Donnerstag, Juli 31, 2008

UK-Immobilienpreise minus 8,1%

Die Hauspreise in Großbritannien sind im Jahresvergleich um 8,1% gefallen. Die Fallgeschwindigkeit scheint also noch zuzunehmen, im Vormonat lag das Minus noch bei "nur" 6,3% ...

Interessant auch, dass die Zahl der Transaktionen auf das niedrigste Niveau aller Zeiten gefallen ist. So gab es nur 36.000 neue Anträge auf eine Hypothek, eine wirklich desaströse Zahl.

Dass das an den Menschen in England (etc.) nicht spurlos vorbei geht, sieht man am Verbrauchervertrauen, das im Juli auf einen Wert von minus 39 gefallen ist. Auch das ist ein historisches Tief. Es ist der niedrigste Wert seit 1974, dem ersten Jahr in dem der Index des Verbrauchervertrauens berechnet wurde.

Marketwatch: British house prices down 8.1% annually

US-BIP 2.Q. 08: +1,9% - das macht 3:1 für Saviano.

Nicht einmal ein Ehrentreffer :-( Auslöser dürfen die Schecks gewesen sein, die der Staat seinen Bürgern geschenkt hat.

Halt Stop! ODER ETWA DOCH EIN EHRENTREFFER?!?

Denn die ewigen Korrekturen haben dazu geführt, dass das 4.Quartal 2007 jetzt auf einmal im Minus liegt. Und zwar mit 0,2% gegenüber einem Plus von ursprünglich 0,6% - eine satte Korrektur um 0,8 Prozentpunkte also.

Von den 12 korrigierten Quartalen gingen 8 nach unten. Komisch, dass das die normale Richtung zu sein scheint. Wenn es um die Schlagzeile geht, ist die Zahl erstmal gut und dann wird, wenn sich nur noch die Experten interessieren, der Wert doch noch nach unten gesetzt. Die Korrektur betrug durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte, was nicht wirklich viel ist. Wenn man sich aber anschaut, wie hektisch die Börse auf 0,2% zuviel oder zu wenig reagiert, sind das dann aber doch einen ganze Menge. Auch zeigt es, dass auf solch kurzfristige Zahlen viel zu viel Gewicht gelegt wird, die Korrektur der Jahreszahlen war deutlich geringer.


Ich glaube, dass ich auf die Zahlen nicht mehr wette ... Da kann man ja besser die Lottozahlen tippen ...

Trotzdem nochmal einen Glückwunsch an Saviano, der die Pulle billigen Fusel bestimmt schon gekillt hat ;-)

Marketwatch: GDP accelerates to 1.9% pace in second quarter

Wer sich für die ganzen Revisionen interessiert: Es gibt ein sehr langes Statement dazu, das mir aber angesichts meines Urlaubs auch deutlich zu heavy ist ... Ich bin mir aber fast sicher, dass da noch einige Perlen drin verborgen sind ...

BEA.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: Second Quarter 2008 (Advance); REVISED ESTIMATES: 2005 THROUGH FIRST QUARTER 2008

Update (21:42)

Wie kann ich nur einen Artikel über's US-BIP schreiben, wenn es schon einen Artikel bei The Big Picture gibt?!? Gut, Barry Ritholtz hat's auch nicht selber gemerkt, aber in den Kommentaren hat's jemand gemerkt ...

Der Preisdeflator für das zweite Quartal 2008 lag bei 1,1%. Bei unglaublich niedrigen 1,1%. Wir liegen in der normalen Preissteigerung in den USA bei plus 5 Prozent (Verbraucherpreise) und das sogar mit steigender Tendenz und im BIP sind's auf einmal nur 1,1%? Das klingt völlig unglaubwürdig und riecht nach Manipulation. Denn das ausgewiesene BIP ist ja immer ein Netto-BIP, sprich Brutto-BIP minus Inflation. Wenn man jetzt 1,9% Plus ausweist bei 1,1% Preisdeflator bedeutet das ein Brutto-BIP-Plus von plus 3,0 Prozent. Wenn die Inflation aber 4% betragen hätte, wäre das BIP mit einem Minus von 1,0% gekommen.

Ich verweise zu diesem ganzen Wahnsinn auf einen älteren Artikel von mir, in dem ich schonmal versucht habe zu erklären, wieso STEIGENDE Preise zu FALLENDEM Preisdeflator und damit WACHSENDEM BIP führen können: Die US-BIP Zahlen mal auseinandergenommen ... Anschnallen bitte. . Am Ende habe ich meine Rezessionswette vielleicht sogar nur verloren, weil die Ölpreise gestiegen sind ....

The Big Picture: Q2 GDP 1.9%; Q4 GDP = -0.2%; New Jobless Claim +448k

Update (1.8.08)

Die FTD hat ebenfalls einen Artikel zum US-BIP, der Unzuverlässigkeit der Zahlen und der Aufgeregtheit, mit der die Börse darauf reagiert. Schöne Zahl zur Erinnerung: Das BIP im 3.Quartal 2000 war auch nach der ersten jährlichen Revision (wie gestern beim 3. Quartal 2007) noch mit plus 1,3%. Am Ende wurde es dann mit minus 0,5% errechnet. Wer also die Korrektur von gestern außergewöhnlich groß fand, muss sich beim Blick in die Geschichte zugeben, dass gerade an den Wendepunkten der Konjunktur die Korrekturen oft schon viel größer waren ...


FTD: Das US-BIP macht einen verrückt

Mittwoch, Juli 30, 2008

Zur Verteidigung der Shortseller ...

a) Shortseller sind im Gegensatz zu normalen Investoren wesentlich analytischer und fundamental orientierter. Sie lesen die Bilanzen genauer und intensiver. Das müssen sie aber auch, denn sie stellen sich gegen den Markt (der ja im Schnitt nach oben geht) und nicht zuletzt auch gegen das Management der "angegriffenen" Firma. Und dieses faktenbasierte Handel steht im völligen Gegensatz zur Öffentlichkeit, die den Shortsellern schnell Gerüchte und Verleumdungen unterstellt.

b) Short-Seller haben Recht. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat ergeben, dass zwischen 1977 und 2002 die von Shortsellern ins Visier genommenen Aktien in den nächsten drei Jahren im Schnitt 14 % schwächer liefen als der Markt.

Ergo: Mit Shorts Geld zu verdienen ist nicht einfach! Und es ist nicht unseriös, sondern ein essentieller Bestandteil des Börsenhandels. Wir brauchen nicht nur Jubelperser, sondern auch Shortseller!

The Big Picture: Quote of the Day: James Montier

Dass die SEC den Verbot der Naked Shorts für die Finanzwerte verlängert, passt ins negative Bild, das über die Short-Seller gemalt wird. Aber dass diese Regel jetzt möglicherweise sogar noch ausgeweitet wird (wie die FTD meldet), erstaunt mich dann doch ...

SEC verlängert Finanz-Artenschutz

Die Vögel ...

Plaid/Jaroc Video
(via boingboing: Plaid/Jaroc bird music video)

Und ohne Musik, dafür aufgrund der schieren Masse an Vögeln noch faszinierender:

Yahoo Video: Birds
(via boingboing: video: surreal bird formation)

Es gibt übrigens Wissenschaftler, die versuchen dieses Schwarmverhalten in Gleichungen zu gießen. Damit will man nicht vorrangig die Tierwelt modellieren, sondern Verkehrsflüsse (Staus), Menschenmassen in Paniksituationen (Evakuierung von Fußballstadien) oder auch das Handeln von Menschen(massen) an den Finanzmärkten. Spannende Sache!

Dienstag, Juli 29, 2008

Tomte: Preview Video zur neuen Single

Wo ich doch schon hoch im Norden weile ...

Tomte - "der letzte große Wal" aufm Fest van Cleef 2008


... obwohl die ja jetzt tief im Osten leben ...

über Neuer Tomte-Song: Video online

Vor allem ein guter Anlasse noch ein absolutes Lieblingslied von mir zu bringen ...

TOMTE - Ich sang die ganze Zeit von dir

Case-Shiller-Hauspreisindex: 15,8% minus - neuer (vorläufiger) Rekord

Einen Preisrückgang von 15,8% von Mai 2007 auf Mai 2008 zeigt der Case-Shiller-Index an. Im Vergleich zum April betrug das Minus 0,9%. Das ist der stärkste Rückgang seit der Einführung dieses Indexes im Jahr 2000.

NZZ Online: Häuserpreise in den USA im freien Fall

US-Regierung will den Automobilherstellern unter die Arme greifen

Die US-Regierung plant einen Gesetzesentwurf, wonach die heimischen Automobilhersteller, übrigens wirtschaftlich im desolaten Zustand, ein Kredit in Höhe von 25 Mrd. Dollar gewährt werden soll.

In diesem Artikel der FAZ kann man sich ein Bild über die Lage machen: Amerikanischer Automarkt: Allein im Autohaus

Ob der 25 Mrd. Dollar Kredit wohl schon in dem angekündigten Rekord Haushaltsdefizit für das Jahr 2009 von 490 Mrd. Dollar wohl enthalten ist? Ich denke nicht!

Hyperinflation deluxe in Simbabwe

Simbabwe hat vor einer Woche einen 100-Milliarden-Dollar-Schein eingeführt. Damit konnte man sich zur Einführung gerade noch einen Laib Brot kaufen. Bei einer Hyperinflation von offiziell 2,2 Millionen Prozent – unabhängige Experten sprechen von 12,5 Millionen Prozent – reicht es inzwischen nur noch für ein paar Brotkrumen.


Welt.de : Simbabwes Banknoten weniger wert als Klopapier

Merrill Lynch muss weiter abschreiben und plant Kapitalerhöhung

Die Investmentbank will im dritten Quartal nochmals 5,7 Mrd. Dollar abschreiben, dafür seien allerdings "umfangreiche Risiken" nicht mehr in den Büchern. Unter "umfangreiche Risiken" versteht man bei Merrill Lynch "US-Super Senior ABS CDO's" Schuldverschreibungen. Diese hatten ursprünglich mal einen Wert von 30,6 Mrd. Dollar. Zum Ende des zweiten Quartals standen sie mit nur noch 11,1 Mrd. Dollar (-66%) in den Büchern. Die Schuldverschreibungen sollen jetzt für 6,7 Mrd. an eine Tochter von Lone Star Funds abgegeben werden, wovon 75% des Verkaufspreises aber von Merrill selbst finanziert werden. Geht die Tochter von Lone Star unter, hat man die Risikien wieder in den Büchern. Toller Deal! Das zeigt aber meiner Meinung nach wie Verzweifelt man wohl derzeit bei Merrill Lynch ist.

Gleichzeitig will die Bank durch Ausgabe neuer Aktien, ihr Kapital erhöhen. So sollen nach der Vorstellung von Merrill Lynch zwischen 8,5 Mrd. und 9,8 Mrd. Dollar in die Kassen gespült werden, um die Kapitaldecke zu stärken. Komischerweise hatte Merrill-Chef John Thain noch am 17. Juli in einer Telefonkonferrenz mit Analysten beteuert, dass seine Bank noch mit ihrer Kapitaldecke in einer komfortablen Situation ist. Ein Teil des Geldes von der Kapitalerhöhung soll dabei wieder von Temasek Holding kommen, einem staatsfond aus Singapur. Der Fond hatte bereits im Dezember und Februar insgesamt 5 Mrd. Dollar für Merrill Aktien auf den Tisch gelegt, allerdings hat sich seitdem der Aktienkurs halbiert. Nun einigten sich beide Seiten darauf, dass Merrill Temasek zum Ausgleich dafür 2,5 Mrd. Dollar zahlt, Temasek diese Summe plus weiterer 900 Mio. Dollar aber in die neue Kapitalerhöhung steckt. Außerdem will das Management von Merrill 750.000 neue Aktien erwerben.

Eine Kapitalerhöhung sieht derzeit wohl Merrill Lynch als günstigste Form um an frisches Geld zu kommen, denn die Finanzierungskosten auf dem Markt haben sich für die Investmentbank enorm verteuert. So ist die Risikoprämie für Anleihen von Merrill Lynch von ehemals 2,54 % auf 4,21% gestiegen.

FAZ.net:Merrill Lynch: Kein Investment für Privatanleger

FAZ.net: Finanzierungskosten der Investmentbanken steigen kräftig

Der Mythos lebt!

Aber warum ist er nicht kaputt zu kriegen?

Spannend ist ja schon die Frage, wie ein Mythos entsteht. Warum glaubt z.B. etwa die Hälfte der Amerikaner, dass Saddam Hussein was mit den Anschlägen vom 11. September zu tun hatte?

Noch spannender ist allerdings die Frage, ob und wie man den Mythos wieder zerstören kann. Denn das ist schwieriger als erwartet. Sobald man nämlich Bruchstücke der Zusammenhänge wiederholt, vertieft sich der Eindruck im Gehirn. Selbst wenn man eine Verneinung in die Aussage einbaut! Wenn sich der Gedanke erst einmal festgesetzt hat, führt jede Wiederholung von Saddam und 11.9. zu einer weiteren Vertiefung. Egal ob man sagt, er war beteiligt oder er war nicht beteiligt.

Die Verneinung wirkt nämlich nur kurzfristig, nach einiger Zeit setzt sich wieder das ursprünglich Gelernte durch.

Spiegel: Warum der Mythos so oft über die Wahrheit siegt

Montag, Juli 28, 2008

Britische Notenbanker hält eine schwere Wirtschaftskrise für unausweichlich

Das sagte David Blanchflower, dem Guardian. Nach seiner Meinung bewegt sich die britische Wirtschaft in eine Rezession oder steckt schon mittendrin. Außerdem geht er davon aus, dass die Wirtschaft drei bis vier Quartale schrumpfen wird und dass der Abschwung sich sogar noch "vertieft". Blanchflower bezeichnet die Lage schlimmer als die in den USA und ist der Meinung, dass beide Länder vor den "größten Schwierigkeiten seit der Großen Depression" der 1930er Jahre stünden.

Reuters: Britischer Notenbanker warnt vor Rezession

Billiger Wein? Teurer Wein? Egal - Hauptsache lecker

So spricht der Laie.

Dummerweise kommen auch die Profis zum selben Ergebnis, wenn man ihn einfach wild gemischt teure und preiswerte Weine im Blindtest zu probieren gibt. Es gibt *KEINE* positive Korrelation zwischen "Lecker" und "Preis"! Es gibt sogar eine leicht negative ...

Man wird den Test wahrscheinlich nicht bis auf jedes beliebig niedrige Preisniveau runterfahren können, aber bei Weinen ab sagen wir mal 6 Euro pro Flasche kann ich mir dieses Ergebnis durchaus vorstellen. Weine ab 15 Euro werden natürlich für ganz andere Leute gemacht als Weine für 5 Euro. Und wenn man einem Nicht-Wein-Trinker einen Wein für 15 oder 30 Euro gibt, wird der damit nichts anfangen können. Außerdem zeichnet sich ein Wein ja auch nicht nur durch "Lecker" sein aus, sondern auch durch Haltbarkeit, Aromakomplexität, Spannung, etc. Für lecker wegtrinken reicht der Burlwood von Aldi Süd, auf Dauer ist der aber nur stinklangweilig ...

Freakonomics: Keep the cheap wine flowing

Spanien: Immobilenverkäufe brechen ein

Spaniens Immobilienblase entweicht immer mehr und schneller die Luft! Im Mai dieses Jahres sind die Verkäufe am spanischen Immobilienmarkt um 30 Prozent zurückgegangen: Es wurden nur noch 50.161 Häuser und Wohnungen verkauft. Die Vergabe um Hypotheken ging um 40,4 Prozent zurück.

SPON: Spaniens Immobilienmarkt bricht dramatisch ein

USA: Bereits 1,4 Millionen Zwangsversteigerungen in 2008

Allein im zweiten Quartal dieses Jahres wurden in den USA knapp 740.000 Häuser zwangsversteigert bzw. per entsprechender Warnung darauf vorbereitet! Im Vergleich zum ersten Quartal bedeutet dies einen Anstieg von über 120 Prozent und im Vergleich zur gleichen Periode im Vorjahr sogar eine Verdreifachung.

Und es wird noch schlimmer.

Die US-Firma RealtyTrac, die sich auf die Auswertung von Zwangsversteigerungen spezialisiert hat, hatte ursprünglich für das Jahr 2008 erwartet, dass 1,9 bis zwei Millionen Zwangsversteigerungen eingeleitet werden müssten. Aber wie nun der Firmensprecher Rick Sharga verriet, ist die Marke von 1,4 Mio. bereits zur Jahresmitte geknackt und die Prognose für das ganze Jahr soll nach oben revidiert werden.


Ich halte diese Zahlen eigentlich für sehr wichtig, allerdings konnte ich in der deutschen Mainstreampresse noch nichts darüber lesen. Mit einer Steigerung um über 120 Prozent habe ich gar nicht gerechnet. Langsam habe ich das Gefühl, dass wir noch nicht mal den Höhepunkt der Krise erreicht haben!




Sonntag, Juli 27, 2008

Chinesische Aktien fallen nicht vor der Olympiade ...

... weil die Chinesen die Kurse stützen werden.

OK, das war zwar Konsens, aber dann doch nur ein Gerücht. Eins, das alle geglaubt haben. Und wenn alle daran glauben, ist meistens die Trendwende nicht weit und zwar in die Richtung, die die Mehrheit nicht erwartet.

Jetzt wäre zu fragen, ob noch alle glauben, dass China teuer sei. Denn dann hätten wir da den Boden erreicht.

Aber unabhängig davon: Fakt ist, die Aktien in China sind für eine Nation, die mit 10% wächst, verdammt billig. Denn bei einem Wachstum von 10% sollte man deutlich leichter auch 10% Gewinnwachstum hinbekommen als bei einem Wachstum von 1% wie in den USA oder Europa.

Bespoke Invest: China's P/E Down to 20

Samstag, Juli 26, 2008

Zwei weitere US-Banken pleite

Im Zuge der Finanzkrise wurden gestern zwei weitere Banken in den USA von den Behörden dicht gemacht. Die First National Bank of Nevada (3,4 Mrd. Bilanzsumme) und die First Heritage Bank NA of California (254 Mio. Bilanzsumme). Beide Banken wurden danach an die Mutual of Omaha Bank verkauft, wie die FDIC mitteilte.

Die FDIC wird nach eigener Einschätzung mit 862 Mio. Dollar einspringen müssen, um die Kundeneinlagen zu sichern. Ich bin mal gespannt wie lange das Geld der FDIC noch reicht.


n-tv: Neue Opfer der Kreditkrise: Zwei US-Banken pleite

Keine Nachrichten. Keine Kurse. Keine Blogs



Bin mal kurz weg ;-)

Kalifornien ist pleite

Die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt (wenn sie den von den USA losgelöst wären) ist pleite. Daher will Arnie die Überstunden nicht mehr bezahlen, 200.000 Mitarbeitern der öffentlichen Hand auf den Mindestlohn ($6.55 Stundenlohn) reduzieren, keinen mehr einstellen, und knapp 22.000 Zeitarbeiter rausschmeißen.

Vielleicht ist Kalifornien der Vorbote dafür, was der gesamten USA noch bevorsteht?


SFGate: Governor plans to slash state workers' pay

Freitag, Juli 25, 2008

Drei Videos mit Nouriel Roubini: It's not Armageddon

Ihr habt ja jetzt Zeit, wenn hier nicht so viel gepostet wird ;-)

Bear Market Only Half Over, But It's Not Armageddon

More Than $1 Trillion Needed to Solve Housing Crisis

'They're All Toast': Roubini Says Brokers, Even Goldman, Can't Stay Independent

Also wenn die Totel nicht neugierig machen, weiss ich es nicht ...

The Big Picture: Video: Nouriel Roubini (3 Parts)

Drei EU-Länder sind bereits in der Rezession

Es handelt sich um Spanien, Irland und Dänemark. Im internationalen Vergleich der GDP (Gross Domestic Products) für 2007 mittels der PPP-Vergleiche, nach der Liste des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist Spanien Nummer 11 der Länder, Dänemark Nummer 49 der Liste und Irland Nummer 51.

Sie haben bereits zwei aufeinanderfolgende Quartale mit fallender Wirtschaftsleistung und damit das offizielle Kriterium erfüllt, um von einer Rezession zu sprechen. Es handelt sich außerdem um drei Länder, in denen es zu übertriebenen Immobilienpreisen kam, also eine Immobilienblase aufgebaut haben.

Besonders Spanien dürften harte Zeiten bevor stehen, da der Bauboom in Spanien sogar denjenigen in den USA in den Schatten gestellt hat. So trug der Anteil der Bauinvestitionen zu einem zehntel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Baugenehmigungen in den ersten vier Monaten des Jahres erreichten nicht einmal die Hälfte derjenigen aus den ersten vier Monaten aus 2006.

Wer so vom Bauboom profitiert spürt die Auswirkungen einer Krise natürlich auch sofort am Arbeitsmarkt: So ist Arbeitslosenquote in Spanien seit Februar 2007 von 8,1 auf jetzt 10 Prozent gestiegen.

Allerdings sanken die Häuserpreise offiziell erstmal, seit zehn Jahren, im zweiten Quartal um 0,1%. Das heißt wiederum, dass den Spaniern noch das größte bevorsteht. Bisher konnten viele wegen steigender Zinsen und damit steigender Raten ihre Schulden nicht mehr bedienen und mussten ihre Häuser und Wohnung wieder verlassen und anscheinend hat man für diese Häuser und Wohnungen trotzdem noch Käufer gefunden, sodass die Preise nicht fielen. In Spanien sind die meisten Hypotheken variabel verzinst und die Zinsen an den EURIBOR (European Interbank Offered Rate) gekoppelt.

In Irland sieht die Lage eigentlich so ähnlich aus wie in Spanien. Auch dort trug die Bauwirtschaft 10% zur Wirtschaftsleistung bei, die seit Anfang des Jahres schrumpft. Auch dort nimmt die Arbeitslosigkeit zu und zwar so schnell wie seit den 70er Jahren nicht mehr!

Als nächstes gelten Großbritannien und Frankreich als Kandidaten für eine Rezession, da dort sich ebenfalls eine Gefährliche Immobilienblase gebildet hat und die Preise seit einiger Zeit sinken.

US und UK in der Zinszwickmühle

Die Zwickmühle ist bekannt: Wirtschaftsabschwächung verlangt nach niedrigeren Zinsen, die steigende Inflation nach höheren.

Dass diese Entscheidung in Europa und den USA traditionell anders entschieden wird, kann man aktuell schön beobachten. In den USA sank der Zins in Rekordgeschwindigkeit auf aktuell 2%, in Großbritannien wurde nur leicht gesenkt, in der Eurozone sogar noch erhöht.

Da ich auf die Zwickmühle in den USA schon häufiger eingegangen bin, heute mal ein Blick auf die Britischen Inseln.

Die Inflation liegt bei knapp 5% und damit mehr als doppelt so hoch wie angestrebt (2%). Und das schreit geradezu nach Zinserhöhungen.

Gleichzeitig sinken die Immobilienpreise, der Einzelhandelsumsatz gab im Juni um 3,9% nach und die Stimmung ist ziemlich negativ.

Was tun?

Meistens ist die Entscheidung einfacher, weil man im Normalfall am Ende der Wachstumsphase starkes Wachstum UND hohe Inflation hat. Dann erhöht die Notenbank die Zinsen, die Wirtschaft kühlt sich ab und mit etwas Zeitverzögerung sinkt auch die Inflation wieder. Dann hat man die Phase mit niedrigem Wachstum UND niedriger Inflation erreicht und kann die Zinsen wieder senken.

Aber jetzt?!?

Und das Schlimmste: Es ist völlig unklar, ob die Notenbanken überhaupt noch einen Einfluss auf die zunehmend globalisierte Wirtschaft haben. Ein großer Teil der Nachfrage (und damit des Wachstums) entsteht extern und ein großer Teil der Inflation kommt über den Import ebenfalls von außen. Und die zweite neue Sache: Wir haben mit China und Indien zwei neue wichtige Player auf dem Weltmarkt, die möglicherweise zum ersten Mal genügend Power haben um zu verhindern, dass der Rest der Welt in eine Rezession abrutscht. Vielleicht aber auch nicht.

Also ich möchte im Moment nicht unbedingt Notenbanker sein ... Die aktuelle Gemengelage hatten wir eigentlich noch nie; sprich ein Rückblick in die Geschichte hilft nicht weiter ...

Naja, vielleicht sieht man in zwei Wochen nach meinem Urlaub etwas klarer.

Countrywide verursacht Riesenabschreibungen bei BoA

Der Immobilienfinanzierer Countrywide wurde kurz vor der Pleite von der Bank of Amerika übernommen und somit gerettet. Vor der Übernahme des Hypothekenportfolios von Countrwide hat die Bank of Amerika einen satten Abschlag von 15% auf die gesamten Kredite vorgenommen.

Das ist eine ziemlich interessante Zahl, vor allem wenn man das mit den Abschlägen vergleicht, die andere Banken vorgenommen haben. Ich will mich mit den Klitschen gar nicht erst aufhalten: Fangen wir direkt bei Freddie Mac und Fannie Mae an ;-)

5.200 Milliarden Dollar Hypotheken mal 15% Abschlag macht --> 780 Milliarden.

Der Kongress hingegen rechnet mit 25 Milliarden Kosten für den Fannie-Freddie-Bailout.

Ich würde jetzt nicht unbedingt behaupten, dass die 780 Milliarden super realistisch sind. Aber ich würde schon behaupten, dass die 25 Milliarden genau so realistisch (besser unrealistisch) sind wie die 780 ...

FAZ: Bank of America: Es bleiben Zweifel

The Big Picture: Even More Writedowns Coming

WSJ: What Financials Rally?

Donnerstag, Juli 24, 2008

US-Immobilienverkäufe weiter runter

Im Monatsvergleich sank die Zahl der verkauften Immobilien gut 2%, im Jahresvergleich um gut 15%. Die Umsätze liegen damit auf 10-Jahre-Tief. Der Durchschnittspreis sank um 6,1% im Jahresvergleich. Etwa ein Drittel der Verkäufe sind "forced sales", also Zwangsverkäufe. Die Zahlen zu den Leerständen (etwa 10% aller in den letzten 10 Jahren gebauten Immobilien stehen leer) war ebenfalls ziemlich desaströs.

Das sind die Zahlen des Immobilienmaklerverbandes NAR und die sind nicht sonderlich zuverlässig, u.a. weil die Cancelungen von Käufern, die keine Finanzierung bekommen, nicht wieder herausgerechnet werden.

Die wichtigste Zahl war ebenfalls negativ: Der Lagerbestand an unverkauften Häusern gerechnet in Monaten ist weiter gestiegen und beträgt jetzt 11,1 Monate.

The Big Picture meint, dass der Lagerbestand sogar noch wesentlich höher sei, weil die Maklerorganisation die Foreclosures nicht zähle.

The Big Picture: Existing-Home Sales Fall to 10 Year Low; Shadow Inventory Looms

Marketwatch: Existing-home sales fall 2.6% to 10-year low

ARD wirft "Schleichwerbung macht *mich* Gesund"-Opa raus

Machte Schleichwerbung für ein obskures Sauerstoffaufbereitungsgerät, das über 5000 Euro kostet, aber nur Materialkosten von etwa 20 Euro verursacht. Das Video dazu hier



Mehr Text hier: BooCompany enthüllt: Neuer Schleichwerbeskandal in der ARD (Update)

So viel zur Spiegelthese "Blogger sind irrelevant".

Aber viel interessanter finde ich jetzt die Reaktionen und meine These, dass die Mainstreammedien es immer noch nicht schaffen, sauber zu verlinken. Die machen irgendwie Hypertext, nur ohne Hyper(links).

Machen wir die Probe auf's Exempel. News.google.de aggregiert für uns:

VERDACHT AUF SCHLEICHWERBUNG WDR feuert Gesundheitsberater:

Spiegel: Kein Link, keine Erwähnung von Boocompany, kein Hinweis auf Blogs
Focus: Kein Link, keine Erwähnung von Boocompany, kein Hinweis auf Blogs
Handelsblatt: Link, alles perfekt (der Artikel ist vom "Auch-Blogger" Knüwer)
Stern: Link, erwähnt. Perfekt.
Frankfuter Rundschau: Kein Link, keine Erwähnung, nichts.
Süddeutsche: Kein Link, keine Erwähnung, nichts.

Schau'n mer mal, wie sich das weiter entwickelt.

Update (22:17):


Süddeutsche (jetzt ausführlich)
: Kein Link, keine Erwähnung, nichts, außer einem Hinweis auf ein Youtube Video ("Auf dem Internet-Portal YouTube hatten Pharmakritiker ein Bankhofer-kritisches Video eingestellt." - Diese Darstellung ist wohl eher falsch als richtig, waren das Pharamkritiker oder dch eher Medienkritiker?)

Rheinische Post: Kein Link, keine Erwähnung, nichts.

Kölnische Rundschau: "Am Dienstag war beim Sender ein Hinweis auf einen Film eingegangen, den anonyme Blogger ins Internet gestellt haben." Soso, anonym. Kein Hinweis, kein Link, nichts (richtiges)

FTD: "Seit Anfang der Woche waren im Internet kurze Videofilme kursiert, die den Verdacht nahelegten, dass Bankhofer im Fernsehen auffällig häufig das Produkt "Klosterfrau Melissengeist" genannt hatte." Auch die Darstellung ist wohl kaum korrekt. Ach so: Kein Link, keine Erwähnung, nichts.

Kurzfazit: Bis auf's Handelblatt (sehr gut!) und den Stern (gut!) bis jetzt nur Ausfälle.

Update (25.07.08).

Zeit: Schon in der Überschrift werden Blogger erwähnt, es kommen die URLs beider Blogs, ein Link auf das YouTube-Video UND eine Erwähnung der Genugtuung in der Blogosphäre nach dem Spiegel Artikel vom Montag. Note: Exzellent; man möchte direkt "GEHT DOCH!" rufen.

Da ich jetzt im Urlaub bin, kann das nicht mehr weiter verfolgen.

Wieder schwache Konjunkturzahlen in Deutschland

Heute kam der ifo Index mit einem stärker als erwartet ausgefallenem Minus.

ARD: Ifo macht Schluss mit lustig

Die Auftragseingänge wachsen nicht mehr (FAZ: Industrie-Aufträge überraschend gesunken), die Produktion wächst kaum noch, ZEW-Indikator auf Allzeittief (würde ich nicht überbewerte, weil das ein Finanzmarktindikator ist, der mit der Industrie nicht viel zu tun haben muss)...

Wann gab es eigentlich die letzte positive Zahl an dieser Front?

Das zweite Quartal wird im Minus landen, aber das ist noch zum großen Teil eine Reaktion auf das sehr gute erste Quartal und daher unkritisch.

Was viel skeptischer machen muss sind die ganzen vorauslaufenden Indikatoren (Auftragseingänge, Sentiment), die inzwischen eher für eine Abschwächung als für eine Stabilisierung sprechen. Das ganze macht mir wenig Hoffnung ...

Platz 10-15 für RWO

Platz 15 reicht mir, wenn ich ehrlich bin ... Obwohl Platz 15 am letzten Spieltag zu erreichen, ist auch nicht gut für meine Nerven ...

Kicker: Taktisches Können als Trumpf

Überraschend positive Einschätzung des Kickers, immerhin kommt RWO komplett ohne große Namen aus. Und die Anzahl der Erstliga-Einsätze der Spieler dürfte man an einer Hand abzählen können. Aber die Jungs halten zusammen und kämpfen bis zum Umfallen. Und das macht (gerade in der zweiten Liga) viel aus. Vor allem, wenn man permanent gegen die (leider gar nicht so seltenen) Osteuropa-Ex-Bundesliga-Profi-Söldnertruppen spielt.

Ansonsten: Den könnten wir noch kaufen, der würde noch passen;

Kicker: Schwere Zeiten für Mike Rietpietsch

X-Ypsilanti-Z

Ganz am Ende also ...

Die Energiepreise steigen. Bekannt. Von staatlichen Transferleistungen Abhängig haben damit ein Problem. OK, das haben eigentlich alle, aber die mit den geringsten Einkommen natürlich am schlimmsten.

Jetzt ist die SPD-Hessen auf die Lösung gekommen: Den Grundbedarf Strom gibt's für Noppes.

Fantastische Idee!

Nur, wer soll das bezahlen? Den "Mehrstrom" teurer machen? Oder bezahlt das niemand, weil man die Energiekonzerne einfach zwingt, den Strom billiger abzugeben?

Nein!

Man zieht einfach die pösen Ölspekulanten ran! Sondersteuer auf Ölspekulationsgewinne! Darauf muss man erstmal kommen! Super! Da sind wir dann alle auch schnell mal dafür, denn böser Ölspekulant ist ja niemand.

Nur: Gibt es eine relevante Anzahl von Ölspekulanten in Deutschland, die man besteuern kann? Oder will man beim König von Saudi Arabien anklopfen? (Ich vernachlässige hier mal kurz die Tatsache, dass eine Landes-SPD weder auf die Energieversorgung, noch auf Hartz IV-Regelsätze, noch auf die Scheich von Abu-Dhabi auch nur den geringsten Einfluss hat).

FAZ: SPD: Strom-Grundmenge für lau für alle

Die FAZ fordert in einem Kommentar auch direkt Gratis-Äpfel für alle (weil die so gesund sind), Gratis-Bücher (weil die bilden), usw ...

FAZ: Beachtliche Verwirrung bei der Hessen-SPD

Das ist es, was mir an den Linken so wenig gefällt. Sie sind zwar in der Lage, das Problem richtig zu benennen, aber die Lösungsvorschläge sind sowas von neben der Spur. Wieso nicht ganz einfach sagen, dass ein Hartz IV Haushalt im Schnitt 25 Euro mehr für Energie zahlt und eine Anhebung des Regelsatzes um 25 Euro fordern? Wäre zwar im System, wäre zwar sinnvoll, aber bringt keine Schlagzeile ...

Buffet als Penner ...

"Wenn die Märkte effizient wären, wäre Warren Buffet heute ein Penner mit einem Pappbecher in der Hand"
Thorsten Hens, Professor für Finanzökonomie an die Universität Zürich (gefunden in der aktuellen Börse Online)

Werde ich mir merken, kommt in meine Sprüchesammlung

Die Bankenaufsicht in den USA

Wer sich für die Details der Kontrolle des US-Finanzsystems im ziemlich unübersichtlichen Dschungel von SEC, Fed, FDIC, etc. interessiert:

FTD: Wer wofür zuständig ist

800 Milliarden mehr Schulden für die USA

Ziemlich heimlich haben die USA die Möglichkeit genutzt, die verfassungsmäßige Schuldenobergrenze um 800 Milliarden Dollar von 9,815 auf 10,615 Billionen Dollar erhöht. Das Medienecho auf diese -wie ich finde ziemlich wichtige - Nachricht ist gleich Null. Übrigens ganz im Gegensatz zu den bisherigen Erhöhungen, die man alle problemlos mit einer Google-Suche nach "Debt Ceiling" finden kann ... Selbst die National Debt Clock hat die Nachricht noch nicht (U.S. NATIONAL DEBT CLOCK). Diese Nachricht wurde offenbar ziemlich gut in den 694 Seiten zur Fannie-Freddie-Immobilienmarkt-Bailout versteckt.

Ich habe gestern schonmal darüber gebloggt (Fannie-Freddie-Bailout abgesegnet), aber ich finde diese Nachricht so wichtig, dass ich daraus heute nochmal einen eigenen Artikel mache.

Gefunden habe ich die Nachricht über die FTD, die ich gestern schon dafür gelobt habe, die Nachricht nicht durchrutschen zu lassen wie fast alle anderen.

FTD: US-Kongress einig über Rettungspaket

In den USA gab es immerhin einen, der die Nachricht hatte. Dass das Suchergebnis allerdings von einer relativ kleinen Site kommt, zeigt nur, wie unglaublich ignoriert diese Nachricht wird.

Politico: Housing bill bonus: Alleviate debt ceiling

Die Nachrichtenagentur bringen das zwar sehr wohl, aber immer in einer Art Nachsatz oder Fußnote. In den Kurzversionen in den Zeitungen fehlt das am Ende dann ganz ...

Bloomberg: U.S. Senate to Take Up Fannie-Freddie Bill After House Approval

Ich will jetzt mal den Advokaten des Teufels spielen und behaupten, dass das Triple-A Rating des größten Schuldners der Welt (USA) noch nie so wacklig war wie aktuell. Immerhin haben es US-Staatsanleihen in der letzten Woche "geschafft", erstmals einen messbaren Risikoaufschlag im Vergleich zu einer risikolosen Anlage aufzuweisen. Dieser war zwar mit nur 0,10 bis 0,15 Basispunkten sehr klein, aber immerhin stellt es ein Novum dar, dass die US-Staatsanleihe nicht fast genau wie eine risikolose Anleihe gehandelt wird.

Update (11:23):

Nachdem ich leider keinen Link finden konnte, der die Ausweitung des Spreads bei den US-Staatsanleihen belegt (hatte das zwar gestern Abend gelesen, finde es aber nicht wieder), liefert mit Trinkaus und Burckhardt heute im Märkte am Morgen (PDF!) netterweise sogar die Grafik :-)

Über die Credit Default Swaps, die Ausfallversicherung, für die Anleihen, lässt sich der Risikoaufschlag der US-Staatsanleihen nämlich deutlich ablesen. Im ersten Halbjahr 2007 lag der Spread bei etwa 3 Basispunkten, inzwischen sind es 19, also fast 0,2% Zinsaufschlag.

Trinkaus rechnet mit einer Beruhigung. Ich ehrlich gesagt auch, aber nur, weil die Märkte zu kurzfristig denken, langfristig ist die Gefahr einer sinkenden US-Bonität durchaus vorhanden.

Mittwoch, Juli 23, 2008

US-Hypothekenanträge sinken, Hypothekenzinsen ziehen wieder an

Laut der Mortgage Bankers Association of America (MBA) ist in den USA der Index zu den Hypothekenanträgen in der am 18. Juli (KW29) ausgelaufenen Woche gegenüber der vorangegangenen Woche (KW28) um 6,2 Prozent auf 489,6 Punkte gesunken.

Gleichzeitig ziehen die Hypothekenzinsen in den USA immer weiter an. Dazu sollte man sich folgende Grafik der NYTimes zu Gemüte führen:



Da viele Hypotheken in den USA variabel verzinst sind, kann sich jeder der hier mit liest, die Auswirkungen einigermaßen ausmalen.

Fannie-Freddie-Bailout abgesegnet

Das Teil ist jetzt durch. Der US-Steuerzahler darf sich freuen ...

Im übrigen hatte ich gestern erst zu spät die Details gefunden. Die 25 Milliarden Dollar sind nämlich doch eine Szenarienschätzung, so ähnlich wie ich es auch verlangt hatte. Zwar sind die Szenarien total anders, aber es wird immerhin mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet. Im betsen Fall wird ein Schaden von Null mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% kommen, mit 5% Wahrscheinlichkeit könnte allerdings im schlechtesten Fall auch ein Schaden von 100 Milliarden Dollar entstehen. Gewichtet ergibt das über die mehreren Szenarien die 25 Milliarden Dollar, über die alle reden.

Naja, wie ich gestern schon sagte: Ich würde die Wahrscheinlichkeiten umdrehen und an die Summe eine Null hängen. OK, das ist jetzt übertrieben, aber womöglich ist diese Schätzung sogar realistischer als die Schätzung für den Kongress ... Naja, jetzt ist das Fass ohne Boden aufgemacht, aber der Kongress hält es für stopfbar. Bis dem Staat das Geld ausgeht ...

Übrigens zeigt auch der zweite Teil des Rettungspakets einen gewissen Realitätsverlust. Hier gibt Washington 3,9 Milliarden Dollar den Städten, die damit Immobilien erwerben dürfen, um den Immobilienmarkt zu stützen. Mal ganz davon ab, dass sich das anhört wie Sozialismus par excellence - Was sollen 3,9 Milliarden Dollar bringen?!? Fannie und Freddie haben 5,2 Billionen Hypotheken in den Büchern und ihr Marktanteil wird auf auf etwa die Hälfte geschätzt. Das heisst, dass es etwa 10 Billionen Dollar Hypotheken gibt. Der Gesamtwert der Immobilien ist noch höher, weil ja nicht alle Immobilien zu 100% beliehen sind. Die 3,9 Milliarden Stützung sind also nur in einem Bereich messbar, in dem man normalerweise seinen Alkoholspiegel misst ...

Möglicherweise hilfreicher ist ein Fonds, der Versicherungen für neue Hypotheken finanzieren soll. Will der Staat jetzt Konkurrent zu MBIA und Konsorten werden? (sagte ich vorhin schonmal Sozialismus?)

Außerdem bekommen Erstkäufer einer Immobilie einen Steuerscheck über 7.500 Dollar. Sage da noch einmal jemand, die Eigenheimzulage wäre teuer gewesen. Die Amerikaner können nämlich schon lange ihre Hypothekenzinsen von den Steuern absetzen! Irgendwie musste man diese Blase ja auch groß genug kriegen ... Oder was hatte man sich dabei gedacht?

Und wenn ich den Satz richtig verstehe

"Das Limit der staatlichen Verschuldung soll von 9800 Mrd. $ auf 10.600 Mrd. $ angehoben werden"
erhöhen die USA ihre Schuldenobergrenze mal so ganz nebenbei um 800 Milliarden Dollar.

Und wieder eine Nachricht, die eigentlich ziemlich wichtig ist, aber von den Medien (vor allem in den USA) komplett ignoriert wird. Respekt an die Leute bei der FTD, die dieses "Detail" nicht durchrutschen lassen! Kann ja auch schnell untergehen in einer Gesetzesschwarte mit 694 Seiten ... (So macht man heute Politik ... Das Wichtigste versteckt man ... Als wenn das nicht schon von langer Hand vorbereitet gewesen wäre. 694 Seiten in zwei Wochen kann doch niemand sinnvoll zusammenschreiben ...).

Aber was moser ich eigentlich rum? Ich will doch immer was Realistisches! Und die Schuldengrenze um 800 Milliarden zu erhöhen, ist doch eine adäquate Reaktion auf die Immobilienkrise. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Geld nicht komplett im Irak verballert wird. Denn dann würde die Erhöhung ja wieder nur ein paar Monate ausreichen ...

FTD: US-Kongress einig über Rettungspaket

Marketwatch: Approval nears for Fannie-Freddie housing measures

weissgarnix: Bailout de luxe

Update (24.7.08):

Der Deal ist bisher nur durch den Kongress, aber noch nicht durch den Senat verabschiedet. Es rechnen zwar alle damit, dass dabei keine Probleme entstehen, aber im strengen Sinn "durch" ist der Deal noch nicht.

Der Vorfilm zu Wall-E

Ich freu mich schon auf den neuen Pixar Film. Als Appetizer der Vorfilm:

VKMag: Presto

US-Wirtschaftsaktivität schwächt sich ab

Soeben wurde die neue Ausgabe des Konjunkturberichts (The Beige Book) der amerikanischen Notenbank veröffentlicht. Darin sieht die FED eine Abschwächungen der Wirtschaft im Vergleich zum letzten Bericht Mitte Juni. Als Grund wird eine Abschwächung des Konsums, höhere Preise, eine gebremste Aktivität in der Industrie und die anhaltende Schwäche am US-Häusermarkt angegeben.


Finanzen.net: Fed/Beige Book: Wirtschaftsaktivität im Vergleich zum Vorbericht abgeschwächt

In eigener Sache - Urlaub

Hallo, ab Freitag bin ich offline (zumindest täusche ich das vor) und um Euch nicht nur mit Postings aus der Rubrik Diverses zu nerven, hat sich mein fleissigster Kommentator und Linklieferant m106 bereit erklärt, hier in den nächsten zwei Wochen für etwas Aktualität zu sorgen.

Please give him a warm Welcome!

P.S. Macht Euch keine Hoffnung, ich habe in der Rubrik Diverses schon einige Postings vorbereitet ;-)

P.P.S. m106 ist sich der Gefahr bewusst, dass ich in gut drei Wochen mit einer Horde wilder RWO nach Koblenz komme und ihn nach allen Regeln der Kunst vermöbeln lasse, wenn er hier Unsinn treibt ;-) ;-)

Tour de Farce: Durch manipuliertes EPO werden die Doper gefunden

Das ist ja mal eine spannende Geschichte ...

Roche hat (auf Wunsch der Dopingfander) seinem EPO der dritten Generation (Produktname: Cera) ein spezielles Molekül beigemischt, das nichts zur Wirksamkeit beiträgt, aber nachweisbar ist. Damit hat die WADA jetzt die Möglichkeit nicht nach den Auswirkungen von EPO zu suchen (Hämatokrit-Wert), sondern sucht einfach das Molekül. Und wird natürlich bei der Tour-de-France auch fündig.

Jetzt wird natürlich das Hasel-Igel-Spiel weitergehen und die Doper schnell auf andere Quellen umsteigen, aber immerhin hat man so ein paar Doper erwischt.

FTD: Roche unterstützt Doping-Fahnder

T-Mobile: Das Fettnäpfchen Desaster

Das iPhone war hier schon häufiger Thema, deshalb auch heute nochmal was.

T-Mobile war ja bekanntlich ziemlich schnell ausverkauft. Das kann passieren und daran trägt Apple mehr schuld als T-Mobile. Schließlich sind die Dinger weltweit ausverkauft.

Aber dass jetzt T-Mobile die Gebühren für den Vertrag trotzdem abbucht, ist natürlich allein die Schuld von T-Mobile und schon ziemlich frech ...

Aussage ist: Man könne die SIM-Karte ja in ein anderes Handy stecken und damit auch nutzen ...

Ich habe mich schon mehrfach gewundert, was T-Mobile alles falsch macht. Es gibt doch für T-Mobile nur zwei Gründe für das Gehampel mit Apple:

a) Wechsler ansprechen
b) Vom guten Image von Apple profitieren

Zu a) Ich verstehe bis heute nicht, warum es von T-Mobile kein Wechselangebot gibt, um Kunden mit Hilfe des exklusiven iPhones zu sich rüberzuziehen.

Zu b) T-Mobile ist aber noch schlimmer. Man wird das Gefühl ja nicht los, dass die nicht nur die Chancen zum Imagetransfer verpassen, sondern jede Möglichkeit nutzen, ihr Image nachhaltig zu ruinieren. Ich denke dabei z.B. an die Ablösesumme von 15 Euro im Monat, die Altkunden für den Wechsel auf's iPhone 3G zahlen müssen. Oder an die Aussage von heute.

Eine typische Aussage zum Marktführer T-Mobile sollte eigentlich etwa so lauten: OK, T-Mobile ist etwas teurer, aber fair, kompetent und die haben ein gutes Netz und das iPhone. Defakto ist die Aussage im Markt eher so: OK, die haben ein gutes Netz und das iPhone, aber die sind chaotisch, inkompetent und teuer und nutzen jede Möglichkeit, den angefixten Kunden abzuzocken ...

Heise: iPhone-Kunden müssen zahlen, obwohl T-Mobile nicht liefern kann

SdK Vize Straub tritt zurück

Kurzes Update zur Geschichte um Wirecard/SdK:

Markus Straub tritt aufgrund der zumindest mit Insiderverdacht behafteten Shorts auf Wirecard zurück.

Straub hat jetzt ein neues Hobby: "In den Schnee pissen".

FTD: SdK-Vize Straub gibt auf

Die ganze Geschichte zum Thema SdK gegen Wirecard:

SdK und Wirecard im Kreuzfeuer ...

Sorry-Vermischtes-Aber das ist ZU cool



Ich hau mich wech ...

Gefunden über rivva.de bei Nerdcore: Ernie und Bert machen Gangster-Rap und der hat's von Alohastone: Ernie & Bert rappen und der hat's von Collegehumour: Bert and Ernie Rap

Dienstag, Juli 22, 2008

IKB braucht und bekommt nochmal 1,5 Milliarden

Wenn man hört, dass die USA glauben mit schlappen 25 Milliarden Dollar die 5,2 Billionen Dollar schweren Immobilienfinanzierer Fannie und Freddie retten zu können, dann wirken die Zahlen für die Rettung der IKB noch abstruser (oder andersherum der Glaube der USA).

Die Stützungsmaßnahmen für die IKB dürften inzwischen bei einer Gesamtsumme von 10 Milliarden Euro angekommen sein. Und die IKB ist im Vergleich zu Fannie und Freddie eine Klitsche. Also entweder hat die IKB einen unglaublichen Riesenbockmist gebaut oder Fannie und Freddie haben den ganzen Sturm doch relativ unbelastet überstanden.

Ich glaube aber doch eher, dass die IKB einen Riesenbockmist gebaut hat und die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac viel viel teurer wird als das jetzt jemand zugeben will. Die Suppe auslöffeln muss ja eh jemand anders, ob er Mc Cain oder Obama heissen mag.

FTD: KfW stützt IKB erneut mit Kreditlinie - Kritik: 'Fass ohne Boden'

Fannie-Freddie-Bailout kostet 25 Milliarden Dollar (sagt jemand)

Das schätzt zumindest das Congressional Budget Office, dass für den US-Kongress den Vorschlag von Bush und Paulson bewerten soll.

Generell gibt es zu dem Bail-Out noch einiges nachzutragen. Inzwischen sind nämlich manche Dinge klarer geworden.

Der Zeitrahmen für die Stützungsmaßnahmen beträgt 18 Monate. In diesen 18 Monaten sollen Fannie Mae und Freddie Mac eine neue Kreditlinie direkt beim Staat bekommen. Und zwar - festhalten - eine unbegrenzte. Außerdem soll der Staat (falls es nötig werden sollte) Kapitalerhöhungen bei Fannie und Freddie zeichnen dürfen. Auch hier gibt es keine Einschränkung in der Höhe, sondern nur eine zeitliche (ebenfalls 18 Monate).

Und weil das alles so ziemlich unbegrenzt ist, muss der Kongress errechnen, wie viel das denn wohl kosten wird ... Tja, und dafür liegt die erste Schätzung jetzt vor: insgesamt 25 Milliarden Dollar in 2009 und 2010.

Ich habe keine Ahnung, wie man zu diesem Ergebnis gekommen ist. Trotzdem zweifle ich das an, weil ich fest davon überzeugt bin, dass niemand solch komplexe Zusammenhänge so berechnen kann, dass am Ende *eine einzige* Zahl dabei herauskommt. Dafür sind viel zu viele Parameter unbekannt. Vor allem kennt niemand die Antwort auf die wichtigste Frage: Wie weit werden die Immobilienpreise noch sinken. Wenn man überhaupt was errechnen kann, dann auf Basis von mehreren unterschiedlichen Szenarien:

a) Bei 20% Immobilienpreisrückgang
b) bei 30% Immobilienpreisrückgang
c) Bei 40% Immobilienpreisrückgang

Ich bin mir fast sicher, dass das Szenario, das ich für das wahrscheinlichste halte, nicht das ist, das in dieser Berechnung zu Grunde gelegt wurde.

Und ich bin auch fast sicher, dass 25 Milliarden Dollar nicht ausreichen werden. Solch einen Minischaden (bezogen auf die 5,2 Billionen Dollar Hypotheken sind das weniger als 0,5%) hätte man auch schnell per Kapitalerhöhung ausgleichen können. Dafür hätte man weder eine so schlagzeilenträchtige Rettungsaktion heraushauen müssen, noch eine unbegrenzte Risikoübernahme anbieten müssen ...

Marketwatch: U.S. plan to aid GSEs has $25 billion price tag: CBO

Update (21:56)

Die FTD hat auch einen Artikel dazu:

FTD: Rettungsaktion kostet USA 25 Mrd. Dollar

US-Bank Wachovia mit fast 9.000.000.000 $ Verlust

Im Verlust steckt allerdings eine (einmalige) Goodwill-Abschreibung in Höhe von 6,1 Milliarden. Das Minus ist also nicht direkt auf Hypotheken-Abschreibungen zurückzuführen. Im Marketwatch-Artikel liest sich das etwas anders, dort sieht es doch eher so aus, als wären die Abschreibungen auf schlechte Kredite erfolgt. Ist aber auch egal, das Wörtchen "einmalige Abschreibung" hat in der aktuellen Krise sowieso keine wirkliche Bedeutung mehr (man kann naturgemäß jeden Kredit nur einmal abschreiben ;-). Im nächsten Quartal werden halt andere Kredite abgeschrieben ... ).

Die Dividende wird auf 5 Cent gekürzt. Bereits im Frühling wurde die Dividende von 64 auf 37,5 Cent je Quartal in etwa halbiert.

Die Aktie verliert kurz nach Börseneröffnung knapp 10%.

FTD: Wachovia kürzt nach Verlust Dividende

Marketwatch: Wachovia swings to loss on write-down, cuts div

BankAtlantic Bancorp verklagt bearishen Analysten

Ich hatte vor etwa einer Woche auf eine Studie von Ladenburg Thalman hingewiesen, in der die Banken auf Basis von zwei Parametern untersucht wurden: Problemkredite im Verhältnis zu allen Krediten und Problemkredite im Verhältnis zum Eigenkapital.

Dabei kamen 9 Banken heraus, die nach Meinung des Analysten als kritisch gelten müssen.

Siehe dazu hier: Noch 150 weitere Bankpleiten in den USA? (Update!)

Wie weit es in den USA mit der freien Meinungsäußerung gekommen ist, sieht man nun. BankAtlantic Bancorp hat den Analysten jetzt verklagt. Ziemlich überraschend, denn die Aktie war nur in einer der beiden Listen und dazu noch mit einem Wert, der unterhalb der kritischen Grenze lag. Die Bank findet die Analyse aber trotzdem falsch. Der Analyst hätte fälschlicherweise die Holding untersucht und nicht nur die Einzelgesellschaften. Der Anteil der Problemkredite liege nur bei 1,25% und sei damit unkritisch. Etc. pp.

Keine Ahnung, was davon im Einzelnen zu halten ist, aber dass man mit einer Klage antwortet, ist schon komisch, obwohl ... in den USA wahrscheinlich nicht ...

FTD: US-Regionalbank verklagt Analysten

oder

The Big Picture: BankAtlantic DESERVES to Go Belly Up

SdK und Wirecard im Kreuzfeuer ...

Die SdK sollte eigentlich die Interessen der Kleinaktionäre schützen. Zumindest die Wirecard-Aktionäre sind aber stinksauer auf die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre.

Die SdK ist auf Ungereimtheiten in der Bilanz von Wirecard gestoßen. Aber die SdK hat diese nicht nur veröffentlicht, sondern der stellvertretende Vorsitzende Markus Straub hat sich auch sofort eine leckere kleine Shortposition in Wirecard aufgebaut und profitiert jetzt vom zusammensackenden Kurs (-70% vom Hoch).

Inzwischen hat die SdK Wirecard eine Klage wegen Bilanzfälschung angedroht, woraufhin Wirecard die SdK verklagt hat (Insiderhandel).

Angeblich wurden inzwischen breitschultrige Männer zu einem Geschäftspartner von Straub geschickt, die dort wild Drohungen verbreiteten. Die Polizei wurde eingeschaltet.

BIZARR!

Dass die SdK manchmal "komische" Rollen spielt, ist mir schon bei Nascacell aufgefallen. Eine Aktie, die zu 8 Euro (oder waren es 6?) an die Börse kam und bei der Christoph Öfele von der SdK im Aufsichtsrat saß (bis Anfang 2007). Die Aktie kannte nur eine Richtung: nach unten - nicht ohne noch mehrfach über Kapitalerhöhungen weiteres Geld einzusammeln. Inzwischen ist die Hälfte des Grundkapitals weg und die Firma strebt (in völliger Ermangelung signifikanter Umsätze) wohl in die Pleite. In Analysen (auch in Focus Money) wurde von tollen Technologien und hohen Kurszielen geschwafelt, defakto hatte Nascacell keine relevanten Technologien aufzuweisen. Die wenigen Sachen, die Umsätze produzierten, basierten auf Lizenzen (und damit nicht auf eigenen Technologien). Warnung genug hätte schon die Geschichte von Nascacell sein müssen, die im Kern aus zwei bereits insolvent gegangen Vorgängerunternehmen entstanden ist. Was hat ein Aktionärsschützer bei einem solchen Laden im Aufsichtsrat zu suchen? (Öfele sitzt heute übrigens bei 1860 München im Aufsichtsrat)

Eigentlich bin ich nicht grundsätzlich negativ gegenüber der SdK eingestellt, denn ich habe einer Analyse der SdK über Primacom die erfolgreichste Spekulation der vergangenen Jahre zu verdanken: Primacom. Bei 0,46 gekauft, bei 10 Euro zum großen Teil angedient. Hier hat die SdK ganz am Anfang mit einem Wertgutachten verhindert, dass das damals gültige Abfindungsangebot von 25 Cent je Aktie auf der HV abgelehnt wurde. Das dürfte ein ziemlich einmaliger Vorgang in der deutschen Aktionärsdemokratie gewesen sein: Ein Haufen Kleinaktionäre bekommt tatsächlich die Mehrheit auf der Hautversammlung zusammen und sagt einfach Nein. Dank der SdK, die das alles recherchiert und organisiert hat.

Wenn ein Aktionärsschützer Short-Spekulationen startet, entspricht das nicht meinem persönlichem Empfinden von Unabhängigkeit, die ich in solch heiklen Positionen erwarten würde.

FAZ: Anlegerschützer unter Verdacht

FTD: Krimi um Wirecard

Road to the coast


Road to the coast
Ursprünglich hochgeladen von Gogoye


Wunderbar!

(Update) Habe das Datum auf heute zurückgesetzt, weil der Artikel schon rausging, obwohl der eigentlich erst in der Zukunft erscheinen sollte ...

Montag, Juli 21, 2008

Kapitalerhöhung der HBOS stockt ...

... Nur 8,3% der geplanten Menge an neuen Aktien konnten bisher an den Anleger gebracht werden. Eigentlich sollten insgesamt über 5 Milliarden Euro eingesammelt werden.

Zum Teil mag das daran liegen, dass im Zuge der sich wieder verschärfenden Krise der Aktienkurs unter den Bezugskurs gesunken war (zwischenzeitlich stieg der Kurs wieder, heute liegt er aber nach 6% Minus wieder unter dem Bezugskurs). Zum anderen Teil ist die HBOS ein Immobilienfinanzierer mit Schwerpunkt in Großbritannien. Und damit ist die HBOS eine Bank (eh schon kritisch) mit Schwerpunkt in einem kritischen Bereich (Immobilienmarkt) und einer kritischen regionalen Ausrichtung (Großbritannien). Ingesamt also superkritisch.

HBOS hat allerdings wohl Sub-Underwriter, die zumindest einen Teil der Kapitalerhöhung garantieren. Wie viel wird man am Ende noch sehen.

Aber was ich mich beim Lesen der Meldung gefragt habe: Wieso gehen in den USA eigentlich die unverschämtesten Kapitalerhöhungen bei echt kritischen Instituten (Lehman zu 28 Dollar, heute unter 19) relativ problemlos durch und bei europäischen Instituten gibt's Probleme, selbst wenn diese auf den ersten Blick unkritisch sind (HBOS hat erst lächerliche 20 Millionen abgeschrieben. Und das Wort "Millionen" wirkt eher wie ein Tippfehler, in Zeiten, in denen die anderen ihre Abschreibungen in "Milliarden" messen). Ist der Vorteil der USA, dass die solche Kapitalerhöhungen cleverer vorbereiten oder ist das der unschätzbare natürliche Vorteil, den eine Weltmacht mit der Leitwährung Nummer 1 einfach hat?

FTD: HBOS-Aktionäre verschmähen Kapitalerhöhung


Marketwatch: HBOS investors buy just 8.3% of $8 bln share sale

Polemisch - Machtvoll - Arrogant - Und schlecht verlinkend

Das ist die Mainstreampresse in Deutschland ...

Oder wie soll ich den Artikel im Spiegel anders beurteilen? Also wenn der nicht polemisch ist, weiss ich es nicht.

Mein Hauptkritikpunkt am Verhältnis Mainstreampresse zu Blogosphäre in Deutschland ist die mangelnde Verlinkung. Während die meisten Blogger immer sauber den Artikel verlinken, tauchen Links auf deutsche Blogs (auch wenn sie genannt werden) so gut wie nie auf. So kann man die Blogosphäre auch klein halten ...

Als wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass die deutsche Mainstreampresse nicht vernünftig verlinkt, erscheint dann dieser Artikel: Keine einzige Domain eines Blogs verlinkt, kein einziger Artikel, nichts.

Lieber Spiegel: Das Medium, in dem die Musik spielt, heisst Hypertext. Das ist Text + Hyperlinks. Nicht nur Text. Das war einmal. Das waren tote Bäume.

Zum Schluss noch eine Prognose: Sobald die deutsche Presse lernt, Links richtig zu benutzen und beginnt, die Blogger richtig zu verlinken (und nicht nur zitiert), wird die deutsche Blogosphäre auch relevant.

Spiegel: Die Beta-Blogger

(Tschuldigung für diesen Rant. Ich werde mich auch in Zukunft zum größten Teil aus diesen Diskussionen heraushalten, weil sich die deutsche Blogosphäre IMHO eh viel zu oft und viel zu intensiv mit sich und mit dem Verhältnis zur Mainstreampresse beschäftigt. Aber wenn der Spiegel der Blogosphäre Polemik vorwirft und selber so polemisch wird, muss ein kurzes Statement dazu erlaubt sein. Wobei ich nicht einmal finde, dass Polemik eine besonders schlimme Sache ist. Im Gegenteil: Der deutschen Presse fehlt IMHO tendenziell eher Polemik und oft leider auch eine starke, eine eigene Meinung. Viel zu oft versteckt man sich dafür hinter Gastautoren.)

Ein Börsenspam? Maxx-TV AG

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das jetzt breit gespammt wird, ich habe die Mail auf jeden Fall schon zweimal bekommen ...

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IPTV – Die Zukunft des Fernsehens hat begonnen

Weltweit nahezu jedes Wunschprogramm empfangen – IPTV macht es möglich. Nicht auf dem PC, sondern auf dem Fernsehschirm! Und maxx-tv AG (www.maxx-tv.ag) ist einer der Vorreiter in diesem riesigen Wachstumsmarkt.

Nach Angaben des Unternehmens soll noch im Herbst 2008 mit dem Eintritt in die USA, dem größten Fernsehmarkt der Welt, begonnen werden.

Deutsches Programm für die fast 40 Millionen Deutschsprechenden. Und das Beste: Die Marketingkosten hierfür trägt der Hersteller der für den Empfang erforderlichen Box.

Diese Konstellation ist uns eine Empfehlung wert.

Kaufen Sie:

Maxx-TV AG
WKN: A0M0KX, Symbol: M55
Börse Frankfurt
Kurs: ˆ 0.18
Kursziel: ˆ 0.35 / 0.45 auf Sicht von 6 Monaten

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Wir jetzt "uns" ist, bleibt unklar. Da hat der Spammer sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich einen Solidität vortäuschenden Namen auszudenken.

Ich kann nur weiterhin raten, keine gespammte Aktie zu kaufen. Das Geld damit verdient nur jemand anderes ... Und zwar in dem Moment, wo jemand auf diese Masche hereinfällt.

Außerdem eine Aktie, die in der Google-Suche als erstes Ergebnis "Jürgen Drews steht nicht in Verbindung mit der MAXX-TV AG" würde ich schon gar nicht kaufen. OK, sie distanzieren sich zwar von Jürgen Drews, aber allein schon, dass man das muss, wirft ein schlechtes Licht auf die Aktie ;-)

Übrigens: Wer meiner Empfehlung, nicht zu kaufen nicht glauben mag, kann sich gerne mal die Kursentwicklung der gespammten Aktien der Vergangenheit zusammensuchen. Die dürfte ziemlich desaströs sein ...

Halb leer? Halb voll? Egal, voll lustig ...

Also IMHO kann die Finanzkrise in den USA ruhig noch ein wenig weiter gehen, wenn Comedy Central weiterhin so lustige Sachen daraus macht.



via The Big Picture: Video: It's the Stupid Economy

Auf der Titanik hat die Band auch bis zum Schluss gespielt ...

Sonntag, Juli 20, 2008

Die Schuldenspirale in den USA dreht sich ... Baron Münchhausen muss helfen!

... im Kreis.

Zwei Links, die ich bei The Big Picture gefunden habe:

1.) Eine interaktive Grafik, die die Entwicklung der Schulden und des Sparens in den USA seit den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhundert visualisiert.

NYT: The Debt Trap via American Debt
(ziemlich Flash verseucht, wobei Flash eigentlich nur in der interaktiven Grafik, auf die ich mich beziehe, Sinn macht. Dazu auf "Start" und dann auf "lifetime" klicken. Jetzt kann man schön sehen, dass die Schulden immer weiter steigen und das jährliche Sparen immer weniger wird. Und weil sich die beiden Zahlen so konträr entwickeln, ist das auch kein Anstieg, der rein auf die Inflation, die Berechnungsmethode oder Ähnliches zurückzuführen ist. Die USA leben halt ziemlich heftig auf Pump und das auf allen Ebenen).

2.) Ein Artikel im Economist, der sehr schön klar macht, WIE verworren die Lage mit den Schuldenbergen ist. Deutlich wird das, wenn man sich das Discount Fenster der Fed anschaut. Hierbei können sich die Banken Geld bei der Fed leihen, müssen aber erstklassige Anleihen als Sicherheit hinterlegen. Das sind zum Beispiel Staatsanleihen, aber eben auch die Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac. Nun wissen inzwischen wohl alle (zumindest alle, die hier lesen), dass die Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac eigentlich nicht mehr sicher sind. Und dass die Fed in einer dramatischen Rettungsaktion am letzten Wochenende beide gerettet hat. Unter anderem dürfen sich Fannie und Freddie bei der Fed im Discount Window Geld leihen; ein Privileg, das früher nur wenige Geschäftsbanken hatten.

Der Clou an der Geschichte ist jetzt aber nicht nur, dass die Fed in der Bilanz jede Menge Anleihen von Fannie und Freddie hat (die die Fed selber gerettet hat), sondern dass sich die beiden jetzt auch auf Basis der eigenen Anleihen bei der Fed Geld leihen können. Geld leihen bedeutet in diesem Zusammenhang immer den Tauch langfristiger Papiere gegen kurzfristiges Geld der Notenbank. Im Falle der beiden Immobilienfinanzierer werden die verbrieften Hypotheken gegen erstklassige kurzfristige Staatspapiere getauscht. Damit haben beide defakto direkten Zugriff auf die Notenpresse der Fed, sprich die Lizenz zum Gelddrucken: Man tauscht den eigenen Schrott (oder wie soll ich die Anleihen einer Firma nennen, die letzte Woche noch drohte insolvent zu werden?) gegen Bargeld.

Man kann das Pferd auch noch anders herum aufzäumen und es zeigt nur eins: Wie unglaublich tief im Morast die US-Schuldenwirtschaft gerade sitzt ... Man könnte der Fed auch einfach unterstellen, dass sie Fannie und Freddie nur gerettet habe, um die eigene Bilanz zu schützen. Denn auch der Fed hätten riesige Abschreibungen gedroht, wenn die Anleihen von Fannie und Freddie den Bach heruntergegangen wären ...

Die USA machen gerade wirklich den Stunt und versuchen sich tatsächlich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen! (Was allerdings außer bei Münchhausen noch nie geklappt hat).

Economist: End of illusions via End of Illusions for GSEs

Freitag, Juli 18, 2008

Freddie Mac plant Mega-Kapitalerhöhung

Angeblich soll Freddie statt geplanter 5,5 Milliarden jetzt eine Kapitalerhöhung um satte 10 Milliarden Dollar planen.

Brad Setzer, Professor in Oxford, macht übrigens aus der ganzen Rettungsaktion ein "too foreign to fail". Freddie und Fannie seien zu ausländisch, als dass die USA die einfach fallen lassen könnten. Geschätzte 500 bis 600 Milliarden der ingesamt 5.000 Milliarden Dollar Freddie und Fannie Anleihen lägen in China. Wenn die platzen würden, wären die Chinesen mächtig sauer. Da die Chinesen aber jede Menge US-Staatsanleihen halten und diese auch in Zukunft weiter fleissig kaufen sollen, könne sich die USA nicht mit China anlegen. Also rettet man lieber die beiden Immobilienfinanzierer als sich mit dem größten Financier des US-Schuldenbergs anzulegen ...

FTD: Fannie und Freddie - der Chinese redet mit

Übrigens halten die japanischen Firmen (Banken und Unternehmen) etwa 95 Milliarden Dollar an Fannie-Freddie-Papieren. Wie viel der japanische Staat hält, wird nicht verraten, das "könne den Markt bewegen" ... Es wird also nicht gerade wenig sein ...

Marketwatch: Japan mortgage exposure seen over $95 billion

Und ebenfalls im weitesten Sinne passend:

Die Chinesen halten inzwischen Devisenreserven im Gesamtwert von 1,8 Billionen Dollar(!).

Marketwatch: China's forex stockpile hits record $1.8 trillion


Update (20.7.08):

Es wird doch nur eine Kapitalerhöhung um 5,5 Milliarden Dollar ....

Marketwatch: Freddie commits to raising $5.5 bln in capital

Und es liegen knapp 1 Billionen Dollar der Fannie und Freddie Anleihen im Ausland

Marketwatch: Overseas investors snapping up Fannie, Freddie debt

Kartellamt rettet die Sportschau

Zumindest sieht es so aus:

Spiegel: Kartellamt fordert Spiele vor 20 Uhr

Aber kann mir jemand sagen, warum?!?

Ich meine, es geht hier um Fußball. Was hat das Kartellamt damit am Hut? Verstehe ich nicht ...

Die Ausstrahlung von "Wer-wird-Millionär" erfolgt doch auch um 20:15 auf RTL, weil es RTL so will. Und nicht um 18:30 in der ARD.

?!?

(Ich freu mich als Fußballfan natürlich, wobei mir eine Zusammenfassung am nächsten Morgen im DSF auch reichen würde ...)

So löst man Investmentprobleme in Pakistan

Wenn die Kurse fallen, gibt es ne lustige kleine Ausschreitung und die Börse wird kurz- und kleingemacht ...



Wahrscheinlich gibt es deshalb in Pakistan auch keine Shortseller ... Die würden direkt gelyncht ... Die Anmerkung, dass sich die Pakistinis erst an fallende Kurse gewöhnen müssten, klingt ja doch etwas westlich arrogant, angesichts der Short-Selling-Einschränkungen der Fed (siehe Die Krise ist vorbei - Der Schuldige erkannt ...)

Übrigens gibt es die Shortseller (eine Art aus der Gattung der pösen Spekulanten (Spekulatius malum) in den USA auch nur an den Aktienbörse, an den Rohstoffbörse treibt sich nur die andere Art rum, der "Longbuyer" (Spekulatius bonum). Das ist schon sehr auffällig und muss wissenschaftlich noch weiter untersucht werden.

Besonders auffällig ist, dass diesen Spezies, sofort wenn sie nicht mehr an der entsprechenden Börse leben (also z.B. der Shortseller auf den Rohstoffmarkt gewandert ist), keinerlei Beachtung mehr geschenkt wird. Der "Longbuyer" hingegen, ist ein geachtetes Mitglied, sobald er auf dem Aktienmarkt sein Wesen treibt.

Ein ungeklärtes Mysterium, an dem Biologen und Soziologen sich schon lange die Zähne ausbeißen ...

Noch mehr Bilder aus Pakistan:

The Big Picture: Pakistani Investors Stone Stock Exchange

Übrigens ziemlich gute Kommentare unter dem Artikel.

Mein Favorit: "These people want to be bailed out! Who do they think they are? Americans?"

Die FAZ hat noch 'ne andere Idee: Den Kurs einfach per Dekret festlegen ...

FAZ: Wieso die Börsenkurse nicht gleich per Dekret festlegen?

Update (17:25):

Zeitenwende.ch: Spezielle Regeln für spezielle Banken

Citigroup mit 7,2 Milliarden Dollar Abschreibungen

Das sind aber weniger Abschreibungen als die 9 Milliarden Dollar Abschreibungen, die erwartet wurden. Daher fiel der Verlust auch geringer aus als befürchtet und beträgt "nur" 2,5 Milliarden Dollar. Je Aktie gab es ein Minus von "nur" 54 Cent statt erwarteten 62 Cent.

Dass das aber trotzdem ziemlich dramatische Zahlen sind, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr: im zweiten Quartal 2007 wurden noch über 4 Milliarden Dollar bzw. 1,20 Dollar je Aktie verdient.

Marketwatch: Citigroup swings to loss on $7.2 billion write-down


Mal schauen, ob in der vollständigen Bilanz für die SEC noch böse Überraschungen lauern ...

Update (16:02):

FAZ: Citigroup schreibt rote Zahlen - Aktie steigt kräftig

Der Vorzeigelinke Stiglitz meldet sich zu Wort

Die Linken zitieren Stiglitz ja ziemlich häufig, weil die auch nicht allzuviel wissenschaftlich Klingendes aus dem Munde eines Nobelpreisträgers zu zitieren haben, was als Unterstützung für die eigenen Argumente taugt ...

Stiglitz ist wie immer lesenswert und unterhaltsam und in seiner Kritik eines ungezügelten Neoliberalismus (ich lasse den Begriff jetzt stehen, obwohl er eigentlich grundfalsch ist) stimme ich ihm auch zu. Denn wenn eine Thatcher versucht, ein Monopol (wie das Schienennetz) zu privatisieren und dann hofft, dass dadurch irgendwas besser wird, ist das dumm und naiv. Denn Kapitalismus oder privates Wirtschaften ist nicht per se besser, sondern wird es nur durch Wettbewerb, sprich Druck. Nur dann wird verbessert und optimiert, nur dann kann die Firma nicht einfach die Preise erhöhen. Damit ist im Endeffekt alles, was mit Infrastruktur zu tun hat, nicht privatisierbar.

Aber zum Stiglitz-Artikel:

Er hat es (wie ich als Betrachter der Immobilienkrise auch, obwohl ich früh gewarnt habe) jetzt im Nachhinein natürlich einfach, das Wirtschaften zu kritisieren. Hätte er die Immobilienblase 2006 kritisiert, Respekt! Jetzt zählt das nicht mehr zu den Sachen, mit denen man noch besonders klug klingt.

Wenn die jetzige Blase kritisiert wird und gesagt wird, dass beim Platzen riesige Werte vernichtet würden: Klar, damit hat er Recht. Die entscheidende Frage müsste aber sein: Hat man in der Blase vorher nicht vielleicht sogar mehr Wert geschaffen? Es gibt Leute, die das behaupten und auch wissenschaftlich durch Untersuchung der alten Blasen belegen.

Man mag zurückschauen auf die Internetblase 1999/2000. Damals wurden auch unglaubliche Summen in Internetklitschen gesteckt, die das Papier nicht wert waren, auf dem das Geschäftsmodell stand (sofern es überhaupt eins gab ...). Aber genau die gleiche Blase hat dazu geführt, dass Yahoo oder ebay Geld an der Börse bekommen haben und auch Firmen wie Google das Startkapital einsammeln konnten. Das Problem ist nur, dass niemand vorhersagen konnte, wer denn erfolgreich ist (siehe vorne) und wer nicht (siehe die lange Liste der gescheiterten). Immerhin hat dieses Blasengeld dazu geführt, dass es zwei der Blasengeld-Profiteure unter die größten 100 Firmen im S&P 500 geschafft haben. Wenn man sich die wahnsinnigen Summen anschaut, die beim Platzen der Blase verdampft sind, wirken die doch schon um einiges weniger bedrückend, wenn man bedenkt, dass allein 200 Milliarden Wert bei nur drei Firmen geschaffen wurde.

Aber es kommen noch einige andere komische Stellen im Stiglitz Artikel:

Ebenso wenig haben uns die Märkte auf rasant steigende Öl- und Lebensmittelpreise vorbereitet
Das ist geradezu metaphysisch. Ich wusste gar nicht, dass Märkte dazu da sind, irgendjemanden auf irgendwas vorzubereiten. Und selbst wenn sie das könnten: Sobald die Märkte einen Preisanstieg für die Zukunft anzeigen (wie eben jetzt für Lebensmittel und Energie) schimpfen alle auf die Spekulanten, die die Preise nach oben treiben, obwohl es doch gar keine Knappheit gibt. Ja was denn jetzt? Hätten wir irgendwas davon gehabt, wenn die Ölmärkte uns schon 2002 mit 140 Dollar je Barrel gequält hätten, nur weil dann der Preis 2008 richtig vorhergesagt worden wäre? Hier verstehe ich echt nur noch Bahnhof, Herr Stiglitz.

Die im folgenden Absatz vorgebrachte Kritik an der marktwirtschaftlichen Rhetorik bei gleichzeitig gelebter Agrarsubventionsplanwirtschaft kann ich nur 100% unterschreiben. Das ist einer der wenigen relevanten Punkte ...

Auf der zweiten Seite folgt dann (die übliche) Spekulantenkritik.
Und [die Spekulanten] finden heraus - etwas zu spät, um in diesem Jahr noch groß etwas gegen das Problem zu unternehmen -, dass Knappheit herrscht.
Die Gegenfrage sei: Hat das irgendjemand anderes besser und früher vorhergesagt? Kann das überhaupt jemand? Ich kann das auf jeden Fall nicht und traue das auch niemand anderem zu. Ja, der Markt ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Was besseres fällt mir aber nicht ein und Stiglitz auch nicht, sonst würde er das wohl vorschlagen. Er bleibt aber auffällig unkonkret.

Was sich im folgenden Abschnitt dann fortsetzt ...
Sie [die Bauern] könnten ja vielleicht mehr verdienen, wenn sie einen kleinen Teil ihres Getreides heute im Lager behalten, um es zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen
Also erstens unterstellt Stiglitz hier das spekulative Element auf einmal den Bauern (also nicht mehr den bösen Spekulanten an der Wall Street), obwohl niemand weiss, ob irgendein Bauer wirklich mehr Getreide einlagert als im Jahr zuvor. Und zweitens fällt mir die Kritik zunehmend schwer, weil sie wirklich an den Grundfesten von freiem Handeln ansetzt ... Sollen die Bauern gezwungen werden, ihre Produkte sofort zu verkaufen? Zu jedem Preis? Mir ist völlig unklar, welche Alternative Stiglitz hier vorschlagen möchte ... Planwirtschaft?

Dann springt der Artikel wieder zurück zur Immobilienkrise (wie er sowieso wirr hier und her springt und deshalb für Stiglitz-Verhältnisse schwach ist).
Verteidiger des Marktfundamentalismus möchten die Schuld vom Marktversagen auf Regierungsversagen lenken. [xy sagt] dass das Problem die US-amerikanische Regierung sei, die ihren einkommensschwachen Bürgern bei ihren Immobilienproblemen stärker hätte unter die Arme greifen sollen. Dem stimme ich zu.
Dem stimme ich - und zwar ausrücklich - NICHT zu, denn Fannie und Freddie sind genau aus diesem Grund geschaffen worden: Um einkommensschwachen Familien beim Immobilienerwerb zu helfen. Beide haben (mit politischer Unterstützung) Familien mit zu niedrigem Einkommen geholfen, viel zu teure Wohnungen zu kaufen. Die Lösung dafür soll jetzt laut Stiglitz sein, dass man diesen Familien noch mehr helfen müsse?!? Etwas längerfristiger gedacht heisst das nichts anderes, als immer weiter Geld in die Blase zu pumpen. Damit diese bloß nicht platzt. Aber das soll doch nicht ernsthaft die Lösung sein?!? Nein, das Problem war, dass mit staatlicher Unterstützung (Fannie + Freddie + niedrigen Zinsen durch die Fed) zu viel Geld in den Immobilienmarkt geflossen ist.

Zusammenfassend finde ich den Artikel geradezu klischeehaft links. Ja, man findet die Wunden. Ja, man legt den Finger in die richtigen Wunden. Aber nein, man hat für keines der genannten Probleme einen sinnvollen Lösungsvorschlag. In intellektuellen Kreisen lässt man die Lösungsvorschläge weg (wie Stiglitz; eigentlich sollte man von einem Nobelpreisträger mehr erwarten), dann kann man auch weiterhin schlau daherreden, in weniger intellektuellen Kreisen fordert man die Abschaffung des Kapitalismus (Oskar und seine Linken). Ich fürchte nur, das löst auch kein Problem. Naja, es löst schon viele, schafft aber viel mehr neue ...

Die Marktwirtschaft verhält es sich wie mit der Demokratie im Churchill'schen Sinn:

Marktwirtschaft ist eine schlechte Wirtschaftsform, aber ich kenne keine Bessere.

(wobei übrigens unklar ist, ob Churchill das Demokratie Zitat wirklich gesagt hat ... Auch das mit der Statistikfälschung hat er wohl nie gesagt ... Wurscht aber eigentlich auch)

FTD: Joseph Stiglitz: Das war's, Neoliberalismus

Ich bin mir bewusst, dass einige meiner Leser diesen Artikel nicht mögen werden, aber das hier ist egghat's SENF, nicht egghat's Honig-Um-Den-Mund-Schmier-Blog ;-)

Update (17:44):

Weil es gerade auch passt (auch wenn es etwas allgemeiner ist) und weil es nicht egghat ist, sondern mit Vernon Smith auch ein Nobelpreisträger

FAZ: „Sozialismus erscheint vielen noch immer attraktiv“

Merrill Lynch mit knapp 5 Milliarden Dollar Verlust

Nicht im Gesamtjahr, sondern ein einem einzigen Quartal.

Zur Stabilisierung der Bilanz wird der 20%-Anteil an Bloomberg für 4,4 Milliarden Dollar verkauft.

Über den Verkauf von Financial Data Services und der Fondstochter Blackrock wird noch verhandelt und abhängig vom Preis (und dem Kapitalbedarf von Merrill Lynch) könnte auch dort noch ein Verkauf erfolgen.

Ich bringe diese Nachricht eigentlich nur um klarzumachen, dass die Finanzwerte nicht sinken, weil da pöse Spekulanten am Werk sind, sondern weil es dafür sehr eindeutige fundamentale Gründe gibt.

Merrill Lynch schockt mit Verlusten

Donnerstag, Juli 17, 2008

Jetzt rappelt's in Spanien ...

Der spanische Immobilienkonzern Martinsa Fadesa ist insolvent. Er scheiterte an einer relativ kleinen Finanzierung über 150 Millionen Euro nachdem ein neuer Kredit von 4 Milliarden bereits gewährt wurde. Allerdings gab es die 4 Milliarden nur unter einer Auflage:Es muss der zweite Kredit über 150 Millionen gewährt werden.

Das machen Banken schonmal so: Man gewährt einen Kredit aber nur unter der Bedingung, dass eine andere Bank einen weiteren Kredit genehmigt. Dann kann sich die erste Bank etwas sicherer sein, dass die Risikoprüfung nicht ganz neben der Spur war, weil offenbar auch die zweite Bank zum selben Ergebnis gekommen ist.

Insgesamt ist Martinsa Fedesa mit 5,4 Milliarden verschuldet. Damit droht eine der größten Pleiten in der Geschichte Spanien.

Sucht euch einen Artikel aus, es steht in beiden das gleich ...

FTD: Spanischer Immobilienriese insolvent


FAZ: Der Boom ist zu Ende, die Pleiten beginnen


Update (17.7.08):

Noch zwei Artikel, die mir positiv aufgefallen sind und einen Blick auf das größere Bild in Spanien werfen:


FAZ: In Spanien schlägt die Immobilienkrise durch


Und ein sehr ausführliches Special, leider auf mehrere Seiten verteilt (wobei es dieses Mal vertretbar erscheint; manchmal macht die FTD ja nur drei Sätze auf eine Seite):

FTD: Der spanische Patient

Noch schnell drei Zahlen zur US-Wirtschaft nachgereicht ...

... nur damit die nicht untergehen ...

Zur Stimmung der Häuslebauer in den USA: Nach den Stabilisierungsversuchen auf extrem niedrigen Niveau (solange sich da nicht viel geändert hat, habe ich die Zahl nicht gebracht), gab es jetzt wieder einen Einbruch und der Juli hat mit einem Wert von 16 einen neuen (negativen) Rekord aufgestellt.

The Big Picture: Housing Market Index (HMI) Falls to New Lows (Schöner Chart darin, der auch die Rezessionen einzeichnet)

Vorgestern kamen auch die Produzentenpreise und die Einzelhandelsumsätze.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen nur um 0,1%, ex Auto und Benzin um 0,2%. Das war überraschend schwach, weil schon einige der Tax-Rebate-Schecks in den Haushalten eingetroffen sind, aber scheinbar keine Wirkung entfaltet haben. Denn wenn man die Inflation berücksichtigt (Lebensmittel + Sprit) war real wohl überhaupt kein Wachstum zu verzeichnen.

Die Prooduzentenpreise sind im Jahresvergleich um wirklich schockierende 14,5% gestiegen. Gut, die Energiekosten machen eine signifikanten Teil des Preisanstiegs aus. ABER man solle sich auch nicht selber was in die Tasche lügen und darauf hoffen, dass die Unternehmen diese höheren Kosten nicht auch weitergeben. Das was jetzt bei den Produzentenpreisen vorne in der Pipeline steckt, wird demnächst bei den Verbraucherpreisen sichtbar werden. So sicher wie das Amen in der Kirche ...

The Big Picture: PPI, Retail Sales

Feist 1 2 3 4 in der Sesamstraße

Ich mag Feist und meinen Sohn viel zu sehr, um das nicht 100% perfekt zu finden ... Es gibt leider nicht so viel Musik für Kinder in diesem Alter, die man als Erwachsener auf die Dauer überleben kann ...



Wer lieber das Original will ... Gerne ...

1 2 3 4 - Jetzt wird der Song doch noch berühmt

Herrlich!

Tschuldigung, aber schon wieder ein Posting in der Rubrik "Vermischtes". Aber ich habe mich gestern gekringelt vor Lachen ...



Man sollte diesen blöden Computern nicht zu viel Vertrauen schenken ... Die chinesischen Schriftzeichen bedeuten übrigens "Dining Hall" also Speisesaal.

gefunden bei
Adweek: Then we'll grab a bite at 404 Not Found
überBoingboing: Chinese restaurant called TRANSLATE SERVER ERROR

Chinesisches Wachstum kühlt sich ab - auf +10,1% in Q2/08

Das nenn ich mal Wachstum ... Der Wert im ersten Quartal 2008 lag noch bei 10,6%.

Die Inflation im Juni betrug "nur noch" 7,1% und liegt damit deutlich unter den 8,5%, die noch im April verzeichnet wurden. Wenn die Inflation aber sauber berechnet wird, sollte die bald wieder anspringen, weil in China die Subventionen auf Benzin und Diesel gesenkt wurden (jaja richtig gehört: Die Chinesen haben defakto eine negative Mineralölsteuer ...). Bei den Produzentenpreisen deutet sich das auch bereits an, denn diese steigen weiterhin kräftig. Im Juni betrug das Plus 8,8%; der Inflationsdruck in der Pipeline bleibt weiterhin hoch ...

Ich bleibe dabei: Angesichts des hohen Wachstums und der Inflation, werden die Löhne weiter steigen und damit die Preise der chinesischen Güter auf dem Weltmarkt. Die Zeiten der preissenkenden Effekte aus China liegen wohl für alle Zeit hinter uns ... siehe hierzu auch mein "Grundsatzposting" China wird zum Exporteur von Inflation.

Marketwatch: China's GDP growth pace cools in second quarter

Mittwoch, Juli 16, 2008

US-Verbraucherpreise plus 5.0%

Im Jahresvergleich gegenüber Juni 2007.

In der Kernrate ohne die unwichtigen 25% Energie und Nahrungsmittel stiegen Preise um 2,4%.

Dabei scheinen diese nicht angepassten Zahlen noch tendenziell zu untertreiben, denn mit Saisonbereinigung ist die Steigerung der letzten 6 Monate noch höher (7,9& all inclusive). Aber nicht überbewerten, denn der von mir bevorzugte Jahresvergleich hat ja den großen Vorteil, dass man keine Saisonbereinigung vornehmen muss (man vergleicht ja Juni mit Juni).

Marketwatch: Consumer prices jump 1.1% in June

oder direkt von der Quelle:

BLS.org: CPI June 2008

Update (00:08)
The Big Picture: Consumer Prices Surge Most Since ’82

Die Krise ist vorbei - Der Schuldige erkannt ...

Und der Schuldige ist:

Nicht die Fed.
Nicht die Investmentbanken an der Wall Street.
Nicht die Immobilienbanken, die unverantwortliche Kredite vergeben haben.
Nicht die Rating-Agenturen, die schwachsinnige Ratings erstellt haben.
Nicht die Regierung, die den Immobilienboom angefeuert hat.

NEIN!

Es sind:

Na klar, die Shortseller!

Die verkaufen einfach die Aktien, die sich nicht haben, und setzen sie damit unter Druck. Wenn niemand dagegen hält, sinkt die Aktie.

Genau das will die Fed jetzt verbieten, genauer einschränken Natürlich nicht bei allen Aktien, sondern nur bei einigen aus dem Finanzsektor ( BNP Paribas, Bank of America, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, Daiwa Securities, Deutsche Bank, Allianz, Goldman Sachs, Royal Bank of Scotland, HSBC Holdings, JP Morgan Chase, Lehman Brothers, Merrill Lynch, Mizuho Financial Group, Morgan Stanley, UBS und Fannie Mae und Freddie Mac). Interessant, dass die Fed dass auch für die Allianz verbieten will. Was hat die Fed damit am Hut? Die Regel gilt ab nächsten Montag.

Die große, grundsätzlichere Frage ist jedoch: Warum hält niemand gegen eine geshortete Aktie? Ich erinnere an die Bear Stearns Rettung und die Tatsache, dass die Aktie vor der Rettung einen letzten Kurs von 30 Dollar hatte und nachher für 2 über den Tisch ging (wurde dann auf 10 erhöht). War das ein Short-Seller? Oder war der Laden einfach nichts mehr wert?

Wieso verkauft niemand IBM leer? Weil niemand glaubt, dass die Pleitegehen könnten.

Warum verkauft jemand Washington Mutual leer? Weil bei WaMu bereits 5% der Kredite stark ausfallgefährdet sind.

Bin sehr gespannt, wie sich diese Maßnahme auswirkt. Meine Prognose: Kurzfristige Erholung, mittelfristig geht's weiter runter. Weil in den Bilanzen noch jede Menge Schrott liegt, der noch wie Edelstahl bewertet wird ...

Keine Ahnung, wie gerade die USA auf diese IMHO völlig schwachsinnige Idee kommen.

Ich ändere "too big to fail" ab sofort in "too big to short".

Die großen Banken sind so wichtig, dass sie nicht Pleitegehen dürfen und dass die Aktien nicht verkauft werden dürfen.

Überhaupt: Sinkende Aktienkurse sind 'ne fiese Sache. Man sollte das generell verbieten. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die USA in etwa so verhalten, wie ich es eigentlich von Oskar Lafontaine und seinem neuen Sozialismus erwartet hätte. Man verbietet einfach die Teile des Kapitalismus, die einem nicht in den Kram passen ...


FTD: SEC beschränkt Leerverkäufe


Marketwatch: SEC to limit shorting of Fannie, Freddie, brokers

Ich frage mich jetzt als Investor natürlich, ob sich daraus nicht eine kurzfristige Spekulationsmöglichkeit ergibt? Denn wenn die Shorties wirklich Schuld sind und ihre Positionen glatt stellen müssen, sollten die entsprechenden Kurs doch durch die Decke gehen, oder?

Was meint ihr?

Dieses Posting ist nicht zu Ende geprüft, der Gedanke muss aber raus, bevor ich jetzt weg bin ... Hoffe auf eine anregende Diskusssion ...


Yigg it!


Update (21:23)

Wie einlese anmerkt, ist nicht das Short Selling per Se verboten worden, sondern nur das sogenannte "naked short selling" verboten worden. Hier der entscheidende Teil aus dem Kommentar (sehr ihr, es lohnt sich die Kommentare zu lesen (und natürlich abzugeben) ...)

"Lediglich das naked short selling, also das Verkaufen von Aktien, die man sich nicht geliehen hat, soll (für eine befristete Zeit) eingeschränkt werden"


Damit stellt sich natürlich noch mehr die Frage, ob das überhaupt eine Wirkung entfaltet. Denn wenn das nur einen Teil der Short Positionen ausmacht, wird das noch viel weniger der Auslöser gewesen sein. Damit verringert sich natürlich auch die Chance auf eine signifikante Gegenbewegung durch die (von mir erwarteten) Eindeckungen ...

Update (22:58):

Meine Güte war die Überlegung mit den Shorteindeckungen richtig. Dumm, dass ich nicht darauf setzen konnte ... Die Banken sind im Laufe des Tages um 10, 20 und noch mehr Prozent gestiegen ... Da konnte man ganz entspannt einsteigen, weil sich das erst im Laufe des Tages entfaltete ... Damn.

Update (23:57):

Ein Artikel in der FTD dazu ...

FTD: Dossier Am Anfang war das Wort


Zum Thema Lehman sage ich nur, dass der Chef von Lehman die Shorties bei 28 umbringen wollte und die Aktie heute bei etwa 16,50 steht ... Zumindest bis jetzt haben die Shorties ein besseres Gefühl für den Wert der Aktie gehabt ...

Update (17.7.08)

Lesenswert zum Thema auch der Artikel im Boersennotizbuch:

Boersennotizbuch.de: Panik bei der SEC und der Akman-Plan

Letztes Update:

Ein Spiegel Artikel zum Thema (leider IMHO mit zu viel Gewicht auf der offiziellen Version und zu wenig Gewicht auf der Kritik): Spiegel: Die Krise wird zum Krimi

Und

Und als Zugabe: SEC-Attack!

Das ist ja obskur ...Sechsmal über die Grenze in einem Ort

Ein Ort, der etwa 2 Kilometer nördlich der Belgisch-Niederländischen Grenze liegt, aber zu Belgien gehört. Gut, solche Enklaven sind nicht so außergewöhnlich. Aber dass Teile des Ortes doch wieder zu Holland gehören und die Grenze so wirr ist, dass man den Ort nicht durchqueren kann, ohne mehrfach die Grenze zu überqueren, ist dann schon seltsam. So richtig obskur wird es, wenn die Grenze mitten durch ein Restaurant geht und nach den Ladenschlussgesetzen ein Teil des Restaurant eher schließen muss als der andere ... Dann muss man den Tisch wechseln und gut iss ...

Ich hoffe nur, die haben die gleichen Steuersätze und müssen am Ende keine gesplittete Rechnung mit 2 Mehrwertsteuersätzen und zwei unterschiedlichen Alkoholsteuersätzen stellen ...

Ich finde sowieso, man sollte Belgien einfach abschaffen. Hat sich nicht bewährt das Konstrukt. Den flämischen Teil schlägt man den Niederlanden zu, den wallonischen gibt man an Frankreich ;-) Brüssel macht man zu einem europäischem Freistaat und lässt sich die Eurokraten dort austoben. Vielleicht lassen die den Rest Europas dann etwas häufiger in Ruhe ...

BLDBLOG: Baarle-Hertog

via boingboing: Tiny sovereign Dutch neighborhoods in Belgian town

Macht auch Spaß bei Google Maps. Es gibt in der Ecke noch ein lustige Flecken, wo offenbar ein einzelner Acker wieder zu Belgien gehört ...


Größere Kartenansicht

Das Jim Rogers "Der-Freddie-Fannie-Bailout-War-Ne-Scheissidee"-Video

Klare Worte, aber sehr angebracht IMHO.

Viele richtige und wichtige Fragen, auf die leider keine sinnvollen Antworten kommen ...

Dienstag, Juli 15, 2008

Noch 150 weitere Bankpleiten in den USA? (Update!)

Das sei zumindest möglich, meint der Analyst Richard X. Bove von Ladenburg Thalman. Die haben auch eine Liste zusammengestellt, die ich aber auch nach langem Googlen nicht finden kann.

New York Times: Analysts Say More Banks Will Fail

Update (15.7.08)

Hier gibt es die Liste mit den Banken, die interessanterweise nur 7 Kandidaten im engeren Kreis und ein paar andere im erweiterten Kreis. Die zwei Parameter, die zur Bewertung herangezogen wurden, sind:

a) Anteil der "non-performing assets" und der überfälligen Kredite im Verhältnis zum Eigenkapital+Reserven der Bank. Problematisch wird es ab 40%.
b) Anteil der "non-performing assets" und der überfälligen Kredite im Verhältnis zu den gesamten Krediten. Problematisch wird ist, wenn das in der Ecke von 5% oder mehr liegt

Auswertung a):

IndyMac Bancorp, Inc. IMB 146.2%
Downey Financial Corp. DSL 95.4%
Doral Financial Corporation DRL 85.7%
BFC Financial Corporation BFF 77.8%
BankUnited Financial Corporation BKUNA 75.6%
Corus Bankshares, Inc. CORS 69.9%
First BanCorp. FBP 53.4%
FirstFed Financial Corp. FED 52.6%
Flagstar Bancorp, Inc. FBC 48.4%
Santander BanCorp SBP 45.8%
Washington Mutual, Inc. WM 40.6%

Auswertung b):
Downey Financial Corp. DSL 13.86%
Corus Bankshares, Inc. CORS 13.18%
Doral Financial Corporation DRL 12.82%
IndyMac Bancorp, Inc. IMB 10.51%
FirstFed Financial Corp. FED 6.73%
Oriental Financial Group Inc. OFG 6.12%
BankUnited Financial Corporation BKUNA 5.36%
First BanCorp. FBP 4.91%
Santander BanCorp SBP 4.81%
BankAtlantic Bancorp, Inc. BBX 4.40%
BFC Financial Corporation BFF 4.30%
Washington Mutual, Inc. WM 3.89%

Dealbreaker: Dick Bove's Going To Make You Rich (darin verlinkt auch das PDF mit der kompletten Liste).

Wieso die NYT von 150 Banken schreibt, ist in der Tat schleierhaft ...

Danke an notanofferingmemorandum für den Link.

Montag, Juli 14, 2008

Don't fight the Fed!

Stimmt immer. Naja, fast immer. Und im Moment exakt gar nicht.

Die Börse ist nicht so einfach, wie es die Einflüsterer dem unbedarften Publikum gerne weismachen würden ...

Die Fed hat die Zinsen gesenkt und zwar in Rekordtempo und die Börse fällt trotzdem. Das Minus im Dow Jones seit der ersten Zinssenkung beträgt fast 20%.

Danke für den Hinweis an The Big Picture: You Can't Fight the Fed

Ich Idiot hab den Lehman Put glattgestellt ...

Bei 30 Dollar oder so. Kurs heute 12,irgendwas. Argggh. Gut, waren 50% Plus, aber jetzt wären es deutlich über 150% gewesen ...

Wo ist die nächste Blase?

;-)

The Onion: Recession-Plagued Nation Demands New Bubble To Invest In

via Please God, Give Me One More Bubble

Hausabriss von unten ... Das Erdgeschoss zuerst, das Dach zuletzt

Ich hatte davon schon einmal anders herum gehört: Die Japaner bauen die Häuser falsch herum und fangen mit dem Dach an.

Und das geht so: Hydraulikstützen drunter und wenn das Dach fertig ist, hoch damit. Dann die oberste Etage bauen, hoch damit und so weiter bis man im Erdgeschoss ankommt.

Der Vorteil: Sobald das Dach fertig ist, ist man immer im Trockenen. Außerdem muss man nichts mehr mit dem Kran hoch hieven, niemand muss mehr hoch fahren, man braucht viel weniger Platz, etc. pp.

Da ich das schon ein paar Mal erzählt habe, mich aber alle (mehr oder weniger heimlich) für bescheuert erklärt haben, bin ich froh, heute diese Video gefunden zu haben: Die Japaner bauen die Häuser nicht nur "falsch herum" , sondern sie reissen die Häuser auch so ab!

Hydraulik-Stützen rein, mit dem Bagger rein und das Erdgeschoss platt machen. Dann den "Rest" des Hauses langsam runterlassen, und weiter damit, bis das Haus dem Erdboden gleich gemacht ist. Und das alles am Erdboden ...

Und jetzt crashen die "kleinen" Banken ...

Üble Kursentwicklungen. Dummerweise nicht der erste Tag für die meisten Betroffenen ...

Nur eine Auswahl:

National City Corporation 3,46 -0,96 -21,72%

Washington Mutual Inc: 3,48 -1,47 -29,70%

Zions Bancorporation: 20,64 -5,05 -19,66%

Sovereign Bancorp Inc: 6,10 -1,04 -14,57%

KeyCorp (New): 8,94 -0,90 -9,15%

First Horizon National Corp.: 5,13 -1,57 -23,46%

M&T Bank Corp.: 57,10 -12,60 -18,08%

Regions Financial Corp.: 7,44 -1,10 -12,88%

...

Marketwatch: Nervous investors mull more potential bank failures

Update (23:59):

Zum Thema auch noch was bei Zeitenwende.ch:

Zeitenwende.ch: Bankenpleite - wer ist der Nächste?

Mehr Details zum Freddie-Fannie-Bail-Out

1) Im Gegensatz zu meinem ersten Posting heute morgen (gefühlte tiefe Nacht) kann der Staat - genauer das Schatzministerium - die (wohl nötigen) Kapitalerhöhungen zeichnen und damit sichern.
2.) Der Staat erhöht die Kreditlinie für Fannie Mae und Freddie Mac von den bisherigen 2,25 Milliarden Dollar. Diese Kreditlinie haben die beiden direkt beim US-Schatzamt (und nicht bei der Fed). Über die Höhe der neuen Kreditlinie muss der Kongress entscheiden. Dass die 2,25 Milliarden angesichts der 5.000 Milliarden Bilanzsumme ein Witz sind, leuchtet schnell ein ...
3.) Die Öffnung des Discount-Fensters bei der Fed für die beiden ist Fakt und in der Tat ein Novum.
4.) Beide GSE (government sponsored entities) werden der Kontrolle der Fed unterstellt.

Das müsste von der Nachrichtenseite her so ziemlich alles gewesen sein, was relevant und klar ist.

Ich fange mit den positiven Meinungen zum Thema an:

Econbrowser: The Fannie and Freddie assistance plan

Zwei Dinge sind positiv: Erstens setzt der Kongress die Höhe der neuen Kreditlinie fest und nicht die Fed, der Finanzminister oder irgendjemand anderes in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in irgendeinem Hinterzimmer wie bei der Bear Stearns-Rettung. Die Maßnahme darf damit durchaus als demokratisch legitimiert gelten.

Einen anderen positiven Aspekt findet Bill Burnham, der schätzt, dass die Kontrolle der Fed dazu führen wird, dass Fannie und Freddies Bilanzen massiv schrumpfen, weil sie sich in Zukunft nur noch um ihre eigentliche Aufgabe kümmern sollen (Finanzierung des Immobilienerwerbs für finanzschwache Haushalte anbieten)
Burnham's Beat: Fannie Mae Is Saved! It's Shareholders ... Not so Much.

Burnham weist aber auch auf die Tatsache hin, dass die mittel- und langfristigen Auswirkungen dieser Rettung kaum positiv sein dürften ...

Und jetzt negativ:

Zeitenwende.ch: Ein vollkommenes Desaster
bezieht sich im wesentlichen auf Aussagen von Rohstoffguru Jimmy Rogers, die sich auch bei Bloomberg finden: Fannie Plan a `Disaster' to Rogers; Goldman Says Sell (Update5) . Rogers hat mal gesagt, dass er in allem Investmentbanken short ist und nicht daran denkt, diese Shorts glattzustellen, bevor die Kurse einstellig sind (im Gegensatz zu mir ... Ich Idiot hab den Lehman Put glattgestellt ...)

Eine neutrale, wenn auch langweilige (Mainstream-)Analyse:
FAZ: Finanz-Feuerwehr

Spannender ist der kleine Hinweis, dass die Bilanz der Fed langsam aber sicher dünner wird:
Trader's Quest: Aktiva der Fed: 30% des Pulvers sind verschossen (sowas ähnliches hatte ich auch schonmal im Mai: Die Bilanz der Fed)

Nochmal zwei schöne Zusammenfassungen wie es zu dem Desaster kam:

Econbrowser: Fannie Mae and Freddie Mac oder hier Burnham's Beat: Fannie Mae's Golden Goose: A Lesson In Moral Hazard

Und zum Abschluss nochmal die Nachricht in der deutschen Presse:

Tagesschau:
US-Hilfspaket für taumelnde Hypothekenbanken
Handelsblatt: Milliardenhilfe für US-Hypothekengiganten
FAZ: Ein Hilfspaket für die taumelnden Hypotheken-Giganten
Spiegel: US-Regierung will Milliarden in Hypothekenbanken pumpen

So, das reicht für heute.

It's Bail-Out-Time: USA fangen Freddie Mac und Fannie Mae auf

1.) "Adequately capitalized" HarHar
2.) Paulson lügt, bis sich die Balken biegen

Zu den Fakten:

a) Fannie und Freddie erhalten eine ausdrückliche Staatsgarantie
b) Der Staat kann Anteile an beiden übernehmen
c) Fannie Mae und Freddie Mac bekommen erweiterte Kreditmöglichkeiten bei der Fed (am Freitag Gerücht, am Samstag dementiert, am Sonntag Fakt)

Marketwatch: White House, Fed will rescue Fannie, Freddie


Marketwatch: Text of Paulson statement on Fannie, Freddie


Soviel für's Erste (es ist 7:00 und ich brauche erstmal Kaffee). Erwartet Updates im Laufe des Tages

Samstag, Juli 12, 2008

Große Bankpleite in den USA (Indymac)

Ob es die zweitgrößte aller Zeiten ist, wie die Überschrift bei Digg sagt, weiss ich nicht. Es aber mit 32 Milliarden Assets definitiv keine Klitsche ...

Es geht um IndyMac, einen kalifornischen Immobilienfinanzierer. Da Kalifornien einer der am meisten betroffenen Bundesstaaten ist (25% Minus bei den Immobilienpreisen), kommt das nicht überraschend. Auch der Aktienkurse von 28 Cent deutete schon "gewisse" Probleme an (nachbörslich 11 Cent).

Die Kontrolle übernimmt jetzt die FDIC, die staatliche Bankensicherung. So langsam wird klar, wofür die die Rentner wieder reaktivieren wollten: Erfahrung mit Bankpleiten?

Eine kleine Randnotiz: Am Anfang der Woche hat IndyMac schon zugegeben, nicht mehr "well capitalized" zu sein. Ist das jetzt besser oder schlechter als "adequately capitalized" (was Freddie und Fannie ja angeblich sein sollen)?!?

Marketwatch: Latest victim of mortgage crisis, IndyMac taken over

Update (11:25)

Tagesschau: Größte US-Bankenpleite seit 1984

FAZ: Größter Banken-Crash in Amerika seit 1984

Freitag, Juli 11, 2008

Schluck ... Blitz durch die Videokamera ... Beim Filmen ...

Flickr: lightning through my camera

Es ist übrigens (fast) nichts passiert. Also dem menschlichen Teil der Geschichte, die Kamera musste notoperiert werden ;-)

(ich finde bei flickr Video keine Embed-Möglichkeit. Bin ich zu blöd?)


gefunden via kottke.org

Update (12.7.08)

Den Embed Link bekommt man wohl nur, wenn man eingeloggt ist ... Danke an Karsten für den Hinweis.


Fannie und Freddie über 40% im Minus

Wow!

Marketwatch: Fannie, Freddie shares under siege

Entspannen: Cause I'm free, free falling ...



Update (21:47)

Fannie und Freddie erholen sich deutlich, vor allem Freddie auf nur noch minus 10% und Fannie auf minus 25%. Grund: Die Fed hat für beide das Discount-Fenster geöffnet und damit (zumindest) die Liquidität für's Erste sicher gestellt.

Update (13.7.08)

Die Fed hat das Discount Fenster für Freddie und Fannie NICHT geöffnet! Das kam zwar sehr verbreitet auf den einschlägigen US-Finanzsites (ich hab's bei Marketwatch oben auf der Seite in dem Sonderticker für "Breaking News" gelesen), aber war wohl doch nur ein Gerücht ...

The Big Picture: Fed: No Discount Window for FNM, FRE

"Too big to fail" oder "Too big to bail out" (Update)

Mal ein paar Fakten zum (gestern noch möglichen, heute schon wahrscheinlichen) Bail-Out bei Fannie Mae und Freddie Mac:

Die Kredite der beiden betragen zusammen etwa 5 Billionen Dollar. Das ist natürlich heftig. ABER das sind Hypotheken, sprich es ist immer eine Immobilie als Sicherheit hinterlegt. Und zumindest die alten Hypotheken (vor 2006) sollten solide sein, da damals die wahnsinnigen Kreditkreationen (Option-ARM, No-Doc, NINJA-loans (No Income, No Job or Assets)) noch nicht erfunden (bzw. üblich) waren ... Ein großer Teil der Hypotheken dürfte also noch werthaltig und selbst bei 40% Immobilienpreisrückgang (wir haben "erst" etwa 15%) werthaltig bleiben. Zugegeben, in den neueren Krediten stecken höhere Risiken (allerdings bei weitem nicht so hohe, wie teilweise in den CDOs oder CDPOs), aber auch dahinter steckt immer noch eine Immobilie, die einen großen Teil der Hypothek absichert.

Kurz: Ja es ist dramatisch, aber bitte keine Angst bekommen, wenn man die Zahl 5 Billionen Dollar hört. Das Gesamtrisiko kann aber schnell die Kosten eines Irakkriegs erreichen ... Oder mehreren ...

Infectious Greed: NYT: Freddie/Fannie Takeover Talks Heat Up. Voom Needed.

Zur Aktie: Die Fannie-Mae-Aktie hat gestern etwa 14% verloren, Freddie-Mac sogar 21%.

Ein schöner Überblick bei der FAZ: FAZ.NET: Sorge um Freddie Mac und Fannie Mae

Zur Nachrichtenlage, genauer den offiziellen Meldungen und Aussagen:

Fannie und Freddie sind "angemessen mit Kapital ausgestattet" und es werde "nicht an einem Rettungsplan gearbeitet". Ein besseres Zeichen als diese Worte gibt es nicht. Die Aussagen bedeuten erfahrungsgemäß genau das Gegenteil ...

Marketwatch: Kiss of death for Fannie, Freddie?
oder
Infectious Greed: I'm Adequately Capitalized, and So's My Wife

Und wer mal so richtig schlechte Laune bekommen möchte ... Kann sich entweder Control anschauen oder folgenden Artikel lesen:

Mish's Global Economic Trend Analysis: Fannie and Freddie Waterfalls Are Too Big to Bail

Damit ihr auch klickt ein Appetizer:

The credit bubble has popped. Fannie Mae (FNM), Freddie Mac (FRE), Washington Mutual (WM), Wachovia (WB), and Lehman (LEH) are all at serious risk. Many smaller payers are at huge risk as well.
Der Artikel wirft auch einen ziemlich detaillierten Blick in die Kreditportfolios der Banken. Die Prognose ist also nicht einfach aus dem hohlen Bauch ...

Also mir persönlich wird schon schlecht, wenn einer von denen Pleitegehen würde ...

(Übrigens hätte ich so eine geile Überschrift auch mal (ohne die zu klauen)), obwohl ich bei der Google Suche fest stellen musste, dass "Too big to bail" schon einige Male vorher benutzt wurde ...)

Update (14:18):
Naked Capitalism: Fannie and Freddie: Conservatorship as Endgame?

Update (15:52):
Fannie und Freddie über 40% im Minus

Update (21:23):

Fannie und Freddie sollen laut US-Finanzminster Paulson in ihrer "jetzigen Form" erhalten bleiben. Sprich als *halb*staatliche Banken. Paulson hat "Unterstützung" dafür zugesagt. Die Originalaussagen von Paulson gibt es hier:

Marketwatch: Text of Paulson statement on Fannie, Freddie

Jetzt zeichnet sich auch ab wie: Fannie und Freddie dürfen sich (wie die großen Banken) im Discount-Fenster direkt bei der Fed Geld leihen. Mehr Details sind noch nicht raus.

Ach so: Fannie und Freddie erholen sich deutlich, vor allem Freddie auf "nur" noch - 10% und Fannie auf - 25%.

Und eine kleine lustige Note zum ganzen Desaster habe ich auch noch gefunden ...

Paul Kedrosky: Die größten Pakete der Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae liegen in China. Das sollte denen eine Lehre sein. Wenn die uns verseuchtes Spielzeug verkaufen, verkaufen wir denen halt verseuchte Anleihen ;-) (wobei er auch anmerkt, dass die Stufe, dass die Anleihen gefährdet sind, noch nicht erreicht ist; zuerst ist ja immer das Geld der Aktionäre weg ...)

Infectious Greed: Fannie and Freddie: Toxic Toys vs. Toxic Paper

Jahrestief! 6200!

Irgendwas passiert ausser dem üblichen Wahnsinn?

Von mir aus kann jetzt ruhig der finale Sell-Off kommen ... Die Stimmung ist zwar schon mies genug, aber eine richtige Panik ist noch nicht in Sicht ...

Update (17:24)

Ach, nur Öl bei 147. Verstehe ....

Volatilitäts-Zertifikat: Theorie gut - Praxis ungenügend

Manchmal freut man sich als Anleger ja besonders über die Sachen, die man nicht gemacht hat. Sollte man ruhig auch, ansonsten frisst einen der Ärger über die Sachen, die man falsch gemacht hat, auf (wie z.B. den Lehman Put bei 1,50 zu verkaufen, wenn er aktuell bei fast 2,50 liegt ...).

Vor etwa drei Jahren hat Goldman Sachs ein Zertifikat auf den VDAX-NEW emittiert. Damit wurde die Volatilität (also die Schwankungen) des DAX handelbar. Insbesondere in Krisenzeiten springt die Volatilität üblicherweise deutlich nach oben. In der Theorie ist so ein Zertifikat also quasi eine perfekte Absicherung gegen die Nervösität der Märkte.

Man kann das im 3-Jahres-Chart des VDAX-NEW schön erkennen: Deutsche Börse: VDAX-NEW Index, ISIN DE000A0DMX99, WKN A0DMX9. Man sieht die Spitzen bei der ersten Welle der Finanzkrise im Spätsommer 2007 und auch den Peak zur Bear Stearns Pleite.

Leider funktioniert die Absicherung nur in der Theorie. Denn Goldman Sachs sichert sich als Emittent natürlich auch ab (das machen Emittenten von Zertifikaten und Optionsscheinen immer). Goldman Sachs kauft also selber Kontrakte auf den VDAX. Da diese immer nur eine bestimmte Zeit laufen, müssen diese einmal im Monat (oder alle drei Monate, je nach dem welche Laufzeit GS gewählt hat) in den Kontrakt der Folgeperiode umgetauscht werden. Wenn nun aber der neue (länger laufende) Kontrakt teurer ist als der alte (kürzer laufende), entsteht bei jedem dieser Rollvorgänge ein Verlust. Und tja, genau das war dummerweise der Fall.

Das Zertifikat hat seit Auflage etwa 90% des Werts verloren, obwohl der VDAX-NEW von etwa 15 auf aktuell etwa 25% gestiegen ist. Goldman Sachs nimmt das Zertifikat jetzt per vorzeitiger Kündigung vom Markt.

Geld verdienen konnte man mit dem Zertifikat nur sehr kurzfristig. Man musste also kurz vor dem Anstieg der Vola kaufen und dann auch schnell wieder verkaufen. Da die Vola aber fast ausschließlich in Krisenzeiten anspringt, hätte man genau so gut einen Put kaufen können. Und das ist ein ziemlich spekulatives Produkt, das der Anleger des Vola-Zertifikats wohl nicht haben wollte ... Man kaufte scheinbar eine innovative Depotabsicherung über ein Vola-Zertifikat und bekam am Ende defakto einen ollen Put-Optionsschein.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie sowas passieren konnte. Das Konstrukt des VDAX-NEW war nicht sooo neu, der VDAX-NEW ist (wie der Name schon andeutet) eine neue Version des alten (und demnächst eingestellten) VDAX.

Beide möglichen Erklärungen sind für Goldman Sachs nicht wirklich schön ...

Entweder hat GS den Wertverlust einfach in Kauf genommen und den Anleger über den Tisch gezogen oder GS hat das Produkt nicht wirklich durchschaut und schlicht ein Schrott-Produkt kreiert. Ich tippe auf Letzteres, aber auch das ist kein Ruhmesblatt für die größte Investmentbank der Welt. Sowas wie die Volatilität sollten die eigentlich im Griff haben ...

gefunden über Zertifikatejournal: Auf Nimmerwiedersehen

Update (17:13)

Die FAZ hat's auch:

FAZ: Manche Zertifikate sind unberechenbar

11.07.2008 - iPhone Tag - und es wird ruhig bleiben

zumindest in Deutschland

Weil - bei T-Mobile (reimt sich und was sich reimt, ach nee in dem Fall nicht)

Mehr hab ich auch nicht zu sagen ... Nur noch ein Video:



Ausser ...

Schritt 1 ist erledigt:

Gizmodo: iPhone OS 2.0 Unlocked (YES!)

Update (9:37):

OK, vielleicht wird's doch knapp. Bei nur 5 Geräten pro T-Punkt ...


MacBug: iPhone 3G: Pro Telekom-Shop nur 5 Geräte - keine für Apple-Händler


Update (10:21):

Wenn man einen Telekom Mitarbeiter kennt (und ich kenne einen, ist zwar gerade in Schweden im Urlaub, aber nicht mehr lange), kann man 15% Rabatt auf die monatliche Gebühr bekommen. Hmmm. Dann sind es statt 49 Euro knapp 42. Jetzt zahle ich knapp 30. Dafür ist das iPhone mit etwa 200 Euro subventioniert (man muss die ebay Preise noch abwarten). Ich zahle also 24*12=288 Euro mehr und bekomme etwa 200 Euro Subvention auf das Handy. Dafür bekomme ich aber T-Mobile, was definitiv besser ist als Eplus.

Mist! Ich fange doch schon wieder an zu zucken ...

T-Mobile: ForFriends via Mac Essentials: Werdet Freunde: iPhone-Gebühren mit Rabatt

Update (14:07)

Habe dort (vor)gestern schon einen Kommentar hinterlassen; lesenswerte Kritik der T-Mobile Geschäftspolitik:

T-Mobile und das iPhone - Verkackt

und das Update hier:

T-Mobile - getrübte Hoffnung



Update (12.7.08)

Apple and AT&T Stores Having Difficulty Activating iPhones (UPDATE: It's the iPocalypse)

Wohl dem, der *etwas* Geduld hat ... Ipocalypse ist eine schönes Wort ...

Donnerstag, Juli 10, 2008

Funny Mac? Oder wie der Bailout kommen wird ...

In den USA gibt es ein Problem. OK, es gibt viele Probleme, aber ein großes: Die Immobilien-Hypotheken-Finanzkrise.

Die ganze Krise basiert im Kern auf einem Fehler: Man ist von ewig steigenden Immobilienpreisen ausgegangen und viel zu viele Leute haben eine Hypothek bekommen, die nicht solvent genug waren, und damit ein Haus gekauft, was viel zu teuer war.

Jetzt sinken die Preise für die Immobilien und mehr und mehr Hausbesitzer können die Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, weil die Sicherheiten (die Immobilie) nicht mehr genug wert ist. Inzwischen ist der Abwärtstrend so stark, das selbst Leute mit eigentlich solidem Einkommen unter Druck kommen, weil sie vor zwei, drei Jahren schlicht zu viel bezahlt haben.

Im Ergebnis sitzen die Banken jetzt auf Bergen von Hypotheken, bei denen fraglich ist, was die noch wert sind. (Durch kreative Finanzierung und Verbriefung hat man das Problem nur noch schlimmer gemacht, IMHO aber nicht geschaffen).

Das ist das eigentliche Problem: Es gibt wahrscheinlich Hypotheken im Wert von Billionen, die nicht mehr vollständig gedeckt sind und bei denen die Deckung jeden Tag geringer wird, weil die Immobilienpreise immer noch sinken. (Deshalb habe ich auch schon mehrfach gesagt, dass man das Ausmaß dieser Krise nicht schätzen kann, weil das allein davon abhängt, wie weit die Immobilienpreise noch sinken).

Gegen die Krise kann man nur wenig machen. Man muss aber was machen, sonst bricht das Finanzsystem zusammen, weil die Banken diese Verluste nicht alleine abfangen können. Am Ende hätten die Banken dann kein Geld mehr, sondern eine riesige Menge zwangsvollstreckter Immobilien. Zu Geld zu machen sind die Immobilien im Moment leider nicht. Die Banken würden im Laufe des Prozesses also schlicht illiquide.

Alternativ könnte der Staat nicht die Banken, sondern die Hausbesitzer stützen. Das hat er auch mit einer sehr begrenzten Maßnahme gemacht, die aber (wie erwartet) keine durchgreifende Wirkung entfaltet. Es nützt halt nichts, wenn man 3% der Luft aus dem Ballon kontrolliert ablässt, denn der Rest reicht immer noch für einen tollen Knall.

Der Staat kann aber auch nicht alle Hausbesitzer abfangen. Denn dann regen sich - zurecht - die anderen auf, die sich damals aufgrund der wahnsinnigen Preise zurückgehalten haben. Der Clevere würde bestraft, der Dumme belohnt. (Gute Diskussion dazu hier: The Big Picture: Should Congress Let Home Prices Fall ?).

Der Staat kann aber auch nicht das gesamte Finanzsystem rausreissen. Erstens widerspricht das der amerikanischen Grundeinstellung zur Nichteinmischung des Staats, zweitens würde auch das einen Riesenaufschrei produzieren (die Großverdiener an der Wall Street verdienen Millionen, bauen den Mist und werden am Ende noch frei gekauft).

Nein, man muss das cleverer abwickeln.

Und zwar so:

Es gibt in den USA zwei halbstaatliche Immobilienfinanzierer: Fannie Mae und Freddie Mac (beide sind übrigens *riesig*; Bear Stearns ist/war dagegen eine Klitsche). Dorthin konnten die "anderen" Immobilienfinanzierer schon immer ihre Kredite weiterverkaufen. Es mussten nur gewisse Regeln eingehalten werden. Diese waren ähnlich zu den deutschen Pfandbriefen. Es durften nur Hypotheken hinterlegt werden, die zu einer gewissen Höhe der Hauswertes ausgestellt waren. Die Hypotheken mussten dokumentiert sein. Und für alle gekauften Hypotheken mussten die beiden ein bestimmte Summe Eigenkapital als Sicherheit hinterlegen.

Aber keine der Regeln hat in der Krise gehalten. Irgendwann durften die beiden ungleichen Schwestern auch höher beliehene Hypotheken in die Bilanz nehmen, irgendwann auch schlechter dokumentierte und als Clou wurden dann auch noch die Eigenkapitalanforderungen gesenkt, damit beide auch möglichst viel kaufen konnten. Das überraschte dann sogar Wirtschaftsprofessoren ("t's news to me that Fannie was buying no-doc loans and calling them prime." aus Econbrowser: Fast and Easy Fannie). Jaja, Überraschungen birgt die Krise nun wirklich mehr als genügend.

Das hat man auch lustig über SIVs gemacht und diese Risiken außerhalb der Bilanz geparkt. Das soll jetzt aber eine neue Bilanzrichtlinie ändern und daher muss alles zurück in die Bilanz (siehe: Zeitenwende.ch: Kursrutsch bei Fannie Mae und Freddie Mac).

Danach sind die Bilanzen noch stärker aufgebläht als zuvor und das Eigenkapital reicht nicht einmal ansatzweise. Der Markt fängt nun an sich richtig Sorgen zu machen. Ganz neu sind die Sorgen übrigens nicht, denn die Kreditversicherungen von Fannie und Freddie sind schon seit längerem wesentlich teurer als die nach dem (offizielle noch gültigem) Rating von AAA sein sollten. Auch Kursziele von Null habe ich schon vor ein paar Wochen gehört. (Den Artikel finde ich leider nicht wieder, aber darin wurden die Bilanz auf Stichtagsbasis analysiert (was sicher zu grob vereinfacht) und danach sind die beiden komplett und hoffnungslos überschuldet).

Das Schöne an der Situation für die Politiker ist jetzt aber eins: Man hat es geschafft, die Immobilienbesitzer nicht rauszureissen und deshalb keinen Ärger mit denen (bzw. denen, die sauber finaziert haben). Man hat es geschafft, die Banken nicht (direkt) rauszureissen und bekommt deswegen keinen Ärger mit den Wählern. Man muss zwar trotzdem rausreissen, aber jetzt "nur noch" zwei halbstaatliche Institute, bei denen sowieso schon die meisten davon ausgegangen sind, dass die im Zweifelsfalle mit Steuergeldern gerettet werden. Und das wird dem Wähler viel einfacher klarzumachen sein als jede andere Lösung.

Natürlich hat man so *indirekt* die Banken und die Wall Street rausgerissen, weil sie Unmengen von schlechten Hypotheken bei Freddie Mac und Fannie Mae abladen konnten. Und es würde mich auch nicht überraschen, wenn die Fed ihre etwa 500 Milliarden Schrott noch irgendwie in den Freddie-Fannie-Bailout unterbringt.

Und genau davon gehe ich aus: Die Krise ist so groß, dass der Staat einschreiten muss und einschreiten wird. Und die Krise bei Fannie Mae und Freddie Mac ausbrechen zu lassen, ist der Weg, wie der Staat am wenigsten Ärger mit den Bürgern bekommt. Deshalb wird es so ablaufen ...

Kredite wegschieben, ist keine Lösung. Aufgeschoben ist noch lange nicht aufgehoben. Irgendwann muss irgendjemand bezahlen. Das irgendwann ist jetzt bald gekommen und der irgendjemand ist wie üblich der Steuerzahler (Telepolis:OECD-Paper drängt auf Sozialisierung der Subprime-Verluste)

Noch ein paar Links:

Zur aktuellen Lage:
Bloomberg: Fannie, Freddie `Insolvent' After Losses, Poole Says (Update1)
(gefunden über:Zeitenwende.ch: Gefährliche Entwicklung bei Fannie Mae und Freddie Mac )
nakedcapitalism: Disaster Planning for Freddie and Fannie Intensifies
calculatedrisk: Fannie and Freddie: Thinking the Unthinkable
Mish: We're All Homeowners Now, Nationalization of Fannie, Freddie Unavoidable

Zur Bilanz von Fannie:
The Big Picture: Fannie Mae is Fantastic ! (Bilanzanalyse von Fannie, 2 Monate alt(!)).

Econbrowser: Freddie Mac and Fannie Mae back in the news(Dez. 2007) (darin auch eine schöne Grafik, die den Verbriefungsprozesse darstellt).

Eure Gedanken? Ideen? Denkfehler von mir?



Update (14:42): Die FTD hat zur aktuellen Zuspitzung jetzt auch einen Artikel:
US-Regierung diskutiert Notfallplan für Fannie Mae und Freddie Mac

Darin auch noch zwei Zahlen, die in den verlinkten Artikeln zwar irgendwo drinstanden, aber eigentlich auch hierher gehört hätten: Lehman schätzt den Kapitalbedarf für Freddie Mac auf 29 Milliarden Dollar und für Fannie Mae sogar auf 46 Milliarden Dollar. Und noch eine Info, die ich nachreichen möchte: Beide haben schon jede Menge Kapital aufgenommen und Freddie Mac auch noch eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt. Aber nur angekündigt ... Vielleicht finden die schlicht keine Investoren mehr dafür ...

Update (17:42):

Ihr könnt den Artikel gerne yiggen. Ich wollte da schon immer mal auf die Homepage ... Danke! Update: Bin auf der Homepage! Danke!

Update (11.7.08):

Kein weiteres Mini-Update, sondern angesichts der Zuspitzung ein ganzer Artikel:
"Too big to fail" oder "Too big to bail out"

Update (15:52):
Fannie und Freddie über 40% im Minus

54:1? 1:1? Wo ist der Skandal?

Das kannte ich ja noch gar nicht ...

Eine Sonderregelung, bei der in der Verlängerung geschossene Tore doppelt zählen. Was das sollte, weiss ich nicht. Denn wenn ein Spiel wirklich in die Verlängerung muss, ist es doch egal, ob das Tor dann einfach oder doppelt zählt ...

Egal. Voraussetzung: Barbados muss mit 2 Toren Unterschied gegen Grenada gewinnen. Kurz vor Schluss steht es 1:0 für Barbados. Barbados wäre raus. Was macht Barbados? Schiesst ein Eigentor. Es steht 1:1. Es gibt Verlängerung. In der Verlängerung schießt Barbados wieder ein Tor. Dieses zählt doppelt und Barbados hat damit den Zwei-Tore-Vorsprung und ist weiter.

Was ich jetzt aber nicht checke: Warum gibt es überhaupt Verlängerung? Angenommen die haben Hin- und Rückspiel gespielt und das Hinspiel mit einem Tor Unterschied verloren, dann wären die bei bei einem Unentschieden raus gewesen. Sind sie aber nicht, denn es gab ja Verlängerung. Also kann es eigentlich nicht um Hin- und Rückspiel gehen. Das Spiel muss also irgendwas mit einer Gruppenphase zu tun haben. Aber warum gibt es dann bei einem 1:1 eine Verlängerung? Hatten die damals jedes Unentschieden verlängert (wie heute noch im Einhockey?).

Strange!

Das Eigentor ist aber auf jeden Fall sehenswert:

Mittwoch, Juli 09, 2008

Ich kriesch schon wieder 'n Hals ...

OK, ich schreib nicht zu oft was zum politischen Alltagswahnsinn, aber bei den großen Themen (Umwelt, Steuern, Sozialsystem) muss ich manchmal etwas Luft ablassen.

Heute finde ich über rivva.de einen schönen Artikel über die Wendehälse in der Politik. Es geht um Biodiesel, ein Thema, das ich ja hier auch schon etwas länger beackere ...

"Wir setzen uns dafür ein, dass die Industrieländer endlich Schluss machen mit der Methode der Agrar- Export- Subventionen (...) Und dazu gehört außerdem, dass die Agrarkraftstoffe auf den Prüfstand gestellt werden - auch von Seiten der USA. Denn die bisherige Praxis wirkt in den Entwicklungsländern wie ein Staubsauger - Nahrungsmittel werden für den Tank produziert und nicht für den Teller."
Heidemarie Wiczorek-Zeul in der Süddeutschen Zeitung

Fantastisch. Auf einmal sind die Befürworter der "Nachwachsenden Rohstoffe" dagegen. Weil doch tatsächlich jemandem aufgefallen ist, dass Nahrungsmittel teurer werden, wenn man 10% der Anbaufläche für Raps (=Biodiesel) benutzt (Deutschland) oder 25% der Maisproduktion in Ethanol umwandelt (USA).

Fantastisch und deshalb lesenswert finde ich den Artikel, weil er schön herausarbeitet, wie Politiker mit Sprache umgehen. Den Begriff "Nachwachsende Rohstoffe" wird man ab sofort nicht mehr hören. Damit will nämlich jetzt niemand mehr etwas zu tun haben. Und besonders spannend finde ich den Hinweis, dass Wiczorek-Zeul doch tatsächlich versucht, die Agrarsubventionen den USA - dem allseits bekannten Allround-Bösewicht - in die Schuhe zu schieben. Unglaublich! Selber komplett versagt und doch nicht Schuld. Nicht einmal ein gaaaanz kleines bisschen.

Schade übrigens auch, dass die Süddeutsche die Kehrtwende der SPD nicht hinterfragt. Es ist gerade einmal 3 Monate her, dass Gabriel mit seiner erhöhten Beimischung von Ethanol gescheitert ist (Spiegel: Gabriel kippt Biosprit-Pläne).

Zettels Raum: Zitat des Tages: "Für den Tank und nicht für den Teller". Über das Rotieren rotgrüner Wendehälse

Zum Thema "Ich krieg 'n Hals" siehe auch zwei ältere Postings von mir:

Scheinbar ein großer Mythos: Angebot und Nachfrage

EEG: Subventionen für China

20% auf Alles! (außer Tiernahrung und Erdöl)

Den Link bringe ich nur wegen der Überschrift ;-)

FTD: 20 Prozent auf alles

Auf jeden Fall haben wir nach der inoffiziellen Definition mit dem Minus von 20% vom Top aus gesehen jetzt einen Bärenmarkt = Baisse. Was aber nicht sonderlich spannend ist, denn damit haben wir auch gleichzeitig schon den größten Teil hinter uns. Zumindest im Durchschnitt der Bärenmärkte in den letzten 100 Jahren ...

*Mir* ist die Stimmung im Moment etwas arg pessimistisch und ich rechne eher mit einer kurzfristigen Gegenbewegung. Mittelfristig können zu den 20% allerdings durchaus nochmal 10 oder 15% dazukommen. Mit viel mehr rechne ich aber nicht. Denn das Weltwirtschaftswachstum ist weiterhin da und die Abschwächung wird auch seine positiven Wirkungen entfalten und z.B. für eine Abschwächung bei den Rohstoffpreisen führen.

Dienstag, Juli 08, 2008

Inflation und die Assetklassen Aktien, Rohstoffe, Immobilien und Renten

Wie soll ich mein Geld anlegen, wenn die Inflation zuschlägt? Gute Frage, zum Glück gibt es ausnahmsweise eine einfache Antwort: Sachwerte. Das dumme: Aktien sind zwar Sachwerte, leiden aber unter den steigenden Zinsen, weil damit die Konkurrenz Anleihen höhere Zinsen abwirft und das üblicherweise die Bewertung der Aktien senkt.

Besser laufen Rohstoffe. Und auch Immobilien.

Bei Worldbeta gibt es eine Analyse der unterschiedlichen Anlagenklassen in Zeiten hoher und niedriger Inflation. Als Zeitraum mit hoher Inflation werden die Jahre von 1972 bis 1981 herangezogen (durchschnittlich 8,2% Inflation), die Jahre danach zählen für den Jahren mit niedriger Inflation (3,15% Preisanstieg im Schnitt).

Und nun die Rendite der Anlageklassen aus US Sicht. Vorne steht die Rendite in Normalzeiten, sprich mit niedriger Inflation, dahinter die bei hoher Inflation.

Anleihen: 10,84 gegenüber 3,27 --> Extrem schwächer
Aktien: 14,11 gegen 8,46 --> deutlich schwächer
(UPDATE: in den folgenden 3 Zeilen waren die beiden Zahlen vertauscht. Rohstoffe sind in Zeiten hoher Inflation BESSER als in "Normalzeiten". Sorry für den Fehler!)
Ausländische Aktien: 14,12 gegen 12,54 --> leicht schwächer
Rohstoffe: 12,65 gegen 19,16 --> Wesentlich besser(!)
REITs (Immobilien): 12,83 gegen 11,16 --> leicht schwächer

Bei der Performance der ausländischen Aktien dürfte der in Inflationszeiten schwache Dollar (weil im Dollarraum die Inflation immer höher ist als in Europa) zur guten Rendite der ausländischen Aktien und auch der Rohstoffe (die ja in Dollar notiert werden) beigetragen haben. Aus europäischer Sicht sieht das etwas anders aus. Klar aber wird: Anleihen sind in Zeiten steigender und hoher Inflation schlecht, richtig schlecht. Ein gut diversifiziertes Aktiendepot ist schonmal eine gute Wahl. Aber noch besser ist die Beimischung von Immobilien und Rohstoffen. Damit kann man seine Rendite nochmals erhöhen UND das Gesamtrisiko senken, weil sich die kurzfristigen Kursschwankungen bei Immobilien, Aktien und Rohstoffe zum Teil ausgleichen.

Worldbeta: Commodities and Inflation

Ich hab mir schon was dabei gedacht, als ich ein Investment bei den Immobilienaktien eingegangen bin. Leider ging der Schuss *richtig* nach hinten los ... So ist das halt an der Börse: Man muss nicht nur die richtige Überlegung haben, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt.

:-)



via c0t0d0s0.org: Hard Landing

Montag, Juli 07, 2008

30% Zinsen auf GM Anleihen

Nur Mut ;-)

Gut, an der Börse glaubt so ziemlich niemand mehr an komplette Zins- und Tilgungszahlungen von GM.

Laut Bondboard.de (unter High Yield schauen) notiert die Anleihe bei nur noch 55 zu 58 Euro für 100 Euro Nennwert. Die Anleihe soll 2013 zu 100% getilgt werden. Inklusive Zinszahlungen errechnet sich eine satte Rendite von 30%.

Ford wird auch nur unwesentlich besser eingeschätzt und zahlt teilweise 28% ...

Wieso der Einbruch jetzt so dramatisch kommt: Keine Ahnung! Die Herabstufung auf Junkbond-Niveau liegt schon etwa 3 Jahre zurück. Aber erst in den letzten 14 Tagen brachen die Anleihen massiv ein. Bei der GM Anleihe mit Laufzeit bis 2013 ging es von etwa 80 Euro auf jetzt 55 zurück. Die Studie von Merrill Lynch kann es auch nicht alleine gewesen sein, denn als am 2. Juli die Studie veröffentlicht wurde, war schon etwa die Hälfte des Abschwungs gelaufen.

IDD: US Auto Wreck?

Ich hatte über die Aktie schon etwas geschrieben (Ein Halb-Jahrhundert-Tief ...), aber auf die ebenfalls dramatische Lage bei den Anleihen noch nicht hingewiesen. Also wenn ich bei GM einsteigen würde, dann über die Anleihe. Denn Anleihenbesitzer erhalten das Geld immer vor den Aktionären. Und falls GM überleben sollte, wären die 30% auch eine durchaus akzeptable Rendite ...

Update (16:48):

GM plant auch schon Markenverkäufe, Fabrikschließungen, Personalabbau, etc. pp. Ob's was bringen wird?

WSJ: GM Weighs More Layoffs, Sale of Brands

Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...

Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?

Bridgewater Associates hatte noch nicht und wollte auch mal ...

Die Studie schätzt den Schaden der Kreditkrise für den Finanzsektor auf 1,6 Billionen Dollar. Das ist die (bisher?) höchste Summe, die mir bekannt ist. Ein Analyst der UBS schätzt die Studie als pessimistisch, aber richtig ein.

Sonntagszeitung: Brisante Studie: Die Bankenkrise wird noch viel schlimmer

gefunden über Infectious Greed: Banking Losses to Hit $1.6-Trillion

Update 15:37:

Die vorher höchste Schätzung kam vom bestverdienden Hedgefondsmanager Paulson und belief sich auf 1,3 Billionen Dollar: Bloomberg: Paulson & Co. Says Writedowns May Reach $1.3 Trillion (Update4).

Techno Katzen

Als Vorbereitung auf die Loverparade üben hier im Ruhrpott selbst die Katzen:



gefunden über boingboing: Won't someone please think of the kitten videos

(Ok, OK, ich versuche heute auch noch was Sinnvolles zu posten ...)

Der Corner-Versuch im Silber der Brüder Hunt

Für alle, die sich schonmal gefragt haben, worauf der Silberpreis von 50 Dollar Anfang der 80er Jahre beruhte, ein Hinweis auf einen Artikel in der FAZ:

FAZ: Regeländerung mitten im Spiel

Als die Brüder Hunt den Silberpreis so weit in die Höhe getrieben, weil sie alles verfügbare Silber aufgekauft haben, änderte die Börse einfach die Regeln und verbot Silberkäufe in größerem Stile. Seltsam, denn wenn die Börse Käufer und Verkäufer nicht mehr zusammenbringen will und kann, verliert sie irgendwie ihre Funktion ...

Der Artikel ist ein Teil einer Serie über historische Finanzkrisen, die eh ganz interessant ist. Ein Tipp für alle, die sich für Blasen, Spekulationen und allgemein Wirtschaftsgeschichte interessieren. Der Artikelserie fehlt leider eine Übersichtsseite (zumindest finde ich es keine). Wer die Teile finden will, muss sich die Artikel in dem Kästchen links heraussuchen.

Update (12:37)

Horst_M hat eine Seite gefunden, in der alle Teile der Serie verlinkt sind:

FAZ.NET: Historische Finanzkrisen - Kann ein Bankensystem kollabieren?

Sonntag, Juli 06, 2008

Grabstein von Ian Curtis gestohlen ...

Also wenn man so richtig Schwachmane ist, kommt man offensichtlich auf die bescheuertsten Ideen ... Grabsteine klauen ...

gefunden über boingboing: Some douche steals Ian Curtis' (of Joy Division) headstone

Egal, ein Anlass für ein Musikvideo ... Love will tear us apart.



Übrigens ist der Film über Ian Curtis Leben - Control - auch sehr zu empfehlen. Selbst wenn nicht Alexandra Maria Lara mitspielen würde ...

Update (21:28).

Noch ein Link auf die Originalquelle

Times: Memorial for singer Ian Curtis stolen

Es ist übrigens kein Grabstein, sondern so eine Platte, die an bzw. vor einer Urne angebracht ist. Der Film deutet das in seiner Schlussszene auch an ...

Walk in silence ...

Freitag, Juli 04, 2008

Schlangestehen im Kapitalismus ...

Eigentlich kannten wir Schlangestehen ja vor allem vom real existierenden Sozialismus. Nun lernen die Briten, im neoliberalem Kapitalismus-Vorzeigestaat Großbritannien wohl auch was Schlangestehen bedeutet ...

Nur stehen die Briten in letzter Zeit nicht an, um mal was anderes zum Essen einzukaufen, sondern unter Umständen um ihr ganzes Gespartes abzuheben ...

Nach der Fastpleite des Immobilienfinanzierers Northern Rock (der nur durch den britischen Staat gerettet wurde) droht nun mittelfristig beim Ex-Konkurrenten Bradford & Bingley das gleiche Schicksal. Bei Bradford & Bingley sollte eigentlich die "Heuschrecke" TPG mit knapp einem Viertel der Anteile einsteigen. TPG hat sich aber heute zurückgezogen, nachdem die Ratingagentur Moody's das Rating für B&B herabgesetzt hat. Nun will B&B die Kapitalerhöhung mit anderen Aktionären durchziehen.

Bradford & Bingley war besonders aktiv im Markt für ähem innovative Hypotheken. Die Spezialform bei B&B heißt: Lend-to-Let, Leihen-zum-Vermieten. Dabei ging es um die Finanzierung von Immobilien zur direkten Weitervermietung, bei denen quasi die gesamte Miete direkt an die Bank ging. Da nun aber die Mieten (und die Hauspreise) sinken, die Zinsen aber steigen, stecken die Eigner jetzt in einer Klemme. Die Folge sind deutlich steigende Zahlungsausfälle (von 2,1 auf 2,8% der vergebenen Kredite).

B&B dürfte so schnell nicht Pleitegehen, zumindest wenn die Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt werden kann. Die Aktie verliert heute trotzdem wieder 14% und notiert inzwischen über 90% unter den Hochs von 2007.

FTD: Bradford & Bingley weckt Erinnerung an Fast-Pleite von Northern Rock

Marketwatch: Bradford & Bingley shares slide after TPG backs out


Update (6.7.08):

Ich sehe gerade, sooo selten ist Schlangestehen im Kapitalismus scheinbar gar nicht ...

TUAW: 5th Avenue Apple Store starts iPhone 3G line

Scheinbar ein großer Mythos: Angebot und Nachfrage

Man nehme mal an, dass ein Rohstoff für zwei Sachen verwendet werden kann. Innerhalb weniger Jahre wird dabei die Menge des Rohstoffs, die für Produkt zwei benötigt wird, deutlich erhöht. Der Bedarf an Produkt eins sinkt aber auch nicht, weil das ebenfalls benötigt wird. Außerdem kann die Produktion des Rohstoffs nicht beliebig erhöht werden.

Masterfrage: Was passiert dann mit dem Preis?

OK, logisch: Er steigt natürlich. Was so ein Preis halt macht, wenn höhere Nachfrage auf ein nur geringfügig erhöhtes Angebot trifft.

Zu diesem wahnsinnig überraschenden Ergebnis ist jetzt auch die Weltbank gekommen. RESPEKT! Es soll tatsächlich preistreibend sein, wenn in den USA inzwischen 25%(!!!) der Maisernte in die Ethanolproduktion wandern. Welch Erkenntnis!

Und weil das eine so unglaublich überraschende Erkenntnis ist, soll die Studie angeblich sogar GEHEIM sein.

Da komm ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

Dass ich den ganzen Biosprit-Wahn sowieso nicht nachvollziehen kann, habe ich schon mal geäußert. Gerade die Umwandlung in Ethanol ist kompletter Unfug, weil fast genauso viel Energie für die Produktion des Getreides (Bewirtschaftung, Düngung, Raffinierung) benötigt wird wie am Ende in dem Liter Ethanol stecken. Das ist eine gigantische Beschäftigungstherapie, die klimapolitisch so gut wie nichts bringt. Feigenblätter für die Politiker! (und eine tolle Möglichkeit, wieder Milliarden Agrarsubventionen unter dem Ökolabel umdeklariert an die Bauern auszuschütten; genau deshalb macht George W. Bush das auch ...)

Mehr zum Thema Biodiesel bei mir

Genau das gleiche gilt für die Solarenergie, bei der auch überhaupt nicht auf die Effektivität des investierten Geldes geachtet wird. Wir geben jetzt schon mehr für die Solarenergie aus als für die Kohle. Nur mit dem Unterschied, dass die Kohle einen *wesentlich* höheren Beitrag zur Energieversorgung leistet als die Solarenergie, die ja noch immer im Promillebereich rumlungert. Und die Kohlesubventionen auslaufen, während die Solarförderung weiterläuft. Übrigens auch dann, wenn kein einziger Cent mehr für Neuförderung ausgegeben wird, da die bisher gewährte Einspeisegarantie ja 25 Jahre gilt.

EEG: Subventionen für China

Mit so einer Klimapolitik erreichen wir echt gar nichts:

Wir geben Milliarden aus, senken den CO2 Ausstoß im Promillebereich und verbrennen Nahrungsmittel in Automotoren. Und in Afrika verhungern die Kinder ...

Ich kriesch 'n Hals.

Update (13:08):

Laut FTD:

Die Bank hält das Papier laut einer britischen Zeitung unter Verschluss, um US-Präsident Bush nicht zu brüskieren.

FTD: Weltbank sieht Biosprit als Preistreiber

Update (18:30):

Für alle, die meinen skeptischen Anmerkungen zum Thema Biodiesel/Biosprit nicht gglauben mögen, habe ich auch noch einen aktuelleren Artikel bei Telepolis. Dort kann man schön sehen, dass Bioethanol aus Getreide fast nichts an CO2 Ausstoß spart ... Auch Biodiesel ist nicht wirklich effizient. Eine spürbare Verbesserung erhält man erst, wenn man Abfälle (Stroh), extensiv angebaute Pflanzen (Holz hier, in wärmeren Ländern Jatropha) in Sprit umwandeln kann.

Telepolis: Effekt eher bescheiden

Microsoft ist verzweifelt ... Oder warum kaufen die sowas?

Microsoft hat vor ein paar Monaten den norwegischen Hersteller von Suchmaschinensoftware Fast Search & Transfer gekauft. Dafür hat Microsoft etwa 1,2 Milliarden Dollar bezahlt.

Offensichtlich hat sich Microsoft bei der ziemlich verzweifelten Jagd nach Relevanz im Suchmaschinenmarkt dabei aber eine sorgfältige Prüfung der Bilanz unterlassen und sich somit ein ziemliches Kuckucksei ins Nest gelegt. Denn Fast wird jetzt schon "Enron Norwegens" genannt. Natürlich ein paar Nummern kleiner, aber im Prinzip das Gleiche: Es wurden massig Scheinumsätze mit Firmen verbucht, die aber den gleichen Leuten wie Fast gehörten und die am Ende natürlich auch nicht gezahlt haben.

Microsoft musste inzwischen die Abschlüsse für 2006 und 2007 um etwa 6 Millionen korrigieren. Was die Insider-Dokumente aber nur für die Spitze des Eisbergs halten. Nach einem Medienbericht aus Norwegen sollen die zweifelhaften Geschäfte ein Volumen von deutlich über 100 Millionen Dollar gehabt haben. Zusätzlich soll das Management etwa 30 Millionen Dollar beiseite geschafft haben.

Naja, dann wissen wir auch, warum der Gründer so einen tollen Sportwagen fährt.

Der Hammer an der Geschichte: Eine der entscheidenden Personen in dem ganzen Skandal, der Gründer und CEO von Fast, John Markus Lervik, ist immer noch "Vice President for Enterprise Search" bei Microsoft.

Techcrunch: Did the “Enron of Norway” Pull a Fast One On Microsoft? More Details About the Mess at Fast Search & Transfer

Eine Übersetzung des Artikel: Scribd:Fast's Stock Market Bluff

50% meiner Werbegelder sind zum Fenster heraus geworfen

Und der Spot vor der Nachricht gehört garantiert dazu ...



Gefunden über digg.com

Donnerstag, Juli 03, 2008

EZB: Zins +0,25 auf 4,25%. plus Kommentare

Der erwartete Schritt. Die Börsen zeigen sich unbeeindruckt. Sowohl DAX als auch der Euro
notieren ziemlich unverändert ...

Update (21:40):

Und nun noch ein paar Kommentare:

Abwägend: FR: Risiken und Nebenwirkungen

Kontra: FTD: Rabiater Inflationskampf

Pro: FAZ: Die Rückkehr der Inflation

US-Wirtschaft: 62.000 Jobs weniger

Diese Zahl für den Juni war etwas besser als befürchtet, allerdings etwas schlechter als erwartet.

Die Arbeitslosenquote in den USA blieb konstant bei 5,5%.

Marketwatch: U.S. stock futures turn higher after jobs report

Update (15:21)

Es ist übrigens in den letzten Monaten äußerst selten gewesen, dass die Zahl von ADP schlechter war als die offizielle. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Abwärtskorrektur der Juni-Zahlen bei der Veröffentlichung im nächsten Monat und/oder es gab wieder eine besonders hohe Korrektur durch die Birth-Death-Anpassungen ...

Update (16:13):

177.000 neue Jobs über die Birth-Death-Anpassungen. In etwa die Mitte von dem, was in den letzten Monaten so korrigiert wurde. Damit genauso realistisch oder unrealistisch wie in den Monaten zuvor.

Apropos Monate davor: Die April und Mai Zahlen wurden korrigiert und zwar insgesamt um 52.000. Das Minus ist also wesentlich größer als die 62.000 aus der Überschrift.

The Big Picture: NFP -62,000, Big Revisions Downwards

Ein Halb-Jahrhundert-Tief ...

... sagt doch auch mal was aus:

Erstens: Die Firma gibt's schon lange
Zweitens: Der Firma ging's auch schonmal besser ...

Es geht um General Motors, die gestern unter die 10 Dollar-Marke gefallen sind. Auslöser: Ein Aktienanalyst, der GM sehr kritisch beurteilt hat und sich durchaus auch die Insolvenz von GM vorstellen kann.

Marketwatch: GM plunges after Merrill Lynch cuts rating

Was dann aber doch überrascht, denn die Anleihen von GM (und übrigens auch Ford) wurden bereits 2005(!) auf Junk-Status zurückgestuft.

Spiegel: Rating-Agentur zweifelt an Produktstrategie von GM und Ford

Etwas ketzerisch könnte ich jetzt hinzufügen, dass die Ratingagenturen immerhin manchmal richtig liegen ... Wahrscheinlich besonders häufig dann, wenn sie an der Strukturierung der zu bewertenden Produkte *nicht* beteiligt sind ...

Update (15:10):

FAZ: In Insolvenzgefahr

Besser als Buffet ;-)

Besser als Warren Buffet's Berkshire Heathaway Aktie war in den vergangenen 6 Monaten der

( ) S&P 500
( ) egghat ;-)

FTD: Krise erwischt Buffett eiskalt

P.S. Beide Kreuze sind richtig ...

Mittwoch, Juli 02, 2008

ADP: 79.000 US-Arbeitsplätze weniger im Juni

Die ADP-Zahlen sollte man nicht überbewerten, aber sie liefern oft einen guten Hinweis auf die offiziellen Arbeitsmarktzahlen, die ausnahmsweise bereits Donnerstag (also morgen) folgen. ADP ist eine Lohnabrechnungsfirma, am ehesten zu vergleichen mit der DATEV in Deutschland.

Mit minus 79.000 wurde für den Juni das größte Minus bei der Anzahl der Arbeitsplätze seit mehr als 5 Jahren errechnet. Kein gutes Zeichen für die Zahlen morgen (bei denen ich ehrlich gesagt eher mit einer leichten Gegenbewegung nach dem Sprung der Arbeitslosenquote von 5,1 auf 5,5% im Mai gerechnet habe).

Marketwatch: ADP shows biggest job loss in nearly 6 years

Inflation? Stagflation?

Die Analysten sind ja normalerweise ziemlich einig. Sobald jemand eine Krise an die Wand malt, werden sie nicht müde, zu betonen und zu begründen, dass es diese nicht geben wird. Die Masse der Analysten und Volkswirte hat noch NIE eine Krise richtig vorhergesagt. Bei der aktuellen Krise war auch der kleine egghat besser und schneller als die versammelte hochbezahlte Analystenschar (schulterklopf).

Auch auf das Thema Inflation habe ich früher als die meisten anderen hingewiesen. Weil mir die Theorie der Entkopplung sehr spanisch vorkam: Das Wirtschaftswachstum solle sich nicht abschwächen, weil China und Asien die Weltwirtschaft in Schwung halten, gleichzeitig wurden aber durch die Abschwächung der Wirtschaft keine Inflationssorgen aufkommen. Das passte nicht zusammen: Entweder oder. Entweder wir bekommen eine Entkopplung, dann aber auch mit Inflation, oder wir bekommen eine globale Wirtschaftsabschwächung, dann allerdings auch ohne Inflation.

Die Vorhersagequalität wird auch beim möglichen Auftreten einer Stagflation nicht besser als bisher sein ...

Wenn von Stagflation die Rede ist, haben die Leute jedoch meistens die extremen Raten der 70er-Jahre im Hinterkopf.
Tja und hier liegt schon eines der Probleme bei der Begründung. Denn die Zahlen für Inflation, Wachstum und Arbeitslosigkeit sind NICHT vergleichbar. Wir hätten bei der Berechnung der Inflation nach den Regeln der 70er Jahre eine Inflation die mindestens doppelt, wenn nicht sogar dreimal so hoch wäre wie das was heute ausgewiesen wird. Tschuldigung: Aber dann haben wir die extremen Raten der 70er schon wieder! (siehe auch Zum Thema Statistikmanipulation). Eigentlich müsste man den Begriff Stagflation erst einmal wieder definieren ...

FTD: Von Stagflation noch keine Spur

Ein etwas anderes Bild findet sich schon in einem weiteren Artikel. Nicht wirklich überraschend, dass die darin getroffenen Schussfolgerungen auf eher inoffiziellen Zahlen basieren ...

Der gestern veröffentlichte ISM-Index kam (in der Gesamtzahl) etwas besser als erwartet (siehe hier: Marketwatch: U.S. June ISM manufacturing index surprises to upside ). In den Details lauert aber ein Zahlenpärchen, das übler kaum sein könnte: Der Unterschied zwischen der Preiskomponente (nahe den historischen Höchstständen) und der Beschäftigungskomponente (nahe den historischen Tiefstständen) war noch nie so groß. Nicht einmal in schlimmsten Zeiten der Stagflation in den 70er Jahren, zeigten diese beiden Komponenten einer so schwachen Arbeitsmarkt bei gleichzeitig hohem Preisdruck an.

FTD: Ein dummes US-ISM-Detail

Was dreht sich um die Erde? Mars, Mond, Sonne oder Venus?

Schwierige Frage ;-)

Wer zu "Wer wird Millionär" geht, sollte das wissen. Gut, wenn man es nicht weiss, sollte das Publikum die Antwort sicherlich wissen, oder etwa doch nicht?

Dienstag, Juli 01, 2008

Option-ARM-Pick-A-Pay-Hypothek am Ende ...

... OK, mir war klar, dass die Finanzierungsmodelle, die die amerikanischen Banken den Immobilienkäufern und -besitzern angeboten haben, teilweise sehr gewagt waren, aber dass das so extrem wurde ...

Option-ARM waren Hypotheken mit variabler Verzinsung (Adjustable Mortgage Rate, ARM) und optionaler Tilgung. So etwas bekommt man u.U. sogar in Deutschland, wenn man z.B. gutverdienender Freiberufler ist. Dann muss man in wirtschaftlich guten Jahren viel tilgen, in schlechten nichts oder wenig. Unter diesen Umständen macht das auch Sinn, aber in den USA haben diese Kredite auch Leute bekommen, die kein hohes Einkommen haben. Ehrlich gesagt gab es bei vielen Option-ARMs nie eine realistische Chance auf eine Tilgung.

Immerhin wurde auch bei "normalen" Option-ARMs noch ein Zins gezahlt, wenn auch nicht getilgt. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange an wahnsinnigen Hypothekenkonstruktionen. Denn die Wachovia Bank über ihre Tochter Golden West doch tatsächlich Hypotheken angeboten, bei denen selbst die Zinszahlung optional war! Das hat natürlich die fiese Konsquenz, dass die Hypothek immer höher wird ...

Aber einen schönen Produktnamen hatte man dafür:

Pick-A-Pay

"Zahlsse heut nich, zahlsse morgen" würde Herbert Knebel sagen.

Jetzt ist es den Leuten bei Wachovia wohl aufgefallen, dass das keine wirklich gute Idee war. Daher wird dieses Produkt jetzt eingestellt. Die Erkenntnis kommt verdammt spät, aber immerhin kommt sie ...

Marketwatch: Wachovia halts negative amortization mortgages

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