...

Marketwatch: Ameribank folds, 12th bank closure this year
Creditwritedowns.com: Ameribank: the latest FDIC bankruptcy takeover


Microsoft: Email geht, Video nicht

Wie Blogging Tom berichtet, kann man an die im neuen Microsoft-Spot eingeblendeten Email was schicken und bekommt sogar eine Antwort.

Microsofts “I’m a PC”-Mann antwortet

Toll! EMail kann Microsoft also.

Das Video für die Kampagne, meldet BoingBoing, ist aber auf einem Mac entstanden.

Tja, da ist der Beweis: Microsoft ist nicht cool. Email geht, Video nicht

Microsoft’s “I’m a PC” Ads - made on a Mac

Update (22.9.08):

Das soll natürlich selbstironisch sein, aber irgendwie kommt der Humor bei mir genauso wenig an wie der Humor der Seinfeld-Kampagne ...



Ich habe echt Angst vor dem ... Nee, ich bleib da lieber bei meinem Rollkragen-Pulli-Computer. Irgendwie erscheint der mir gesitteter und sozialer zu sein als dieser Ballmer, in dessen Genen vor wenigen Generationen scheinbar noch mal ein Schuss Gorilla eingearbeitet wurde ...

McCain: Our Economy's "Fundamentals are Strong"



Hat Tip: Zeitenwende.ch: John McCain reloaded

nicht so superlustig, aber passt gerade ...

Shortselling auch in Deutschland verboten ...

Wer noch den Beweise dafür suchte, dass die Idee Shortselling zu verbieten schlecht ist, hat ihn jetzt: Die BaFin macht auch mit.


OK, Häme beiseite: Das ging überraschend schnell. Eigentlich rechneten die meisten damit, dass sich in der Welt erst herumsprechen muss, dass man deutsche Finanzwerte noch shorten kann, sich die ganze Welt dann darauf konzentriert, die deutschen Finanzwerte komplett einbrechen und die BaFin erst dann reagiert.

Die Diskussion, ob das richtig ist oder nicht, werde ich zwar verfolgen. Aber im internationalen Rahmen völlig überflüssig. Nachdem Short Selling in London und New York (und Moskau) verboten ist, muss man mitmachen, um die oben skizzierte Gefahr zu vermeiden. Ich habe es noch nicht nachgeschaut, aber erwartet demnächst das Verbot des Short Sellings auch in Amsterdam, Paris, Mailand, Zürich, Tokio, ...

FAZ: Bafin verbietet Leerverkäufe
Trader's Quest: Jetzt auch in Deutschland kein Short Selling mehr

Update (11:42)

Der Bankenverband begrüßt die Entscheidung natürlich. Aber der würde auch ein Verbot sinkender Kurse begrüßen ...

FTD: Banken erfreut über BaFin-Schutzschild

Update (11:58)

Wollte ich schon länger verlinken. Keine Einleitung; die Überschrift sagt alles.

FTD: Loblied auf die Leerverkäufer

Freitag, September 19, 2008

AIG Bailout: Die Aktionäre wollen nicht enteignet werden

Hmm hmm hmm.

Es gab viel Kritik, an der Fast-Komplett-Verstaatlichung von AIG. Viel zu großer Bailout. Viel zu viele Steuergelder. Etc. pp.

Ich sah (und sehe) das anders:

Der Zinssatz beträgt LIBOR + 850 Basispunkte also plus 8,5%(!). Das ist richtig viel und die Fed macht damit genau das, was Bronte Capital (Link in meinem Artikel von gestern) als Idee für einen Private Equity Investor vorgeschlagen hat: Man gebe der AIG viel Geld, nehme einen hohen Zins dafür, besorge sich dafür im Gegenzug eine Mehrheit am Eigenkapital und warte dann in Ruhe ab, wie das Kerngeschäft genug Geld einbringt. Damit tilgt man die Schulden und baut möglichst schnell das Risiko in den schlechten Geschäftsbereichen ab.

Das ist eine sehr clevere Lösung und es besteht aus meiner Sicht eine sehr gute Chance, dass man mit dieser Lösung die AIG stabilisiert und am Ende der Steuerzahler nicht einmal viel Geld zusteuern muss. Unter Umständen sogar gar keins. Wobei das Risiko in den schlechten Geschäftsbereichen schon hoch ist und das durchaus viel Geld kosten kann. Aber mir fällt keine Methode ein, den Laden cleverer zu retten.
Quelle:Komplett Bailout für AIG

Und was kommt heute für eine Meldung (aus der Gerüchteküche allerdings):

AIG Aktionäre sind so unzufrieden mit dem Deal, dass sie jetzt selber versuchen wollen, AIG einen Kredit zu besorgen. Die Aktionäre würden durch den Deal immerhin 80% der Anteile verlieren. Wie ich schon mal gesagt habe: Zu den Konditionen würde ich denen auch Geld leihen.

Es ist natürlich völlig unklar, ob jemand in diesem Kapitalmarktumfeld soviel Geld besorgen kann. Aber eine verdammt spannende Entwicklung ist das allemal!

WSJ: AIG Holders Push to Pay Off Loan

Jetzt kommt der Bailouts aller Bailouts (Updates inside)

Den Begriff "Mutter aller Bailouts" hatte ich schon bei der Verstaatlichung von Fannie und Freddie benutzt. Daher muss ich mir einen noch größeren Begriff ausdenken ...

Gestern Abend amerikanischer Zeit haben US-Finanzminister Hank Paulson und Fed-Chef Ben Bernanke Pläne verkündet, über eine massive Rettungsaktion für die Unmengen von faulen Krediten nachzdenken. Eine Institution, die einfach den Banken und Versicherungen den ganzen Mist (bzw. hinreichend viel) aus den Bilanzen abkauft. Details sind noch unklar, aber es

So etwas gab es schon einige Male, zuletzt bei der Savings & Loan Krise Ende der 80er Jahre. Damals wurde eine Resolution Trust Corporation (RTC) gegründet, die für die Stabilisierung der Sparkassen sorgte. Damals ging es auch um eine Riesensumme, am Ende war es aber für de Steuerzahler vergleichsweise preiswert.

FT Alphaville: Push for crisis breakthrough

Als erster in die Diskussion geworfen hat den Bailout aller Bailouts (ab jetzt BaB) der ehemalige IWF Chefökonom Kenneth Rogoff, der auch als erster gewagt hat zu sagen, was vorher nur durch konspirative Kreise in der Blogosphäre waberte: Fannie Mae und Freddie Mac sind Pleite und müssen verstaatlicht werden.

Kenneth Rogoff meint, dass es ohne den BaB am Ende eh das gleiche Ergebnis geben wird: Der Staat wird ein Finanzinstitut nach dem nächsten kaufen müssen und hat der Giftmüll dann in den eigenen Büchern stehen. Da kann man besser den Banken heute den Giftmüll abkaufen, aber dann ein für alle Male Ruhe haben. Taktisch noch wichtiger: Der Staat hält das Heft des Handels in der Hand. Der Staat agiert wieder und reagiert nicht nur. Psychologisch vielleicht ebenso wichtig: Man nimmt den Shortsellern die Möglichkeit, relativ risikolos Geld zu verdienen.

Der Originalartikel von Kenneth Rogoff:

FT.com: America will need a $1,000bn bail-out

Wer's lieber auf Deutsch mag: Bei Weissgarnix.de gibt es die entscheidenden Stellen auf Deutsch (mit etwas Einschätzung garniert):

Weissgarnix.de: Wenn schon Bailout, dann nicht kleckern, sondern klotzen!

Ich könnte mir auch vorstellen, das Problem ganz unten im Immobilienmarkt zu lösen, wod ie Krise auch begann und wo IMHO auch entschieden wird, wie groß die Krise noch wird. Sinken die Preise 30%, könnte das Finanzsystem in der jetzigen Struktur in etwa überleben. Sinken die Preise aber um 40% oder mehr, wird es auch stabilste Organisationen zu Fall bringen.

Am Immobilienmarkt muss man die Nachfrage und damit die Preise stabilisieren. Zum Beispiel über zinsgünstige Kredite, was durch die schon verstaatlichten Fannie Mae und Freddie Mac einfach wäre. Dann haben die Banken wieder eine Kalkulationsbasis für die ganzen mit Hypotheken besicherten Anleihen und müssen keine Angst mehr haben, dass nach 15 oder 20% Minus nochmal ein Minus in gleicher Höhe dazu kommt.

Der Vorteil: Eine solche Lösung würde wahrscheinlich wesentlich billiger als der Kauf des Giftmülls. Außerdem gibt es dabei weniger Moral Hazard. Man rettet diejenigen, die halbwegs sauber kalkuliert und investiert haben, die Wahnsinnigen würden aber weiter ins Gras beißen.

Das Problem an meinem Vorschlag: Es wirkt nicht sofort, sondern nur indirekt und daher verzögert.

Aber was klar ist: Mit so kleinen Kleckeraktionen wie den 150 Mrd. Steuerschecks von Bush, die *wahllos* mit der Gießkanne über die Haushalte gegossen werden, erreicht man nix. Und den Mist haben damals wirklich ernsthaft einige Kommentatoren gelobt.

Ich aber nicht: FTD.de: Top-Ökonomen loben US-Rettungspaket

Update (10:49):

Ich weiss nicht, ob Donalphonso den BaB schon kannte, wenn nicht, hat er ihn perfekt vorhergesehen. In einem HERRLICHEN Artikel:

Rebellmarkt: Endlich! Die Weltrevolution ist da!

Update (11:30):

Die News zum Mega-Rettungsfonds beim Handelsblatt:

Handelsblatt: US-Regierung plant riesige Auffanggesellschaft


Update (12:05):

Lesenswerter Artikel in der FTD:

FTD: Wie der Mega-Rettungsplan für die Finanzwelt funktionieren könnte

Update (13:18):

Ruf nach einem neuen RTC von Nicholas F. Brady, Eugene A. Ludwig und Paul A. Volcker:

WSJ: Resurrect the Resolution Trust Corp.

Zeit für Krisenkabarett: Becker und Jünemann

Zwei Minuten durchschnaufen. Und ein wenig lächeln.

"Kreditanstalt für Wertvernichtung"

"Der kleine Mann spürt voll Empörung die pekuniäre Störung."

WDR 2 Kabarett: Becker/Jünemann

SEC verbietet Short Selling auf Finanzaktien komplett

Also nicht nur Naked Shortselling, sondern auch das normale. Das Short Selling wird für 799 Aktien aus der Finanzbranche verboten. Natürlich nur vorübergehend, aber immerhin. In Großbritannien wurde ähnliches beschlossen.

Bloomberg: Short-Selling Crackdown Extends to New York, London (Update3)
Marketwatch:SEC halts short selling in 799 financial institutions

Wuha.

(ich bin schon ein Markettimer vor dem Herrn. Am letzten Freitag gehe ich mit meinem Spielgeld long in Lehman und bin damit wahrscheinlich genau in der einen Bank investiert, die Pleite geht. Und danach kaufe ich einen Put und prompt gibt es ein komplettes Verbot von Short Selling und den Bailout aller Bailouts. Grrr.)

Update (12:08):

Ein paar Meinungen zum Thema Short-Verbot:

Zeitenwende.ch: Lügengeschichten
Zeitenwende.cg: Hurra, kein Shorten mehr, nirgends!
Traders Quest: Glaubst Du wirklich, es existiert ein freier Markt?
The Big Picture: SEC: Ban All Short Selling

Über die Gefahren des Verbots:
Bronte Capital: SEC tries to bankrupt Wall Street

Übrigens verbieten auch die Russen Short Selling. Früher wäre das eine Steilvorlage für einen (schlechten) Witz gewesen. Aber die Zeiten ändern sich ...
FT Alphaville: Russia bans short-selling, pledges $20bn boost

Update (13:01)

Und mal was Lustiges. Shorten darf man auch nicht mehr Lehman und Silver State (war da nicht was) und ein paar lustige Buchstabendreher im Tickerkürzel, mit deren Hilfe sich dann ein Biotechwert und eine nigerianische Aktie auf die Liste geschafft haben

  • Some SEC dyslexic likely meant MPB, which is Mid Penn Bancorp, and they blocked shorting of MBP instead, which is Metabolic Pharmaceuticals.
  • Lehman is on the list, which is hugely reassuring given its current bankruptcy status.
  • The SEC is blocking shorting of NAHC, which is Nigerian Aviation Holding Company. Damn Nigerians. It's not enough they have all the best scams; they get shorts blocked too.
  • Silver State Bancorp is on the list. Recall, it's a failed bank already seized by the FDIC.


Infectious Greed: Details on the SEC's New No-Shorting Rule

Update (18:36):

Noch eine letzte Meinung:

FT Alphaville:Does the FSA know what it’s doing?

Der Bailout aller Bailouts: Teil 2 - Der Geldmarkt

Als Update zu meinem Hinweis von gestern (Das Vertrauen ist komplett weg ... Selbst bei Geldmarktfonds), springt die Fed jetzt auch bei Geldmarktfonds ein, denn selbst da ist das Vertrauen dermaßen im Eimer, dass dort Milliarden abgezogen werden. Wahrscheinlich heben die Leute das Geld auch direkt sicherheitshalber ab, man weiss ja nie.

Die Nachricht: Das US-Finanzministerium versichert jetzt alle Geldmarktfonds (die mitmachen) so, dass der Wert nicht unter 1 Dollar fallen kann. Also der Buck nicht gebreakt wird ...

In Geldmarktfonds sind in den USA 3,5 Billionen Dollar investiert. Wobei nicht ganz klar ist, wie viel davon in "Public offered" Fonds steckt, denn nur die werden versichert. Dafür wird ein Fonds mit einem Maximalvolumen von 50 Milliarden Dollar geschaffen.

Ist alles schon durch und beschlossen. In Zeiten wie diesen müssen die Organe der Demokratie offenbar nur noch ihre Aufgabe erfüllen, pro Tag ein paar Minuten Sendezeit in den Hauptnachrichten zu füllen ...

Marketwatch: Treasury will insure public offered money funds

USAAA

Eine 10-Jahres-Kreditausfallversicherung für US-Staatsanleihen kostet aktuell 26 Basispunkte (pro Jahr), bei deutschen Staatsanleihen 13,2. Bei 5 Jahren Laufzeit kostet die US-Version 21,5, die deutsche 13,2 9,8.

Das ist historisch! Bisher waren die Versicherungen für Triple-A-Staatsanleihen von Deutschland und den USA immer gleich teuer und nun entsteht zum ersten Mal ein signifikanter Unterschied.

Es rechnen jetzt aber durchaus schon einige Marktteilnehmer mit einem Zahlungsausfall der USA und sind bereit für diesen Fall eine Versicherung abzuschließen. Wobei ich mich ernsthaft frage, wer in diesem Fall (die USA(!) machen Pleite) noch da ist, um die Versicherung zu begleichen ...

Ten-year credit default swaps, or CDS, on Treasury debt widened three basis points to 26 basis points, according to data from CMA DataVision. This means it costs $26,000 per year to insure $10-million of U.S. Treasury debt against default.

Five-year credit default swaps on Treasury debt were steady at 21.5 basis points. That compares to 9.8 basis points on German five-year CDS and 13.2 basis points on German 10-year CDS, CMA said.


Pressure building on U.S. debt rating: S&P

FT Alphaville: USAAA: “No God-given gift”

Donnerstag, September 18, 2008

Das Vertrauen ist komplett weg ... Selbst bei Geldmarktfonds

... und Vertrauen ist die Basis für jedes Geschäft im Finanzwesen.

Vertrauen in Geld heisst darauf zu vertrauen, dass ich mich für das Blatt Papier mit Aufdruck was Schönes kaufen kann.

Vertrauen in die Bank heisst darauf zu vertrauen, dass ich das Geld, das ich dort hinbringe auch wieder bekomme.

Vertrauen bei Options- und Futuresgeschäften heisst darauf zu vertrauen, dass die Gegenseite das Geschäft auch erfüllt (einer liefert und der andere bezahlt)

Und jetzt fängt alles an zu wackeln.

Nachdem sich bereits gestern ein Geldmarktfonds, eigentlich das sicherste der Welt, aufgelöst hat, droht das gleich heute beim nächsten. Gestern schaffte es der 65 Mrd. Dollar schwere Reserve Primary Fund unter einen Dollar zu sinken. Heute erwischt es den Putnam Prime Money Fonds (auch wenn der noch genau bei einem Dollar steht). Beide Fonds werden jetzt aufgelöst; auch weil ein Geldmarktfonds, der unter den Nennwert fällt, seine Funktion als sicherer Parkplatz verliert. Schöner Begriff dafür: Breaking the Buck.

Den Fondsmanagern zufolge sind beide Fonds unter Druck geraten, weil die Anleger zunehmend Geld abgezogen haben. Die Fonds mussten Anlagen verkaufen und das setzte die Notierungen unter Druck. Nun versucht die Fondsgesellschaft mit der Auflösung, diese Abwärtsspirale zu unterbrechen.

Man beachte: Dieses Risiko sehen die Fondsmanager schon bei der Auflösung eines Fonds. Aber in Geldmarktfonds stecken weltweit Fantastilliarden. Sollten die alle unter Druck kommen ...

Das Ganze zeigt exemplarisch, dass die Anleger (auch die großen, institutionellen Anleger; der Putnam Fonds war nur ab 10 Mio. zugänglich) kein Vertrauen mehr ins Nichts haben ...

FT Alphaville: Wednesday catastrophe: breaking the buck
FT Alphaville: More trouble for money market mutuals

In diese Linie passt auch noch eine andere Nachricht:

FTD: Ölfirmen schränken Handel mit Banken ein

Mit Banken ist im speziellen Morgan Stanley gemeint, einem der größten Spieler auf den Energiemärkten. Die Ölgesellschaften scheuen jetzt davor zurück, ihr Öl auf Termin zu verkaufen, weil sie nicht mehr sicher sind, dass die Gegenseite die Verpflichtungen aus dem Geschäft noch erfüllen kann.

Tja, und da musste für einen neuen Schuss Vertrauen ein richtig positiver Börsentag her. Und -wie durch ein Wunder- kommt der dann auch. Dem Plunge Protection Team sei Dank.

Update (19.9.08):

Der Putnam Geldmarkt Fonds ist übrigens 12 Milliarden Dollar schwer.
FT Alphaville: Putnam closes $12bn MM fund

Die 10 größten Pleiten der US Geschichte ...

10. United Airlines
25,2 Milliarden Dollar, Dez. 2002

9. Pacific Gas and Electric
29,8 Milliarden Dollar; April 2001

8. Global Crossing
30,2 Milliarden Dollar; Jan 2002

7. Refco
33,3 Milliarden Dollar; Okt. 2005

6. Financial Corp. of America
33,9 Milliarden Dollar; Sept. 1988

5. Texaco
35,9 Milliarden Dollar; April 1987

4. Conseco
61,4 Milliarden Dollar; Dez. 2002

3. Enron
63,4 Milliarden Dollar; Dez. 2001

2. Worldcom
103,9 Milliarden Dollar; Juli 2002

1. Lehman Brothers
639 Milliarden Dollar; Sept. 2008

Wow. 6-Mal so groß wie Worldcom und 10 Mal so groß wie Enron. Und Enron hat schon Schockwellen produziert ...

frech geklaut hier: The 10 Biggest Chapter 11 Bankruptcies In US History

VW mitten in der Krise von 200 auf 300 in drei Tagen

Wow!

Da prügeln sich nach dem Eklat von letztem Freitag mit dem Piech-Nein wohl zwei Parteien (Porsche und Ferdinand Piech) um die letzten Anteile ...

Sollte sich Piech mit Niedersachsen zusammen tun, kommt er schnell an einen signifikanten Stimmrechtsanteil. Vielleicht hat er auch noch genügend Rückhalt in Teilen der Familie.

Piech will ja bekanntlich Porsche Wiedeking loswerden. Nicht weil der unfähig ist, sondern angeblich weil er zu viel Macht habe. Wiedeking wird immer wieder nachgesagt, dass er die Modelle bei Audi/VW, die Porsche nicht in den Kram passen, einstellen will. Unter anderem auch Piechs Lieblingskind den Phaeton.

Naja, ein Wirtschaftskrimi, bei dem wir als Außenstehende leider nur (fast) leere Seiten vor uns haben.

FTD: VW-Aktie legt 27 Prozent zu

Die Bewertung von VW ist auf jeden Fall lustig: VW ist bei einem Kurs von 300 Euro mehr wert als Daimler, BMW, Fiat, Peugeot-Citroen und Renault ZUSAMMEN.

Update (23:23)

Zum Eklat der letzte Woche noch ein Link:

Spiegel: Porsche-Clan will Piëch als VW-Aufsichtsratschef ablösen

Update (19.9.09)

Und jetzt ist der Streit in der Politik angekommen. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und Herzog von Zuffenhausen Oettinger ist ganz plötzlich für die Abschaffung des VW Gesetzes. Wenn da mal nicht jemand von Porsche bei der Meinungsänderung nachgeholfen hat ...

Reuters: Oettinger versucht Länder gegen VW-Gesetz zu mobilisieren

Australische Macquarie Bank wackelt auch

OK, ist eigentlich nicht so spannend, wenn noch eine Bank wackelt, aber wenn man schon vor mehr als einem Jahr darauf hingewiesen hat, dass Macquarie kritisch ist, muss ich das quasi machen ... Ein bisschen Eigenlob sei erlaubt.

Ist der erste Hedge-Fonds, der fällt, eine Bank?

Zugegeben, es ist nicht die erste Bank, die fällt. Aber falls Macquarie fallen sollte, wäre das nicht so überraschend. Das ganze Konstrukt aus Bank und vielen ausgelagerten Fonds, die dann die einzelnen Investments enthalten, erinnerte mich schon immer stark an die IKB mit ihren Special Investment Vehicles (SIV).

Die Aktie ist heute morgen in Australien 25% gefallen, in Frankfurt ist das Minus auf etwa 15% geschrumpft.

Man muss zu Macquarie sagen, dass die Bilanz eigentlich gut aussieht. Aber auch bei Lehman stand in der Bilanz ein Eigenkapital von 27 Milliarden, wo nach den ersten Prognosen nach der Pleite auf einmal eher minus 100 Milliarden hätten stehen müssen. Macquarie hat eine gute Liquidität von 20 Milliarden Austral-Dollar. Das Eigenkapital sieht gut aus. Etc. pp.

Problematisch sind aber zwei Dinge:

Aus den Fondsgeschäft (man beachte die Liste in meinem alten Artikel, s.o.) und dem Investmentbanking kommen etwa 80% der Gewinne. Beide Bereiche dürften lange Zeit unter Druck bleiben. Daher dürften die Gewinne von Macquarie in Zukunft deutlich sinken.

Noch wichtiger: Macquarie muss etwa 73 Milliarden AUD innerhalb des nächsten Jahres refinanzieren. Und das scheint bei den aktuellen Marktbedingungen verdammt schwierig zu sein. Die Credit Default Swaps für Macquarie sind schon extrem gesprungen. Um eine Anleihe von Macquarie gegen den Zahlungsausfall zu versichern, muss man heute am Donnerstag 900 Basispunkte bezahlen. Gestern war es noch 630, vorgestern 600 und am Montag "nur" 525.

Der Markt sieht auf jeden Fall gewisse Risiken ...

FAZ.NET: Finanzkrise hat Macquarie endgültig erreicht


Update (19.9.08):

Noch 'ne Meinung:

FT Alphaville: Macquarie’s punch-up Down Under

Besser ist das ... Microsoft Seinfeld Kampagne am Ende

Sonst kauft auch das nächste Windows keiner (freiwillig).

Heise.de: Microsoft stoppt die Produktion von Werbespots mit Jerry Seinfeld

Wen die alte Kampagne (und mein Senf) interessiert: Es ist ja so leicht über Microsoft zu lästern ...

Die neue Kampagne steht jetzt unter dem Motto: Life Without Walls.

Hmmm Hmmm Hmmm.

But who needs Windows in a world without walls?

Ob der Slogan mal nicht nach hinten los geht?

(Das ist doch ein Klassiker in den Signatures: Who needs Gates in a world without fences)

Update (18:00)

Seinfeld ist nicht endgültig gecancelt, sondern nur temporär. Man wird's sehen.

Gizmodo: Microsoft Ads Featuring Bill Gates and Jerry Seinfeld Not Canceled

Update (19.9.08)

Der neue Microsoft Spot. Ist ganz OK. Wenn die aber jemand sieht, der die Mac-Werbung nicht kennt, ist der wahrscheinlich genauso hilflos und verwirrt wie bei den Seinfeld Spots.

AIG beeinfusst auch Rohstoff-ETFs - Handel eingestellt

Eine interessante Randnotiz für alle die meinen, man könne ein größeres Haus an der Wall Street Pleitegehen lassen und das Risiko überschauen ..

Die London Stock Exchange (und die deutschen Börsen) haben gestern den Handel in einigen Rohstoff-ETF (Exchange Traded Funds) eingestellt. Der Grund war die Unsicherheit über die AIG und die Gültigkeit gewisser Versicherungsgeschäfte, die mit der AIG abgeschlossen wurden.

Da bildet sich der Anleger ein, dass er Rohstoffe gekauft hat, und hat im Endeffekt (zumindest teilweise) ein Geschäft mit einer Versicherung abgeschlossen. Und kein Kupfer gekauft. Oder Kaffee. Besonders dumm, dass der Anleger die Rohstoffe möglicherweise aus Absicherungsgründen gekauft hat ... Und jetzt genau unter dem Ereignis leidet, gegen dass er sich absichern wollte.

Wenn ich es richtig sehe, sind alle folgenden Papier betroffen:

OD7U ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGA DE000A0KRKB8 A0KRKB
OD7V ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGC DE000A0KRKC6 A0KRKC
OD7W ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGE DE000A0KRKD4 A0KRKD
OD7Y ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGG DE000A0KRKF9 A0KRKF
OD7Z ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGI DE000A0KRKG7 A0KRKG
OD71 ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGL DE000A0KRKH5 A0KRKH
OD72 ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGO DE000A0KRKJ1 A0KRKJ
OD73 ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGP DE000A0KRKK9 A0KRKK
OD74 ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGS DE000A0KRKL7 A0KRKL
OD7X ETFS COM.SEC.DZ06/UN.AIGX DE000A0KRKE2 A0KRKE
OD7A ETFS COM.SEC.DZ06/UN.ALUM DE000A0KRJS4 A0KRJS
OD7H ETFS COM.SEC.DZ06/UN.BULL DE000A0KRJZ9 A0KRJZ
OD7K ETFS COM.SEC.DZ06/UN.CATL DE000A0KRJ28 A0KRJ2
OD7B ETFS COM.SEC.DZ06/UN.COFF DE000A0KRJT2 A0KRJT
OD7C ETFS COM.SEC.DZ06/UN.COPA DE000A0KRJU0 A0KRJU
OD7D ETFS COM.SEC.DZ06/UN.CORN DE000A0KRJV8 A0KRJV
OD7E ETFS COM.SEC.DZ06/UN.COTN DE000A0KRJW6 A0KRJW
OD7F ETFS COM.SEC.DZ06/UN.CRUD DE000A0KRJX4 A0KRJX
OD7I ETFS COM.SEC.DZ06/UN.HEAT DE000A0KRJ02 A0KRJ0
OD7J ETFS COM.SEC.DZ06/UN.HOGS DE000A0KRJ10 A0KRJ1
OD7L ETFS COM.SEC.DZ06/UN.NGAS DE000A0KRJ36 A0KRJ3
OD7M ETFS COM.SEC.DZ06/UN.NICK DE000A0KRJ44 A0KRJ4
OD7N ETFS COM.SEC.DZ06/UN.SLVR DE000A0KRJ51 A0KRJ5
OD7Q ETFS COM.SEC.DZ06/UN.SOYB DE000A0KRJ77 A0KRJ7
OD7P ETFS COM.SEC.DZ06/UN.SOYO DE000A0KRJ69 A0KRJ6
OD7R ETFS COM.SEC.DZ06/UN.SUGA DE000A0KRJ85 A0KRJ8
OD7G ETFS COM.SEC.DZ06/UN.UGAS DE000A0KRJY2 A0KRJY
OD7S ETFS COM.SEC.DZ06/UN.WEAT DE000A0KRJ93 A0KRJ9
OD7T ETFS COM.SEC.DZ06/UN.ZINC DE000A0KRKA0 A0KRKA
9GAQ ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIG DE000A0SVYC2 A0SVYC
9GAP ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVYB4 A0SVYB
9GAH ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX59 A0SVX5
9GAL ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX83 A0SVX8
9GAN ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVYA6 A0SVYA
9GAG ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX42 A0SVX4
9GAJ ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX67 A0SVX6
9GAK ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX75 A0SVX7
9GAF ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX34 A0SVX3
9GAM ETFS COM.SEC.DZ07/UN.AIGC DE000A0SVX91 A0SVX9
9GAS ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGA DE000A0V9XH7 A0V9XH
4RTR ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGA DE000A0V9YG7 A0V9YG
9GAZ ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XQ8 A0V9XQ
4RTB ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X25 A0V9X2
4RTD ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X41 A0V9X4
4RUC ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y32 A0V9Y3
4RTP ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YE2 A0V9YE
4RUL ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9ZB5 A0V9ZB
4RTU ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YK9 A0V9YK
9GAX ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XN5 A0V9XN
4RTL ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YB8 A0V9YB
4RTG ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X74 A0V9X7
9GA9 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X09 A0V9X0
4RTA ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X17 A0V9X1
4RTZ ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YQ6 A0V9YQ
4RTX ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YN3 A0V9YN
4RUG ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y73 A0V9Y7
4RUM ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9ZC3 A0V9ZC
4RTQ ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YF9 A0V9YF
4RT7 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YY0 A0V9YY
9GA2 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XT2 A0V9XT
4RUP ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9ZE9 A0V9ZE
9GAU ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XK1 A0V9XK
9GA5 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XW6 A0V9XW
4RT9 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y08 A0V9Y0
9GA7 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XY2 A0V9XY
4RT5 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YW4 A0V9YW
4RTM ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YC6 A0V9YC
4RTK ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YA0 A0V9YA
4RUA ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y16 A0V9Y1
4RUF ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y65 A0V9Y6
4RT0 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YR4 A0V9YR
4RUJ ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y99 A0V9Y9
4RTJ ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X90 A0V9X9
9GA6 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XX4 A0V9XX
9GA0 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XR6 A0V9XR
9GA4 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XV8 A0V9XV
4RT8 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YZ7 A0V9YZ
4RTE ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X58 A0V9X5
9GA8 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XZ9 A0V9XZ
4RTW ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YM5 A0V9YM
4RTC ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X33 A0V9X3
4RT2 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YT0 A0V9YT
4RUE ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y57 A0V9Y5
4RT3 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YU8 A0V9YU
4RUN ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9ZD1 A0V9ZD
9GAT ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XJ3 A0V9XJ
4RUB ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y24 A0V9Y2
4RT4 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YV6 A0V9YV
4RT1 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YS2 A0V9YS
4RTV ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YL7 A0V9YL
9GAY ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XP0 A0V9XP
4RUH ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y81 A0V9Y8
9GAW ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XM7 A0V9XM
4RT6 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YX2 A0V9YX
4RTF ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X66 A0V9X6
4RUK ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9ZA7 A0V9ZA
4RTN ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YD4 A0V9YD
4RTT ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YJ1 A0V9YJ
9GA1 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XS4 A0V9XS
9GAV ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XL9 A0V9XL
4RTH ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9X82 A0V9X8
4RTS ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YH5 A0V9YH
9GA3 ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9XU0 A0V9XU
4RTY ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9YP8 A0V9YP
4RUD ETFS COM.SEC.DZ08/UN.AIGC DE000A0V9Y40 A0V9Y4
VZLE ETFS MET.SEC.DZ07/UN.BSKT DE000A0N62H8 A0N62H
VZLC ETFS MET.SEC.DZ07/UN.XAG DE000A0N62F2 A0N62F
VZLD ETFS MET.SEC.DZ07/UN.XAU DE000A0N62G0 A0N62G
VZLB ETFS MET.SEC.DZ07/UN.XPD DE000A0N62E5 A0N62E
VZLA ETFS MET.SEC.DZ07/UN.YPT DE000A0N62D7 A0N62D
OESA ETFS OIL SEC DZ06/UN.OILB DE000A0KRKM5 A0KRKM
OESB ETFS OIL SEC DZ06/UN.OILW DE000A0KRKN3 A0KRKN


FT.COM:AIG fears lead to commodities sell-off

Die Nachricht des Emittenten der ETF (genauer eigentlich ETC):

Commodity Securities and AIG - Update

Es kann jetzt sein, dass die ETCs auf physisches Gold und Silber und auch auf Öl nicht betroffen sind, weil die Gegenseite nicht die AIG ist (sondern beim Öl Shell und beim physischen Metall keine Gegenseite nötig ist). So verstehe ich den Text eigentlich. Ich habe diese Papiere testweise durchgecheckt, aber es kommt auch bei diesen Papieren kein Kurs. Von daher gehe ich davon aus, dass bis auf weiteres alles eingestellt ist.

Naja, es geht halt doch nix über physisches Edelmetall (Gold/Silber) im Keller. Das ist eh vor allem eine Absicherung für Krisenzeiten. Und in einer solchen, wenn auch nur milden Krise, leben wir gerade. Und ETFs, ETCs und Zertifikate funktionieren schon jetzt nicht mehr richtig. Was soll denn damit erst passieren, wenn mal eine richtige Krise kommt? Ich kann es sagen: Der Wert wird sich rapide dem Wert des Papiers annähern, auf dem der ETF/ETC bzw. Zertifikat gedruckt ist. Und der ist ziemlich genau Null.

Update (15:35)

Interessanterweise werden die ETCs (zumindest teilweise) in München, Stuttgart, Berlin und/oder bei Lang & Schwarz doch noch gehandelt. Die Preisunterschiede sind extrem. Das könnte ein gefundenes Fressen für Arbitrageure sein . Kucken, ob heute jemand panisch dort verkauft und dann warten bis wieder realer Handel da ist, und dann verkaufen. Kann natürlich auch schief gehen. Sei es, weil das Underlying in die falsche Richtung läuft, sei es, weil die Dinger durch einen Ausfall der AIG nichts mehr wert sind (Worst case).

Update (22.9.08)

Die meisten ETCs werden wieder gehandelt. Ausgesetzt sind nur noch folgende:

ETFS Agriculture £ DJ-AIGCI AGAP
ETFS Grains £ DJ-AIGCI AGGP
ETFS Gold £ BULP
ETFS Aluminium ALUM
ETFS Coffee COFF
ETFS Copper COPA
ETFS Corn CORN
ETFS Cotton COTN
ETFS Gold BULL
ETFS Lean Hogs HOGS
ETFS Live Cattle CATL
ETFS Nickel NICK
ETFS Silver SLVR
ETFS Soybean Oil SOYO
ETFS Soybeans SOYB
ETFS Sugar SUGA
ETFS Wheat WEAT
ETFS Zinc ZINC
ETFS Ex-Energy DJ-AIGCI AIGX
ETFS Precious Metals DJ-AIGCI AIGP
ETFS Industrial Metals DJ-AIGCI AIGI
ETFS Agriculture DJ-AIGCI AIGA
ETFS Softs DJ-AIGCI AIGS
ETFS Livestock DJ-AIGCI AIGL
ETFS Grains DJ-AIGCI AIGG

180 235 Mrd. Dollar Spritze für die Geldmärkte ...

... ich hoffe nur, man muss keine Sicherheiten hinterlegen, denn die sind ja scheinbar schon alle weg ...

Der Geldmarkt ist so unglaublich eng, dass in der Nacht zum Mittwoch Zinsen von 10%(!) gezahlt wurden. Was natürlich ziemlicher Wahnsinn ist, weil man das Geld im Diskont-Fenster bei der Fed für 2,5% bekommen kann.

Marketwatch: CORRECT: Central banks move to boost dollar liquidity

Update (10:25)

Oder auf Deutsch:

Boerse.ard.de: Notenbanken stemmen sich gegen den Fall

Update (16:15)

Die Fed hat nochmal um 55 Mrd. erhöht.

FTD: Fed pumpt 235 Milliarden in den Markt

Große Sparkasse zu verkaufen ...

Name: Washington Mutual
Größe: groß, genauer größte Sparkasse der USA.

Mehr Details auf Anfrage (oder morgen früh ;-)

Marketwatch: WaMu puts itself up for sale, report says

Mittwoch, September 17, 2008

Und jetzt wird das (naked) Short Selling wieder verboten

Ich hatte gehofft, dass die Fed wenigstens das am Wochenende hinbekommt. War aber wohl nix und für Lehman kam's zu spät ...

Mal schauen, ob diese Verbot die Kurse wieder genauso bewegt wie beim ersten Verbot. Gerettet hat das ja nicht gerade viele ...

Bei Fanie Mae waren die Short Seller Schuld.
Bei Freddie Mac waren die Short Seller Schuld.
Bei Lehman waren die Short Seller Schuld.
Bei Merrill Lynch waren die Short Seller Schuld.

und bei Morgan Stanley jetzt auch und bei Washington Mutual auch ...

Kurzfristig ist ein Move nach oben drin, mittelfristig lassen sich die Problem nicht übertünchen, es dauert nur länger bis der Lack abplatzt ...

Dieses Mal sind alle Aktien, also nicht nur die aus der Finanzbranche betroffen. Und (ziemlich dumm) auch Marketmaker, für die Naked Short Selling in vielen Fällen die einzige Möglichkeit darstellt, sich abzusichern.

Marketwatch: SEC needs to face the naked truth

FTD: SEC ruft Artenschutz für alle aus

Update (18.9.08)

FT Alphaville: SEC clamps down on short trading

Update (18.9.08 22:00)

Und die Briten verbieten das Shorten von Finanzaktien ...

FT Alphaville: FSA bans shorting of financials

Update (19.9.08):

Olaf von Traders Quest dazu:

Glaubst Du wirklich, es existiert ein freier Markt?

Morgan Stanley minus 25% ... - Käufer gesucht

Freitag noch bei 40$, heute 22 zum Schluss und intraday sogar schon 16(!).

In der gleichen Geschwindigkeit, in der die Kurse sinken, verringert sich auch die Anzahl der unabhängigen Investmentbanken ...

Letztes Gerücht: Auch Morgan Stanley die zweitgrößte Investmentbank der USA will sich unter das Dach einer Bank flüchten. Wachovia soll gut im Rennen sein (ich dachte zwar, die hätten selber genügend Probleme, aber vielleicht irre ich mich ... Gezahlt wird eh in Aktien, Geld hat ja niemand mehr ...)

Marketwatch: Morgan Stanley mulling merger with Wachovia: report

Ein paar ältere Artikel aus dem Tagesverlauf:

FAZ.NET: Morgan Stanley immer stärker in Bedrängnis

FAZ.NET: Dramatischer Vertrauensverlust in den Banken

Update (19.8.08):

Nochmal ein Artikel von heute:

FTD: Morgan Stanley vor Notfusion mit Wachovia

Oder die Citic Bank aus China?

Marketwatch: Citic Bank in talks with Morgan Stanley: report

Update (17:40)

Citic war ein (Übersetzungs?)-Fehler. Es geht wohl doch eher um die China Investment Corp, CIC, der chinesische Staatsfonds.
FT Alphaville:Morgan Stanley’s talking to CIC, not Citic

Und auch die HSBC wird gehandelt: Hong Kong Eyes Possible HSBC Deal

Bloomberg: Morgan Stanley Said to Be in Talks With China's CIC

5 große Investmentbanken ...

5 kleine Investmentbanken verdienten sich dusselig, die ein passte kurz nicht auf, da waren's nur noch 4.
4 große Investmentbanken frisierten die Bilanz, bei einer ist es aufgefallen, da waren's nur noch 3.
3 große Investmentbanken waren auf einmal ziemlich klein, da konnte man sie pleite gehen lassen, da waren's nur noch 2.
2 kleine Investmentbanken gaben ihr Ergebnis bekannt, die waren zwar gut, fuhr trotzdem vor die Wand.
Eine große Investmentbank lachte sich kaputt. Doch alleine tot gelacht ist irgendwie auch nicht gut.

(x) Bear Stearns
(x) Merrill Lynch
(x) Lehman
(?) Morgan Stanley (CDS Kosten 700 Punkte, sprich 7% Zinsaufschlag)
( ) Goldman Sachs (CDS Kosten 400 Punkte, sprich 4%)

Verbesserungsvorschläge für den Text gern gesehen ...

FAZ.NET: Dramatischer Vertrauensverlust in den Banken

Jetzt wird schon die Fed gestützt ...

Wo soll das bloß enden ...

Heli Ben to rescue!

Das US-Schatzministerium gibt der Fed eine zusätzliche Kreditlinie, damit die Fed immer und jeder Zeit die Möglichkeit hat, noch größere Summen Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Nach meinen letzten Informationen hat die Fed aber "erst" die Hälfte der eigenen Bilanz verbraucht, um die ganzen speziellen Refinanzierungsgeschäfte zu finanzieren, die übrigens zum großen Teil erst im Rahmen der Krise geschaffen wurden. Bei meinem letzten Check waren noch etwa 500 Milliarden Dollar da. Gut, gestern gingen nochmal 85 Milliarden Dollar für den Kredit an AIG drauf. Es bliebe danach aber noch ein großer Puffer.

Werden die speziellen Finanzierungsgeschäfte inzwischen so viel mehr in Anspruch genommen, dass man sich Sorgen um die Fed machen muss?

Ich weiss, die Fed geht nicht Pleite, weil die immer (indirekt über das Schatzministerium) an die Druckerpresse kommen kann. Aber die Frage ist interessant, weil man daran erkennen kann, wie viel Schrott schon bei der Fed abgeladen wurden. Sind das wirklich schon 800 oder 900 Milliarden Dollar und die Fed wird langsam klamm?

FT: US Treasury raises Fed funding

(Huch, der Artikel war schon um 19:47 fertig (oder was ich in diesen hektischen Zeiten für fertig halte ...), habe aber vergessen, den abzuschicken ...)

Update (23:01)

Interessante Randnotiz: Lehman darf sich auch im Chapter 11 noch Geld im Discount-Fenster der Fed leihen. Das riecht ja ziemlich streng nach einem Bailout um eine Ecke (siehe auch JP Morgan hat Lehman gestern und vorgestern 138 Mrd. Dollar überwiesen?!?).

"(Although the Fed and the Treasury did not offer any government money to buy or rescue Lehman, the investment bank is still eligible to borrow from the Fed's Primary Dealer Credit Facility while it works through its bankruptcy.)"

Ansonsten ist der Artikel ebenfalls ganz interessant, weil er die Möglichkeiten der Fed gut beschreibt, die ihr jetzt noch bleiben ...

Marketwatch: Fed still has lots of firepower


Update (18.09.08, 00:15):
Zeitenwende.ch: Ooops, jetzt braucht auch die FED selbst frisches Geld

Und noch'n Update (18.09.08)

Die Entwicklung der Bilanz der Fed in einer schönen Grafik. Man sieht sofort, wie der Anteil der US-Staatsanleihen immer weiter sinkt und der Anteil des Schrotts immer weiter steigt.

FT Alphaville: Bailing out the Fed

Und noch ein Link:

FT Alphaville: The Fed’s run out of money

Was geht denn in Russland ab?

Also diese Krise schreibt ja an allen Ecken spannende Geschichten ...

Die russische Börse hat heute schon am zweiten Tag hintereinander den Börsenhandel komplett eingestellt. Am Montag ging es noch ohne Einschränkungen nach unten. Am Dienstag machte die Börse auf und nach massiven Verlusten dann wieder zu. Und heute am Mittwoch machte die Börse auf, die Kurse stiegen deutlich, drehten schnell ins Minus und nach massiven Verlusten machte die Börse gaaanz schnell wieder zu.

Die Tagesverluste im Index waren dabei gar nicht so unglaublich groß. Am Dienstag waren es etwa 11% im RTX und am Mittwoch etwa 6%. Aber vor allem die Finanzwerte hat es richtig zerlegt (20% Minus).

Heute wurde bekannt, dass ein großes russisches Brokerhaus (KIT Finance) seine Geschäfte nicht mehr erfüllen konnte (think Lehman). Heute hat die russische Notenbank den russischen Banken ein Sonderfinanzierungsgeschäft über umgerechnet satte 44 Mrd. Dollar für drei Monate zur Verfügung gestellt. Das Geschäft über 14 Mrd. für einen Tag von gestern reichte wohl vorne und hinten nicht aus.

In Russland geht es also genauso hoch her wie in den USA.

FT Alphaville: Russia suspends trading in just about everything

Marketwatch: Financial turmoil accelerates in Russia

The Big Picture: Bailout Nation, Soviet Style: Russian Trading Halt

Ob sich der Index inzwischen wieder erholt hat, kann ich nicht sagen. Allerdings deuten die Kurse der Zertifikate auf den RTX darauf hin. Mehr erfahren wir morgen. Falls die Börse überhaupt aufmacht ...

Update (19.9.08):

Das war so flappsig daher gesagt, aber die russischen Börsen haben tatsächlich heute nicht geöffnet. Erst morgen geht's weiter.

Medwedew hat den Banken 500 Mrd. Rubel (15 Mrd. Euro) zur Verfügung gestellt und dann geht's am Freitag weiter.

FTD: Medwedew stärkt Märkte mit Milliarden

JP Morgan verhandelt mit Washington Mutual über Übernahme

Nachdem die Probleme mit Lehman und AIG abgehakt sind, gibt es noch ein "kleines" akutes Problemchen im amerikanischen Bankensektor. Das Problem lautet Washington Mutual, die größste US-Sparkasse. Nach Infos der Zeitung "Daily Mail" soll J.P. Morgan Interesse an einer Übernahme haben und die Verhandlungen sollen sogar in einem fortschrittlichem Stadium sein.


Daily Mail: JPMorgan Chase in new bid for Washington Mutual

Update (18:28):

Laut Reuters ist nicht nur JP Morgan gefragt worden, sondern quasi alle anderen, die noch Geld haben ...
Reuters: U.S. regulators try to find WaMu buyer: report

Update (19:30)

Noch ein älterer Artikel aus dem Handelsblatt:
Handelsblatt: Spekulationen um Verkauf der kriselnden größten US-Sparkasse

JP Morgan hat Lehman gestern und vorgestern 138 Mrd. Dollar überwiesen?!?

Spooky!

Wieso denn das, Lehman ist doch Pleite ...

Mir bleibt nur ein großes HÄH?

Marketwatch: J.P. Morgan advanced $138 billion to Lehman

Update (15:10)

Olaf von Traders Quest meint, dass das doch ein versteckter Bailout war. Von den 138 Milliarden kamen 75 direkt von der Fed an JP Morgan zurück.

Aber was hat JP Morgan Chase davon? Erschließt sich mir nicht. Spätestens nicht, seit dem klar ist, dass die nicht billig Zugriff auf Lehman bekommen, weil der großer Teil ja jetzt nach London vertickert wurde ...

Traders Quest: Lehman Brothers: Ein echter Konkurs oder ein $138 Milliarden Bailout?

Update (18:30):

Nochmal eine Reuters Nachricht dazu, die mir das aber auch nicht klarer macht ...

Reuters: UPDATE 1-NY Fed repaid JPMorgan for $87 bln in Lehman financing

Barclays kauft Lehman-Kerngeschäft für 200 Millionen Euro

Wow! Das sortiere ich jetzt mal (womöglich voreilig) unter Schnäppchen ein.

Für 1,2 Milliarden Euro kauft die britische Bank Barclays die (Haupt)-Immobilie von Lehman in Manhattan und zwei Rechenzentren und einen großen Teil des Kerngeschäfts mit 10.000 Angestellten. Da für die Immobilie und die Rechenzentren 1 Milliarde gezahlt wird, bekommt Barclays einen großen Teil des Geschäftsbetriebs von Lehman für schlappe 200 Millionen Euro.

Mehr soll das nicht wert sein? Wenn Barclays bei dem Geschäft keine Risiken aus den Büchern von Lehman übernommen hat, ist das unglaublich billig. Werde noch ein wenig weiterwühlen ... Ich kann das nicht glauben.

FAZ: Barclays kauft Teile von Lehman Brothers

Britische HBOS wackelt ... wackelt nicht ... wackelt ... wackelt nicht

Stammleser kennen meine mehr oder weniger regelmäßigen Blicke nach Großbritannien und Spanien, den zwei Ländern in Europa, die von der Immobilienkrise am stärksten getroffen werden.

Nicht ganz überraschend gab es in diesen beiden Ländern auch im Immobilien- und Banksektor bisher die größten Probleme. In Spanien wackeln zwei Immobilienkonzerne verdächtig und in Großbritannien musste der zweitgrößte Immobilienfinanzierer Countrywide Northern Rock flugs verstaatlicht werden, um die Insolvenz und einen Bank-Run zu vermeiden.

Jetzt wackelt mit der Halifax Bank of Scotland (HBOS) die nächste große Bank. Und welch Überraschung: Damit wackelt nach der Nummer 2 am Markt der Immobilienfinanzierer jetzt auch die Nummer 1. Die Aktie hat heute morgen fast 40% verloren, notiert im Moment aber wieder im Plus, nachdem die englische Notenbank die Probleme dementiert hat.

FAZ:Britische Hypothekenbank HBOS in Not - Die Finanzkrise kommt in Europa an

Update (13:02)

Dank an m106. Es war natürlich nicht Countrywide (das war USA und die sind bei der Bank of Amerika untergeschlüpft), sondern Northern Rock.

Update (13:12):

Noch ein Link zu Story:

FTD: Lloyds TSB soll Aus für HBOS verhindern

Update (19.8.08)

Deal ist durch.

Tagesschau.de: HBOS gerettet

Der Marshallplan war auch ein Bailout!

Ein Blick in die Geschichte:

Wir Deutschen hatten einen Diktator. Wir haben die Welt in Schutt und Asche gelegt. Und wir haben trotzdem einen Bailout bekommen: Den Marshall Plan. Moral Hazard war eine logische Überlegung, denn wir waren Schuld und hätten eine Quittung verdient. Aber was haben wir bekommen: Großzügige Unterstützung. Einen klassischen Bailout.

Eine interessante Überlegung, um "Moral Hazard" und "Bailouts" in ein richtiges Verhältnis zu stellen. Das platte "man darf die Großkopferten aus der Finanzwelt nicht immer laufen lassen" greift viel zu kurz!

Bronte Capital: Bailouts - past and present

Ich habe gestern schon ein paar Gedanken in die Richtung formuliert.
Moral Hazard oder was wir gelernt haben im letzten halben Jahr

Es sollte nicht darum gehen, durch eine Pleite jemanden zu bestrafen. Die wirklich Verantwortlichen trifft man eh nicht. Aber man produziert einen Haufen neuer Arbeitsloser, die nichts dafür können. Und man hat Zahlungsausfälle (bei Lehman geschätzte 80 Milliarden), die durch ausfallende Steuereinnahmen (angenommen 25% Steuerquote) zu 20 Milliarden Mindereinnahmen für den Staat sorgen. Wenn jetzt durch die Lehman Pleite noch ein paar kleinere Dominosteinchen umfallen, war die "Moral Hazard" Lösung für den Steuerzahler schnell doppelt oder dreimal so teuer wie ein Finanzanschub für einen Bad Bank-Spinoff, wie ihn Lehman geplant hat.

Es wird ja oft argumentiert, dass man nur durch einen Warnschuss (sprich eine Pleite) Exzesse in Zukunft vermeiden könne. Ich glaube das aber nicht. Wer sich anschaut, welchen persönlichen Schaden Herr Fuld von Lehman hat, wird feststellen, dass ihn die Pleite seiner Firma finanziell kaum jucken dürfte. Einen wirklichen finanziellen Schaden hat er nicht. Wenn er will, findet er auch einen neuen, gut bezahlten Job (wenn auch nicht so gut wie bei Lehman). Wenn nicht, hat er auch genug Geld, um die letzten 30 Jahre seines Lebens in Ruhe an den schönsten Plätzen der Welt zu verbringen.

Nein ich glaube nicht daran, dass durch eine Pleite heute der nächste Exzess in 10 Jahren vermieden werden kann. Das kann nur staatliche Regulierung. Aber die Politik denkt halt in guten Zeiten nicht daran, die Regeln zu verschärfen: Es sieht ja doch alles gut aus. Und in der nächsten Krise wird wieder gejammert. Die Regulierung und die Kontrolle sind die entscheidenden Faktoren, die die nächste Krise weniger schlimm machen können. Ganz vermeiden geht sowieso nicht und macht auch keinen Sinn.

Aber was man vermeiden kann ist eine Krise, die inzwischen zum Unterschlüpfen von zwei namhaften Häusern an der WallStreet geführt hat (Bear Stearns und Merrill Lynch), zwei großen Pleiten (Indymac und Lehman) und drei riesigen Verstaatlichungen (Fannie Mae, Freddie Mac und AIG). Und mit Washington Mutual kippt ein weiterer Riese. Und die Citigroup und Morgan Stanley sind auch noch nicht sicher ...

Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist eine spekulative Megablase, die alle Bereiche erfasst hat. Und *sowas* kann man vorher sehen und es haben auch einige gesehen. Und dann muss man einschreiten. Nicht jetzt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Update (13:15):

Wer mal etwas genauer wissen will, warum ich glaube, dass Regulierung und Kontrolle funktionieren kann, muss sich mal durchlesen, wie Kontrolle heute aussieht:


Funktionale Regulierung hieß übersetzt: Verschiedene Sparten und Produkte werden von verschiedenen Behörden überwacht. In den USA obliegt die Versicherungsaufsicht den Bundesstaaten, für Geschäftsbanken ist das Office of the Comptroller of the Currency zuständig, die Fed schaut sich die Holdinggesellschaften an, Investmentbanken fallen unter die SEC-Kontrolle.


Dass das nicht funktionieren kann ist nachvollziehbar. Und klar ist auch, dass man das viel besser machen kann und besser machen muss ...

FTD: AIG: Falsche Regeln der Regulierung

Komplett Bailout für AIG

Wow, es gibt nicht nur einen 85 Md. Dollar Kredit, sondern die Fed will dafür 80% des Eigenkapitals haben.

Damit ist die AIG, die größte Versicherung der USA und die zweitgrößte Versicherung der Welt, verstaatlicht.

Früher nannte man das Sozialismus ...

Im übrigen ist das der Deal, für den eigentlich mal Risikokapital oder Private Equity gedacht war. Siehes das letzte Update im Artikel von gestern: AIG bekommt den Bailout!

Update (9:35):

Der Zinssatz beträgt LIBOR + 850 Basispunkte also plus 8,5%(!). Das ist richtig viel und die Fed macht damit genau das, was Bronte Capital (Link in meinem Artikel von gestern) als Idee für einen Private Equity Investor vorgeschlagen hat: Man gebe der AIG viel Geld, nehme einen hohen Zins dafür, besorge sich dafür im Gegenzug eine Mehrheit am Eigenkapital und warte dann in Ruhe ab, wie das Kerngeschäft genug Geld einbringt. Damit tilgt man die Schulden und baut möglichst schnell das Risiko in den schlechten Geschäftsbereichen ab.

Das ist eine sehr clevere Lösung und es besteht aus meiner Sicht eine sehr gute Chance, dass man mit dieser Lösung die AIG stabilisiert und am Ende der Steuerzahler nicht einmal viel Geld zusteuern muss. Unter Umständen sogar gar keins. Wobei das Risiko in den schlechten Geschäftsbereichen schon hoch ist und das durchaus viel Geld kosten kann. Aber mir fällt keine Methode ein, den Laden cleverer zu retten.

Respekt!

Update (18.09.08):

Noch ein Detail als Nachtrag. Es ist übrigens kein Kredit von 85 Mrd. Dollar, sondern eine Liquiditätsmaßnahme von BIS ZU 85 Mrd. Dollar. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre. Sollte die AIG den Kredit nicht benötigen, dann müssen die auch keine Zinsen dafür bezahlen.

Fed: Press Release

Dienstag, September 16, 2008

US-Leitzins bleibt unverändert bei 2%

Und dabei sind angeblich alle Händler von einer Senkung ausgegangen. Konsens waren 0,25%, manche tippten sogar auf mehr (teilweise bis hin zu einem ganzen Prozentpunkt).

Und die Überraschung: Die Börse reagiert positiv ... Zumindest bis jetzt (etwa 45 Minuten nach der Entscheidung) liegt der Dow ungefähr ein Prozent im Plus. Und dieses Plus ist auch erst nach der Bekanntgabe der Fed entstanden.

Marketwatch: Fed holds rates steady

Die KfW hat Lehman am *MONTAG* noch 300 Mio gegeben

Grrr. Die gehen mit unseren Steuergeldern ja noch dümmer um als ich mit meinem eigenen Geld ... Ich habe am Freitag von meinem Spielgeld (in Hoffnung auf einen Bailout) ein paar Lehman Aktien gekauft. Aber nicht mehr am Montag ...

Es handele sich um einen Fehler ... Ein fehlerhaft ausgelöstes Swap-Geschäft ... Na, dann ist es ja nicht so schlimm ...

FAZ: KfW überweist Lehman zum Konkurs 300 Millionen

Die Landesbanken sollen auch betroffen sein. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Fehler, sondern offenbar um clevere Anlagestrategie ;-) Um wieviel Geld es dabei geht, ist unklar.

Stupid German Money ...

Update (19.8.08):

Heute hat die Bild die Story auch. Nicht schlecht ...

Bild.de: Deutschlands dümmste Bank!

AIG bekommt den Bailout!

... mehr, wenn ich mehr weiss ...

Aber die FAZ meldet, dass die Regierung bereit ein soll, AIG unter die Arme zu greifen ...

Update (18:03)

Finde sonst nichts, daher der Link zur FAZ:

FAZ: Washington stemmt sich gegen die Finanzkrise

Update (18:50)

Counter Party Risk bei der AIG beträgt satte 441 Milliarden Dollar. Sollte die AIG fallen, sind also Positionen im Gesamtwert von 441 Milliarden Dollar plötzlich nicht mehr abgesichert und die Besitzer müssen eine Abschreibung auf den realen Wert vornehmen. Niemand weiss, wie groß die Verluste sein werden, weil es ja gut sein kann, dass ein großer Teil der Anleihen nur wenig im Kurs gesunken ist. Aber die Unsicherheit beruhigt trotzdem nicht gerade ...

Update (20:05)

Noch nichts neues zu AIG. Deshalb mal eine interessante Frage zur AIG. Wieso kauft die eigentlich niemand? Das Kerngeschäft ist gesund (im Prinzip eine Allianz), nur in einem Randgeschäft wurde Geld versenkt. Diesem Geschäft richtig viel Geld geben, damit es sicher abgewickelt werden kann, den Kredit mit 10% verzinsen und 3,5 Jahre warten, bis das Kerngeschäft den Kredit wieder verdient hat.

Bronte Capital: Where is a trillionaire when you need them: too big to bail out

Gute Frage. Eigentlich hatte ich auf etwas Ähnliches auch bei Lehman gehofft ...

Moral Hazard oder was wir gelernt haben im letzten halben Jahr

Erstens: Die Grenze zwischen "Too big to fail" und "too small to rescue" liegt irgendwo zwischen Bear Stearns und Lehman.

Zweitens: Wenn Du gerettet werden willst, werde so groß, dass du nicht ein paar Kunden bedrohst, sondern das gesamte Weltfinanzsystem. Reduziere dein Risiko nicht (wie Lehman), sondern erhöhe es (wie die Bank of Amerika). Nur so wirst du zu einer Bedrohung für alle.

Drittes: Wenn du nicht schnell genug groß werden kannst, geh als erster Pleite. Lehman wäre als erste Bank mit Problemen wohl gerettet worden.

Viertens: Sammle möglichst viel Risiko aus einer Richtung und drohe damit. In der Richtung, aus der du das Risiko gesammelt hast, befindet sich dein natürlicher Käufer (Bear Stearns hat 40% seiner Geschäfte mit JPMorgan gemacht).

Fünftens: Risiken aus wichtigen Wirtschaftszweigen erzeugen mehr Angst. Kaufe also bevorzugt Hypotheken und Autokredite.

Sechstens: Die Bilanz zählt. Besorge dir Eigenkapital so früh wie möglich und verkaufe den Giftmüll so schnell wie möglich. Denn jetzt ist es dafür wohl zu spät.

deeply inspired by The Big Picture: The Terrible Lessons of Bear Stearns

Meridith Whitney (Oppenheimer): US-Immobilienpreise fallen 45%

CNBC Interview

nach etwa 3:30 min. Aber es lohnt sich das ganze Interview.

Meridith Whitney wundert sich übrigens auch, dass die Märkte gestern nicht kräftiger eingebrochen sind.

Schnelltender: EZB: 70 Mrd., BoJ: 17 Mrd.

Und die Fed arbeitet noch an einem großen Übernacht-Refinanzierungsgeschäft ...

Was ist eigentlich aus dem gestern so groß herausposaunten 70 Mrd. Liquditätsfonds (70 Milliarden schwerer Stützungsfonds aufgelegt) der Banken geworden? Schon leer? Oder verlässt man sich doch lieber auf den Staat/die Notenbanken?

FTD: EZB-Geldspritze drückt Zinsniveau

BOJ injects $24.4 billion to help calm markets

Update (14:26)

Der Geldmarkt war wohl etwas unter Druck ...

FT Alphaville: Overnight dollar Libor

Update (16.09.08)

Die Fed hat übrigens 50 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt.

Mal etwas zum Wein(en) ...

Beim Discounter bekommt man tolle Weine zu Superpreisen? Manchmal anscheinend schon, manchmal aber wohl nur schöne Etiketten.

So der Naumachos, der vor ungefähr zwei Wochen bei Aldi Süd im Angebot war. Der Wein war wohl ein klassischer Etikettenschwindel und schmeckt in der Aldi-Version völlig anders (und war auch analytisch anders) als der Naumachos, der zwei Gläser (=Spitzenwein) im Gambero Rosso bekommen hat.

Na, da gehe ich lieber in die Weinzeche. Aber so schnell nicht mehr, ich war erst am Samstag da und hab dort wieder 150 Euro gelassen ...

Muss heute Abend mal ein Fläschchen öffnen ...

FAZ.NET: Wundersame Weinvermehrung

Washington Mutual ist Junk - The End is near ...

Die größte Sparkasse der USA mit einer Bilanzsumme von mehr als 3 Billionen Dollar (also etwa viermal größer als Lehman) ist herabgestuft worden. Standard & Poors hat das Rating von BBB- auf BB- reduziert. Damit ist WaMu offiziell Junk, sprich Schrott.

Man muss jetzt kein Prophet sein, um Washington Mutual die Pleite vorherzusagen. Man kann eigentlich als Bank nicht überleben, wenn man ein Junkrating hat. Die Finanzierungskosten sind viel höher als die der Konkurrenz und die Einnahmen die gleichen (es zahlt ja niemand einer Washington Mutual mehr Zinsen als der Konkurrenz). Wenn man als Bank nicht mindestens ein Rating von A oder besser hat, ist man eigentlich dem Tod geweiht.

WaMu dürfte übrigens "too big to fail" sein. Lehman war es ja scheinbar nicht. WaMu wird wohl geschluckt oder aufgefangen werden. In den Einlagensicherungsfonds FDIC kann Washington Mutual IMHO nicht fallen, dazu ist die FDIC zu klein und WaMu zu groß.

Naked Capitalsism: WaMu Downgraded to Junk by S&P

Update (14:48)

Die Kreditversicherungen für WaMu Bonds kosten inzwischen 40% Vorkasse. Das heisst, die Versicherungen wollen das Geld sofort und nicht mehr über die Laufzeit verteilt. Ich schätze, das sagt alles ...

FT Alphaville: Up the WaMu?

Lehman Pleite schwappt nach Deutschland - 14 Mrd. Schaden?

Habe ich erst jetzt verstanden, obwohl mich m106 schon gestern darauf hingewiesen hat.

Die deutsche Niederlassung von Lehman (Lehman Brothers Bankhaus AG) ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken. Also dem Fonds, der auch die Einlagen bei der Commerzbank, der Deutschen Bank, usw. versichert.

Ich bin ja schon lange der Meinung, dass der Fonds keine große Pleite überlebt (auch wenn in der Presse manchmal was anderes steht:Einlagensicherungsfonds: Deutschland vs. USA), weil er dafür schlicht nicht genügend Geld hat. Die bisher größte Pleite (Bankhaus Fischer) war nicht einmal eine Milliarden Euro schwer. Das Lehman Brothers Bankhaus AG soll Verbindlichkeiten in Höhe von gut 14 Milliarden haben. Wie viel davon für den Einlagensicherungsfonds relevant sind, ist noch unklar. Dass es aber die größte Belastung für den Einlagensicherungsfonds werden wird, ist sehr wahrscheinlich.

FTD: Sicherungsfonds droht größter Schadensfall

Was den Fall pikant macht: Lehman soll unter Hinweis auf die großzügige Versicherung (es sind 285 Millionen *pro Konto* abgesichert) aktiv Konten in Deutschland angelegt haben und Geld aus dem Ausland hierhin geschoben haben. Wahrscheinlich damit die Kunden das Geld nicht abziehen. Alles nur Gerüchte, aber ziemlich plausible ...

Update (12:50):

Die FAZ hat auch einen guten Erklärungsartikel zum Einlagensicherungsfonds und dem Thema "ist mein Geld noch sicher?".

Die FAZ schätzt das Vermögen des Fonds auf etwa 4,5 Milliarden und ist (wie ich) der Meinung, dass der Fonds maximal eine mittelgroße Bank auffangen kann. Und meine Meinung, dass man die IKB letztes Jahr absichtlich nicht in den Einlagensicherungsfonds hat fallen lassen, weil der das nicht verkraftet hätte ...

FAZ.NET: Ist das Geld der Sparer noch sicher?


Update (16.09.08)

Noch ein Hinweis auf einen Artikel im Handelsblatt:
Handelsblatt: Lehman bringt deutsche Einlagensicherung in Not

Danach liegt das Volumen des Fonds bei 4,6 Milliarden Euro, der Schaden kann aber gut und gerne 6 Milliarden erreichen. Auch war die größte Pleite nicht das Bankhaus Fischer, sondern die Schmidt Bank 2002 (die ehemalige Mutter von Consors) mit einer Schadensumme von 1,3 Milliarden Euro.

Die Wirtschaft floriert ...

... in Großbritannien ...

FT:Alphaville: Maybe people are turning to drink

Aktien als Sicherheit - Demnächst auch Abschreibungen?

Was will die Fed denn noch alles als Sicherheit akzeptieren? Jetzt gehen auch schon Aktien! Nach 90 Jahren zum ersten Mal übrigens ...

Erst gingen nur Spareinlagen und AAA-Anleihen, dann gingen auch MBS (obwohl die zum Teil für die Probleme verantwortlich sind) und jetzt gehen auch Aktien. Offensichtlich ist aber alles von halbwegs brauchbarer Qualität schon hinterlegt. Also muss man die Anforderungen wieder ein Stückchen weiter nach unten schrauben. Puah.

Ich schlage vor, demnächst auch Abschreibungen als Sicherheit zu akzeptieren ;-) Davon haben die Banken wenigstens genug ...

NZZ: Milliarden-Spritzen gegen die akute Krise

Wie unterschiedlich auf beiden Seiten des Atlantiks gehandelt wird, sieht man an dieser Nachricht, die schon länger als kommentierenswert in meiner Queue rumliegt, aber erst jetzt passt ..

Danach will die EZB die Hinterlegungsrichtlinien für Kredite bei der EZB sogar verschärfen; es gebe Missbrauch. Die EZB handelt also nicht nur beim Leitzins völlig konträr zur Fed, sondern auch bei solchen Details. Ich befürchte, dass wird Europa noch richtig weh tun ...

Marketwatch: ECB crackdown looms - European Central Bank expected to announce tighter collateral rules

Update (12:16):

Wen's interessiert ... Die Originalmeldung direkt von der Fed:
Fed: Interim final rule -- Federal Register notice (37 KB PDF)

AIG dreifach herabgestuft - Mind. 13 Milliarden fällig

Alle drei relevanten Ratingagenturen haben den zweitgrößten Versicherer der Welt herabgestuft: Standard & Poors auf A- nach AA-, Moody's auf A2 von AA3 und Fitch auf A von AA-.

FT Alphaville: Downgrades hit AIG

Damit sind alle Ratings schlechter als die in meinem alten Artikel angesprochenen Ratings, die bereits Zahlungen von 13,3 Milliarden ausgelöst hätten. Jetzt wird wohl auf jeden Fall so viel Geld fällig werden mit starker Tendenz zu noch mehr ... Wie viel mehr weiss ich leider nicht ...

AIG = MBIA oder Ambac = Junk

Update (12:33)

noch ein anderer Link:

Marketwatch: AIG crisis deepens after ratings downgrades

Einlagensicherungsfonds: Deutschland vs. USA

Gerade bei Focus Money gefunden:

Einer Rettung der Sparkasse [gemeint ist Washington Mutual] könnte sich der Staat schon aus politischen Gründen nicht verweigern. Ein Kollaps der Bank aus Florida brächte den amerikanischen Einlagesicherungsfonds in die Bredouille, der für die ersten 100 000 Dollar geradesteht, die ein Kunde bei seiner Bank deponiert hat. Leider ist der Einlagensicherungsfonds – im Gegensatz zu seinem deutschen Pendant – äußerst schwach auf der Brust: Die Reserven sind in der Krise bereits abgeschmolzen. Der „Financial Times“ zufolge sind von 7,2 Billionen Dollar Einlagevermögen nur annähernd zwei Drittel abgesichert – 2,5 Billionen Dollar stehen lediglich auf dem Papier und müssten bei Bedarf erst von anderen Banken eingefordert werden. Sollte Washington Mutual kippen, würden die Sparer panikartig ihre Gelder bei Banken und Sparkassen abziehen. Es käme zu öffentlichkeitswirksamen Schlangen vor den Filialen – und zum Kollaps des gesamten Systems.

Focus Money: MONEY-Börse: US-Banken – ein Trümmerhaufen

Alles was der Focus über den amerikanischen Einlagensicherungsfonds schreibt ist richtig. Nur dass der deutsche Einlagensicherungsfonds besser ist und eine Pleite von der Größe einer Washington Mutual verkraften würde, bezweifle ich zutiefst. Wenn ich die Bilanzsumme drittel oder viertel (weil Deutschland ja kleiner ist als die USA), lande ich irgendwo in der Ecke der Commerzbank (ohne Dresdner Bank). Und eine Pleite einer Commerzbank würde der deutsche Einlagensicherungsfonds NIE IM LEBEN verpacken. Jede Wette, liebe Journalisten von Focus Money. Wenn der Einlagensicherungsfonds so potent wäre, würde der seine unglaublich gute Kapitalausstattung rausposauen. Die ist aber sehr geheim ...

Goldilocks@Work :-(

Auch bin ich mir nicht sicher, was Focus mit "2,5 Billionen Dollar stehen lediglich auf dem Papier und müssten bei Bedarf erst von anderen Banken eingefordert werden" meint. Die FDIC fordert nichts "ein". Die versichern nur 100.000 Dollar (für Altersvorsorgekonten auch 250.000) und dann ist Ende. Da wird nichts eingefordert. Im guten Fall kümmert sich die FDIC um einen Käufer für den Geschäftsbetrieb und zahlt diesem Geld, wenn diese Summe niedriger ist als die drohenden Entschädigungszahlungen. Aber von einem "Einfordern" einer Summe bei anderen Banken kann keine Rede sein.

Die Darstellung in der FT ist (wenig überraschend) besser:

FT: Washington Mutual presents fresh test

Montag, September 15, 2008

AIG soll 75 Milliarden Dollar Kredit von GS bekommen

Oder von JP Morgan Chase.

Das möchte zumindest die Fed, damit AIG genügend Zeit hat, sich in Ruhe zu restrukturieren. AIG will ja Töchter verkaufen, findet aber in der Kürze der Zeit natürlich keinen Käufer, der einen fairen Preis bezahlen will.

Irgendwie sieht es immer mehr so aus, als hätte man mit Lehman ein Exempel statuieren wollen und jetzt macht man ähnlich weiter wie vorher: Mit Bailouts bzw. staatlichem Einstielen von Zwangsehen (die können ruhig tausendmal erzählen, dass die BofA Merrill Lynch freiwillig gekauft hat. Zumindest bei dem Preis (fast 50% über Freitagsschluss und wahrscheinlich 70% über dem Kurs, den Merrill heute gehabt hätte) muss dort jemand Druck gemacht haben (oder die BofA ist doof)).

Eine AIG geht nicht Pleite, die sind viel zu groß. Aber das habe ich bei Lehman auch gesagt ...

Marketwatch: AIG slumps as insurer rushes to raise capital

Und morgen eine Leitzinssenkung in den USA?

In Europa bekommen wir ja eh keine mehr, bevor der Ölpreis nicht auf 50 Dollar je Barrel fällt ;-)

Ich weiss zwar nicht, was das bringen sollen, aber schaden kann's ja auch nicht. Nee kein flappsiger Kommentar von mir, sondern von einem Analysten: "It wouldn't hurt," said one economist ...

Marketwatch: Rate cut could happen as soon as Tuesday

Kreditausfallversicherungen so teuer wie nie

Morgan Stanley plus 177 auf 452 Basispunkte
Goldman Sachs plus 119 auf 317 Basispunkte

Wenn diese Risikoaufschläge so bleiben, zerlegen die sich auch alle. Bei solchen Finanzierungskosten können so stark gehebelte Unternehmen nicht überleben.

Ich schätze aber, dass sich die Risikoaufschläge zurückbilden werden und das heute viel Panik in den Kursen drin war.

Marketwatch: Fate of remaining big independent brokers in focus

Update (23:47):

FT Alphaville: CDS update: another Black Monday?

Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...

Das wollte ich immer schon nachschauen, aber in der Hektik bin ich nicht dazugekommen ...

War Lehman eigentlich too big to fail? Zu groß, um Pleite zu gehen?

The Bank of England, in its latest Financial Stability report identifies the concentration of activity in sixteen of what it calls "large complex financial institutions" as a source of systemic risk. Those firms are: ABN Amro, Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman, HSBC, JP Morgan Chase, Lehman, Merrill, Morgan Stanley, RBS, Societe Generale, and UBS. The report notes:

Given their scale and their pivotal position in most markets, distress at an LCFI could have a large, unanticipated, impact on other financial market participants. This could arise from losses on direct exposures to an LCFI that failed or from the wider market implications of actions taken by an LCFI to manage problems.
US-Immokrise: Ein paar Zahlen zu Verschuldung

Interessant: Bear Stearns war *nicht* auf der Liste, Lehman schon.

Tja, dann schauen wir uns das Experiment mal weiter an ...

Fuld-Willumstad Teilchen entdeckt!

Dass das so schnell geht, haben die Physiker in Genf wohl nicht einmal geträumt ...

Am Freitag hat man in Genf begonnen, neben dem ersten Strahl aus Lehman-Teilchen einen zweiten Strahl mit Counter-Party-Risk-Teilchen einzuspeisen. Etwas ungeplant wurden diese beiden Strahlen aufeinander geschossen und es wurden wahnsinnig spannende Erkenntnisse gewonnen. Die Physiker weltweit jubeln.

Es entstand zum ersten Mal überhaupt von Menschen beobachtet ein Fuld-Willumstad-Teilchen (und nicht Higgs-Boson-Teilchen, die eigentlich erwartet wurden). Während des Zusammenpralls entstand ein kleines schwarzes Loch, das für die Physiker völlig unerwartet den kompletten Lehman-Strahl in sich hineinzog. Einfach weg! Noch viel komischer: Der Counter-Party-Risk-Strahl blieb völlig unbeeinträchtigt. Auch wenn man es noch nicht richtig versteht, gab es eine Explosionswelle mit CDS-Teilchen, die auch -schwupps- den Large Hadron Collider verließen und seit dem lustig um den Globus kreisen. Wie man die wieder einfängt, ist noch unklar. Ein führender Physiker am Cern hat vorgeschlagen, den F*cking Emergency Deputy (Fed) anzurufen. Sei dieser nicht erreichbar, könne man auch wahlweise den Gouvernator, Chuck Norris oder Batman ausprobieren.

Aufgrund der Heisenbergschen Unschärferelation (so zumindest die ersten Erklärung) entstand auf der anderen Seite der Welt eine neue Bank inklusive Brokerhaus, wo vorher noch eine Bank und ein Brokerhaus waren. Auch dabei wurde Strahlung frei und hat ein paar verstrahlte Investmentbanker hinterlassen. Man hätte das Experiment in Genf wohl besser nicht beobachtet, aber zum Glück sind wenigstens keine Katzen gestorben ...

Oder hat irgendjemand eine bessere Erklärung für die Ereignisse des Wochenendes?

AIG = MBIA oder Ambac = Junk

Ich dachte, die AIG wäre ein normaler Versicherer wie die Allianz in Deutschland. Das ist sie offiziell auch. Nur ist sie hinter den Kulissen genauso finanziert wie die beiden Kreditversicherer Ambac und MBIA.

Im Falle einer Herabstufung durch die Ratingagenturen droht der AIG das gleiche Risiko wie MBIA und Ambac. Es werden hohe Zahlungen fällig. So hohe, dass AIG-nahe Kreise die Zeit des Überlebens nach einer Herabstufung auf maximal 72 Stunden schätzen.

Eine Herabstufung von Moody's auf A1 und A+ bei S&P würde AIG etwa 13,3 Milliarden Dollar kosten.

FT Alphaville: On AIG: 72 hours to live

Und das sind Schätzungen von AIG selber und nicht von irgendwelchen Weltuntergangspropheten, sondern sie stammen direkt aus dem 10-Q vom Juni.

Merrill Lynch Chef bekommt jetzt wieder 25 Mio Abfindung

Nicht schlecht. Letztes Jahr von der NYSE zu Merrill Lynch gewechselt, diese Jahr Merrill Lynch an die Bank of Amerika vertickert.

Dafür gab es letztes Jahr für John Thain 20 Millionen von der NYSE, dieses Jahr 25 Millionen von Merrill Lynch. Nicht schlecht. Zwei fette Anfindungen innerhalb von nur 10 Monaten!

NYT: Thain Straps on 2nd Golden Chute This Year

Ich habe übrigens einen Put gekauft ...

DAX, Hebel ungefähr 15.

Ist gerade zu hektisch, um das richtig zu dokumentieren.

Die wirklich schlechte Nachricht ist nicht die Pleite von Lehman, sondern die Probleme bei der AIG. Jetzt haben wir nämlich nicht nur Probleme bei Investmentbanken (Bear Stearns), Brokern (Lehman), normalen Banken (Indymac), sondern mit Washington Mutual auch bei den Sparkassen und mit der AIG auch bei einer Versicherung.

Wir reden also schon lange nicht mehr über ein Problem, das "contained" ist, sondern das Finanzsystem wankt in der ganzen Breite. Und das ist eben anders als bei den Krisen des LTCM Hedgefonds oder der Savings & Loans Krise. Das betraf immer nur Teile der Finanzbranche. Jetzt hingegen wackeln alle gleichzeitig.

Update (12:48):

Zur Brisanz der AIG Probleme:
FT Alphaville: On AIG: cash calling the Fed

i) Die AIG ist richtig groß. Es ist nicht nur der größte Erstversicherer Amerikas. Auch das Volumen der Credit Default Swaps soll größer sein als bei Bear Stearns.
ii) AIG kommt möglicherweise nicht an das Geld bei der Fed, weil es für Versicherungen eigentlich keine (technische) Möglichkeit gibt. Diese könnte natürlich geschaffen werden, aktuell gibt es aber keine.
iii)Der CEO von AIG wird womöglich in die Liste der CEOs eingehen, die ihren Laden aus Sturheit vor die Wand gefahren hat. Ähnlich wie bei Lehman soll auch die AIG ein Kaufangebot auf dem Tisch gehabt haben. Aber die Bewertung stimmte halte nicht (aus Sicht der AIG damals; heute würde man das wohl anders sehen).

Naja, aus der Sicht hat der Thain von Merrill Lynch wohl alles richtig gemacht ... (Merrill Lynch Chef bekommt jetzt wieder 25 Mio Abfindung)

Lehman Pleite - Der erste Zertifikateemittent weg

Das ist ein kräftiger Dämpfer für den deutschen Zertifikatemarkt. Mit Lehman Brothers ist der erste Emittent von Zertifikaten pleite. Auch wenn ich es nicht definitiv und für alle Zertifikate sagen kann ... Im Normalfall müsste es bedeuten: Pech gehabt, Geld weg.

Zertifikate und Optionsscheine sind Inhalberschuldverschreibungen. Diese sind nicht über einen Einlagensicherungsfonds oder ähnliches abgesichert. Anders als Geld auf dem Sparbuch oder dem Konto. Auch Fonds sind rechtlich anders konstruiert (sogenanntes Sondervermögen) und sind von einer Pleite nicht betroffen (Lehman war allerdings kein Fondsemittent, zumindest wäre mir das nicht bekannt).

Lehman hat den Handel in den Scheinen auf jeden Fall schon eingestellt.

Lehman ist (zum Glück bei allem Pech) nur ein kleiner Emittent. Der Marktanteil dürfte irgendwo bei 0,1% liegen. Das gesamte ausstehende Volumen dürfte kaum mehr als 10 bis 15 Millionen Euro ausmachen. Ich kann leider keine aktuelle Zahlen finden, die letzten, die ich zur Verfügung habe, sind schon ein Jahr alt. (Die aktuellen Statistiken schlüsseln die kleinen Emittenten nicht mehr einzeln auf)

Und ganz die Hoffnung zerstören möchte ich nicht, den immerhin ist es theoretisch möglich, dass sich Lehman unter Chapter 11 erfolgreich restrukturieren kann. Ich war immerhin noch am Freitag der Meinung, dass die Werte in der Lehman Bilanz nicht so schlecht sind, wie die Börse sie gerade macht. Aber das wird man dann sehen, wenn der Laden abgewickelt wird. Wenn was übrig bleibt, könnte auch für die Besitzer der Zertifikate noch was drin sein. Allerdings ist das selten, meistens bleibt nur wenig übrig. Für die Aktionäre am Ende der Gläubigerkette ist die Wahrscheinlichkeit auf Restgeld noch geringer ...

Update (20:43):

Die FAZ hat auch einen Artikel zum Thema:
FAZ: Lehman-Zertifikaten droht Totalausfall

Darin eine ähnliche Einschätzung wie von mir: Das Geld in Zertifikaten von Lehman ist wohl weg.

Eine interessante Randnotiz (ich verfolge den Zertifikate-Markt nicht so genau): Viele Emittenten haben heute den Handel in Zertifikaten und Optionsscheinen auf amerikanische Banken bis zur Börseneröffnung in Amerika komplett eingestellt. Man kauft also bei Zertifikaten nicht nur das Emittentenrisiko, sondern auch das Risiko einer Illiquidität mit. Und in wirklich hektischen Zeiten ist das häufiger als man glaubt. Also dann, wenn man richtig viel Geld verdienen bzw. verlieren kann.

Update (15.9.08):

Und noch ein Link: FTD: Zertifikaten droht Totalausfall

Ein Platz ganz hinten auf der Gläubigerliste


Nachtrag (2.10.08):

Der Schaden soll jetzt übrigens 100 Millionen oder mehr betragen. Das ist viel mehr als ich am Anfang geschätzt habe. Aber das Volumen in den Anlagezertifikaten war wohl doch ziemlich hoch und spiegelt sich im Marktanteil (der sich womöglich auf das Handelsvolumen und nicht das Anlagevolumen bezieht) nicht richtig wider.

Für Geschädigte eine Adresse und viel Glück. Übrigens ist der Ansatz "Falschberatung". Wer die Zertifikate bei vollem Bewusstsein selber gekauft hat, also ohne Beratung z.B. beim Discountbroker, wird wohl nix bekommen.

www.lehman-zertifikateschaden.biz

70 Milliarden schwerer Stützungsfonds aufgelegt

Interessant. Endlich springt mal nicht der Staat ein, sondern die Banken selber.

Beteiligt sind alle Großen u.a. die Deutsche Bank.

Ob die 70 Milliarden Dollar ausreichen, wird man sehen. Wenn die AIG allein schon 40 Milliarden benötigt, könnte das Geld schneller aufgebraucht sein, als manche denken.

Aber wir werden sehen.

FTD: US-Notenbank will Finanzmärkte stützen - Milliarden-Fonds der Banken

Update (10:20)

Versteht das jemand?

Marketwatch:Derivatives session to reduce risk from Lehman bankruptcy

Die Derivate Händler haben bereits gestern eine Trading Session gemacht, um das Risiko zu reduzieren. Höh? Hab ich auf jeden Fall gestern nicht mitbekommen ...

Update (11:40)

Die EZB hat auch einen neues Sonderfinanzierungsgeschäft aufgelegt. Scheinbar ohne Begrenzung des Volumens.

Es sind übrigen etwa 30 Milliarden Euro geworden. Die Banken saugen sich also gerade voll mit Liquidität.

Update (15:40):

Olaf von Trader's Quest hat mit eine Erklärung für die Trading Session am Sonntag geliefert:


Die konnten gestern ihren KrimsKrams im privaten Kreise tauschen. Hätte Lehman nicht Chapter 11 beantragt, wären die Deals annuliert worden.
Aha. So was also. Ein wenig Counterparty Risk reduzieren ...

AIG auch kurz vor der Pleite? 40 Milliarden Sonderkredit von der Fed

Die AIG, die größte US-Versicherung der USA also quasi die Allianz Amerika, will sich einen 40 Milliarden Sonderkredit bei der Fed besorgen. Versicherungen bekommen normalerweise kein Geld von der Fed. Dieser Sonderfinanzierungsmöglichkeiten bekamen früher nur Banken, im Rahmen der Krise hat man dieses Recht auch den Brokern eingeräumt.

Dass die AIG diese Finanzierung jetzt auch will (und wohl auch bekommt), ist kein gutes Zeichen. 40 Milliarden sind ganz schon viel ...

Ohne diesen Kredit würde die AIG in den nächsten 24 bis 48 Stunden das Geld ausgehen. Das sollen Personen aus dem Umfeld der AIG berichtet haben. Uih.

Marketwatch: AIG seeks $40 billion loan from Fed

Lehman Insolvenzschutz nach Chapter 11; Merrill Lynch tatsächlich gekauft

hmmmm jetzt können wir mal schauen, wie sich die Finanzmärkte verhalten, wenn es keinen Bailout bei einem großen Institut gibt ...

Aber was soll das schon? Wenn die Physiker in Genf schwarze Löcher erzeugen, will man wohl auch in der echten Welt mal ein paar lustige Experimente durchführen ...

Die Lehman-Aktie geht auch jeden Fall schonmal gegen Null. Merrill Lynch hingegen steigt kräftig.

Die Börsen halten sich auch jeden Fall wesentlich stabiler als ich gedacht hätte ...

Update (9:42):

Komisch, dass es Chapter 11 ist. Ich dachte eigentlich, das müsste nach Chapter 7 sein (aber ich bin da auch nicht wirklich tief genug drin, um das beurteilen zu können).

Update (9:45):

Und die AIG, die größte US-Versicherung der USA, hat sich einen 40 Milliarden Sonderkredit bei der Fed besorgt. Versicherungen bekommen normalerweise kein Geld von der Fed.

Marketwatch: AIG seeks $40 billion loan from Fed

Update (9:55):

Nette Randnotiz: Damit ist jetzt bei allen drei Crashwerten vom Freitag was passiert: AIG braucht einen Notkredit, Lehman ist Pleite (übrigens 693 Milliarden Dollar schwer) und Merrill Lynch ist bei der Bank of Amerika untergeschlüpft.

Update (12:00):

Die Bundesbank hält die Auswirkungen für überschaubar ...

Das Bundesministerium der Finanzen, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank stehen in engem Kontakt mit ihren jeweiligen internationalen Partnerbehörden und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft. Sie beobachten die weitere Entwicklung an den nationalen und internationalen Finanzmärkten sehr genau. Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding, die einen Antrag auf Gläubigerschutz angekündigt hat, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sind verkraftbar."


Quelle: Gemeinsame Erklärung zur Lage nach Gläubigerschutzantrag von Lehman Brothers

Update (16:45):

Interessante Anmerkung von m106 im Kommentar:
Dabei könnte mit der Lehman-Pleite eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden. Denn zu den größten Gläubigern der US-Bank gehörte die Citigroup mit rund 138 Milliarden Dollar.

Sonntag, September 14, 2008

Merrill Lynch und Bank of Amerika in Mergergesprächen

Poah. Kein Wunder, dass die BofA Lehman nicht haben will. Ich weiss nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber genau diese Spekulation hat am Freitag schon jemand aufgestellt: Die Bank of Amerika will Lehman nicht, weil die einen größeren Fisch an der Angel haben und zwar Merrill Lynch.

Und jetzt reden die wohl scheinbar miteinander ...

WSJ: Bank of America,Merrill Lynch In Merger Talks


Update (23:03):

Ah, es war das Wall Street Journal:

WSJ: Should BofA Wait for a Bigger Prize?

Lehman Rettung geplatzt? Barclays will auch nicht mehr.

Wer bewegt sich zuerst? Einer der möglichen Käufer oder der Staat? Die Käufer haben auf jeden Fall (erst einmal?) gesagt, dass sie Lehman nicht kaufen, wenn der Staat nicht auch (wie bei Bear Stearns) hilft. Sei es mit Geld oder sei es mit Garantien. Der Staat will nach der Rettung von Bear Stearns aber nicht erneut Milliarden anfassen, um jemanden zu retten, der es eigentlich selber Schuld ist. Außerdem sagt der Staat, dass die Krise bei Lehman nicht so überraschend kam wie bei Bear Stearns und sich jeder darauf vorbereiten konnte. Damit hat man nun einen kompletten Verhandlungsstillstand.

Laut Wall Street Journal ist um etwa 20:00 Uhr europäischer Zeit mit Barclays auch der letzte mögliche Käufer abgesprungen. Damit ist die Zukunft/das Überleben von Lehman unklarer denn je. Und eine Rettung an diesem Wochenende (die üblicherweise vor der Börseneröffnung in Asien statt findet) allein aufgrund der Zeitknappheit extrem unwahrscheinlich. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass man eine Aktie auch aussetzen könnte, falls das der Grund ist. Wobei es auch durchaus sein kann, dass Lehman am Montag die Kunden weglaufen, wenn die Zukunft nicht sichergestellt ist.

Uhhh wie spannend ...

Wobei ich die Aktien von Lehman auch nur deshalb gekauft habe, weil ich keine sofortige Pleite erwarte. Erstens hat Lehman 42 Milliarden Dollar Liquidität. Und schließlich hat die Fed extra für Broker wie Lehman eine spezielle Liquiditätsmöglichkeit geschaffen, die es vor Ausbruch der Krise nicht gab ("damals" konnte sich Broker überhaupt kein Geld bei der Fed leihen; dieses Privileg war Banken vorbehalten). Und für irgendetwas müsste das ja gut sein.

WSJ: Barclays Walks from Lehman Deal; Likelihood for Transaction Narrows

Es gibt ja viel Kritik an den Bail-Outs. Es wird immer auf den Moral Hazard (jemand retten, der selbst Schuld ist) hingewiesen. Aber vielleicht verstummt die Kritik morgen, wenn man zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Zwangsliquidation eines großen Hauses live miterleben darf/kann/muss. Das kann durchaus einen Monstercrash auslösen. Nicht nur durch Zwangsverkäufe, sondern auch durch mögliche weitere Pleiten bei anderen Institutionen, denen der Zugriff auf die Depots und Konten bei Lehman fehlt.

Update (21:10):

Sollte Lehman die Insolvenz eröffnen, wird das eine Welle an geplatzten Credit Default Swaps geben, die die Welt noch nicht gesehen hat. Und weil das die Welt noch nicht gesehen hat, kann ich auch nicht sagen, was dann passiert. Aber irgendwie schwant mir, dass "nichts" nicht die richtige Antwort sein wird ...

Update (21:26)

Übrigens fragt sich Barry Ritholtz auch (IMHO mit Recht), wieso Lehman nicht gerettet wird, während Bear Stearns gerettet wurde. Die Rettung bei Bear Stearns war nicht nur extrem teuer, auch war Bear Stearns extrem gehebelt. Lehman hingegen hat den Hebel (sprich das Risiko) massiv reduziert und liegt nicht nur deutlich unter Bear Stearns, sondern wahrscheinlich auch unter dem Hebel der Deutschen Bank, der UBS, Goldman Sachs, etc. pp.

Bekommt Lehman jetzt die Quittung dafür, dass Lehman das Risiko reduziert hat und damit womöglich eine unkontrollierte Pleite für beherrschbar gehalten wird? Jetzt spart man die 8 Milliarden Dollar zur Rettung und Bear Stearns hat man 30 Milliarden hinterhergeworfen?

The Big Picture: A Sunday Without a Bailout? How Novel !

Update (21:40)

"If Lehman does not find a buyer over the weekend and the counterparties of Lehman withdraw their credit lines on Monday (as they all will in the absence of a deal) you will have not only a collapse of Lehman but also the beginning of a run on the other independent broker dealers (Merrill Lynch first but also in sequence Goldman Sachs and Morgan Stanley and possibly even those broker dealers that are part of a larger commercial bank, I.e. JP Morgan and Citigroup). Then this run would lead to a massive systemic meltdown of the financial system. "

Nouriel Roubini: If Lehman collapses expect a run on all of the other broker dealers and the collapse of the shadow banking system


Update (15.09.08):

Wenn Euch die Updates interessieren, schaut auf meine Homepage. Ich werde heute wohl über nichts anderes schreiben ...

Freitag, September 12, 2008

US-Inflationserwartungen wieder niedrig

Das lässt sich am Spread zwischen US-Anleihen und inflationsgesicherten Anleihen (TIPS) ableiten.

Dieser Spread beträgt nur noch 1,91 Prozentpunkte. Die Anleger erwarten also, dass die Inflation in der Ecke liegen wird, denn bei einer höheren Inflationserwartung würden die Kurse der TIPS steigen (und die Renditen der TIPS sinken), bei niedriger Inflationserwartung würden die Kurse der TIPS fallen und damit höher verzinsen (bzw. jeweils genau das Gegenteil mit den US-Staatsanleihen passieren).

Nach dieser Berechnung lag die Inflationserwartung im Juli noch bei 2,5%. Die jetzt erreichten 1,9% sind im Übrigen ein 5-Jahrestief. Bekommen wir am Ende doch noch deflationäre Tendenzen?

Marketwatch: Market shows inflation expectations at five-year low

US-Verbrauchervertrauen springt von 63 auf 73

Genauer von 63,0 im August auf 73,1 im September.
Erwartet wurde nur eine leichte Erholung auf 64.
Messmethode University of Michigan/Reuters.

Ist heute aber komplett uninteressant. Alles konzentriert sich auf Lehman Brothers, Washington Mutual und AIG.

Marketwatch: Consumer sentiment rises sharply in September

Nur 62% der US-Bankeinlagen sind versichert!

Interessante Zahl. Bei Bankpleiten sind also weniger als zwei Drittel der Einlagen (Geld auf dem Konto oder Sparbuch) über den amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC versichert. Bei einer Bankpleite sind also im Schnitt mehr als ein Drittel der angelegten Kundengelder weg. Das macht bei knapp 7 Billionen Bankeinlagen etwa 2,5 Billionen Dollar unversicherter Gelder aus.

Das liegt an der Obergrenze der Versicherung von 100.000 Dollar. Wer also mehr als 100.000 Dollar auf dem Konto hat, hat halt Pech gehabt. Man kann jetzt seit kurzem spezielle Altervorsorge-Konten kaufen, die dann bis zu 250.000 Dollar versichert sind, aber das wird wohl noch nicht sehr weitgehend genutzt.

Übrigens sollte man auch wissen, dass die Einlagen bei Brokern (also z.B. Lehman) überhaupt nicht über die FDIC versichert sind.

Die Ausfälle dürften in Deutschland deutlich geringer sein, da der deutsche Einlagensicherungsfonds wesentlich höher absichert (ob der Fonds bei einer Pleite einer großen Bank auch zahlen könnte, ist eine andere Frage). Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind sowieso nochmal ganz anders gesichert.

Im europäischen Ausland hingegen dürfte die Lage deutlich schlechter aussehen. Dort gibt es teilweise nur Versicherungen, die bis zu 20.000 Euro übernehmen. Wer also mehr Geld anlegt, schaut in die Röhre. Achtung: Das gilt auch für deutsche Kunden, die ein Konto bei einer ausländischen Bank haben. Auch wenn es eine Niederlassung in Deutschland gibt. Immer erst die Liste der Mitgliedsbanken checken!

Bankrate.com: 6 ideas for insuring your deposits

Erste Micro Four Thirds Kamera da

Ein Update zu meinem Artikel Das Ende der Spiegelreflexkamera?:

DP Review hat einen ersten Preview der neuen Panasonic Lumix G1. Kompakt, keine Spiegelreflex, trotzdem Wechselobjektive und eine halbwegs akzeptable Sensorgröße (und damit Lichtempfindlichkeit).

DPReview: Panasonic Lumix G1 Preview

Die große Enttäuschung: Was ich als ganz großen Vorteil dieser neuen Kameraklasse gesehen habe, nämlich Video hat die Kamera ÜBERHAUPT nicht. Zumindest kann ich davon nichts finden ... Krass!

Nikon bringt die D90, eine Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit Filme aufzunehmen und Panasonic bringt eine Kompaktkamera ohne diese Möglichkeit. Das hat sich ja mal ganz anders entwickelt als von mir erwartet ...

Dann muss ich wohl noch eine Generation warten ...

Update (12:42)

Korrektur: Wohl doch ein Filmmodus, aber kein HD-Film-Modus. Jetzt ist die nächste Frage, ob die Kamera im Filmmodus auch den Autofokus nutzt (das kann die D90 nämlich leider nicht)

Spätupdate (19.08.08):

Wie Gizmodo meldet, hat die Kamera wohl doch HD-Video und zwar im AVCHD-Format. Das lässt sich zumindest aus neuen Fotos der Lumix G1 ableiten, denn beide Sachen stehen auf der Kamera drauf.

Damit wäre jetzt nur noch die Frage, ob der Autofokus im Movie Mode geht.

Gizmodo: Panasonic's Tiny Lumix DMC-G1 DSLR-Killer Does Shoot HD Video

Und Crunchgear meldet, dass die Kamera Autofocus im Videomodus hat. Allerdings meldet Crunchgear einen Preis von 1500 Dollar. Das wäre ein wenig zu viel ... Ist das eine andere Kamera?!?