Montag, März 31, 2008

Nochmal zusätzliches Geld von der EZB

2*25 Milliarden, Laufzeit 6 Monate, Start im April und im Juli.

Die 3-Monats-Geschäfte vom Jahresbeginn werden im Mai und Juni verlängert und leicht von 60 auf 50 Milliarden Euro gekürzt.

Die Lage am Geldmarkt hat sich immer noch nicht vollständig entspannt, darauf deutet schon der anziehende LIBOR hin, der misst, wie teuer die Geldleihe unter erstklassigen (was auch immer das ist) Banken in London ist.

Der Staatshaushalt ist saniert!

Die Schuldenquote beträgt nur noch 65,0 Prozent des BIPs. Nach 67,6 im Vorjahr und 67,8% im Vorvorjahr. Toll nicht?

Jetzt kommt der Teil für die Pessimisten:

2001 betrug der Stand noch 58,8. Vom Anstieg um 9 Prozentpunkte haben wir schon fast ein Drittel wieder abgebaut. Und das nach einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3%. Wenn wir jetzt nochmal zweimal um 3% erhöhen, dann haben wir schon wieder eine Verschuldung wie 2001. Nur eine Mehrwertsteuer, die dann 25% statt damals 16% beträgt. Obwohl 25%? 25% Flat wollte doch auch Kirchhoff ;-) Nur bei der Einkommenssteuer und nicht bei der Mehrwertsteuer.

Aber egal, ich will ja nicht immer nur meckern ...

Alan G. zur Finanzkrise

Hatte den Tab schon lange offen, aber gar nicht realisiert, dass der Artikel vom Meister der Blasen ist: Alan Greenspan.

Es sind übrigens mangelhafte Risikomodelle, die zur aktuellen Krise geführt haben. Nicht zu lange zu niedrige Zinsen oder zu viel Geld oder zu lasche Kreditvergaberegeln. Nöh, denn dann wäre Alan G. ja selber (mit)verantwortlich ...

Die Grenzen des Risikomanagements

Colonia Real Estate mit Zahlen für 2007: KGV 4

Kurs heute 13,31, Gewinn je Aktie 2007: 3,31 Euro --> KGV 4(!).

Das Gesamtergebnis betrug 67,1 und lag damit am unteren Ende der Spanne von 67 bis 71 Millionen der im November nach oben korrigierten Erwartung. Die Dividende beträgt 0,25 und nicht wie oft spekuliert 1 Euro. Die Dividendenrendite beträgt somit etwa 1,8%. CRE plant in Zukunft eine Ausschüttung von bis zu 60% des operativen Gewinns, es besteht bei der Dividende also noch einiges Potenzial nach oben.

Die 67,1 Millionen Gewinn kommen etwa zur Hälfte aus dem laufenden Vermietungsgeschäft. Dieser Teil (31,7 Millionen) soll dieses Jahr nochmals um 50% steigen. Die Qualitätsverbesserung bei der Zusammensetzung ist also nicht zu übersehen. 2008 wird Colonia Real Estate wahrscheinlich schon deutlich mehr als zwei Drittel des Ergebnisses aus nachhaltigen Quellen erzielen und nicht wie die Konkurrenz "nur" über Wertsteigerungen des Portfolios.

CRE sagt selber, dass bereits 40% des geschätzten Jahresgewinns von 72 bis 75 Millionen für 2008 fest einplanbar ist. Was mich etwas wundert, weil ja die Erlöse aus der Vermietung etwa 50% steigen sollen (und dann wäre der Anteil höher). Aber vielleicht betrachtet das der Vorstand konservativ und damit nicht als fest einplanbar.

Colonia ist sauber durch finanziert. 97% der Kredite laufen noch 6 Jahre und sind mit nur 4,8% Zinsen sehr günstig.

Der Net Asset Value von Colonia Real Estate betrug zum Ende 2007 16,03. Das liegt deutlich unter den Analysen der Banken, die den inneren Wert (bei allen mir bekannten Zahlen) auf mehr als 20 Euro taxiert haben.

Selbst wenn nächstes Jahr nicht ein müder Euro über Wertsteigerungen verdient werden würde, kann das KGV kaum über 6 steigen. Die Bewertung der Aktie bleibt daher weiterhin ein Witz. Auch wenn man sich 30 Euro (von denen ich auch schon geträumt habe) heute abschminken muss, sind 20 Euro eine total konservative Schätzung. Denn NAV plus 4 oder 5 Euro Firmenwert aus den laufenden Gewinnen aus der Verwaltung der Immobilien und dem Fondsgeschäft sollten allemal drin sein.

Ad hoc Mitteilung (PDF!)

Sonntag, März 30, 2008

Microsofts Markenimage im freien Fall

Studie: Microsofts Markenimage im freien Fall

Warum eigentlich?

Ach so:

Possible manipulation around OOXML process in Poland

OOXML Vote: Irregularities in Germany & Croatia and a Call for an Investigation of Norway

oder auf Deutsch: Heise: Endspurt der ISO-Abstimmung über Microsofts OOXML

Auch bei der Deutschen ISO-Abstimmung gab es die interessante Auslegung, dass man nur mit "Ja" oder "Enthaltung" stimmen konnte. Ein "Nein" war nicht vorgesehen. Hmmm.

Microsoft? Mugabe? Where's the difference?

Update (10:56):

Slashdot: OOXML Will Pass Amid Massive Irregularities


Microsoft hat OOXML wohl mit allen Mitteln durchgepeitscht. Verlierer ist wohl die ISO, eine Organisation, der ich jetzt deutlich weniger Respekt entgegen bringe als bisher. Auch das DIN-Institut hat sich kräftig in diesem peinlichen Spiel blamiert.

Wen's interessiert, warum OOXML weder ein guter noch ein notwendiger Standard ist:
20 good reasons to disapprove OOXML

Jetzt auch Dachfonds vor dem Steuer-Aus?

So macht man heute wohl Politik: Erst einigt man sich auf einen Gesetzentwurf und definiert die Details erst nachher. Nur dass es bei Bekanntwerden der Details schon vorher zu einen Sturm der Entrüstung gekommen wäre ... (Die andere Variante ist es, Überwachungsgesetze in Brüssel einzustielen und sich dann diese in Deutschland einzuführen mit der Ausrede, man müsse nur europäisches Gesetz umsetzen)

Jetzt plant die Bundesregierung eine Besteuerung von Dachfonds, die bisher (wie alle anderen Fonds auch, mit Ausnahme der Zertifikatefonds seit letzter Woche) unter die Regelung fielen, dass (für immer) steuerfrei bleibt, was bis Ende 2008 gekauft wird. Naja, da das dem Staat natürlich Steuerausfälle bringen würde, darf das nicht sein. Ein Fonds, der das Geld seiner Anleger langfristig in Fonds verwaltet, ist natürlich böse, weil der zahlt dann keine Steuern. Auch wenn der genau das Gleiche macht wie ein klassischer Mischfonds, der direkt Aktien, Anleihen und ähnliches kauft. Der wird (bisher) nicht besteuert und es ist scheinbar auch nicht geplant.

Sinn? Systematik? Steuerverlässlichkeit (es sind wahrscheinlich schon deftige Beträge in diese Fonds gelaufen aus genau diesem Steuergrund)

Wir werden von Idioten regiert, siehe auch hier: (EEG: Subventionen für China).

TFD: Bund versperrt Steuerfluchtweg

Dann kaufen die Leute eben einen Mischfonds und nicht einen Dachfonds! Und der Staat bekommt genau so viel wie vorher: Nix! Das einzige, was er erntet, ist Frust und neue Geldtransfers nach Österreich, in die Schweiz, nach Liechtenstein und Luxemburg. Diese kosten den Staat mehr als die Änderung bringt (ist ja auch einfach). Aber dann haben die Politiker jemanden zu beschimpfen und können vom wahren Grund ablenken: Der eigenen Politik.

Merke: Der Bürger dient dem Staat und nicht anders herum ... Leider.

Update (28.4.08):

Jetzt doch keine Abgeltungssteuer auf Dachfonds(!)

Kreditversicherer FGIC jetzt Junk

Nachdem ich die Nachricht vom Downgrade von FGIC durch Fitch am Mittwoch schon geschlampt habe, lieferte mir der Rating-Konkurrent S&P am Freitag eine Möglichkeit das glattzubügeln ...

Standard & Poors hat FGIC, einen der vier großen Kreditversicherer in den USA auf Junk herabgestuft. FGIC hat zwei Ratings, eines für die Mutter und eines für die Versicherungstochter. Die Mutter wurde 6 Stufen herabgesetzt und ist jetzt nur noch B (5 Stufen unterhalb dessen, was als Investmentqualittät gilt). Die Versicherungstochter ist jetzt BB, 2 Stufen unterhalb von Investmentqualität. Kürzer: Alles Junk. Grund dafür ist die Nachricht, dass die Mutter der Mutter der Versicherungsfirma weitere Geldnachschüsse ausgeschlossen hat.

FGIC gehört übrigens zum Teil der Private Equity Firma Blackstone, der ich den Preis für den best getimeten Börsengang 2007 gebe: Ausgabekurs letzten Sommer 31 Dollar, am ersten Tag auf 40, heute 15. Ein chinesischer Staatsfonds ist damals auch eingestiegen. Autsch. FGIC hat übrigens auch die IKB verklagt, weil die IKB denen angeblich schlechte Risiken aufgeschwatzt hat (Kreditversicherer vs. IKB).

UPDATE 2-S&P cuts FGIC insurance unit's rating to junk status

So, der nächste Kreditversicherer, dessen Geschäftsmodell damit Vergangenheit ist. MBIA und Ambac halten sich ja noch. Ich frage mich allerdings wie lange noch ...

Samstag, März 29, 2008

Überblick: Immobilienmarkt in Großbritannien

Langsam kann auch ein Permabulle das Rüberschwappen der US-Immobilienkrise nach Europa nicht mehr leugnen.

Die Immobilienpreise in UK sind jetzt im fünften Monat hintereinander gefallen. Im Februar gingen die Preise um 0,6% zurück, im Jahresvergleich errechnet sich hingegen noch ein Plus von 1,1%. Beide Zahlen waren deutlich schwächer als erwartet.

Die Hauspreise haben den Höhepunkt also definitiv hinter sich.

Marketwatch: U.K. house prices see fifth monthly drop

Als Folge sackte das Britische Pfund weiter nach unten und fiel auf den niedrigsten Stand gegenüber dem Euro seit dessen Einführung.

In Großbritannien und den USA war die Entwicklung am Immobilienmarkt einfach zu vergleichbar: Hohe Preissteigerungen, lasche Kreditprüfungen, hoher Anteil variabel verzinster Kredite, generell hohe Verschuldung, niedrige Sparquote und am Ende nicht mehr zu übersehende spekulative Exzesse.

Naja, die Quittung dafür wird wohl ähnlich ausfallen wie beim großen Bruder auf der anderen Seite des Atlantiks.

Hoffnung auf eine schnelle Erholung gibt es kaum. Die Hypothekenzinsen fallen noch nicht und das Verbrauchervertrauen ist gerade auf eine 15-Jahres-Tief gefallen.

FAZ: Britisches Pfund - neues Rekordtief gegen den Euro

Marketwatch: Pound pressured as house prices drop

Und bald ist Spanien an der Reihe ...

Update (21:35):

Noch ein interessanter Artikel zum Thema in der FTD:

FTD: Banken verweigern Hausdarlehen

Die britischen Banken schränken danach die Hypothekenvergabe an Privathaushalte deutlich ein. Viele, die vor 12 Monaten noch problemlos eine Hypothek bekommen haben, würden heute keine mehr bekommen.

Nicht ganz überraschend ist die Lage in Spanien ähnlich.

Freitag, März 28, 2008

US-Konjunkturüberblick: 28.3.08

Das Verbrauchervertrauen in den USA ging weiter runter: 69,5 nach 79,8; tiefster Stand seit 1992. Die Erwartungen fielen noch stärker auf 60,1 nach 62,4; tiefster Stand seit 1991.

Marketwatch: Consumer sentiment lowest since 1992

Und wenn die Stimmung so richtig schlecht ist, halten sich die Amerikaner auch tatsächlich (etwas) mit dem Geldausgeben zurück: Der Konsum im Februar war (nach Inflation) unverändert. Und damit sind wir direkt beim nächsten Thema: Die Inflation ging in der Kernrate auf 2 Prozent zurück und liegt damit wieder im Rahmen dessen, was die Fed für unkritisch hält. Die wirkliche Inflation (inkl. Energie und Lebensmittel) stieg weiterhin stark mit 3,4% im letzten Jahr. Man muss die US-Zahlen aber immer relativieren, da kaum eine Konjunkturzahl dermaßen "optimiert" wird wie die (offiziellen) Inflationszahlen.

Die Einkommen der privaten Haushalte stiegen um 0,3%. Und damit - Tusch! - haben die US-Verbraucher dank der unveränderten Ausgaben im Schnitt wieder etwas gespart (0,3%). Die Sparrate ist damit zum ersten Mal nach 4 Monaten wieder leicht im Plus. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Sparrate zweistellig.

Marketwatch: Consumer spending flat in February

Musterdepot: Put auf Lehman gekauft

Keine sonderlich große Position, kein sonderlich großer Hebel (knapp 2,5). Damit entspricht das einem Short in der Größe meiner normalen Position.

Lehman scheint mir im Moment ein guter Short zu sein,meine Alternative wäre der Yen gewesen (wie mal runter auf 152 von 158 heute). Der Yen korreliert geradezu unglaublich mit der Stimmung an den Aktienmärkten. Und die ist mir gerade etwas zu gut.

Wenn die Banken ihre Quartalsgewinne nur noch dadurch erreichen, dass sie sich selber zu schlechten Schuldner machen (nochmal Dank an Olaf von Trader's Quest für den sehr guten Artikel. Börse Online hat kein Wort dazu, nur das Mainstreampressige Positivgewäsch ...)

COMMERZBANK TUBEAR LEM
ISIN: DE000CB15G69
Börsenplatz: Commerzbank
Nominal / Stück: 1.000
Kurs: 1,02 EUR
Vorauss. Kaufvolumen: 1.020,00 EUR
Vorauss. Orderentgelt: 10,00 EUR

Vorauss. ausmachender Betrag: 1.030,00 EUR
Bitte beachten Sie, dass sich der angezeigte Kurs bis zur Ausführung der Order noch ändern kann.
Order-Details
Ordertyp: Direkthandel






Ich rechne eigentlich nicht damit, dass die Position Gewinn bringt, das ganze ist eine Absicherung für den Fall, dass es in den USA nochmal knallt ... Damit schlafe ich besser ...

Staatfeld: Der Staat gibt dir alle Verluste zurück ...



via Zeitenwende.ch: Bankenkrise - das neue Brettspiel

EEG: Subventionen für China

Ich bin ja schon lange skeptisch was das EEG angeht.

Zur Erinnerung: Das EEG ist das Gesetz zur Einspeisung erneuerbarer Energien. Ziel des Gesetzes ist es, CO2 neutrale Energie in Deutschland herzustellen. Nach dem geltenden EEG muss der Strom aus erneuerbaren Energien von den Energieversorgern abgenommen und mit einem festgelegtem Betrag vergütet werden. Für jede dieses Jahr neu installierte Solaranlage bekommt man 47 Cent je KWh Solarstrom. Dieser Satz gilt auch für die nächsten 20 Jahre. Für alle diese Anlagen zahlen wir also auch in 20 Jahren noch 47 Cent pro KWh. Selbst wenn neue Solarzellen dann Strom für 10 Cent produzieren können (und davon gehe ich aus!). Diese Einspeisevergütung sinkt im Laufe der Zeit, am Anfang lag der Satz noch über 50 Cent.

Ob man das unbedingt über den Strompreis machen muss oder das Ziel nicht auch mit Investitionszulagen erreichen könnte, ist eine systematische Frage und ich würde eher für's letztere plädieren. Denn das hätte auf jeden Fall einen Vorteil: Man könnte alle paar Jahre neue Schwerpunkte setzen und neue Anreize bieten. Und könnte Fehler aus den vorangegangenen Jahren korrigieren und müsste dafür nicht 20 Jahre zahlen.

Einige Teile des Gesetzes halte ich trotzdem für sinnvoll. Strom aus Windenergie oder Wärme aus Biogas lassen sich zu relativ vertretbaren Kosten erzeugen. Mit einer vertretbaren Menge an Subventionen kann man eine Menge Investitionen anschieben und eine Menge CO2-freien Strom erzeugen.

Bei der Fotovoltaik passiert aber genau das nicht. Man kann sich ausrechnen, was die bereits installierten Solaranlagen noch kosten werden. Man kennt ja die installierte Menge pro Jahr und die Einspeisevergütung, die für diese Jahr galt. Daraus errechnet sich die erschreckende Summe von 23,3 Milliarden Solarschulden, die uns die Einspeisung von Strom aus Fotovoltaik noch kosten wird. Und das bei einem Anteil der Photovoltaik von 0,3% an der gesamten Stromerzeugung! Die Summe wird mit jeder neuen Anlage höher. Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet was passiert, wenn 10% unseres Stroms aus Solarenergie kommen? Das ist ja komplett unbezahlbar.

Wenn man jetzt berechnet wieviel die Steinkohle an Subventionen kostet und wieviel die Steinkohle zur Stromerzeugung beiträgt (über 20%) wird einem ganz anders: Wenn ein Subventionsfass nach jahrzehntelangem Gerangel geschlossen wird (Steinkohle), macht die Politik sofort ein anderes auf und schafft es dabei, bei gleichen Kosten nur noch eine Bruchteil (ein Dreißigstel bis ein Fünfzigstel) des Ergebnisses (Strom) herauszuholen. RESPEKT!

Die Ausrede dafür ist einfach: Damit hätte man die boomende deutsche Solarwirtschaft gefördert. Nachdem ich schon am Anfang skeptisch war (damals kamen die Solarzellen von Sharp und Kyocera) ist es nach einer zwischenzeitlichen Pause, in der tatsächlich die Zellen aus Deutschland kamen, jetzt China, das Deutschland die Solarzellen liefert. Wie der Spiegel berichtet, kommt schon mehr als die Hälfte des deutschen Verbrauchs an Solarzellen aus dem Ausland. Die Lüge von den angeblich so vielen deutschen Arbeitsplätzen wird damit auch langsam ziemlich wacklig ...

Das Grundproblem ist natürlich einfach: Die Subventionen sind viel zu hoch. Daher lässt sich mit Solaranlagen richtig einfach richtig viel Geld verdienen. So viel, dass mein Musterdepotwert Colonia Real Estate inzwischen auf seine Häuser Solarzellen packt, weil es sich rechnet. Ökologische Gründe gibt es eigentlich keine.

Experten rechnen damit, dass 2010 die Kosten für eine Solarzelle nur noch gut die Hälfte der Einspeisevergütung betragen werden. Eine Solaranlage auf dem Dach wird also fast doppelt so viel Strom (=Geld) einbringen wie sie kostet. Natürlich nur für den Anlagenbesitzer, denn der Erlös wird ja zu mehr als 90% von den anderen Stromverbrauchern bezahlt. Denn das ist der Aufpreis, den jeder für den Solarstrom bezahlen muss. Etwa das Zehnfache des normalen Strompreises.

Aber macht es Sinn, dass jeder in jedem Teil des ziemlich regnerischen Deutschlands idiotensicher Geld verdienen kann? Sollte eine Subvention nicht eher so aussehen, dass man genau an den Grenzen zur Wirtschaftlichkeit die Nachfrage erhöht? Also so, dass am Oberrhein in Baden oder in der Pfalz, sprich den sonnigsten Regionen Deutschlands, eine Solaranlage Sinn macht, aber in anderen Regionen nicht? Wir fördern ja auch nicht die Windkraft mitten im windstillen Köln, sondern nur so weit, dass es sich an der Küste und auf Bergen im Mittelgebirge rechnet. Wir fördern auch nur die Herstellung von Biogas in Bauernhöfen und versuchen nicht das Methan aus jeder Haustoilette zu verwerten.

Ein weiterer großer Nachteil des Gesetzes: Es gibt keinen Deckel. Wenn dieses Jahr dreimal so viel Solaranlagen installiert werden, werden die Schulden, die dieses Jahr entstehen, auch dreimal so hoch. Es ist also nicht nur eine neues Subventionsfass, sondern auch noch eins ohne Boden. Die Steinkohlensubvention war in dieser Hinsicht besser, denn da stieg die Förderung nicht (oder nur unwesentlich) mit jeder mehr geförderten Tonne.

Ich möchte jetzt gar nicht darüber reden, wie viel sinnvoller es wäre, Solaranlagen in Italien oder Spanien zu fördern. Oder mehr Geld für Biogas zur Verfügung zu stellen. Oder den Indern und Russen moderne Kraftwerke zu verkaufen. Oder mehr Geld in die Forschung neuer, besserer Solarzellen zu stecken. Denn die USA sind gerade dabei, uns da zu überholen. Und das in nur wenigen Jahren und fast ausschließlich mit privatem Geld (sowas können deutsche Politiker wahrscheinlich gar nicht glauben).

Die Solarzellen, die heute auf's Dach montiert werden, sind Subventionsgräber und werden in 5 Jahren genauso bescheuert wirken wie die Steinkohle heute. Wie ein Dinosaurier aus längst vergangenen Tagen, von denen eine Minderheit profitierte und die Mehrheit zahlen musste

Ein Subventionsfass ohne Boden (Steinkohle wurde ja nicht pro Tonne gefördert, sondern ingesamt, es gab also), dass zu dem noch über Schulden (also der kommenden Generation) finanziert werden muss. Deutsche Politik auf den Punkt gebracht.

Die Solarförderung muss runter. Und zwar schnell und deutlich. Und nicht um 5%. Wenn die Kosten 40 oder 50% unter der aktuellen Subvention liegen, dann muss die Förderung auch 40 oder 50% runter. Man muss doch mit einer Subvention einen Anreiz zur Verbesserung liefern und nicht eine Branche dickfüttern. Ich kriesch 'n Hals ;-)

Chinesen überschwemmen Deutschland mit Solarzellen

Meine älteren Postings zum Thema Solarzellen

Donnerstag, März 27, 2008

0:2: 4.Q.07 bleibt bei plus 0,6%

Jetzt wird's eng für meine Rezessionswette ...

Auch die finale Korrektur des US-BIPs ergab ein Plus von 0,6%, unverändert gegenüber der ersten Korrektur.

Damit gehen Q3 07 klar und Q4 07 knapp an Saviano. Aber zwei Quartale habe ich noch, die mit Negativwachstum abschließen könnten (und dann hätte ich gewonnen). Und nach den letzten Wirtschaftszahlen waren meine Chancen noch nie so gut wie heute diese Wette doch noch zu gewinnen.

Marketwatch: GDP unrevised at 0.6% in fourth quarter

Interessant übrigens auch, dass die Gewinne der Firmen auch vor Subprime-Verlusten gesunken sind. Ich habe die Perma-Bullen früh darauf hingewiesen, dass nach 5 Jahren Aufschwung und historisch hohen Gewinnmargen der Unternehmen die Luft für weiter steigende Gewinne langsam dünn wird. Damals gingen die Analysten noch von 15% Gewinnwachstum aus. Es würde mich nicht wundern, wenn wir inzwischen bei 0% angekommen wären ....

Update (16:05): Saviano freut sich natürlich: Nix Rezession im vierten Quartal 2007

Die aktuelle Stimmung in einem Satz:

Return OF capital is more important than return ON capital.
(leider nicht adäquat übersetzbar)

gefunden hier: Flight to Safety

Jason Kolb glaubt übrigens auch nicht, dass die Rettungsaktion der Fed und JP Morgan rechtens war, da es keine demokratische Legitimation der ganzen Aktion gibt. Und es ist eigentlich auch nicht die Aufgabe der Fed mit 30 Milliarden Steuergeld eine Bank zu retten. Aber das ist (IMHO) nur ein Randaspekt der ganzen Geschichte ...

Transrapid im München geknickt

Und nochmal ein Posting zu einem hier inzwischen ungewöhnlich gewordenem Thema:

Der Transrapid in München ist Geschichte.

Die Kosten, die bei der Verkündigung durch Stoiber bekannt gegeben wurden, sind wohl doch utopisch niedrig. Kein Wunder, sie sind ja auch schon ein paar Jahre alt. Und jeder der halbwegs wach durch die Welt läuft, weiss was seit diesem Zeitpunkt mit den Rohstoffpreisen passiert ist. Sowohl die Energiepreise (und damit auch Beton) als auch die Kupferpreise (braucht man für den Linearmotor in der Transrapid-Strecke) sind deutlich gestiegen. Daher war es völlig unmöglich, dass jemand in 2008 die Strecke zu den Kosten der Kalkulation aus 2005 bauen kann. Und selbst die alte Kalkulation dürfte schon politisch (sprich unrealistisch) gewesen sein. Jetzt betragen die Kosten über 3 Milliarden statt 1,8 Milliarden. Damit fällt das Kartenhaus zusammen.

Ich verfolge das Transrapid Thema schon länger, weil der Transrapid ein gutes Beispiel dafür ist, wie eine Technologie am Anfang unschlagbar erscheint, sich dann aber doch nicht durchsetzt. Und dafür gibt es nur einen Grund: Das neues System ist nicht kompatibel zum alten. Ein Transrapid braucht halt eine neue Trasse, auf der nur Transrapids fahren können. Eine Eisenbahntrasse hingegen kann man im Notfall von einer Durchgangsstrecke zu einer S-Bahn-Strecke umfunktionieren. Oder auch für Güterverkehr nutzen.

Ein ähnliches Problem hat die Wasserstoffwirtschaft: Selbst wenn das richtig funktionieren würde, müsste dafür eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut werden. Diese ist bei der Energieverteilung über Strom aber schon da. Und wenn beim Strom das einzige wirkliche Problem - die Speicherung- gelöst ist, werden die anderen Vorteile von Wasserstoff nicht reichen, um den großen Vorteil von Strom (das vorhandene Netz) zu schlagen.

Meine alten Artikel zum Thema Transrapid

Meine alten Artikel zum Thema Akkus

Hat der Spiegel ein anderes Spiel gesehen?

Mal etwas anderes:

"Michael Ballack (FC Chelsea)

Anfangs schlampig, dann ein wenig übermotiviert. Ihm gelang nicht viel. Selbst wenn man den Rasen als mildernden Umstand wertet, ein ganz schwaches Spiel des Kapitäns."

Ein ganz schwaches Spiel?

Hmmm, hmm, hmmm. Es war sicher kein überragendes Spiel und das 4:0 war auch viel zu viel (verdient wäre es eher ein 2:1 oder ein 3:1 gewesen), aber ein ganz schwaches Spiel von Ballack war das definitiv nicht. Ich habe keine Fehlpässe am laufenden Bank gesehen, keine über den Platz trabende Lethargie oder ähnliches, was einen solchen Verriss rechtfertigen würde ...

Lehmann souverän, Ballack ganz schwach

Update:

Die FAZ Kritik ist schon viel passender:

"Ballack: Im Kampfspiel auf engem Raum und schlechtem Platz war der Kapitän nicht der große Regisseur. Großes Laufpensum. Hatte nach Gomez-Pass das 2:0 auf dem Fuß, schoss aber zu unplatziert (39.)."

Gomez war der Matchwinner

Mittwoch, März 26, 2008

Zertifikatefonds vor dem Aus?

Zur Erinnerung: Zertifikate werden ab 2009 mit der Abgeltungssteuer belastet, Fonds, die noch dieses Jahr erworben werden, bleiben steuerfrei.

Also ist die Finanzbranche auf die Idee gekommen, einfach Fonds aufzulegen, die in Zertifikate investieren. Damit könnte die Steuer gespart werden.

Das hat jetzt aber das Finanzministerium auf den Plan gerufen und genau für diese Fonds eine Ausnahme geschaffen: Zertifikatefonds werden als einzige Fonds auch bei einem Kauf in 2008 mit der Abgeltungssteuer belastet.

Naja, als wenn wir im deutschen Steuersystem nicht schon genug Ausnahmen hätten ... Und das Vertrauen wächst auch nicht gerade, der Steuervorteil dürfte einige Anleger zum Kauf überzeugt haben. Jetzt haben sie den Ausgabeaufschlag bezahlt und zahlen trotzdem Steuern. Da würde ich mich aber bedanken!

Aber was die meisten Zertifikate eigentlich?

Discountzertifikate sind nichts anderes als der Kauf einer Aktie mit dem gleichzeitigen Verkauf einer Kaufoption. Durch die Einnahmen aus dem Verkauf der Option wird der Discount erreicht.

Genauso kann man die anderen üblichen Strukturen auseinanderdröseln: Egal ob es Expresszertifikate oder Bonuszertifikate sind.

Was nun, wenn die Fondsgesellschaften jetzt nicht einfach Zertifikate kaufen, sondern die Struktur von Hand zusammenbauen? Denn das können die Fondsgesellschaften schließlich genau so wie die Zertifikatehäuser.

Will der Staat das dann auch wieder verbieten? Am besten Absicherungsstrategien ganz verbieten? Oder wie oder was?

Das ganze zeigt eigentlich nur, wie beliebig und wie unsystematisch unser Steuersystem ist. Und wie es geschafft wird, selbst in ein Gesetz, das eigentlich mit Einfachheit überzeugen könnte, doch wieder völlig unnütze Komplexität eingebaut wird.

FTD: Fiskus straft Zertifikatefonds ab

Musterdepot Wochenrückblick: 29.3.08

egghat

Allgemein Wert Aktuell

StückNameSumme% Ges
KURS

30 Wohne In D-Zert.
1.479,60 -5,87% 49,32

150 Arcandor 1.906,50 +26,55% 12,71

50 Hypovereinsbank
1.978,50 -1,93% 39,57

45 BB Biotech
2.129,85 -2,40% 47,33

60 Bilfinger 3.186,00 +6,61% 53,10

130 CRE 1.761,50 +13,71% 13,55

1.000 Lehman Bro. Put
1.050,00 +1,94% 1,05

300 Minefinders 2.355,00 +27,82% 7,85

500 Primacom 4.350,00 -11,45% 8,70

2 Private Equity Zert.
1.720,00 +0,44% 860,00

100 Yahoo!
1.825,00 -8,17% 18,25

Summe in €: 23.741,95 +1,89%
Barbestand (Konto): +6.100,13
Gesamtsumme in EUR: 29.842,08

Nachdem ich letzte Woche noch rumgejammert habe, dass fast alle meine Werte unter Druck kamen, sofern es nicht gute Nachrichten gab, war die letzte Woche ausgesprochen positiv und mein Depot liegt nur noch 0,5% im Minus. Und wie ich nochmal betonen möchte: Dass ist angesichts der allgemeinen Börsenlage ein ziemlich gutes Ergebnis.

Zu meinen Werten gab es weniger News als in der Woche davor.

Zwischen Yahoo! und Microsoft scheinen sich die Fronten etwas aufzuweichen. Microsoft scheint die alternative Besetzung des Aufsichtsrats im Moment nicht weiter zu forcieren und auch Yahoo! verschärft die Abwehrmaßnahmen gegen eine Übernahme nicht weiter. Die Wahrscheinlichkeit für eine Übernahme nach einer Nachbesserung sind in der letzten Woche wohl leicht gestiegen. Die Citigroup hat die Aktie auf Kaufen heraufgesetzt.

Barrons: Yahoo: Citi Upgrades; Sees MSFT Raising Takeover Bid

Bei Arcandor gab es eine neue Analystenmeinung. Das Kursziel wurde leicht nach oben gesetzt, es bleibt aber unter dem Kurs und daher ist die Einschätzung weiterhin reduzieren.

Das finde ich allerdings komisch, denn die Gewinnschätzung liegt bei 1,13 für 2008 und 1,58 für 2009. Und diese Gewinnschätzungen passen eher zu meinem Kursziel von 16 bis 18 als zu 11 ...

ANALYSE/IR erhöht Ziel Arcandor auf 11 (10,50) EUR - Reduzieren

Bei Bilfinger tat sich so gut wie nichts. Der Markt handelt wohl wieder leicht die Übernahmefantasie, ansonsten gab es nur einen größeren Auftrag zu vermelden.

Bilfinger baut für 150 Mio EUR größtes Hotel in Australien

Zu meiner Silbermine habe ich noch den Mitschnitt einer Präsentation gefunden. Der Mitschnitt ist ziemlich lang und wer sich nicht für Minen interessiert, wird wohl einschlafen ;-) Wer sich aber für Minen und Exploration interessiert, findet aber exemplarisch aufgezeigt von welchen Schwierigkeiten heute jede neue Mine begleitet wird. Steigende Energiekosten, steigende Stahlkosten und (am schlimmsten) Fachpersonalmangel. Das führt dann so weit, dass Minefinders die Muldenkipper nicht beim Hersteller direkt ordert, sondern bei einem Reseller inkl. Wartung kauft. Denn nur so ist sichergestellt, dass die überhaupt gewartet werden. Und jedem, der in eine Explorationsfirma investieren möchte, gebe ich noch einen Hinweis für die Zeitplanung: Die Dolores Mine von Minefinders, die in diesem Sommer in Produktion geht, wurde 1996, also vor 12 Jahren, entdeckt. Man braucht viel Geduld und es gibt fast immer genügend Rückschläge, um auch später nochmal günstig wieder einzusteigen.

Minefinders Corp. Ltd. Wall Street Analyst Forum Transcript

Lehman Brothers: Lug? Trug? Schein?

Sehr schöner Artikel bei Tradersquest. Darin wird die letzte Bilanz von Lehman Brothers, die noch vor zwei Wochen klar auf Platz 1 auf der Liste der nächsten Pleitekandidaten lagen, auseinander genommen.

Ein paar Highlights:

Die Hypotheken wurden um magere 3% im Wert reduziert. In Zeiten, in denen MBS mit AAA-Rating 15% unter dem Nennwert gehandelt werden, verdammt optimistisch.

Die Hypotheken bester (Prime) und zweitbester (Alt-A) Qualität hat man einfach mal zusammengefasst, wahrscheinlich um den hohen Anteil von Alt-A nicht aufdecken zu müssen. Bei Lehman Brothers ist die Begründung so schön bescheuert, dass man sich das echt auf der Zunge zergehen lassen muss: Man habe die Kategorien zusammengefasst, weil die Alt-A-Hypotheken irgendwie Prime sind, auch wenn es Gründe gibt, warum die nicht Prime sind. Häh? Zur Erinnerung: Die UBS hat richtig Probleme mit den Alt-A-Hypotheken.

Aber der Hammer kommt dann am Ende: Vom Quartalsgewinn von 489 Millionen Dollar bleibt nichts über, wenn man eine Position heraus rechnet: 600 Millionen Gewinn, der entstanden ist, weil die Kreditqualität von Lehman Brothers gesunken(!) ist. Da die Schuldner draussen die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass Lehman die Schulden bedient, tut Lehman einfach so, als müsse man die Schulden nicht mehr vollständig zurückzahlen.

Ich habe das jetzt absichtlich nicht genauer beschrieben, lest den Artikel dort selbst, lohnt sich wirklich:

Lehman Brothers: Ein Blick hinter die Kulissen

Dienstag, März 25, 2008

IKB: Erst viermal retten - dann Prüfen

Puh ....

Erst verballern unsere Politiker 9 Milliarden in der IKB (manches direkt, manches noch unter Umständen über Bürgschaften) und dann - nach der vierten(!) Rettungsaktion - kommen unsere Politiker auf die Idee, die Lage doch mal prüfen zu lassen.

Wir wär's mal mit der Idee, die Prüfung zu machen, *bevor* die Milliarden ausgegeben werden?

Aber was will man erwarten, die heiraten ja auch alle mehrmals, obwohl man bekanntlich prüfen soll, bevor man sich ewig bindet ;-) Aber was interessiert einen Politiker schon sein Geschwätz vom Vortag ...

FTD: Exklusiv Bund plant Sonderprüfung bei der IKB

Die Immobilienpreise crashen - Und die Käufer kommen langsam zurück

Am Case-Shiller Hauspreisindex gemessen, sind die Preise im letzten Jahr um 10,7% gesunken. Ein Rückgang, den es noch nie gab; der Index ist aber auch noch nicht so unglaublich alt (Marketwatch: Home prices fall a record 10.7% in past year).

Gleichzeitig kam das US-Verbrauchervertrauen heute mit einem erneuten Einbruch, nachdem die Analysten nach dem Einbruch im Vormonat eigentlich eher mit einer Stabilisierung rechneten. Der heute bekannt gegebene Wert für die Teilkomponente "Erwartungen" ist sogar auf ein 35(!)-Jahrestief gefallen (Marketwatch: March consumer confidence down, outlook grim).

Ich möchte beiden (desaströsen) Nachrichten aber zwei Artikel entgegenstellen, die etwas Hoffnung machen:

Marketwatch: Real estate bargain hunting

Ein schöner Artikel über einen Ort in Kalifornien, in den nach über 40% Preisrückgang die Käufer zurück kehren. So viele, dass der Preis sogar deutlich über dem ursprünglich geforderteten der Bank lag.

Marketwatch: Driving by looking into the rearview mirror

Und zum Verbrauchervertrauen muss man anmerken, dass diese Indikator der Börsenentwicklung hinterherläuft. Die sinkende Stimmung ist eher als Reaktion auf die sinkenden Kurse zu sehen, als dass sie (weiter) sinkende Kurse anzeigt.

Montag, März 24, 2008

Wie ein Hedgefonds Gifmüll verbriefte und direkt geshortet hat

Ein Link, den ich schon lange mal bringen wollte:

Die Lizenz zum Gelddrucken:

Schrott verbriefen, vertickern und im Wissen, dass das Schrott ist, das Zeuch direkt shorten und vom kommenden Kursverfall profitieren.

In dieser Krise haben sich ja einige mit fragwürdigen Geschäften eine goldene Nase verdient, aber das schlägt dem Fass den Boden aus!

Extradreist!!!

WSJ: A Fund Behind Astronomical Losses

Oster-Spam: Fortune Graphite

Oh, habe schon lange keine Börsenspams mehr bekommen, aber an diesem langen Wochenende stehen nicht nur Religionsgründer wieder auf, sondern auch die untoten Spammerwerte vergangener Tage ...

Fortune Graphite.

Wurde schonmal im April letzten Jahres gespammt (Nummer drei .... An einem Tag ...) und ist heute genauso viel wert wie damals: Höchstwahrscheinlich nichts.


FINGER WEG! Allein die Rechtschreibfehler wie Miene (Autsch!) tun schon so weh, dass man die Aktie nicht kaufen sollte. Die "Nachricht" enthält ein paar Zahlen ohne Quellenangabe und niemand weiss, wie diese zustande kamen. Wer hat das errechnet? Ist das irgendwie testiert? Das Explorationsgeschäft ist risikoreich genug, selbst wenn man Firmen mit testierten Ressourcen kauft. Selbst wenn es eine Machbarkeitsstudie gibt, die als Sicherheit bei einer Bank hinterlegt werden kann. Aber eigentlich muss man sich über solche Details gar keine Gedanken machen: Es reicht aus, diese Mail als Spam unaufgefordert zugeschickt zu bekommen. Seriöse Firmen machen sowas nicht. Nie und nimmer.

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LESEN SIE DIE NACHRICHTEN
Fima: Fortune Graphite (ZTW1.F)
Kurz: ZTW1
WKN: A0MLXA
ISIN: US34965X2080
Borsenplatz: Frankfurter
Schluss-Stand 13.03.2008: Euro 0.35
Prognose bis 20.03.2008: Euro 1.40
“Fortune Graphite Producers Inc.”, eine Wyoming Firma, hat eine Gruppe von Mineralanspruechen in einem bekannten mineraltragendem Gebiet, suedoestlich in British Columbia (B.C.), das fertig ist fuer kommerzial mining.
Graphite: Die Ergebnisse der Arbeit von Fachleuten ausserhalb der Firma hat gezeigt, dass der formlose graphitic Erzinhalt der “Fortune Graphite” Gruppe ist kommerzial Grade und ist von einer gewerblich nuetzlichen Konzentration. Am Ende des Sommerberichts 2002 das formlose Graphit in dem Gabiet der “Fortune Graphite” Eigentuemer hat einen Gehalt von 6.667.000 Tonnen.
Mit einem laufeuden, Gehalt von 6.677.000 Tonnen kann “Fortune Graphite” mit einem Lauf der Miene van 475.000 Tonnen jedes der 14 Jahren bedienen.
Ueber die 14-jaehrige Periode dies wuerde erzeugen:
Umsatz $167.544.720
Bergbaukosten $ 53.188.800
Brutto Profitiert $114.355.920
Diese Figuren sind auf einem 9% Ertrag von 6.677.000 Tonnen basiert. Daher waere es 598.734 (Tonnen des Grafits) x $280, U.S., das pro Tonne benutzt wird, gleichend $167.544.720 basiert anengrafit hat auch die Lardo Sudliche Gruppe der Anspruche in British-Columbia erlangt, das Konzentrationen des Silbers hat.

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Freitag, März 21, 2008

Musterdepot Update 21.3.08

egghat

Allgemein Wert Aktuell

StückNameWert% Ges
Kurs

30 Wohnen in Deutschland Zert.
1.392,90 -11,38% 46,43

150 Arcandor 1.783,50 +18,39% 11,89

50 Hypovereinsbank 1.980,00 -1,85% 39,60

45 BB Biotech
2.047,05 -6,20% 45,49

60 Bilfinger 2.991,60 +0,10% 49,86

130 Colonia Real Estate
1.469,00 -5,17% 11,30

300 Minefinders 2.136,00 +15,93% 7,12

500 Primacom 4.275,00 -12,97% 8,55

2 P3 Zert.
1.710,00 -0,14% 855,00

100 Yahoo! 1.793,00 -9,78% 17,93
Summe in €: 21.578,05 -3,11%
Barbestand (Konto): +7.130,13
Gesamtsumme in EUR: 28.708,18

Das erste deutlichere Minus in der letzten Woche :-( Jetzt etwas über 4% im Minus. Die Aktien ohne Nachrichten waren schwach. Primacom hat etwas verloren, was aufgrund der Größe Spuren im Depot hinterlässt. Richtig schwach waren die Immobilienaktie Colonia Real Estate und das Wohnen in Deutschland Zertifikat, das neben CRE auch Vivacon, Gagfah und andere enthält. Warum die so niedrig notieren verstehe ich weiterhin nicht. Das NAV bei CRE liegt über 20 Euro, die Aktie ist also völlig unterbewertet. Die Schwankungen von CRE sind schon heftig, der Wert war schon über 40% im Plus und hat das alles (und noch mehr) wieder abgegeben. Das Wohnen in Deutschland Zertifikat ist etwas breiter gestreut, schwankt deshalb etwas weniger, aber die grundsätzliche Bewegung ist die gleiche.

Das P3 Zertifikat hat eine Wertsteigerung des NAVs von gut 15% im Jahr 2007 bekanntgegeben. Das wird dieses Jahr wohl weniger werden. Aber mir reicht es, wenn das Zertifikat den Abschlag zum inneren Wert von etwa 1450 Euro aufholt ...

Bei der Hypovereinsbank ist auch nichts Wesentliches passiert. Abwarten, wie bei Abfindungspekulationen üblich.

Bei Minefinders erwarte ich nächste Woche Kursschwäche, etwas anderes kann man angesichts des Einbruchs des Silberpreises von über 20 auf unter 17 (fast 20%) nicht erwarten. Ich halte den Rückgang aber für eine gute Kaufgelegenheit (siehe
Wow! Rohstoffkollaps ...)

Besser haben sich die Werte gehalten, bei denen es Nachrichten gab:

1.) Nach dem Dementi folgt die Bestätigung ?!?

Bilfinger informiert Behörden über Korruptionsverdacht

Ein Interview in der WAZ:

„Keine Angst vor Investoren”

Nach den Geschäftsergebnissen hagelte es neue Kursziele, wobei diese eigentlich die alten sind ...

UniCredit bestätigt Bilfinger Berger mit 'Buy' und Ziel 70 Euro
Equinet bestätigt Bilfinger Berger mit 'Buy' - Ziel 67 Euro
WestLB senkt Ziel für Bilfinger Berger von 67 auf 66 Euro - 'Buy'

Bilfinger ist weiterhin ein Kandidat auf 20 bis 30% Plus.

2.) Arcandor

Zu Arcandor direkt ist die Nachricht zwar nicht, aber wenn der Konkurrent Kaufhof von der Metro verkauft werden soll, liegen die Spekulationen natürlich nahe.

Guter dreiteiliger Artikel in der FTD, der die Lage rund um Acandor und Kaufhof gut beleuchtet:

Middelhoff fast am Ziel

Ausserdem wurde der Immobilienverkauf eingestielt:

FTD: Arcandor fixiert Immobilien-Verkauf

Arcandor war diese Woche besser als der Markt.

3.) Yahoo!

Yahoo hat seine Prognosen für 2009 und 2010 deutlich angehoben, wohl um Microsoft den "wahren Wert" zu verdeutlichen. Frei nach Udo Jürgens "Aber bitte mit Nachschlag". Die Analysten schätzen diese Prognosen aber als ziemlich optimistisch ein oder als "möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich".

Yahoo’s Three-Year Plan: Grow Revenues 73 Percent By Focusing on Display Ads, Mobile, and Better Search

Marketwatch: Yahoo again argues that Microsoft's bid is too low

Yahoo! profitierte aber auch vom Dollar, der sich diese Woche etwas erholt hat. Vom Minus von etwa 10% geht weiterhin etwa die Hälfte auf das Konto des Dollars.

Donnerstag, März 20, 2008

Wow! Rohstoffkollaps ...

Spielt die Börse jetzt auf einmal doch die (weltweite) Deflationskarte?

Gold fast wieder bei 900 Dollar, über 100 Dollar (=10%) unter dem Stand von vorgestern,
Silber bei fast 17 Dollar, über 3 Dollar (=15%) unter dem Stand von vorgestern,
Öl unter 100 Dollar.

Dieter Wermuth von Herdentrieb erwartet auch eher eine Deflation als eine Stagflation.
Ich bin bisher immer von einer Entkopplung ausgegangen: Wir bekommen eine Rezession in den USA, aber ohne allzu gravierende Auswirkungen auf den Rest der Welt. Die Nachfrage nach Rohstoffen bleibt folglich hoch und auf der Angebotsseite tut sich nicht viel, weil die Kosten für neue Minen explodieren. Daher ist keine nachhaltige Entspannung der Rohstoffpreise zu erwarten. Ich erwarte übrigens auch nicht wirklich eine Stagflation, ich schätze, dass das Wirtschaftswachstum schneller wieder anzieht, als sich manche das aktuell vorstellen können.

Ich halte die aktuellen Kurse für eine durchaus interessante Nachkaufgelegenheit für alle, die ihren Sachwerteanteil im Depot noch nicht hoch genug haben. Man sollte Gold aber nie allein aus Renditegesichtspunkten kaufen, Gold ist immer auch eine Versicherung gegen den Finanz-GAU (wertlose Papierwährungen).

Die extrem negative Realverzinsung (Zins minus Inflation) spricht für Rohstoffe. Das ist zwar aktuell ein Phänomen, dass nur auf die USA (und abgeschwächt auf China) zutrifft, aber sich mit den kommende Zinssenkungen in Europa ausbreiten wird.

Es gibt keine Garantie auf solche Gewinne und unter Umständen haben die Märkte besonders bei den Edelmetallen schon viel vorweg genommen. Ich glaube aber, dass Silber unter 20 Dollar genauso wie Colonia Real Estate unter 20 Dollar gute Käufe sind ...

Update

Vielleicht ist aber auch einfach ein Hedgefonds liquidiert worden. Soll ja passieren hab ich gehört ...

Chart-Animation-Porn zu den US-Hypotheken

Das ist was für Barry Ritholtz ...

Eine Analyse der Bankbilanzen nach mehreren Kriterien:

  1. Bilanzsumme
  2. Gesamtvolumen der vergebenen Hypotheken
  3. Gesamtvolumen der überfälligen Hypotheken (die, die 90 Tage oder mehr nicht mehr bedient wurden)
  4. Abschreibungen auf die Hypotheken
Und das ganze im Zeitablauf ...

Charting The Banking Crisis - A Boomerang Demo

Die Größe des Kreises gibt das Gesamtvolumen der Hypotheken an. Links im ersten Chart ist das Gesamtvolumen der überfälligen Hypotheken, unten die Bilanzsumme. Im zweiten Chart sind links die Abschreibungen auf Hypothekenkredit aufgetragen.

Man kann da einige Sachen erkennen:

Am Ende geht (nicht sonderlich überraschend) bei fast allen Banken die Kurve nach oben, sprich es gibt mehr überfällige Hypotheken und mehr Abschreibungen. Das war angesichts der Hypothekenkrise auch nicht anders zu erwarten.

Bei JP Morgan kann man an den Sprüngen zwischendrin schön sehen, dass die gerade eine Bank gekauft haben und danach erstmal die Bilanz aufgeräumt haben.

Spannender finde ich zwei andere Beobachtungen:

a) Die Bank of Amerika zieht sich (auf den Immobilienmarkt begrenzt) ziemlich gut aus der Affäre: Sie hat wenig überfällige Hypotheken in den Bilanzen und muss auch nicht viel abschreiben. Im Schnitt der Banken sieht das anders aus.

b) Wells Fargo (eine Bank, bei der Warren Buffet eingestiegen ist), hat sehr viele überfällige Hypotheken (siehe Chart 1), aber kaum etwas darauf abgeschrieben (siehe Chart 2). Droht hier Gefahr? Hat Buffet etwas übersehen? Eine zweite interessante Beobachtung: Wells Fargo ist eine der wenigen Banken, bei denen der Kreis kleiner wird. Wells Fargo hat also scheinbar in den letzten Jahren nur sehr zurückhaltend neue Immobilienkredite vergeben. möglicherweise sogar aktiv sein Immobilienportfolio verkleinert. Ob der zweite Effekt wichtiger ist der erste, wird man noch sehen.

Schon faszinierend, wie viele Informationen man aus diesen beiden Grafiken in weniger als 5 Minuten ziehen kann. Man muss sich mal überlegen, wie lange man gebraucht hätte, wenn man sich diese Informationen von Hand aus den Bilanzen gezogen hätte ...

Schade, dass man in Deutschland in der Presse solche Sachen so selten sieht. Das Wall Street Journal ist da weiter, die Befragung der Volkswirte ist auch immer ziemlich schön und sehr informativ.

Mittwoch, März 19, 2008

Bear Stearns für 7 Dollar je Aktie gehandelt!

Zur Erinnerung: JP Morgan bietet 2 Dollar je Aktie.

Jetzt fragt man sich, wer zum Teufel zahlt dann 7? Gibt es da Leute, die auf eine Nachbesserung hoffen? Ich würde diese Chance sehr gering einschätzen, denn ich gehe davon aus, dass Bear Stearns defakto Pleite ist.

Es gibt aber trotzdem eine logische Erklärung für den Kurs: Es kaufen die *Anleihe*besitzer von Bear Stearns. Diese wollen sichergehen, dass die Übernahme auch klappt, weil ansonsten das Geld weg ist. Man muss immerhin sehen, dass jemand, der vor der Übernahme von Bear Stearns die Anleihe (zu den schon damals niedrigen Kursen) gekauft hat, nach der Übernahme Anleihen der deutlich besser bewerteten JP Morgan bekommt. Für mutige Spekulanten war da eine Menge Geld zu verdienen; das ausstehende Anleihevolumen von Bear Stearns beträgt mindestens 150 Milliarden Dollar.

Um die Übernahme abzusichern, kauft man jetzt lieber ein paar (Bear-Stearns)-Aktien und sichert damit quasi seine (Bear-Stearns-)Anleihen ab.

Ich finde das eine der spannendsten Überlegungen der letzten Wochen, denn naheliegend hätte man die Aktie bei 3 Dollar am Montag natürlich shorten *müssen*. Aber naheliegend wird man an der Börse nur selten reich ...

Gefunden über:
Why Has Bear Stearn's Stock Been Rallying?

Update (16:18):

Nur um die Dimension zu erklären:

Ausstehendes Volumen der Bear Stearns Anleihen: 150 Milliarden
Kursniveau vor der Übernahme: 80%
Kursniveau nach der Übernahme: mindestens 95%.
Gewinn: 22,5 Milliarden.

So long and thanks for the fish.

Die US-Geldmenge wächst mit 25%(!)

Also wenn damit die Inflation der nächsten Jahre nicht feststeht, dann weiss ich es nicht ...

Die 25% haben aber etwas eingeschränkte Aussagekraft, da das die Geldmengenentwicklung der letzten drei Monate hochgerechnet auf ein Jahr ist. Die wirklich jährliche Zahl ist aber auch nicht beruhigender: Danach beträgt das Plus 16%.

Aus einem lesenswerten Artikel in der FTD: Die Fed wird mächtig nachlegen müssen

Aber inzwischen bin ich mir immer sicherer, dass die Fed die Inflation nicht nur in Kauf nimmt, um das Finanzsystem zu retten, sondern die Inflation sogar beabsichtigt. Denn wenn man in die Geschichte schaut, gibt es keine bessere Möglichkeit um eine nationale Überschuldung abzubauen als die Preise für die Habenseite einfach hochzujagen. Für Anleger heisst das: Sachwerte (Aktien, Rohstoffe).

800 Milliarden Verluste?

Als Update zum Artikel von Zeitenwende.ch (Darfs ein bisschen mehr sein?) mal wieder eine aktuelle Schätzung des Gesamtschadens der aktuellen Kreditkrise:

FTD: IWF fürchtet Verluste von 800 Milliarden Dollar

Die Überschrift verkürzt die Aussage eigentlich noch, denn die nächsten beiden Wörter sind "oder mehr" :-( Im Artikel taucht aber gleichzeitig noch ein "Verluste von bis zu 800 Mrd. $" auf. Besser kann man die Ungewissheit wohl nicht zusammenfassen.

Also kurz: Es gibt bis zu 800 Milliarden Verluste oder mehr.

Der internationale Währungsfonds schätzt auch, dass etwa die Hälfte der direkten Verluste in Europa aufschlagen wird. Schau'n mer mal.

Dienstag, März 18, 2008

US-Leitzins minus 0,75%, die Börsen auch ;-)

Da verpufft doch tatsächlich ein Teil der Gewinne wieder, weil die Notenbank "nur" um 0,75 Prozentpunkte senkt.

Vielleicht wollte die Fed auch nur mal zeigen, dass sie noch eine eigene Politik macht und nicht nur von der Wall Street Meute getrieben wird ...

Goldhotline platt?

War eine tägliche Lektüre von mir:

http://www.goldhotline.de/html/aktuell.php

Die Goldhotline von Martin Siegel.

Seit gestern geht nichts mehr (Error). Die Homepage zeigt nur noch

"Hier entsteht eine neue Internetpräsenz"

Hat der verpennt, seine Domain zu verlängern? Hat dem jemand die Domain geklaut? Gibt es eine neue Homepage?

Weiss jemand mehr?

US-Neubaubeginne runter auf 17-Jahrestief

Naja, keine Besserung am US-Immobilienmarkt zu erkennen. Im Monatsvergleich sank die Anzahl der neu begonnenen Einfamilienhäuser um 6,7%, im Jahresvergleich um 40,7(!)%. Besser sieht die Lage bei Mehrfamilienhäusern aus, scheinbar rechnen Investoren nach den Massenpleiten der Verbraucher mit einer steigenden Nachfrage an Mietwohnungen ...

Die Building Permits, also die Genehmigungen zum Hausbau, fielen ähnlich stark, hier deutet sich also auch keine Entspannung an.

Marketwatch: Single-family housing starts sink to 17-year low

Schlechte Nachrichten auch von der Inflationsseite:

Die Produzentenpreise (PPI) in den USA sind 0,5% gestiegen, die Kernrate um 0,3%. Im Jahresvergleich errechnet sich ein Plus von 6,4%, bzw. 2,4% in der Kernrate.

Beides Zahlen, die eigentlich zu hoch sind. Die Fed wird's aber nicht stoppen ...

Marketwatch: U.S. February producer prices rise 0.3%

Die Charttechnik sagt: Verkaufen, alles bricht zusammen!

Vor allem die Candlesticks:



So ein klares Verkaufssignal hat noch nie ein Chart geliefert!

von Bear Stearns tremors - now affecting candle-sticks gefunden über The Big Picture: Candlesticks !

Update (14:01)

In meinen RSS Reader wird das animierte GIF nicht angezeigt, im Zweifelsfall den Artikel "richtig" anschauen.

Update (19:42)

Ich sehe gerade, dass das im Blog *auch* nicht richtig kommt, weil die Animation fehlt. Wenn man auf das Bild klickt, kommt das aber richtig ...

No! No! No!

Nein, nicht Ami Whinehouse, obwohl als Mashup wär das cool ...

Should I take my money out of Bear Stearns?
No! No! No!



Ok, wenn es sich schon so anbietet ...



So reduziert, damit die Stimme noch besser herauskommt ...

Die Schockwellen breiten sich aus ...

Das Finanzsystem wird immer so platt mit Dominosteinchen verglichen, aber leider ist das die beste Analogie. Wenn dort einer Pleite macht, fehlen bei einem Haufen anderer Firmen auf einmal (jeweils) ein paar Milliarden in den Bilanzen. Und dann fällt das nächste Steinchen ....

Besonders extrem ist die Situation bei den Firmen, die die spekulativen Geschäfte abwickeln. Denn wenn diese eine Position kaufen und dann an jemanden verkaufen, der das aber auf einmal nicht mehr bezahlen kann, stecken die schnell in der Klemme. Das tägliche Volumen der abgewickelten Geschäfte ist um ein Vielfaches höher als das Kapital der Firmen.

Einen Teil dieser Firmen hat die Wall Street gestern ins Visier genommen:

MF Global ist ein solcher Abwickler, der sich auf Commodities (Rohstoffe) spezialisiert hat. MF Global ist die alte Man Financial, ein Spin Off des großen Hedgefondsmanagers Man Group. MF Global betont in einer Stellungnahme, dass man über ausreichende Kreditlinien verfüge, über die noch weitere 1,4 Milliarden Dollar verfügbar seien. Die Börse ist trotzdem sehr kritisch und jagte den Aktienkurs um fast 2/3 nach unten. Man wird sehen, in wie weit sich der Kurs heute nach der Stellungnahme wieder erholen kann.

Die GFI Group ist in einem ähnlichen Geschäftsbereich unterwegs (wenn auch mit anderer Spezialisierung) und verlor 22%, die FCStone Group fiel 41%.

Ich befürchte, dass die Liste solch anfälliger, aber sehr wichtigen Firmen im Finanzsystem noch ziemlich lang ist. Funktionieren die Märkte, funktionieren auch die Firmen. Funktionieren die Märkte nicht mehr, wird es für diese Firmen sehr schwierig. Und an diesem grundsätzlichen Zusammenhang können die eigentlich auch nichts ändern ...

Marketwatch:MF Global tries to calm market after shares plunge

Montag, März 17, 2008

Europas Immobilienmärkte - Wann knallt es?

Mal zwei Artikel zum Stand der Immobilienmärkte in England und Spanien, den beiden europäischen Topfavoriten auf einen Crash ...

Zum Vereinigten Königreich:

UK housing market close to collapse, analyst says

Und zu Spanien:

FAZ: Spanien: Immobilienblase belastet den Aktienmarkt

Spanien ist u.a. deshalb so kritisch, weil etwa 95% der Hypotheken mit variabler Verzinsung abgeschlossen wurden. Das war in Zeiten der Peseta noch cool und nach dem Eintritt Spaniens in die Eurozone profitierte Spanien auch 15 bis 20 Jahren von fallenden Zinsen. Im Umkehrschluss explodierten die Immobilienpreise. Jetzt rächt sich das ...

Allerdings verlief, bis auf die Beinahepleite von Northern Rock in Großbritannien und den fast insolventen Immobilienkonzern Colonial in Spanien, die Krise bisher vergleichsweise harmlos. Ich bin mir nicht sicher, ob das so bleibt.

Falls das Thema interessiert: Beim Klick auf die Tags rechts finden sich noch einige ältere Artikel zum Thema Spanien und UK.

Musterdepot: Kauflimit DAX Call

Kauf 300 BNP Dax Turbo Call
DE000BN0EMY8
17.03.08
Tagesgültig
BNP Paribas ...
Limit 3,05 EUR

Mal schauen, ob ich noch reinkomme und schauen, ob die Spekulation auf einen Rebound aufgeht.

Update (21:30):

Nicht aufgegangen ... Die nächste Chance kommt gewiss ...

Was passiert eigentlich mit den Zertifikaten von Bear Stearns?

Die haben ja auch in Deutschland Zertifikate emittiert, siehe Bestmarkets. Wenn ich mich richtig erinnere, wollten die auch ein breitaufgestellter Anbieter werden ... naja.

Jetzt sind die ja durch JP Morgan übernommen worden und damit wurde die Pleite verhindert. Damit dürfte mit den Zertifikaten nichts passieren, oder?

Die Preisfeststellung ist offenbar eingestellt, ein Handel damit (zumindest im Moment) nicht möglich.

Im Falle einer Pleite wäre das Geld aber weg. Zertifikate gelten als Inhaberschuldverschreibungen und diese sind NICHT wie Spareinlagen versichert. Dieses Risiko sollten jedem bewusst sein.

Vor allem wer (wie ich) Gold kauft, um im absolut schlimmsten Falle was in der Hand zu haben, sollte *keinesfalls* auf Zertifikate setzen, sondern nur aus wahres, echtes Gold. Ob als Barren oder als Münze ist letztendlich egal und Geschmacksache.

Update (19:03):

Im Zertifikatejournal ist ein Interview mit dem Bear Steans Zertifikate-Menschen (Winkler) aus Frankfurt ...

ZertifikateJournal: Was sind die Ziele für die nähere Zukunft?
Winkler: Wir wollen gute Zertifikate zu fairen Preisen anbieten und unsere Produktpalette kontinuierlich verbreitern. Wenn wir spannende Ideen sehen, versuchen wir natürlich immer wieder, mit individuellen Zertifikate-Lösungen auf uns aufmerksam machen.
Naja, wird wohl nix mehr ...

Update (18.3.08):


FTD: Bear-Stears-Krise trifft deutsche Privatanleger

Mal ein paar Wirtschaftsdaten

Die Lage an den Finanzmärkten ist ja depressiv, deshalb mal ein anderes Thema:

1.) Marketwatch: Consumer sentiment slips in March to 16-year low
Das kam bereits am Freitag,. Etwas besser als erwartet, trotzdem nach leichtem Minus ein neues 16-Jahres-Tief.

2.) U.S. February industrial production falls 0.5%

schlechter als erwartet, klares Rezessionszeichen.

3.) New York factory activity slows to record low level in March

Neuer Wert: -22,2 nach minus 11,7. Erwartet wurden -5,0. Schlechtester Wert ever. Keine wirtschaftliche Erholung in Sicht (zumindest nicht in der Region New York).

Hmmm, war jetzt irgendwie nicht besser, befürchte ich ...

Bear Stearns herabgestuft!

Damit das nicht übersehen wird ...

Wenn ich über die Kreditratingagenturen lästere, schreibe ich ja oft, dass auch Enron ein paar Tage vor die Insolvenzeröffnung noch beste Ratings hatte. Naja, und bei Bear Stearns war es dieses Mal nicht anders:

S&P Cuts Bear Stearns' Rating (gefunden über Headline of the Day: S&P Cuts Bear Stearns' Rating)

Die Nachricht kam Freitagmittag nach der Kurshalbierung und der Nachricht, dass JP Morgan und die Fed of New York Bear Stearns stützen (die Übernahme kam erst am Sonntag).

Das Rating wurde von A auf BBB reduziert. Und mit Fug und Recht kann ich auch dieses Mal behaupten, dass auch diese Insolvenz NICHT im Vorfeld erkannt wurde, sondern nur reagiert wurde. Übrigens ist BBB noch Investmentqualität. Autsch.

Roubini in der FAZ

Hier schon des öfteren verlinkt (ein knalliges Desasterszenario bekommt der Roubini immer zusammen ...), heute mal auf Deutsch und in der FAZ.

FAZ:„Amerika muss seine Banken verstaatlichen“

Inhaltlich nix Neues drin, aber einfacher zu lesen ;-)

Wieso die FAZ keinen Link auf sein Blog bringt, weiss ich nicht (die Mainstreammpresse hat das saubere Verlinken offenbar immer noch nicht gelernt ...), aber hier habt ihr ihn:

Nouriel Roubini's Global EconoMonitor

Lesenswert, wenn auch nichts für schwache Nerven ...

Leider bekommt man seine 12 Schritte zur finanziellen Kernschmelze dort nicht komplett online, ich will nur anmerken, dass wir mit "ein oder zwei Banken gehen kaput" jetzt bei Schritt 9 angekommen sind ... siehe hier:

Rising Risk of a Systemic Financial Meltdown:The 12 Steps to Financial Disaster By Nouriel Roubini

Geheim! Wie JP Morgan mit Bear Stearns verhandelt hat ...

;-)

BS: Letzter Kurs war 30. Unsere Aktionäre würden gerne einen Aufschlag sehen.

JPM: Wie wär's mit 5 Dollar? Das ist eure Immobilie an der Madison Avenue wert. Der Rest ist Schrott.

BS: Ihr macht Witze? Wir haben J.C. Flowers, Citadel, KKR, CITIC. Große Namen mit tiefen Taschen.

JPM: Ihr habt 28 Tage Zeit. Keiner außer uns kann den Deal in 28 Tagen einstielen. Kein Ausländer wird Bear Stearns kaufen dürfen. Und kein Inländer hat genug Geld. Wir aber haben die Fed im Rücken.

BS: Hmmm, aber 5 Dollar? Letzten Sommer kostete die Aktie 120 und unser Chef war Golfen und schaute der Kernschmelze unserer beiden Hedgefonds zu.

JPM: Wir wollen eigentlich keine Investmentbank. Prime Brokerage und die Immobilie hingegen wollen wir und bezahlen wir fair. Ihr könnt den Rest behalten.

BS: Aber den behalten wir nur den radioaktiven Giftmüll.

JPM: Radioaktiv?

BS: Äääähhhhmmm. Schlechte Wortwahl ... Wir meinen den Teil der Firma, der im Moment nur schwer zu bewerten ist.

JPM: Wir wär's mit 2 Dollar pro Aktie?

BS: Das sind nur 236 Millionen für die gesamte Firma! Wir haben letztes Jahr für 1,6 Milliarden eigene Aktien zurückgekauft! Können wir nochmal über die 5 Dollar sprechen?

JPM: So viel zum Thema "Aktienrückkäufe in Zeiten schlechter werdender Kreditmärkte". 2 Dollar und der Vorstand muss das Angebot unterstützen.

BS: OK, done.

frei und verkürzt nach:

The Deal of the Year: JP Morgan Buys Bear Stearns

gefunden über Wie kommt man auf 2 Dollar pro Aktie für eine Investmentbank von Weltruf

Es gibt im Artikel auch noch einen Bewertungsversuch für Bear Stearns, die zeigt, dass die Übernahme zu 236 Millionen womöglich das Geschäft des Jahres gewesen sein könnten. Aber vielleicht auch nicht. Das Risiko in den Büchern von Bear Stearns ist im Moment nicht überschaubar.

Update (13:38):

Nochmal zur Bewertung:
FAZ.NET: JP Morgan übernimmt Bear Stearns zum Spottpreis

Hasse mal zwei Dollar?

Wow!

Bear Stearns Übernahme für 2 Dollar je Aktie. Das ist verdammt nahe am symbolischen Kaufpreis von einem Euro.

Marketwatch: Fed acts Sunday to prevent global bank run Monday

Der letzte Kurs am Freitag war 30, nach 60 am Donnerstag, nach 120 im Sommer.

Der Kaufpreis, den JP Morgan zahlen muss, ist der unwesentliche Teil in diesem Geschäft. Bear Stearns ist bei diesem Kurs nur noch ein paar Hundert Millionen wert. Wie groß die Risiken allerdings sind, sieht man daran, dass die Fed bis zu 30 Milliarden Dollar garantiert.

Den Klotz am Bein möchte ich nicht haben.

Greenspan: Meister der Blasen.

Ich empfehle daher durchaus folgendes Buch:

Das Greenspan Dossier

Es stand alles drin, es war alles geschrieben. Es wurde alles abgestempelt als Weltuntergangsszenarien verrückter Goldfreaks.

Übrigens:

Es gibt keine Kreditkrise! ROTFL.

Sonntag, März 16, 2008

JP Morgan kauft Bear Stearns

Wollte gerade alle interessanten Artikel zu Bear Stearns zusammenstellen, aber das hat sich mit dieser Adhoc-Nachricht vom WSJ wohl erledigt.


WSJ: Bear Stearns Closes in on Deal To Sell Itself to J.P. Morgan


Das WSJ bringt selten Schrott und hat exzellenteste Quellen zur Wall Street, von daher kann man davon ausgehen, dass das auch so stimmt.

Dann kann man nur sagen: Das ging aber schnell und

Glück gehabt!

Auf die nächste Woche, ohne diese Nachricht zum Start, hätte ich gerne verzichtet.

So wird es wohl kein Desaster werden, allein weil die Notenbank die Zinsen senken wird (wohl um 0,75, evtl. sogar um 1,00 %). Obwohl: Wer weiss, was sonst noch alles droht ...

Musterdepot Update

So hier das Update zu meinen Werten im Musterdepot. Ich versuche das jedes Wochenende zu bringen, versprechen will ich aber nichts.

Allgemein Wert

StückNameSumme% Ges
Kurs

30 Wohnen in Deutschland Zertifikat
1.453,80 -7,51% 48,46

150 Arcandor 1.710,00 +13,51% 11,40

50 Hypovereinsbank 1.997,50 -0,99% 39,95

45 BB Biotech
2.140,20 -1,93% 47,56

60 Bilfinger 3.126,60 +4,62% 52,11

130 Colonia Real Estate
1.614,60 +4,23% 12,42

300 Minefinders 2.499,00 +35,63% 8,33

500 Primacom 4.285,00 -12,77% 8,57

2 P3 Zertifikat
1.840,00 +7,45% 920,00

100 Yahoo! 1.713,00 -13,81% 17,13

Summe in €: 22.379,70 +0,49%
Barbestand (Konto): +7.130,13
Gesamtsumme in EUR: 29.509,83

Das Depot ist knapp 500 Euro im Minus, was angesichts der allgemeinen Lage mit Fastpleiten von Bear Stearns und immer hektischer werdenden Rettungsaktion der Fed mehr als beachtlich ist.

Zu meinen Musterdepotwerten gab es in der letzten Woche überwiegend gute Nachrichten:

1.) Zu Minefinders habe ich einen guten Artikel gefunden, der belegt, dass Minefinders im Herbst wohl den Break Even beim Cash Flow erreichen wird. Allerdings zeigen die Kerndaten der überarbeiteten Studie auch, wie weit Minefinders die Gold- und Siberpreise erhöht hat, um weiterhin eine so gute Profitabilität darstellen zu können. Allerdings waren 475 Dollar beim Gold und 7,50 beim Silber auch etwas arg weit weg vom aktuellen Kurs. Minefinders zeigt aber exemplarisch, wie teuer eine neue Mine heutzutage ist. Viele der alten Prognosen sind nicht mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden. Es heisst aber auch, dass zu 10 Dollar pro Feinunze Silber wahrscheinlich keine einzige neue Mine mehr in Produktion gehen würde. Es ist ähnlich wie beim Öl: Die Förderkosten in neuen Minen/Ölfeldern stellen eine Art natürlicher Untergrenze für die Preise dar. Beim Öl liegen die Preisschätzungen bei ca. 50 bis 60 Dollar je Barrel. Darunter wird der Preis vermutlich nie mehr fallen.

Minefinders Expands Dolores Resource in Time for Production

Das Private Equity Zertifikat P3 hat das monatliche Update zum inneren Wert geliefert: Der NAV ist um 0,99% auf 1.488,51 Euro gefallen. Hauptauslöser war der schwache Euro. P3 - Monatsbericht per 29. Februar 2008 (PDF!)

Arcandor machte am Dienstag einen gewaltigen Satz (fast 15%) nach oben.
Dazu trug bei, dass Charttechniker es als äusserst positiv werteten, dass der Kurs nicht unter die Januartiefs gefallen ist. Außerdem gab es zwei Nachrichten:

Eine Versandtochter für preiswerte Mode wurde an Aurelius verkauft.
Arcandor-Tochter Primondo schließt Neuausrichtung des Spezialversands ab

Karstadt stellte im neuen Haus in Essen die neue Strategie für den Warenhauskonzern vor:

Karstadt stellt neue Warenhaus-Strategie vor - Kampf um Marktanteile
oder besser: FTD:Karstadt geht Kaufhaus-Problem an

Das neu eröffnete Haus in Essen scheint wohl einige Analysten und Journalisten so beeindruckt zu haben, dass die Aktie an diesem Tag über 10% nach oben sprang. Vielleicht war es aber auch die Charttechnik, die am Mittwoch einen erfolgreichen Test der Januartiefs vermeldete und dieses Tief ab sofort als neue Unterstützung und potenziell sehr positives Doppeltief wertet.

Bei Bilfinger gab es die Nachricht, dass man sich nicht als Übernahmeziel sehe. Weiterhin wurden Gerüchte dementiert, dass gegen Bilfinger in Nigeria wegen Bestechung ermittelt werde.

Bilfinger erwartet keinen feindl Übernahmeversuch - Magazin

Colonia Real Estate installiert Solaranlagen auf den Immobilien und sichert sich so die 46 Cent pro KWh, die es aktuell noch gibt. Dabei handelt es sich um das größte Fotovoltaik Projekt auf Wohnimmobilien in Deutschland. Drei Banken haben ihre Prognose bereits aktualisiert, stufen die Nachricht aber als wenig relevant ein. Die Kursziele bleiben unverändert, zum Glück unverändert hoch.

Colonia Real Estate setzt Solaranlagen auf Wohnhäuser - Vertrag mit systaic
Sal. Oppenheim bestätigt Colonia Real Estate mit 'Buy' - Kursziel 21 Euro.
UniCredit bestätigt Buy für Colonia Real Estate - Kursziel 26,50

Die Unicredit will den Squeeze Out bei der Hypovereinsbank jetzt durchpauken und sich diesen auf der HV im Sommer erneut genehmigen lassen, nachdem die Beschlüsse der letzten HV für ungültig erklärt wurden.
HVB reagiert auf Aktionärsklagen mit Bestätigungsbeschlüssen

Die HVB meldete (entgegen der Tendenz im Bankensektor) einen steigenden Gewinn für 2007. Trotz Verlusten im Subprime Handelsbuch von knapp 400 Millionen stieg der Gewinn von etwa 1,5 Milliarden auf 2 Milliarden. Gleichzeitig warnte die HVB vor "signifikanten Wertanpassungen" und betonte den schwachen Jahresbeginn, geht aber weiterhin von einer steigenden Profitabilität für 2008 aus.

Bei Primacom gab es eine Meldung in der FAZ, dass das Kartellamt die Übernahme der Orionnetze in Norddeutschland durch KDG genehmigen dürfte. Das war zwar noch nicht offiziell, aber wurde von keiner Seite dementiert. Damit hat Orion die Gewissheit, dass beiden Deals (die angestrebte Übernahme von Primacom und der Verkauf der Netze in Norddeutschland) genhemigt werden. Damit ist die Bahn für eine weitere Aufstockung und oder einen Squeeze Out bei Primacom eigentlich frei. Ich warte ...

Freitag, März 14, 2008

BAILOUT FOR BEAR STEARNS!

Man kann es nicht laut genug rufen.

BAILOUT! BAILOUT! BAILOUT FOR BEAR STEARNS!

Nachdem Bear Stearns noch am Montag fleissig dementiert hat, irgendwelche Probleme zu haben, obwohl die Risikoaufschläge von 400 auf 600 Punkte explodiert sind (Tab Sweep: US-Immo-Banken-Crash), springen heute die Fed New York und Morgan Stanley J.P.Morgan bei und übernehmen scheinbar alle Risiken für Bear Stearns, wenn auch nur limitiert für 28 Tage. Die Liquidität ist komplett im Eimer (freie Übersetzung des üblichen Bank-CEO-Sprechs).

Bear Stearns shares fall 47% - ear Stearns gets help from Fed, J.P. Morgan

Übrigens war Bear Stearns mal eines der solidesten Häuser an der Wall Street. So solide, dass das vierte Quartal 2007 das erste in der 84-jährigen Geschichte war, das im Minus endete ... (Jetzt hat's auch Bear Stearns erwischt ...).

Update (16:05):

jetzt trudeln die ersten deutschen Links ein:

FTD: Bear Stearns muss gestützt werden

FTD: Bear Stearns schickt Wall Street auf Talfahrt

Und um mal wieder auf den Rating Agenturen rumzuhacken:

Die aktuelle Ratings von Bear Stearns sind:

A2 bzw. A bzw. A+

Das ist zwar nicht so doll, aber besser als z.B. ThyssenKrupp oder Brasilien oder oder oder.

Update (16:26):

The Big Picture von Barry L. Ritholtz hatte das Gerücht schon heute morgen ...

Today's Rumor: Bear Goes Belly Up (Who's next?)

Update (16:31):

Ah, wusste ich doch, the Big Picture hatte noch früher einen Artikel zu Bear Stearns:

Bove: Fed Rescue for Bear Stearns

Der bezog sich noch auf die Rettungsaktion der Fed, die jetzt Triple-A-gerateten Giftmüll gegen Staatsanleihen tauscht (Es gibt keine Kreditkrise!).

Schon am Mittwoch gab es Gerüchte, dass der Deal vor allem für Bear Stearns aufgelegt wurde. Was nicht ganz unplausibel ist, schließlich hat Bear Stearns die Mortgage Backed Assets quasi erfunden und Unmengen davon in den Bilanzen.

Update (17:07)

Noch ein Link, für alle die etwas mehr über Bear Stearns erfahren wollen:

Der tiefe Fall von Bear Stearns

US-Verbraucherpreise mit leichter Entspannung

Sowohl in der Kernrate wie auch bei der Gesamtrate inklusive Energie und Lebensmittel gab es im Februar keinen Preisanstieg.

Da kann die Fed die Zinsen in der nächsten Woche problemlos direkt um einen ganzen Prozentpunkt senken - jetzt wo die Inflation kein Problem mehr ist.

Die Jahresrate beträgt nur noch lächerliche 4%, das ist ein Zwei-Monats-Tief! Und im März wird der Ölpreis, der auf ein Zweitages-Tief von 110 Dollar gefallen ist, sicherlich auch nochmal zur Stabilisierung der Verbraucherpreise beitragen.

R.I.P. Inflation.

Man muss sein Zeitfenster nur richtig einstellen, dann kann man fast alles irgendwie optimistisch sehen ...

;-)

Marketwatch: Consumer inflation moderates in February

Applaus! Applaus! Applaus!

Die Profis haben es jetzt auch gemerkt ...

Es erwartet nun zum ersten Mal eine Mehrheit der vom WSJ befragten Analysten eine Rezession in den USA. Die Wahrscheinlichkeit liegt jetzt bei 72%, ein kräftiger Sprung von 49% im Vormonat.

WSJ: Most Economists Say Recession Has Arrived as Outlook Darkens

Im Februar waren ist noch 49%:
Die Februar WSJ-Konjunkturumfrage ist da

Im Januar 42%:
WSJ Konjunkturumfrage ist da! Rezessionswahrscheinlichkeit: 42%

Und im September noch bei 36%. Da hatte ich dann etwas Angst um meine Rezessionswette, weil das Konsenswachstum noch bei 2% lag und


Bei den befragten 60 Analysten sind genau zwei, die 2 Quartale im Minus haben:

Ram Bhagavatula von Combinatorics Capital
und
Cathleen Camilli von Camilli Economics.

Q3/07 und Q2/08 sieht niemand im Minus ... Da bin ich doch weiter weg vom Konsens, als ich gedacht habe ...
Damit hätten wir auch direkt die Hall of Fame der guten Prognostiker: Ram Bhagavatula und Cathleen Camilli (die aber aus dem Panel geflogen ist). Und ein Spinner in einem kleinen Dorf in Gallien ;-)

US-Rezessionswahrscheinlichkeit gestiegen

Mir war aber auch damals schon die Tatsache bekannt, dass zu Beginn der letzten Rezession nach etwa 70% der Volkswirte sagten, dass es keine Rezession geben würde. Obwohl die bereits begonnen hatte.

Bin gespannt wie das diesmal sein wird und wohin die NBER den Beginn der jetzigen Rezession legt. Eigentlich müsste der Dezember bereits schwach genug gewesen sein. Sinkende Einkommen, sinkende Einzelhandelsumsätze, sinkende Arbeitsplatzanzahl hatten wir im Dezember und damit waren drei sehr wichtige Indikatoren im Minus.

Applaus (vom Profi):



(den hatte ich schon lange in der Hinterhand)

Donnerstag, März 13, 2008

Ambac nicht herabgestuft

Ist das Staatsräson oder meinen die das wirklich ernst?

Ambac bleibt weiterhin Triple A, nachdem die Kapitalerhöhung 1,5 Milliarden in die Kassen gespült hat.

Moody's lässt den Ausblick auf negativ und setzt die Holding Ambac Financial von Aa2 auf Aa3 runter, S&P ist optimistischer und nimmt Ambac von der Liste der Firmen mit negativem Ausblick.

Fitch bleibt bei der Reduzierung auf AA.

Nach der Erhöhung des Eigenkapitals hat Ambac jetzt nur noch einen Hebel von 110 nach 130 (oder so). Ist doch toll! Bei einem Prozent Ausfall der versicherten Papiere sind die immer noch Pleite.

Ich finde diese ganzen Unterscheidungen ganz süß, denn die Ratingagenturen täuschen IMHO hier eine Genauigkeit vor, die sie schlichtweg nicht haben und wahrscheinlich auch nie hatten. Wenn es hypothekenbesicherte Anleihen gibt, bei denen über 40% der Hypotheken nicht mehr pünktlich bedient werden und die Anleihe trotzdem ein AAA-Rating hat, naja, was soll ich dann von solch feinen Abstufungen wie Aa3 und Aa2 halten? Oder Papieren, die mit AA noch sehr gut bewertet sind, aber mit Kursverlusten von fast 75% notieren?

Oder sind die Ratingagenturen nur zu genau und daher zu langsam? Wenn man gerade einen Optimismusflash hat, könnte man auf diese Idee kommen. Aber wenn man weiss, dass Enron - die Mutter aller Pleiten - noch Tage vor der Insolvenz mit einem Triple A eingestuft wurde, verliert man diesen Optimismus schnell. Ich finde es beeindruckend, dass sich die Allianz nicht davon beeinflussen ließ und die Analyse im eigenen Haus vorgenommen hat und damit offensichtlich bestens fährt.

Moody's, Marketwatch: S&P confirm Ambac's AAA ratings

Zum Thema übrigens auch noch ein passender älterer Artikel von mir, der auch einen spannenden Link zu Zeitenwende.ch enthält: Pfizer nur noch AA, MBIA weiterhin AAA

US-Einzelhandelsumsätze um 0,6% gesunken

Ja huch, Überraschung.

Der amerikanische Verbraucher gibt zwar normalerweise Geld aus als gäbe es kein Morgen, aber irgendwann merkt er doch, dass Ausgaben > Einkommen eine schlechte Formel ist.

In der Vergangenheit hat man sich einfach eine höhere Hypothek auf seine Immobilie besorgt und lustig weiter konsumiert. Damit näherten sich die Höhe der Hypothek und der Wert der Immobilie immer weiter an. Inzwischen allerdings auch dann, wenn die Hypothek gar nicht mehr erhöht wird ... Bei vielen ist es schon so weit, dass die Hypothek sogar höher ist als der Wert der Immobilie.

Wir haben jetzt aus mathematischer Sicht also:

Ausgaben > Einkommen
UND
Hypothek > Wert der Immobilie

Und wenn das beides gleichzeitig eintrifft, tja dann (und ich behaupte auch nur dann) fährt der US-Verbraucher doch tatsächlich seine Konsumausgaben zurück. Minus 0,6% im Februar bei den Einzelhandelsumsätzen heisst der Ergebnis in den offiziellen Statistiken. Und nie vergessen: Die Retail Sales ist ein der wenigen Konjunkturzahlen, die nicht inflationsbereinigt sind. Inflationsbereinigt waren die Zahlen schon im Weihnachtsgeschäft schwach (auch wenn die Bruttozahlen für die Überschrift noch ganz nett aussahen), die ersten zwei Monate 2008 wurden aber auch nicht besser. Wenn man von den Zahlen noch 0,3 oder 0,4% Inflation abzieht, war der Dezember 1% im Minus, der Januar etwa unverändert und der Februar wieder 1% im Minus. Da der US-Verbraucher gut 2/3 der US-Wirtschaftsleistung ausmacht und gut 1/3 allein aus dem Einzelhandel stammt, kann die Rezession in den USA eigentlich nicht vermieden werden. So viel Cola können die USA gar nicht exportieren ...

FTD: US-Einzelhandel schürt Rezessionsangst

Exlusiv: Das Geheimnis, wie man vieeel Geld verdient ...

Man leiht sich einfach viel, spekuliert heftig rum und hofft, dass das lange genug gut geht.

Im Endeffekt scheint das das Geheimnis der meisten Hedgefonds gewesen zu sein. Einfach den Hebel bis zum gehtnichtmehr erhöhen, die Zeit, in der das gut geht, zum Abkassieren benutzen und das dann gnadenlos knallen zu lassen. Was den Machern Wurscht ist, denn die haben ja 2,3 oder 5 Jahre lang 10 Millionen oder mehr pro Jahr eingesteckt.

WSJ: The secret to making money was borrowing massive sums."

Das erinnert ja an den alten Spruch: Die einfachste Möglichkeit an der Börse an kleines Vermögen zu machen, ist es, mit einem großen anzufangen ...

Es wäre mal ein wirklich interessante Untersuchung, *nach* dieser Krise zu errechnen, wie viele Hedgefonds Alpha generiert haben. Alpha ist der Mehrwert, also wenn z.B. der DivDAX 2% im Jahr stärker steigt als der DAX, hat der DivDAX Alpha generiert. Bei den Hedgefonds habe ich aber das Gefühl, dass die eben kein Alpha produzieren, sondern einfach nur stärker hebeln, sprich spekulativer sind. Wenn die Indizes 10% steigen, steigen die Hedgefonds 20%. Sieht erstmal beeindruckend aus. Aber scheinbar wirkt der Hebel ungebremst in die andere Richtung und bei 10% Minus im Index macht der Hedgefonds dann 20% Minus.

Wie gewonnen, so zerronnen.

Update:

gefunden über Quote du Jour: The Secret to Making Money

Carlyle Capital: RIP - 10 Tage nach der letzten positiven Meldung

nobody will miss you ...

Es deutete sich an: Carlyle Capital hat sich (final) verhebelt. Die Gespräche mit den Gläubigern waren erfolglos. Die Gläubiger werden jetzt die Kontrolle übernehmen und den Fonds wohl abwickeln. Den Märkten drohen somit unter Umständen weitere Zwangsverkäufe,

Marketwatch: Carlyle Capital nears collapse after talks fail

Der Chart ist hart: Am 6. März (also vor einer Woche) war der Kurs noch knapp 12 Euro, gestern 83 Cent. Und das könnte gut der letzte Kurs ever gewesen sein.

Bin gespannt, wieviel Schaden das bei der Mutter Carlyle Group hinterlässt. Die Beteiligung betrug nur 15%, aber man weiss ja aktuell nie, was neben den offiziellen Geschäften weniger transparent über Kredite, Bürgschaften und Versicherungen gelaufen ist.

Jetzt aber zum Clou der Geschichte: Die Nachricht vom 3.3.2008:

Marketwatch: Carlyle Capital Corp. aims to do better after tough 2007

"Carlyle Capital Corp. Ltd. (CCC.AE), a listed investment company managed by a unit of private equity firm the Carlyle Group, said it "can and will do better" after losing 30% of net asset value between its July listing and Dec. 31."
Ich würde mal sagen, die Prognose ist übel daneben gegangen. Dass ein Firma 10 Tage nach der Prognose, dass man es besser kann und auch besser machen wird, Pleite ist, naja, das ist schon was für's Geschichtsbuch (oder vielleicht sogar für's Guinness Buch der Weltrekorde).

Die Zeit vom Börsengang im letzten Sommer (zu 18 Euro) bis zur Pleite heute, reicht für das Guinness Buch nicht ganz, aber einen guten Platz im Geschichtsbuch sollte das schon schaffen ...

Interessante Zeiten ...

Update:

Sorry vergessen: Der Fonds ist keine Klitsche. Es geht um fast 22 Milliarden Dollar, die zum Zwangsverkauf bereitstehen. Und noch eine Zahl: Der Fonds hat mit einem Hebel von 32(!) gearbeitet, also weniger als 700 Millionen Eigenkapital gehabt. Wahnsinn!

Dienstag, März 11, 2008

Es gibt keine Kreditkrise!

Die 200 Milliarden-DollarAktion von den Notenbanken heute war nur ein Joke. Nur so zum Spass. Ja, man hat in diesen Kreisen eine komische Art von Humor ...

Naja, das meint zumindest offensichtlich Ken Fisher ...

Crunch Mythology

Eine seiner Empfehlungen: Citigroup. Mutig.

Naja, ich habe schon genug Böses geschrieben und klemme mir das zu Fisher jetzt erstmal.

Interessanter ist es etwas hinter die Kulissen zu schauen und im Detail zu betrachten, was den Sprung an den Börsen heute ausgelöst hat. In den Überschriften heisst es heute oft, dass die Fed 200 Milliarden zusätzlicher Liquidität zur Verfügung gestellt hat. Es ging dabei aber nicht um ein normales Refinanzierungsgeschäft, sondern um ein neues Geschäft. Interessanter als die Laufzeit sind die Sicherheiten, die akzeptiert werden (Banken können sich nicht einfach irgendwie Geld bei der Notenbank leihen, sondern müssen immer bestimmte Sicherheiten nachweisen). Bei diesen Sicherheiten akzeptiert die US-Notenbank in diesen neuen Geschäften auch AAA-Hypotheken. Das ist jetzt noch nicht so überraschend, denn AAA ist ja eigentlich die bestmögliche Qualität und das kann daher schon als gute Sicherheit dienen.

Bloomberg weist aber darauf hin, dass das genau die Anleihen sind, die bei nur noch 75% des Nennwerts notieren. Und es mindestens eine Anleihe gibt, die noch ein Triple-A-Rating hat, obwohl über 40%(!) der Hypotheken dahinter schon nicht mehr bedient werden. Wenn die Ratingagenturen ihren Job auch nur halbwegs vernünftig machen würden, wäre das Triple-A-Rating schon lange Geschichte (wenn die Ratingagenturen richtig vernünftig gehandelt hätten, wären die Anleihen nie Triple-A geworden ....).

Das Zeuch können die Banken jetzt bei der Notenbank abladen und sich dafür neues Geld besorgen. Wenn die Notenbank mit ihrer Einschätzung richtig liegt, refinanziert sie die Banken damit nachhaltig. Natürlich nur durch moderne Finanzalchemie: Giftmüll zu Bargeld. Liegt aber der Markt richtig und bewertet die Risiken richtig, packt sich die Notenbank Berge von Schrott in die Bilanzen und am Ende bezahlt der Steuerzahler die Rechnung.

Damit haben wir dann scheinbar doch noch einen klassischen Bailout für die Banken hinbekommen.

Den Hausbesitzern hilft das aber genau so wenig wie der Konjunktur. "Nur" die Liquiditätskrise kann so verhindert werden, aber immerhin etwas. Wenn sich allerdings die Ratingagenturen an die Realität anpassen und der AAA-Anleihe von oben abwerten, wird eine weitere Welle von Abschreibungen auf die Banken zurollen. Giftmüll bleibt Giftmüll, da kann die Fed machen was sie will ...

Big Picture: Fed Rally on Garbage Paper!

(Noch ein kleiner Nachtrag: Wie unglaublich weit die offiziellen Ratings und die aktuellen Marktbewertungen auseinanderklaffen sieht man an den Kursen für Hypotheken mit AA-Rating: Diese notieren bei 26% (!!!) des Nennwerts. Das ist eigentlich eher D, also das schlechteste Rating, das es gibt und nicht mit AA klare Investmentqualität).

China und die Inflation

Ich vertrete ja schon länger die These (die übrigens auch US-Notenbankchef Ben Bernanke vertritt), dass China vom Exporteur von Deflation zum Exporteur von Inflation geworden ist.

Der Bernanke Artikel ist schon etwas älter und bezog sich vor allem auf die steigenden Rohstoffpreise, die insbesondere von der chinesischen Nachfrage getrieben werden. Zu diesem indirektem Effekt kommt aber inzwischen ein zweiter direkter Effekt und das sind die chinesischen Exportpreise. Diese steigen aus drei Gründen:

a) Die Rohstoffe werden teurer.
b) Die Löhne in China steigen mit zweistelligen Raten, in den industrialisierten Gegenden teilweise noch schneller.
c) Die chinesische Währung wertet auf und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit.

Econbrowser: Four Observations on Import and Export Prices and the Dollar (Figure 3)
oder
China’s World-Deflation Role in Doubt as Export Prices Rise (PDF! siehe Seite 4)

Und dieser zweite Faktor wird immer deutlicher: Die chinesische Inflation ist inzwischen auf 8,7% gestiegen und man kann daher sicher davon ausgehen, dass die chinesischen Löhne in Zukunft noch schneller steigen werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Ursache für 2 Jahrzehnte ohne nennenswerte Inflation die gleiche ist wie für die Inflation, die uns jetzt droht: China. China war 2 Jahrzehnte lang Exporteur von Deflation, inwischen ist China aber Exporteur von Inflation.

Die Notenbank kann auf den dämpfenden Faktor China nicht mehr setzen. In Zukunft wird es sich (wieder) rächen, wenn man die Geldmenge permanent zu stark wachsen lässt. Und zwar so wie immer: Mit Inflation.

Zeitenwende.ch: Kein Schwein gehabt

Die Nachricht von Chinas Rekordinflation als Video (wer des Lesens überdrüssig ist): FAZ.NET: China kämpft mit Rekordinflation

Oder als Text: Marketwatch: China's inflation rate hits 11-year high oder auf deutsch FTD: Neujahrsfest treibt Chinas Inflation auf Rekordhoch

Übrigens steigen nicht nur die Verbraucherpreise, sondern auch die Produzentenpreise mit 6,6%: Marketwatch: China's trade surplus narrows unexpectedly

Interessante Beobachtung, dass das Handelsbilanzplus der Chinesen stark gesunken ist. Das ist wahrscheinlich nur ein saisonaler Ausreißer. Wenn nicht, wäre das aber hochinteressant: Denn das würde bedeuten, dass die Nachfrage nach chinesischen Gütern sinkt. Sei es durch die gestiegenen Preise oder weil die USA in der Rezession stecken (womit die Entkopplungsthese ad acta gelegt werden kann).

Kreditversicherer vs. IKB

Da sagt man doch immer so schön, dass sich die Krähen nicht gegenseitig die Augen ausstechen ... Stimmt aber nicht ...

Da verklagt die HSH Nordbank die UBS, weil die UBS den Giftmüll nicht richtig als Giftmüll gekennzeichnet haben soll. Die UBS antwortet mit einer Gegenklage (Schweizer reichen Gegenklage ein).

Heute kommt ein zweiter Fall dazu. Der Anleihenversicherer FGIC, der vor kurzem sein Top-Rating verloren hat, verklagt jetzt die IKB, weil diese bei der FGIC Giftmüll versichert hat, diesen aber nicht als Giftmüll deklariert hat. unter anderem dadurch habe FGIC sein Rating verloren.

Also ich will nicht zu viel unken, aber das sieht mir doch eher so aus, als hätte NIEMAND die ganzen Geschäfte durchschaut und jetzt, wo denen so langsam dämmert, was die für einen Mist verbockt haben, versuchen die, die Schuld an jemand anderen abzuschieben. Selber ist man natürlich immer unschuldig, also so als Versicherung, die nur Anleihen versichert, kann man vom Kunden doch verlangen, dass der einem die Prüfung abnimmt, oder? Das muss man doch nicht selber machen ...

Unabhängig davon: Es würde der ganzen Krise irgendwie die Krone aufsetzen, wenn bei einem erfolgreichen Ausgang der Klage die IKB (also der deutsche Steuerzahler) die amerikanische FGIC retten würde ...

FTD: Milliardenklage gegen IKB

Und so spricht der Ökonom

Die Aussage, die US-Rezession habe bereits begonnen ist "quite a reasonable working hypothesis", also eine gut begründete Arbeitshypothese. So zurückhaltend formuliert das Professor Hamilton von der Uni in San Diego.

Ich schrei einfach: Rezessionswette gewonnen! ;-)

Im Artikel findet sich ein sehr eindeutiger Chart, der die Anzahl der Arbeitsplätze seit fast 60 Jahren zeigt. Bisher immer in der Geschichte der USA folgte eine Rezession, sobald diese Kurve so weit abgekippt war wie aktuell. Im Chart wird übrigens mit dem Jahresdurchschnitt gearbeitet, damit die manchmal erratischen Schwankungen herausgemittelt werden.

Econbrowser: Has the recession started?

Die 10 schönsten Aufnahmen von Hubble

Mal was ganz anders ...




Wem das Lust auf mehr macht:

The Top Ten Hubble Images of All Time

Montag, März 10, 2008

Tab Sweep: US-Immo-Banken-Crash

Boah, hektischer Tag heute:

1.) Es gibt Gerüchte um einen Liquiditätsengpass bei Bear Stearns. Bear Stearns dementierte umgehend, die Risikoprämie stieg trotzdem von 450 auf 590(!) Basispunkte (Marketwatch meldet Anstieg von 400 auf 610). Außerdem hat Moody's eine ganze Reihe (Marketwatch meldet 163) Alt-A-Hypo-Anleihen herabgestuft und noch weitere auf die Überprüfungsliste gesetzt.

FTD: Wilde Gerüchte um Bear Stearns

oder hier

Marketwatch: Bear Stearns drops on liquidity concerns

2.) Carlyle Capital braucht Aufschub.

Es sind weitere Margin Calls eingetroffen. Ohne Zahlungsstop und Verhandlungen könnte Carlyle zu riesigen Zwangsverkäufen gezwungen sein. Carlyle hat übrigens CCC als Ticker-Symbol; da nähert sich die Bonität dem Ticker langsam an ...

FTD: Carlyle Capital bittet Banken um Zahlungsaufschub

oder hier

Marketwatch: Carlyle Capital margin calls soar past $400 million

3.) Die (staatlichen) Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verlieren beide über 10%.

Eine Geschichte in Barrons, auf die ich leider keinen Zugriff habe, beschreibt wohl die prekäre Situation bei beiden, die am Ende möglicherweise auf eine staatliche Rettungsaktion hinauslaufen wird.

Fannie Mae shares fall on bailout report

Die genaue Konstruktion der beiden ist etwas komplizierter, aber ich habe da noch einen Tab in der Hinterhand :-) Wichtig, die beiden sind 4,5 Billionen schwer ...

FTD: Auf Fannie und Freddie kommt es an

Und wenn man sich jetzt fragt, warum diese beiden Riesen straucheln sollten, nur ein Zitat:

Es ist ein historischer Durchbruch: Die großen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac werden keine Darlehen mehr kaufen, bei denen der Hauspreis nicht von einem unabhängigen Gutachter geschätzt wurde. Eine Umwälzung steht bevor.


Das heisst im Umkehrschluss, dass die vorher einfach alles akzeptiert haben. Wenn jemand 500.000 Dollar für eine Hundehütte bezahlt hat, dann war die wohl auch 500.000 wert. Naja, das wohl etwas arg optimistisch, um nicht zu sagen blauäugig ...

FTD: Revolution auf dem US-Immobilienmarkt

Übler Tag heute. Von der Nachrichtenseite noch mehr als von den Kursen her ...

Ist die Liste der Landesbanken jetzt komplett?

Die HSH-Nordbank fehlte noch ... Bis jetzt ...

Dort sind es 1,1 Milliarden Abschreibungen, aber trotzdem reicht es noch für einen Gewinn von 250 Millionen Euro.

Interessant, dass fast die Hälfte der Verluste erst im Januar und Februar entstanden sind, die HSH Nordbank das aber noch rückwirkend für den Abschluss 2007 berücksichtigt hat. Dazu ist man zwar eigentlich verpflichtet (richtig große Einflüsse, die erst während der Erstellung des Abschlusses auftreten, muss man auch rückwirkend aufnehmen).

Da muss man der HSH Nordbank Respekt zollen: Erstens hat es noch zu einem Gewinn gereicht und zweitens bilanziert man dort hanseatisch konservativ. Jetzt aber genug der positiven Nachrichten ;-) Warum?

Die Abschreibungen aus 2008 machen immerhin fast die Hälfte der Gesamtabschreibungen aus. Die Kursverluste bei den ABX-Indizes deuteten eine solche Entwicklung ja auch schon an. Es wird immer deutlicher, wie groß die Verluste in 2008 schon wieder sind . Die Verluste, die bei den anderen Banken noch kommen werden ... Puh, wenn die alle nochmal genau so viel abschreiben müssen, wie die 2007 abgeschrieben haben ...

FAZ.NET: HSH Nordbank schreibt 1,1 Milliarden Euro ab

Beck für Liechtenstein!

Komisch, immer wenn sich der vom deutschen Bürger angeblich immer so herbeigesehnte Staat einmischt, geht's so richtig schief ... Ob IKB oder FCK: Das Geld ist weg.

Ich möchte die Steuerhinterzieher nicht unschuldig reden, aber wie wäre es mal, statt ausschließlich die Steuerhinterzieher zu bestrafen, auch die Steuer*verschwender* ranzunehmen?

Ich schlage vor, die ganze Bagage nach Liechtenstein abzuschieben. Dort müssten die dann zwangsweise das Geld der Deutschen verwalten.

Also quasi Kurt Beck als Investmentmanager von Zumwinkels Stiftung!

Dann wären direkt zwei Probleme auf einen Schlag gelöst:

1.) Die Steuerverschwender wären weg und
2.) würde niemand mehr Geld nach Liechtenstein bringen, weil davon höchstens ein Stadion gebaut würde ;-) (oder das Geld würde irgendwie anders verschwendet).

FAZ.NET: Die Verschwender aus der Pfalz

Ken Fisher - Meister der geplatzten Prognosen

Wer Ken Fisher zuhört und (wie ich) auf den permanenten Optimismus etwas allergisch reagiert, dem gebe ich jetzt mal etwas Futter:

Forbes: Housing Boom!

Das ist die Kolumne von Kenneth L. Fisher vom 26.2.07. Darin folgende wunderbare Prognose:

For months now the debate has been over whether America will have a hard landing or soft landing, the answer hinging on how big 2007's housing disaster turns out to be. Well, there won't be any housing disaster. We won't have a landing at all, soft or hard. Right now the U.S. and global economies are both accelerating.
Also: Alles was ihr gerade seht, ist eine Illusion! Wir haben eine wachsende Wirtschaft, es wird keine Landung geben und ganz allgemein und wie immer: Probleme haben immer nur die Anderen, nicht Ken Fisher ;-)
The consensus forecast is for single-digit S&P 500 earnings growth tied to a slowing economy. Disbelieve it.
Tja, Mr. Fisher, ich habe es nicht geglaubt. Nur sind es nicht zweistellige Zuwächse, sondern einstellige Rückgänge geworden.

Dann empfiehlt Fisher seinen Lesern tatsächlich Hausbauunternehmen. Ich mache mir nicht die Mühe, alle herauszusuchen, das erste reicht mir: Von über 30 Dollar im Februar 2007 auf knapp 12 aktuell. Die Düngemittelhersteller, die er als Hedge am Ende empfiehlt, dürften sich allerdings gut gemacht haben.

Ansonsten ist der ganze Artikel aber eine komplette und vollständige Fehldiagnose. Wenn der Mann mein Arzt wäre, wäre ich definitiv tot.

Ein Leser hat mich um einen Kommentar zu einem aktuellen Fisher Artikel gebeten, ich finde das leider nicht wieder. Kannst Du den Link nochmal posten/mailen?

Auch auf die Gefahr hin, jetzt genauso arrogant zu klingen wie Fisher es immer ist (und ich kann Arroganz überhaupt nicht leiden), verweise ich auf ein Posting von mir aus dem Februar 2007, das sich auf den Forbes Artikel bezog, in dem ich schrieb, dass Fisher in diesem Artikel "zur Housing Blase eigentlich nur Bullshit schrei[b]t" (Tippfehler verbessert). Man sieht im Abschnitt allerdings auch, dass ich Contrarians wie Fisher eigentlich mag und Fisher oft sinnvolle Denkanstöße liefert. Aktuell finde ich ihn aber komplett neben der Spur.

US Immo-Blase: Wie davon profitieren?

(aufmerksam auf den alten kommentierten Artikel bin ich über Quote of the Day: Housing Boom!)

Zur Gewinnentwicklung beim S&P 500: Big Picture: S&P500 Earnings for 2007: Down -4.2%

Das Wichtigste zur US-Rezession auf einen Blick

NY Times: Signs of Trouble

Anzahl der Arbeitsplätze, Änderung der Immobilienpreise, Entwicklung des S&P 500, in einer wunderschönen Grafik zusammengefasst.

Man sieht sehr schön, wie sich die Zeiten gleichen.

Die Reihenfolge und der Auslöser waren nur etwas anders:

2000 platzte die Internet- bzw. TMK-Blase. Erst beschränkten sich die Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Mit einer Verzögerung von knapp einem Jahr kam dieser Vermögens- und Vertrauensverlust in der Realwirtschaft an und sorgte für eine sinkende Arbeitsplatzanzahl, fallende Immobilienpreise und auf breiter Front fallende Aktienkurse.

2007 platzte die Immobilienblase. Die Schockwellen im Finanzsektor setzen im Spätsommer ein. Ein weiteres halbes Jahr später sickert die Krise in die Realwirtschaft ein. Jetzt sinken die Anzahl der Arbeitsplätze und die Aktienkurse. Und die Immobilienpreise sowieso, denn die waren dieses Mal Ursache und nicht Wirkung.

gefunden hier:
Weekend Econo-Chart Porn

Es gibt wieder Liquiditätsspritzen der Fed

Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass wir uns aktuell in der zweiten Abwärtswelle befinden.

Wie schon im Herbst letzten Jahren müssen die Notenbanken die Liquidität anschieben. Scheinbar trauen sich die Banken nicht mehr über den Weg und leihen gegenseitig sich kein Geld mehr. Dann muss die Notenbank einspringen.

Die Summe ist noch unklar, aber statt wie geplant 30 Milliarden werden auf jeden Fall schonmal 50 Milliarden im Zinstender heute ausgeschrieben. Die Fed hat auch angekündigt, dass im Notfall weitere 100 Milliarden kurzfristig bereit gestellt werden könnten.

Inzwischen gehen die Märkte schon von einer weiteren Leitzinssenkung am nächsten Dienstag um 0,75 Prozentpunkte aus. Bei meiner letzten Wasserstandsabfrage waren es noch 0,50%.

FTD: Fed pumpt Milliarden in den Markt

Update (10:18):

OK, das kam schnell, aber wenn bei Herdentrieb was zum Thema steht ...

Robert von Heusinger weisst darauf hin, dass die Bundesanleihen inzwischen mit Spannen zwischen Geld- und Briefkurs von 10 Cent, statt üblicherweise 1 bis 2 Cent notieren. Der Bund (-Future) ist meines Wissens immer noch die liquideste (reglementierte) Markt der Welt. (Die Währungsmärkte Euro/Dollar und Dollar/Yen sind größer, aber das läuft ein großer Teil des Handels nicht über die Börsen)

Der Renditeabstand zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen ist auf 70 Basispunkte gestiegen. Das ist so viel wie noch nie, seit Italien den Euro hat.

Das ist sehr interessant, denn wenn in die ehemals liquidesten Märkten der Welt die Spannen so stark steigen, zeigt das, wie angespannt die Lage bei den Marktteilnehmern ist.

Liquiditätsalarm

FTD: US-Rezessionswahrscheinlichkeit 54,1%

In dieser Woche 54,1% nach 52,5 in der Vorwoche.

Ich bin etwas überrascht, dass die FTD die Lage noch so relativ rosig zusammenfasst:

Die Gefahr einer möglichen US-Rezession sorgt seit Wochen für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Zwar gibt es nach wie vor kein eindeutiges Anzeichen für einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in den USA. Doch zuletzt mehrten sich die Signale, dass sich das Wachstum zumindest sehr stark verlangsamt.
Es gibt kein eindeutiges Zeichen? Wir haben eine sinkende Anzahl von Arbeitsplätzen bei gleichzeitig (nach Inflation) stagnierenden Einkommen. In diesem Bereich gibt es kein Wachstum mehr. Alle Einkaufsmanagerindizes stehen aktuell unterhalb der 50 und damit auf Schrumpfung. Und die Unternehmensgewinne gemessen am S&P 500 sind auch gesunken.

Und dass sich das Wirtschaftswachstum "zumindest sehr stark verlangsamt" zeigte schon das BIP für das 4. Quartal 2007 an. Darin gab es nur noch ein annualisiertes Wachstum von 0,6%, also innerhalb des Quartals nur noch ein Wachstum von etwa 0,15%, also quasi nix. Diese "Prognose" ist eigentlich keine, denn das ist schon (lange!) Fakt.

FTD: Ökonomen befürchten US-Rezession

Sonntag, März 09, 2008

Musterdepot Wochenend-Update

egghat

Allgemein Wert Aktuell

StückNameSumme% Ges.
% Heute
Kurs

30 Wohnen in Deutschland Zert.
1.442,10 -8,25% -0,48% 48,07

150 Arcandor AG
1.503,00 -0,23% -1,20% 10,02

50 Hypovereinsbank 1.985,00 -1,61% -0,47% 39,70

45 BB Biotech
2.214,90 +1,49% -1,72% 49,22

60 Bilfinger 3.075,60 +2,91% -1,08% 51,26

130 Colonia Real Estate
1.729,00 +11,61% -3,97% 13,30

300 Minefinders 2.397,00 +30,09% -5,57% 7,99

500 Primacom 4.250,00 -13,48% -3,16% 8,50

2 Private Equity Basket
1.960,00 +14,45% -1,17% 980,00

100 Yahoo! 1.876,00 -5,61% +1,01% 18,76

Summe in €: 22.432,60 +0,73% -1,85%
Barbestand (Konto): +7.130,13
Gesamtsumme in EUR: 29.562,73

Mein Depot ist knapp 450 Euro im Minus, das sind beim Ausgangswert von 30.000 knapp 1,5%. Ich will jetzt nicht unken, aber angesichts der Börsenentwicklung kann ich damit wohl ziemlich zufrieden sein. Es hat sich bis jetzt ausgezahlt, bis zum Einbruch Ende Januar viel Bargeld gehalten zu haben (auch jetzt ist ja noch etwa 1/4 Bares). Ausserdem ist das Investment breit angelegt und setzt weniger auf die breite Masse der Standardwerte, sondern mehr auf Spezialsituationen, die im besten Fall noch ziemlich marktunabhängig sind (Hypovereinsbank, Primacom). Auch meine Edelmetallaktie hat sich (endlich) gut gemacht und hat die Stabilität hereingebracht, die ich damit auch bezwecken wollte: gehen die Aktien nach unten, gehen die Edelmetalle oft nach oben.

Yahoo! hat sich etwas erholt, obwohl der Dollar wieder schwach war. Das aktuelle Minus geht fast nur auf Kosten des schwachen Euros. Ich rechne weiterhin mit einer leichten Nachbesserung durch Microsoft, z.B. durch eine Allcash-Offerte oder eine Wiederaufstockung auf die ursprünglich gebotenen 31 Dollar, aktuell ist das Angebot ja nur noch etwa 29 Dollar wert.

Arcandor ist wieder auf mein Einstiegsniveau zurückgefallen, was natürlich enttäuschend ist. Mit solchen Schwankungen muss man aber bei einem derart spekulativen Turnaround-Wert rechnen. Ich sehe hier aber weiterhin das Kursziel bei 16 bis 18, sobald die ersten guten Nachrichten zum Turnaround kommen. Kommen die nicht, gehe ich auch wieder raus. Mit Arcandor bin ich definitiv nicht verheiratet, ich würde hier auch nicht (bei sich nicht bessernden Nachrichtenlage) nachkaufen.

Auch bei Colonia Real Estate (CRE) ist der ganz überwiegende Teil des Kursgewinns wieder verdampft. Die Aktie ist weiterhin völlig fehlbewertet. Bei einem inneren Wert, der laut einer Studie von Unicredit bei über 21(!) Euro liegt, ist ein Kurs von gut 13 natürlich ein schlechter Witz. Dazu kommen dann noch etwa 60 Cent Gewinn, die aus dem Immobilienverwaltungsgeschäft kommen und einen zusätzlichen Wert von 6 bis 8 Euro pro Aktie rechtfertigen. Kurz: Alles unter 20 Euro sind klare Kaufkurse. (Unicredit Global Equity Research -Buy: Target 26,50 Euro).

Hat noch jemand Ideen für Neuinvestments?

Ich hatte schonmal für Aleo Solar ein Limit bei 11 im Markt, das inzwischen fast greifen würde. Es gab Anfang Februar eine Studie von Goldman Sachs, die das Kursziel bei Aleo auf 8,60 Euro heruntergesetzt hat. Die meisten Analysten rechnen aber laut Onvista mit 1,04 bis 1,14 Euro Gewinn je Aktie in 2008, wozu ein Kurs von 8,60 Euro nun mal gar nicht passt. Ein Wachstumswert in einer Wachstumsbranche mit einem KGV von 8?!? Die Schätzung von GS muss also eine ganz andere sein. Hat jemand Zugriff auf die Studie?

Update (22:17):

Ich hatte noch einen ganz guten Link zu Minefinders, der Chancen und Risiken ziemlich gut zusammenfasst:

Vorteile: Preiswert, wenig Aktien, konservatives Management;
Nachteile: Noch keine Produktion, weitere Verschiebungen und Verteuerungen möglich, für lange Zeit eine Ein-Minen-Gesellschaft mit allen daran hängenden Risiken

Mehr Details hier:

The Long Case for Minefinders Corp.

Nö, ich zahle meine Hypothek nicht, bleibe aber trotzdem wohnen

Und manchmal geht das mehr als 5 Jahre gut ...

Weil die Banker bei der ganzen Verbrieferei, Slicerei und Weiterverkauferei offenbar vergessen haben, das sauber zu protokollieren, bleiben in den USA die Leute einfach (trotz Zwangsversteigerung) in ihrem Haus wohnen, obwohl das eigentlich gar nicht mehr ihr Haus ist.

Nur weiss keiner mehr, wem das Haus eigentlich gehört. Das geht quer durch die Branche und es nicht nur eine Bank betroffen ... Und es ist nicht ein temporärer Zustand, es geht schon länger so und einige Gerichtsverfahren sind bereits zu Ungunsten der Banken ausgegangen.

Die Geschichte hatte ich schon gebracht, aber dass das 5 Jahre lang gut geht ist schon hart ...

Irgendwie bekomme das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Das fällt mir eines der wenigen Wörter ein, die es vom Deutschen ins Englische geschafft haben: Schadenfreude.

Mortgage Note Issues Help Debtors Avoid Foreclosure

Samstag, März 08, 2008

Erfahrung mit Bankpleiten? Ich hätte einen Job für Dich!

Die amerikanische Einlagenversicherung FDIC sucht Leute. Die FDIC ist die Institution, die einspringt, wenn eine Bank Pleite geht und den Sparern ihre Spareinlagen garantiert.

Anforderungsprofil:

Ex-Mitarbeiter der FDIC
Erfahrungen mit Bankschließungen, Konkursen und der anschließenden Vermögensabwicklung

Gehalt: 67.836 bis 180.770 Dollar.

FTD: » Mit Rentnern gegen die Bankenkrise «

Man könnte das für Satire halten, ist es aber nicht ...

Übrigens muss die FDIC gerade die zweite Bankpleite des Jahres 2008 abwickeln:

FDIC reports second bank failure of 2008 - U.S., Missouri close Hume Bank


Die Bank ist zwar ne Klitsche, aber trotzdem: Die Stellenanzeige zeigt schon, dass das wohl nicht die letzte Bankpleite sein wird.

Alan Greenspan und seine Prognosen

Merken: Öl steigt immer weiter, auch wenn die Nachfrage in den USA durch die Rezession sinken sollte. Sagt Alan Greenspan, von manchen noch immer verehrt als Magier.

Für mich hingegen ist Greenspan in großem Stile mitverantwortlich für die historische Kreditblase, deren Platzen wir gerade beobachten können, oder besser müssen. Weil Greenspan bei jeder Schwäche der Märkte mit massiven Zinssenkungen und Anwerfen der Notenpresse dagegen gearbeitet hat. Dadurch wurde eine platzende Blase sofort durch die nächste abgelöst (statt das Problem mal auf die schmerzhaftere Art zu lösen). Und am Ende war Risiko eingehen kein Risiko mehr, weil jeder wusste, dass Greenspan im Notfall einspringt.

Aber zurück zum Öl und Greenspans Prognosen:

2003 als der Leitzins bei einem Prozent lag, hat Alan Greenspan angesichts dieser niedrigen Zinsen Erstkäufern nahe gelegt, Immobilien zu erwerben und am besten diese Hypothek mit variablen Zinsen (weil diese deutlich unter den fixen lagen) zu versehen.

Ein paar Zitate daraus:

Because of rising incomes, lower interest rates, and increased rates of household formation, more people have chosen to buy homes rather than to rent, increasing the value of mortgages outstanding. Although it does not show the relationship conclusively, the Federal Reserve's Survey of Consumer Finances suggests that these newer homeowners who make smaller down payments tend to bring with them higher levels of nonmortgage debt and, in particular, credit card debt. The ability of lending institutions to manage the risks associated with mortgages that have high loan-to-value ratios seems to have improved markedly over the past decade, and thus the movement of renters into homeownership is generally to be applauded, even if it causes our measures of debt service of homeowners to rise somewhat.
Kurz: Die Hauskäufer sind zwar bis zur Halskrause verschuldet, aber die Kreditgeber haben das Management der Risiken bemerkenswert verbessert.

Heute kann man sich darüber nur kaputtlachen. Gerade das Risikomanagement war nix, aber auch gar nichts.
... many homeowners might have saved tens of thousands of dollars had they held adjustable-rate mortgages rather than fixed-rate mortgage ...

Fixed-rate mortgages seem unduly expensive to households in other countries.
Das ist schon ein Plädoyer für die Hypothek mit der variablen Verzinsung, wenn auch mit der gebotenen Zurückhaltung eines Fed-Orakels.

gefunden über:

Greenspan's Oil Call, darin ein Superchart der Zinskurve mit dem Punkt, an dem Greenspan die Immobilienkäufer auf variabel verzinste Hypotheken hingewiesen hat. Kurz bevor genau diese wieder zu steigen begannen.

Die Rede findet sich hier:
Remarks by Chairman Alan Greenspan

Jetzt wisst ihr, was ihr von Greenspans Prognosen halten solltet. Nichts. Deshalb enthält dieses Posting auch nur einen Satz über die aktuelle Ölprognose von Greenspan. Und das ist auch noch zu viel (obwohl ich dieses Mal seine Meinung teile ... Ich rechne auch nicht mit einem spürbaren Rückgang beim Ölpreis).

Update (22.4.08):

Ich möchte noch eine weitere Prognose vom Magier hinzufügen:

"I suspect that we are coming to the end of this downtrend (of house prices), as applications for new mortgages, the most important series, have flattened out. I don't know, but I think the worst of this may well be over."
-Alan Greenspan, October 6, 2006


gefunden hier:
The Big Picture: Greenspan on Housing Bottoms

Der hämische Kommentar dazu: Das einzige, was in diesem Satz stimme, sei "I don't know" ...

Freitag, März 07, 2008

Casual Friday heisst für mich: Musik

So und hier ist mein Musikposting für diesen Freitag (und das freut mich wirklich).

Dass ich Sigur Ros gut finde und jedem die Musik und den Film Heima ans Herz lege, ist bei einer Suche nach Sigur deutlich zu erkennen.

Daher freut es mich um so mehr, dass scheinbar ab morgen der gesamte Film kostenlos bei YouTube zusehen sein wird. Es kann sein, dass das nur einen Tag lang geht.



gefunden über bei “Heima” von Sigur Ros in voller Länge bei YouTube

Ich erkläre meine Rezessionswette für gewonnen ;-)

Nach *den* US-Arbeitsmarktzahlen ... 63.000 Arbeitsplätze weniger in einem Land, in dem die Bevölkerung wächst, sind schlicht und einfach eine Horrorzahl.

Sollten die offiziellen Zahl zum BIP keine Rezession anzeigen, schiebe ich das einfach auf statistische Manipulationen und bastel mir ein paar passende Weltverschwörungstheorien ;-)

Dass die statistischen "Optimierungen" immer noch funktionieren, zeigt sich schon daran, dass man bei
a) steigender Bevölkerungszahl und
b) sinkender Arbeitsplatzanzahl
tatsächlich eine sinkende Arbeitslosenquote (von 4,9 auf 4,8%) errechnen kann.

Das liegt dann an den Leuten, die aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Ich klemme mir die Details dieser Daten und Bereinigungen, die 63.000 verloren gegangenen Jobs sind *die* tägliche Horrorzahl von der US-Konjunkturfront. Alles andere ist zweitrangig.

Marketwatch: U.S. payrolls fall by 63,000 in February

US-Immobilienpreise sinken noch weitere 10% ...

... sagen die Futures-Märkte, an denen man den Case-Shiller-Immobilienpreisindex handeln kann.

Danach gehen die Preise noch bis in den Herbst hinein weiter nach unten und zwar um weitere 10%. Nach den 8,9%, die bisher schon zu verzeichnen waren, kommen wir dann auf fast 20% Minus.

Das dürfte die Zahl der Haushalte, die überschuldet sind (aktuell 10,3% der US-Haushalte), noch deutlich steigern.

Man muss die Zahlen mit der gebotenen Vorsicht betrachten, denn schließlich spiegeln auch Futuresmärkte nur Erwartungen wider und sind nicht die magische Kristallkugel, mit der man in die Zukunft schauen kann. Außerdem sind gerade die Kontrakte auf den Case-Shiller-Index ziemlich illiquide und spiegeln deshalb möglicherweise nicht einmal die Erwartungen richtig wider ...

Marketwatch: In housing futures market, traders bet on declines

Den Amerikanern gehört weniger als die Hälfte des Hauses

Genau: 47,9%. Das heisst, dass alle Eigenheime zusammen mit mehr als der Hälfte des Werts beliehen sind und eigentlich damit zu einem größerem Teil der Bank als dem Bewohner gehören.

Spannende Zahl, auch wenn sich das auf den ersten Blick gar nicht so überraschend anhört. Schließlich kauft man ein Haus üblicherweise ja nicht bar, sondern auf Kredit. Und natürlich gehört das Haus dann erstmal der Bank.

Wenn man jetzt aber berücksichtigt, dass selbst in den USA ein Teil der Haushalte seine Hypotheken bereits vollständig getilgt hat (spätestens im Rentenalter sollte man dieses Ziel erreicht haben), wird die Zahl von 47,9% schon beeindruckender. Mal angenommen, dass etwa ein Drittel der Haushalte schuldenfrei sind, liegt die durchschnittliche Belastung bei den anderen wahrscheinlich bei etwa zwei Drittel des Immobilienwerts.

Wenn man jetzt aber noch weiss, dass diese Zahlen in der Vergangenheit anders aussahen, wird das Bild noch klarer: Statt knapp 48% aktuell lag die "Eigentumsquote" vor 20 Jahren bei 68%. Auch wenn manche das Wort Kreditblase nicht mehr hören können, wenn manche mein Gefasel über die negative Sparrate nicht mehr hören wollen: Dem Thema kann man sich von vielen Seiten nähern und es kommt immer das gleiche Ergebnis raus: Der US-Verbraucher ist bis zur Halskrause verschuldet. Und ich schaue ja nicht auf die absolute Höhe der Verschuldung (was zu simpel ist), sondern auf relative Zahlen wie Sparquote oder "Eigentumsquote". Das sind Zahlen, bei denen Einkommen und Ausgaben bzw. Schulden und Vermögen in Relation gesetzt werden. Meine Interpretation ist klar: Wir sehen eine Kreditblase von historischem Ausmaß platzen. Und das ist kein Sache, die sich in drei Monaten erledigt.

Aber zurück zum eigentlichen Thema:

Die hohe durchschnittliche Verschuldung der Hypothekenbesitzer führt natürlich auch dazu, dass viele Haushalte überschuldet sind: Sie haben also mehr Kredite als Vermögen. Im Fall der Immobilien eine Hypothek, die höher ist als der Wert des Hauses.

Die folgende Zahl hatte ich schonmal gebracht, aber es schadet nicht, die ab und an mal zu akualisieren: Moody's schätzt, dass 8,8 Millionen Haushalte (=10,3%) bereits überschuldet sind. Wenn das noch nicht schlimm genug ist: Weitere 10 bis 15 Millionen Haushalte könnten bei weiter sinkenden Immobilienpreisen das gleiche Schicksal drohen. Man muss sich das mal vorstellen: Im schlimmsten Fall wären dann fast ein Drittel der Haushalte überschuldet. Wenn die Banken die ganzen Haushalte vollstrecken, brauchen die 20 Jahre, um die ganzen Häuser wieder weiterzuverkaufen. Allein durch die unglaubliche Menge dürften die Banken sich dreimal überlegen, ob die überhaupt das Haus haben wollen ...

Big Picture: Federal Reserve: Household Equity at all time lows

Man kann die Zahlen auch noch etwas anders aufdröseln und kommt dann zu dem Ergebnis, dass die Haushalte in den USA im letzten Jahr ärmer geworden sind. Zwar stieg das Nettovermögen (also Vermögen abzüglich der Schulden) noch um 3,4% in 2007, nach Abzug der Inflation bleibt dann aber nur noch ein Minus übrig. Aber auch ohne Inflation sind die 3,4% Plus schon der schwächste Wert seit 5 Jahren.

Dieser Trend hat sich im 4. Quartal 2007 sogar ins Minus beschleunigt (-0,9%). Da die Privatvermögen 57,7 Billionen Dollar ausmachen, ist 1% davon schon eine ganze Menge (577 Milliarden). Hupps. Die sinkenden Immobilienpreise dürften einen Großteil ausgemacht haben, weil die Immobilien auch den größten Teil des Vermögens ausmachen (deshalb sind 10% Rückgang bei den Immobilienpreisen auch ähnlich wichtig wie 30% Rückgang bei Aktien).

Marketwatch: Household net worth falls 3.6% in 4th quarter

oder hier:

Telepolis: US-Haushalte wurden ärmer

Die Einschätzung, dass die Krise nicht schnell vorüber gehen wird, teilt auch der Chefanlagestratege der Allianz, Joachim Faber, der schlappe 970 Milliarden Euro verwaltet.

FAZ.NET: Diese Finanzkrise wird nicht in einem Quartal vorüber sein“

Darin findet sich der bemerkenswerte Satz:

Wir haben uns aber auch nie auf Bewertungen der Ratingagenturen verlassen, sondern bei jeder Investitionsentscheidung den Cashflow jeder Anlage selber analysiert und bewertet.
Da gibt's doch tatsächlich noch jemanden, der selber analysiert hat und gemerkt hat, dass die Ratingagenturen im einfachen Fall durch etwas eigene Recherche ersetzbar sind und im komplizierten Fall eh nur Müll abliefern.

Das Interview ist übrigens auch deshalb lesenswert, weil der Artikel nicht mit Weltuntergangsstimmung schließt. Und das ist doch was vor dem Wochenende. Ich befürchte die positive Stimmung hält aber nur bis zum nächsten Blick auf den DAX oder die Arbeitsmarktzahlen, die heute nachmittag kommen ...

Donnerstag, März 06, 2008

Margin Call for Carlyle Group

Nachdem ich Euch heute nachmittag noch die Geschichte der gerade insolvent werdenden Thornburg Capital erzählt habe, folgt nun die Carlyle Capital Corp., ein Affiliate der bekannten Heuschrecke Carlyle Group. Die Carlyle Group hat in Deutschland z.B. die Automobilzulieferer Edscha und Beru gekauft. In den USA hat diese den Autovermieter Hertz von Ford gekauft. Die sind also groß. Im Vorstand saßen sowohl Vater wie auch Sohn Bush und ein Bruder von Osama Bin Laden (wer mal was über Bushs Connections zu den Saudis und Bin Ladens gelesen hat, weiss damit auch, woher ihm der Name Carlyle bekannt vorkommt)

Die Carlyle Capital sitzt in Guernsey, hat mit den Private Equity Geschäften aber nichts zu tun, sondern ist eher ein klassischer Hedgefonds. Mit relativ wenig Eigenkapital (beim Börsengang im Juli 2007 sammelte Carlyle Capital etwa 320 Millionen Dollar ein) und hat über eine Unmenge an Krediten ein Portfolio von fast 22 Milliarden Dollar zusammengekauft.

Naja, die Sachen, die die gekauft haben, sind wohl nicht so dolle. Mortgage Backed Securities halt, das Zeuch, das mal als titsicher galt und jetzt selbst mit Triple A Rating 10 bis 15% unter Nennwert notiert. Zu viel Verlust, wenn man mit solch extremen Hebeln arbeitet, weil die Kredite dann schnell die Anlagen übersteigen. Das ist den Kreditgebern jetzt auch aufgefallen und sie haben Margin Calls ausgelöst (also weitere Sicherheiten verlangt). Diese kann die Carlyle Capital nicht liefern, obwohl die Carlyle Group die Kreditlinie um 50 Millionen Dollar erhöht hat.

Die Margin Calls sind also nicht bedient worden und jetzt werden die Kredite wohl fällig gestellt werden. Die Aktie hat sich heute nachmittag in etwa halbiert ...

In einer verwandte Geschichte (die ich eigentlich in den Thornburg-Artikel einbauen wollte, aber das irgendwie verpennt habe), sind übrigens auch zwei Hedgefonds von Peloton geschlossen worden, sprich Anleger kommen nicht mehr an ihr Geld. Der Ausgang (Abwicklung des Fonds, Restrukturierung, oder oder oder) ist im Moment völlig unklar. Im Vergleich zu Carlyle Capital sind die beiden Fonds aber Klitschen mit nur 1,6 bzw. 2 Milliarden Euro.

Marketwatch: Carlyle affiliate fails to make margin payments

Zu Peloton: Handelsblatt:Neuer Schock für Banken

Update (7.3.08):

Weitere Margin Calls für Carlyle Capital:

Marketwatch: Carlyle receives further substantial margin calls

Thornburg Mortgage Asset kaput

Wollte hierzu schon am Wochenende was schreiben:

Marketwatch: Thornburg slumps after disclosing margin calls

War aber nicht schnell genug, jetzt ist es schon passiert:

Marketwatch: Thornburg defaults on financing agreements

Da steht die nächste Pleite wohl ganz kurz vor der Türe.

Thornburg hält knapp 3 Milliarden mit Hypotheken besicherte Anleihen MBS (Mortgage backed securities). Diese sind 10 bis 15% im Preis gefallen, Thornburg hat diese Anleihen fast ausschließlich auf Kredit gekauft. Die Kreditgeber akzeptieren die Anleihen jetzt nicht mehr in voller Höhe als Sicherheit und verlangen deswegen einen Bargeld-Nachschuss. Das gleiche kennt man vielleicht unter dem Begriff Margin Call bei Aktienspekulationen auf Kredit oder aus dem Handel mit Futures.

Thornburg musste also Geld besorgen, was auf Grund des komplett ausgetrockneten Markts für MBS nicht möglich war. Die Broker haben daraufhin die Kredite gekündigt und diese kann Thornburg natürlich genau so wenig bedienen wie die Margin Calls. Jetzt sind die Kredite "defaultet" und die Gläubiger müssen überlegen, wie sie an ihr Geld kommen.

Die Aktionäre werden wohl in die Röhre schauen. Der Kurs verlor gestern nachbörslich noch weitere 35% und liegt jetzt nur noch bei gut 2 Dollar. Zum Vergleich: Letzten Freitag waren es noch 9, vor Ausbruch der Krise im Sommer noch 28 Dollar.

Mich interessiert weniger die Pleite von Thornburg (Bye bye), sondern vielmehr die Auswirkungen auf die Broker, die solche Kredite im großen Stil vergeben haben. Denn die Verluste bei diesen Geschäften schlagen natürlich irgendwann auch auf den Kreditgeber durch und das sind im Fall der Broker die Firmen, die das Herz der Wall Street ausmachen.

Besonders interessant wird die Beobachtung von Goldman Sachs, die bisher unbeschadet durch die Krise gesegelt sind, aber von diesen Krediten dem Vernehmen nach auch betroffen sind. Es scheint auch kaum vorstellbar, dass ein Haus wie Goldman Sachs weder selber in diesem Markt aktiv ist und auch keine Kunden finanziert hat, die in diesem Markt aktiv sind.

Übrigens setzen solche Zwangsexekutionen oft auch massive Abwärtsspiralen in Gang. Man kann nur hoffen, dass es in diesem Fall nicht dazu kommt. Ich denke lieber nicht darüber nach, was passiert, wenn doch ...

OK, wen es interessiert: Thornburg hatte Alt-A-Hypotheken, eigentlich etwas, was besser sein sollte als Subprime-Hypotheken (die Ausfallraten der Alt-A-Hypotheken waren aber schon ziemlich hoch dafür). Natürlich waren die Anleihen mit Triple A geratet, notieren aber trotzdem 15% unter dem Nennwert. In 2006 wurden etwa 612 Milliarden Alt-A Hypotheken vergeben, 2007 geschätzte 400 Millliarden Dollar. Diese Alt-A-Hypotheken waren übrigens auch einer der Gründe, warum die UBS vor kurzem so unter Druck geriet.

Die Ratingagenturen geben in diesem Markt übrigens wieder ein ähnlich schlechtes Bild ab wie bei den Subprime-Hypotheken auch. S&P hat letzten Freitag angekündigt, dass man möglicherweise für 14 Milliarden dieser Hypotheken das Rating reduzieren wird. Der Markt spricht aber eine andere Sprache: S&P hält die Qualität der Alt-A-Hypotheken für so gut wie die Anleihen der USA oder Deutschland, der Markt hingegen glaubt eher an Tunesien, Bulgarien oder Südafrika. Ich befürchte, dass auch dieses Mal die Einschätzung des Markts besser und aktueller ist als die der Ratingagenturen ...

Marketwatch: Troubles emerge in alt-A loans as delinquencies ratchet up

Update (14:56):

Mit der Erwähnung der UBS hatte ich ein gutes Näschen ...

Es gibt jetzt Gerüchte, dass die UBS ihr gesamtes Alt-A-Anleihen-Portfolio im Wert von fast 25 Milliarden Dollar in einem "Firesale" (also in kürzester Zeit) verkauft haben soll. Der Käufer soll Pimco sein, eine Tochter der Allianz. Weiterhin sagen die Gerüchte, dass die Transaktion zu ungefähr 70% des Nennwerts durchgeführt worden ist, also nochmal deutlich unter dem, was die ABX-Indizes für MBS mit Triple A Rating im Moment nahe legen würden. Ganz nebenbei würde der Firesale auch erklären, warum der Index so unter Druck geraten ist und aktuell noch tiefer notiert als im Herbst.

Marketwatch: UBS may have dumped $24 billion Alt-A portfolio

Der ABX-Index (Dank an m106 für den Hinweis).

Eye-Tracking ohne Brille - Way cool ...

Ich interessiere mich ja für Benutzerschnittstellen aller Art. Daher fasziniert mich das iPhone auch so, weil das Multitouch-Interface einiges ermöglicht, was vorher so einfach und intuitiv nicht möglich war. Sehr spannend.

Auf der cebit zeigt eine schwedische Firma einen Monitor mit eingebauten Kameras, die die Augenbewegungen des Betrachters verfolgen. Über etwas Software wird dem Computer dahinter mitgeteilt, wohin der Betrachter schaut. Ohne dass er irgendetwas weiteres machen muss, kann der Computer dann Aktionen auslösen.

Das Teleprompter Beispiel ist ganz schön. Sobald der Fokus des Betrachters in die Nähe des Randes kommt, beginnt der Text zu scrollen.

Das Beispiel mit der Tastatur ist weniger überzeugend, denn man muss dann mit dem Auge die Taste auf der Bildschirm-Tastatur anschauen, der Cursor wandert dann dahin und mit einem Schalter kann man den Tastendruck auslösen (im Beispiel mit einem Fußschalter). Das ist für den Normalanwender sicherlich wenig interessant, für Behinderte allerdings schon. Das kann zwar nicht mehr als die bisher existierenden Systeme, aber es kommt ohne die Spezialbrille aus.

Richtig spannend wird es aber bei Werbebildschirmen, wobei das Verfahren auch mit passiven Werbeflächen kombinierbar ist. Wenn Aussenwerber (Plakete, Bildschirme an öffentlichen Plätzen, Litfasssäulen, ...) die Augenbewegung des Betrachters mitbekommen könnten, könnten die erstens viel genauer zählen, wieviele Leute wie lange das Werbemotiv angeschaut haben und zweitens sogar erfahren, welcher Teil des Bildes betrachtet wurde. Ist das Logo gesehen worden? Die Überschrift? Welche Blickfänger (nackte Frau, was sonst) funktionieren wirklich? Das könnte die Außenwerbung revolutionieren.

Mittwoch, März 05, 2008

Rettungsaktion für Ambac geplatzt

Ambac versucht sich nun selber zu retten:

Kapitalerhöhung um 1 Milliarde Dollar und
Verkauf von Vermögenswerten im Wert von 500 Millionen Dollar und
6 Monate lang Abstinenz bei der Versicherung von Giftmüll.

(Die FTD rechnet übrigens die Summe zu 2,28 Milliarden Euro um, was aber genau falsch rum ist; in Euro ist die Summe niedriger).

Hmmm, 1,5 Milliarden sind nicht sonderlich viel, wenn man fast 1 Billionen Dollar versichert hat. Und die groß angekündigte Rettungsaktion, die als Gerücht schon ausreichte, um zweimal eine schöne Intradaywende nach oben auszulösen, ist das auch nicht.

Die Banken konnten sich also wieder nicht auf eine Rettungsaktion von vielleicht 3 Milliarden einigen und nehmen lieber Abschreibungen von 10 oder 20 (oder wasweissichwieviel) Milliarden in Kauf. Unglaublich dumm.

Ob die Rating von Ambac halten, ist noch unklar, Fitch hat eine Zurückheraufstufung auf AAA schon ausgeschlossen.

Bin auch mal gespannt, wie es bei MBIA weiter geht.

FTD: Anleiheversicherer benötigt neue Milliarden

Meine alten Postings zur Kreditversicherungskrise

Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Ich halte ja nicht viel von Charttechnik, aber manche großen Chartformationen beachte ich dann doch.

Man beachte folgenden Chart:



Langfristiger Abwärtrend, gute Bodenbildung (Dreifach-Tief, umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Funktion), Ausbruch aus dem Abwärtstrend. Klarer Kauf!

Man kann sich den Chart auch großklicken und das genauer betrachten. Das bleibt so.

Dann aber mal rechts auf die Skala achten. Sie ist falsch herum!

Das ist der Dow Jones "auf dem Kopf". Und damit ist die klare Abwärtsbewegung die Aufwärtsbewegung. Und die Bodenbildung eine Topbildung. Und damit der Dow ein klarer Verkauf!

Und jetzt? Hält sich daran jemand? Oder machen alle weiter mit dem üblichen Optimismus?

Idee geklaut hier:

Big Picture: Would You Buy This Chart?

Ich bin darauf gekommen, als ich gestern Abend das Wochenupdate meiner Lieblings-Börsenzeitschrift gelesen habe. Darin findet sich folgendes Zitat:

Sehr eindrucksvoll empfand ich dabei ein Zitat von Jörg Scherer, Technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, welcher obenstehenden Chart (von uns nachkonstruiert) auflegte, welchen Sie an dieser Stelle oder aber im Heft in letzter Zeit schon oft sehen konnten. Scherer merkte zu diesem DAX-Chart auf Monatsbasis an: „Wir haben hier zwei entscheidende Punkte, die für eine obere Trendwende sprechen: Erstens einen eindeutigen Bruch eines langen Aufwärtstrends und zweitens eine große obere Umkehrformation. Wenn man solche Signale nicht beachtet, welche denn dann?“ Richtig, Herr Scherer, genau so kurz und bündig lässt sich das darstellen!
Smart Investor Weekly: 5.3.08

Der Smart Investor hat sein Depot über Puts abgesichert. Ich überlege, das gleiche auch zu machen; entweder über einen Yen Call (wahnsinnige Korrelation mit den Aktienmärkten und völlig fehlbewertet), über einen Put auf den DAX oder evtl. auf China (ebenfalls weiterhin viel zu teuer und durch steigende Zinsen belastet).

Mal wieder was morbides ...

Liegt es an der Subprime Krise? Liegt es an meinem Alter (bald, allzubald 40)?

Egal,

nach den Todesanzeigen heute mal Grabsteininschriften:

Mein persönlicher Favorit:

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“I told you I was ill.”

Spike Milligan
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Noch etwas prägnanter, funktioniert als Bild besser (siehe Link unten):

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Jack Lemmon

In

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Und als Erfinder der Heisenberg'schen Unschärferelation ist natürlich auch
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Er liegt irgendwo hier.
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nicht ganz uncool.

10 Celebrity Tombstones Worth A Laugh (Or At Least A Smile) via Digg

Hebeln sich die Heuschrecken jetzt selber aus?

Ich hatte auf ein ähnliches Thema schonmal hingewiesen: Die erste Heuschrecke überhebe(l)t sich.

Die FTD fasst das Thema etwas breiter. Spätestens als die ersten Probleme mit den LBO-Bonds (Leveraged BuyOut -Anleihen) bekannt wurden, ist der nächste Einschlagspunkt der Kreditkrise klar: die "Heuschrecken". Diese finanzieren ihre Übernahmen ja hauptsächlich über diese Kredite.

Gemessen wird das Risiko bei den LBO-Bonds über das Verhältnis zwischen Fremdkapital und EBITDA (eine Art Rohgewinn) des gekauften Unternehmens. Dieser Wert stieg von 5,5 (2005) auf 6,7 Mitte 2007. Die Kaufpreise für die Unternehmen stiegen also immer höher bis es irgendwann keinen Sinn mehr machte. OK, wahrscheinlich haben die Private Equity Firmen nicht freiwillig aufgehört, sondern mussten aufhören zu kaufen, weil ihnen keiner mehr Geld gab. Selbst der Chrysler Kauf wäre fast geplatzt, wenn nicht Daimler nochmal nachgeholfen hätte. Der Käufer hatte zweimal vergeblich versucht, die Anleihen zur Finanzierung des Kaufs zu platzieren.

Inzwischen sind die Zinsen für die Kredite so hoch, dass sich die meisten Übernahmen nicht mehr rechnen. Damit ist im übrigen einer der großen Motoren für steigende Aktienkurse weggefallen. Im MDAX sind in den letzten 5 Jahren über LBOs einige Firmen verschwunden, natürlich nach hohen Kursgewinnen vorher (zuletzt Techem).

Die LBO-Anleihen notieren inzwischen in einem fast komplett ausgetrockneten Markt bei nur noch durchschnittlich 85%, abgeschrieben sind diese aber meistens erst auf 96%. Hier liegt also eine weitere potenzielle Abwertungswelle vor uns.

FTD: Heuschrecken vor der Pleitewelle

Dienstag, März 04, 2008

Der Januarindikator ist ein Mythos

habe ich ja schon immer gedacht und meine Begründung war ziemlich simpel:

Wenn in 80% der Jahre der Index nach oben geht, geht (eine monatliche Gleichverteilung angenommen) in etwa 80% der Fälle der Januar auch nach oben. Genau wie der Februar, der März, der April, ...

Wenn jetzt die Gegenprobe ergeben würde, dass in den 20% der Fälle, in denen der Januar fällt, die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Fallen auch 80% wäre, würde ich dem Indikator etwas Glauben schenken. Aber das machen die Aktienindizes nicht. Sie fallen dann nur mit knapp 50% Wahrscheinlichkeit.

Wenn man das ganze nicht mit meinem Simpelhirn untersucht, sondern mit richtig viel Statistik und richtig viel Regression etc. pp. kommt im Endeffekt das Gleiche raus: Der Januarindikator hat keine signifikante Aussagekraft.

Beyond The Abstract: January Barometer May Be An Illusion

Also wenn ihr im nächsten positiven Januar wieder das Märchen von der angeblichen Prognosekraft der Januarperformance in der Presse lesen solltet (dieses Jahr war der Januar ja schwach und dann wird von den Einflüsterern auf andere Sachen hingewiesen): Publikation merken und einen Strich hinter Märchenbuch machen und den Autor merken und einen Strich hinter Märchenonkel machen. Und wer zu viele Striche hat, sollte in Zukunft einfach ignoriert werden.

Das führt natürlich dazu, dass man die meisten Mainstreampresseorgane früher oder später nicht mehr liest, aber das ist nur gut für das Zeitbudget. In der gewonnenen Zeit kann man gute Blogs lesen oder (noch besser) sich eigene Gedanken machen.

Citigroup immer noch von der Pleite bedroht?

Vor ein paar Wochen war ich mir noch sicher, dass das nicht passieren würde. Aber wenn ein CEO des Staatsfonds von Dubai solche Andeutungen macht, muss ich das überdenken. Denn der sollte über weitaus bessere Informationsquellen verfügen als ich kleiner Blogger ...

Dubai ist allerdings (meines Wissens) noch nicht bei der Citibank eingestiegen. Es kann also auch gut sein, dass da jemand den Kurs noch nach unten reden möchte, um dann billiger einsteigen zu können.

Sameer Al Ansari von Dubai International Capital hält die bisher bekannten Kapitalerhöhungen noch nicht für ausreichend und rechnet mit weiteren hohen Abschreibungen und damit weiteren Kapitalerhöhungen: "it would take a lot more money to rescue Citigroup."

Ich gehe auch weiterhin davon aus, dass die US-Banken gerettet werden. Meine Zweifel gehen eher in die Richtung, ob die Banken am Ende der Krise noch als *US*-Banken durchgehen oder danach mehrheitlich Investoren vom persischen Golf oder Asien gehören ...

Marketwatch: Gulf investors may not save Citigroup, Dubai executive says

Sollte von der Citigroup eine Stellungnahme kommen, werde ich diese nachreichen.

Update (21:32):

Die Citigroup meldet, dass sie ihren "Kapitalquoten vertraut", sprich sich ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet sieht ("confident in capital levels") .

WSJ: Citi Confident in Capital Levels (der Artikel ist möglicherweise nur für Abonnenten frei, ich habe aber keinen besseren gefunden).

Unabhängig davon hat Merrill Lynch die Ergebnisschätzung für das erste Quartal massiv gesenkt. Statt 55 Cent je Aktie Plus wird jetzt ein Minus von 1,66 Dollar Minus erwartet werden. Grund: Die Abschreibungen, die Merrill Lynch auf 15 Milliarden Dollar schätzt.

Aus meiner Sicht ist dann auch sicher mit einer weiteren Kapitalzufuhr zu rechnen. Wobei solche Schätzungen immer kritisch sind, denn Merrill Lynch hat zwar die Ergebnisschätzung für das erste Quartal um über 2 Dollar reduziert, für das Gesamtjahr aber nur um 24 Cent ... Wie das zusammenpassen soll ist mir unklar.

Marketwatch: Merrill sees more write-downs for Citi

Update (5.3.08)

Jetzt gibt es auch ein "offizielles" Dementi, sofern man ein internes Memo offiziell nennen mag ...

"We are well capitalized and extremely focused on the strength of our balance sheet" ist darin der entscheidende Satz. Den zweiten Teil, das die Citigroup extrem fokussiert auf die Stärke der Bilanz ist, glaube ich sofort. Die Frage ist nur, ob der erste Teil stimmt und die Citigroup wirklich "gut kapitalisiert" ist.

Marketwatch: Citigroup CEO says firm 'financially sound'"

Kreditversicherer weekly

1.) Warren Buffet hat sein Angebot, 800 Milliarden Dollar kommunale Anleihen zu versichern, zurückgezogen. Wie von mir spekuliert, steigt er aber trotzdem in den Markt der Kreditversicherungen ein und hat bereits Gebote abgegeben. Schlechte Zeiten für die anderen Kreditversicherer wie MBIA und Ambac, jetzt hat man einen kapitalkräftigen Konkurrenten mehr, der dazu noch über ein exzellentes Rating verfügt.

Bond insurer offer off the table, Buffett says

2.) Kalifornien verzichtet auf Kreditversicherung

Kalifornien wird die nächste Anleihe nicht versichern. Offenbar sieht man darin auch keinen wirklichen Sinn mehr. Das Problem ist ja immer das gleiche: Kalifornien hat ein AA Rating. Das mag dann (angenommene) 0,3% mehr Zinsen kosten. Der Kreditversicherer kann die Anleihe dann versichern. Dann spart Kalifornien den Zinsaufschlag von 0,3%, muss aber Versicherungsprämie bezahlen. Diese wird nicht wesentlich geringer ein als 0,3%, ansonsten müsste der Kreditversicherer ja zaubern können. Da im Moment ziemlich unklar ist, welchen Wert die Versicherung überhaupt hat, hält Kalifornien die Prämie nur für eine Verschwendung von Steuergeldern. Der Trend keine Kreditversicherung zu nehmen, ist im Moment unübersehbar. Der Anteil der unversicherten öffentlichen Anleihen nähert sich inzwischen der 75% Marke. Das deckt sich auch mit meiner These, dass die Welt nicht untergeht, wenn die Kreditversicherer untergehen. Dahinter steckt halt etwas werthaltiges, auch wenn die Versicherung die Grätsche machen sollte.

Übrigens rentiert eine ältere unversicherte Anleihe von Kalifornien aktuell niedriger als eine versicherte von Massachuchets. Das impliziert sogar einen *negativen* Wert der Versicherung. Schlecht für die Kreditversicherer, würde ich mal sagen.

Marketwatch: California enters frayed muni market, protection-free

Montag, März 03, 2008

Öl so teuer wie NIE zuvor, Gold und Silber noch nicht.


(Quelle: Inflation Adjusted Oil Price Chart)

Gut, die letzten Kurse waren in Dollar betrachtet schon lange Allzeithochs. Aber eigentlich trifft das die Lage nicht, denn inzwischen hat die Inflation einen gehörigen Teil der Kaufkraft aufgefressen.

Wenn man den Ölpreis um die Inflation bereinigt, lag das bisherige Hoch bei 103 Dollar im April 1980. Heute hat der Ölpreis auch dieses inflationsbereinigte Hoch übertroffen.
Man kann jetzt also mit Fug und Recht behaupten, dass Öl noch nie so teuer war wie heute.





(Quelle: Inflationdata.com: Gold and Inflation)

Bei Gold sieht es übrigens anders aus. Inflationsbereinigt betrug der Höchstkurs Anfang der 80er 2272 Dollar. Da ist also noch jede Menge Luft.

Silber ist eine andere Nummer, weil hier Anfang der 80er Jahre die Brüder Hunt versuchten, den Silbermarkt einfach leer zu kaufen. Der Preis ging damals völlig durch die Decke. Inflationsbereinigt liegt das Allzeithoch bei fast 130 Dollar je Feinunze.

Real Silver Highs 2

Update (22:16):

Wusste, dass Barry Ritholtz das auch bringt ;-)

The Big Picture: Oil = All Time (Inflation Adjusted!) High

USA: ISM Index unter 50

Der Index, der die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes in den USA misst, ist im Februar unter die 50er-Marke gefallen, was eine schrumpfende Wirtschaft signalisiert.

Mit 48,3 kam der Index aber etwas besser als erwartet (47,5), der Stand ist trotzdem der niedrigste seit 5 Jahren.

Marketwatch: In sign of contraction, U.S. Feb. ISM falls to 48.3%

Silber über 20 Dollar je Unze

Aschhoff: Silber heißer als Gold

Deshalb habe ich ja auch eine Silbermine (mit Beiprodukt Gold) gekauft, die sich dann zwischendrin selber zu einer Goldmine mit Beiprodukt Silber gemacht hat.

Naja, solange beides steigt ...

Bei 20 Dollar je Feinunze Silber dürfte Minefinders das Gold mit negativen Kosten fördern :-)

Sollte Gold durch die 1000 gehen, dürfte das mal wieder einen Haufen Schlagzeilen pro Edelmetalle geben. Dann gibt es eine Preisspitze und nachher konsolidiert der Kurs. Die Geduld hatte ich aber schonmal und die habe ich auch beim nächsten Mal. Meine Inflationsprognose ist einfach zu pessimistisch, um die Diversifikation in diesen Bereich aufzugeben.

Warum die US-Wirtschaft diese Krise überleben wird ...

... und warum direkt die nächste Krise folgen wird ...

Yes, the financial system is insolvent, but it has nominal liabilities and either it or its borrowers have some real assets. Print enough money and boost the price level enough, and the insolvency problem goes away [...].

(Quelle siehe unten)

Genau so sehe ich das auch. Die USA rutscht in eine Rezession (oder ganz knapp daran vorbei), aber die Notenbank hat so früh begonnen, sowohl die Zinsen zu senken, wie auch die Notenpresse anzuwerfen, dass auch diese Krise vorüber gehen wird. Vielleicht 4, vielleicht 6 Quartale mit sehr schwachen oder negativen Wachstum, aber dann ist der Spuk vorbei.

Etwas anderes ist dann aber nicht vorbei: Die Inflation. Das wird das nächste Thema, möglicherweise ein so großes, dass die Fed nur mit einer richtig großen Bremsaktion die Lage wieder in der Griff bekommen kann.

Ein Rückblick in die Geschichte:

In der 80er Jahren führte der PC zu einem spürbaren Produktivitätsgewinn. In den 90er kam die Globalisierung dazu, da sowohl Chinesen und Inder wie auch der ehemalige Ostblockstaaten ihre Arbeitskräfte zu Dumpinglöhnen auf den Weltmarkt warfen. Davon haben wir profitiert, weil die Preise dadurch sanken. Gleichzeitig führte das Wachstum zu Wohlstandsgewinnen für diese immerhin gut 2,5 Milliarden Menschen (wenn auch lange nicht gleichmäßig verteilt). In diesen Ländern entstanden Fabriken, Straßen, Eisenbahnen, neue Kraftwerke, Wohnhäuser, etc. pp. Für all das benötigt man Energie, Beton, Kupfer und Stahl. Damit war die Basis gelegt für einen Rohstoffboom, der jetzt schon 10 Jahre andauert.

Dadurch steigen jetzt auch in diesen Ländern die Preise und da dort nicht die Kosten für Plasmafernseher die monatlichen Lebenshaltungskosten bestimmen, sondern die Preise für Strom, Reis, Zucker und Benzin schlagen die höheren Kosten für diese Bestandteile des Warenkorbs viel stärker auf das Monatsbudget durch als im reichen Westen. Während sich der Westen den Luxus gönnt aus Mais Ethanol für die Verbrennung im Auto zu machen, gehen die Mexikaner gegen die steigenden Maispreise auf die Straße. Da Mexiko die Preise für Mais nicht regulieren wird, werden sich die Mexikaner das Geld in der nächsten Lohnrunde beim nächsten Arbeitskampf holen. Da auch in China die Preise für Lebensmittel um 26%(!) gestiegen sind, wird sich auch dort die Lohnspirale schneller drehen als ohnehin schon. Aktuell steigen die Löhne für Industriearbeiter um knapp 10% jährlich. Bei einer Inflation über alles von knapp 7% würden mich auch 12% Lohnsteigerung nicht überraschen. Zusammen mit einem steigenden Yuan, der die chinesischen Exporte noch zusätzlich verteuert, wird China dem Westen nichts mehr billiger verkaufen können als bisher. Jetzt wird China nicht mehr nur Computer, Textilien und billiges Spielzeug exportieren, sondern auch Inflation.

Auch wenn man im Westen die gefürchtete Lohnspirale (noch?) nicht sehen kann, sehe ich diese weltweit schon in vollem Gang. Die Hochlohnländer sitzen in dieser Entwicklung am Ende. In den USA wird sich diese Spirale bald aber in Gang setzen. Erstmal muss die Rezession überwunden werden, aber danach wird die Inflation erbarmungslos zupacken.

Dazu trägt die US-Notenbank ihren Teil bei. Aber die Notenbank hat IMHO auch nur die Wahl, die Krise jetzt zuzulassen oder später. Aber das quasi alle Verantwortlichen maximal in 5-Jahres-Abschnitten denken, wird immer die zweite Variante gewählt werden.

Verschieb die Krise ruhig auf morgen, dann macht sich jemand anderes die Sorgen.

Brad DeLong: Three Cures for Three Crises

Sonntag, März 02, 2008

Die Mehrheit steht nun hinter mir ...

... zumindest hinter meiner Rezessionsprognose ... Gut, dass ich schon im Spätsommer gewettet habe, heute würde wahrscheinlich niemand mehr dagegen halten. Selbst Ken Fisher nicht mehr ...

Zumindest ergibt das die FTD Konjunkturumfrage unter knapp 20 Chefvolkswirten und Konjunkturchefs. Diese errechnet eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 52,2%.

Das ist aber eine für mir nicht ganz nachvollziehbare Statistik, denn wie will man bei knapp 20 auf 52,2% kommen? 10 von 19 ergibt 52,6%, 9 von 17 52,9%, ... Hmmm, aber vielleicht durfte die ja selber die Wahrscheinlichkeit schätzen, mussten also nicht nur ja oder nein sagen. Für Wetten braucht man aber binäre Aussagen. Mit einem 30/70 kommt man da nicht weiter, obwohl man mit sowas durchaus Chefvolkswirt werden kann ;-)

FTD: US-Rezession wird wahrscheinlicher

Liechtenstein vs. Landesbanken

In der Welt findet sich ein Leserbrief eines Unternehmers, der sich über die Höhe der Wellen wundert, die die Liechtenstein-Affäre erzeugt.

Ich verstehe das auch nicht ganz ...

Es geht nach Aussagen der Staatsanwaltschaft Bochum bisher um 28 Millionen Steuernachzahlung und man rechnet mit weiteren Zahlungen in ähnlicher Höhe. Das sind Nachzahlungen für mehrere Jahre. Wenn ich mich nicht irre, ist Steuerhinterziehung nach 5 Jahren verjährt. Wenn man freiwillig nachzahlt, muss man aber für 10 Jahre nachzahlen. Geht man nun von etwa 60 Millionen Einnahmen für den Staat aus, sind das bei 5 Jahren 12 Mio pro Jahr. Wenn man von 10 Jahren ausgeht, sind das 6 Millionen pro Jahr.

Nix. Ein Furz.

Darüber die ganze Aufregung?

Ein vertriebener Steuerzahler aus Deutschland von der Größe des Milchmüllers kostet Deutschland mehr.

Die IKB hat bis jetzt etwa 6 Milliarden gekostet! Und dazu kommt wahrscheinlich nochmal eine ähnliche Summe bei der Landesbanken.

Komisch, wie wenig darüber diskutiert wird ... Aber da liegt die Schuld auch woanders. Da sind nicht pöse, machtgeile, eiskalte, vaterlandslose Unternehmerä****e schuld, sondern die Politiker selber. Wahrscheinlich ist die ganze Liechtensteinaffäre nur ein plattes Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen.

Milliarden verjubeln ist OK - Millionen hinterziehen asozial

Welt.de: Liebe Angela Merkel, bitte keinen Klassenkampf!

Ich möchte Steuerhinterziehung in keiner Art und Weise rechtfertigen. Es gibt eigentlich auch keinen Grund dafür. Immerhin schafft man mit einer Lebensversicherung nach neuem 2009er-Recht eine Steuerquote von unter 15%. Und bis 2004 waren Lebensversicherungen komplett steuerfrei. Bis einschließlich 2008 sind Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei. Was man mit bestimmten Konstruktionen wie z.B. Rolling Discounts nutzen konnte, denn diese ergeben bei niedrigem Basispreis eine Rendite und ein Risiko, die jeweils nur knapp über einer Anleihe liegen. Auch Stiftungen sind in Deutschland möglich, die Konstruktion ist also per se nichts Böses. Nur kann das in Deutschland nicht anonym sein und der Zweck die Stiftung kann auch nicht ausschließlich die Auszahlung der persönlichen Rente des Verwalters sein ...

Das ist wahrscheinlich das, was im Brief an die Welt unter Punkt 11 gemeint ist:

11. Thesaurierung
Sie [Angela Merkel] erlauben als Staat das steuerfreie Thesaurieren von Zinsen in einer Reihe von Vehikeln und Gestaltungsmöglichkeiten und stellen Stiftungen, die ursprünglich das gleiche bewirken sollten, als Verbrechen dar. Es geht hier also sachlich häufig nur um eine Nuance, und es fragt sich deshalb, ob Herr Steinbrück sich dieser Zusammenhänge bewusst ist und wissentlich die Empörung über einen handwerklichen Fehler (wie Zinsen thesauriert und kapitalisiert werden) übertreibt?

Manche Punkte im Brief finde ich übrigens arg abstrakt und manche auch ziemlich weit hergeholt (Stasi-Vorwürfe, Spitzelstaat, etc.). Das trifft den Punkt nicht, die meisten Länder haben strengere Kapitalverkehrskontrollen als Deutschland. Und bei Steuervergehen gaben neidische Nachbarn und (Ex-)Partner schon immer die besten Hinweise. Das ist nichts Neues, das war schon immer Denunziantentum vom Feinsten.

Das spannendste an der Geschichte finde ich persönlich, warum der Zumwinkel so doof war, das so zu machen. Wegen 10% Steuern? Rational ist das nicht ... Spieltrieb, Abenteuerlust, dem Staat eins auswischen? Irgendwas davon muss es wohl gewesen sein.

Samstag, März 01, 2008

Gestern: Yamato - Geht hin!

Werbespot, für Leute, die viel Zeit haben ;-)



Aber jetzt mal richtig zur Show:





Leider in ziemlich schlechter Bildqualität, aber IMHO die beste Stelle:



Es fehlt in allen Videos natürlich leider die Lautstärke und der Bass. Live ist das beeindruckender.

Schön auch, wenn das Publikum mitmachen musste/sollte/durfte:




Es war teilweise auch echt lustig, leider finde ich da kein passendes Video. Also müsst ihr wohl doch selber hingehen ...

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